• Sie war unendlich glücklich. Für diesen Moment, für diese eine Nacht wollte und konnte sie alles andere außerhalb dieses Zimmers ausschalten. Sie richtete sich kurz noch einmal auf ihrem Ellenbogen auf und küsste Verres mit aller Liebe die sie empfand. Wer wusste schon, wann sie diese Möglichkeit wieder haben würden.
    Dann legte sie sich langsam wieder hin, ihren Kopf auf seine Brust gebettet und seinem Hezschlag lauschend. "Ich liebe dich." flüsterte sie leise.
    Dann schloss sie die Augen und von seinem Körper gewärmt und durch seine Anwesenheit geborgen ,schlief sie schon kurze Zeit später ein.


    Und Verres war auch überglücklich, denn er wusste, dass ihre Liebe kaum eine ehrliche Zukunft haben würde. Er war nur ein Sklave und hatte keine Rechte, besonders nicht, wenn es um die Liebe einer freien Frau ging. Doch für diesen Moment war ihm das alles egal. Er spürte seine Albina neben sich, seine Blume, die nun ihren Kopf auf seine Brust bettete und welche er sanft in seinen Armen hielt und ihr liebevoll über den Kopf streichelte, um ihr allen Halt zu geben, den sie brauchte.
    Und als sie dann diese Worte hauchte, da sprach er auch sehr leise und dankbar und glücklich: »Ich liebe dich auch, von ganzen Herzen ...« Und er wollte noch so viel sagen. Doch er liess es, spürte er doch ihren nun langsam werdenden Atem und spürte, dass sie endlich zur Ruhe kam und langsam einschlief. Wie gerne hätte er ihr noch so vieles Schönes gesagt und dennoch tat er es nicht, sondern lag noch eine Ewigkeit wach, seine Blume in den Armen haltend, voller Liebe und Anerkennung.


    Doch nach einer Ewigkeit musste er sich von ihr lösen. Krampfhaft hatte er sich wach gehalten und unterlag der Versuchung, einfach so mit ihr in seinen Armen einzuschlafen. Wie schön wäre es gewesen und wie schön wäre es gewesen, gemeinsam mit ihr aufzuwachen? Aber es durfte nicht so sein. Er musste zurück. Niemand durfte sie beide so sehen. Die Welt war mehr als ungerecht, aber schliesslich fügte sich Verres seines Schicksals.
    Dennoch lag er Stunden wach neben ihr und kurz bevor es hell würde, verliess er ihr Zimmer, verliess er sie, doch er kam kurz darauf zurück, fand sie friedlich schlafend in ihrem Bett und dann legte er ein paar, wenn auch einfache Blumen, neben sie auf das Kissen, welche er eben noch schnell, bevor der Haushalt erwachte, im Garten gepflückt hatte.


    Und dann küsste er sie ganz seicht auf ihre Stirn und verliess sie entgültig und mit schweren Herzens und begab sich in sein Zimmer, in der Hoffnung, dass Ikarus auch noch schlief:


    Weiter: Verres und Ikarus Sklavenunterkunft

  • Als sie am Morgen erwachte, brauchte sie zunächst einen Moment um sich wieder zu ordnen. Sie sah neben sich auf das Kopfkissen, doch anstelle von Verres Kopf lag dort ein kleiner Strauß frischer Blumen. Zwar nur ein kleiner Trost, aber dennoch eine liebevolle Geste.
    Langsam stand sie auf um sich zu recht zu machen.Was würde der Tag wohl bringen? fragte sie sich selbst.
    Sie wusste noch nicht, dass dies der Tag sein Würde in dem Titus sie zu ihrem Cousin zitieren würde und an dem sie dem Sklaven vom Vortag unerwarteter Weise gegenüberstehen würde.

  • Endlich waren sie vom Markt wieder zuhause angekommen und Albina betrat völlig erschöpft ihr Zimmer. Während des ganzen Weges hatte sie geschwiegen, nur damit beschäftigt dem kleinen Taranis ihre Aufmerksamkeit zu widmen. Nun, da sie die Villa erreicht hatten, hatte Quintus ihr den Kleinen abgenommen und sie fürsorglich und nicht bestrafend in ihr Cubiculum geschickt.


    Dort stand sie nun. Aesara, die gerade dabei war ihre Kammer aufzuräumen schickte sie mit einer leichten aber entschiedenen Geste hinaus. Jetzt war sie allein. Völlig allein.
    Doch noch war sie nur die leere Hülle ihrer Selbst, die den Schmerz nicht spürte. So ging sie ganz langsam auf ihr Bett zu und setzte sich langsam auf die Kante.


    Sie atmete tief durch, doch sie spürte nichts. Garnichts.
    Sie rekapitulierte einfach die Geschehnisse nacheinander.
    Ihre erste Begegnung mit Verres hier in dieser Kammer die ihr schon eine Warnung hätte sein müssen. Er hatte sie schon dort verunsichert und gereizt. Doch sie war schwach gewesen und hatte nicht auf ihre innere Stimme gehört.
    Sie dachte an Verres und sie im Park. Ihre Hilflosigkeit und Angst aufgrund all der Geschehnisse hier in Rom und wegen dem Verhalten ihres Cousins. Sie dachte an Verres offenes und ehrliches Wesen, an seine liebevollen Worte und Berührungen. Sie dachte daran, dass sie es war, die ihre Hand nach Verres ausgestreckt hatte und daran, dass sie es war die empört gehen wollte, als er meinte es täte ihm leid. Er hatte sie gebeten nicht zu gehen. Und in diesem Moment hatte sie diese fatale Entscheidung getroffen. Sie war geblieben...


    Und dann war ihnen Cato begegnet, ohne dass einer der drei wusste, welche Katastrophe das hätte bedeuten können.
    Sie dachte an die darauffolgende Nacht, in der sie nicht hatte schlafen können und daran, dass Verres dann auf einmal in ihrem Cubiculum stand. Sie erinnerte sich, wie wundervoll er gewesen war. Wie herrlich das Gefühl seiner Nähe und wie liebevoll sein Verständnis für ihre Ängste. Wie glücklich war sie in dem Moment, als sie auf seiner Brust eingeschlafen war. Würde sie das je wieder sein können? Sie glaubte es nicht.


    Sie dachte an den Moment mit Quintus im Tablinum als er ihr die Kette geschenkt hatte...
    Und sofort bei diesem Gedanken fasste sie die Kette an, die sie im Moment gerade um den Hals trug. Sie hatte das Gefühl, die Kette würde sie erdrücken.. Sie stand ruckartig auf, nahm die Kette ab und legte sie weit nach unten in eine der Kisten.
    Wie hatte ihr Cousin die Kette begründet? Weil sie sich wie eine Dame verhalten hatte? Bei dem Gedanken daran wurde ihr schlecht. Schnell schloss sie die Truhe. Albina war von sich selbst angewidert. Wie hatte sie ihren geliebten Cousin so hintergehen, so verletzen können. Und dass er ihr das auch noch verzieh und sich um sie sorgte, machte es nicht besser. Sie kam sich schäbig vor...


    Sie dachte daran, wie Cato dann das Tablinum betreten hatte und sie gedacht hatte alles sei aus. Wie sie ihrem Cousin direkt ins Gesicht gelogen hatte und anschließend mit Cato in seiner Kammer darüber gesprochen hatte.
    Er hatte sie gewarnt... Oh ja, das hatte er.
    Bei diesen Gedanken ging sie im Zimmer auf und ab und fuhr sich immer wieder mit den Händen durch ihre Haare.
    Sie dachte an das mulmige Gefühl, dass ihr die Erkenntnis , dass Quintus sowohl Verres als auch Titus als Begleitung mit auf den Markt hatte nehmen wollen, beschert hatte. Es war eine böse Vorahnung gewesen und sie hatte sich bestätigt.


    Soviele kleine Unachtsamkeiten, solch kleine Streiche des Schicksals... Warum hatte Verres zusammenbrechen müssen? Warum hatte sie seinen Namen rufen müssen? Warum war ihr bei Verres Worten schwarz vor Augen geworden? Doch auf all diese Fragen gab es keine Antworten. Sie hatte sich doch schon entschieden das ganze zu beenden... Mit allem Schmerz der Welt zwar, aber sie hatte sich entschieden...ihrem Cousin und natürlich auch Verres zu liebe. Doch es hatte nichts geändert.


    Die Götter hatten sie bestraft. Doch noch immer wusste sie nicht, wofür. War es so falsch einen Menschen zu lieben. Und ja, sie liebte Verres... sie liebte ihn auch jetzt noch. Sie dachte an die liebevollen Blicke von Verres und an den eiskalten Blick im Gesicht ihres Cousins , als er erkannte was geschehen war. Sie dachte an die eiskalte Frage "Seit wann?" ihres Cousins und auch an den resignierenden Blick von Verres.


    In genau diesem Moment brachen all die Gefühle von vorhin erneut auf sie ein. Der ganze Schmerz, die Angst , die Trauer...
    Verres, dachte sie, wo bist du? Was geschieht jetzt mit dir? Sie malte sich die schrecklichsten Dinge aus und ihre Gedanken überschlugen sich beinahe. Sie würde ihn nicht wieder sehen, dass hatte Quintus vorhin unmißverständlich klargestellt. Ihn nie wieder sehen? Niemals? Sie hatte sich nicht einmal von ihm verabschieden können. Ihr wurde übel vor Schmerz. Bei diesen Gedanken zog sich ihr Magen zusammen und sie hatte das Gefühl nicht mehr atmen zu können. Sie ging zurück zum Bett und kugelte sich darauf zusammen.
    Verres, dachte sie, bitte verzeih mir... Bitte vergib mir!
    Ihr nächster Gedanke gehörte Quintus... Ich habe diese Gnade nicht verdient, wollte sie schreien. Doch kein Ton kam über ihre Lippen. Tränen überströmten ihr Gesicht.
    Mit angezogenen Knien und den Händen in eines der Kissen gekrallt lag sie auf ihrem Bett und litt Qualen die schlimmer waren als Alles , was sie sich je hatte vorstellen können.
    "Warum?" schrie sie in ihr Kissen, sodass nur ein gedämpftes Geräusch von dem Ton übrig blieb. Und dann begann sie sich einfach dem Schmerz hinzugeben, schluchzte und jammerte, schrie und schlug auf ihr Kissen ein, weinte und wimmerte.
    Doch kaum etwas davon durchdrang die Wände ihres Zimmers und niemand schien mitzubekommen, dass Albina in diesen Momenten den schwersten Kampf ihres Lebens führte...

  • Das die Geschichte zwischen Verres und Albina aufgeflogen war, hatte sich unter der Hand recht schnell herum gesprochen und ich war auch irgendwie erleichtert. Dennn so musste ich nicht überlegen, ob ich etwas tun musste.


    Doch, alles was ich von der jingen Domina in diesen Tagen sah, gefiel mir nicht. Sie gab sich grosse Mühe, ihreen Schmerz zu verbergen, doch mich konnte sie nicht täuschen.


    So entschloss ich mich, sie aufzusuchen.


    Ich klopfte an ihre Tür.

  • Wie die meiste Zeit in den letzten Tagen saß Albina gerade stumm und in Gedanken versunken auf einem Stuhl am Fenster und schaute auf das Peristyl hinab. Nach dieser schrecklichen Nacht vor ein paar Tagen war Albina am nächsten Morgen dennoch emotionslos aufgewacht. Es war als hätte sich ein Schleier auf ihre Gefühle gelegt...


    Da ihr ohnehin klar war, dass sie diese Gefühle nach außen hin niemandem , ihrem Cousin ausgeschlossen, würde zeigen dürfen hatte sie sich entschieden das ganze mit aller Kraft die sie hatte durchzustehen.Auch wenn das Licht am Ende der Pupille so klein war, dass man es kaum erkennen konnte.


    Sie war eine starke Persönlichkeit und selbst der unerträglich scheinende Herzschmerz würde diese Tatsache nicht ändern. So ertrug sie es einfach so gut sie konnte und tat was man ihr sagte. Das keine Emotion ihre Augen mehr erreichte würde ohnehin nur einem sehr guten Beobachter auffallen. Und selbst der würde daraus nicht schließen können worauf das beruhte. Bis auf diejenigen die um die Geschichte wussten...


    Ein völlig unerwartetes Klopfen riss sie aus ihren Gedanken. Schnell strich sie sich über die Haare und richtete ihre Tunika wieder zurecht. Sie hatte keine Idee wer es sein könnte. So verließ ein schlichtes "Herein!" ihre Lippen. Gerade laut genug damit die Person vor der Tür es hören konnte...

  • Einen Monent war ich unsicher, ob tatsächlich jemand etwas gesagt hatte, das "Herein" drang nur sehr schwach durch die schwere Tür. Doch dann entschied ich, das man mich herein gebeten hatte, öffnete die Tür, trat ein und schloss die Tür wieder hinter mir.


    Einen Moment blieb ich stehen, blicke die junge Domina an. Und fast schien es mir, das sich diue Geschichte wiederholte, zu sehr erinnerte mich das, was ich hier sah und was ich wusste an Nova. Nein,... die Geschichte durfte sich nicht wiederholen sagte ich mir.

    "Domina, geht es dir gut ?"
    fragte ich leise, wissend, das die ehrliche Antwort nur Nein sein konnte. "Gibt es etwas, das ich für dich tun kann ?"

  • Albina hatte wenig interessiert geschaut wer es nun war der eintrat. Einfach schon, da sie momentan ohnehin keine Gesellschaft wollte. Als Cato eintrat war sie zunächst überrascht. Doch sie ahnte weshalb er gekommen war und sank vorerst wieder in ihrem Stuhl zurück. Anscheinend sorgte er sich um sie und würde sie Emotionen an sich heranlassen hätte es sie sicher gerührt.


    "Es geht mir gut , Cato." sagte sie schlicht. "Ich brauche nichts, aber danke, dass du gefragt hast." . Sie konnte nicht mit ihm reden. Sie wusste er würde ihr nicht glauben, doch irgendwie hoffte sie er würde es dabei belassen. Denn wenn sie ehrlich mit ihm würde reden müssen, wäre sie gezwungen zumindest kurzeitig ihren Kokon zu verlassen...

  • Ich hatte schon fast mit dieser, falschen Antwort gerechnet. Es war typisch für die Patrizier, das sie ihren Schmerz verleugneten, doch ich hatte angst, das sie daran zerbrach. Sie war jung, zu jung um den Rest ihres Lebens trübsal zu blassen, oder gar schlimmeres zu tun. Immer wenn ich sie ansah, hatte ich auch Nova vor meinen Augen, ich hatte gesehen, was eine verzweifelte Liebe tun konnte und auch ich hatte selbst erlebt, wie es sich anfühlte, verzweifelt zu lieben, fragte ich mich doch immer noch, wie es denn meiner Miriam erging.


    Wie sollte ich es schaffen, ihr etwas von ihrem Schmerz abzunehmen ? Ich wollte mich nicht einfach so fortschicken lassen. Statt zur Tür zu gehen, ging ich zum Fenster, blickte hinunter in das Perystilium.

    "Hast du schon einmal den grossen Rosenstrauch gesehen, der unten im Garten ist ?"

  • Albina wartete noch auf Catos Reaktion, doch anders als sie es erwartet hatte, hatte er weder das Thema weiterausgeführt, noch war er gegangen. Er stand nun bei ihr am Fenster. Seine Frage irritierte ihn, doch sie antwortete einfach.


    "Ja, ich habe ihn in den letzten Tagen sehr oft gesehen... Er ist wunderschön, aber er will so recht nicht ins Peristyl passen. "sagte sie ehrlich. Sie hatte sich oft gefragt weshalb der Rosenstrauch von allem anderen losgelöst dort unten stand.
    "Wieso fragst du?" sah sie ihn verwundert an.

  • Ich brauchte einen Moment, bevor ich meinen Blick von dem Strauch lösen konnte, zu sehr hingen für mich erinnerungen daran. Es hatte mich sehr gewundert, das mein Domine ihn dort hatte aufstellen lassen, konnte doch ich schon nicht daran vorbei gehen, ohne an Nova zu denken. Und meine Domine blickte jeden tag von seinem Tablinium darauf.

    "Er stand einst auf dem Landgut vor der Stadt. Dort lebte sie, bis sie ihrem Leben eine Ende setzte. Sie liebte diesen Strauch."


    Genauer ging ich nich darauf ein, wer sie war, ich hoffte, sie würde sich an das Erinnern, was ich ihr neulich erzählt hatte.

  • Bis sie ihrem Leben ein Ende setzte? Von wem sprach Cato? Albina dachte angestrengt nach. Am Tag bevor ihr Cousin das Ganze herausgefunden hatte, hatte sie mit Cato gesprochen. Doch seit diesem Tag hatte sie daran garnicht mehr gedacht. Er hatte auch über unglückliche Liebe gesprochen. Ja, über die Herrin die er einst geliebt hatte und die sich das Leben aufgrund einer anderen unglücklichen Liebe genommen hatte.


    Er musste diese Herrin meinen. Doch was suchte dieser Strauch dann hier? Cato würde ihn kaum hierher verpflanzt haben. Die Liebe war verboten gewesen, das wusste sie. Doch wenn sie den Strauch geliebr hatte und er erst nach ihrem Tod hierher gepflanzt wurde, was hieße das dann? Sie dachte angestrengt nach... War es ihre unglückliche Liebe, die das nach ihrem Tod getan hatte? Und wenn ja, um wen handelte es sich? Wenn sie richtig dachte, und das war ja nicht einmal gesagt, dann hatte derjenige zumindest einmal hier gelebt.


    "Hast du den Strauch hier gepflanzt oder der Mann der sie geliebt hatte?" fragte sie ihn.

  • Immer wieder hatte ich mich gefragt, warum mein Domine den Strauch hatte umpflanzen lassen. Schon damals in Germanien hatte er mich gebeten, einen Rosenstrauch in der Cas zu pflanzen, und damals hatte ich gewusst, das er es aus Liebe zu Nova tat. Und dann, hier in Rom hatte mir diese Rahel offenbart, das er wohl dieser Hexe zum Opfer gefallen war.
    Und dennoch hatte er den Strauch umpflanzen lassen, was sollte das bedeuten ? Vielleicht war es dieser Strauch, der meinen Domine vor dieser Hexe retten konnte.


    "Mein Domine hat ihn umpflanzen lassen, kurz nach dem er aus Germanien zurück war," sagte ich leise, "sie war seine Schwester."


    Immer noch konnte ich diese künstliche geschaffene Barriere, welche Nova in den Tod getrieben hatte nicht fassen, und sicher merkte man das auch an der art, wie ich das Wort Schwester betonte.

  • Albina war von diesen Worten überrascht! Sehr überrascht. Sein Domine? Es gab nur einen, den er damit meinen konnte : Quintus. Ihr Cousin hatte seine eigene Schwester geliebt. Das passte so recht nicht ins Bild...
    Oder vielleicht doch? War das vielleicht mit ein Grund für Quintus normalerweise so kühle Art. Für das Verständnis und die Vergebung die er ihr hatte zu teil werden lassen?


    "Quintus hat seine eigene Schwester geliebt? Meine Cousine?" fragte sie ernsthaft und dennoch überrascht.


    Hatte ihr Cousin auch einst so gelitten wie sie? Vielleicht sogar noch mehr? Und Cato? Auch er hatte sie geliebt? Was war es für eine Tragik die diese Geschichte betraf?


    "Quintus hat seine Schwester geliebt. Ebenso wie du es hast?" sagte sie voller Mitleid. Cato, sag mir ehrlich: Wie konntest du das ertragen?

  • Was war mir da wieder heraus gerutscht. Ich hätte einfach meine Klappe halten sollen, hätte, ohne ein Wort zu verschwenden, einfach aus dem Zimmer verschwinden sollen. Aber gut, nun musste ich ihr auch alles erklären.

    "Nova war nicht wirklich seine Schwester. Als sie und er sich kennenlernten, waren sie zwei Fremde. Erst später wurde mein Domine von deinem Onkel adopiert, so wollte es sein Grossvater."


    So viel in kürze um den schlimmsten Vorwurf zu entkräften, den man meinen Domine machen konnte. Und für den Rest, da musste ich noch etwas mehr erzählen.

    "Ich bin mit meinen Domine aufgewachsen, und zusammen mit Lucius waren wir drei Kinder in der Villa. Vielleicht ruht daher unser gutes Verhältnis her. Ich würde alles für meinen Domine tun und er tut auch viel für mich...."


    Ja, das tat er. Er hatte mir Dinge vergeben, die kaum ein Domine einem Sklaven vegeben hatte und auch er nicht. Und ich wollte immer wieder nur, das er mir wieder vertraute.

    "Als wir drei Nova trafen, waren wir alle begeistert von ihr. Doch sie verliebte sich in meinen Domine... So blieb für mich nur, sie zu verehren und ihr wie meinem Domine zu dienen..."

  • Kurz hatte Albina überlegt einfach aus dem Zimmer zustürmen und ihren Cousin wo auch immer sie ihn fand zur Rede zu stellen. Sie war wütend. Sehr wütend. Er hatte sie getröstet, ihr vergeben und gemeint sie solle ehrlich mit ihm sein. Wie ehrlich war er denn mit ihr? Sie war verletzt und das war etwas, dass sie gemischt mit dem was sie momentan ohnehin an Schmerz in sich trug kaum auszuhalten war.
    Dennoch hörte sie Catos Worten zu. Er hatte ihr Mitleid. Und noch mehr als das vertraute sie ihm mittlerweile sogar. Er schien ein guter Mensch zu sein und es tat ihr Leid, dass er soviel hatte ertragen müssen.


    "Cato, das ist eine tragische Geschichte und es tut mir sehr Leid, für alle Beteiligten. Und ich ahne, warum du hier bist und dich um mich sorgst." Sie wollte sagen, dass brauchst du nicht, aber das wäre eine Lüge gewesen, gestand sie sich selbst ein.


    "Ich danke dir." sagte sie und berührte kurz seine Schulter mit seiner Hand und blickte ihn aus ihren traurigen Augen an.


    Und obwohl ihre Wut sich leicht gelegt hatte, wusste sie, dass sie nicht anders konnte als ihren Cousin zur Rede zu stellen. Und zwar gleich.


    "Cato, ich bin froh, dass du hier warst. Aber ich muss nun gehen. Es gibt noch etwas, dass ich erledigen muss."sagte sie nüchtern.
    "Geh voerst wieder deinen anderen Pflichten nach."


    Dann wandte sie sich ab, auf dem Weg zu ihrem Cousin. Und wo sie ihn zuerst suchen würde war klar, in seinem Tablinum.

  • Es war noch nicht lange her, dass Albina diesem Zimmer mit alle seinen Erinnerungen den Rücken gehkehrt hatte um Vitamalacus nach Mantua zu begleiten. Doch der tragische Tod ihrer Cousine hatte sie überraschend wieder hierher geführt.
    In einer Eilfahrt hatte sie in Begleitung ihres Cousins und Minervinas die Villa erreicht und war nun recht erschöpft an der Tür zum Cubiculum angekommen.


    Zaghaft öffnete sie jene und trat ein. Es war so vieles, was hier geschehen war. Als sie eigetreten war war sie erstaunt, dass sich nichts verändert hatte. Sofort war sie wieder in ihren Erinnerungen gefangen. Sie sah sich als ihr Verres das erste Mal gegenüberstand und spürte seine Wirkung auf sie erneut. Sie erinnerte sich an seine Berührungen als er des Nachts von seiner Sehnsucht getrieben hier aufgetaucht war und auch an ihr Schluchzen auf dem Bett und jenen Schmerz dem sie hier allein nachgegeben hatte...
    Verres, dachte sie, wo bist du mein Liebster? Doch wie schon seit einer Weile hatte sie das Gefühl die Verbindung zu ihm verloren zu haben, auch wenn sie es sich nicht erklären kannte. Was war bloß mit ihm? Sie beschlich ein ungutes Gefühl.


    So trat sie ans Fenster und ließ sich dort in einen Korbsessel nieder. Sie saß stoisch und in Gedanken versunken eine Weile da, bevor sie nach einer Sklavin schicken ließ um sich frischzumachen und zu den anderen zurückzukehren...

  • Albina war von Cato ausgerichtet worden, dass wohl eine Sklavin auf Wunsch ihres Vetters zu ihr gesendet worden war. Um sich dieser Sache anzunehmen, hatte sie eben jenen gebeten, das Mädchen zu ihr zu schicken. Und so saß Albina nun abwartend an einem Tisch und sortierte ein paar Schriftstücke.

  • (von Kammer)


    Dieses Zimmer von Albina zu finden war nicht ganz so einfach gewesen, wie ihre Kammer. Jetzt stand sie also vor der Tür. Zögerlich klopfte sie an und wartete auf ein 'Herein'.

  • Sie wurde hereingebeten und vorsichtig öffnete sie die Tür. Flava betrat den Raum und schaute die junge Frau an, die Tiberia Albina sein musste. "Ich... sollte zu dir kommen", sagte sie leise.

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