[Atrium] Caecilii hospiti

  • "Die Früchte des Hasses blühen aber genauso im Verborgenen wie jene der Furcht," meinte sie nachdenklich. "Hass ist nicht minder gefährlich wie Liebe, denn beides hängt untrennbar miteinander verflochten, schreiben die Philosophen. Beides erfordert eine enge Beziehung mit dem, den man hasst oder liebt, und sehr leicht kann das eine zum anderen werden. Ich weiss es nicht, aber ich glaube, ich mag nichts davon besonders," führte sie den Gedanken sinnierend fort und nahm einen Schluck des Weins aus ihrem Becher, befeuchtete die Lippen damit und ließ den Wein auf ihrer Zunge rollen, ihn vollkommen auskostend, bis nur ein vages Glitzern der gerade genossenen Feuchtigkeit auf ihren Lippen zurückblieb.


    Seine Schilderung hörte sie interessiert mit an und stellte mit einem Mal fest, dass zumindest einige der äußeren Tugenden, die er sich von seiner Frau wünschte, auch auf sie zutrafen - und der Gedanke hatte etwas amüsantes. Ein zufälliger Beobachter mochte glauben, sie würden hier über etwas debattieren, das sie beide betraf, indes ging es doch eher um eine Frau für ihn. An sich selbst dachte sie dabei nicht einmal, denn sicher wollte ein Mann wie Crassus in eine gens einheiraten, deren Verbindungen besser waren als die der Iulier. "Zumindest was das Aussehen angeht, könnte ich Dir schon eine oder zwei Frauen nennen, mit dem Charakter könnte es indes ein bisschen schwieriger werden. Die gens Tiberia hat derzeit zwei Schönheiten mit dunklem Haar zu bieten, und ich vermute auch, dass die Helvetier irgendwann einen Mann für die junge Helvetia Severina suchen werden ... was hältst Du von einer Hispanierin? Die Tochter der Rediviva Helena, Minervina, aus dem Haus der Tiberier, ist auch noch unvermählt ..." Sie überlegte laut und ihre Augen funkelten dabei belustigt, als sie sich eine der Frauen nach der anderen an Crassus' Seite vorstellte. Mit Tiberia Livilla würde er viel zu tun haben, soviel war sicher.


    "Also, sie sollte schon ein gewisses gesellschafliches Geschick aufweisen, und Dich ergänzen können - aber ich muss Dich warnen, alles Drei wirst Du bei nur einer Frau kaum finden können, Perfektion bleibt den Göttern vorbehalten. Irgendwo wirst Du immer einen Abstrich machen müssen - wenn, dann vielleicht beim vierten Kriterium." Die Augen blitzten kurz auf, aber sie erklärte nicht, welches Kriterium sie damit meinte, das sollte er sie ruhig fragen. Ein bisschen Spaß sollte schließlich bei der ganzen Sache noch für sie bleiben. Oder aber er kam selbst darauf.

  • Nun wurde es aber philosophisch und da Crassus nicht gerade ein begnadeter Philosoph war, war er nun ziemlich in die Klemme geraten. Deshalb tat er das, was er immer tat, wenn er keine Ahnung hatte, was er tun sollte: Er nickte bestätigend und verständnisvoll. So, als ob auch er eben das sagen wollte, was sein Gegenüber gesagt hat. Das war wie mit dem Wein. Nur nicht zugeben, dass man keine Ahnung hat. Außerdem hatte Crassus dieses Nicken schon sooft üben können, dass er keine Angst hatte, dass es jemand hinterfragen würde beziehungsweise erkennen würde, dass es nur die totale Ahnungslosigkeit überspielen sollte.


    Crassus hatte nun die Gewissheit, dass er sich mehr auf gesellschaftlichen Anlässen zeigen sollte. Da zählte Helena Namen auf und Crassus konnte allerhöchstens zu einer ein Gesicht zuordnen. Und das, obwohl alle genannten Namen aus ehrwürdigen Gentes kamen. Naja, normal hatte er ja für so etwas seinen Sklaven, der ihm immer die Namen und Ämter der anwesenden Personen zuflüsterte. Da kam Crassus das erste mal die Frage in den Sinn, woher der Sklave den immer das alles wusste.


    So viele Kandidaten? Wow, die kann ich mir ja fast nicht alle merken. Dabei muss ich doch die Namen wissen, um sie mit ihrem Pater Familias in meine Casa einladen zu können. Crassus grinste amüsiert. Ob du mir wohl eine Liste zukommen lassen könntest? scherzte er und sah ihr in die Augen, die verrieten, dass sie auch einigen Spaß hatte.


    Viertes Kriterium? wiederholte Crassus fragend. Was sie damit wohl meinte? Crassus kamen zwar einige Ideen in den Kopf, aber irgendwie schienen sie ihm etwas zu.... aussergewöhnlich.

  • Fast ein wenig amüsiert nahm sie zur Kenntnis, dass er zu philosophischen Themen und Gedanken anscheinend nicht allzu viel sagen konnte oder wollte. Unwilkürlich verglich sie ihn mit Valerius Victor und Tiberius Vitamalacus, bei denen beiden sie sich recht sicher war, dass sie ihr auf diese Worte einiges zu sagen gehabt hätten. Vielleicht nicht ganz so tiefgründig, aber eine Meinung. Fürchtete der praefectus praetorio, sich auf dünnes Eis zu begeben oder behielt er seine wirkliche Meinung vorsichtshalber für sich? Noch wusste sie sich nicht zwischen beiden Möglichkeiten zu entscheiden, aber irgendwann, dessen war sie sich sicher, würde sie es können. Zumindest hoffte sie das. Bisher hatte sie ihr Gespür für Menschen wenig getrogen und sie wollte es gerne an Crassus erproben, der anders war als die meisten anderen - so selbstüberzeugt, von sich eingenommen, aber gleichzeitig auch nicht dumm oder zu unflexibel.


    "Ich dachte immer, Prätorianer würden nach ihrem guten Gedächtnis und der Gabe zu beobachten ausgewählt," konterte die Iulierin schmunzelnd und nippte abermals an ihrem Wein, ein belustigtes Funkeln im Blau der Augen. "Oder ist dies eine Qualität, die für einen praefectus nicht mehr entscheidend ist? Dann werde ich Dir natürlich gerne eine Liste zukommen lassen, um Deinem Gedächtnis nachzuhelfen, allerdings wirst Du selbst herausfinden müssen, welche dieser Frauen welche der gewünschten Eigenschaften besitzt."


    Sie erwiederte seinen Blick sehr direkt und ohne Scheu, nicht zuletzt, weil er sich in ihrem Atrium befand, in ihrer Höhle - hier vermochte sie in ihm nicht nur den Mann zu sehen, der nach dem Kaiser die meiste direkte Macht in der Stadt besaß, sondern auch jenen, der eben hinter der Uniform ein gutaussehender Mann war. Die vollen Lippen der Iulierin wölbten sich zu einem sachten, aber merklichen Lächeln, als sie auf seine Frage antwortete.
    "Das vierte Kriterium ist sehr privat, Caecilius Crassus," meinte sie still vergnügt. "Und wenn ein Mann und eine Frau darin nicht übereinstimmen, wird es sicherlich niemals eine gute Ehe geben, denn von dieser Übereinstimmung hängt mehr ab, als man glauben möchte."

  • Da dachtest du offenbar falsch. widersprach Crassus breit grinsend und wohl wissend, dass er sich da gut wieder rausreden konnte: Prätorianer sind nicht gleich Prätorianer. Für die Speculatores sind andere Qualitäten gefordert als für den normalen Miles. Und wieder andere dann für die Equites Singulares. Natürlich ist es prinzipiell wichtig, in sämtlichen Kriterieren überhaupt sehr gut zu sein, sonst reicht es vielleicht für die erste Kohorte bei der Legio, aber noch nicht für die Prätorianer. Aber überall nur gut zu sein, aber nichts herausragend zu können, ist auch kein Schlüßel zum Prätorianer werden. Crassus nippte langsam und nachdenklich an seinem Becher, der sich so langsam dem Ende neigte Die Stabsoffiziere an sich müssen selbstverständlich andere Qualitäten aufbringen können. Wenn Sie sie nicht brauchen würden, dann könnte ja jeder normale Miles Offizier werden, was selbstverständlich nicht geht. Was deine Liste angeht, ich erwarte sie jetzt schon sehnsüchtigst und lasse meine Speculatores vorsichtshalber schon ein mal antreten, um ja keine Zeit zu verlieren.


    Als sie ihn so direkt ansah, erwiderte Crassus ihren Blick. Er war es nicht gewohnt, selbst bei einem persönlichen Gespräch nicht, dass Frauen ihn so offensichtlich anschauten. Und schon gar nicht bei dem Thema, welches Helena mit ihrem vierten Kriterium anschneidete. Er hatte bisher immer die Erfahrung gemacht, dass Frauen bei diesem Thema eher beschämt auf den Boden sahen, wenn man mal es wagte, es anzuschneiden. Andererseits war Helena auch nicht so, wie die meisten anderen Frauen mit denen Crassus bisher gesprochen hatte. Sie war schon verheiratet gewesen, sie hatte schon selbst Erfahrungen in diesen Sachen gemacht, sie wusste wovon sie sprach und sie wusste auch, dass es nichts ist, für was man sich schämen muss.


    Ich verstehe, aber ich befürchte gleichzeitig auch, dass du nicht viel darüber sagen kannst, ob und welche deiner Kandidaten dieses Kriterium erfüllen. antwortete Crassus breit schmunzelnd und ihr in die Augen sehend. An dieses vierte Kriterium hatte er auch schon gedacht, aber doch gedacht, dass sie es nicht ansprechen würde. Was wohl auf die Erfahrungen von Crassus mit Frauen zurückzuführen war. Es würde mich zu mindest sehr wundern, wenn doch...

  • Langsam lehnte sie sich zurück, nachdem sie einen Blick auf seinen Weinbecher geworfen hatte - er hatte noch etwas Wein, also würde sie mit dem Nachschenken warten, bis er den Becher geleert hatte, sie hielt es für eine Unsitte, in einen noch gefüllten Becher nachzuschenken, das wirkte gierig und ungebildet. Was er über die unterschiedlichen Spezialisierungen der Prätorianer sagte, war hingegen deutlich interessanter als die Wein-Frage. Ob sie Constantius einmal mit diesem Wissen ausstatten sollte? Ihr Bruder sollte nicht auf ewig als einfacher miles der cohortes urbanae durch die Straßen von Rom wandern müssen, und als Prätorianer wäre ein erster Schritt zum Aufstieg geschafft. Klug genug war ihr Bruder, soviel war sicher, dafür kannte sie ihn auch gut genug.


    "Also, das bedeutet dann, dass ein Mann am Besten alles können müssen sollte, um für die Prätorianer interessant zu werden - oder gibt es für bestimmte Positionen bestimmte Voraussetzungen? Ich muss gestehen, ich kann mir das alles nicht so recht vorstellen." Was eine glatte Lüge war, aber die meisten Männer unterschätzten Frauen, und ein bisschen mehr zu wissen konnte nicht schaden. Vielleicht würde Crassus den üblichen Fehler machen und eine Frau für unwissend halten, was das militärische anging, oder aber er würde sie durchschauen, und dann würde es wirklich interessant werden ...


    "Ich werde es Dir aufschreiben, wenn es wirklich nötig sein sollte, Deinem Gedächtnis auf die Sprünge zu helfen," erwiederte sie schmunzelnd auf seine Herausforderung und das Lächeln vertiefte sich etwas. "Du solltest Dich dann allerdings nicht mit der Liste erwischen lassen, denn eventuell hält man Dich dann für einen hoffnungslosen Liebhaber und jed Mutter, die etwas auf den Ruf ihrer Tochter gibt, wird sie in Zukunft von Dir fernhalten ..." Der Gedanke eines Frauen nachstellenden Crassus hatte etwas amüsantes für sich - ob er beim Liebesspiel auch seinen Helm trug? Um nicht lachen zu müssen, trank sie schnell noch etwas aus ihrem Becher, hielt jedoch seinen Blick noch immer. Schließlich blieb nur ein leichter Glanz des Weines auf ihren sich wölbenden Lippen zurück, als sie ihm antwortete.


    "Nun, zumindest grob kann man davon ausgehen, dass sehr junge Frauen bei diesen zwischenmenschlichen Vergnügungen eher weniger Erfahrung besitzen dürften und gereiftere Frauen dementsprechend mehr - die Frage ist, was Dir da vorschwebt. Eine unerfahrene Frau, der Du die Liebe erst noch zeigen musst, oder eine gleichwertige Partnerin, die Dir darin ebenbürtig ist. Erproben kann ich das schlecht für Dich, denn das weibliche Geschlecht ist für mich in diesen Dingen nicht wirklich anziehend für mich ... mir liegen die Männer da doch mehr," sagte sie amüsiert und zwinkerte ihm sachte zu.

  • Als sich Helena etwas nach hinten lehnte, konnte Crassus für den Moment eines Augenblickes vermuten, was sich wohl unter der Kleidung von Helena verbergen möge. Er konnte sich bei diesen Gedanken ein kleines Schmunzeln nicht verkneiffen, wurde durch dieses Schmunzeln allerdings wieder ins hier und jetzt geholt und hob schnell seinen Blick, der zu offensichtlich auf ihrem Busen gelegen hatte. Leicht peinlich berührt, was er tunlichst versuchte zu verbergen, nippte er an seinem Becher. Nur nichts anmerken lassen, dann würde sie schon denken, dass sie sich den Blick nur eingebildet hat... hoffentlich. Er konnte die Schriftzüge an den Wänden des Forums schon vor sich sehen.


    Ihre Frage zu den Fähigkeiten ließ Crassus einen Moment lang zögern. Sie war doch lange Zeit mit einem Stabsoffizier verheiratet gewesen, eigentlich müsste sie davon etwas wissen. Andererseits, wenn sie nun ihm nichts vormachte, dann wäre es sehr unpassend, sie unaufgeklärt zu lassen. So beschloß er ihr zu antworten, so als ob sie wirklich keine Ahnung hätte. Sollte sie nur gespielt haben, so sollte sie ruhig meinen, sie hätte ihn "reingelegt". Und wenn nicht, dann hat sich der Gedankengang eh erledigt. Selbstverständlich. Jeder Prätorianer kann sich mit Fug und Recht zu den besten Legionären Roms zählen. Wir rekrutieren nur die Besten der Besten. Und da die Legionen Roms sowieso insgesamt fast überall top sind, ist es nicht verwunderlich, dass die Besten überall vorbildlich und gut ausgebildet sind. Aber natürlich muss man differenzieren: Für Milites ist in erster Linie wichtig, dass sie sehr gut kämpfen können. Für Stoabsoffiziere dagegen, wiegen die organisatorischen Fähigkeiten schwerer. Ist ja auch klar, damals bei euch bei der Legio wurde ja auch keiner Centurio, der nicht schreiben konnte und sich vor jeder Schlacht krank gemeldet hat, oder?


    Zwei Schönheiten aus dem Hause Tiberia, Rediviva Minervina und Helvetia Severina. Stimmt doch oder? wiederholte Crassus leicht schmunzelnd und wollte damit zeigen, dass er keine Liste brauchte. Denn natürlich hatte er sich längst die Namen gemerkt, es waren ja auch nicht wirklich viele. Namen merken an sich war für ihn auch kein Problem, dagegen war es schon schwerer den Gesichtern Namen zuzuordnen, aber das musste er ja gerade zum Glück nicht. Du hast recht, das mit der Liste ist auch blöd. Ich bin es gewohnt, dass sich Verschwörer und so ein Gesindel schon vor mir versteckt, da brauch ich das bei meinen "Potentiellen" auch nicht noch. Sonst müsste ich die Anzahl der Prätorianer verdoppeln. Die eine Hälfte sucht Verbrecher, die andere Frauen. Crassus lachte.


    Du wirst dich wundern, aber genau hier möchte ich dir widersprechen. Auch wenn es eigentlich so sein sollte, wie du sagtest. Aber zur Zeit, ich weiß das auch nur vom Hörensagen, aber da sollen selbst unverheiratete Töchter des Hauses Tiberia schon viele Erfahrungen in dieser Sache gemacht haben. Und auch sonst gewinne ich immer mehr den Eindruck, dass die nun etwas... gereifteren Frauen weniger Erfahrung haben als die ganz Jungen. Crassus zuckte ratlos mit den Schultern. Aus eigener Erfahrung kann ich dazu allerdigns auch nicht sagen.


    Crassus leerte seinen Becher, ihm entging dabei ihr Zwinkern aber nicht. Noch mit dem Becher an dem Mund grinste er. Allerdings war das Grinsen wieder verschwunden, als er den leeren Becher absetzte. Ich glaube, auch wenn ich versuchen würde, das bei verschiedenen Frauen zu erproben, würde ich einige Schwierigkeiten bekommen - obwohl ich Frauen bevorzuge. er grinste breit. Auf die angedeutete Frage, bezüglich der Vorliebe, ob erfahrene oder doch lieber unerfahrene Partnerin antwortete Crassus nicht. Er überging sie einfach.

  • Hatte er wirklich gerade ...? Normalerweise konnte sie sich auf ihr Gespür verlassen, aber sie war sich nicht absolut sicher. Einem Sulla hatte sie seine Gedanken recht gut ansehen können, aber Crassus beherrschte das Spiel der Mienen und Ausdrücke besser als der praefectus annonae, er gab sich nicht so leicht eine Blöße. Indes, im Zweifelsfall war er ein Mann, also sprach doch einiges dafür ... sie verlor sich kurz in einer kleinen Grübelei, die sie dann aber beiseite schob. Zumindest war es nicht zu auffällig gewesen, im Bereich der Spekulationen, und damit musste sie den Gedanken einstweilen ruhen lassen. Sachte stellte sie ihren Becher beiseite, bevor sie seinen Worten die gebührende Aufmerksamkeit widmete. War er ihr auf den Leim gegangen oder nicht? Aber letztendlich kam es nicht darauf an, nicht bei diesem trickreichen Abtasten und gegenseitigen Einschätzen-lernen.


    "Die Centurionen waren zumindest, soweit ich sie kennengelernt habe, stets sehr mutige, disziplinierte Männer, die das in sie gesetzte Vertrauen meist gerechtfertigt haben - als Vorbild für ihre Männer müssen sie mehr leisten als der einfache miles. Vor allem, wenn es darum ging, die Probleme einer Einheit zu erkennen, denn es gibt immer irgendein Problem, wenn so viele Männer dicht gedrängt aufeinander leben. Im Grunde ist jeder Centurio ein Feldherr im Kleinen, nur gibt er die Befehle von oben weiter, anstatt sie zu treffen - ich kann mir jedoch nicht vorstellen, dass die Arbeit eines Centurios um so vieles von der eines Feldherrn verschieden ist. Man muss nur in größeren Einheiten denken," meinte sie sinnierend. "Ich habe mich vor einigen Tagen mit einem meiner Amtskollegen unterhalten, dem es sehr merkwürdig vorkam, dass eine Frau sich die notwendige Fachkenntnis zur Führung einer Stadt zutraut, aber im Grunde ist es dasselbe Prinzip wie bei einem Centurio und einem Feldherrn: Allein die Dimension ändert sich, nicht aber die Dinge, die man tut - einen Haushalt am Laufen zu halten, erfordert nicht weniger Geistesgaben als eine Stadt."


    Dass er die Namen behalten hatte, quittierte sie mit einem leichten Schmunzeln. "Ganz richtig. Und ich hoffe, dass sich unter jenen eine Frau befindet, die Deine Aufmerksamkeit finden kann - vielleicht sollte ich auch noch meine Cousine Livilla mit auf Deine Liste mogeln, sie ist jung, schön und vor allem unverheiratet. Eine Ehe könnte ihr sicher nur guttun." Und Crassus traute sie sehr wohl zu, dass er das Temperament Livillas im Zaum halten konnte, und als Prätorianerpräfekt würde er seine Gemahlin sicher auch gut beschützen können. Warum nur war ihr die Idee nicht früher gekommen? Er war attraktiv, und etwas an seiner lässigen Art sich zu geben, als beherrsche er die Szenerie, ließ ein vages Prickeln in ihrer Magengegend entstehen.


    "Nun, wenn eine junge Frau schon viel Erfahrung besitzt, spricht das nicht für ihr Elternhaus, und ich würde von einer Verbindung Abstand nehmen, würde ich so etwas erfahren. Immerhin möchte man in einer Ehe eheliche Kinder, und nicht die Nachkommen irgendeines Sklaven oder Peregrinus als die eigenen," erwiederte sie recht trocken und schmunzelte. "Letztendlich kommt es wohl darauf an, ob man aneinander auch Gefallen finden kann, dann kommt der Rest von ganz allein." Dann, sich etwas räuspernd, fügte sie an: "Darf ich Dir noch etwas Wein anbieten? Ansonsten können wir uns gern ins Triclinium begeben, immerhin hatte ich Dir ein Essen versprochen ..."

  • Oh, sie schien tatsächlich nach Crassus Blick kurz nachzudenken. Also hatte sie den Blick auf jeden Fall gesehen, war sich nur noch nicht sicher, ob sie ihn wirklich gesehen hat oder nur gedacht hat ihn gesehen zu haben. Naja, Crassus sollte es erst einmal egal sein. Sollten bald Schmierereien an Roms Wänden über ihn stehen, wüsste er schon, welche Fenster er einwerfen müsste...


    Na gut, so ganz teile ich deine Ansicht nicht, auch wenn ich vom Prinzip her mit dir übereinstimme. Ein Centurio hat viele Aufgaben die auch ein Legat hat, nur halt im kleineren Stil, so wie du sagtest, da stimm ich dir zu. Allerdings hat ein Legat noch einige Aufgaben mehr, die der Centurio so nicht hat. Der Centurio muss sich ja auch nur zum kleinen Teil um die Versorgung seiner Männer kümmern. Dafür ist der Praefectus Castrorum zuständig und der erhält die Anweisungen wieder vom Legaten. Das heißt der Legat ist zum Beispiel auh noch für die Versorgung der Männer zuständig, was der Centurio nicht ist. Aber das ist ja nur eine kleine Anmerkung am Rande, im Prinzip hast du recht. Wobei, möchte ich noch kurz anmerken, ist die Veränderung der Dimension auch nicht zu unterschätzen. Nur weil es immer das gleiche ist nur in einer anderen Größenördnung, heißt es noch lange nicht, dass es auch immer das gleiche ist. sagte Crassus sich ein Schmunzeln verkneifend. Hach, da wurde er doch tatsächlich für einen Moment philosophisch. Dein Amtskollege war nicht zufällig ein Aurelius, oder? Die scheinen sich ja regelrecht auf Frauen in der Öffentlichkeit eingeschossen zu haben... und das obwohl ich aus zuverlässiger Quelle weiß, dass in "ihrer" Kurie Aurelia Deandra den Ton angibt. Crassus grinste breit. Ja, als Prätorianer hatte man immer überall seine Informanten und die Informationen von ihnen konnte man ja auch gut mal privat ansprechen.


    Jung, schön und unverheiratet - Iulia Livilla wiederholte Crassus grinsend so, als ob er es sich gerade in der Form merken würde. Aber dann ließ Helenas nächste Aussage ihn kurz stocken... "Ehe würde ihr guttun." Ähm, warum guttun? Ist sie deprimiert, seelisch krank, einsam oder sonst irgendetwas das ich noch wissen sollte? fragte Crassus toternst. Wäre ja blöd, wenn sie in Ohnmacht fallen würde, weil ich ihr etwas schenke, sie es aber nicht gewohnt ist etwas geschenkt zu bekommen. Ich kann die Überschrift in der Acta schon genau vor mir sehen: "Praefect überfällt junge Frau mit Geschenk". Crassus lachte laut.


    Nun, da hast du mir etwas vorraus. Ich war noch nie verheiratet, ich kann da nicht wirklich mitsprechen. Du dagegen hast schon damit Erfahrung, deshalb kann ich nur begrenzt mitreden. Ach, ein Essen hatte sie auch versprochen? Crassus sollte sich die Einladungen mal genauer durchlesen beziehungsweise vorlesen lassen. Immer nur das Datum und den Ort heraussuchen zu lassen war zwar schön zeitsparend, aber damit wurde man doch immer öfters überrascht. Bitte, wegen mir können wir auch gleich in das Triclinium gehen. Ein bisschen Hunger hätte ich solangsam nämlich auch.

  • Sein vergewissernder Blick gab ihr die letzte Sicherheit, dass sie sich nicht getäuscht hatte. Männer! Letztendlich waren sie doch alle gleich, egal wohin man kam und in welche Kleidung und Ehren der eine oder andere schlüpfte. Schmunzelnd behielt sie ihm im Blick, während er seine Sicht der Dinge darlegte, und beschloss, ihm mit gleicher Münze heimzuzahlen, was er begonnen hatte. Diesen Abend sollte der praefectus praetorio nicht so leicht vergessen können, und sei es nur, dass er mit einem prallen Lendenschurz das Haus der gens Iulia verließ, um unerfüllte Begierden dann mit der erstbesten Sklavin seines eigenen Haushalts zu erfüllen. Ja, der Gedanke begann ihr zu gefallen, denn dieses Spiel konnte eine Frau, die es gut spielte, letztendlich nur gewinnen, denn sie hatte nichts zu verlieren.


    "Er war tatsächlich ein Aurelier, aber ich glaube, so schwer war das auch nicht zu erraten - immerhin gibt es ausser Sergius Glabrio und mir nur noch einen weiteren Duumvir, der sich in der Curia Italia hervorgetan hat, und dieser ist nun einmal ein Aurelier. Indes scheint er mir nicht gar so verstockt und unzugänglich zu sein wie andere seiner Familie, aber eine gewisse Vorsicht bleibt doch immer zurück," antwortete sie schließlich mit einem leichten Lächeln auf den geschwungenen Lippen, den Blick dabei nicht von ihm lassend. Er sollte ruhig sehen, dass sie kurz die Zunge zwischen den Lippen hervor blitzen ließ, um den letzten Weingeschmack von dort fortzunehmen.
    "Nun, was Livilla angeht - sie ist noch recht jung und unerfahren in den zwischenmenschlichen Dingen, und sie hat gerade erst eine etwas unglücklich verlaufene Liebesgeschichte hinter sich. Eine Ehe vermittelt einem doch stets einen gewissen Halt, ein Wissen darüber, wohin man gehört und welche Ziele einen in der nächsten Zeit bewegen könnten, wenn man noch nicht so viele eigene gesteckt hat. Ich bin mir sicher, sie wäre eine aufmerksame und gute Gemahlin für einen anständigen Mann, der ihren klugen Kopf zu schätzen weiss und der Romantik auch ein wenig Raum gewährt im alltäglichen Leben."


    Insgeheim glaubte sie, dass ihre Cousine eine ziemliche Romantikerin war, die auf die große Liebe wartete - anders ließ sich schlecht erklären, dass sie mit Petronius Mela so umgegangen war. Vielleicht wäre Crassus als Gemahl für sie gar nicht so schlecht, reich genug war er, um ihr die Welt zu Füßen zu legen, einflussreich ebenso. "Dann lass uns doch hinüber gehen, es ist ja nicht weit," sagte sie lächelnd und erhob sich in einer fließenden, langsamen Bewegung, wohl einkalkuliert, dass sich ihr Körper unter dem Stoff der Stola abzuzeichnen wusste. Die Ohrhänger fingen das Kerzenlicht des Raums und reflektierten es, während sie am impluvium vorbei schritt, in Richtung der Türe, die zum triclinium führte. "Ich möchte Dich schließlich nicht hungern lassen," fügte sie hinzu und wandte sich halb zu ihm um, überprüfend, ob er den vagen, tieferen Beiklang ihrer Stimme beim Wort hungern auch registriert hatte.


    "Eigentlich fast schade, dass Du noch nie verheiratet warst," sagte sie, während sie ihn in den Speiseraum mit den dort aufgebauten Klinen führte - er war ebenso dezent erleuchtet und zwei große Vasen mit Blumenschmuck darin füllten den Raum mit einem dezenten, angenehmen Duft. Sie bot ihm mit der Hand den locus praetorius, den Ehrenplatz, um sich selbst mit einer geschmeidigen Bewegung dekorativ auf dem Platz des Hausherrn und Gastgebers niederzulassen - es war zwar nur ein kleines Essen, aber auch hier mussten die Konventionen der römischen Gesellschaft gewahrt werden.

  • Ihr Schmunzeln während Crassus Erzählungen ließ ihn doch etwas stutzen, auch wenn er versuchte, es sich nicht anmerken zulassen. Er hatte ja eigentlich nichts gesagt, was zum Schmunzeln, zum Lächeln oder zum Amüsiert sein war. Crassus hatte inzwischen tatsächlich aufgegeben zuzuordnen, ob sie nun den Blick gesehen hat oder nicht und wie sie ihn zuordnete. Es war ihm im Prinzip ja auch nicht so wichtig, schließlich war Helena ja durchaus eine begehrenswerte Frau, die sich nicht in dunklen Ecken verstecken musste. Und auch wenn sich solche Blicke nicht geziehmten, so war es ja nur ein einziger gewesen und deshalb wurde noch keiner an ein Kreuz geschlagen. Außerdem hatte Crassus eine Blick nicht unbedingt das Verlangen gefördert, ihm nicht noch den einen weiteren nachzuschicken. Aber eins nach dem anderen...


    Na gut, ich hab nicht wirklich viel mit den Aureliern zu tun, sodass ich da zwischen den einzelnen Famielnmitglieder nicht großartig differenzieren könnte. Aber das, was ich bisher von den Aureliern hab hören können, war nicht unbedingt das beste und Gelbe vom Ei. Aber es soll mich nicht weiter stören, irgendwie habe ich nämlich solangsam sowieso den Eindruck gewonnen, dass die Patriziergentes der heutigen Zeit irgendwie völlig.. ehm. Crassus muss seinen Blick von Helenas Augen lösen, um seine Gedanken in eine andere Richtung lenken zu können daneben benehmen. Sein Blick wanderte wieder zu Helens Gesicht und blieb einen Moment lang auf ihren Lippen liegen, zwischen welchen genau in dem Moment sich die Zunge kurz zeigte. Wie ihre Lippen wohl schmeckten....
    Na gut, aber ich möchte ja eigentlich kein Trostspender sein - auch wenn das durchaus in eine Ehe mitgehören kann - sondern eine Frau für meine Kinder und für mei.. er musste unweigerlich grinsen unsere Verlangen finden. Aber ich werde deine Cousine mal auf meiner "Liste" vermerken. Ich bin schon gespannt, wenn sich mal die Möglichkeit bietet, eine der Kandidatinnen kennenzulernen, inwiefern du meinen Geschmack getroffen hast. Mit dem... "Wein" hast du ihn ja schon vortrefflich getroffen. sagte Crassus leicht abwesend, während er in Gedanken noch einmal die Szene vor sich ablaufen ließ, wie sie auch den letzten Tropfen Wein von ihren Lippen holte und ihn anschließend genüsslich verköstigte.


    Als Helena sich erhob, stand auch Crassus auf. Diesmal aber darauf achtend, dass sein Blick nur dann den Weg fand, als sie es nicht sehen konnte. Als sie dann vorging um ihm den Weg zu weisen, musterte er sie von hinten ganz ungeniert, schließlich hatte sie ja vermutlich im Hinterkopf keine Augen. Er stellte sich wieder vor, wie Helena wohl unter der Kleidung aussehen würde. Nun hatte er ja genug Zeit, jeden Centimeter ihres Körpers zu "entkleiden" Ich werde mit jedem Moment des Wartens immer hungriger. sagte Crassus, wohlwissend und -zeigend, dass sie die Aussage durchaus richtig verstehen würde.


    Warum sollte es fast schade sein, dass ich bisher noch nicht verheiratet war? fragte Crassus ehrlich interessiert und legte sich gleichzeitig mit Helena auf die ihm angebotene Liege. Wäre dir etwa ein verheiratete Gesprächspartner lieber?

  • "Die Patriziergentes haben eine schwere Bürde zu tragen," meinte sie gelassen, während sie sich auf der Kline ein klein wenig zurecht legte und den Saum der Stola ordentlich so weit herunter zog, dass der Stoff ihre Beine vollständig bedeckte. Allein die zierlichen Zehen in ihren Sandalen blitzten noch unter ihrer Stola hervor, aber dieser so alltägliche Anblick war wohl kaum dazu angetan, die Gedanken eines Betrachters auf Abwege zu schicken.
    "Letztendlich wird man sie stets an den Taten ihrer Ahnen messen, und diesen kann man kaum wirklich gerecht werden. Wer vermag schon an einen Caesar, an einen Augustus heran zu reichen - oder an einen Vespasian oder Titus? Wir alle müssen uns mit dem Gedanken begnügen, dass wir vor dem Vorbild unserer Vorfahren nichts sind ausser kleinen Lichtern, die in besonderen Momenten ein wenig heller scheinen mögen als andere, um dann doch wieder unter jenen ihren Platz zu finden, die zwar nach den Sternen greifen, sie aber nicht erreichen werden." Sie wölbte die Lippen zu einem feinen Lächeln, denn ihre Worte disqualifizierten im Grunde jeden Mann, jede Frau, und seien sie aus noch so stolzer Familie, zu einem niedrigeren Rang als jenen der glorreichen Ahnen - und dass zu jenen Ahnen auch die Iulier zählten, war offenkundig. Wie er mit dieser Herausforderung umgehen würde?


    "Was die Ehen anbelangt," diesmal klang ihre Stimme etwas sinnierender, aber sie versäumte es nicht, den Rücken etwas durchzudrücken, dass der Stoff ihrer Stola die Brüste kurz praller umspannte als sonst im liegen, ".. so denke ich, dass Du Dich mit der Rolle des Trösters doch so einige Male wirst begnügen müssen. Immerhin bist Du dann der pater familias Deiner Ehe, und die letzte Entscheidung wird immer bei Dir liegen. Was liegt näher, als dass sich Deine Frau dann auch bei Dir Rat und Schutz sucht, wenn sie dessen bedarf? Zu wem sollte sie sonst gehen, wenn nicht zu ihrem Gemahl? Ich glaube nicht, dass es Dir gefallen würde, wählte sie einen anderen zum Vertrauten." Er würde wohl toben, überlegte sie und nickte einer der Sklavinnen zu, die ihnen in das triclinium gefolgt war, um ihnen die Becher zu bringen, ebenso den Weinkrug mit dem feinen Falerner - die Sklavin schenkte beiden auch nach und zog sich nach einem weiteren Nicken ihrer Herrin zurück, wohl um das Abendessen zu holen.
    "Ich freue mich, dass Dir der Wein schmeckt," ergänzte sie ihre Worte schließlich und hob ihren Becher in seine Richtung, wieder einen kleinen Schwung der dunkelroten Flüssigkeit auf dem Boden vergießend. "Immerhin ist er einer der besten, die wir hier gelagert haben, und ich dachte mir, Du könntest daran vielleicht Vergnügen finden."


    Lässig deutete sie der Sklavin nach, den Blick zu ihm wieder aufnehmend, als sei er nie abgerissen. "Dein Hunger wird sicher bald gestillt werden ... zumindest hoffe ich, auch darin Deinen Geschmack getroffen zu haben." Innerlich lachte sie über die unschuldige Doppeldeutigkeit ihrer Worte, denn das Bild, das sich ihr selbst bot, bestand absolut nicht aus einem gemütlichen Mahl, eher aus einer höchst schweisstreibenden Nebenbeschäftigung ... aber von so etwas durfte sie sich nicht aus der Ruhe bringen lassen. "Nun, mir ist es eigentlich gleich, ob mein Gesprächspartner vermählt ist oder nicht, aber die Erfahrung einer Ehe fügt normalerweise dem Erfahrungsschatz eines Mannes einige interessante Punkte hinzu. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass verwitwete oder verheiratete Männer Frauen anders beurteilen als unverheiratete ... aber lassen wir das, solche Gedanken sind müßig, denn immerhin suchst Du Dir ja eine Frau und wirst es sicher bald erleben. Etwas anderes kommt mir da noch in den Sinn ... kennst Du einen Mann namens Pompeius Strabo?" Eine eiskalte Dusche oder etwa vielleicht etwas, das die Stimmung noch etwas anheizen würde? Es war den Versuch wert, dachte die Iulierin und blickte ihn interessiert an.

  • Sicher haben sie eine schwere Bürde zu tragen, aber das ändert nichts an der Tatsache, wie sie sich verglichen mit ihren Zeitgenossen benehmen. sagte Crassus und stellte beinahe bedauernd fest, dass Helena ihre Beine sorgsam einhüllte und nicht zu viel Haut zeigte. Das man den Vergleich mit seinen Ahnen eigentlich nur verlieren kann ist klar, aber den Vergleich mit seinen Zeitgenossen sollte man auf jedenfall standhalten können. Und als Patrizier gleich zwei mal. Wenn sich Plebejer aus der Subura daneben benehmen ist es das eine, aber Patrizier reflektieren unsere Gesellschaft anders als jeder andere hier im Staat. Sollten sie sich daneben benehmen, dann wiegt das schwerer als wenn sich zwei Senatoren auf den Kopf stellen. Aber glücklicherweise reguliert sich der Staat und die Gesellschaft selber und verteilt die Macht langsam aber stetig und das Ansehen schnell auf die Fleißigen und Pflichtbewussten. Und, machen wir uns nichts vor, dass sind zur Zeit die Ritter und auch einige ehemalige Ritter, die nun Senatoren sind.


    Selbstverständlich entging es Crassus nicht, als sie ihren Rücken kurz durchstreckte. Wobei ihm das alleine ja recht egal gewesen wäre, hätte sich dadurch nicht ihr Busen ganz deutlich unter ihrer Stola abgezeichnet. Diesmal war er allerdings etwas schlauer und war darauf vorbereitet, sodass er nicht direkt drauf starrte, sondern aus dem Augenwinkel es zu Notiz nahm. Sicher, werde ich oft der Tröster sein müssen, begann er dann, hoffend, dass Helena den Eindruck gewann, dass sie ihn damit nicht sonderlich aus der Ruhe bringen konnte. Auch wenn er zugeben musste, dass es ihr im Atrium so recht gut gelungen war sagte ich ja auch bereites, allerdings weiß ich nicht, inwiefern es gut ist, gleich am Anfang in die Rolle des Trösters zu gelangen, bevor man sich eigentlich kennen gelernt hat. Aber wir 'eigentlich ja nur ich...' werden sehen.Und ja, es würde mir nicht wirklich gefallen, sollte sie tatsächlich jemand anderem mehr vertrauen als mir. Und würde sie mit ihren Sorgen und Nöten zu ihm anstatt zu mir gehen, würde mich das sicher aufregen. Crassus versuchte sich das in Gedanken vorzustellen und konnte sich seine Reaktion schon sehr genau vorstellen... der Mann würde wahrscheinlich nicht mehr viel Spaß haben, die Ehe würde in die Brüche gehen und Crassus und seine Frau würden sich nie mehr anschauen. Dem galt es dann wohl vorzubeugen, nahm sich Crassus in Gedanken vor.
    Er nahm der Sklavin dankend zunickend den Becher ab, gab den Göttern etwas dar, prostete Helena zu und nahm dann auch einen kleinen Schluck. Es war also nur einer der besten Weine, die sie hier hatten. Crassus nahm das leicht grinsend zu Kenntnis und ging davon aus, dass es trotzdem der beste war. Schließlich war der Praefectus Praetorio als freundlichgesinnter Gast sicher nicht die ganz falsche Wahl.


    Och, davon gehe ich doch aus. Crassus fragte sich, wie lange er eigentlich schon nicht mehr bei Lucianus im Lupaner gewesen war. Immerhin war es ja Crassus Anlaufstelle Nummer Eins, wenn er etwas Entspannung im Lendenbereich suchte. Es war schon eine ewige Zeit lang her, stellte er für sich fest. Wahrscheinlich war sogar das letzte mal vor seiner Beförderung zum Praefekten der Prätorianer. Er plante bei dem letzten Gedanken schon die Heimreise über eben dieses Etablissement. Wahrscheinlich... niemand hat ja den zeitnahen und exakten Vergleich zwischen seiner ledigen Zeit und der Zeit, in welcher er vermählt war. Man kann ja schlecht die eine oder andere Zeit gegen die andere austauschen. Doch wer weiß wie ich in einigen Jahren darüber spreche, wenn ich die Erfahrung selber gemacht habe. Nun ging es aber flott, sie spurtete ja beinahe von einem Thema zum anderen und Crassus konnte in Gedanken gerade so folgen. Es dauerte zwar einige wenige Momente bis sich der verwirrte Gesichtsausdruck auflöste, aber wer konnte schon wissen, dass sie mitten im Satz das Thema wechselte? Decimus Pompeius Strabo, ja sagt mir durchaus etwas. Aber was ist mit ihm, wollst du mich zu eurer Hochzeit einladen? fragte Crassus schelmisch grinsend.

  • "Reflektieren Patrizier, die sich an Sitte und Anstand vergehen, nicht unsere Gesellschaft mehr als jene, die den alten Werten folgen? Ein jeder Historiker oder Annalist wird Dir mit vielen Worten beschreiben, wie verdorben die heutige Zeit ist und wie verloren wir sind, dass wir uns dieser nicht zu stellen wissen. Immer und immer wieder ist zu lesen, dass gerade jene die Verlorensten sind, die aus den patrizischen Familien entstammen - in sofern dürfte uns schlechtes Benehmen nicht wundern, und auch nicht, dass das alte Blut oftmals Schwierigkeiten hat, sich in einer sich stets wandelnden Welt zurecht zu finden. Dennoch gibt es immer wieder Männer und Frauen aus den alten Familien, die zur Hoffnung Anlass geben - und an jenen sollten wir messen, was wir von den Patriziern denken. Es ist schlichtweg unmöglich, dass in einer gesellschaftlichen Schicht alle gleichermaßen das richtige Verhalten offenbaren." Kurz irrten ihre Gedanken zu einem ganz bestimmten Patrizier, den sie besser kannte als alle anderen, und dieser Gedanke ließ sie kurz schmunzeln, den Blick allerdings nicht von Crassus wendend.


    Diesmal starrte er nicht - kluger Mann! dachte sie bei sich insgeheim - und sie nickte zu seinen Worten über den Trost und die Ehe leicht mit dem Kopf.
    "Letztendlich weiss man bei einer Ehe zu Anfang nie, wie sie sich entwickeln wird, aber ich halte es für eine gute Taktik, sich zumindest alle Optionen einmal darzulegen. Es wird noch genug Überraschendes für Dich in einer Ehe geben, daran zweifle ich nicht - aber zumindest die Grundmöglichkeiten kann man sich ausmalen und darüber sinnieren. Und so Du erst einmal vermählt bist, wirst Du Dich vielleicht an dieses Gespräch erinnern, wer weiss?" Sie streckte die Hand zu ihrem Weinbecher aus und nahm einen kleinen Schluck daraus, ließ sich die dunkelsüße Flüssigkeit auf der Zunge rollen. Crassus als verheirateter Mann hatte einen amüsanten Beigeschmack, als sie versuchte, sich das auszumalen - irgendwie hielt sie ihn dann doch für einen Schwerenöter, wenn sich ihm die Gelegenheit ergab.


    "Nein, eigentlich nicht ... und sollte mein Vater mich zu einer Heirat mit einem solchen Mann zwingen wollen, würde ich von der nächsten Tiberbrücke springen, dessen kannst Du Dir sicher sein," meinte sie schmunzelnd und zwinkerte ihm matt zu. "Was ich bisher über ihn erfahren habe, lässt mich in ihm vieles sehen, aber sicher keinen Ehrenmann. Deswegen ...würde ich gern ein wenig mehr über ihn wissen, um zu wissen, wie ich mit ihm umzugehen habe. Es gibt wohl niemanden, der mir besser einen Hinweis geben könnte als Du ..." Etwas gedehnt hatte sie die Worte gesprochen und blickte ihn dann aufmerksam an.

  • Es ist müßig über den Verdorbenheitsgrad unserer Gesellschaft zu reden. Vorallem, da die Historiker schon zu Zeiten Ciceros sagten, dass wir dem Untergang geweiht seien, heute ist das Reich aber größer als jemals zuvor ist. wich Crassus etwas vom Thema ab. Ging es zuvor noch darum wer wie verdorben war, sollte es nun nach der Verdorbenheit an sich gehen. Er hatte nämlich das Gefühl, dass das andere Thema nicht mehr wirklich ergiebig war und ehrlich gesgat hatte er auch keine große Lust gehabt, sich nun zu streiten. Viel lieber würde er über ein Thema sprechen, in welchem beide übereinstimmten. Widerspruch hatte er den ganzen Tag über zu ertragen und nun wollte er sich ja eigentlich etwas entspannen. Versteh mich nicht falsch, selbstverständlich sind auch für mich die Werte und Traditionen unserer Ahnen ein Ziel, welches ich zu erstreben versuche. Aber manchmal frage ich mich, ob es nicht viel ergiebiger und effizienter wäre, wenn wir uns... ehm, neue Standards suchen beziehungsweise machen. Crassus wartete erst einmal ab, was sie zu dem Thema sagen würde. Und er war sich eigentlich schon sicher, dass sie in diesem Thema nicht übereinstimmen würden.


    Überraschende oder ungewohnte Situationen sind für mich zum Glück nichts neues. Als Soldat lernt man schon während der Grundausbildung mit dem Unvorhersehbaren umzugehen und trotz aller negativen Umstände, das beste daraus zu machen. Und ich kann mir schon ziemlich genau vorstellen, dass es in Ehen genauso zu Schlacht-ähnlichen Szenen kommt. Wobei ich aber hoffe, dass diese ohne ein Gladius oder Pugio ausgefochten werden. sagte Crassus leicht grinsend und strich sich über seinen Oberarm über eine kleine Wunde... konnte ja niemand rechnen, dass der Ehemann so früh heimkommen würde, dachte er bei sich.


    Gut, dann bin ich ja beruhigt. Ich hatte nämlich schon das schlimmste angenommen... du möchtest mehr über ihn wissen? ah, so ist das also. Erst mit gutem Wein locken und dann eine Gegenleistung erwarten. Ich gehe doch stark davon aus, dass du nicht von mir erwartest, dass ich dir Informationen aus dem Tabularium Occultum geben soll. fragte und vergewisserte er sich ernst.

  • "Hmm ..." machte sie sinnierend und lehnte sich etwas zurück, die Worte des praefectus praetorio durch den Kopf gehen lassend. Neue Standards, das klang fast, als hätte sie einen verhinderten Revolutionär hier vor sich. Aber vielleicht machte das die Unterhaltung auch so interessant und vielseitig? Gäste, die immer und überall dieselbe Meinung vertraten wie man selbst, waren nach kurzer Zeit einfach nur langweilig und wenig unterhaltsam.
    "Die Frage ist, welche Werte und Traditionen die unserer Ahnen ersetzen oder verbessern könnten - ich erinnere mich nur an die derzeitige immer wieder aufgewärmte politische Diskussion über die Arbeit von Frauen in Ämtern, die bisher Männern vorbehalten waren. Unsere Gesellschaft hat sich immer wieder gewandelt, um zu überleben, als das Konzept der Republik nicht mehr funktioniert hat, gab es einen blutigen Wandel, und nun könnte es einen in die Richtung geben, dass man sich in eine Richtung wendet, die den Ämtern erlaubt, aus mehr personellen Ressourcen zu schöpfen als zuvor - oder hast Du ein passenderes Beispiel für sich verändernde Werte?" Eine ihrer Brauen hob sich interessiert an, und auf die Antwort des Caeciliers war sie wirklich gespannt.


    "Ich denke jedenfalls, Du bist für eine Ehe ganz gut gerüstet," fügte sie nach einer Weile mit einem leichten Schmunzeln auf den Lippen an, bevor sie der Sklavin dabei zusah, wie sie mit einem Tablett mit mehreren Schalen darauf das Triclinium betrat und diese auf dem Tisch zwischen den Klinen servierte - kleingeschnittene Fleischstückchen in handlicher Fingergröße waren ebenso zu entdecken wie die unvermeidlichen gedünsteten Meeresfrüchte, dazu auch Gemüsestückchen in appetitanregenden bunten Farben, eine Schale mit Brot, um die Finger beim Aufnehmen der einzelnen Dinge nicht zu beschmutzen, war ebenso hinzugefügt.


    Als er die Frage nach der Herkunft seiner Informationen stellte, musste sie ein wenig breiter lächeln, und schüttelte dann fast sofort den Kopf. "Ich würde Dich niemals nach verborgenen Informationen fragen, die Du mir nicht weitergeben dürftest - mir geht es eher um einen allgemeinen Eindruck dieses Mannes, denn man hört so manches, wenn man den Gerüchten hier in Rom ein offenes Ohr schenkt, doch das wenigste lässt sich gut mit beiden Händen fassen. Du lebst hier nun eine ganze Weile, und ich schätze Dein Urteil als recht präzise ein, was die Motivationen der Menschen hier betrifft. Ich möchte nur wissen, wie ich mit diesem Mann umzugehen habe, denn Grund, ihm nicht freundlich gegenüber zu stehen, habe ich zweifachen." Es klang recht bestimmt, denn er sollte nicht den Eindruck erhalten, sie hätte ihn eingeladen, nur um sich über Strabo zu informieren - sicher, sie hatte dies als einen der Gründe gesehen, aber nicht als den entscheidenden.

  • Ja, das mit den Frauen ist wahrscheinlich das Paradebeispiel für eine dieser positiven Werteveränderung. Allerdings gibt es genauso negative Werte- oder Prioritätenveränderungen, die bei weitem nicht so heiß in der Öffentlichkeit diskustiert werden, als die "Frauenfrage". Eigentlich sollte man ja meinen, dass die positive Veränderung allgemein akzeptiert und begrüßt wird, da es in meinen Augen ja eine Bereicherung ist - sonst wäre es ja auch kaum eine positive Veränderung -, und die negativen Änderungen besprochen und aus der Welt geschafft werden. Aber um ein negatives Beispiel der Wertewandlung heranzuziehen, was bei weitem nicht die Aufmerksamkeit erfährt, wie es meiner Meinung nach sollte: die Religion. Zu großen und höchst religiösen Feste kommen kaum noch die Massen wie früher. In Germanien soll ja sogar ein Marstempel fast vollständig geplündert worden sein und eine Frau soll in einem Tempel die Götter geleugnet haben. Crassus nahm einen kleinen Schluck von seinem Wein, um ein kleines Resumee zusammenzufinden: Unser Ziel sollte es sein, nicht ums Verderben an den alten Werten festzuhalten, sondern die alten Werte positiv weiterzuentwickeln, wenn es möglich ist - hier wäre das Beispiel der Frauen in öffentlichen Ämtern zu nennen -, und negative Wandlungen der Werte zu verhindern zu versuchen und hier sollte man erreichen, dass die alten Werte akzeptiert und befolgt werden. Denn dann können wir gar nicht so verloren und verdorben sein, wie es oft behauptet wird.
    Wahrscheinlich hatte er mit dieser doch abgeschwächten Form ihre Illusionen bezüglich eines großartigen, wenn auch verkappten, Revulotionärs zerstört.


    Ohne besonderen Grund fiel Crassus gerade auf, wie oft eigentlich Helena schmunzelte, lächelte, grinste, zwinkerte oder eine andere, fröhliche Mine an den Tag legte und er stellte fest, dass es ihr ganz gut stand. Lag bestimmt auch an dem Gesprächspartner *räusper*. So gut kann ich wahrscheinlich gar nicht gerüstet sein, wie ich es gerne hätte. er schmunzelte breit und verlagerte das Gewicht auf die andere Seite, bevor sein Arm Gefahr lief, einzuschlafen. Dass es nun offenbar gleich eine Kleinigkeit zu Essen gab, gefiel Crassus ganz gut. Allerdings hielt er sich noch etwas zurück und wollte der Gastgeberin den Vortritt lassen - selbstverständlich.


    Mein allgemeiner Eindruck dieses Mannes wird aber durchaus durch den Eindruck der geheimen Informationen geprägt sein. erwiderte er schmunzelnd. Er hätte auch kein Problem damit gehabt, recht geheime Informationen hier zu nennen, immerhin wusste sie ja nicht was geheim war und nicht, solange er nicht sagte, dass jetzt eine geheime Information folgen würde. Und wenn sie nicht wüsste, dass es eine geheime Information war, würde sie auch nicht darüber tratschen. Ich sage es dir ganz offen: Decimus Pompeius Strabo ist der einzige Soldat in meiner bisherigen, langen Laufbahn, den ich aufgrund seines absoluten Fehlverhaltens Degradieren musste. Dementsprechend ist natürlich auch meine Meinung. Er ist aalglatt, er hängt seine Fahne gerne in den Wind, hat kein Rückgrad und ist sich auch nicht zu Schade mal jemandem in den Arsch zu kriechen, nur um dadurch irgendwelche Vorteile zu erreichen. Desweiteren ist er mehr als nur hochmütig, er ist beinahe größenwahnsinnig. Er hält sich für den zweiten Kaiser, meint er wäre mächtig und könnte sich benehmen, wie ein Schaaf mitten in einer Wolfsherde, ohne, dass ihm jemand etwas anhaben könnte. Crassus zuckte leicht mit den Schultern: Ich denke du solltest nun einen Eindruck von meiner Meinung von ihm haben. Aber es würde mich schon interessieren, welche Gründe du hast ihm.. ehm, vorsichtig gegenüber zu stehen?

  • "Ich habe die Acta gelesen," sagte sie und nickte bedächtig. "Es ist erschreckend, was sich in Germania zugetragen hat und ich hoffe sehr, dass mein Vater nicht allzu viele Sorgen deswegen hat - er ist Magistratus von Mogontiacum, musst Du wissen. Aber auch in Hispania gab es wohl einen Tempelraub, in sofern scheinen sich die Dreistigkeiten der Menschen nicht auf eine Region allein zu konzentrieren. Mögen die feigen Diebe keinen Gewinn von ihrem Diebstahl haben und ihnen die Hände, die den Schatz berührt haben, verdorren, damit sie ihre Strafe empfangen, die ihnen gebührt!" Es klang heftiger als beabsichtigt, aber als tiefgläubige Römerin, die mit den Kulten und Kulthandlungen der Staatsreligion aufgewachsen war, die auch in der Ferne der Provinzen noch daraus hatte Trost und Nähe der Heimat ziehen können, erfüllte sie eine solche Schändung mit einem deutlichen Zorn. Wieder schüttelte sie leicht den Kopf, die blauen Augen blitzten ob des kurzen Augenblicks der Wut merklich auf, bis sie sich wieder genug im Griff hatte.


    "Ich gehe mit Dir konform, Caecilius Crassus, und manchmal wünschte ich, dass diese Ansicht sich ein bisschen weiter unter jenen verbreiten würde, die um des Wortsinns wegen an den althergebrachten Traditionen festhalten, ohne den Blick in die Zukunft zu richten. Die meisten vergessen heute, dass unsere Gesellschaft nur deswegen fortbesteht, weil sie fähig war, sich immer wieder zu wandeln."
    Etwas tiefer durchatmend machte sie eine einladende Geste zu den Tellern hin, welche die Sklavin für sie beide aufgebaut hatte - er war der Gast, es wäre höchst ungehörig gewesen, hätte sie sich zuerst bedient, dieses Recht kam allein dem Hausherrn zu, und jener war sie nicht. Vielleicht informell, aber sicher nicht öffentlich.


    "Ich denke, Du bist für eine Ehe durchaus gut gerüstet," sagte sie leicht schmunzelnd. "Sowohl durch die äußeren als auch durch die inneren Umstände. Es würde mich sehr wundern, gäbe es bei Dir nicht so manche Frau, die gerne an Deiner Seite schreiten würde, um Deinen Haushalt zu führen und Deinen Namen zu tragen." Wieder hob sie den Weinbecher zu den Lippen und nahm einen kleinen Schluck daraus, sich einige Momente lang überlegend, welche Art von Frau sie sich an seiner Seite vorstellen konnte. Dass es eine willensstarke Person sein musste, lag ohnehin auf der Hand.
    Was er über Strabo zu berichten wusste, war allerdings ausgesprochen interessant, passte es doch auch zu ihrem bisherigen Eindruck, den sie von diesem Mann gewonnen hatte. Seine seltsame Rede auf der Rostra war nicht dazu angetan gewesen, ihm Intelligenz oder Ratio zu unterstellen.


    "Nun ... ich weiss, dass er versucht hat, das Interesse meiner Cousine auf sich zu lenken - natürlich innerhalb der Grenzen der Konvention und ohne ungehörig zu werden, aber wenn sich ein potentiell interessierter Mann mit einer jungen Frau abseits der üblichen Pfade bewegt, ohne sich vorzustellen und seine ehrbaren Absichten kundzutun, dann erregt dies natürlich Misstrauen," begann sie ihre Erzählung zunächst mit einem Lächeln, doch dann wurde ihre Miene ernst. "Und er ist der Veranlasser eines lebensbedrohlichen Anschlages auf einen Mann, dem ich verpflichtet bin; jener hatte mir einmal uneigennützig hilfreich beigestanden, und so ist es mir nicht gleichgültig, wenn ein Mann, dem ich misstraue, fast für den Tod eines Ehrenmannes verantwortlich gewesen wäre."

  • Glücklicherweise hatte Crassus Helena während ihrer Antwort genau studiert. So entging es ihm nicht für einen Moment, wie sie sich nach und nach in Rage redete. Crassus unterdrückte zwar ein gefallendes Lächeln, aber er konnte nicht abstreiten, dass ihm tempramentvolle Frauen gefielen. Ob sie wohl auch im Bett so leidenschaftlich war? Crassus hing diesem Gedanken einen Moment zu lange nach, sodass sich ein spitzbübisches Lächeln auf seinen Lippen schon gebildet hatte, ehe er es bemerkte. Er ließ das Lächeln schnell verschwinden und nickte ernst zu ihren Worten. Glücklicherweise hatte sie gerade geendet, sodass er gleich weitersprechen konnte. So sah dsa unterdrücken des Grinsers vielleicht nicht zu unnatürlich aus. Wichtig ist allerdings, dass wir uns nicht von diesen Historikern aufhalten lassen, welche sagen, dass wir genauso leben sollen, wie unsere Ahnen vor vielen Jahren. Denn wenn wir trotz ihrer Widerworte weiterhandeln und weiter die Werte zum positiven verändern und sie im Gespräch halten, so werden wir nach und nach diese zum Schweigen bringen. Spätestens wenn sie sehen, dass man auch mit den "neuen" Traditionen tugendhaft und im Sinne unserer Ahnen leben kann. Auf ihre einladene Handbewegung hin, beugte sich Crassus etwas weiter vor, um erkennen zu können, was in den einzelnen Schalen war. Er griff nach zwei der Gemüsestückchen und verzerrte sie langsam und nachdenklich.


    Frauen gibt es bestimmt viele, die das gerne würden. Allerdings kann ich nicht jeder Frau, die diesen Wunsch hegt, ihn auch erfüllen. Selbst ich kann nicht unbedingt der Frau den Wunsch erfüllen, welcher ich ihn gerne erfüllen würde. Aber es wird auch bestimmt da draußen irgendwo Frauen geben, die auf mich warten und auf welche ich warte. fügte er schmunzelnd hinzu. Hatte doch irgendetwas amüsantes: eine Frau und ein Mann die von den Göttern füreinander bestimmt waren, lebten in dem gleichen Dorf nebeneinander, ohne voneinander Kenntnis zu nehmen. Erst als es zu spät ist, bemerken sie, was sie eigentlich verpasst haben. Darüber gabs bestimmt auch schon hunderte Theaterstücke...


    Deiner Cosuine? Iulia Livilla? fragte Crassus kurz zwischenrein, meinte er doch, sie hätte vorher von ihrer Cousine geredet, die unbedingt mit auf die Liste der Kandidatinnen sollte. Nun gut, dass sich heutzutage oft junge Männer mit Frauen aus guten Häusern ohne die Erlaubnis der Väter einzuholen, auf die Reise machen, ist ja leider nicht mehr ungewöhnlich. Crassus sagte allerdings nichts sondern nickte nur stumm. Allerdings schreckte ihn der letzte Satz beinahe etwas auf. Oh! entfuhr es ihm recht dämlich. Ehm, ich meine, wie hätte er fast für den Tod deines Retters gesorgt?

  • Erst als sich ihr Gast am Essen bedient hatte, nahm auch sie eins der Gemüsestückchen und knabberte gemächlich daran, während sie seinen Worten lauschte, schließlich leicht dazu nickte.
    "Ich verstehe ohnehin nicht, wieso sich manche so furchtbar deswegen anstellen, gerade wegen der Frauen in politischen Ämtern. Ich habe bisher keine dieser Frauen als dumm oder ungeeignet kennengelernt, was man leider über so einige Männer in der Politik sehr wohl sagen muss - vielleicht auch, weil man als Frau wirklich geeignet sein muss, um überhaupt eine Chance zu haben, während Männer auch über Beziehungen den Weg nach oben machen können, ohne das Vertrauen vollkommen zu rechtfertigen, das man in sie setzt." Es war eine recht trockene Meinung der herrschenden Verhältnisse, aber für die Iulierin, wie sie es bisher kennengelernt hatte, durchaus eine realistische Ansicht.
    "Aber bei solchen Veränderungen wird es wohl noch die ein oder andere Generation brauchen, bis diese sinnlosen Diskussionen verstummen, Du hast sicher auch gemerkt, was in der curia italica los ist - und dass man dort ein kleines Problem mit meinen Einwürfen zu haben scheint."


    Sie sann seinen Worten über Frauen und Männer nach, die sie mit einem leichten Schmunzeln quittierte - mit viel Phantasie hätte man seine Worte in gleich mehrere Richtungen interpretieren können, auch in die Richtung, dass er ihr eine Blankoeinladung dazu gab, sich ihm zumindest gedanklich anzunähern. Aber war der Gedanke so unangenehm? Er hatte das gewisse Etwas eines Mannes, der genau wusste, was er wollte, und auch, was er nicht wollte - und diese Art von Stärke hatte stets eine gewisse Anziehungskraft auf sie gehabt. Aber war das ein Gedanke, den er teilen konnte? Wieder griff sie sich ein Gemüsestück, zerkaute es genüsslich und ließ den Geschmack ihre Sinne verwöhnen, während er wegen Strabo nachhakte.


    "Nun, es ist ganz einfach," erklärte sie recht trockenen Tones. "Die beiden Männer hatten eine Meinungsverschiedenheit, genauer gesagt, wenn ich es richtig verstanden habe, fühlte sich Strabo durch etwas, das mein ... Schützling zu ihm sagte, sehr beleidigt, und ließ ihn dann von ein paar Handlangern fast totprügeln. Nur einem glücklichen Zufall und schneller Versorgung verdankt er sein Leben - und er sieht auch heute noch sehr übel und elend aus. Ich hoffe sehr, dass keine bleibenden Schäden zurückbleiben. Weisst Du, ich bin durchaus mit der Tatsache vertraut, dass Feindschaften zum Leben gehören, aber wenn es an das Leben geht, und ein Mann zu feige ist, sich einem Kampf zu stellen und es lieber durch Handlanger austrägt, dann ist eine Grenze erreicht, die nicht überschritten werden darf ..."

  • Naja begann Crassus leicht zögernd und die letzten Gemüsestücke hinunterschluckend. Ganz so kann ich das nicht unterschreiben. Denn hier in unserem Staat haben Frauen auch das aktive Wahlrecht und somit können auch sie wählen. Ich könnte mir vorstellen, dass sich viele Frauen wohler fühlen, wenn ihr Geschlecht mehr Macht erhalten würde. Dadurch kann es durchaus sein, dass Frauen eher Frauen wählen, um sich, ihr Geschlecht und um ihre Stellung im Staat zu stärken und auszubauen. Das dann quasi die Stimmen der weiblichen Wähler als Sympathiestimmen vergeben werden und nicht nur nach der Kompetenz des Kandidaten. Wobei das natürlich auch nur Spekulation ist, denn niemand kann das alles mit Sicherheit sagen, schließlich sind die Wahlen bei uns ja geheim und es gibt keine genauen Auflistungen und Statistiken, welches Geschlecht eher welches wählt, welche Schicht wohl eher welches Geschlecht wählt und so weiter. Aber dafür sind solche Spekulationen doch auch viel lustiger. sagte er grinsend und zwinkerte er ihr zu, während er sich nach vorne beugte und eine Olive aus der Schale nahm, mit welcher er kurz zwischen seinen Fingern spielten, bevor er sie in einem hohen Bogen in seinen Mund warf - und natürlich auch traf. Das war damals sein Lieblnigsspiel bei der Legio gewesen.
    Es wird wahrscheinlich nie soweit kommen, dass darüber gar keine Diskussionen oder Gegenstimmen mehr vorherrschen. Schließlich gibt es ja auch heute noch Menschen, die behaupten, dass die wilden Germanen uns jederzeit überrennen könnten, wenn sie nur wollten. Naja.
    Ich wäre wohl der schlechteste Prätorianer des Erdkreises, wenn ich es nicht mitbekommen hätte. Allerdings würde ich mir deshalb keine großen Sorgen machen, denn diese Stimmen sind die Minderheit und versuchen sich nur aufzuspielen. Das ist wie mit einem Bär: der richtet sich auch auf und versucht damit größer zu wirken, als er wirklich ist, um seine Gegner in die Flucht zu schlagen. Man wäre töricht wenn man sich durch dieses Aufbauschen einschüchtern ließe.


    Er beugte sich wieder zu den Speisen, nahm dieses Mal zwei Oliven und warf sie gleichzeitig in die Luft, kurz bevor er sie wieder beide mit dem Mund auffing. Ha, war ja schön zu sehen, dass er nicht aus dem Training war. Naja, Iulianus war in solchen Spielen ja auch ein harter Gegner...


    Nachdem die Oliven auch verspeist waren, und sich Crassus nach einer Anlaufstelle für seine Olivenkerne umsah, lauschte er Helena wieder aufmerksam. Irgendwie kam ihm die Erzählung sehr bekannt vor. Es handelt sich bei der einen Person aber nicht zufällig um, ehm Gabriel... Crassus brauchte einen Moment um auf den Familiennamen des Freilassers zu kommen: Didianus Gabriel, wenn ich mich nicht täusche? Denn ich war derjenige der Gabriel gerade noch rechtzeitig aus den Fängen des Handlanger befreien konnte. Zumindest ähneln sich die beiden Geschichten sehr... und, sag mal, hast du Beweise dafür, dass Strabo dahinter steckt?

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