atrium | conventus NOV DCCCLVIII A.U.C.

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    CONVENTVS NOV DCCCLVIII A.U.C.


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    Hier findet die Versammlung aller Claudier in Roma im NOV DCCCLVIII A.U.C.*. Ich möchte um allgemeine Teilnahme zur Planung der näheren Zukunft bitten.


    Sim-Off:

    * November 2008 n.Chr.


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  • Es war immer noch merkwürdig ruhig in der Villa. Vielleicht sogar noch ein bisschen ruhiger, seit Menecrates' Tochter Epicharis mit ein paar Sklaven ausgezogen war. Ich war deswegen dazu übergegangen, das öffentliche Nachtleben Roms zu erkunden. Das brachte mich meist schon zum Essen aus der Villa hinaus, so dass mir das pralle Familienleben am Abend entging. Ich wusste natürlich sowieso, dass dieses Leben nicht existierte. Mein Sklave Tuktuk kannte mittlerweile einige Sklaven im Haus und unser Informationsgrad war daher ziemlich hoch. Dass es tagsüber in der Villa ruhig war, war weiterhin nicht verwunderlich, und störte mich auch nicht, denn daran war ich gewöhnt. Eine kleine Familienzusammenkunft fiel jedoch völlig aus dem Rahmen des Familienlebens in dieser Villa. Einer der Arbiter-Brüder hatte anscheinend darum gebeten, aber Tuktuk wusste nicht, ob es Verus oder Sabinus gewesen war. Er wusste auch nicht, weshalb alle zusammenkommen sollten, und ich hoffte, dass es keine schlechten Neuigkeiten gab.


    Ein bisschen früher als gebeten machten wir uns zum Zentrum der Villa, dem Atrium auf. Obwohl ich nicht gerne wartete, kam ich noch weniger gern zu spät. Außerdem brachte mir das zu früh Kommen den Vorteil, dass ich mich ohne Aufmerksamkeit im Raum platzieren konnte, obwohl ich mich mittlerweile in der Villa auch schon recht gut auskannte. Meinen Stock hatte ich daher in meinem Cubiculum gelassen und ließ mich nur von Tuktuk durch die Gänge führen. Jedes Geräusch hallte durch die Stille, unsere Schritte auf dem Boden, unsere Worte und jedes Klappern oder Rumpeln in der Villa. Als wir uns dem Atrium näherten, drangen zudem ein paar Geräusche von außen durch die Öffnung des Compluvium.


    "Ist schon jemand da? fragte ich Tuktuk, als wir die Schwelle zum Atrium übertraten.
    "Nein, niemand zu sehen." Das schloss natürlich keine Sklaven ein, denn Sklaven waren immer überall.
    "Gut, bring' mich zu den Klinen und dann geh' mir einen Becher Wein holen. Wein, Tuktuk, kein Wasser."
    Er antwortete nichts, doch ich wusste schon, warum ich den Wein betonte. Wenn ich es nicht tat, kam er mit einem Becher Wasser zurück, der vielleicht kurz an der Weinkanne gerochen hatte und sich noch fern an den Duft erinnerte, in dem aber kein einziger Tropfen Wein gelandet war. So würde mir Tuktuk zwar keinen puren Wein bringen, aber es würde zumindest ein ordentlicher Schluck im Wasser sein.


    An den Klinen nahm der Sklave meine Hand von seiner Schulter und zeigte mir, wo die Sitzfläche war. Ab dort fand ich mich alleine zurecht, und Tuktuk machte sich auf, den ersehnten Wein zu beschaffen. Wer konnte schon wissen, wie lange diese Familienversammlung dauern würde, da wollte ich nicht auf dem Trockenen sitzen. Ich summte leise vor mich hin, während ich auf seine Rückkehr und auf die weiteren Bewohner der Villa wartete.

  • Sabinus traf bereits einige Minuten vor Beginn des Convents ein. Schließlich hatte er diese Versammlung einberufen und war somit auch für die Organisation verantwortlich. So kam er mit einem Dutzend Sklavinnen, welche diverse Köstlichkeiten in den, bereits vorher hergerichteten, Raum trugen und platzierten. Danach brachten sie die Getränke. Wasser, Wein und zusätzlich noch erlesenen Qualitätswein, welchen man nicht einfach so runterschütte wie den Normalen.


    Recht schnell erblickte der junge Patrizier natürlich seinen Verwandten. Das musste Tucca, sein Cousin dritten Grades sein, der da vergnügt pfiff.


    „Ahh... salve! Du bist ja schon da Tucca, schön dich zu sehen! Wie geht es dir? Hast du schon einen der Anderen gesehen?“


    Dabei entsprach diese Begrüßung nicht wirklich der Nähe der Beiden, sondern war durchaus übertrieben. Jedoch freute sich Sabinus endlich mal wieder einen Claudier zu sehen, nach dem Verschwinden seines Bruders hatte er gar keinen mehr gesehen. Die große Villa schien wie ausgestorben. Vielleicht wusste Tucca ja was los ist.

  • Erst glaubte ich, dass es Verus war, der mich da so jovial begrüßte. Doch es war nicht ganz seine Stimme, so dass es sein Bruder Sabinus sein musste. Sonst kam niemand in Frage, denn Menecrates' Stimme kannte ich ebenfalls. Ich konnte mich nicht daran erinnern, wann genau ich Sabinus zuletzt getroffen hatte. Vermutlich war es auf einem sehr lange zurückliegenden Familienfest gewesen, denn gegensätzlich zu seinem Bruder war er nie mein Gast in Ravenna gewesen.


    "Salve, Sabinus!" grüßte ich zurück und erlaubte mir einen kleinen Scherz auf meine eigenen Kosten. "Hmh, gesehen habe seit etwa zwanzig Jahren niemanden mehr." Ein Grinsen ließ keinen Zweifel daran, dass ich das ganz locker 'sah'. "Aber nein, ich bin heute noch niemandem begegnet. Das passiert in dieser Villa sowieso selten. Wenn du mich fragst, verschluckt das Haus seine Bewohner und spuckt sie nur ab und zu für einen denkwürdigen Moment aus. So wie heute."


    Das mochte etwas merkwürdig klingen, aber so empfand ich es. Manchmal hatte ich mir schon überlegt, ob die Einwohner dieses Hauses nur nicht gesprächig waren und vielleicht ständig an mir vorüber gingen, ich sie nur nie bemerkte. Tuktuk hatte diese Idee allerdings verworfen, denn in seiner Begleitung trafen wir auch selten auf einen Claudier.


    Ich lehnte mich auf der Kline zurück. Zu Begrüßungen aufzustehen hatte ich mir vor langer Zeit abgewöhnt, es war einfach zu umständlich. Da ich nicht wusste, wohin Sabinus sich setzen würde, sprach ich etwa in die Richtung, in der er eben noch gewesen war.
    "Ich habe keinen Grund zu klagen, Rom gefällt mir sehr gut. Und wie geht es dir? Verus hat mir erzählt, dass er in die Politik einsteigen will, und du auch mit dem Gedanken spielst. Hast du dich schon entschieden?"

  • „Dieses Haus verschluckt seine Bewohner...“ wiederholte Sabinus nachdenklich den zweiten Teil des Witzes von Tucca, bis jetzt ohne jede Gefühlsregung. „Da könnte tatsächlich etwas dran sein, könnte man meinen...“ nach einer Pause fügte er jedoch ein kurzes Lachen hinzu.


    Dann begab sich der Claudier zu de dem dem Verwandten gegenüberliegenden Liegegelegenheit und platzierte sich dort.


    „Ja Verus? Wann hast du ihn gesehen?“ fragte Sabinus neugierig, immerhin hielt er seinen Bruder schon für verschwunden. „Ich und Politik? Nun, so wenig wie möglich, wenn es geht. In einigen Tagen werde ich meine Ausbildung in den genauen Riten des cultus beginnen und danach werde ich versuchen in eines der Collegien gewählt berufen zu werden. Wobei mein großer Wunsch die Position des flamen quirinalis ist, aber dazu fehlt mir leider der ordo. An diesem Punkt kommt wohl die Politik ins Spiel... Doch bis es soweit ist würden sich wohl die Stellung des flamen iuliani oder eine Aufnahme als quindecimvir anbieten. Und was planst du?“


    „Nun... wie es mir geht... sagen wir... es geht so... Ich hoffe bei dir steht es besser?“

  • Ruhigen Schrittes, gewandet in einen dieser neuartig glänzenden Rottöne aus dem Osten, betrat Brutus den "Versammlungsraum", um sich sogleich nach ein paar dezenten Kopfbewegungen in Richtung der anwesenden Claudier bemerkbar zu machen.


    Ein "Salve", folgte, nachdem er sich auf eine der Klinen hat niederlassen können.
    Vor genau zwei Tagen erreichte er Rom und wären es auch hundert gewesen, man hätte ihn hier niemals gefunden, wenn er nicht wollte. Große Villen hatten da nicht nur einen repräsentativen Charakter, sondern auch die Eigenart von den Bewohnern als großes Versteck genutzt zu werden.
    Hier wie auch überall sonst.


    Sim-Off:

    Ich spiele eher am Rande mit, denn meine Zeit ist knapp bemessen und ich sporadisch 1-2 Male die Woche da.

  • Ich überlegte, wie lange meine Unterhaltung mit Verus schon her war. Die Zeit in Rom verflog ebenso, wie sie dahin schlich. Sabinus' Stimme drang nun von mir gegenüber an mein Ohr und ich vermutete, dass er sich ebenfalls gesetzt hatte. Mein Gesicht folgte daher dieser Richtung, auch wenn meine Nase wohl eher auf den Tisch wies.


    "Das ist schon wieder eine ganze Weile her, es war nicht allzu lange nach eurer Ankunft hier in Rom. Ich nehme an, er treibt seine Karriere voran. So etwas ist immerhin eine Menge Arbeit, wenn man sie selbst tun muss. Da sich Menecrates meines Wissens nach politisch nicht gerade sehr aktiv zeigt, wird Verus viel selbst tun müssen."
    Der weg in die religiösen Collegien hörte sich da schon um einiges einfacher an. Wenn es wirklich so einfach war, wie Sabinus erzählte.


    "Ich?" fragte ich dann etwas überrumpelt. Es kam nicht oft vor, dass man mich nach Plänen fragte. Obwohl ich mich längst daran gewöhnt hatte, nicht in das familiäre Schema zu passen, war es mir gerade gegenüber der Familie doch immer irgendwie unangenehm, es zuzugeben. "Ich habe nichts spezielles vor."


    Wo blieb nur Tuktuk mit dem Wein? Ich wollte gerade Sabinus' Frage nach meinem Befinden übergehen, um von mir abzulenken, und bezüglich des seinen genauer nachhaken, als eine neue Stimme ertönte. Derjenige, zu dem sie gehörte, saß anscheinend schon, und ich fragte mich, wie lange er dort wohl schon saß. Da ich auf das Gespräch mit Sabinus konzentriert war, hatte ich nicht auf die Geräusche um mich herum geachtet.


    "Salve", grüßte ich in Brutus' Richtung zurück, ein bisschen verwirrt über die neue Stimme, die zu keinem mir bekannten Bewohner dieser Villa passen wollte. Das war natürlich ein Umstand, den ich sofort beseitigen musste. "Ich glaube, wir sind uns noch nicht über den Weg gelaufen, zumindest könnte ich mich nicht daran entsinnen. Ich bin Tucca, Nero Tucca, Sohn des Tiberius Maximus."



    Sim-Off:

    Ich für meinen Teil habe es nicht eilig.

  • Die allgemeine Verwirrung, die wohl ohne solch tiefreichende Wurzeln und ein intelektuelles Niveau geherrscht hätte, wäre in solch einem Moment wohl geradezu dramatisch gewesen. Doch alle Anwesenden hatten einen gewissen Stand und, was in erheblichem Teil zu dieser entspannten Atmosphäre beitrug, eine gewisse Erziehung genossen.
    Auch Brutus war dieses Gesicht gänzlich unbekannt und nach der Vorstellung des Tucca versuchte er eben diesen im versponnenen Geflecht des Claudischen Stammbaumes einzuordnen.


    "Ich ebenfalls nicht, Nero Tucca."


    Entgegnete er nach einigen Augenblicken und nahm sich wieder die erforderlichen Sekunden, um seinen Verwandtschaftsgrad zu dem Mann zu finden. Und er hatte ihn dank der qualvollen Stunden der Familienhistorie, die Vater ihm nur zu gerne hatte aufbürden lassen.


    "Ich meinerseits bin Lucius Claudius Brutus, Sohn des Senators Claudius Menecrates und Claudia Ofella. Du musst wohl, wenn ich nicht irre, mein Onkel zweiten Grades sein."


    Nun ja, das war natürlich vage geschätzt und er hoffte, dass die Blöße eines Fehlers ihn nicht traf. Dennoch war man gegen solch widrige Verstöße nie gefeit.


    "Senator Claudius Macrinus Restitutor war mein Großvater."


    Diese Erwähnung mochte überflüssig sein, da sein Vater wohl zur Einschätzung reichte, aber kleine Hilfestellungen waren erlaubt, wenn man sich noch nie erblickt, geschweige denn voneinander gehört hatte. Und ein falscher Anfang nahm auch meist ein falsches Ende. Dies galt es zu vermeiden.
    Den anderen Mann kannte er ebenfalls nicht, wartete jedoch, um diesem die Gelegenheit zu geben zu vorzustellen. So war es Sitte und höfliche Manier.

  • „Wie soll ein Geist sich auch politisch betätigen?“ fragte Sabinus in einem bissigen Ton. Es war ja kein Problem, wenn man sich etwas entspannte, aber man konnte doch wenigstens der Familie bescheid sagen. „Verus ... nun, ich werde ihn wohl in der nächsten Zeit dann mal suchen lassen. Nicht das er in Schwierigkeiten steckt.“


    Scheinbar war Tucca das Thema der Tätigkeit unangenehm. Er gehörte wohl zu denen, welche einfach ihr Leben genossen. „Und wie sieht es mit einer der Kultbruderschaften aus? Hättest du Interesse dich dort einzubringen? Das Maß an Arbeit hält sich, auf das ganze Jahr gerechnet, in Grenzen.“


    Dann betrat Brutus den Raum und Tucca begrüßte ihn sogleich. Dem folgte Sabinus dann auch: „Salve, meine Wenigkeit ist Appius Claudius Sabinus, Sohn des Marcus Claudius Arbiter und der Manlia Pietas.“ Da anscheinend auch Brutus seinen Großvater angab, so machte er dies auch. „... und mein Großvater ist Tiberius Claudius Verborum, unser Stammvater.“


    Anscheinend hatte Brutus auch nichts weiter vor, so verstand er dessen Aussage auf jeden Fall. So wie er mal hörte, kannte er sich jedoch sehr gut mit dem Kult aus. Vielleicht hätte er noch einige Fragen an ihn in diesem Bereich.


    Sim-Off:

    Kein Problem, wir sind ja nicht die Autoren von Groschenromanen. Ich möchte nur darum bitten, wenn man mal nicht kann, dass man sich abmeldet, und dass man bestimte Themen im Forum nicht einfach aussterben lässt. Wobei ich selbst hier natürlich auch nicht ganz frei von Schuld bin. Wir sollten jedoch so fair sein und die Patrizier IDs gut zu nutzen, besonders da die Slots der Flavia und der Claudia ja begrenzt sind.

  • Dass Sabinus seinen Großvater angab, verwunderte ihn ein wenig. Schließlich wusste er, dass eben jener sein Urgroßvater war, ließ sich jedoch nichts anmerken. Brutus war dann wohl einfach nur eine Generation weiter. ;)


    "Merkwürdig, ich habe bis heute eure Namen nur in den Aufzeichnungen unseres Stammbaumes gelesen, euch jedoch noch nie zu Gesicht bekommen. Vielleicht liegt dies auch einfach an der Tatsache, dass ich bis vor Kurzem in Hispania, genauer gesagt Tarraco, als Sacerdos meinen Dienst vollführte."


    Nun hatte er die Priesterschaft verlassen, da er dies nun nach einem Jahr nicht als seine Berufung empfand und der andere Grund war ein lächerlicher. Schlichtes Heimweh.


    "Und wie lange weilt ihr in Rom?"


    Seinen Vater hatte er bisher ebenfalls noch nicht gesehen. Wobei dieser sicherlich die vielen neuen Verpflichtungen eines Senators als Entschuldigung würde anführen. Und obgleich er ein Mann, so hatte er das beunruhigende Gefühl seinen Vater das Jahr über vermisst zu haben. Von seiner Mutter abgesehen, an dessen Brust er sich am liebsten wieder schmiegen würde. Wie damals, als das Leben noch ein Spiel ohne Verpflichtungen und Arbeit war.

  • Menecrates' Sohn war wieder in Rom? Dahin war mein Informationsgrad und ich musste wohl dringend mal mit Tuktuk sprechen. Wenn er das nächste Mal Informationen einholte, sollte er das in der Küche tun. Essen musste schließlich jeder irgendwann, so dass man dort immer über alle Bewohner des Hauses informiert sein sollte.


    "Onkel zweiten Grades, genau. Menecrates ist mein Vetter." Ich hoffte, damit nicht meine Lücken bezüglich der Familiengraduierung entblößt zu haben. Xte Grade waren mir immer viel zu mühsam gewesen, Verwandtschaft blieb Verwandschaft, und die Namen der Väter und Großväter sagten meiner Meinung nach genug aus.


    Ich dachte kurz über Sabinus' Worte bezüglich seines Bruders nach. An den Schwierigkeiten mochte etwas dran sein, immerhin waren wir in Rom. Dann allerdings riss er mich neuerdings aus meiner Ruhe.
    "Kultbruderschaft?" Ich hörte die Ungläubigkeit meiner eigenen Stimme, doch es war schon zu spät, um sie zu verbergen. Meinte er das ernst? Ich kramte in meinem Gedächtnis, wann das wohl gewesen war, dass wir uns zuletzt begegnet waren. Vielleicht wusste er es gar nicht, hatte es nie zur Kenntnis genommen. Warum auch, ich hatte schließlich nie viel Aufmerksamkeit auf mich gelenkt. Und wer es nicht wusste, der mochte nicht unbedingt bemerken, dass ich blind war.
    "Ich weiß nicht ...", sagte ich zögerlich, irgendein anderes Thema suchend, doch mir wollte keines einfallen.


    Brutus lenkte glücklicherweise mit seinen Überlegungen wieder die Aufmerksamkeit auf sich. Er war also auch dem religiösen Pfad gefolgt, ein durchaus ehrenvoller Weg für einen Patrizier.
    "Ich lebe üblicherweise in Ravenna", erklärte ich meine langjährige römische Abwesenheit. Ich schätzte Brutus auf nicht älter als zwanzig. Ich wusste, dass er jünger als seine Schwestern war, so dass ich ihn vermutlich nie zu Gesicht bekommen hatte.
    "In Rom bin ich etwa seit dem Frühjahr. Was treibt dich zurück nach Rom, Brutus? Hat man dich zurückbeordert?"
    Patrizier in irgendwelchen Provinztempeln werkeln zu lassen, war eine Verschwendung, ganz besonders, wenn es Claudier waren. Claudier gehörten nach Rom. Mich natürlich ausgenommen. Die einzige claudische Rolle, die mir zukam, war die eines willigen Ehemannes, wenn irgendwer eine Verbindung mit irgendeiner Familie brauchte, in der es nur Töchter gab. Ich hatte das schon zwei Mal hinter mich gebracht und würde es vermutlich wieder tun, auch wenn ich keinen großen Wert darauf legte.

  • Zuerst antwortete Sabinus Brutus: „Sicher aber genauso daran, dass mein Bruder und ich bis vor Kurzem in achaia war, auf einer Akademie. Nun sind wir seit einigen Monaten wieder in roma, in der Zeit warst du wohl dann in hispania.


    „Wirst dann wieder hier im cultus tätig sein?“ fragte Sabinus neugierig. Vielleicht würden sie ja bald zusammenarbeiten.


    Auf die zögerliche Antwort von Tucca reagierte Sabinus mit einem entnervten Stöhnen. Die Leute würden es so weit treiben, bis die Götter auch „nicht mehr wussten“.

  • Was hätte er darauf antworten sollen, wenn er es selbst nicht wusste.
    Also hielt er es lieber ein wenig allgemein und spekulierte selbst, als ein einfaches Zucken mit den Achseln als Antwort zu geben.


    "Es waren wohl mehrere Umstände, so glaube ich. Die Abgeschiedenheit Tarracos tat mir am Anfang gut, so wie ich es auch erhofft hatte, doch nach einem halben Jahr kam die Sehnsucht nach der Familie, nach Rom, ja, die Sehnsucht nach dem pulsierenden Leben. Ich bin als Mensch eher dem Lande angetan, doch eines der zahlreichen Sprichwörter hat sich in meinem Falle sehr gut bewahrheitet: Wenn man seine Sehnsüchte erreicht, wird man ihnen leicht überdrüssig.
    So war es wohl. Zudem hat der Cultus Deorum an sich, zumindest momentan, für mich die notwendige Attraktivität verloren und ich bin mir bewusst geworden, dass mir die Reife dafür fehlt."


    Ein vernichtendes Geständnis, wäre er vor dem Senat oder der Rostra so aufgetreten. Aber es waren seine Verwandten, Menschen, die wenn auch nicht gerade so nahe bei ihm standen, sich sogar aus rationalen Gründen nicht dazu entschließen würden dieses Geständnis öffentlich gegen ihn zu verwenden. Schließlich gehörte er zur Familie und wenn sie ihn diffamierten, diffamierten sie sich dadurch selbst. Also war hier Wahrheit angebracht, vielleicht sogar erwünscht.


    "Ich werde wohl noch einiges an Erfahrung sammeln müssen, bevor ich meinen weiteren Lebensweg beschreite."


    Wobei es ihn natürlich in solch einem Augenblick sehr interessierte, welche Pfade die beiden Verwandten einzuschlagen gedachten. Er würde sie noch fragen, falls das Gespräch nicht darauf abzielen sollte. Er war schließlich hier und gedachte auch etwas länger hier zu bleiben. Zeit hatte er ja.

  • Brutus' Eingeständnis und seine Zukunftsaussichten machten mir wieder einmal bewusst, wie einfach ich es hatte. An einen Claudius an sich wurden schon einige Erwartungen gestellt, aber bei dem Sohn eines Senators war es vermutlich noch schlimmer. Cultus Deorum, Cursus Honorum, Kultbruderschaften, politisches Kalkül hier, Familienpolitik da, und bei allem saß nicht nur die lauernde Verwandschaft im Nacken, sondern dazu auch noch die politischen Gegner. Ich konnte wirklich nicht behaupten, dass ich dieses Leben vermisste.


    "Wie alt bist du, Brutus?"

  • „Die Attraktivität verloren... so?“ sagte Sabinus etwas verwundert. Scheinbar ging es vielen Römern nur darum, was ihnen gerade Lust bereitete. Nun, aber er war nicht der Vater von Brutus, so ging ihn das nicht so viel an, wie er in den ersten Momenten meinte. „Und was planst du dann als Nächstes hier in roma?“


    Tucca schein sehr zurückhaltend zu sein. Nicht nur in diesem Gespräch, sondern auch in seinen Ambitionen. Sabinus fragte sich nur warum. Brutus schien eher mit seiner Jugend zu ringen, aber das war es bei Tucca wohl kaum. Er würde dies wohl mal mit ihm besprechen, aber persönlich und allein.

  • Es musste eine Laune der Götter gewesen sein, die Menecrates für Monate an das Bett gefesselt hatte. Seit ein paar Tagen fühlte er sich besser, weswegen er zum Termin der geplanten Zusammenkunft den Versuch unternehmen wollte, sein Zimmer zu verlassen. Er stützte sich sowohl auf einen Stock als auch auf die Schulter eines Sklaven und schlurfte auf den Gang hinaus.
    Bereits nach wenigen Schritten verschnaufte er, dann setzte er sich wieder in Bewegung. Ein Seufzer der Erleichterung rutschte über seine Lippen, als er den gesuchten Raum erreichte.


    "Ein Stuhl mit Arm- und Rückenlehne", wies er die Türsklaven an, als er über die Schwelle trat. Er hörte in seinem Rücken das Hantieren der Sklaven, während er sich den Klinen näherte. 'Wenn das Sitzen mit der Zeit zu beschwerlich wird, kann ich ja auf eine der Liegen wechseln', dachte er.


    "Salvete!" Die Stimme besaß Festigkeit, nur der Körper wankte. Er nickte Tucca und Sabinus zu, bevor er sich an seinen Sohn wandte. "Schön, dich zu sehen, Lucius."

  • "Siebzehn."


    Antwortete er knapp und unterließ eine Gegenfrage. Dies war unschicklich. Aber er hatte dies auch nicht nötig, schließlich sah Tucca nicht allzu alt und nicht zu jung aus. Vielleicht war er in den Zwanzigern, so schätzte er.


    Danach wandte er sich Sabinus zu und bemerkte eine gewisse Bissigkeit in dessen Kommentar. Nun, womöglich gedachte jener selbst den Dienst an den Göttern zu verrichten. Wünschenswert war es ja, schließlich musste die Familia überall vertreten sein.


    "Ich werde mich der Vervollständigung meiner Bildung widmen.


    Entgegnete er nichtssagend. Vielleicht würde er es tatsächlich tun, wenn ihm danach war oder die Langeweile ihn packte. Aber zuerst musste er finden, wonach er am meisten suchen musste: Seinem Lebensweg.


    "Salve, Vater."


    Kam darauf hin von ihm, denn er hatte Menecrates schon aus dem Augenwinkel kommen gesehen, es jedoch vermieden den Vater vorher anzusprechen. Schließlich musste er taktieren, um zu erfahren, ob und in welchem Maße der Vater erzürnt über seine Rückkehr war. Eigentlich wollte er ihm ja schreiben, aber die Zeit und die Lustlosigkeit waren beides unüberwindbare Hindernisse gewesen.

  • Der gewünschte Stuhl kam, während Brutus seinen Gruß entrichtete. Mencrates ließ sich auf die gepolsterte Sitzfläche sacken, denn die ungewohnte Bewegung hatte ihn angestrengt und erschöpft. Er staunte, wie schnell sich Muskeln durch fortwährendes Liegen zurückbildeten.


    "Einen roten Wein von möglichst süßen Früchten", bestellte er, ohne den Blick von seinem Sohn zu wenden. "Ich bin nicht mehr auf dem Laufenden, was deine Ausbildung betrifft. Seit wann bist du eigentlich wieder hier? Kannst du mir berichten, was in der Zwischenzeit an Wichtigem geschehen ist? Oder kann das vielleicht auch jemand anderer übernehmen?"


    Menecrates sah sich im Raum um. Er vertraute zwar seinem Verwalter, wusste jedoch auch um dessen begrenzte Einsicht in gewissen Kreisen.

  • Die ihm geradezu in die Augen springende Mühe, die sein Vater aufbringen musste nur um sich zu legen, erstaunte ihn. Ihm wurde von keiner Krankheit, Schwäche oder sonstigem Gebrechen seines Vaters berichtet. War dieser denn überhaupt im Senat, um wenigstens die Präsenz der Claudier zu wahren?
    Brutus bekam es in diesem Moment mit einem Anflug von panischer Angst zu tun. Seine Augen zuckten von links nach rechts, während er apathisch auf den Boden vor ihm starrte.
    Er wusste, was dies signalisierte, bevor sein Vater, an irgend einem dieser grässlichen grauen Tage in Rom, der Vorahnung würde Worte folgen lassen. Ja, er wusste es, dass ihm bald die Jugend und die Freiheit für Fehler würde genommen werden.
    Wenn sein Vater wirklich ein Gebrechen hatte, dann war es seine heilige Pflicht, diese scheußliche und grausame Pflicht, die politische Laufbahn zu betreten und mit anderen um Ehre und Amt zu streiten. Wenn kein Claudier würde dies übernehmen können und wollen, dann war er dran.
    Die Geburt war sein Verhängnis, stellte Brutus in diesem Moment fest und blickte zu seinem Vater mit voller Tränen gefüllten Augen auf.


    "Seit ein paar Tagen, Vater."


    Er riss sich für diesen einen Satz zusammen, denn dies war eine weitere Bürde seiner Geburt. Niemals Schwäche zeigen.
    Wie verwerflich seine Pläne doch waren. Einfach den Dienst an den Göttern zu quittieren und hierher zurück zu kehren, zu seinen Wurzeln, zu seinen Schriften und Lehrern. Einfach die Zeit zurück zu drehen und das sorgenlose Leben eines Kindes führen. Ja, es war ein Fehler. Im Vergleich zu seinen bevorstehenden Aufgaben war der Dienst in Tarraco geradezu ein Vergnügen gewesen.


    "Ich - Ich gehöre nicht mehr der Priesterschaft an."


    Stammelte er und blickte dabei fortwährend zu dem farbenfrohen Mosaik im Triclinium. Am liebsten würde er es in diesem Moment Stein für Stein kopieren wollen, als Strafe, als Beschäftigung, als Flucht vor der Verantwortung. Irgend eine stupide Aufgabe, um der Pflicht doch noch den Rücken kehren zu können. Wenigstens für eine Weile.

  • Menecrates griff nach dem gereichten Becher und nahm zunächst einen Schluck. Der edle Saft hinterließ ein warmes Gefühl, als er die Kehle hinabrann. Mencrates beorderte einen Sklaven an seine Seite, der ihm zwischen den Schlucken das Halten des Bechers abnahm, damit er sich auf das Gespräch konzentrieren konnte.
    Er ging bereits in der Annahme, dass während seiner Krankheit einiges an Veränderung stattgefunden hatte, aber dass sein Sohn nicht mehr im Dienst der Götter stand, erstaunte ihn.


    "Tatsächlich? Du siehst mich überrascht." Menecrates nutze eine Trinkpause zum Nachdenken. Er fragte sich, ob ihm in den vergangenen Monaten Informationen entgangen waren, konnte sich aber an nichts Relevantes erinnern.


    "Wer hat diese Entscheidung gefällt und warum?"

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