Officium Princeps Praetorii

  • Du meinst, es könnte sich um einen Frumentarius gehandelt haben? Dann wäre der Befehl wohl aus der Regia gekommen, oder? Also vom Legaten oder einem seiner direkten Untergebenen, was aber dann auch wieder letztlich zum Legaten führen würde.


    Hatte sich einer seiner Verwandten am Ende mit dem LAPP angelegt? Witjon war eher unwahrscheinlich, wollte der doch sogar dessen Klient werden, wenn er es nicht sogar schon war. Blieb also eigentlich nur noch Lando... Was hatte dieser Verrückte jetzt schon wieder los getreten?

  • "Das liegt durchaus im Bereich des Möglichen." sagte er. "Dieser Mann, Vinicius Lucianus ist gefährlich. Deine Familie sollte gut aufpassen, wenn sie seinen Zorn auf sich gezogen haben."
    Auch wenn er bald über weite Familienbande mit dem Vinicier verwandtschaftlich verbunden sein würde, so hatte seine Meinung von ihm in der letzten Zeit doch sehr gelitten.

  • Ich halte ohnehin nicht viel von ihm. Er kommt mir aalglatt vor, wie die meisten Politiker. Außerdem mischt er sich ständig in die Belange des Militärs ein, obwohl er scheint's keine Ahnung davon hat. Einige der Fehler, die in Borbetomagus gemacht wurden gehen mit Sicherheit auf spezielle Befehle des Legaten zurück, und allein die Tatsache, dass er umgehend einen Befehl herausgab, die Soldaten auf Valerianus erneut zu vereidigen.


    Quintus schüttelte den Kopf.


    Jeder Soldat weiß schließlich, dass er seinen Schwur auf den Imperator Augustus ablegt, nicht auf eine bestimmte Person. Und dass er auch jederzeit bereit ist, seinen Schwur freiwillig zu erneuern, wenn er dazu aufgefordert wird. Männer, die dazu nicht bereit sind, haben im Exercitus Rumanus nichts zu suchen. Allein Ursupatoren sollte man nicht so ohne Weiteres folgen, aber das ist Valerianus ja nun einmal ganz gewiss nicht.


    Der Duccier atmete tief durch.


    So wie ich den Legaten einschätze, würde er die Truppen in Germania bei unklaren Verhältnissen als allererstes auf sich selbst vereidigen lassen. Mit drakonischen Strafen gegen alle, die sich verweigern sollten.

  • "Der neue Eid auf Valerian war eine allgemeine Aktion die jeder Kommandant im Reich durchgeführt hat. Dies geschah auf Befehl von Iulianus, der diesen in seinen letzten Briefen an die Provinzstatthalter und an Rom ausgab." informierte er den Duccier. Er war sicherlich der letzte, der Lucianus in Schutz nehmen würde, aber soviel Fairness musste sein.


    "Was deine Einschätzung angeht, so muss ich dir allerdings leider zustimmen. Ich denke auch, das die grösste Gefahr für Rom bei einem möglichen Dahinscheiden Valerians von Vinicius Lucianus ausgeht. Er mag militärisch sicherlich kein Genie sein, aber er weiss was er will und er hat gewisse Ambitionen."

  • Quintus nickte verstehend. Dem Befehl des dahinscheidenden Kaisers konnte man sich natürlich kaum widersetzen, zumal dies zeigte, dass Iulianus die Möglichkeit einer Ursupation schon vorhergesehen und auf diese Weise einfach und effektiv abgewendet hatte.
    Und auf die Ambitionen des Legaten bezogen musste dieser letzte Befehl des Herrscher wie ein Dolchstoß gewesen sein...
    Ein Lächeln umspielte die Lippen des Germanen bei dieser erfreulichen Erkenntnis.


    Schade ist nur, dass viele gute Männer dem Legaten blind folgen würden. Ich habe einige hervorragende Offiziere und Legionäre in Borbetomagus kennen gelernt, die im Zweifel wahrscheinlich leider auf der falschen Seite stehen würden. Andererseits gab es da aber auch Leute, die es nicht anders verdient hätten.


    Er schüttelte den Kopf.


    Ich verstehe einfach nicht, was gerecht daran sein soll, Bauern und deren Söhne ans Kreuz zu schlagen, die sich von Verbrechern aus Magna zu Überfällen haben verführen lassen. Ein ganzes Dorf wurde ausgerottet bei den Kämpfen, aber letztlich wurde "die Ordnung wieder hergestellt". Die Frage ist nur, um welchen Preis? Wäre es nicht sinnvoller gewesen, nach einem viel zu heißen Sommer und einem extrem langen und harten Winter die Kornkammern zu öffnen? Auf diese Weise hätte man das Vertrauen der Bevölkerung gewinnen können. Jetzt sehen sie die Römer nur noch als Besatzer.

  • "Ich muss gestehen, dass ich die offiziellen Berichte über Borbetomagus, die Rom erreicht haben, nicht eingesehen habe. Daher weiss ich auch nicht genau, was dort passiert ist und inwiefern es dort Fehlentscheidungen gab." Er nahm sich jedoch vor, dies genauer zu untersuchen.
    "Was Loyalität angeht, so kann ich nur sagen, dass jeder Soldat, der seinen Eid auf den Kaiser bricht und gegen ihn die Waffen erhebt, den Tod verdient hat. Und dabei sind Faktoren wie seine Herkunft völlig egal."

  • Das ist wahr. Von Borbetomagus kann ich dir ja berichten. Aber ich würde vorschlagen, das zu einem anderen Zeitpunkt in Angriff zu nehmen. Gelegenheiten wird es ja sicherlich genügen geben. Ich denke, dass ich jetzt Belgicus folgen sollte. Er hat wahrscheinlich ohnehin schon die Ausrüstung für uns beide geholt und wartet jetzt vor der Unterkunft auf mich.


    Quintus wusste nicht recht, ob er salutieren oder sich verbeugen sollte. er entschied sich für Letzteres, hielt die Verbeugung dabei aber knapp.


    Vale bene, Patronus.

  • Ein Schreiber klopfte an die Türe des Princeps Praetorii und öffnete sie danach, auch ohne, dass er dazu eine Aufforderung bekam:


    Princeps Praetorii, der Präfekt lässt nach dir rufen. Er wünscht dich in seinem Officium zu sprechen, da der neue Tribun angekommen ist.

  • Da Quintus ja wusste, dass Balbus noch nicht da war, wartete er mit Eila vor der Tür des Officiums. Er wollte nicht auch noch Ärger mit seinem Patron bekommen, nur weil er in dessen Abwesenheit seinen Raum betreten hatte...

  • Da es einige Momente zu dauern schien, bis der andere ihr mittlerweile ebenfalls unsympathische Römer aufzutauchen gedachte, entschied sich Eila in Anbetracht der Situation ihrem Verwandten in ungestörter und vorurteilsfreier Umgebung die Geschehnisse des Tages zu berichten.


    "Also ich weiß zwar nicht, wer dieser Perfekt, Dooffekt, Praefekt sein soll, aber wenn du diesen aufgeblasenen, widerlichen Kerl mit der Bürste auf dem Kopf meinen solltest, dann kann ich dir gerne sagen, warum er sich so aufführt."
    Sie rümpfte noch einmal bestätigend die Nase und begann dann mit der Erzählung.


    "Ich lief völlig unbeirrt über einen der Märkte hier und habe mir ein Buch gekauft. Und als ich es einstecken wollte, glitt es daneben, weil ich abgelenkt wurde. So musste ich mich bücken um es aufzuheben. Und auf einmal wurde ich mit voller Wucht von etwas hartem getroffen. Einem Schild wie sich dann herausstellte." Eila blickte sich einmal kurz um, um sicherzugehen, dass niemand da war und zog dann kurz ihr Kleid am rechten Bein so hoch, dass Arbjon den dicken blauen Fleck auf ihrer Hüfte sehen konnte.


    "Es war reine Glückssache, dass ich nicht auch noch im Dreck gelandet bin. Nunja, und als ich dann die Ursache des ganzen ausgemacht hatte, habe ich im Affekt diesem Möchtegern mein Buch hinterher geworfen. Und...nunja... ihn mitten am Kopf, bzw. seinem Helm getroffen." Sie hielt inne und blickte ihn mit fragendem Blick an um festzustellen, ob er den Rest der Geschichte noch hören musste oder sich selbst zusammenreimen konnte.

  • Quintus musste ein breites Grinsen, ja sogar ein Lachen unterdrücken, als er sich die Situation vorstellte. Vor seinem geistigen Auge flog ein gigantischer Foliant in hohem Bogen gegen den Kopf des Präfekten... Er kannte seinen obersten Chef nicht besonders gut, hatte ihn eigentlich bislang immer nur gesehen und nie gesprochen, aber diese Reaktion lag im Bereich dessen, was er über den Charakter des Mannes zumindest gehört hatte.


    War es ein großes Buch oder eher ein schmales Heftchen? Und den blauen Fleck sollte sich vielleicht ein Medicus ansehen. Ich weiß nicht, ob solcherlei Dinge relevant sind, aber vielleicht sind sie für dich hilfreich. Wir werden Balbus fragen, wenn er kommt. Er ist mein Patron und ein Freund der Duccier, und ich bin mir sicher, dass er uns helfen wird. Dennoch sind ihm in gewisser Weise auch die Hände gebunden, denn der Mann, den du "angegriffen" hast...


    Beim Wort angegriffen malte Quintus mit seinen Fingern Anführungszeichen in die Luft.


    ...ist der Präfekt der Praetorianer, der oberste Chef dieser Einheit. Er ist nur dem Imperator allein verantwortlich und hat das Recht eigentlich immer auf seiner Seite, da wir unter ständigem Kriegsrecht stehen, um den Kaiser optimal schützen zu können. Das Ziel deiner "Attacke"...


    Erneut malte er Anführungszeichen in die Luft.


    ...ist also einer der fünf mächtigsten Männer Roms. Du hast wirklich ein gutes Händchen darin, deine Feinde auszuwählen.


    Jetzt musste Quintus dann doch grinsen. Eila war halt doch eine echte Germanin.


    Aber solange wir noch Zeit haben, wie geht es denn so dem Rest dem Familie und was machst du eigentlich hier in Rom?

  • Eila seufzte bei den Worten Arbjons. War ja irgendwie klar, dass Eila mit dem Suchen von Feinden immer genau die Richtigen treffen musste.


    "Nunja, dünn war das Buch nicht gerade." erwiderte sie dann, legte aber keinerlei Bedauern in ihre Worte oder ihren Blick. Immerhin war sie immer noch der Meinung, dass es dem Praefekten recht geschehen war. "Aber es hatte dadurch eine gute Flugbahn." fügte sie dann grinsend hinzu, bevor sie wieder ernst wurde. Schließlich schien die Situation längst über ihre eigentlich Bedeutung hinausgewachsen zu sein und einen gewissen Ernst zu verlangen.


    "Ich bin gestern erst mit Silko zusammen hier eingetroffen..." meinte sie dann und wollte eigentlich fortfahren um dann abrupt inne zu halten. Silko wusste ja noch gar nicht wie es weiter gegangen war und machte sich sicher große Sorgen.
    "Silko... ich habe ihn in die Casa zurückgeschickt, bevor er sich noch an einem der Soldaten vergehen würde und die Situation eskaliert wäre. Wir müssen ihm eine Nachricht zukommen lassen, dass alles in Ordnung ist. Oder zumindest, dass es mir gut geht." meinte sie dann an Arbjon gewandt und hoffte er wüsste jemanden, der die Leute in der Casa informieren konnte.

  • Doch bevor dieser ihr eine Antwort geben konnte, kam auch schon der Herr des Officiums dazu, stiess die Tür auf und forderte beide, nicht sonderlich freundlich, zum Eintreten auf. Balbus ging direkt hinter seinen Tisch, wo er Platz nahm.


    "Könnte mir einer von euch sagen, was hier vorgefallen ist? Die Duccier, die ich bisher kennengelernt habe, werden sicherlich nicht erfreut sein, wenn sie als Hochverräter angeklagt werden."

  • Noch während er zum Officium des Princeps Praetorii eilte, kontrollierte er noch schnell seine Erscheinung. Er war gerade ganz gemütlich auf der Latrine gewesen und hatte gerade während seines Geschäftes einen witzigen Spruch in die Holzwand geritzt, als ihn ein Kamerad mit lautem Klopfen und Rufen auf den Befehl aufmerksam macht. Da war er natürlich schnell geworden. Sofort hieß nun einmal sofort und das war am besten im allernächsten Augenblick.


    Bevor er anklopfte, atmete er ein paar mal tief durch, damit man ihm die Hetze nicht anmerkte. Er straffte seine Gestalt, klopfte an und trat ein. Natürlich war er erstaunt darüber, seinen Kameraden Eburnus hier anzutreffen. Und eine hübsche junge Dame. Doch er salutierte, als wären die beiden nicht da. "Miles Quintilius, wie befohlen, Princeps Praetorii", meldete er und wartete gespannt auf das, was weiter geschehen mochte.

  • Quintus hatte gerade antworten wollen, als Valerian das Officium betrat und Meldung machte. Er war sich nicht sicher, ob er nun abwarten sollte, was sein Kamerad hier wollte bzw. sollte, oder ob er seinerseits Meldung über den Vorfall machen sollte. Höchstwahrscheinlich zu seinem Glück entschied er sich für letztere Option.


    Dies ist Duccia Flamma, eine Verwandte meinerseits, Herr, die erst gestern hier in Rom ankam. Sie war auf dem Markt, als der Praefectus mit seiner Garde des Wegs kam. Die Milites bahnten ihm einen Weg mit ihren Scuti, wobei sie meine Verwandte, die sich gerade nach einem Buch bückte, das ihr heruntergefallen war, derart hart anstießen, dass sie beinahe gestürzt wäre. Das Buch noch in der Hand, warf sie es, um ihrem Ärger Luft zu machen und traf dabei versehentlich... Quintus betonte das Wort sehr deutlich. ...den Praefectus am Helm. So hat Flamma es mir zumindest geschildert. Ich weiß, es steht mir nicht zu, eine Bewertung zu treffen oder ein Urteil zu fällen, aber ich denke, dass lediglich der Stolz des Praefectus gelitten hat, wohingegen Flamma eine Prellung davontrug.


    Er hatte alles berichtet, soweit er es selbst wusste. Was würde Balbus jetzt wohl unternehmen...?

  • Die Römer in Rom schienen allesamt nicht gerade die freundlichsten zu sein, entschied Eila innerlich, als der Mann, der Arbons Patron sein musste, sie mehr schlecht als recht zum Eintreten aufforderte. Eila folgte der Aufforderung und blieb in sicherer Nähe zu ihrem Verwadten stehen.


    Eila wollte schon etwas in der Art von "Und die Römer, die ich bisher kennengelernt habe..." erwidern, sparte es sich aber, weil patzige Antworten nun wohl kaum helfen würden. Sie entschied sich, zunächst Arbjon sprechen zu lassen und abzuwarten, wie sich das ganze entwickeln würde. Während dessen musterte sie den fremden Römer und auch den dann hinzukommenden weiteren Soldaten kritisch. Ohne etwas zu sagen konnte man den Trotz in Eilas Blick dennoch nicht übersehen. Erst recht nicht, als Arbjon davon sprach, dass sie den arroganten Mistkerl nur versehentlich getroffen hätte.

  • Balbus bedeutete Valerian mit einer Handbewegung im Hintergrund zu warten und hörte sich die Ausführungen des Ducciers an.


    Balbus schüttelte leicht den Kopf. "Deine junge Verwandte..." sagte er an Eburnus gewandt "... hat Glück, dass sie nicht nach einer Vestalin oder dem Kaiser geworfen hat. Dann wäre sie noch an Ort und Stelle ihres Lebens beraubt worden."


    Dann wandte er sich an Flamma. "Junge Dame, wir sind hier nicht in Germania, wo jeder tun und lassen kann was er will ohne die Konsequenzen zu tragen."


    Er schaute sie einen kurzen Moment fragend an, als warte er auf eine Reaktion.

  • Auf den Wink hin nickte Valerian nur, stellte sich in den Hintergrund und nahm Haltung an, wie sonst auf Wache im Palast. Mit ausdrucksloser Miene blickte er nach vorn. - Und hörte sehr aufmerksam zu und beobachtete genau. Auch das wie im Palast.


    Eine Verwandte von Eburnus? Und hatte dem Praefecten ein Buch an den Kopf geworfen? Eigentlich zum losprusten komisch, doch eben auch sehr ernst. Nicht, daß Valerian Crassus gut kennen würde, doch besonders humorvoll erschien er ihm nicht. Noch dazu, weil der Vorfall in der Öffentlichkeit geschehen war, konnte er ihn kaum ungesühnt lassen. Wenn das Mädchen wenigstens ein wenig schuldbewußt und reuig wäre, doch davon war nichts zu bemerken. Stolz und trotzig war sie. Erkannte sie denn nicht, wie ernst ihre Lage war?

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