Atrium | Hippocrates et Furianus

  • In Ordnung.


    Während er wartete, lehnte er sich an den Brunnen und blickte sich um. Im großen ganzen sah es hier ähnlich aus wie in den wenigen Casae, die er mit seinem Vater besucht hatte. Nur war hier alles mindestens eine Nummer größer. Ob er hier wirklich Arbeit für ihn gab? Immerhin hatte man ihn herreingebeten. Das war doch ein Grund zu Hoffnung. Und falls nicht gab es hier noch eine Menge andere Stadthäuser, in denen er es versuchen konnte.

  • Einige Augenblicke später betrat Furianus das Atrium in einer einfachen Tunika, denn das Anlegen der Toga hätte beider Nerven zu arg strapaziert.
    Mit einem freundlichen Lächeln trat er auf den Besucher zu.


    "Salve, Senator Lucius Flavius Furianus ist mein Name. Man sagte mir, dass du nach Arbeit suchst - ich suche einen Sekretär. Besteht bei dir schonmal vorab Interesse?"


    In dieser Hinsicht war er direkter als bei dem Plausch zwischen einem Mitsenator oder anderen Patriziern, schließlich hatte er hier Nachfrage und der Gast das Angebot.

  • Es hatte nicht lange gedauert, bis der Senator ins Atrium und auf ihn zu trat. Obwohl er nur mit einer Tunika an Stelle der öffentlich üblichen Toga beklaidet war, wusste Hippocrates sofort, das er eine wichtige Persönlichkeit vor sich hatte.


    Salve Senator! Gewiss würde ich gerne in einem so ehrenwerten Haus als Sekretär meinen Dienst tun! Willst du meine Fähigkeiten zunächst prüfen, oder wollen wir umgehend zum geschäftlichen Teil kommen?


    Da Furianus ein nicht unerhebliches Tempo vorlegte, ging Hippocrates darauf ein und ging in den Verhandlungen direkt einen Schritt weiter.

  • Dass er dem schonmal seine Zustimmung gab, war Furianus sehr recht. So nickte er nochmals lächelnd, bevor er weiter sprach.


    "Nun, ich würde vorerst doch gerne hören was du kannst."


    Schließlich wollte man keinem Ungebildeten solch eine Verantwortung übertragen. Das wäre ja höchst fahrlässig von ihm.

  • Gut.


    Damit begann er gekonnt die ersten Zeilen der Illias von Homer zu rezitieren. Selbstverständlich auf griechisch.


    Singe den Zorn, o Göttin, des Peleiaden Achilleus,
    Ihn, der entbrannt den Achaiern unnennbaren Jammer erregte,
    Und viel tapfere Seelen der Heldensöhne zum Aïs
    Sendete, aber sie selbst zum Raub darstellte den Hunden,
    Und dem Gevögel umher. So ward Zeus Wille vollendet:
    Seit dem Tag, als erst durch bitteren Zank sich entzweiten
    Atreus Sohn, der Herrscher des Volks, und der edle Achilleus.
    Ich beherrsche diese Sprache, die meine Muttersprache ist, selbstverständlich auch in schriftlicher Form. Ebenso Latein.


    Mit diesen Worten kramte er aus seiner allzu dünnen Medizintasche eine kleine Wachstafel hervor, auf der gerade so die erste Zeile in Latein und Griechisch platz hatte und von eben dieser kurz darauf geschmückt wurde. Er drehte die Tafel um, damit der Senator sie begutachten konnte. Obwohl er schnell geschrieben hatte, war sein Schriftbild klar und sauber.

  • Natürlich war Furianus beeindruckt und selbstverständlich ließ er sich dies auch gar nicht anmerken. So hörte er ohne jegliche Regung zu und nickte anschließend ab.


    "Ich bin zufrieden. Besitzt du noch anderweitige Fähigkeiten? Mein Sklave hat mir mitgeteilt du hättest etwas von medizinischen Kenntnissen erzählt."


    Schließlich war das ja eine anspruchs- und ehrenvolle Fähigkeit, die man nicht verstecken sollte.

  • Da mein Vater und dessen Vater und noch drei Generationen meiner Ahnen dem Beruf des Medicus nachgingen, hatte mein Vater auch mich in dieser Kunst unterwiesen. Am besten verstehe ich mich auf Knochenbrüche und blutige Angelegenheiten. Leider habe und hatte ich nicht das Geld um die offizielle Ausbildung zu machen, darf mich daher also nicht medicus nennen.
    Um die Schulden meines jüngst verstorbenen Vaters zu tilgen musste ich dessen Praxis auflösen, habe daher auch etwas Erfahrung in der Kunst des Ver..Handelns.

  • Eine wirklich bewegende Geschichte, doch auch hier musste er sich kühl geben, schließlich würde binnen kurzer Zeit aus dieser Unterhaltung ein richtiges Vertragsgespräch entstehen und es würde über beider Zukunft entschieden. Schließlich brauchte sein Gegenüber Geld und er einen fähigen Mann, man musste wenigstens auf einen Nenner kommen und er konnte sich auch nicht leisten den Mann aufgrund einer zu hohen Bezahlung nach einem Monat nicht mehr wieder zu sehen.


    "Ich verstehe. Obwohl medizinische Kenntnisse durchaus zu begrüßen sind, ein Secretarius braucht sie nicht. Dass du eine gute Schrift hast, sehe ich, dass du gut sprechen kannst, höre ich, aber ob du Eifer besitzt und belastbar bist, kann ich nicht mal erahnen.
    Was ich von dir verlangen werde wären nicht nur diverse Schreibarbeiten, sondern auch mitunter Botendienste, sowie auch Gespräche, die du in meinem Namen führen sollst und in meinem Interesse abschließen. Ich verlange nicht wenig, gebe aber ebenso nicht wenig zurück.
    Wenn du dir sicher bist, dass du dem gewachsen bist, nenne mir doch bitte deine Vorstellungen bezüglich der Bezahlung und ich bin sicher wir können uns einigen."

  • Ihr habt vielleicht recht damit, dass ein Secretarius die Fähigkeiten eines Medicus nicht braucht. Aber ich möchte zu bedenken geben, dass es, da das Pflaster in Rom in letzter Zeit zunehmend gefährlich geworden zu sein scheint, für jederman ratsam ist, jemanden in der Nähe zu haben, der sich seiner professionell annehmen kann, sollten die Leibwächter versagen.
    Ihr habt viel Arbeit für euren Secretarius sagt ihr? Nun daran sollte sich, wie ihr bereits angedeutet habt, auch die Bezahlung orientieren. Was würdet ihr von 100 Sesterzii halten?


    Er wusste, das diese Fordeung eigentlich geradezu schamlos war. Aber bei der Auflösung der väterlichen Praxis hatte er schmerzlich erfahren müssen, das es in Rom scheinbar Sitte war, erst einmal haltlose Forderungen zu abgeben und sich nach zähem Ringen irgendwo dazwischen zu einigen. Hätte er dies weniger schnell begriffen, so hätte er immer noch Schulden. Und würde es hier nicht um seine Zukunft gehen, so hätte er sicherlich Spaß an der Verhandlung gefunden.

  • Gute Gründe dem Mann mehr als 50 Sesterzien zu geben, aber natürlich ließ er sich auch dies nicht anmerken.
    Er nickte auch nicht, schien geradezu apathisch, bis er die Lippen kräuselte und den Kopf nach hinten nahm.


    "100 Sesterzen ist eine stolze Summe."


    Seufzte einmal und blickte dem Mann wieder in die Augen.


    "Ich gebe dir 70 Sesterzen mit Aussicht auf mehr. Darüber hinaus bekommst du von mir noch eine Art Provision für jeden erfüllten Auftrag. Je nach Auftragsart und Aufwand wird die Höhe dieser Provision zwischen 5 bis 50 Sesterzen liegen.
    Einverstanden?

  • Beim ersten Satz des Senators hatte er sich schon Sorgen gemacht, od er vielleicht zu hoch gestapelt hatte. Doch sein Gefühl sagte ihm, das er noch warten sollte, ehe er seine Forderung herunterschraubte. Sein Gefühl sollte ihn nicht trügen. Was er nun hörte entsprach etwa seinen Vorstellungen und so ging er denn bereitwillig auf das Angebot des Senators ein.


    Das scheint mir eine faire Übereinkunft zu sein. Sofern das die Entgütung pro Woche sein soll. Wohlan, dann auf gute Zusammenarbeit.


    Mit diesen Worten reichte er seinem Gegenüber die Hand um das "Geschäft" zu besiegeln. Vielleicht hätte er auch noch 75 oder 80 hreausschlagen können, doch die Aussicht auf eine Provision hielt ihn davon ab. Würde er ein höheres Grundgehalt fordern so käme unterm Strich vermutlich auch nicht mehr heraus. Ausserdem bestand ja vielleicht die Möglichkeit, das sein nunmeh neuer Arbeitgeber sein Gehlt aufstocken würde, wenn er mit ihm zufrieden war. Aber dann fiel ihm ein das er vielleicht um seines Rufes willen und um dem Senator zu zeigen, das er handeln konnte, dieses vielleicht etwas mehr tun sollte. So fügte er hinzu bevor seine Hand ergriffen wurde:


    Ich hoffe allerdings ihr gesteht mir gegebenenfalls eine Aufstockung zu, wen ihr mit meiner Arbeit zufrieden seit und ich euch mehr Geld spare als es euch kosten würde mein Gehalt zu erhöhen.

  • "Wir werden sehen."


    Antwortete Furianus trocken und schüttelte dem Mann die Hand, das Zeichen eines beidseitig abgeschlossenen Vertrages. Er hatte nun endlich einen Secretatius, ein Grund heute eine Flasche des guten Falerners zu trinken.


    "Auf gute Zusammenarbeit, Hippocrates von Pergamon."

  • Wunderbar.
    Wenn ihr augenblicklich die Zeit dazu erübrigen könnt, so wäre es mir recht, wenn ihr mich umgehend einweisen / oder einweisen lassen / würdet, damit ich unverzüglich mit der Arbeit beginnen kann.


    Froh darüber, dass er direkt bei seinem ersten Versuch eine akzeptable Anstellung gefunden hatte, wollte sich Hippocrates natürlich voller Eifer in die Arbeit stürzen. Die Bezahlung war zufriedenstellend und würde ihm in absehbarer Zeit seine ofizielle Medicusausbildung ermöglichen.

  • "Nun, mit der Arbeit kannst du schonmal beginnen, indem du deine Sachen packst."


    Sagte Furianus mit einem leichten Lächeln und fuhr fort.


    "Wir werden in einigen Tagen nach Hispania reisen, denn ich werde das Amt des Proconsuls inne haben und will, dass du mich begleitest."

  • Diesen Auftrag habe ich bereits erledigt. Ausser meiner Tasche und dem Gewand, das mich kleidet ist mir nichts geblieben, das ich zu packen bräuchte. War dieser Auftrag auch mit einer Prämie versehen? ;)


    Diese scherzhafte Frage konnte er sich nicht verkneifen.


    Spaß beiseite. Womit soll ich mich die nächsten Tage bis zur Abreise beschäftigen?

  • "Ja, Spass beiseite."


    Erwiderte Furianus mit keinerlei Regungen die auch nur ansatzweise ein Lächeln abzeichnen könnten und versank für einige Sekunden in Gedanken.


    "Du könntest nach Ostia reisen und meine Mannschaft, ich habe ein Privatschiff, schon mal auf die Reise einstimmen. Du sorgst für den Abtransport meines Gepäcks, sorgst für Proviant und Anderweitiges, was wir für die Reise oder danach gebrauchen können.
    Und du verfasst einen Brief in meinem Namen an meinen Neffen Flavius Quirinalis und teilst ihn in diesem Brief, in knappem Wortlaut, mit, dass ich mich auf den Weg nach Hispania befinde. Den Brief bezahlst du von der Familienkarte der Flavier."

  • Der Brief ist schon so gut wie geschrieben, Procunsul. Ist eine Gratulation zum neuen Amt angebracht? Dann möchte ich hiermit gratulieren.
    Alles andere werde ich sofort in die Wege leiten, sobald ich weiß, wo ich wann das Gepäck abholen lassen kann.


    Da sein neuer Arbeitgeber wohl nicht mit allzu viel Humor gesegnet war, oder solchen wohl für unangebracht hielt, ging Hippocrates sofort zu einem geschäftsmäßigen Ton über, den er plante für den Rest ihrer Geschäftsbeziehung beizubehalten. Während er auf genauere Instruktionen wartete begann er bereits in seinem Kopf den Brief zusammenzustellen.

  • "Ich danke dir."


    Sagte er mit einem Hauch von Lächeln und setzte sich in einen Korbsessel, auf den nebenan stehenden deutete er mit der Hand. Ein Angebot, das dem neuen Secretarius galt.


    "Das ist noch nicht alles. Dein Weg führt dich in die Nähe der Villa Aurelia. Setze daher einen weiteren Brief auf, an Marcus Aurelius Corvinus, indem du ihm in meinem Namen zu seiner Ernennung zum Vigintivir gratulierst. Schreibe dann noch, dass er sich doch bitte um die Erfüllung des Testamentes von Helvetius Tacitus kümmern sollte, die Materialien und meine Beglaubigung sollte er in den Archiven der Basilica Ulpia finden. Füge dann noch die obligatorischen Floskeln an, also Wünsche für die Zukunft und den Segen der Götter. Das sollte dann vorerst reichen und wird dir, da es dein erster Auftrag ist und auch recht zeitaufwendig, mit einer großzügigen Summe von 130 Sz. vergütet, die ich dir auf den Grundbetrag aufschlage. Insgesamt also 200 diese Woche, wenn du alles zufriedenstellend vollziehst.
    Dabei kommt mir gerade ein Gedanke. Du weißt sicherlich, dass Patrizier keine Steuern zahlen, du jedoch schon. Wenn du es also wünscht, kannst du eine Liste mit deinen Verdiensten führen, ich führe ebenfalls eine. Das Geld wird dir jedoch nicht voll ausgezahlt, immer nach deinem Ermessen, so dass du keine Steuerbeträge entrichten müsstest. Den gesamten Betrag übergebe ich dir dann, falls du deine Anstellung verlieren solltest oder es eben wünscht, darauf hast du mein Wort. Was hälst du davon, so entgehst du den Steuern?"


    Ein lukratives Angebot, welches Furianus doch ein wenig Wagnis kostete, schließlich war dies nicht gerne gesehen. Außerdem wurde er nun mit einem Sekretär, der ziemlich viel Hintergrundwissen mitbekam, ein wenig transparenter, hoffentlich nutzte das keiner aus und ließ ihn durch den Mann bespitzeln. Aber bei dem Gehalt war ein Überlaufen sowieso unwahrscheinlich und wenn, dann würde der Mann sowieso nicht lange leben, um das Geld ausgeben zu können. :P :P

  • Er setze sich in den angebotenen Korbsessel und während er aufmerksam zuhörte, hatte Hippocrates bereits den Wortlaut des Briefes an Tiberius Flavius Quirinalis in die eine Seite seiner Wachstafel geschrieben und die andere Seite mit Notizen über den neuerlichen Auftrages gefüllt. Den Vorschlag des Senators hörte er sich mindestens so aufmerksam an wie zuvor die Aufträge. Es schien ihm insgesamt ein luktarives Angebot zu sein, das er gerne nutzen wollte. Es schien ihm bei aller Vorsicht unwahrscheinlich, das der Senator ihn damit irgendwie um seinen Lohn prellen wollte.


    Ich wäre sehr zufrieden wenn wir das so handhaben können. Wir sollten vielleicht monatlich die Listen abgleichen, um, wenn ich Geld benötige, nicht ellenlange Listen abarbeiten zu müssen.
    Auch der zweite Brief wird sofort erledigt, den ersten habe ich übrigens schon formuliert. Geht er so in Ordung?


    Mit diesem Worten reichte er dem Senator seine Wachstafel. Die seite mit seinen Notizen hatte er selbstverständlich nach hinten geklappt. Deutlich lesbar stand auf der oberen Seite:


    Salve Neffe.
    Nach meiner erfolgreichen Wahl zum Proconsul bin ich nun auf dem Weg nach Hispania. Ich freue mich bereits dich wiederzusehen. Bitte bereite die Villa auf meine Ankunft vor, aber ohne das die gesamte Stadt davon erfährt.


    Auf Bald und mögen die Götter dir gnädig sein
    Lucius Flavius Furianus

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