cubiculum | Flavia Celerina


  • Das cubiculum der Flavia Celerina ist ein reich ausgestatteter Raum, in dem sich ebenhölzerne Möbel mit Elfenbeinintarsien befinden.


    Neben einem großen Bett befindet sich eine Truhe, in der die edlen Gewänder der Flavia einen Platz finden. Des Weiteren findet hier noch ein Frisier- und Schminktisch samt gepolstertem Stuhl Platz, auf dessen Tischplatte sich kleine terracottafarbene Tiegel und gläserne Flacons mit Kosmetika und verschiedenen Parfums, nebst einem bronzenen Handspiegel und diverser Haarnadeln, sowie eine Bürste, befinden.
    Die Wände sind mit prächtigen Wandmalereien mit mythologischen Szenen verziert. Ein Mosaik, welches Eros und Psyche darstellt, ziert den Fußboden.
    Neben dem Bett steht noch ein kleines Tischchen, auf dem stets frisches Obst bereit steht.

  • Nach dem ersten Zusammentreffen mit meinem Großonkel, war ich bereit, mein neues cubiculum in Augenschein zu nehmen. Im Augenblick machten sich noch einige dienbare Geister daran, das cubiculum so herzurichten, daß es auch bewohnbar war. Einige andere Sklaven waren in der Zwischenzeit damit beauftragt worden, mein Gepäck aus der Herberge hierher in die Vila zu bringen.


    Sichtlich zufrieden betrat ich abermals mein cubiculum. Alles war war an seinem Platz, so wie ich es wollte. Auch meine Reisetruhen hatten inzwischen ihren Weg hierher gefunden.
    "Ylva, du kannst damit beginnen, meine Sachen auszupacken!" Meine Sklavin stand immer noch mit offenen Mund da und betrachtete sich ausgiebig das Möbiliar und die reiche Innenausstattung des Raumes.
    "Nää, is des en Luxus! So was hatten mer ned in Ludätsia!"
    Da mußte ich ihr voll und ganz zustimmen! "Ja, da könntest du recht haben!" antwortete ich ihr süffisant.
    "Soll isch alles auspacke, aach des in de klää Truh?" fragte Ylva plötzlich mit unsicherer Stimme.
    "Natürlich auch das, was sich in der kleinen Truhe befindet!" antwortete ich ihr bestimmt.
    "Aber muß ich wärklich, Herrin?" Flehend sah sie mich an, als ob es un ihr Leben gehen würde.
    "Aber ja, Ylva! Alles!" antwortete ich ihr entschiden und verrollte dabei die Augen.
    Ylva wollte sogleich noch einen Versuch starten, mir zu widersprechen, doch ein einziger Blick meinerseits genügte, um sie zum Schweigen zu bringen.
    "Ylva, ich werde jetzt ein Bad nehmen! Wenn ich zurück bin erwarte ich, daß hier alles zu meiner Zufriedenheit ist. Ach ja, bringe mir dann bitte noch meine Lieblingstunika!"
    Lächelnd drehte ich mich zur Tür und verließ das Zimmer, ohne eine Antwort abzuwarten.

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    Ylva begann sofort damit, die Reisetruhen ihrer Herrin auszupacken. Sorgfältig verräumte sie sie Gewänder, die Schuhe, den Schmuck und zu guter letzt auch die Kosmetika in die dafür vorgesehenen Truhen, Schubladen und Regale. Die Lieblingstunika, ein einfacheres und schon etwas abgetragenes Gewand, legte sie auf das Bett. Sobald Celerina danach verlangen würde, brächte sie ihr die gewünschte Tunika.
    Ylva, ein eher praktisch veranlagter Mensch, konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, was ihre Herrin an dem 'Fetzen' fand.
    "Isch wääs der ned, warum se dään Fedse ned schunn längschd fordg´schmisse hot!"* Sie sprach mit sich selbst. Doch im Grunde konnte ihr das völlig gleich sein! Ihre Meinung dazu würde ungehört verhallen.


    Dann war nur noch die kleine Truhe übrig. Es bereitete ihr große Überwindungskraft, alleine nur daran zu denken, was sich darin befand. Ihre Herrin hatte im Laufe der Jahre eine eigentümliche Neigung entwickelt, die ihr eine gewisse Art von Abwechslung bereitete, während sie sich in Lutetia wie eine Gefangene fühlte. Doch diese Gefangenschaft war nun vorbei. Aber ihre Neigung war geblieben. Celerina hatte Spaß daran gefunden und sie wollte sich von dieser Zerstreuung nicht mehr trennen!


    Sim-Off:

    Übersetzung:* Ich weiß nicht, warum sie diesen Fetzen nicht längst schon weggeworfen hat!

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    Ylvas Hand näherte sich, wenn auch sehr unwillig, der kleinen Truhe um sie endlich zu öffnen. Es hatte keinen Sinn, sie ungeöffnet stehen zu lassen! Sie, Celerina würde toben vor Wut, würde sie nicht voll und ganz ihren Anweisungen folgen! Doch bevor sie endlich zur Tat schreiten konnte, um die Truhe zu öffnen, wurde die Tur des Cubiculums aufgerissen. Einer der flavischen Sklaven stand in der Tür. Sein Blick schweifte durch den Raum, suchend nach der Sklavin.
    Ylva, deren Herz beinahe vor Schreck stehen geblieben wäre, fuhr mit einem spitzen Schrei hoch. Sie fühlte sich auf einmal, wie benommen. Wie ertappt stand sie vor dem Eindringling. "Ja, was is?" fragte sie verunsichert.
    "Deine Herrin wünscht ihre Kleidung!" gab der Sklave knapp zur Antwort.
    Langsam kam Ylva wieder zu sich. Ihr Blick fiel auf das Bett ihrer Herrin. Dort hatte sie die sogenannte 'Wohlfühltunika' schon bereit gelegt.
    Unvermittelt schritt sie ans Bett heran und nahm die Tunika auf, um sie anschließend dem Sklaven zu übergeben. Der schaute etwas konsterniert drein, denn die 'Wohlfühltunika' war alles andere als das würdige Gewand einer Patrizierin! "Kää Angschd! Die wollt se habbe!"
    Der blick des Sklaven ließ vermuten, daß er nun noch irritierter sein mußte, da er sich mit Ylvas Aussprache sichtlich schwer tat. "Äh, wie bitte?" fragte er verunsichert.
    Ylva rollte die Augen voller Unverständnis. Doch sie hatte Mitleid mit ihrem Schicksalsgenossen und bediente sich einer etwas verständlicheren Sprache. "Isch hab ge-sagt, kei-ne Angscht, die woll-te sie ha-ben! Hosch´s jetzt?" Besonders langsam und verständlich sprach sie auf den Sklaven ein, der offensichtlich zu verstehen begann. Trotzdem war ihm nicht wohl, mit dieser Tunika ins Balneum zurückkehren zu müssen. Doch ihm blieb nichts anderes übrig. Also nickte er Ylva noch einmal kurz zu und verließ sogleich wieder das Cubiculum.
    Ylva seufzte! Die kleine Truhe, die immer noch ungeöffnet da stand und sie daran zu erinnern schien, was noch zu tun war, fiel ihr sofort wieder ins Auge. Noch einmal müßte sie sich nun überwinden, sie zu berühren um sie schließlich zu öffnen. Wieder überkam sie ein Schauder. Doch es mußte getan werden! Kein Weg würde daran vorbei führen!

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    Mit einem leichten Druck, öffneten Ylvas Finger langsam die unheilschwangere Truhe, so als müßte sie befürchten, von einer gefährlichen Kreatur angegriffen zu werden.
    Betrachtete man allerdings deren Inhalt mit den Augen eines Unwissenden, so hätte man sich sicher gewundert, warum die Sklavin eine solche Abscheu dagegen empfand. Waren doch nur einige Tontöpfchen, Lederbeutelchen und ein Mörser darin enthalten. Nichts also, was auf den ersten Blick gefählich wirkte.
    Rühr ja nichts davon an, Ylva! Hatte ihre Herrin ihr immer und immer wieder versucht einzubläuen. Ylva versuchte indes, einen weiten Bogen um den Inhalt der Truhe zu machen. Sie hatte damals mit eigenen Augen miterleben müssen, was geschehen konnte, hielt an sich nicht an die Anweisungen ihrer Herrin! Das kleine, naseweise Zimmermädchen, das seine Neugier nicht zügeln konnte, war einen grauenvollen Tod gestorben, der sich tagelang hingezogen hatte.


    Es bereitete Ylva besonders viele Schwierigkeiten, die Töpfchen und Lederbeutel anzufassen. Nicht etwa, weil sie so schwer waren! Nein, mußte sie doch auch befürchten, mit den Inhaltstoffen in Berührung zu kommen. Wenn das geschehen würde, mußte sie auch damit rechnen, jammervoll dahingerafft zu werden. Ihre Herrin hatte sich in der Vergangenheit, mit diesem Wissen, einen bösen Spaß mit ihr erlaubt und ihr damit gedroht, den Inhalt des einen Töpfchens, in dem sich einige getrocknete Blätter Hyoscyamus niger befunden hatten, überzuwerfen. Natürlich hatte die reine Berührung mit den Blättern keine schwerwiegenden Folgen für Leib und Leben! Doch das war der Sklavin bislang verborgen geblieben.
    Schließlich wickelte Ylva ihre Hand in ein Tuch ein und entnahm dann vorsichtig die Töpfchen und Beutelchen, die sie anschließend in einem Schubfach des Schminktisches verschwinden ließ.
    Erleichtert atmete sie auf, als sie es endlich vollbracht hatte.
    Sie würde sicher niemals voll und ganz ergründen können, warum ihre Herrin Gefallen daran gefunden hatte, mit solch gefährlichen Stoffen zu hantierten. Manchmal hatte sie den Eindruck, Celerina war wie besessen davon!

  • Beschwingt eilte ich zu meinem Cubiculum, um mich für den heutigen Abend vorbereiten zu lassen. Gebadet hatte ich ja schon. Meinen Körper hatte man mit feinstem Rosenöl einmassiert. Es war äußerst entspannend gewesen und ich wußte jetzt schon, daß ich das Bad der Villa auf jeden Fall den öffentlichen Thermen vorziehen würde! Der Bibliothek hatte ich auch schon einen Besuch abgestattet und dabei zufällig meinen Bruder kennengelernt.


    Ich betrat meinen Raum und das was ich sah, verwunderte mich nicht im Geringsten. Wie ich es bereits erwartet hatte, war Ylva mit allem fertig geworden. Sie hatte meine Sachen ordnungsgemäß untergebracht. Sogar an die kleine Truhe hatte sie sich herangewagt! Wohlwollend nickte ich ihr zu und begann sogleich zu delegieren.
    "Ylva, wie du ja gehört hast, werde ich heute Abend an einer Cena mit der Familie teilnehmen. Dafür möchte ich eine ansprechende Tunika tragen. Etwas Besonderes, Ausgefallenes aber nichts Schrilles! Dann müssen wir natürlich noch einen passenden Schmuck aussuchen. Ach ja und Ylva, du mußt mich auch noch frisieren!"
    Meine Sklavin nickte nur geduldig und machte sich gleich an die Arbeit. Da sie nicht erst seit gestern bei mir war, sondern mich nun nahezu acht Jahre begleitete, wußte sie genau, was ich wollte. Doch hatte sie leider auch in all den Jahren Bekanntschaft mit meinen Launen machen müssen. Deswegen ging sie auch heute wieder auf Nummer sicher und suchte gleich mehrere, in Frage kommende Gewänder aus.
    "So, do hab isch des ääne Blaue mit de Perlscher, oder des Griene oder ebbes Rodes!" Ylva war sich ihrer Sache sicher gewesen. Alle drei Tuniken waren von bester Qualität und ohne Frage passend für den Anlaß gewesen. Doch rümpfte nur die Nase.
    "Ach nein Ylva, die mag ich heute nicht. Weder die blaue, noch die grüne und schon gar nicht die rote Tunika möchte ich heute tragen. Habe ich nicht noch etwas Besseres, etwas Neueres? Was hatten wir denn letztens in Lutetia gekauft?"
    Ylva seufzte kaum hörbar. "Määnscht du die lila Tunika?"
    Noch bevor ich ja oder nein antworten konnte, zog sie auch schon die betreffende Tunika heraus, die allerdings nicht lila, sondern violett war. Doch das war für Ylva ein und dasselbe. Es war ein sehr edles Stück aus orientalischer Seide. Mit goldenen Fäden hatte man Blätter und Blumen darauf gestickt. Es war sündhaft teuer gewesen und die letzte Tunika, die ich noch zu Lebzeiten meines Gemahls erstanden hatte. "Genau die muß es sein!" rief ich entzückt aus. "Dazu der Perlenschmuck und die neuen Schuhe!" Damit war die Auswahl perfekt. Den Rest würde ich Ylva überlassen. Sie hatte immer die raffiniertesten Ideen, was man aus meinem Haar machen konnte.

  • Aufgewühlt, unausgeschlafen aber von Badewasser bis in die letzten Knorpelchen durchweicht wie ein Kalbskopf, den man zu lange in Essig gekocht hatte, brauche ich Rat. Mein eigener Kopf rotiert wie ein Tänzer auf einem großen Fest, ein klarer Gedanke ist mir kaum noch verblieben.


    Wie ein Alkoholiker auf dem Trockenen hoffe ich auf Linderung bei der Wirtin meines Vertrauen, bei meiner Schwester, als ob sie mir meine Gedanken klären und eine Lösung finden würde.


    "Schwester, bist Du da?" raune ich und klopfe währenddessen an ihre Tür.

  • Wenn ich eines am Morgen haßte, dann war es bei der Morgentoilette gestört zu werden! Einem glücklichen Unstand war es zu verdanken, daß mich meine gute Ylva schon früh am Morgen geweckt hatte und mich bereits vollständig angekleidet hatte, nur ein wenig Farbe fehlte nun noch in meinem Gesicht.
    Die Stimme, die dort vor der Tür erklang war unverkennbar, die meines Bruders. Ich gab Ylva ein Zeichen, sie möge zur Tür gehen und nach demSinn und Zweck seines Besuches fragen.
    Das tat sie dann auch. "Gude Morsche! Was ischen los, die Herrin isch noch ned ferdisch!"
    Eigentlich hätte ich sie zum tausendsten mal dafür tadeln müssen, da sie sich noch immer dieses schrecklichen Dialektes bediente, doch fand ich es auch sehr amüsant und mußte schmunzeln.

  • "Aba isch bin ferdisch", grunze ich, nicht unfreundlich, aber auch nicht unbedingt comme il faut, wie die Gallier sagen würden. Mein Kopf rotiert wie eine Getreidemühle.


    Seufzend nehme ich auf einem der Stühle Platz, die vor den cubicula irgendwie immer herumstehen, als ob das der beste aller Lagerorte wäre.


    "Melde mich bitte, ich werde natürlich warten" und wenn man meine mumifizierte Leiche Generationen später erst finden würde. Hoffentlich weiß Celerina schon, was sie anziehen würde, dieses Stadium kann sich bei Frauen zu einem heiklen perpetuum mobile entwickeln.

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    Ylva schaute ganz perplex! Wer war das denn??? Keine Frage, es war jemand, der den lächerlichen Versuch unternommen hatte, ihren Dialekt, den sie nach all den Jahren in der Fremde nicht ablegen konnte, nachmachte. Netter Versuch!
    Pikiert von der Unfreundlichkeit des Fremden, wäre sich beinahe zickig geworden.
    „Isch werd´s der Herrin mit-teilen! Abber isch wääs net, ob se disch jetzt sehe will!“ Sprachs, verschwand sie wieder im Cubiculum, die Tür hatte sie fast hinter sich geschlssen, nur ein Spalt weit war sie offen geblieben. Ausreichend genug, um zu hören, was im Inneren vor sich ging.
    Man hörte zwei weibliche Stimmen, die eine eher gebieterisch, panisch, die Andere eher beschwichtigend.
    Wer ist da? Isch glaab, es is ääner vun do! Wie bitte, ein Mitglied der Familie! Ylva, wie seh ich aus? Soll ich nicht lieber… ach nein…ach doch! Ylva schnell, die andere Tunika! Nur mo langsam, der rennt net fort! Nach einer Weile kehrte Ylva wieder zur Tür zurück.
    "Gut, kannschd roi kumme!" Mit einer auffordernden Geste, bat sie den Unbekannten herein.

  • 'Jajaja, istschongut, macht's, was ihr wollt, aber macht's leise' denke ich und büsel ein wenig weg.


    "H?", aus dem Reich zwischen Wachen und Schlafen schrecke ich abrupt hoch - und gähne ziemlich. 'Also los, Luca' feuere ich mich an und wandele schlafestrunken in Celerinas cubilculum. 'Kelerinas Kubikulum' denke ich idiotischerweise.


    "Guten, äh, morgen, Schwesterherz! Tut mir leid, mir geht total gruselig. Konnte wieder mal nicht schlafen. Ich, äh, wollen wir hier zusammen frühstücken? Ich habe ein echtes Problem." Und was für eins. Hätte ich Bridhe fragen sollen? Oder besser überhaupt einen Mann? Aber wer weiß, ob ich dann nicht für alle Zeiten ... naja, wozu sind Schwestern denn da?

  • Ich hatte kurzfristig umdisponiert. Da ich nicht genau wußte, wer vor der Tür stand, hatte ich mich dazu entschlossen, die einfache umbrafarbenen Tunika gegen ein farbenfroheres orange-rotes Gewand zu tauschen. Schnell hatte Ylva mich noch zurecht gemacht. Noch ein wenig Farbe ins Gesicht und dann noch die Haare! Meine Haare stellten sich heute allem quer. Ylva hatte ihre Not, sie zu bändigen. Doch nach einigen Handgriffen hatte sie doch eine passable Frisur zustande gebracht.
    Als dann die Tür aufging und Ylva meinen Besucher einließ, war ich nicht überrascht, meinen Bruder zu erkennen. Er schien etwas Bestimmtes auf dem Herzen zu haben. Bemerkte ich bei ihm ein Anflug von Panik? Es mußte schließlich einen Grund haben, weswegen er so früh bei mir angeklopft hatte.
    "Oh, Lucanus, mein Lieber! Guten Morgen! Frühstücken? Das ist eine ausgezeichnete Idee!" Das war es wirklich, denn ich hatte noch nichts zu mir genommen. Daß er nicht nur deswegen zu mir gekommen war, entnahm ich seinem letzten Satz. Ein Problem? Nicht nur ein Problem. Nein, ein echtes Problem!
    "Von welchem Problem sprichst du?" Ich war eine Frau der klaren Worte und wollte nicht groß um den heißen Puls herum reden. Wenn es um ein echtes Problem ging, dann war wahrscheinlich eile angebracht!

  • Schlurfend überschreite ich wie ein Mann, der um ein saeculum gealtert, drei Mehlsäcke schwerer und die Probleme des orbis terrarum schultern muß, die Schwelle. Auf halben Weg halte ich inne und mein Gestell am Türstock fest.


    "Danke, ja. Etwas Eiswasser, Käse, Oliven und Obst wäre jetzt recht." Der Versuch eines Lächelns. Weiter meinen Weg zu einem Stuhl fortsetzend, wie auf einer schwankenden Planke, ein herzhaftes Gähnen einschiebend: "Verzeih', ich habe wieder nicht schlafen können. Aber das ist jetzt nicht das Problem."


    "Naja, kennst Du die Lupercalia? Urzeitliche Angelegenheit, halbnackte Männer und Jungen hopsen in Fellen um die Hüften um den Palatin und schnalzen mit Lederriemen herum. Sowas in der Preisklasse."


    Ich seufze und kratze mich - welche Doppellast - hinterm rechten Ohr.

  • Ich nickte Ylva auffordernd zu, sie möge doch bitte das Frühstück für uns richten.
    "Für mich bitte das übliche!" fügte ich noch geheimnisvoll hinzu.Ylva kannte meine allmorgentlichen Vorlieben bereits in und auswendig. Daher mußte ich mich nicht konkretisieren. Kommentarlos machte sie sich sofort auf den Weg und nachdem sie das Zimmer verlassen hatte, wandte ich mich wieder meinem Bruder zu und schenkte ihm meine volle Aufmerksamkeit. Es mußte eine äußerst delikate Sache sein, die ihn beschäftigte.
    Und ja, in einer gewissen Weise war sie delikat, die Sache an sich! Die Lupercalia! Ich vermied es, zu grinsen, um ihn nicht zu verunsichern. Trotz allem war Lucanus zwar ein sehr belesener junger Mann, doch in anderen Dingen war er noch immer mehr als unerfahren. Seiner Umschreibung zu urteilen, hatte er mit dem Fest ein Problem. Sollte er etwa einer der Protagonisten sein? Nein, bitte nicht lachen!
    "Ja die Lupercalia sind mir ein Begriff" , antwortete ich und sah ihn dabei forschend an. "Lucanus, was hast du auf dem Herzen?"

  • Meine Geduld hat einen besseren Schlaf als ich. "Nnnja, warte, eins nach dem anderen" maule ich nervös. Mir brennen die Augen und das Fußbodenmosaik schwebt über meinem Scheitel.


    "Also, gestern war'n ja nun diese Lupercalia. Hatte keine Ahnung, daß das das Datum war, aber egal. Wollte spazierengehen, mittelgroße Tour, Forum, Amphitheatrum Flavium, Tempel des Claudius .... egal." Ich verzettel' mich irgendwie. Der Kern ist noch um ein paar Ecken.


    "Na, jedenfalls Laufe ich an der Ecke zum Boarium am Palatin entlang, da kommt die Tuppe von oben, also, ach, halt den clivus Dingsbums vom Palatin herunter. Wann kommt mein Eiswasser? Hilfe! Wenn ich nicht so müde wäre.


    "Die Heinis hupfen also herunter, habe ich erst für eine Schaustellertruppe gehalten, furor Teutonicus und sowas, da merke ich, wie sie mit den Lederdingern herumknallen und damit die Weibs... die Frauen und Mädchen schlagen, die da am Gassenrand wohl darauf warten, eins über die Rübe, die Schulter oder so zu bekommen."


    Ach ja.

  • Herrje, wie die Zeit verging! Tatsächlich, gestern war ja jenes, offenbar schicksalshafte Datum. Ich müßte mir unbedingt bei unserem nächsten gemeinsamen Einkaufsbummel so etwas wie eine Agenda zulegen oder Ylva dahingehend ausbilden lassen! :D
    Doch wieder zurück zum Problem meines Bruders. Kam es mir so vor, oder war er heute Morgen wieder etwas ausschweifend, oder war es im schlicht und ergreifend einfach nur peinlich, mit mir darüber zu sprechen?
    Mein Magen knurrte. Ich sehnte mich nach einem Stück frischen Brot, einem Ei und meinen Frühstückscerealien, bestehend aus Haferbrei, Nüssen und Trockenobst. Wirklich deliziös! Diese Zusammenstellung wird sicher einmal ein Hit, in einigen Jahren vielleicht!
    Ach ja, mein Bruder! So langsam kam er auf den Punkt, oder war er davon doch noch meilenweit entfernt? Ich versuchte zumindest aufmerksam zuzuhören. Offenbar war er jenen, mit Riemen um sich schlagenden, halbnackten Priestern begegnet? Meine Phantasie begann mit mir durchzugehen, was passiert sein könnte. Trotzdem regte sich in meinem Gesicht nicht das kleinste Anzeichen von Amüsement. Ich wollte mich doch lieber auf seine Geschichte konzentrieren.

  • Uuh. Ich schniefe und reibe mir die Augen. Mit wem red' ich eigentlich?


    "Jedenfalls, ich hab's erst überhaupt nicht kapiert, was da passiert, als sich ein blondschopfiger Junge aus der Gruppe löst, von der rechten Seite auf mich zuläuft, mich angrinst, das sehe ich aus dem Augenwinkel und ehe ich etwas machen kann, mir mit dem Riemen eins drüberzieht ..."


    Was passiert wäre, hätte ich mich ugredeht? Das Ding quer über die Brust? Ins Gesicht?


    "Ich meine, das war nicht nett, dachte ich erst. Dann dachte ich, daß das ja ein Fruchtbarkeitsritus ist, und dann war das vielleicht doch ehrenvoll, Fruchtbarkeit - und so, halt. Und dann ging mir auf, daß eigentlich Frauen geschlagen werden, nicht die Männer! Entsetzlich!" Wie durcheinander und bekümmert war ich gestern, da irgendwie in den falschen Ritus hineingeraten zu sein.


    "Naja, die Sache ist vielleicht nicht so schlimm, dachte ich mir, jedenfalls wollte ich in die Bibliothek, um mir Sicherheit zu verschaffen. Ich lief in Richtung Forum und, ich hätte einfach weiterrennen sollen, hörte ich hinter mir eine Stimme, die mich anrief."

  • Endlich! Die Geschichte näherte sich ihrem Höhepunkt! Gespannt hörte ich weiter zu, was Lucanus zu berichten hatte. Und tatsächlich, er war jenen halbnackten Priestern über den Weg gelaufen und ja, er hatte einen Schlag mit dem Riemen abbekommen. Einer, der normalerweise nur dem weiblichen Publikum zustand. War das nun sein Problem? War es gar schlimm? Ehrlich gesagt, kannte ich mich in diesen Dingen nicht so genau aus! Na ja, so ein wenig Fruchtbarkeit schadet sicher niemandem!
    Meine Güte, machte er es aber spannend! Er hatte eine Stimme gehört? Die Spannung stieg ins unermessliche! Das wollte ich jetzt genau wissen!
    "Eine Stimme? Du hast eine Stimme gehört? Wessen Stimme war das und was hat sie gesagt?"


    Genau jetzt mußte es an der Tür klopfen! Das war garantiert Ylva, die das Frühstück brachte! Wie immer im ungünstigsten Augenblick! Eigentlich hatte ich Hunger wie ein Bär aber alleine meine Wißbegier hielt mich davon ab, Ylva hereinzubitten. Schließlich wollte ich meinem Bruder die Gelegenheit geben, ungezwungen seine Geschichte zu Ende zu erzählen. Ylva mußte ja nicht alles wissen! Sobald ein Sklave etwas aufschnappt hatte, wußte es bald das ganze Haus.
    "Einen Moment bitte!" rief ich zur Tür gewandt. und blickte wieder erwartungsvoll zu Lucanus.

  • Wenn sie mich doch nicht immer unterbrechen würde. Ja, eine Stimme. Nein, aus dem Diesseits, nicht aus dem Jenseits oder sowas.


    "Genau. Es war ..." Also so kann ich nicht arbeiten! Andauernd wird man unterbro... ah, Frühstück. Endlich, nur herein damit!


    "Frühstück, ausgezeichnet!", grinse ich matt. Erst einmal stärken, mit vollem Magen lächelt die Welt immer freundlicher - und es fällt leichter, zurückzulächeln.

  • "Ja?!" Wißbegierig hing ich an Lucanus Lippen, um endlich hinter das Geheimnis der mysteriösen Stimme zu kommen. Na los, komm schon, erzähl´s mir endlich!!!
    "Was Frühstück? Wie kannst du nur jetzt ans Essen denken?",fragte ich ihn vorwurfsvoll. Aber gut! Mit leerem Magen sah alles so schrecklich aus!
    "Komm rein, Ylva!" rief ich und starrte wieder zur Tür, die sich gleich öffnen würde. Doch weit gefehlt! Statt dem Geräusch einer sich öffnenden Tür, drang der Krach eines herunterfallenden Tabletts an mein Ohr.
    "Oh, das war wohl unser Frühtsück!", kam es fast automatisch, doch irgendwie auch erstaunt aus meinem Mund. Lächelnd sah ich zu meinem Bruder.

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