Capitolinium - Nonae Caprotinae

  • Für das morgige Fest zu Ehren der Iuno Caprotina, den Nonae Caprotinae, wollte noch einiges vorbereitet sein. Da man nicht an Feigenzweige der Bäume am römischen Marsfeld herankommen konnte, behalf man sich in Colonia mit den Feigenbäumen eines sonnenbeschienenen kleinen Hanges an der Südseite der Stadt. Valeria hatte Anweisung gegeben, zwei Körbe voller Feigenzweige zu sammeln, damit diese gepresst werden konnten, denn zu Ehren der ziegenfellbekleideten Iuno opferte man die weiße Milch, die aus den saftigen Zweigen der Feigenbäume austrat.


    Am morgigen Tag sollte der Saft dann der Iuno geopfert werden. Man huldigte der Göttin und gedachte den Frauen, unter ihnen ganz besonders den Sklavinnen, denen man den Sieg gegen die Gallier zu verdanken hatte, als Rom von ihnen umzingelt gewesen war. Einige Zweige waren natürlich aufgehoben worden, damit die Sklavinnen, die an diesem Tage das Recht hatten, sich als verheiratete Patrizierinnen auszugeben, mit den Zweigen nach Passanten schlagen und diese verspotten konnten. Das war der Brauch, denn er erinnerte an den Sieg, den die Römer den Sklavinnen, und ganz besonder der List der römischen Sklavin namens Philotis, zuzuschreiben hatten.


    So wurden denn die zwei Körbe voller Zweige gepresst, damit alles für die Nonae Caprotinae bereit war.

  • An diesem Tage war es soweit. Die Nonae Caprotinae wurden gefeiert. Es hatten sich schon etliche Menschen versammelt, als Valeria, gefolgt von vier Opferdienern, aus dem Tempel trat. Der Altar war draußen aufgebaut worden, es herrschte wunderbares Wetter und die Kohlebecken glühten schon. Alles lag bereit, alles war vorbereitet. Valeria lächelte einer alten Frau zu, die kaum laufen konnte und sich augenscheinlich hierher gequält hatte, nur um beim Opfer dabei zu sein. Scheinbar ging es nun wirklich wieder bergauf mit dem Götterkult in Colonia.


    Zuerst wurde, wie es üblich war, wieder Weihrauch über den foculus gestreut, der sich dampfend und knisternd in weißen Rauch verwandelte und aufstieg. Dann folgten zwei Gebete, die Iuno ehrten und der Ziegenfellbekleideten für das vergangene Jahr dankten. Nach diesen Gebeten folgte ein drittes, dass ein Bittgebet war. Valerias Stimme hallte deutlich und klar über den Platz. Kurz fragte sie sich, wo die andere Priesterin wohl war, doch konzentrierte sie sich recht schnell wieder auf das Wesentliche, nämlich die Bitte an Iuno, auch im nächste Jahr das Kleinvieh zu schützen vor Krankheiten und Fressfeinden auf der Weide.


    Schließlich kam Valeria zum Kernpunkt der Opferung: Der einstigen List der Sklavinnen Roms, die dessen Fall bewahrten, indem sie sich als Matronen verkleideten und dem gallischen Feind einen derben Streich spielten. Valeria trug die Geschichte kurz und in Reimform vor. Dann folgte die Opferung des Feigenzweigsaftes. Zischend ergoss er sich ins Feuer und verdampfte. Zurück blieb ein eigentümlicher Geruch. Während mann nun die Ziege holte, die Iuno an diesem Tage geopfert werden sollte, verteilte man zugleich auch Feigenzweige unter den weiblichen Anwesenden. Ihnen würde es nach edm Opfer gestattet sein, schimpfend mit ihren Zweigen auf die Leute einzuschlagen und so durch die Gassen zu ziehen, wie es die Tradition war.

  • Bald darauf wurde die Ziege gebracht, deren Hufe golden bemalt waren und die wohl schon ahnte, was ihr blühen mochte, denn der Sklave, der sie führte, musste teilweise doch erheblich Kraft aufwenden, um das Tier zum Gehen zu bewegen. Schließlich war es angekommen. Wieder fragte sich Valeria, wo die andere Priesterin war, die ihren Schwerpunkt auf Iuno gelegt hatte und die doch das blutige Opfer leiten sollte, doch augenscheinlich war sie weder in der Menge vor, noch in jener hinter dem Altar. Einige Mínuten würde sie noch verstreichen lassen, aber warten lassen konnte sie die Gläubigen nicht allzu lange.

  • Die Sacerdos Antonia betete im Hintergrund für sich und verfolgte das gelungene Opfer der anderen Piesterin. Durch Kopfnicken signalisierte Sie Ihr, auch die Opferung des Tieres zu überwachen.

  • Valeria erblickte die Aurelierin dann doch. Scheinbar wollte sie aus irgendeinem unerfindlichem Grund heraus das Opfer doch nicht mehr leiten. Das machte die junge Decima leicht stutzig, immerhin war das ein Friedensangebot ihrerseits gewesen. Aber sie hatte irgendwie schon damit gerechnet, dass die Aurelierin es nicht annehmen würde. So leitete denn Valeria das Opfer. Sie nahm das Opfermesser entgegen, strich dem Schaf mit der stumpfen Seite des Messers über den Rücken und reichte das Messer dann dem Opferdiener, der zusammen mit Valeria die weitere Opferung zelebrierte. Nachdem alles Notwendige getan worden war, erhob sich Valeria und verkündete:
    "Litatio!"


    Ein freudiges Murmeln der Menge setzte ein und Valeria signalisierte den Opferhelfern, dass sie nun beginnen konnten, die Utensilien fortzuräumen. Dann begann die Prozession durch die Stadt. Sklavinnen wie Plebejerinnen, Peregrinae wie Patrizierinnen - jeder hielt einen Feigenzweig in der Hand und jeder begann, lärmend und schlagend durch die Gassen und Straßen zu laufen. Auch Valeria hielt einen Zweig in der Hand, wenngleich sie lediglich mitlief und sich eher zurückhielt.

  • Erstaunt, dass es Valeria nicht interessierte, ob die Göttin das Opfer angenommen hatte, liess sie sich die Innereien bringen und inspizierte sie.
    Derweil begann schon der Festzug und der Tempel leerte sich.

  • Wenig interessiert verfolgte die Göttin dieses Mal das Opfer zu ihren Ehren. Die angespannte Stimmung, die sie zwischen den Priestern, die oft zur ihr sprachen, bemerkte, widerstrebte ihr. Ab und zu verspürte sie sogar ein Verlangen, sofort einen Blitz einschlagen zu lassen, konnte sich dennoch - bisher - immer wieder noch besinnen und ließ einfach ihen Blick wieder von ihnen ab.
    Was das Opfer hier anging, ja, die Göttin verfolgte es, nahm es an, denn der Gedanke zählte, und lenkte ihre Aufmerksamkeit diversem Kleinvieh zu.

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