servitriciuum | Ein Schlafraum der männlichen Sklaven

  • Nur wenige Augenblicke lang blickte Sciurus den beiden Sklaven nach, die das Zimmer verließen, um hernach Stratons Vorstellung über sich ergehen zu lassen ohne großes Interesse an dem neuen Sklaven zu hegen. Der aquilische Haushalt war ihm ein Dorn im Auge - verweichlicht, undiszipliniert und aufmüpfig - einzig Straton schien hierbei eine Ausnahme, womöglich da sein Herr ihn nicht selbst ausgesucht, sondern geerbt hatte. Er würde Micipsa im Auge behalten, wie alle anderen auch, denn Sciurus hatte seine Augen überall.


    Trotz allem nickte er dem Neuling zu, denn es stand ihm nicht zu, sich über dessen Güte Gedanken zu machen, bevor er die beiden verbliebenen Sklaven schließlich schweigend verließ. Es gab Vorgänge in und außerhalb des Hauses, welche auf ihn warteten.

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    VILICUS - MANIUS FLAVIUS GRACCHUS

    Einmal editiert, zuletzt von Sciurus ()

  • Missmutig zerrte Micipsa an dem Verband an seinem linken Arm. Die Schmerzen hatten sich in den vergangenen Stunden verschlimmert und nun plagten ihn auch noch heftige Fieberschübe, die vermehrt in den Abendstunden auftraten.
    Drei Tage lag es jetzt zurück, dass sich der Nubier bei einer alltäglichen Arbeit aus Unachtsamkeit einen tiefen Schnitt am Oberarm zugezogen hatte und der einfache Verband, den er sich von einem Jungen aus der Küche hatte anlegen lassen, erfüllte seinen Zweck nur bedingt.
    Vielleicht hätte er sich doch jemandem anvertrauen sollen, Cungah beispielsweise oder auch Aquilius selbst.
    Vielleicht hätte ein Medicus der fortschreitenden Entzündung Einhalt gebieten können, doch Micipsa vertraute nunmal niemandem außer sich selbst. So hatte er es immer gehalten in seinem Leben und so würde er es auch weiterhin tun. Ein wenig Schlaf und er würde wieder auf die Beine kommen!


    Von diesen Gedanken begleitet legte er sich in der Kammer, in der er nach Lars Verschwinden zumeist allein nächtigte, zur Ruhe, doch erwachen sollte er – zumindest in dieser Welt – nicht mehr. Micipsa Leben hatte weit entfernt von seiner Heimat ein unspektakuläres Ende genommen.

  • Wie jeden Abend, nach getaner Arbeit, ließ es sich Cassim nicht nehmen, im balneum servorum ein Bad zu nehmen. Dies diente in erster Linie seiner Säuberung aber auch der Entspannung, auch wenn das Bad der Sklaven wenig an Luxus bot, den er von seinem alten Zuhause gewohnt war. Vor allen Dingen vermisste er die wohltuenden Hände Yasminas. Das alles war unendlich weit weg und unerreichbar für ihn. Sehnsuchtsvoll erinnerte er sich da an die Nacht zurück, in der er mit dem Römer zusammen in der Stadt gewesen war. Die kleine Syrerin war wirklich ihr Geld wert gewesen. Weniger sehnsuchtsvoll dachte er an den darauffolgenden Morgen zurück. Dies war aber eine andere Geschichte!
    Er kleidete sich in eine frische Tunika und kämmte sein Haar. Die Kratzer in seinem Gesicht, die von einer Auseinandersetzung der anderen Art herrührten, hatten längst aufgehört zu bluten. Trotzdem sah er recht mitgenommen aus.
    Er ging in den Schlafraum, in dem er und einige andere Sklaven zu nächtigen hatten. Einer seiner Schlafgenossen schlief schon, die anderen Betten waren nuch unangerührt. Mit einem leichten Seufzer ließ er sich auf seinem Lager nieder und streckte sich aus. Zum Schlafen besaß der Parther noch nicht die nötige Bettschwere, so starrte er an die Decke und wartete, bis das der Schlaf ihn einholte.

  • Chimerion hatte an diesem Abend seine Wunden versorgt, die er sich im heldenhaften Kampf mit der Katze der Herrin geholt hatte. Es brannte zwar noch ein wenig, würde aber heilen, ohne große Narben zu hinterlassen. Seine Herrin hatte ihn daraufhin ins Bett geschickt, dunkel genug war es ja. Er hoffte, heute Nacht ruhig schlafen zu können, ohne Wünsche und Aufgaben von Celerina.
    Er betrat die Unterkünfte der Sklaven, in denen er schlief und tastete sich im Halbdunkeln zu seinem Bett. Viel zu müde, um sich auszuziehen, legte er sich auf sein Bett und verschränkte die Arme hinter dem Kopf.
    Vom Bett gegenüber hörte er Atemgeräusche.
    Leise flüsterte er: "Hey, Cassim, bist du wach?"

  • Als die Tür sich öffnete und Schritte sich näherten, zog das nur unwesentlich die Aufmerksamkeit des Parthers auf sich. Er sah nicht einmal auf, sondern blieb reglos auf seinem Lager liegen. Dies war einer jener Abende, an denen er sich nach seinem Heim sehnte. Schmerzlich musste er feststellen, dass er in den letzten Wochen nur wenig darüber nachgedacht hatte, wie er schnellstens wieder nach Hause kommen konnte. Die wunde auf seiner Brust war längst verheilt. Nur noch eine Narbe war geblieben und kündete von seiner Verletzung. Die Zeit, die er sich zur Erholung gegeben hatte, war vorbei. Ab jetzt würde er sich ganz seiner Rückkehr widmen. Eine Flucht, die auch gelang, musste gut durchdacht sein. Es musste auch einen Alternativplan geben, für den Fall, dass etwas nicht so lief, wie es laufen sollte. Wenn man noch einen weiteren Sklaven dafür gewinnen konnte, sich der Flucht anzuschließen dann war das durchaus von Vorteil. Er dachte da an Hannibal. Er hatte ihn ja bereits darauf schon einmal angesprochen und versucht, ihm eine gemeinsame Flucht nach Parthia schmackhaft zu machen.
    Ein Flüstern vom Bett gegenüber, riss den Parther aus seinen Plänen. Es war Chimerion, der ihn fragte, ob er noch wach war. Den Sklaven hatte er vor wenigen Stunden im Garten kennengelernt. "Chimerion? Ja, ich bin noch wach!" Gemeinsam hatten sie den Kampf gegen diese Katze bestanden, die versucht hatte, sich auf recht schmerzhafte Weise in seinem Gesicht zu verewigen.
    Flüchtig überkam ihn die Idee, auch diesen Sklaven für seinen Plan zu gewinnen. Aber konnte er Chimerion denn vertrauen? Er beschloss, erst einmal Zurückhaltung zu üben und den Sklaven naher kennenzulernen.

  • Chimerion drehte sich auf die Seite und sah im Halbdunkeln in die Richtung, in der er die Umrisse von Cassims Bett sah.
    "Was machen deine Kratzer? Ich hätte dem Vieh heute am liebsten den Hals umgedreht, aber was macht man nicht alles für die...Herrin.
    Du hast mir im Garten gesagt, dass du Soldat warst. Habt ihr den Krieg wenigstens gewonnen, in dem du gekämpft hast?"


    Vielleicht konnte er den etwas verschlossen wirkenden Cassim ja dazu bewegen, mehr von seiner Vergangenheit zu erzählen.

  • Da die Müdigkeit ihn noch nicht eingeholt hatte und ihm auch noch zu viele Dinge im Kopf herum schwirrten, richtete sich Cassim auf und blieb mit dem Rücken gegen die Wand gelehnt, auf seinem Lager sitzen. In Chimerion hatte er einen Gleichgesinnten gefunden, mit dem er reden konnte.
    "Ach die paar Kratzer! Die verheilen wieder ganz schnell!" Abschätzig winkte er mit der Hand ab. "Ich hatte in meinem Leben schon ganz andere Verletzungen, die viel schlimmer waren, als das." Er griff mit der Hand an seine Brust, um die Narbe zu fühlen, die er aus dem Krieg davongetragen hatte. Inzwischen war sie gut verheilt. Der griechische Arzt, der ihn behandelt hatte, hatte gute Arbeit geleistet. Auch wenn er ihn für die unermesslichen Schmerzen, die er ihm bei der Behandlung zugefügt hatte, hätte töten können.
    "Ja, ich war, ich bin Soldat! Das heißt, ich werde es bald wieder sein!" Er war ein Kriegsgefangener. Was die Römer aus ihm gemacht hatten, interessierte ihn nicht. Die erste Pflicht eines Soldaten war es, zurück zu seiner Truppe zu gelangen, koste es, was es wolle.
    "Ja, das haben wir! Wir haben die elenden Hunde aus unserem Land verjagt! Und wir haben ihren Kaiser zu Strecke gebracht!" Die Römer sahen das wahrscheinlich ganz anders, doch für Cassim war es so und seine Worte waren mit solch einem Stolz erfüllt. Vom Verlauf des Krieges nach seiner Gefangennahme, hatte er zwar nur einiges aus den Gesprächen seiner Bewacher und von den Berichten der anderen Gefangenen gehört, die nach ihm gefangen genommen worden waren. Nachdem bekannt geworden war, dass der Kaiser tödlich verletzt worden war, hatten dies auch die parthischen Gefangenen zu spüren bekommen. Er, der verletzte Parther hatte nichts von den Römern zu erwarten und doch hatte er den Transport nach Rom, wie durch ein Wunder überlebt. Ein Mitgefangener hatte sich, so gut es ging, um seine Wunden gekümmert.

  • Chimerion hörte sich die Geschichte an und staunte. Scheinbar waren diese Parther als einziges Volk in der Lage gewesen, die verfluchten Römer zu stoppen und sogar ihren Kaiser zu töten. Das war noch nicht an seine Ohren gedrungen, aber es war ein kleiner Lichtblick am Horizont.


    Doch etwas machte ihn dann doch stutzig. "Du sagtest du warst Soldat und wirst es bald wieder sein? Hast du etwa vor..." er ließ den Satz unvollendet und war plötzlich wieder hellwach. Wäre Cassim vielleicht der Verbündete, den er gesucht hatte, um diesen Ort endlich zu verlassen? Oder war er vielleicht ein Spitzel seiner Herrin um seine Loyalität zu prüfen? Doch der letzte Gedanke schien zu abwegig zu sein. Kein Mann konnte einen solchen Hass auf die Römer spielen.


    Trotzdem beschloss Chimerion, vorsichtig zu sein. Er setzte sich seinem Bett auf und beugte sich ein wenig mehr in Cassims Richtung."Sag mal, was wäre wenn du ein freier Mann wärst? Wo würdest du hingehen? Also nur so rein hypthetisch."

  • "Was denkst du denn? Meinst du, ich warte, bis ich in diesem Locher vermodert bin?" erwiderte Cassim forsch. Für ihn war alles klar! Er wusste, was zu tun war, er musste nur den richtigen Zeitpunkt abpassen. Ob ihn letztendlich jemand auf seiner Flucht nun begleiten würde oder nicht, war ihm mittlerweile gleich. Fest stand, seine Tage in der Villa des Römers waren gezählt. Natürlich war es besser, jemanden an seiner Seite zu wissen, der sich mit den Gegebenheiten bestens auskannte. Doch lag in einem Begleiter auch das Risiko höher, entdeckt zu werden. Deshalb musste er auf Nummer sicher gehen, wen er mitnahm. Ob er Chimerion in dieser Hinsicht trauen konnte, musste er erst noch in Erfahrung bringen. Sein Gefühl sagte ihm, der Sklave könnte sein Mann sein, wenn er das wollte. Sein Gefühl hatte ihn nur ganz selten getrübt.
    Offenbar war der Parther auf Interesse bei Chimerion gestoßen. Auch wenn der nicht sofort in Begeisterungsstürme ausgebrochen war. Der Sklave tat das, was Cassim auch an seiner Stelle getan hätte, er zeigte nur mäßiges Interesse.
    Für Cassim gab es auf diese Frage nur eine Antwort.
    "Ich würde das tun, was jeder tun würde, den man der Heimat beraubt hat! Ich würde wieder nach Hause gehen, nach Parthia, zu meinen Frauen und meinen Kindern. Sie warten dort auf mich. Ich weiß es. Sie sehnen sich nach mir, so wie ich mich nach ihnen sehne!"

  • Scheinbar lag Cassim schon lange eine Flucht auf dem Herzen, überlegte Chimerion. Auch sein Herz rief nach Freiheit.... Doch diese Freiheit gab es nicht mehr. Er murmelte leise etwas vor sich hin, dann hob er den Kopf und meinte: "Weißt du Cassim, ich habe von deinem Volk gehört, dass es die Römer besiegen konnte, mein Volk hingegen lebt unter den Peitschen derselben. Auch wenn ich fliehen würde, dann hätte ich doch keine Heimat, in die ich gehen könnte....", sprach er das aus, was er nicht wahrhaben wollte. Er war der Gefangenen zweier Welten. Die Welt, in der er lebte, wollte er nicht länger ertragen, aber die Welt, in die er zurückwollte, existierte nicht mehr.


    "Was würde dein Volk mit einem Fremden wie mir tun? Angenommen wir schafften die Reise bis nach Parthia?"

  • Der Parther nickte bedächtig. Chimerions Volk war bereits das widerfahren, wovor sich sein Volk bislang hatte erfolgreich schützen können. Die römische Pest hatte sich schon großflächig ausgebreitet und an allen Enden streckte sie noch weiterhin unersättlich ihre Pranken aus, um noch mehr zu bekommen.
    Aber Cassim konnte den Sklaven beruhigen. Das Angebot, welches er bereits vor Wochen schon Hannibal offeriert hatte, konnte er auch Chimerion anbieten.
    "Meine Familie würde dich mit allem Respekt in ihre Arme schließen, denn du bist mein Freund und unser Gast. Dir werden sämtliche Annehmlichkeiten zuteil, die dir meine Familie und ich bieten können. Komm einfach mit mir, Chimerion! Wir beide zusammen können es schaffen. Meine Heimat wird deine Heimat sein."
    Der Parther musterte den Thraker, wie er sein Angebot aufnahm. Er konnte ihm eine Aussicht damit bieten. Eine Aussicht auf eine Zukunft in Freiheit und Würde. Nun lag es nur noch an Chimerion, ob er sein Angebot annahm.

  • Chimerion konnte kaum glauben, was er da hörte. Man würde tatsächlich Freude daran haben, wenn er in ein anderes Land ging. Damit hatte er eine neue Möglichkeit, ein Hoffnungsschimmer am Horizont....
    "Wir dürfen nicht unüberlegt handeln, alles muss genau geplant werden. Zuerst müssen wir aus dieser Stadt hinaus, was schon schwierig genug sein dürfte. Und wenn wir draußen sind, müssen wir uns ein Transportmittel suchen, das uns bis nach...Parthia bringt. Wie weit ist der Weg eigentlich?"
    Er hatte schon vom Osten gehört und die Reise dorthin würde Wochen dauern. Welche Chancen hatte zwei entlaufene Sklaven?

  • Cassims Angebot hatte sein Ziel nicht verfehlt. Ganz im Gegenteil! Der Thraker, der wie er sagte, bereits Erfahrungen mit einer Flucht hatte, wußte, worauf zu achten war, um den gleichen Fehler, den er einst gemacht hatte, nicht ein zweites Mal zu machen.
    "Da bin ich ganz deiner Meinung! Wir müssen einen Weg aus der Stadt finden. Dann müssen wir einen Hafen erreichen, von wo aus wir nach Syrien kommen. Bis dorthin, sind es ungefähr acht oder neun Tage. Doch das ist nur unsere geringste Sorge!", schätzte Cassim. An die Überfahrt, die ihn von Syrien nach Rom gebracht hatte, konnte er sich nur bruchstückhaft erinnern, denn aufgrund seiner Verletzung hatte er oft geschlafen. Nur aus Erzählungen wusste er, wie lang er auf dem Schiff gewesen war.
    "Wenn wir dann in Syrien sind, müssen wir uns bis zur Grenze durchschlagen. Das kann einige Wochen dauern und auch sehr kräftezehrend werden, denn wir werden uns abseits der Straßen bewegen müssen, durch unwegsames Gebiet. Wüste und Gebierge. Am Tag ist es heiß, sehr heiß und die Nächte sind kalt." Der Parther wurde etwas nachdenklich. "Meinst du, du kannst das auf dich nehmen? Es wird kein Spaziergang werden!"

  • Chimerion hörte sich Cassims Ausführungen an und sie klangen sehr vernünftig.
    "Das Problem, aus der Stadt zu kommen, könnten wir lösen, indem wir dann fliehen, wenn wir außerhalb der Stadt Aufgaben zu erledigen haben.... Aber wie wir an einen Hafen kommen, weiß ich nicht, zumal sie in Ostia als erstes suchen werden. Vielleicht könnten wir nach Misenum gelangen?", überlegte er laut.
    Er wusste, dass Ostia, Roms Tor zum Meer, über eine eigene Stadtmauer und Wacheinheiten verfügte, außerdem kam über diesen Hafen ein Großteil der kaiserlichen Post aus den südlichen Provinzen, die Nachricht über verschwundene Sklaven würde mit den Postreitern verbreitet werden.


    Wenn sie erst einmal in Syrien wären... Zumindest könnten sie dann nicht mehr so leicht gefasst werden, keiner würde sich um sie kümmern.
    "Was wir an Ausrüstung und Vorräten brauchen, müssten wir uns in Syria besorgen...Ist die Grenze zu Parthia eigentlich streng bewacht, jetzt nach dem verlorenen Feldzug der Römer?"

  • Cassim nickte. "Da kann ich dir nur voll und ganz zustimmen! So hatte ich es mir auch vorgestellt. Kennst du dich außerhalb der Stadtmauern aus?" Als besonders wichtig erachtete es der Parther, dass sie unbemerkt zu einem Hafen gelangten. Auf dem Weg dorthin brauchten sie ebenso einige gute Verstecke, die abseits der großen Straßen waren. Deswegen war es gut, einen ortskundigen bei sich zu haben. "Du hast recht, ein anderer Hafen, als der in Ostia wäre sicher von Vorteil. Wie weit ist diese Misenum von Rom entfernt? Können wir dort leicht hingelangen?" Außerdem war es wichtig an Geld zu kommen. Kein schiffskapitän würde sie umsonst mitnehmen. "Wie sieht es mit Geld aus?" Und was war eigentlich jetzt mit Hannibal? Er hatte ihn seit Wochen nicht mehr gesprochen. Ihn musste er unbedingt noch einmal sprechen, bevor es los ging!
    "Kennst du eigentlich Hannibal?"

  • Chimerion schüttelte zögernd den Kopf.
    "Ich habe meine Herrin einmal nach Ostia begleitet, dabei durchquerten wir ein Stadttor im Süden... Aber die Umgebung war mir fremd, ich weiß nur vom Hören-Sagen, dass Misenum einige Meilen weiter im Süden liegt, aber wie weit genau weiß ich nicht. Allerdings gibt es eine Straße, die nach Misenum führt, daran könnten wir uns orientieren...."Er schwieg einen Moment und versuchte, sich eine Landkarte, die er einmal in der Bibliothek gesehen hatte, ins Gedächtnis zu rufen. Es war sicher nicht allzu weit. Die Frage nach Geld war schon schwieriger.
    "Ich selber besitze ein paar Ass, mehr nicht.... Wenn wir Geld brauchen, müssen wir es uns besorgen, außer stehlen fällt mir nichts ein. Hannibal kenne ich nicht, ist er einer der Sklaven?"

  • Chimerions Antwort war alles andere als zufriedenstellend! Was sie zu ihrer Flucht brauchten, war ein Ortskundiger und einen Mann, dem man vertrauen konnte. Offen gesagt, wollte sich Cassim nicht an einen Fremden hängen, der ihn am Ende möglicherweise noch verriet. Je länger er darüber nachdachte, kam er mehr zu dem Schluss, noch einmal mit Hannibal zu sprechen. Er kannte sich in diesem Land aus und kannte auch die Menschen.
    "Ich finde, wir sollten uns von den großen Straßen fern halten. Die werden im Falle unserer Flucht als erstes kontrolliert. Wir brauchen noch mehr Informationen. Und einen Plan! Ich stürze mich nur ungern in ein solches Abenteuer, ohne zu wissen, was mich erwartet."
    Die Frage, wie man an Geld kam, erschien ihm da weitaus weniger schwierig. Notfalls nahm er es sich von den Römern, die in der Villa lebten.
    "Ich werde noch einmal mit Hannibal sprechen. Es kam mir so vor, als ob…" Der Parther beendete nicht seinen Satz. Dieser Sklave hatte ihn schon lange beschäftigt, seit seinem ersten Tag hatte er über ihn nachgedacht.
    "Ja, ist er!" antwortete er auf Chimerions Frage. "Er ist der langjährige Leibsklave von diesem Aristides. Dieser verdammte Römer, der mich gekauft hat!"

  • Chimerion hatte den Namen schon mal gehört, aber er wusste nicht mehr, in welchem Zusammenhang. Aber das spielte auch keine Rolle mehr.
    Er legte sich wieder auf den Rücken und verschränkte seine Arme hinter dem Kopf. Eine ganze Zeitlang sagte er garnichts, sondern dachte nach.
    Dann wandte er sich wieder an Cassim. "Ich glaube nicht, dass wir schon morgen fliehen können, wir müssen erst noch jemanden finden, der uns sicher nach Misenum führt, über Ziegenpfade oder so. Solange wir den oder die nicht haben, können wir nicht loslegen.
    Aber wir sollten trotzdem Augen und Ohren offen halten. Vielleicht in einem Monat oder so? Sobald alles gut vorbereitet ist."

  • Es war einer jener Abende, die Hannibal in ein tiefes Loch gesogen hatten. Ein Loch, dass ihn stets zu Dummheiten trieb. Ein Loch, dass er sich manchmal selber schaufelte. Aber die letzten Tage bestanden nur aus dieser vernichtenden Schwärze, die sein Gemüt umfangen hielt. Angetrunken kam Hannibal zu der Villa zurück, er hatte die letzten Stunden erneut in alten, bekannten Kreisen verbracht. So tuend, als ob er kein Sklave wäre. Als ob niemand über sein Leben bestimmen konnte und ohne Strafe jederzeit beenden. Müde war er in das Bad der Sklaven getorkelt und hatte sich mit einem Lappen grob über das Gesicht gewischt. Dann wollte er beinahe dorthin schlurfen, wo er viele Monate genächtigt hatte. Aber das war auch vorbei. So ging es weiter zu der großen Sklavenunterkunft. Wo viele der männlichen Sklaven einquartiert waren. Eben auch Hannibal. Insbesondere, da er vor einigen Tagen schlagartig die meisten Privilegien verloren hatte. Die er sich in seinem ganzen Leben lang erarbeitet hatte. Die Tür knarzte leise, als Hannibal diese öffnete und in die Dunkelheit schlich. Vorsichtig schlängelte er sich um die Betten herum, stieß dann jedoch gegen einen Bettkasten und fluchte leise. Aber Moment? Waren da nicht Stimmen? Hannibal scherte sich nicht darum. In den Unterkünften war es nie still. Manchmal war es das Schnarchen eines Sklaven, dann wiederum Flüstern oder auch wolllüstiges Stöhnen, der Geräuschpegel war sehr manigfaltig. Ächzend liess sich Hannibal auf seinem Bett fallen und suchte nach der Öllampe, um sie zu entzünden. Ein wenig von dem Licht flackerte über sein Gesicht, zeigte einige Schminkreste, Schatten von Russspuren um seine Augen, noch etwas rot auf seinen Lippen. Und dann hörte er es doch. Hannibal sah auf und in die Dunkelheit. Natürlich sah er nichts, da ihn das eigene Licht gerade blendete.

  • Das klang doch sehr vernünftig! Wenn diese Flucht Erfolg haben sollte, dann war eine durchdachte Planung und die richtigen Leute alles!
    Cassim wollte gerade zu seiner Antwort ansetzen, als er durch ein Geräusch und ein darauffolgendes leises Fluchen aufgeschreckt. Dies war zwar die Sklavenunterkunft und hier schliefen nur Sklaven, aber es gab auch tatsächlich Sklaven, die ihrem Herrn treu ergeben waren und sogar ihren besten Freund ans Messer liefern würden, wenn sie sich davon einen Vorteil versprachen! Sie mussten vorsichtig sein, sonst wäre die Flucht vorbei, noch ehe sie angefangen hatte.
    "Ich schätze, wir haben ihn soeben gefunden, oder er uns?" Mit seinem Kinn deutete er auf den Sklaven, der soeben die Sklavenunterkunft betreten hatte, an seinen Bettkasten gestoßen war und leicht torkelnd einige Betten weiter, sein Lager in Besitz genommen hatte. "Das ist Hannibal!" Kurz sah er Chimerion mit einem listigen grinsen an, dann sprang er von seinem Lager auf und schlenderte langsam zu Hannibal hinüber.
    "Guten Abend, Hannibal! Lange nicht gesehen! Wie geht´s?" Im Schein seiner Öllampe, fand er den Sklaven, der irgendwie anders aussah, so weibisch... Der Parther ließ sich nichts anmerken. Vielleicht war dies nur das Resultat der perversen Vorlieben des Römers, der Hannibal dazu gezwungen hatte, sich wie ein Weib anzumalen. Diese Römer waren ja zu allem fähig!

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