[Atrium] Tiberii hospiti

  • Sicher, die alten Zeiten im Castellum waren bisher immer noch die besten.



    Aber sicher, kommen wir gleich zur Sache.



    Er lauschte seinen Erläuterungen und als sein alter Kamerad geendet hatte, musste er kurz überlegen, bevor er antwortete.


    Dass Lepidus und er sich wirklich alles anvertrauten, das war klar und das schätzte Seneca sehr an seinem Bruder. Er vertraute ihm sogar die Zukunft seiner Tochter an.
    Eines war für Seneca sicher schon klar, er konnte ihm nicht sofort eine direkte Zusage auf seine Frage geben. Zuvor müsste er mit Helena sprechen.
    Vitamalacus musste er eigentlich nicht mehr kennenlernen. Er kannte ihn seit seinem Einstieg in die Legio und er hatte bis dato einen militärisch korrekten Eindruck auf ihn gemacht. Privat kante er ihn weniger gut, aber die Anstehende Hochzeit von Florus würd dieses kleine Problemchen sicher aus dem Weg räumen und Seneca es ermöglich ein bisschen besser über Vitamalacus' private Seite zu urteilen.



    Es freut mich, dass mein Bruder Lepidus mir diese Aufgabe ertielt hat.


    Ich muss dir gleich zu beginn sagen, dass ich dir nicht gleich eine Antwort geben kann. Ich muss zuvor noch mit Helena sprechen, aber so lange wie wir uns bisher kenen, so hast du einen sehr guten und korrekten Eindruck auf mich gemacht. Ich denke, dass ich dir die Antwort im Laufe von Florus Hochzeit geben kann.Wie steht Helena zu dir? Seht ihr euch oft?

  • Er nickte leicht, auch wenn es nicht die Antwort war, die er sich erhofft hatte. und vielleicht hatte er sein Anliegen auch nicht so deutlich gemacht, daher erläuterte er seine Motive noch einmal.


    "Das du mit Helena sprechen möchtest, das verstehe ich, doch gerade dies ist etwas, das ich selbst gerne tun würde, denn um nichts weniger ersuche ich, Helena fragen zu dürfen, ob sie es sich vorstellen könnte, meine Frau zu werden. Sollte sie mein Anliegen zurückweisen, werde ich keine weitere Schritte unternehmen. Sollte sie hingegen zustimmen, würde ich mich erneut an dich und deinen Bruder wenden, um euch um die Zustimmung zur Verlobung zubitten."


    Es war ein komplizierter Weg, der niemand übergehen sollte und so den Respekt zeigen sollte, welche der Patrizier Helena und ihrer Familie zollte.


    "Wir haben uns vor einiger Zeit zufällig kennengelernt und seither haben wir uns einige Male getroffen, so war ich hier Gast bei ihr und ihrem Bruder, die beiden waren Gast bei einem kleinen Gastmahl in der Villa Tiberia. Wir beide haben natürlich zeitraubende Ämter, doch haben wir uns bei zahlreichen Gelegenheiten getroffen und stets gut unterhalten und verstanden. Ich glaube sagen zu können, das uns eine aufrechte und vertrauensvolle Freundschaft verbindet."


    Zu erwähnen, das da noch mehr war, etwas das über eine Freundschaft hinaus ging, etwas, das sie beide nicht ganz verstanden hatten, das erwähnte er nicht, denn hatte das doch nichts mit dem Wesen einer Ehe zu tun.

  • Ich verstehe deinen Einwand, Vitamalacus. Es ist sicher besser, wenn du erst einmal mit ihr sprichst.
    Nachdem du dann mit ihr gesprochen hast, wird sich sicher alles klären.


    Aber trotzdem muss ich mit ihr sprechen, aber wenn du willst natürlich erst nachdem du mit ihr gesprochen hast.


    Eine gute Freundschaft ist natürlich eine ausgezeichnete Basis für eine Ehe.



    Seneca war am Überlegen, ob er seinem Bruder einen Brief schreiben sollte, oder nicht.
    Er hatte ihm ja gewissermaßen alle Rechte über die Zukunft seiner Tochter gegeben. Brauchte er da noch einen Brief zu schreiben?

  • Er nickte zunächst nur leicht. Seneca hatte recht und die Freundschaft war für ihn auch den wichtigste Grund gewesen, die Ehe mit Helna anzustreben. Es war dieses Gefühl, mit Helena alle Gedanken teilen zu können. Hatte er ihr nicht Dinge erzählen können, die er sonst niemand erzählte ? Da war diese enge Verwandtschaft in ihren Gedanken und Idealen und die Reife in ihren Emotionen und Erfahrungen, all dies schien ihm die richtige Basis zu sein für eine Ehe , die sie beide stärkte.


    Wann sollte er mit Helena sprechen ? Hätte er das Thema nicht bei ihrem Besuch auf dem Markt angeschnitten, dann hätte er sicherlich das Gespräch mit ihr allein gesucht, doch so ? Wäre es da nicht besser....


    "Sag, ist Helena in der Casa ? Vielleicht wäre es am besten wir bitten sie zu uns ? Ich könnte mein Anliegen in deiner Gegenwart vortragen.... Und gleich darauf könntest du mit ihr sprechen..."

  • Das wäre natürlich eine Idee.


    Ich bin mir nicht sicher, ob sie da ist, aber ich kann nach ihr schicken lassen.
    Er blickte dabei einen Sklaven an, der mitgehört hatte und sofort losrannte, um nach Helena zu suchen.

  • Der Sklave kam nach recdht kurzer Zeit wieder und meldete, dass Iulia Helena sich im Haus befinde und gleich erscheinen würde - dennoch dauerte es ein wenig, bis sie denn auch tatsächlich eintraf. Zu ihrer, für die Curia Italica üblich gewordenen einfachen, weißen Stola hatte sie, wie es einer erwachsenen Frau zukam, das Haar aufgesteckt und eine etwas aufwendigere dunkelrote palla angelegt, die ihre Frisur halb verdeckte und augenscheinlich von Silberfäden durchwirkt war, das richtige Kleidungsstück, wenn man vermutete, dass der Gesprächsgrund nicht unbedingt ein alltäglicher war. Als sie das atrium betrat, huschte ihr Blick kurz zwischen Seneca und Vitamalacus hin und her, bevor sie beide mit einem Lächeln begrüßte.


    "Du hast mich rufen lassen, Onkel? Salve, Tiberius Vitamalacus," sprach sie freundlich und nickte zuerst Seneca, dann auch dem tribunus leicht zu, bevor ihr Blick auf ihrem Onkel liegen blieb. War dies jetzt der Augenblick der entscheidenden Frage? Oder gab es noch etwas anderes, das es zu besprechen galt? Unwillkürlich schlug ihr das Herz bis zum Hals, obschon es eigentlich nichts zu fürchten gab.

  • Die Ungeduld, welche in Tiberius Vitamalacus herrschte, zeigte sich in keiner Geste des hochgewachsenen Soldaten, doch als dann Helena das Atrium betrat, legte sich ein freundliches, ja fast fröhliches Lächeln auf seine Gesicht. Er ahnte, das sie vermutete welchen Zweck dieser sein Besuch hatte, welch Anlass hätte es sonst gegeben sollen, das er und Seneca sich zu einem Privatgespräch trafen und sie noch dazu riefen.


    "Iulia Helena." Seine Begrüssung war wie immer und zu jedem knapp und schnorkellos, doch war deutlich zu hören, das sie im Ton viel freundlicher war, als er sonst jemanden begrüsste. Die Förmlichkeit der Worte wurde durch diesen Tonfall aufgehoben.


    "Die Götter haben es gefügt, das ich dich kennen und schätzen lernen durfte, schnell erkannte ich die grosse Basis des Verstehens und Verständnis zwischen uns. Die Traditionen gebieten es, das es im Umgang zwischen Mann und Frau gewisse Regeln einzuhalten sind."


    "So trat ich, mit allem Respekt und Ehrerkennung dir und deiner Familie gegenüber, an deinen Vater heran mit einer Bitte. Und dieser trug mir auf, diese Bitte seinem Bruder Iulius Seneca vorzutragen. Dies habe ich eben getan. Und so darf ich nun an dich heran treten."


    Bei diesen Worten greift er kurz in die Falten seiner Toga, holt eine kleine Schachtel heraus.


    "Iulia Helena, kannst du es dir Vorstellen dein Leben mit mir als meine Frau zu teilen ?"


    Er öffnet die Schachtel und jenes Paar Ohrringe erscheint, welches sie zusammen auf dem Markt entdeckt hatten.


    "Seh diese kleine Aufmerksamkeit als erstes Zeichen meines Werbens."

  • Langsam nickte sie zu ihrem Onkel, um den Blick nun höchst offiziell auf den Besucher zu richten. Wenn Seneca doch nur wüsste! Die Nacht in der Sänfte, all die Dinge, die gesprochen wie getan worden waren zwischen ihnen beiden, standen nun zwischen ihnen und sie fürchtete sich für einige Momente lang, sich durch ihre Blicke in Quintus' Richtung zu entlarven, vor allem vor einem Prätorianeroffizier wie ihrem Onkel. Ein sanftes Lächeln auf den Lippen lauschte sie seinen Worten, und hätte fast kurz auflachen müssen, so förmlich und steif klang dies alles. Jene Augenblicke in diesem viel zu teuren Schmuckstand auf dem Markt waren dazu ein absoluter Kontrast, ihre Ohrfeige dem Tiberier gegenüber genauso wie alle Worte, die sie geteilt hatten.


    "Es ist mein Wunsch und Wille, Dir als Ehefrau zur Seite zu stehen, wohin immer Du gehen wirst, Tiberius Vitamalacus," erklärte die Iulierin mit klarer, fester Stimme, die Entscheidung war längst getroffen worden, nicht erst an diesem Tag, und es fiel ihr leicht, sie auszusprechen. In ganz Rom gab es derzeitig keinen Mann, an dessen Seite sie sich hätte eine bessere Zukunft vorstellen können als an der seinen. So trat sie mit einigen leisen, ruhigen Schritten zu ihm heran, streckte die Hand nach dem Schächtelchen aus und nahm es entgegen, diese erste Gabe der formellen Werbung um eine Frau akzeptierend. Als sie dieses Mal in seine Augen blickte, hatte das Blau einen besonderen, weichen Glanz gewonnen, der mehr sagte als es ihre Worte hätten ausdrücken können.

  • Er hatte Helena während seiner Worte und auch ihrer Reaktion nicht aus den Augen gelassen. Und auch wenn seine Fassade äusserlich eher kühl und gelassen wirkte, so wie seine Worte steif und formal gewesen waren, in ihm herrschte eine ihm unbekannte Spannung. Auch wenn er wusste, zumindest glaubte zu wissen, wie denn ihre Antwort aussah, es war doch etwas ganz anderes, auf eben diese Antwort in Gegenwart ihres Onkels zu warten. Auch wenn er stets Helena ansah, im Augenwinkel hatte er immer ihren Onkel, denn auch er hatte es in der Hand, über ihre Zukunft mit zu entscheiden.


    Ob er er ihre Antwort jemals vergessen würde, das glaubte er nicht. Dieser eine Satz erfreute ihn so, wie kaum etwas zuvor ihn erfreut hatte. Ganz leicht beruhrten sich ihre Hände, als er die Schachtel mit den Ohrringen in ihre Hand legte. Wie gerne er hätte er gerade jetzt ihr diese Ohrringe angelegt, doch das ziemte sich nicht und so konnte er das nicht in der Anwesenheit ihres Onkels tun. Wäre es ein Ring gewesen, dann ja, aber so...


    Er blickte in ihre Augen und der Glanz in ihren spiegelte sich in seinen Augen wieder. Er sagte nichts, es schien ihm nicht wirklich nötig, jedes Wort schien ihm einfach zufiel. Und wenn ihr Onkel nur ein bisschen davon zu deuten wusste, was zwischen ihren Worten gesagt worden war, musste er einfach wissen, das diese Verdindung nicht nur eine lohnende für seine Gens sein konnte, sondern auch eine von Beginn an glückliche für die beiden zukünftigen Eheleute sein würde.


    So stand er da, blickte in die Augen voin Helena und wartete auch eine Reaktion von Seneca....

  • Aufmerksam, aber doch irgendwie gelassen wirkend hatte Seneca die ganze Situation beobachtet.
    Ihm ware nebst den Worten auch nicht die Angespanntheit im Raum entgangen. Er war es nun, der gefragt war. Sein Bruder hatte ihm nicht nur ein großes Vertrauen, sondern auch eine große Bürde in die Hände gegeben.
    Er musste hier über die Zukunft seiner Nichte entscheiden und niemand anders. Wie sehr wünschte er sich nun seinen Bruder an seine Seite, der ihn unterstützen konnte und ihm einen guten Rat erteilen konnte. Das alles half aber nichts, denn er war nicht. Lediglich Helena und Vitamalacus waren hier und wie es aussah und wie sie auf ihn wirkten waren sie wirklich ineinander verliebt. Die Blicke, welche sie austauschten und die veränderten Stimmlagen, mit denen sie sich begegneten.
    Für Seneca sprach in diesem Moment nichts gegen eine Hochzeit zwischen dem Hause Iulia und Tiberia. Das war jener Moment, aber ein Moment konnte schnell verfliegen, ja auch eine frische Liebe konnte sehr schnell vorbei sein. Er hoffte, dass es sich der Tiberier und vor allem Helena wirklich gut überlegt hatten. Hatte Vitamalacus nicht schon einige Lieben hinter sich gebracht? Er persönlich wusste nur von einer und das war jene mit einer gewissen Tiberia Nova gewesen. Näheres hatte er nicht erfahren. Was sollte er nun tun. Auf keinen Fall durfte er als Pater Gens der Gens Iulia seine Unentschlossenheit zeigen, aber auch sollte er seinen Schritt, den er nun tun würde niemals bereuhen.
    Es verstrichen einige Sekunden, die den beiden sicher wie Ewigkeiten vorkamen, bevor er wieder etwas sagte.


    Nun, Tiberius, Helena
    Sein Blick wanderte vom einen zur anderen.


    Ich bin mir sicher, dass ihr beide einge glückliche Zukunft vor euch habt, als Einzelgänger...wieder verstrichen wenige Sekunden....und ich hoffe für euch auch in einer glücklichen Verbundenheit.


    Bevor ich euch aber meine endgültige Entscheidung mitteile, muss ich euch fragen, habt ihr euch das alles gut überlegt und seid ihr der Ansicht, dass ihr einedie Betonung lag auf langwierig langwierige Beziehung miteinander führen könnt.


    Seneca kam sich bei seinen Worten etwas komisch vor, denn er hatte bisher noch nicht den Beziehungberater oder Ehevermittler gespielt. Aber dies waren Fragen, die er stellen musste und die er seinem Bruder Lepidus schuldig war. Er konnte nicht einfach eine Entscheidung fällen, ohne das er sich irgendwie erkundigt hatte.
    Er wusste bis dato noch nicht, wie seine Entscheidung lauten würde. Es hing bisher alles von diesem Moment ab. Er würde aber bestimmt noch einige Tage zum Überlegen benötigen.

  • Als Seneca ansetzte zu sprechen, löste er seinen Blick von Helena und wandte sich ihm. Dabei trat er allerdings einem kleinen Schritt auf Helena zu, so das er gerade so dicht neben ihr zum stehen kam, wie es die guten Sitten noch zu liessen. Ganz unbewusst betonte er so noch das Gefühl der Zusammengehörigkeit, welches ihn mit Helena verband.


    "Iulius Seneca, sei versichert, das ich meinen Entschluss, um Helena zu werben nicht leichtfertig getroffen habe."


    Es war eigentlich nicht seine Art, seine Entscheidungen zu erläutern oder diese zu rechtfertigen, doch in diesem Fall lag es anders. Helenas Onkel sollte erkennen, wie ernst ihm dieses Anliegen war.


    "Als ich nach Rom kam, führte ich Gespräche mit fast jedem meiner Verwandten, rief ihnen die Pflicht zur Ehe in Erinnerung. Zu jenem Zeitpunkt dachte ich nicht daran, selbst zu heiraten, hatte ich doch diese Pflicht schon vor langer Zeit erfüllt, führte eine wenig glücklich Ehe mit der Frau, welche im Kindbett meines Sohnes starb. Und ich trug immer noch die Trauer über den Tod einer Frau in mir, welche nie die meine sein durfte und konnte."


    Einen Moment machte er eine Pause, blickte kurz zu Helena neben sich. Er selbst war etwas erstaunt, wie offen er gerade mit ihrem Onkel sprach, offener als er es zu den Mitgliedern seiner Familie war.


    "Doch dann dann traf ich Helena," fuhr er fort und auf sein Gesicht legte sich ein leichtes Lächeln, bevor er dann wieder sich Senenca zu wandte, " und ich bemerkte, das in meinem Leben etwas fehlte, das jemand fehlte. Jemand, der mir zur Seite steht, jemand, mit dem ich alles Besprechen kann, jemand dem ich vertraue, jemand für den ich da bin und der für mich da ist. Und dieser jemand ist für mich Helena."


    Noch mal blickte er zu Helena, lächelte ihr zu und wandte sich wieder Seneca zu.


    "Ich bin kein junger Mann mehr, der Blind der Zuneigung seines Herzens folgt, ohne zu prüfen, ob es nicht eine Basis über eine anfängliche emotionale Zuneigung hinaus gibt. Ich kann dir Versichern, ich sehe diese Basis bei Helena und mir. Eine Basis des Vertrauen und der Freundschaft, welche auch Meinungsverschiedenheiten, welche in einer langen Beziehung unweigerlich auftreten können, mit Sicherheit standhalten kann."

  • Sie fühlte die Wärme seines Körpers neben dem ihren und sogleich kehrte die Erinnerung an die Nacht in der Sänfte zurück, jene Vertrautheit, die sie miteinander geteilt hatten, als wären sie schon lange miteinander vermählt. Es hätte nicht viel gefehlt, und sie hätte nach seiner Hand gegriffen, aber diese Art der Vertraulichkeit war in diesem Augenblick kaum angebracht. Es galt, ihren Onkel zu überzeugen - auch wenn sie genau wusste, dass sie es nicht mehr hätte tun müssen, rein rechtlich war sie als Mitglied des Ordo Decurionum emanzipiert und hätte weder Senecas noch die Zustimmung ihres Vaters gebraucht. Vielleicht sprach gerade dies für die Traditionsverbundenheit der Iulier, dass sie sich trotz allem von beider Urteil abhängig machte. Die Worte Quintus' taten ihr wohl, mehr als es jede Liebeserklärung wohl hätte tun können, denn sie bewiesen, dass er wohlüberlegt zu Werke ging und sich nicht von flüchtigen Augenblicken leiten ließ. Beider Blicke trafen sich für einige Momente lang und sie konnte ein sanftes, warmes Lächeln nicht verhehlen, als sie sich ansahen.


    "Onkel Seneca, Du weisst, dass ich verheiratet war, und es trotz anfänglichen ...Schwierigkeiten eine glückliche und erfüllte Ehe wurde, die ich nicht bereut habe, keines dieser zehn Jahre. Als Titus starb, war sein Verlust ein schmerzvoller für mich, und ich trauere noch heute um ihn als einen Menschen, den ich sehr geliebt habe, den ich auch als Vater unserer Kinder lieben durfte. Als ich ihn verloren hatte, glaubte ich, ich könnte niemals wieder glücklich werden, keinen Menschen mehr finden, mit dem ich mir ein gemeinsames Leben würde vorstellen können, aber ich habe mich getäuscht." Ihr Blick glitt zu Vitamalacus zurück, dann griff sie doch seine Hand und drückte die Finger sehr sanft und behutsam.
    "Wir begegneten uns durch Zufall und es war sogleich ein Gespräch, das mich zum Nachdenken gebracht hat, das mich Achtung vor Tiberius Vitamalacus lehrte und auch, ihn als einen klugen Mann zu schätzen. Wir sind beide über diese jugendlichen Verliebtheiten hinaus, und ich weiss aus eigener Erfahrung, dass es mehr braucht als ein flüchtiges Herzklopfen, um einen gemeinsamen Haushalt zu führen und gemeinsam auch durch schwere Zeiten zu gehen. Er ist der erste Mann, der akzeptiert hat, dass ich um meinen verstorbenen Gemahl noch trauere, dass ich die Stellung, die Titus in meinem Leben einnahm, nicht ersetzen möchte - und er hat sich damit seinen eigenen Platz geschaffen. Ich möchte einen Mann respektieren, achten und gleichzeitig für seine Persönlichkeit schätzen können, und ich bin mir sicher, dass dies auch noch in einigen Jahren mit Tiberius Vitamalacus der Fall sein wird."

  • Sicherlich war der Tod von Titus schon Jahre vergangen, die Zeit der Trauer für Helena bestimmt auch, so hoffte er.


    Beide hier Anwesenden hatten in Sachen Liebe und Ehe so manches mitgemacht. Bei Helena war es der frühe Tod ihres Gemahlen Titus gewesen, über den sie nur schwer weggekommen war und bei Vitamalacus gab es anscheinend auch eine oder mehrere Frauen, denen er hinterhertrauern musste.



    Beide hier trugen ihm gerade in mittelmäßig langen Vorträgen ihre vergangenen und ihre gemeinsame Liebe vor. Das alles hatte er ja nun begriffen, sie liebten sich anscheinend und hatten auch vor, dass dies lang so bleiben sollte. Er war froh, dass Helena wieder einen Mann an ihrer Seite haben könnte. Nach dem Tod von Titus war sie auf sich gestellt, was sie aber sehr gut bewerkstelligt hatte.



    Ihr habt mir gute Argumente vorgebracht und ich will mich eurem Glück eigentlich nicht in den Weg stellen, aber dennoch brauche ich etwas Zeit, um nachzudenken.
    Derzeit findet ja hier in der Casa eine Hochzeit statt. Ich werde mir in dieser Zeit Gedanken darüber machen.


    Dies war seine Antwort und er würde nicht von ihr weichen. Die Ehepläne der beiden hatte er schließlich erst vor einigen Minuten erläutert bekommen.


    Sein nun freundlich werdender Blick wanderte zwischen Helena und Vitamalacus her.

  • Während Helena sprach, stand er still da, so gerade und aufrecht wie es für ihn als Soldaten üblich war. Dann spürte er ihre Hand in seiner, spürte wie sie mit dieser Geste ihre Zusammengehörigkeit bestärkte, diese so öffentlich zeigte, auch wenn es nur ihrem Onkel gegenüber war. Doch dieser spielte in diesem Moment mit die wichtigste Rolle in ihrem Leben. Ein wenig fühlte sich, trotz seiner bald 40 Jahre, wieder wie damals, als er vor seinem Grossvater stand, doch es war dennoch anders. Denn er stand hier nicht vor seinem Grossvater, der so eine grosse Macht über ihn gehabt hatte und auch jetzt noch, lange nach dessen Tod, immer noch hatte. Nein, hier stand er vor einem Mann, den er respektierte und achtete als guten Soladaten, doch egal wie die Entscheidung von Helenas Onkel sein würde, er würde nicht ruhen, bis er nicht eine Positive Antwort erhalten würde.


    Dann antwortet Seneca und Tiberius Vitamalacus merkte wie die Spannung in ihn anstieg. Er spürte, wie ganz automatisch seine Finger über Helenas Finger glitten. Wenn er nicht mit der Antwort zufrieden war, zeigte er es aber nicht. Natürlich hätte er lieber eine klare Antwort erhalten, doch es war die Entscheidung von Helenas Onkel und er fragte sich, wie er selbst reagieren würde, wenn ein Mann ersuchen würde, sein Mündel zu heiraten.


    "Iulius Seneca, der Vorteil des Alters ist es, Geduld gelernt zu haben. So werde ich auf deine Antwort warten, denn auch ich habe meine Entscheidung ja wohl überlegt." Während er spricht, lässt er Helenas Hand nicht los, blickt in ihr Gesicht und wendetet sich dann wieder Seneca zu. Er erwiedert das freundliche Lächeln, doch ihn seinen Augen kann man auch die Entschlossenheit sehen, mit der Tiberius Vitmalacus bereit ist, für sich und Helena einzustehen.

  • Vielleicht war es ganz gut, dass Seneca nicht sofort sein Einverständnis gab, konnte es so doch leicht wirken, als würden die Iulier ihre Frauen allzu leicht in andere Hände abgeben - wie wohl die Werbung um Severa vonstatten gegangen war, wie jene um Andreia? Es war erstaunlich, dass nun auch für sie selbst eine Hochzeit in greifbarer Nähe stand, überlegte Iulia Helena und lächelte etwas, die Finger des Tiberius Vitamalacus für einige Momente lang mit den ihren drückend.


    "Natürlich, Onkel Seneca," sagte sie freundlich und lächelte in die Richtung des Iuliers. Still glitt ihr Blick über sein Gesicht, das sich in den letzten Jahren verändert hatte, natürlich, sie alle waren ein wenig älter geworden, doch die kleinen Fältchen in den Augenwinkeln und die anderen Zeichen, die verrieten, dass man mit Seneca keinen Jungspund mehr vor sich hatte, gefielen ihr an ihm. Überhaupt bevorzugte sie Gesichter, denen man ein erfülltes Leben ansah, vielleicht war auch dies ein Erbe ihres verstorbenen Gemahls Titus. Sie hob den Blick kurz zu Quintus an, schenkte ihm ein leichtes Lächeln, denn sie zweifelte nicht daran, dass letztlich die Entscheidung positiv ausfallen würde - wer würde nicht einen Mann wie ihn als Schwiegersohn haben wollen? Mit Severas und Andreias Männern würd er sich mit Leichtigkeit messen können. "Eine überlegt getroffene Entscheidung ist mir lieber als ein Schnellschuss mit dem Langbogen."

  • Man konnte bemerken, wie die Anspannung etwas aus dem Raum verflog. Seneca würde eine Entscheidung fällen, wenn auch nicht am heutigen Tage.


    Ich werde euch meine Entscheidung noch im Laufe der Feierlichkeiten mitteilen.



    Jetzt bräuchte er ersteinmal Zeit zum nachdenken, denn solch eine Entscheidung war nicht innerhalb von Minuten oder Stunden zu fällen. Das brauchte Zeit.

  • "Ich werde deine Antwort erwarten,"meinte Tiberius Vitamalacus knapp. Vielleicht wäre jetzt der Momernt für ihn, die Casa Iulia zu verlassen, doch etwas hielt ihn zurück. Er hatte die Antwort von Seneca erhalten, die er heute zu erwarten hatte, so war dieses Gespräch eigentlich vorbei, doch als sein Blick wieder einmal auf Helena traf, wusste er, das er gerne noch etwas mit ihr allein wäre, bevor er an diesem Tag sich wieder den Alltagsgeschäften widmete.


    Doch es schien es ihm auch nicht angemessen, jetzt den Wunsch zu äussern allein mit Helena sprechen zu dürfen. Auch sollte Seneca auch die Zeit bekommen, über ihr beider Wunsch nachzudenken. So wandte er sich wieder an Seneca.


    "Ich will nun deine Zeit nicht weiter beanspruchen, für heute wurde gesprochen, was zu sprechen war und ich hoffe, das wir bald weiter sprechen können."

  • Ein letztes Mal drückte sie die Finger des Vitamalacus, bevor sie ihre Hand zurückzog und sich mit jener die palla wieder richtete, auch wenn es daran im Grunde nichts zu richten gab. "Ich werde mich jetzt auch wieder meiner Arbeit zuwenden," sagte Iulia Helena lächelnd und bedachte beide Männer mit einem sanften, freundlichen Blick, der den Gefühlsaufruhr in ihrem Inneren glücklicherweise zu verbergen imstande war.
    Viel mehr gab es im Augenblick nicht zu sagen, und den Wunsch zu äußern, mit Vitamalacus alleine zu sein, wagte sie noch nicht, nicht, solange Senecas Entscheidung noch ausblieb. Man durfte nichts überstürzen, schon gar nicht, wenn es sich um einen Mann wie ihren Onkel handelte, der den Traditionen noch sehr verbunden war.

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!