• Langsam hoben sich ihre Brauen an, bevor sie leicht den Kopf schüttelte. "Das sei den Frauen in den lunapars überlassen, und ich kann die Liebliche auch nicht als eine Metze sehen, die sich einem jeden bereitwillig an den Hals wirft! Die Liebe hat so viele Facetten, und eine körperliche Leidenschaft ist nur eine davon. Was hast Du denn für ein seltsames Bild von der schönen Göttin?"

  • Ich legte den Kopf schief und fragte staunend.


    Was hat man dir denn erzählt, wie in Griechenland der Dienst an der Aphrodite vonstatten geht? Und der Aphrodite huldigst du mit deinem Dienste an der Venus und griechisch ist nach wie vor der Dienst an ihr. Und noch heute ist das höchste Heiligtum der Venus und Aphrodite auf dem Berge Eryx. Allerdings war ich nie dort. Mir ist der Hurendienst zuwider.

  • "Sind wir nicht Römer und damit ein wenig ... sagen wir, zurückhaltender im Ausdruck unserer Verehrung für die Götter? Was den Glauben nicht geringer macht. Ich kann mir zumindest nicht vorstellen, dass hier in Rom ein Kultritual praktiziert wird, das dem der Aphrodite in Griechenland gleicht," erwiederte sie recht ernst nun. Oder war es hier doch ähnlich? Ein vager, leiser Zweifel mochte sich nun doch einschleichen.

  • Der Glauben. Im Namen der Venus opfert der Mann seine Lust und die Aufgabe der Hure ist es diese Lust für ihre Göttin zu empfangen.
    Ich hörte einmal von einer Tempelhure, die sich erdreistete menschliche Lust bei der Vereinigung zu empfinden. Man warf sie dne Tarpeijschen Felsen hinunter, da das Opfer umsonst war und sie ihre Lust der göttlichen voranstellte.


    Ich schwieg einen Augenblick und sprach eigentlich mehr zu mir selber.


    Ich hätte nie gedacht, daß ein ehrenwertes Geschöpf der Iulier sich freiwillig hierzu hingeben würde. Sicher, viele Familien verkaufen ihre Töchter an die Tempel, aber die Iulier? Was würde Caesar dazu sagen?

  • Es war von allen möglichen Gesprächswendungen die falscheste. "Caesar, der Vergöttlichte! Hat er nicht die Ahnenreihe der Iulier bis hin zu Venus zurückgeführt, die als Mutter des Aeneas gilt? Aeneas ist der Vater des Iulus, dem Stammvater unseres Geschlechts, und hat nicht auch der göttliche Caesar der Venus genetrix einen prächtigen Tempel, hier gleich auf dem Forum, errichtet? Ist es nicht die Venus Verticordia, die das Herz der römischen Frauen zu Zucht und Sitte hinführt? Ist nicht der Kult der Venus Libitina der Wahrer der Totenlisten? Wenn Du alles, was der Lieblichen als Verehrung gilt, in die Richtung der fleischlichen Lust schiebst, so irrst Du, werter Philosoph, die Venus Erycina ist nicht Ihr einziges Gesicht. Haben nicht auch die Menschen mehr als eine Facette - und dennoch verdammt niemand den Menschen vollkommen an sich."

  • Wer betet denn die Venus genetrix noch an außer der Familie der Iulier? Ist nicht selbst der Stiftungstag des Tempels der von dir so sittsam gepriesenen Verticordia auch gleichzeitig der Feiertag der Huren? Sicher geht es im Tempel der Verticordia etwas sittsamerund geruhsamer zu, aber schlußendlich dienen beide dazu der Venus die menschliche Wollust zu opfern.

  • "Ist nicht die Venus genetrix eine Göttin aller Römer? Wenn ich nicht irre, stehen Ihre Tempel schon seit vielen hundert Jahren inmitten Roms, und Du kannst mir nicht sagen, dass zur Zeit der Republik ein unsittlicher Kult geduldet worden wäre! Als Mutter des Aeneas ist sie eine Mutter aller Römer, denn stammen wir nicht alle von ihm ab, verdanken wir nicht seiner Reise das Wachsen und Werden Roms? Und ich glaube kaum, dass die ehrwürdigen Matronen Roms Dir darin zustimmen werden, wenn Du davon sprichst, sie seien alle de Wollust verfallen, sind doch Kinder in allen Familien ein Beweis für Fruchtbarkeit und Glück und damit sehr willkommen. Diese Frauen beten die Venus Verticordia nicht umsonst mit Inbrunst an," erwiederte sie und schien keinesfalls bereit, von ihrem Standpunkt abzurücken.

  • Ich reichte den Disputanten und verhielt mich still, wollte ich mich an ihren scharfen Zungen doch nur ungern aufschlitzen. So lächelte ich nur

  • Natürlich beten die Frauen die Venus an: Beschert ihnen diese doch Fruchtbarkeit. Fruchtbarkeit, die nur dann den Keimling in sich trägt, wenn der Same des Mannes in sie dringt.
    Und dieses entstehende neue Leben ist göttlichen Urspungs.


    Ich lächelte verschmitzt.


    Hast du dir einmal Gedanken über deine eigenen Worte gemacht:


    Diese Frauen beten die Venus nicht umsonst mit Inbrunst an. Richtig. Sie beten und opfern. Braucht es dazu einer Priesterin? ;)

  • Natürlich beten die Frauen die Venus an: Beschert ihnen diese doch Fruchtbarkeit. Fruchtbarkeit, die nur dann den Keimling in sich trägt, wenn der Same des Mannes in sie dringt.
    Und dieses entstehende neue Leben ist göttlichen Urspungs.


    Ich lächelte verschmitzt.


    Hast du dir einmal Gedanken über deine eigenen Worte gemacht:


    Diese Frauen beten die Venus nicht umsonst mit Inbrunst an. Richtig. Sie beten und opfern. Braucht es dazu einer Priesterin? ;)

  • "Braucht es dann für die anderen Götter Priester? Ich denke, jeder wirklich Glaubende braucht bisweilen jemand, mit dem er über die Götter sprechen und eine andere Sichtweise kennenlernen kann. Man mag sich selbst vieles denken, aber im Gespräch entfalten sich die meisten Gedanken und Ideen erst richtig. Und da braucht es sehr wohl einen Priester - eine Person, die sich mit den Göttern, aber auch mit dem Leben ein wenig mehr beschäftigt hat." Nun erschien wieder ein sachtes Lächeln auf den Lippen der Iulierin. "Wir diskutieren unsere Ansichten doch auch gerade, und werden durch die Verschiedenartigkeit unserer Meinungen bereichert."

  • Nunja. Ich kratzte mich am Kopf. Priester sind doch eher Amtsträger und Verwalter ihres Tempels bzw. Gutachter über die Sitten und Gebräuche unserer Religion. Aber Vorbeter wie bei diesem Christenvolk sehe ich da keine. Auch Dein Ahne Caesar war Quindecimvir und dann Consul.

  • "Das passt dann doch aber auch nicht zu deinem Bild der Venuspriesterschaft als willfährtige Metzen, meinst Du nicht? Und über Sitten und die Religion zu wachen, geht wohl kaum, ohne denjenigen ihre Fragen zu beantworten, die unwissend sind oder die etwas falsch gemacht haben zu belehren," warf sie ein und nahm abermals einen Schluck aus ihrem Weinbecher.

  • Dir scheint der Unterschied zwischen Mann und Frau noch nicht so geläufig zu sein. Ich sprach von Priestern. Oder hast du je einen weiblichen Quindecimviren, Septemviren oder gar Pontifex gesehen?
    Nicht ohne Grund sind die Dienerinnen der Venus oft Sklavinnen oder von armen Eltern verkaufte Mädchen.
    Die Vestalinnen könntest du als Beispiel anführen, aber auch diese stehen unter der männlichen Patrias des Pontifex maximus.

  • "Den Unterschied zwischen Mann und Frau kenne ich sehr genau, das darfst Du mir glauben," gab sie trocken zurück und schmunzelte. "Aber wer spricht davon, dass Dinge, die eine Zeit lang so waren, immer so sein müssen? Was spricht denn gegen ernstzunehmende Priesterinnen? Heutzutage gibt es gar Senatorinnen und Frauen, die den cursus honorum durchwandern, genau wie Männer. Wäre dies so ungehörig, würde der Kaiser dies sicherlich verbieten lassen."

  • Zitat

    Original von Iulia Helena
    Heutzutage gibt es gar Senatorinnen und Frauen, die den cursus honorum durchwandern, genau wie Männer....


    ...und dann in den Kellern der Praetorianer abgeschlachtet werden


    dachte ich bitter

  • Unsere Ahnen sind göttlich. Das sagtest du vorhin. Darf ein Mensch den Göttern und in deren Stand erhobenen vorwerfen, daß sie fehl im Leben taten? Das ist übelste Frevelei!


    Sim-Off:

    Nicht umsonst waren die Römer stockkonservativ über die Jahrhunderte. ;)

  • "Menschen tun vieles, wenn der Tag lang und die Sonne heiß ist," meinte sie sinnierend. "Vor allem hier in Rom. Vor das göttliche Gericht müssen wir doch letztendlich alle, oder etwa nicht?"

  • Göttliches Gericht? Die Juden und die Christen haben soetwas hab ich gehört. Bist du eine Christin?



    Ich wartete die Antwort nicht ab und ging in mein Fäßchen Nachschub an Wein zu holen.



    Sim-Off:

    Sinniert mal noch etwas. Muß jetzt leider erstmal arbeiten gehen. ;)

  • "Aber nein!" Das klang nun wirklich empört, fast entsetzt. "Mit dieser irrsinnigen Sekte von Verrückten will ich nichts zu tun haben. Mit göttlichem Gericht meinte ich, dass wir alle unsere Taten vor den Göttern zu verantworten haben, früher oder später. Wozu gäbe es denn sonst den Kult der Fortuna?"


    Sim-Off:

    oki, bis später ;)

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