Cubiculum Drakontios

  • Auf dem Weg in mein Cubiculum sah ich noch einige Sklaven, welche mit ausräumen beschäftigt waren, die Verlobte des Tribuns und ihren Sklaven und im Anschluss noch den Tribun selbst. Im vorüber gehen wünschte ich ihm eine gute Nacht, wußte aber nicht, ob er mich gehört oder überhaupt bemerkt hatte. Nachdem ich endlich meine wenigen Sachen verstauen konnte, sprach ich ein Gebet bevor ich mich zu Bett legte:


    „Pater, hagiasthato to onoma su. Elthato ho basileia su. Ton arton ämon ton epiusion didu hämin to kath hämeran. Kai gar autoi aphiomen panti opheilonti hämin. Kai mä eisenegkäs hämas eis peipasmon.“


    (Vater! Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Unser tägliches Brot gib uns Tag für Tag und vergib uns unsre Sünden; denn auch wir vergeben allen, die an uns schuldig werden. Und führe uns nicht in Versuchung.) LK 11,2-4

  • Es waren nun schon mehrere Tage vergangen, die wir in Mogontiacum verbracht hatten, mehr oder minder zufrieden und mehr oder minder angepasst an die neuen Situationen, die das Leben hier barg. Heute sollte ich zum ersten Mal die Fähigkeiten meines scriba personalis in Anspruch nehmen müssen. Ich war eben von der Arbeit im castellum nach Hause gekommen, hatte mich waschen und neu einkleiden lassen und mir die neuesten Neuigkeiten in einem kurzen Abriss erläutern lassen. Diese boten unter anderem ebenfalls Grund, meinen scriba aufzusuchen. So stand ich nun vor dem Zimmer, das Drakontios sich ausgesucht hatte, und klopfte an.

  • Als auch nach einer weiteren verstrichenen Minute niemand öffnete, drückte ich dir Klinke und blickte ins Zimmer. Mein scriba war nicht anwesend. Ich zuckte mit den Schultern und schloss die Tür wieder, um den Ort des Geschehens verstimmt zu verlassen.


    Dieser Tage war ich ohnehin nicht gurt zu sprechen, auf niemanden, und wenn dann jemand nicht einmal zugegen war, wenn ich ihn brauchte, war das sicherlich kein besänftigender Umstand. Ich ging ins atrium, ließ mir eine paenula bringen und machte mich wieder auf den Weg aus der villa hinaus. Während der letzten vier Tage hatte ich niemanden zu Gesicht bekommen, weil ich die meiste Zeit außerhalb der villa, beziehungsweise innerhalb des castellum verbracht hatte. Nicht, dass ich dort etwas zu tun gehabt hätte - ich wollte ja etwas leisten, aber niemand schien mir etwas zuzutrauen oder anzuvertrauen wollen. Und immer dann, wenn mein Gemüt gerade wieder soweit gehoben war, dass ich von mir aus einen Schritt "zurück in die Zivilisation" machen wollte, kamen kurze Nachrichten, die neutral klangen, mich aber wieder um Meilen zurückwarfen. Dass Drakontios nun auch nicht da war, verschlechterte meine Laune nur noch weiter. Miesepetrig trat ich in den Sonnenschein hinaus, von dem ich kaum Notiz nahm, und machte mich auf den Weg irgendwo hin.

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!