Cubiculum | Vinicius Lucianus

  • Aha.


    Wieder ein erstaunlich einfach gehaltener Raum. Sein neuer Herr wurde Crinon allmählich immer sypatischer. Jemand, der trotz hoher Ämter und eines vermutlich nicht unerheblichen Vermögens bescheiden lebte, fand sofort Gefallen in Crinons Augen. Enstsprechend anerkennend war sein "aha" als er einen kurzen Blick in das Zimmer warf.

  • Als Crinon das Zimmer betrachtete, vernahm Phaeneas ein „Aha“.
    Der bithynische Sklave sah sich darauf noch einmal genau im Cubiculum um, weil er sich einbildete nichts zu sehen, was ihm aufsehenerregend genug für ein „Aha“ erschien.
    Deshalb fragte er, leicht im Scherz, nach: „Was willst du damit sagen?“ ;)

  • Crinon hatte mit dieser Rückfrage nicht gerechnet und musste daher seine Gedanken erst zu einem sinnvollen Satz formulieren.


    Naja, dass mir die einfache Ausstattung der Zimmer unseres Herrn doch sehr gefällt. Ich halte nicht viel von Reichen, die um sich zu profilieren mit allerlei Staubfängern herumprotzen.

  • „Ach so“, nickte Phaeneas. „Ja, da geht es mir genauso.“ Auch wenn er gewöhnlich eher eine luxuriöse Umgebung gewohnt war und diesen Umstand wie ganz selbstverständlich hinnahm.
    Den folgenden Gedankengang bezog er allgemein: „Doch die Reichen denken in dieser Hinsicht anders als wir. Man muss ja schließlich zeigen, was man hat und wer man ist. Viele Außenstehende lassen sich leicht von Prunk und Reichtum verblenden und vergessen dabei, dass es sich – wie du ja sagst – nur um Staubfänger handelt. Tja, Repräsentation ist alles!“ Dann schmunzelte er. „Nur in den Privaträumen kann man etwas Bescheidenheit zeigen.“
    Im Atrium war es inzwischen schon dämmrig geworden, es fiel kaum mehr Licht durch das Compluvium. Ihr Götter, was waren die Nächte in Germania dunkel!
    „Ich denke, du findest dich nun halbwegs zurecht, auch wenn ich bei ein paar Zimmer nicht mehr dazugekommen bin, sie dir zu zeigen.
    Aber jetzt sollten wir in die Sklavenunterkunft gehen“
    , schloss Phaeneas.


    Sim-Off:

    Ich denke, wir hören dann hier auf, weil ich ja ab heute für eine Woche weg sein werde. :)

  • Den Rest were ich ja früh genug zu sehen bekommen, denke ich.


    Es war ein ereignisreicher Tag gewesen und Crinon war nun doch ganz froh, das dieser sein Ende fand und machte sich mit Phaneas auf den Weg zur Unterkunft.

  • Vor dem Cubiculum stand noch ein hölzernes fascinum (Phallos), welches als personifizierter Mutinus Titinus betrachtet wurde, bereit..... darauf sollte die Braut Platz nehmen, bevor es dann wirklich zweisam werden würde.

  • Die Braut musste sich eingestehen, dass die römischen Hochzeitsriten teilweise schon ein wenig seltsam waren, vor allem wenn man sie so korrekt und umfassend berücksichtigte wie sie es taten.
    Aber Paulina hatte sich vorgenommen, alles ohne ein Wort der Klage über sich ergehen zu lassen und darum nahm sie auch brav und ohne ein Anzeichen von Überdruss auf dem fascinum platz.

  • Nun, da auch dieser, etwas komisch anmutende, Teil der Riten erledigt waren, wurde das junge Paar zum Brautbett geleitet, welches von der Brautführerin bereitet worden war.
    Dann ließ man die beiden allein, auf dass die Braut ihren Schleier ablegte und ich ihren kunstvoll geknoteten Gürtel lösen würde.
    Die Tür wurde hinter uns geschlossen und man konnte draussen noch die Gesänge der Gäste vernehmen.

  • Endlich konnte Paulina ihren Schleier lüften und das tat sie auch. Sie lächelte ihren Bräutigam an und versuchte dabei irgendwie ein wenig schüchtern und jungfräulich zu wirken, wie es sich für eine sittsame Braut gehörte. :rolleyes: =)
    Nach dem Schleier kam der Gürtel dran. Sie musste ein wenig mühevoll an dem Ding herumfingern, bevor sie ihn auf bekam.

  • So kam es also, nach diesem anstrengende Tage, zur ersten Zusammenkunft des frischvermählten Brautpaares.
    Beide wussten wohl allzu genau, dass sie nur wenig gemeinsam hatten und sich auch die gegenseitige Anziehungskraft in Grenzen hielt, doch auch würden sie beide den Traditionen nachgeben und das tun, wozu eine Ehe da war........


    Ich selbst hoffte natürlich schnellstens auf männlichen Nachwuchs.....



    Und so nahm die Nacht ihren Lauf und nur Lucianus, Paulina und die Götter wussten, was ich in jener Nacht wirklich zutrug....

  • Phaeneas war am Nachmittag alleine im Cubiculum des Herrn. Der Sklave saß auf einem kleinen Hocker, hatte eine frischgewaschene Tunica seines Herrn auf dem Schoß und faltete sie auf ein Format zusammen, in dem sie in die Kleidertruhe passte. Als er eine Seite einklappte, entstanden einige hässliche Falten. Sofort glättete er den Stoff wieder. Solche Aufgaben hatte er immer unter den wachsamen Augen seiner Mutter erledigt und sie war eine strenge Lehrmeisterin gewesen. Schlamperei hatte es für sie nicht gegeben, hatte es nicht geben dürfen. So war auch Phaeneas in allem was er tat stets genau. Der damalige Herr hätte sich – harmlos ausgedrückt – daran gestört und entsprechende Maßnahmen einleiten lassen.
    Phaeneas versenkte das zusammengelegte Kleidungsstück in der Truhe und nahm ein weiteres zur Hand.
    Wobei – der damalige Herr hatte ohnehin zu denen gehört, denen nichts gut genug war. Phaeneas’ Mutter hatte er wiederholt unterstellt, ihren Sohn zu verhätscheln. Was für eine abstruse Behauptung! Aber im Grunde war es kein Wunder, schließlich hatte er es nie mitbekommen, wenn sie Phaeneas für etwas zurechtgewiesen hatte. Ja, er hatte geglaubt Bescheid zu wissen und hatte nur seine eigene eitle Welt gesehen. Wenn er dann Phaeneas vor Gästen vorgeführt hatte, hatte er ganz vergessen, wem er die Fügsamkeit des stillen kleinen Sklaven zu verdanken hatte. Diese Ahnungslosigkeit hatte sich auch an dem Tag gezeigt, an dem der Herr den Verkauf von Phaeneas’ Mutter entschieden hatte.
    Der Bithynier schloss für einen Moment die Augen, während Bilder in ihm aufstiegen, die gestochen scharf die damaligen Ereignisse wiedergaben.
    Es war eine Kleinigkeit gewesen. Irgendein kleiner Fehler, der Phaeneas unterlaufen war, aber es hatte gereicht, um den Herrn zornig zu machen. Er war kurz davor gewesen dem Sklaven gegenüber tätlich zu werden, da vergaß Phaeneas’ Mutter, was sie ihrem Sohn immer eingeschärft hatte, und hatte den Herrn abzuhalten versucht. Das hatte sie manchmal getan, wenn er zu sehr in Wut geraten war. Meistens hatte sie damit auch Erfolg gehabt, der Ärger auf Phaeneas war auf diese dreiste Sklavin übergegangen. So auch dieses Mal.
    Der Herr hatte begonnen sie zu beschimpfen. Phaeneas hatte sich von Anfang an gewundert, warum es nur Worte gewesen waren, die der Herr an diesem Tag an sie gerichtet hatte. Auf das, was sie zu ihrer Verteidigung einwarf, war er gar nicht eingegangen. „Wen schert es, ob er dein Sohn ist?“, hatte er sie nur angefahren. „Und wenn er sich nur halb so geschickt anstellen würde, wie er an dir hängt, dann müsste ich ihn jetzt nicht bestrafen. Wie kommst du dazu, Sklavin, mich an meinem Recht zu hindern?! Wenn ich der Meinung bin, dass er für seine Ungeschicklichkeit eine Strafe verdient hat, dann hast du nichts zu beanstanden!“ Er hatte den Kopf geschüttelt. „Nein, das hat nun ein Ende! Im Übrigen verzärtelst du mir den Jungen viel zu sehr, das ist mir schon lange ein Dorn im Auge!“
    Als er dann verkündet hatte, dass sie demnächst mit einem Schwung anderer Sklaven verkauft würde, war sie blass geworden. Phaeneas war nur ein paar Schritte von dem Geschehen entfernt gestanden und hatte allem zugesehen. Später in der Sklavenunterkunft hatte die Mutter ihn wortlos in die Arme genommen und leise zu schluchzen begonnen.
    Im Grunde war es in der Luft gehangen, seit langer Zeit war es schon so gut wie sicher gewesen, dass es eines Tages passieren würde. Doch an diesem Tag hatte es sie völlig unerwartet getroffen.
    Trotz allem hatte Phaeneas’ Mutter ihm wieder eingegeben, alles zu akzeptieren, ganz gleich was passierte, auch diesen Beschluss, einen Beschluss des Herrn.

  • Ja, so war es gewesen. Es waren zum gleichen Zeitpunkt einfach die falschen Dinge passiert. Eine Verkettung unglücklicher Umstände, wie eben so oft im Leben. Aber eines war für Phaeneas klar, ganz gleich wie, es wäre immer so gekommen. Was das Schicksal festlegte, das geschah. Seine Mutter hatte falsch und unüberlegt gehandelt, doch sie trug keine Schuld an dem, was sie ausgelöst hatte.
    Dieses Beschützen-wollen war der einzige Fehler einer ansonsten makellosen Mutter – und Sklavin – gewesen.
    Sie hatte ihm schließlich pflichtbewusst vorgelebt, wie sich ein gewissenhafter Sklave zu verhalten hatte. Immer und immer wieder hatte sie ihn auf Zurückhaltung, Bescheidenheit, Gehorsam hingewiesen und sie ihm in schwierigen Situationen ins Gedächtnis gerufen. Und erklärt, dass das der einzige Weg war, als Sklave leben zu können. Von ihr stammten die Worte, die Phaeneas so gern im Mund führte, dass man schlicht alles hinnehmen musste, ganz gleich wann, ganz gleich wie.
    Was sie gesagt hatte, war oft sehr strikt gewesen, wenn auch sanft gesprochen, aber Phaeneas war es nie als unangebracht erschienen, denn er hatte bald bemerkt, dass diese Worte nur ihr Umfeld, die Erwartungen an Sklaven und den gleichmütigen Umgang mit ihnen widerspiegelten. Die Welt war nun einmal grausam und erbarmungslos.


    Am Tag des Verkaufs schließlich waren alle versteckten Tränen versiegt gewesen. Der Herr hatte darauf bestanden, dass Phaeneas dabei anwesend war. Seine Mutter hatte sich mit Würde in ihr Schicksal ergeben. Sie hatte keine Szene gemacht, ohne Bitten und Betteln, ohne jeglichen Widerstand hatte sie sich in die Hände der stämmigen Sklaven gegeben, die sie mitnahmen.
    Ein letzter, flüchtiger Blick zu Phaeneas und weg war sie gewesen.


    Der Bithynier stand vom Hocker auf und klappte die Truhe zu. Er sah sich ein letzte Mal prüfend im Zimmer um. Ansonsten war alles an seinem Platz.
    Sein Blick blieb am Fenster hängen. Eine leise Stimme flüsterte ihm zu, was ihn dort draußen alles erwarten würde, flüsterte vom weiten Himmel, von der frischen Luft, dem nahen Abend ... Er wandte sich ab. Nein, draußen war es viel zu kalt. Im Haus war es nach Phaeneas’ Erachten ebenfalls unterkühlt, aber außerhalb jeglicher Mauern war es noch schlimmer.
    Der bithynische Sklave drehte sich zur Tür um und verließ den Raum.

  • Gestern hätte Phaeneas schon fast nicht mehr daran gedacht und damit riskiert, es bis heute zu vergessen. Zum Glück hatte ihn die Erinnerung an diese Erinnerung nun wieder eingeholt, sodass der Herr nicht Gefahr lief eine Einladung zu verpassen.
    Am Morgen des ANTE DIEM XV KAL FEB DCCCLVIII A.U.C. , während Phaeneas dem Herrn beim Togaanlegen zur Hand ging, Falten drapierte und schon längst dessen Unterstützung dabei akzeptiert hatte, informierte er ihn, fast schon ein wenig beiläufig: „Übrigens, du bist für den heutigen Tag von der Gens Duccia eingeladen worden, Herr.“

  • Perfekt, zur Kenntnis genommen und er hatte auch schon geschickt für den nächsten Merkzettel vorgesorgt. Phaeneas sah es gern, wenn eine Sache einfach von selbst weiterlief und eines das andere so ideal ergänzte ... wie eben hier.


    „Gut, ich werde mich darum kümmern, Herr.“

  • Aelia Paulina fand es an der Zeit, wieder einmal ihren Ehemann aufzusuchen. Sehr häufig sahen sie sich nämlich nicht, was aber auch den Vorteil hatte, dass sie einander nicht auf die Nerven gehen konnten. Wenn sie sich von dieser Ehe Geborgenheit und Wärme versprochen hätte, dann wäre sie wohl bitter enttäuscht worden. Denn auch ein Jahr nach ihrer Hochzeit waren die beiden Eheleute noch immer nicht wirklich warm miteinander geworden. Aber Paulinas Interesse an ihrem Ehemann war sowieso anderer Natur, eher finanzieller.
    Trotzdem musste etwas geschehen und zwar etwas ganz bestimmtes, damit Lucianus sie nicht irgendwann einfach überflüssig fand und sich scheiden ließ.


    Deshalb erschien Paulina an diesem Abend vor den Gemächern ihres Mannes. Sie trug einen weiten Überwurf aus dunklem Stoff. Eine junge Sklavin begleitete sie, weil Paulina jemanden brauchte, der für sie an die Tür klopfte.

  • und das tat die junge Sklavin auch, sie klopfte und das Klopfen überraschte mich doch, lag ich doch schon zu Bett und rechnete nicht mehr damit, dass mich jemand um meinen wohlverdienten Schlaf bringen würde.
    Entsprechend verärgert liess ich auch ein "Was ist denn?" von mir hören.

  • Die junge Sklavin öffnete die Tür und betrat das Schlafgemach des Legatus Augusti. Der barsche Ton hatte sie sichtlich eingeschüchtert. Unsicher verbeugte sie sich und sagte mit leiser Stimme zaghaft:
    “Verzeih mir, Herr. Aber die Herrin bittet, dich aufsuchen zu dürfen.“
    Sie zögerte und dann fügte sie noch schnell hinzu:
    “Oh, sie steht vor deiner Tür.“

  • Etwas verdutzt setzt ich mich auf und sah zur Türe..... nun, wenn sie schon mal da war, dann konnte sie auch rein kommen.... mein Schlaf war ohnehin dahin....


    "Ich lasse bitten....." sagte ich mit schon deutlich sanfterer Stimme.

  • Die Sklavin zog sich umgehend zurück und überließ ihrer Herrin das Feld.


    Paulina betrat das Gemach ihres Mannes mit langsamen Schritten. Ein Lächeln umspielte ihre Lippen. Sie setzte sich auf die Bettkante und schlug die Beine übereinander, wobei der dunkle Stoff zur Seite fiel und ihr unbedecktes Knie entblößte. Sie sah Lucianus tief in die Augen, senkte dann mit deutlich gespielter Schüchternheit demonstrativ den Blick und sagte mit leiser Stimme: “Ich kann nicht schlafen. Was kann man da wohl tun?“

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