• Magrus war sehr betroffen, als Claudia Sassia in so schroff zurechtwies. Er war sich sicher, dass seine Blicke, die er immer wieder verstohlen auf Cara warf, unbemerkt blieben. Es war ihm vor allem auch wegen Cara sehr unangenehm. Was würde sie jetzt von ihm denken? Er befürchtete, dass sie in Zukunft seine Gegenwart meiden würde. Er fühlte sich sehr schlecht, aber es war natürlich unmöglich, sich das anmerken zu lassen. So wandte er sich Claudia Silana zu:


    "Domana, darf ich dir zu Diensten sein? Ich werde dich jetzt abschaben und einreiben. Ich hoffe, du wirst mit meiner Arbeit sehr zufrieden sein."

  • Aristoteles tastete sich langsam in das Bad vor. Er war froh das sich ihm die Möglichket für eine neue vielversprechende Aufgabe eröffnet hatte. Seit seine Herrin Claudia Agrippina Rom verlassen hatte und ihn hier zurückgelassen, hatte man ihn im Claudischen Haushalt haptsächlich für einfachere Tätigkeiten eingesetzt und nicht als Paedagogus, was er eigentlich war. Nicht das er Agrippina nachweinte der dummen Göre. Hoffentlich erfüllte sich seine Hoffnung und er würde hier in Claudia Sassia und Claudia Silana zwei neue Schülerinen finden die seine Dienste zu schätzen wussten.


    Er betrachtete die Szene und sah wie der Sklave, Magnus hies er glaubte Aristoteles, an Sassia arbeitete. Er sah unglücklich bis verstört aus. Na hoffentlich war er da nicht gerade in eine angespannte Situation gerannt. Wenn die Herrinen auf einen Sklaven sauer waren, übertrug sich das leicht auf alle anwesenden Sklaven. Sie hatten sein Eintreten wohl bemerkt also gab es jetzt kein zurück und da musste er jetzt wohl durch.


    Der Paedagogus räusperte sich und sagte: Entschuldigt edle Herrinen! Erlaubt Ihr das ich euch einen Moment störe? Ich bin ein Sklave der Claudier und habe Claudia Agrippina als Paedagogus gedient. Mir wurde gesagt das Ihr vieleicht meine Dienste benötigen könntet. Verzeiht wenn dies ein schlechter Zeitpunkt ist.


    Hoffentlich gin das gut und die beiden jungen Claudierinen waren vom Gedanken an Lernen nicht zusehr abgestossen.

  • Sassia, die gerade dem Bad entstiegen war, drehte sich zu dem nun erscheinenden Sklaven. Ah da war er ja. Sie hatte gerade erst erfahren, dass der Privatlehrer ihrer Verwandten noch im Haus weilte. Mit Erschrecken hatte sie vernommen, dass er einfache Tätigkeiten im Haushalt wahrnahm. Welch eine Verschwendung von Ressourcen. Ja auch wenn sie was das finanzielle anging auf Rosen gebettet war, mochte sie es dennoch nicht, wenn man Potenzial welches vorhanden war nicht nutze. Da sie aber auch kein Bild davon hatte, was dieser Sklave nun genau konnte, wollte sie ihn einer Prüfung unterziehen um ihn, so er denn in ihren Augen bestehen konnte, auch entsprechend einzusetzen. „Ah gut das du kommst. Du hast unsere Verwandte unterrichtet, ist das wahr? Auf welchen Gebieten bist du denn gebildet worden?“

  • Langsam fing das geplante Wohlfühlbad an zu nerven, wenigstens empfand Cara das so. Dementsprechend weniger gut gelaunt wusch sie Silans Haare, vor lauter Hektik blieb sie in mehrmals mit einem Finger in der, von ihr so bewunderten, Lockenpracht hängen. Ein um das andere mal murmelte sie erschrocken, „Entschuldigung Domina“. Zum Schluss ehe sie zu der wartenden Sassia eilte kam leise, „Domina ich bitte nochmals um Entschuldigung, ich weiß ich habe dich heute schlecht behandelt und verstehe wenn daraus Konsequenzen für mich entstehen.“
    Danach eilte die Sklavin zu ihrer Herrin um sie abzutrocknen. Intensiv aber sichtlich bemüht, jetzt sanfter mit Sassias Körper umzugehen, rieb sie diese trocken. Nachdem diese es sich so gemütlich wie möglich gemacht hatte, begann Cara mit der Enthaarungsprozedur.
    Da ertönte plötzlich eine weitere männliche Stimme hinter ihr, erschrocken zuckte sie zusammen.

  • Magrus war gerade mit der ihm aufgetragenen Pflege von Claudia Silana beschäftigt, als ein Sklave eintrat und sich als Pädagogus vorstellte. Er hatte diesen Sklaven bisher noch nie gesehen und er wußte auch im Moment nicht, wen er unterrichten wollte bzw. sollte. Auf Grund seiner sehr guten Bildung wäre er natürlich auch in der Lage zu unterrichten. Aber nun, eigentlich war ihm das egal, was könnte er schon machen. Er konnte nur versuchen, seine Herrschaft zufrieden zu stellen und so ein einigermaßen ordentliches Dasein zu fristen.

  • Aristoteles schwitzte ziemlich und das nicht nur aus Nervosität. Es war recht warm im Bad und er war der Einzige der eine Tunika anhatte. Um genauer zu sein war er der einzige der irgendetwas anhatte. Aber die Herrin schien über sein Kommen erfreut zu sein und kamm gleich zur Sache. Etwas beruhigt antwortete er:


    "Ja, Herrin! Ich wurde gekauft um Claudia Agrippina als Lehrer zu dienen jedoch tat ich dies nicht lange bis sie abreiste. Seither diene ich im Haushalt. Es wäre mir eine Ehre euch und eurer Schwester zu dienen.


    Ich stamme aus Griechenland und wurde in Athen zum Paedagogus ausgebildet. Ich habe eine umfassende Bildung genossen und bin unter anderem bewandert in Grieschicher und Lateinischer Grammatik, Poesi und Epik. Ich beherrsche mich auf Arithmetik und Geometrie, sowie viele der technischen Künste. Ich habe die grossen Epen und die berühmten Philosophen gelesen und eine fortgeschrittene Ausbildung in Rhetorik genossen. Nach acht Jahren Studium in Athen graduierte ich als Bester meiner Schule. Danach wurde ich nach Rom verkauft um hier als Paedagogus zu dienen. Ich hoffe das ich euch von Nutzen sein kann."

  • Cara hatte ihr recht unsanft die Haare gewaschen, was sie merkwürdig zufrieden erduldet hatte. Was sollte sie auch tun? Sie kannte ihre eigenen Haare und wusste, dass diese gelegentlich widerspenstig waren. Als es vorbei war, atmete sie erleichtert aus und strich sich selbst noch einmal durch die Haare, um sicher zu gehen, dass alles soweit stimmte. "Alles noch dran," scherzte sie und wollte Cara damit entlasten. Immerhin war Cara nicht nur eine gute Sklavin, sondern manchmal auch eine gute Freundin, selbst wenn Silana dies niemals zugeben konnte. Die Grenzen der Gesellschaft waren leider sehr streng und Silana war noch zu jung, um sich ganz davon zu befreien. Nur wenige Seelen, vielleicht fern von hier, konnten diese Grenzen in wahrer Liebe überwinden aber die Zuwendung zu Cara ging bei weitem nicht so weit, dass sich Silana dem öffentlichen Galgen des Urteils der Gesellschaft aussetzen würde. Sie hatte andere Ziele. Verdammt. Warum kam ihr gerade wieder dieser Octavius in den Sinn? Er war süß und unvergesslich. Kurz sanken ihre Augen im Traum zurück als die weiblichen Hormone ihr Beiwerk taten, um ihren Verstand in seltsamer Zuneigung zu verwirren. Schnell musste sie entkommen. Einatmen. Ausatmen. Es gelang ihr das Gesichtsbild der flüchtigen Bekanntschaft zu verkennen. Nicht heute, junger Octavius! Silana zwickte sich in den Handrücken, um den Tagtraum zu vertreiben. Da tauchte tatsächlich Aristoteles auf. Erst jetzt bemerkte sie ihn, der schlicht für einen Moment im Raum gestanden hatte; unweit des Beckens auf den Marmorfliesen. Er war bekleidet? Gut. Auch wenn sie derzeit sicherlich genug Ablenkung durch den Anblick vergangener Seeschlangen hatte. Dabei wollte sie diese Ablenkung gerade nicht, da ihre gesteuerten Augen stets herabfielen und nicht ganz weichen wollten, sofern Magrus näher kam. Aristoteles sprach schließlich, aber Silana konnte nicht ganz zuhören, da Magrus, einer schönen Landschaft gleich, vor ihr stand, um sie zu reinigen. "Dööh...Ähh," stammelte sie zusammen, als Magrus mit der weiteren Prozedur des römischen Bades begann. Willenlos und gefangen wollte sie entfliehen aber die Nähe gefiel ihr doch irgendwo, denn dieses Landschaftsobjekt schaffte nun doch eine elegante Ablenkung. Als Magrus das Eisen zum Abreiben des Armes ansetzen wollte, hob Silana ihre elfische Hand und lächelte Magrus vielsagend an. "Danke," sagte sie. Elegant trat sie einen Seitwärtsschritt von Magrus weg, um diesem Gemälde zu entkommen. Silana atmete aus und betrachtete die Pflegearbeit. Sie war zufrieden und verschwand dann doch noch einmal im tiefen Becken, wo sie schlicht abtauchte, aber von den Anwesenden abgewandt, so dass ihr Blick nicht erneut auf Seeschlangen stieß. Natürlich war sie neugierig, wenn nicht sogar interessiert aber ein solches Interesse schien ihr gerade schamlos und wollte ihr nicht ganz ins Bild passen. Ihre Gedanken wollten dies gerade nicht, obwohl ihre hormonelle Unvernunft ankochte. Doch in dieser Zwangslage setzte sich ihr Geist durch. Nach diesem Tauchgang, den sie fortsetzte, bis ihr die Luft ausging, tauchte sie blubbernd wieder auf. "Ah," sog sie Luft ein und lächelte erleichtert. Sie drehte sich wieder um und blickte nun Aristoteles an. "Ein Lehrer?" - meinte sie fragend und fummelte an den wieder nass-verwirbelten Haaren herum, die nun wieder seltsam herabhingen. Sie hatte die Ausführung seiner illustren Vergangenheit verpasst und kannte ihn nur als Hauslehrer. "Epikuräer oder Stoiker," fragte sie dann kalt und wollte den Mann philsophisch einordnen. Immerhin kannte sich Silana auch ein wenig aus. Diese Gedankenwelten konnten sie den schrecklichen Hormonen (von manchen auch Horrormonen genannt) entreißen.

  • Magrus war erfreut, dass wenigstens Claudia Silana offensichtlich mit seinen Diensten zufrieden war. Sie ließ sich geduldig von ihm abschaben und mit duftenden Ölen einreiben. Es entging ihm allerdings auch nicht, dass sie immer wieder den Blick senkte um einen Blick von seiner sich nun wieder mehr oder weniger im Normalzustand befindlichen Männlichkeit zu erhaschten. Natürlich ließ er sich nichts anmerken. Mittelpunkt seiner Gedanken waren ja auch nicht die claudischen Schwestern, sondern Cara. Diese war nun viel ruhiger und verrichtete routiniert ihre Dienste an Claudia Sassia. Was sie wohl von ihm dachte?
    Obwohl er mit Claudia Silana noch nicht fertig war, dankte sie ihm plötzlich und ging zurück ins Becken. Der Pädagogus stand immer noch da, als plötzlich Claudia Silana sich an ihn wandte und ihn nach seiner philosophischen Ausrichtung fragte. Magrus war leicht erstaunt, dass sie eine Frage stellte, die auf eine Bildung schließen ließ, die er ihr nicht zugetraut hatte.

  • Aristoteles war ziemlich irritiert von der jungen Herrin die plötzlich Untertauchte und dann umso plötzlicher mit einer Frage nach seiner philosophischen Orientierung auftauchte. Er riss sich zusammen um nicht zu blöd dazustehen und sagte:


    "Stoiker, Herrin!"


    Er verkniff sich hinzuzufügen das dies für einen Sklaven ja auch die deutlich brauchbarere Philosophie war.

  • Silana klatschte verspielt und tonlos in beide Hände, um dann fies zu kichern. Ein Stoiker, also! Die spaßfreien und überernsten Naturphilosophen! Gut, zwar trafen sich einige Gedankengänge der Stoa mit ihrer Weltsicht aber sie mochte den kaltherzigen Ansatz dieser Schule nicht. Also galt es nun, denn Sklaven, der sich großartig als Philosoph präsentierte, herauszufordern. Mit einem Handwink schleuderte sie dann ein paar Wassertropfen durch den Raum. "Die Welt besteht einem Ozean gleich aus vielen Tropfen, kleinen Teilen, die durch eine Macht gehalten werden aber wenn wir diese Macht als vernünftig ansehen, weil sie Bestand hat, hat nicht dann auch die Gegenmacht, jene Unvernunft Bestand? Freiheit liegt im Sein oder auch im Nicht-Sein, Aristoteles?" - fragte sie also und blickte den Sklaven vielfältig verspielt an. Sie biss sich mit leicht geöffnetem Mund auf die Zunge, um ein freches Zunge-Herausstrecken zu unterlassen aber man konnte verstehen, warum sie gerade eine Rede über die Unvernunft präsentierte.

  • Das war ja nicht zum aushalten. Erst war seine erste Schülerin Agrippina so garnicht an Bildung interessiert und jetzt erwies sich eine seiner beiden neuen Schülerinnen als unvernünftige Philosophieanhängerin. Na das konnte ja einiges an Arbeit werden. Bemüht nicht aus der Rolle zu fallen antwortete er:


    "Die Welt hat in sich sowohl Vernunft als auch Unvernunft, doch strebt die Natur zur Ordnung und zur Vernunft. Dies soll der Mensch sich zum Vorbild nehmen wie doch schon der grosse Seneca sagte: „Die Natur nämlich muss man zum Führer nehmen: sie beachtet die Vernunft und diese fragt sie um Rat.“


    Er hoffte wirklich das Silana sich diese Worte Seneca's zu Herzen nahm, den im Moment sah die ganze Szene hier im Bad ziemlich unvernünftig aus.

  • Silana hatte ihre eigene Theorie für diese Welt und sah nicht den Gedanken, den Aristoteles ihr vermitteln wollte. "Warum müssen Dinge Vernunft haben?" - fragte die junge Claudia frech und schlug sich selbst einen Schlag Wasser ins Gesicht, der sanft an den Lippen verperlte und dan abfiel. "Wir neigen nur gerne dazu, menschliche Eigenschaften auf die Natur zu übertragen," erklärte die Claudia nun nüchtern und wieß damit den Satz ihres Gegenübers zurück. Nein, sie würde diesem Sklaven nicht die Gnade der Akzeptanz gewähren. Sie akzeptierte nicht einfach Lehrdogmen, die ihr angeboten wurden. "Ich glaube eher, dass die Welt einer innigen Entropie folgt. Wenn ich das stille Wasser betrachte, werden mir kleine Bewegungen auffallen, aus dem Nichts, die es in Unruhe versetzen," meinte sie und stellte damit eine These in den Raum, welcher sich auf das Wasser bezog; einem Element, welches sie sehr schätzte. "Nehmen wir an, dass das Universum; der Kosmos, in dem wir leben, existiert, weil er existiert, und in sich ein Fehler sein könnte, da sich Energien zusammenfinden müssen, damit diese Existenz möglich ist. Denken wir die Götter fort, weit fort und überlassen das Sein sich selbst, wäre die Existenz als solches nicht eine Verschwendung von Vernunft? Wäre es nicht vernünftiger ohne Existenz und somit ohne Energie zu sein?" Eine Frage, die sie selbst nicht ganz beantworten konnte. Silana interessierte sich seit langem für diese Frage nach einem Sinn. Mitunter kam sie zu dem Schluss, dass das Leben keinerlei Sinn hatte und die Bedeutung allein im Sein lag.

  • Interessiert verfolgte Sassia wie ihre kleine Schwester den zukünftigen Lehrer prüfte. Sie lauschte dem Gespräch, während Cara sich um ihre Pflege kümmerte. Da ihre Schwester es ja vorgezogen hatte, sich wieder ins Wasser zurückzuziehen stand Margus jetzt irgendwie nutzlos herum. „Margus?“ Sassia war gerade richtig entspannt,was ihre Laune deutlich hob und sie vergaß sogar die Blicke, die er vorhin ihrer Cara zugeworfen hatte. „Du kannst dich anziehen und bring mir bitte etwas Wein und Trauben.“ Hatte sie gerade bitte gesagt? Ja hatte sie Wenn Sassia sich rundum wohl fühlte, brach sie sich auch keinen Zacken aus der Krone und war nett zu ihren Sklaven.

  • Magrus war erstaunt und gleichermaßen erfreut, dass Claudia Sassia so freundlich zu ihm war. Er wollte sich natürlich besonders bemühen, sie zufrieden zu stellen und so ihre Laune nicht beeinzuträchtigen. So zog er sich schnell an und eilte in die Culina, um das Gewünschte zu bringen. Er kam so schnell wie es nur irgendwie ging zurück und reichte Claudia Sassia ein Tablett.


    "Domina, hier ist Wein und frische Trauben. Die Köchin hatte auch köstliche Nüsse, von denen ich dir auch welche gebracht habe. Wie möchtest du den Wein haben, Domina?"

  • Aristoteles errinnerte sich daran das seine Schülerin zu verärgern keine gute Idee für einen Sklaven war. Das hatte sich ja schon bei Agrippina nicht für ihn ausgezahlt. Aber was Silana da zusammen philosophierte war doch grosser Schwachsinn. Hatte sie da gerade: "Denken wir die Götter fort," gesagt? Na das würde schwere Arbeit sein bis sie eine gebildete und guterzogene römische Dame war.


    Vorsichtig antwortete er:

    "Eine sehr interessant Theorie, Herrin! Doch ist doch bekannt das die Götter ständig über die Geschicke auf Erden und besonders über die Geschicke Roms wachen. Ist nicht auch die Natur voll von Ordnung die nur durch eine ihr innewohnende Vernunft erklärt werden kann. So sind doch Pflanzen und Tiere wohlgeformt mit oft symetrischen Mustern und die Natur versorgt uns mit Nahrung und Kleidung. Die Winde treiben unsere Schiffe über das Meer und die Armeen Roms besigen die Barbaren. Ist dies nicht alles ein Zeichen von Ordnung? Von zielgerichteter Vorbestimmung?"


    Sassia schien sich währendessen eher um ihre Entspannung zu kümmern. Gut! Aristoteles hätte nicht zwei philosophierende Schülerinnen verkraftet.

  • Silana grinste böse. Dieser Sklave lebte tatsächlich in festen Dogmen. Er hatte zwar Lehre genossen aber nicht gelernt, sich eigene Gedanken zu machen. Ihm fehlte wissenschaftliche Neugierde, die umso wichtiger war. Wissen ohne natürlichen Zweifel war leer. Wissen musste stets geprüft werden. Und scheinbar unterließ Aristoteles diese Prüfung, was Silana böse amüsierte, denn so konnte sie sein Weltbild geschickt angreifen. "Also gibt es keinen Zufall?"- fragte sie gespielt überspitzt und trat mit eleganten Bewegungen aus dem Becken. Ihr nackter Körper erhob sich über die Stufen als sie sanft mit beiden Armen in schwingenden Bewegungen auf Aristoteles zeigte. "Und wieder sind es menschliche Ideen, die uns begrenzen," meinte sie und griff sich ein Tuch, um sich selbst abzutrocknen. Silana dachte nicht darüber nach, sondern handelte jetzt einfach und überging die übliche Prozedur der Nachreinigung, denn sie war ganz in das Gespräch vertieft. Das Stück Leinen fuhr von beiden Händen jeweils geführt über ihre Haut. "Ich erkenne wachsende Formen in der Natur. Dinge, die durch sich selbst sind und nicht durch einen Sinn geschaffen. Götter sind nicht zwingend notwendig für eine Existenz, sondern wir sind, weil wir sind," griff sie fast einen Satz von Epikur auf. Silana wollte den Lehrer herausfordern, um ein wenig mehr von ihm zu ernten, als er nur leere Phrasen. "Über Rom wachen wir," stellte sie ihre Argumente gegen seine Aussagen. "Wir gestalten Rom, die im Imperium leben," setzte sie fort und ließ, nachdem sie sich abgetrocknet fühlte, das Stück Leinen einfach fallen und wollte auf Cara warten, dass diese jenes Badekleid aufbot, welches sie tragen wollte. Es war üblich nach dem Bad einen Überwurf aus feiner Wolle anzulegen, damit die Wärme im Körper blieb und man sich wohlig geschützt fühlte. "Die Natur handelt ohne Vernunft, denn ein Wolf jagt, weil er Hunger hat und nicht, weil er bewusst entscheidet. Er hat keine Wahl zwischen richtig und falsch, sondern nur einen Drang zur Handlung. Instinkte. Er kennt keinen Fehler, sondern nur seine Existenz. Für eine Wahl braucht es Verstand und Vernunft kann ergo nur in einer bewussten Entscheidung vorliegen. Wir Menschen können entscheiden, also können auch nur wir Vernunft haben," überlegte sie mit betonten Worten und strich sich dabei über die linke Rückhand, während sie den Sklaven nicht mehr anblickte. Ihre Nägel konnten mal wieder behandelt werden, so stellte sie fest, denn scheinbar missfiel ihr die aktuelle Stutzung und Form. Trotz dieser Feststellung verlor sie nicht ihre Gedanken zum bekannten Disput. "Pflanzen und Tiere existieren vielleicht ebenso durch sich selbst, weil sie hier sind und wachsen. Die Natur, aus der auch wir entstammen, denn auch wir werden aus dem Leibe geboren, versorgt uns mit Nahrung, weil auch sie stets geboren wird. Götter liegen nicht im Sein, sondern im Nicht-Sein, mein guter Sklave," meinte sie frech und betrachtete nun gänzlich ihre Nägel, indem sie diese etwas erhoben vor ihr Gesicht hielt. Sie brauchten wirklich Form. Vielleicht ein spitzzulaufener Schnitt in einem halbrunden Dreieck? Silana würde gleich Cara um entsprechende Bearbeitung bitten. "Die Winde gäbe es auch ohne uns, und unsere Schiffe können auch eine Flaute erleben. In diesem Sinne werden die Winde wohl nicht nur für uns geschaffen sein," grinste sie und blickte dann an ihrer Hand vorbei, zu jenem Aristoteles. "Und Barbaren können auch unsere Legionen besiegen, wenn sie zahlenmäßig stark sind. Was sie von uns fernhält, sind militärische Disziplin und Wissen. Wir haben starke Waffen, bessere Waffen, als sie," äußerte sie frech und ließ die Hand herab sinken. "Es sind keine Zeichen, sondern nur Bestimmungen einer menschlichen Wahrnehmung. Zeichen sind mystisch und magisch. Ich erkenne darin keine Magie, was Natur ist," schloss sie ab.

  • Seine neue Schülerin war wohl recht umfangreich von den Theorien der Epikuraer verdorben worden. Aber er konnte ihr ja schlecht direkt widersprechen. Das hatte Agrippina ja schon nicht gut vertragen und Aristoteles hatte am Ende Hausarbeit statt einer Lehrertätigkeit nachgehen müssen.


    Dann stieg die nackte Silana auchnoch aus dem Becken. Sie schien sich anscheinend garkeine Gedanken darüber zu machen welchen Effekt sie auf ihn und Magrus haben könnte. In diesem Moment schoss es Aristoteles durch den Kopf das es vileicht doch nicht so schlecht war das er eine Eunuch war. Als man ihn vor 2 Jahren kastriert hatte damit er Agrippina unterrichten konnte ohne das von ihm eine Gefahr ausging hatte er das natürlich anders gesehen. Er erinnerte sich noch gut wie er seinen Hoden nachgetrauert hatte. Aber nun war es wirklich praktisch das sein Glied sich nicht regte auch wenn er sich noch immer daran erinnern konnte was am Körper einer hübschen jungen Frau wie Silana so anziehend war. Er seufzte kaum hörbar und antwortete:

    "Kann es nicht sein das diejenigen Ereignisse die wir Zufall nennen uns nur so erscheinen weil wir nicht alles Wissen und sinnvolle Ereignisse nicht als solche erkennen weil uns das Verständniss fehlt? Wenn die Götter in der Welt und durch uns handeln sind dann nicht die Instinkte der Tiere und auch die Disziplin und der Heroismus der römischen Legionen von ihnen gegeben und gewollt?"


    In dem er dies als Fragen formulierte hoffte er sie nicht zusehr herauszufordern, aber unbeantwortet konnte er ihre kruden Thesen auch nicht lassen.

  • „Ich hätte ihn gern verdünnt.“ antworte sie und hielt elegant ihre Hand in die Höh, damit Margus ihr den Becher reichen konnte. Sie genoss ihren Wein und die Vorstellung die ihre Schwester und der Lehrer ihr boten. Nun das es heute noch so unterhaltsam werden würde hatte sie nicht erwartet.
    Cara schien genau so gefesselt wie sie selbst, so dass Sassia sie sanft ermahnen musste. „Cara? Silana braucht dich.“

  • Magrus reichte Claudia Sassia den verdünnten Wein. Natürlich bemerkte er, dass sie vom Gespräch zwischen Claudia Silana und dem plötzlich aufgetauchten Pädagogus amüsiert war. Auch er folgte dem Gespräch aufmerksam, dessen Inhalt ihm natürlich auf Grund seiner hervorragenden Bildung keinerlei Problem verursachte. Er sprach leise zu ihr:


    "Domina, der Pädagogus tut sich ja ziemlich schwer mit der Domina Claudia Silana. Er hat wohl nicht damit gerechnet, in ihr einen so versierten Gesprächspartner zu finden. Er könnte einem fast leid tun."

  • Cara strich versonnen über die Beine ihrer Herrin, ja sie fühlten sich gut an, genau wie die anderen Körperstellen, an denen sie Sassia von ihren Haaren befreit hatte. Heute fand sie diese Arbeit überaus anregend. Aufmerksam verfolgte sie den Disput zwischen Silana und dem Pädagocus. Es war bestimmt nicht leicht für ihn, sich gegen sie zu behaupten, denn als Sklave konnte man sich nicht immer so frei äußern wie man wollte. Auch kannte er seine Gesprächspartnerin nicht und und wusste nicht wie sie reagieren würde, wenn er etwas äußerte was ihr missfiel. Als Sklave vollführte man auch manches Mal eine Art von Eiertanz.
    Für die Sklavin war aber klar, dass Silana das hier gerade genoss. Sie liebte es wenn sie andere mit Worten spielerisch provozierte und oft neckte und ihr Spiel mit ihnen trieb. Sie Cara fand, dass Aristoteles sich wacker schlug.
    Sie zuckte doch wirklich ein wenig zusammen als Sassia, die wohl auch aufmerksam lauschte zusammen. Sie wollte ihr gerade antworten, als sie hörte was Magrus zu Sassia sagte. Cara hob leicht die Augenbraue, verwundert fragte sie sich warum Magrus das sagte. Wollte er sich anbiedern? Vor ihrer Domina glänzen? So etwas mochte sie nicht. Sklaven die versuchten zu integrieren gehörten nicht zu einem Claudischen Haushalt. Er würde sich daran gewöhnen müssen, dass es nicht immer so lief wie man es sich wünschte. Bei gleicher Bildung, hatte Aristoteles zumindest die älteren Rechte, er war schon in diesem Haushalt als sie kam. Er Magrus war Sabinus Sklave und alles andere war Sache des Familienoberhauptes.
    Ja Domina, platzte Cara laut heraus, ich bin hier gleich fertig und werde Domina Silana nach ihren Wünschen fragen.

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