Gedankenverdrossene Schiffsschnäbel

  • Die letzten Strahlen der Herbstsonne beschienen mich als meine Schritte über die Foren zur Rostra trieben. Warum wusste ich nicht, vielleicht waren es die Geister der Vergangenheit die mich hierher trieben. Vielleicht das entfernte Echo vergangener Reden die sich tief auch in mein Herz eingegraben hatten. Den Macrinius hörte ich hier, den Creticus, den Anton, doch stets war ich nur Zuschauer gewesen denn stets war ich nur Gast in dieser Stadt. Zu lange war es her seit ich hier lebte, zu lange.


    Ein kleiner Vogel hatte sich auf einen der Schiffsschnäbel gesetzt und ich sog ein Brot aus dem Reisemantel um ihm etwas abzugeben.


    Sim-Off:

    Wer möchte kann sich dem Vogelfüttern spontan anschließen, Dolabella kennt ja keinen in Rom.

  • Die Rostra. Geminus war schon ziemlich lange nicht mehr hier gewesen. Eigentlich war er schon fast überall länger nicht mehr gewesen. Ihn befiel nur bisweilen eine bleierne Schwermut, die es schwer machte sich für irgendetwas zu engagieren. Und wenn es nur das in den Garten gehen war.


    Doch heute hatte er sich einmal aufgerafft, um die Stätten der Geschichte, der Römischen, wie der eigenen, einmal wieder zu besuchen.


    Grüblerisch war seine Laune. Er hatte keine Ahnung was die Stadt beschäftigte, diese Blindheit gegen die Zeit, die sich bei ihm eingebürgert hatte, brachte ihm zwiespältige Gefühle. Zum einen war es recht wohltunend neben dem Geschehen zu stehen, zum anderen aber auch beunruhigend.


    Der Mann da fütterte Vögel ....


    Ein seltsamer Anblick an diesem Nabel der Welthistorie. Irgendwie kam ihm das Gesicht bekannt vor, dunke, sehr dunkel sogar. Trotzdem blieb er stehen.

  • Als ich gerade an eine Rede des Scribonius Curio dachte die dieser gehalten haben musste als ich mit Silla auf der Durchreise nach Narboniensis war flog der Vogel kurz erschreckt auf worauf ich mich umsah und einen Senator erblickte der mir zusah. Wäre ich ein Städter, oder besser immer noch ein Städter so hätte ich mir jetzt vielleicht Gedanken um die Schicklichkeit des Vogelfütterns und dessen Angemessenheit für einen Patrizier gemacht tat es aber nicht.


    Stattdessen kam mir der Mann bekannt vor, in einem Maße sogar, welches weit über ein "Ich habe schon mal einen Senator gesehen" hinausging und mir dünkte diesen schon einmal bewirtet zu haben. Damals. Daheim. Mit Silla. Der Vogel flog davon doch der Name viel mir nicht ein.


    Senator... ergriff ich mich grüßender Geste das Wort


    ... gedenkt ihr noch meiner? Damals in Cosentia? Doch wie kann ich das annehmen? Faustus Tiberius Dolabella erinnert sich allerdings euer, wenn auch mit Trauer im Herzen.

  • Erst die Worte des Mannes rissen Geminus aus seinen Grüblereien. Er war wohl zu lange stehengeblieben, um noch teilnahmslos zu wirken.


    Senator ....


    Diese Anrede hatte er auch schon lange nicht mehr gehört. Sie war ihm richtig ungewohnt geworden. Fast geistesabwesend strich er über den latus clavus seiner Toga. Senator von Rom war er ....... besserer Tempus, war er mal gewesen ....


    Kurz zuckte spöttisch sein Mundwinkel.


    "Salve, amice!"


    Gedenken ...... Cosentia. Zu häufig war erin dieser Region ja eigentlich nicht gewesen. Im Süden schon, aber fast immer nur gen Brundisium.


    "Faustus Tiberius Dolabella."


    Geminus sprach den Namen eher unbewusst laut aus, mehr um sich selber, seinem Kopf, auf die Sprünge zu helfen.


    Mit Trauer im Herzen. Geminus war versucht das Gesicht bei einer Reise einzuordnen. Auf einem abgebrannten Landgut. Er war dort kurz zu Gast gewesen.


    "Ich glaube mich auch zu erinnern, kann es sein, das Fortuna Deinem Leben nicht immer hold war?"

  • Nicht immer... wie ein Echo nahm ich seine Worte auf und sie schallten bis in mein Innerstes


    Eigentlich nur einmal nicht und zwar seit dem Brande und seitdem niemehr antwortete ich ihm und dem Echo und wollte es irgendwie vertreiben


    Ich habe aber nicht zu klagen, nichts, ausser das ich lebe. Doch will ich euch mit manch morbidem Gedanken nicht belästigen denn meine Zeit ist, so denke ich zumindest oft, eine vergangene. Geht ihr ein Stück mit mir?

  • Nicht immer ... seit dem Brande. Es war der Mann, bei dem er damals eingekehrt war. Geminus versuchte sich an die genauen Umstände zu erinnern, doch brach sich der Strom der Bilder bislang nicht Bahn.


    Der Blick des Mannes wurde trübe. Die Erinnerung, die er ihm voraus war, war definitiv keine gute. Sogar eine existenzbedrohende. Der Helvetier war sich nicht sicher, ob der Mann die Entscheidung über ein neues Leben ... danach ... bislang hatte eindeutig treffen können.


    "Ihr hadert sehr mit dem Leben, wie ich sehe. Hat es seit dem denn keine hoffnungsvollen Dinge mehr gebracht?"


    Die melancholische Laune des Mannes zog Geminus eher an, als die nervtötende Fröhlichkeit manch anderer Zeitgenossen. Er hatte sich sogar schon dabei ertappt weit seniler zu erscheinen, als er war, nur um derartige Vögel abzuwimmeln ... er ging also gerne auf das Angebot ein.


    "Ich gehe gerne einige Schritt mit euch."


    Seine Zeit ist die Vergangemheit. Er scheint wirklich dort zu leben, in den Tagen der Vergangenheit. Zu dieser Zeit erstarrte für ihn die Zeit, wie es schien. Das war zumindest der grobe Eindruck.

  • Ich dankte ihm kurz und deutete mit der Hand Richtung Templum Divii Iulii


    Zitat

    Original von Titus Helvetius Geminus
    "Ihr hadert sehr mit dem Leben, wie ich sehe. Hat es seit dem denn keine hoffnungsvollen Dinge mehr gebracht?"


    Hoffnung muss man haben wollen, meint Ihr nicht? Doch mit aufkeimender Hoffnung stirbt vielleicht eine Erinnerung die lieb und teuer ist. Doch ich will euch...


    Wie war der Name... Ich rang mit meinem Hirn und meinen Jahren... Helvetius, ja... Aber wie weiter


    ...nicht mit dem langweilen was nur auf mir lastet. Ich kam nach Rom um zu arbeiten. Für Rom. Für meine Familie die ich lange nicht sah.


    Sagt, wie geht es der euren?

  • Der Einladung folgend liefen wir nebeneinander durch die Menschen.


    "Ja, da habt ihr recht, Hoffnung muss man zulassen ..."


    Das Thema behagt ihm nicht wirklich, also ließ der Helvetier es dabei bewenden. Er bemerkte die Pause beim Versuch des Gegenübers seinen Namen zu nennen. Hatte er sich nicht vorgestellt? Scheinbar nicht.


    "Verzeiht ... Titus Helvetius Geminus, ist mein Name.


    Um zu arbeiten. Ein löbliches Ziel. In welche Richtung von Arbeits und Dienst am Vaterland tendiert ihr denn?"


    Für meine Familie die ich lange nicht sah .... also gab es dort zumindest noch jemanden, das war irgendwie tröstlich.


    .... Sagt, wie geht es der euren? ....
    Meiner Familie. Gab es die Helvetier denn überhaupt noch? Ein aussterbendes Relikt der Vergangenheit. Veraltete Ansichten, versiegte Loyalitäten und verdorrte Lorbeeren.


    "Meine Familie ist ..... "


    Ein zugleich passendes und nicht zu verbittert klingendes Wort, wollte ihm einfach nicht einfallen. Also ging er einfach darüber hinweg.


    "Mein Sohn ist vermisst ... erneut. Meine Tochter steckt die Götter wissen wo. Mein Bruder ist tot. Helvetius Verus stellt sich tot und Publius Helvetius Gracchus müsste noch irgendwo leben, wenn ich mich richtig entsinne."

  • Froh über den gewonnenen Namen nickte ich ihm kurz und respektvoll zu


    Rom hat sich verändert doch für manche stand die Zeit still, ich für meinen Teil habe mich überholt und weiss zuwenig über diese Zeit.


    mein Blick galt nun dem Tempel der in Sichweite seine majestätischen Flügel vor uns ausbreitete
    [Blockierte Grafik: http://img209.imageshack.us/img209/4084/temiuliixc8.gif]


    Wisst ihr wo Iulianus begraben liegt? Ich würde ihm gerne opfern...


    Ein Abschiedsopfer, dachte ich bei mir. Ein letztes Lebewohl an eine vergangene Zeit an die ich mich nicht weiter klammern wollte. Zumindest vom Kopfe her, Herzen klammern sich mein fester

  • "Rom verändert sich stetig, so war es aber auch schon immer. Macht und Bedeutung verschiebt sich, ebenso wie Richtungen des politischen Handelns."


    Sollte Geminus etwas hineindeuten, dass der Mann sein gewolltes Betätigungsfeld verschwieg.


    "Julian? Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich nicht weiß wo mein Freund ruht. Ich war zum Zeitpunkt all dieser schrecklichen Ereignisse nicht ganz auf dem Posten."

  • Schon von weitem sah Herostrat seinen Herrn und eilte zu ihm um ihm ggf. eine Hilfe und ein Schutz zu sein. Wie der Bug einer durch das Wasser schießenden Trireme ragte er hoch über die Köpfe der anderen die allein schon wegen seiner Größe einen Schritt zur Seite traten als er an ihnen vorbei eilte.


    Als er seinen Herrn erreicht hatte stellte er sich neben diesen und fixierte Senator Geminus mit aufschätzdendem, aber nicht unfreudlichem Blick.

  • Meine beschwichtigende Geste galt Herostrat, der ob dieser ein wenig lockerer wurde und sich eher umsah als Löcher in den Senator zu starren als ich mit diesem an meinem Custos Corporis vorbeiging.


    Das ist Herostrat, mein Leibsklave. Meine Frau fand es einst... ich schluckte bitter, sprach aber gefasst weiter


    ..eine gute Idee einem Ägypter diesen Namen zu geben. Vielleicht war es kein gutes Omen.


    Nach einigen Schritten erhob ich wieder die Stimme


    Mein Bruder müsste in Rom leben, ansonsten mangelt es an nahen Verwandten oder gar Freunden die mir Türen öffnen können deren Existenz ich noch nicht mal kenne. Ich brauche nämlich eine Aufgabe.


    Lasst uns doch in den Tempel gehen, dann finden wir es heraus. wechselte ich wieder von meinen Gedanken in die Realität

  • Geminus musterte den Mann. Ein wahrer Riese von einem Kerl. Wenn er noch mit Geschick ausgestattet wäre, so könnte er eine wahre Attraktion in der Arena sein.


    "Pikante Namensgebung, fürwahr."


    Tiberius Dolabella.


    "Die Gens Tiberia ist doch durch meinen Parton patrizisch geworden und sollte ihren Einfluss doch für einen ihrer Sprossen positiv nutzen können? Eine Aufgabe? Keine konkreten Gedanken dazu?"


    Schlägt den gewiesenen Weg ein.


    "Natürlich, nur zu."

  • Doch sicher, Primicerius a libellis wäre etwas für den Anfang, doch möchte ich in Rom nicht allein dadurch beginnen ein armer Vetter reicher und berühmter Verwandtschaft zu sein. sinnierter ich fast schon für uns beide


    Aber vielleicht ist das dumm, doch ist mir die Bitstellerei zuwider. Wenn ein Vetter käme und sagte "ich brauche jemanden" würde ich einschlagen, doch möchte ich nicht bitten müssen.


    Mein Blick war offen als ich stehenblieb und ich sah ihn an


    Dumm, nicht wahr?

  • "Also die Administratio Imperatoris soll es sein. Also keine kleinen Brötchen backen, was?"


    Kichert verschmitzt. Und wird gleich darauf wieder ernst.


    "Ehrgeiz ist nichts schlechtes, solange man dabei eben nicht mit Ehre geizt. Sondern diese zeigt und einfordert. Julian schaute immer sehr darauf, wer sich für den direkten kaiserlichen Dienst interessiert. Wie es Valerian heute damit hält, ist mir nicht bekannt. Aber Kontakte zum Kaiserhof würden es sicher begünstigen. Aktuelle Kontakte."


    Dies sagte er ausdrücklich, um klar zu machen, dass die eigenen recht eingerostet sind.


    "Das Vertrauen in das eigene Können, dem Wirken der Familia vorzuziehen, ehrt Dich. Leider eine seltene Einstellung in unseren Tagen."


    Die Einstellung des Mannes gefiel Geminus immer mehr.


    "Ich teile Deine Ansicht. Immer für getreue da sein, sie selber aber so selten wie nötig selber in Anspruch nehmen müssen."


    Dumm, nicht wahr? ..... Geminus kam ins Grübeln.


    "Nach einer veralteten Definition wird Torheit gleichgestellt mit der Abwesenheit - respektive das nur geringe Vorhandensein - von Intelligenz bei einer Person. Außerdem kann als eine Dummheit auch eine im Nachhinein betrachtet nicht besonders überlegte Tat bezeichnet werden. Die heute zu gebrauchende Definition der Dummheit ist viel komplexer: eine Person, die etwas nicht versteht oder nicht verstehen kann, ist nicht dumm. Dumm ist die Person, die etwas versteht, aber so handelt als hätte sie es nicht verstanden. Die Dummheit könnte auch als defizitärere Intelligenz der untalentierten Menschen bezeichnet werden. Diese Menschen besitzen eine schwach entwickelte, manchmal gar unentwickelte Vorstellungskraft. Schwaches Urteilsvermögen, Unachtsamkeit. Größenwahn, Hochmut."


    Er fixiert sein Gegenüber.


    "Handelt also dumm, wer sich an einen Moralcodex hält, den seine Umwelt nicht mehr teilt? Ist Idealismus also Dummheit?"


    Sein Blick wird fragend ... wie würde das Dolabella bvewerten?

  • Zitat

    Original von Titus Helvetius Geminus
    Handelt also dumm, wer sich an einen Moralcodex hält, den seine Umwelt nicht mehr teilt? Ist Idealismus also Dummheit?


    Per se mitnichten, Senator. Es kommt vielmehr auf die Taten an die aus dem Idealismus entspringen. Wer zum Beispiel in diesen Tagen an die Ideale und den organisatorischen Aufbau der alten Republik glaubt mag dies tun, das Träumen sei niemandem verwehrt. Doch wer daraus praktisches Handeln ableitet um diese Tage wiederzuerwecken ist ein Tor der den Tod verdient.


    Ich trat ein Steinchen ein Stück weit und es flog durch die Beine eines herumstehenden Eques was mir Freude machte


    Es kommt aber auch darauf an welche Ziele man mit seinem Tun verbindet denn wenn zwei das gleich tun so kann trotzdem einer ein Tor und einer ein Philosph sein. Ich zum Beispiel lebte über Jahre auf dem Land, ließ es bestellen doch mein Land hatte nicht die Größe um wirtschaftlich neben den großen Latifundien bestehen zu können doch ich tat es gerne, hatte ein Zuschussgeschäft und wir waren glücklich dabei. Das nenne ich philosophisch, hätte ich genauso gehandelt mit der Absicht ein Vorbild zu sein um damit zu erreichen das alle so leben so wäre ich ein Tor...


    wieder blieb ich kurz stehen und reckte den Kopf in die Sonne


    Iulianus war euer Patron? Wie war er als Mensch? Der Götterkult um ihn, wäre er ihm recht gewesen?

  • Geminus nickte gemächlich. Die Antwort gefiel ihm und stellte ihn zufrieden. Die republik wieder auferstehen lassen .... da hatte er genau den Richtigen erwischt. Als Advocatus Imperialis hatte Geminus damals juristisch Jagd auf die republikanischen Verschwörer gegen Trajan gemacht. Und sein Sohn Falco auf seine ... brachiale Art und Weise tat damals das gleiche. Die helvetischen Rächer der Gens Ulpia, hatte sie Kaiser Julian einmal genannt.


    "Die Taten, die aus dem Idealismus entspringen ... wohl wahr. Verblendet seinen verlebten Träumereien nachlaufen ist genauso verfehlt, wie an nichts zu glauben. Mir sind Männer mit Idealen trotzdem stets lieber, mit römischen Idealen. Denn nicht jeder Kampf darum, muss vergebens sein."


    Geminus sah ausdruckslos den Eques an, der zunächst mit den Augen dem Stein folgte. Sich umdrehte. Das Gesicht in Ärger verzog. Das Pflaster entlang sah. Den Blick hob. Einen Senator sah. Der Blick klarte unglaubig dümmlich auf. Den Fleischberg eines Sklaven sah er gleich darauf. Nun weitete sich sein Antlitz außerordentlich. Nach einem aufflackernden Grinsansatz ging er seiner Wege.


    "Julian, ja ... ich war sein Klient und Freund. Kamerad und Ratgeber. Wie er als Mensch war? Das kann ich nur über die Jahre sagen, wo ich ihn kannte, er soll sich später etwas verändert haben. Er war Trajan im Wesen sehr ähnlich. Ein großer Bezug zum Militär. Die Legio Prima und die Praetiorianer waren ihm stets am liebsten, es schmerzte ihn oft, dass er nicht mehr Zeit also Soldat verbringen durfte. Und das heißt nicht, dass er kriegslüstern war, ganz und gar nicht. Er liebte seine Krieger, aber nicht den Krieg. Für die Rechtsprechung konnte er sich auch sehr begeistern. Dekrete ersinnen, Mängel abstellen. Ein milder Mann, vielleicht zu milde für den Posten, es fiel ihm schwer Dinge abzulehnen. Auch solche, die sonst jeder andere als unverschämt empfunden hätte. Er brauchte für harte Maßnahmen, dann also oft Vertreter ... "


    Helvetius Falco war ein solcher gewesen, der dunkle Schatten so manches Kaisers. Trajan hatte ihn lange dafür genutzt notwendige unpopuläre Befehle auszuführen. Damit der Kaiser weiter als strahlender Held dastand. Als das den Reichshonoratioren bekannt wurde, geriet der Staat an den Rand der Vernichtung.


    " ... ihm waren hedonistische Schleimer höchst zuwider. Diese Art von Männern, die ihn umschmeicheln und umgarnen wollten, nur für ihren eigenen Nutzen, für schnelleres Vorankommen und um ihre eigene Unfähigkeit Aufzusteigen durch Leistung umgehen zu können. Sogar bei solchen Leuten fiel es ihm schwer entsprechend zu reagieren, obwohl er es bemerkte. Nur eines hat er scheinbar nie verstanden, das auch Frauen so denken und handeln können."


    Er lächelt verschmitzt.


    "Womit er aber gut umgehen konnte, waren offene Angriffe. Ging jemand ungeschminkt gegen ihn vor oder sprach nur offen offensiv und tadelnd gegen ihn Wichtig dabei war, dass es ungerechtfertigt war! Denn selbstkritisch konnte er sehr wohl sein. Aber einen echten Feind konnte er sehr zielstrebig und unnachgibig verfolgen und zerstören. Das hat er damals mit sehr viele Neorepublikanern getan. Fulvius Martialis hieß der Mann, meine ich mich zu erinnern, ein übler Bursche, der zum Zeitpunkt der Staatskriese auf übelste Weise gegen Kaisertum und Ulpia wetterte und schimpfte. Das hat er ihm nie vergessen und ihn mit unstillbarem Hass verfolgt."


    Geminus erinnerte sich der eigentlichen Frage.


    "Götterkult ... ein gespanntes Gebiet für Julian. Mit Sicherheit diente er den Göttern. Stets und immerdar. Besonders Mars war er verfallen. Aber seine Rolle als Pontifex Maximus war ihm nicht gern gesehen. Es war ihm zu unpraktisch zu fern von tatsächlichem Handeln und Gestalten. Er tat da nur das Nötigste, eigentlich nicht einmal das. Die uns allen bekannte große Flavia Messalina pflegte ihn Dominus et Deus zu nennen, als einzige. Jemals. Er untersagte sonst zu Lebzeiten jegliche göttergleiche Sicht auf ihn. Doch bei ihr ließ er sie gewähren. Die Vergöttlichung verstorbener Kaiser sah er als Pflicht an, sofern diese in Ehre regierten. Somit gilt das auch heute für ihn. Er sah die Religion aber eher traditionalistisch und pragmatisch."

  • Flavia Messalina... ich seufzte


    ...geführt von Liebe und Hass wandte sie sich dann doch gegen ihn wie man sagt. Manchmal ist der Weg zwischen Ovatio und Damnatio erstaunlich schmal. Es muss den Imperator zutiefst getroffen haben.


    Wir waren wieder weiter gegangen


    Er hatte doch auch einen Neffen wenn ich mich Recht erinnere sinnierte ich vor mich hin


    ... der Sohn seines Bruders glaube ich. Kandidierte er nicht einst zur Quaestur? Ich hörte danach nie wieder von ihm. Wie Augustus erging es wohl auch Iulian, Marcellus, Gaius, Lucius, Agrippa... das eigene Blut zerfloss. Doch war das nicht das schlechteste für Rom...


    Sim-Off:

    Suetons Verleumdungen des Tiberius erschienen doch erst später, oder? Wikipedia sagt 120, gibt es andere Autoren die das vorwegnahmen?


    immer noch grübelte ich bis mir endlich ein Licht aufging


    Catus, genau. Catus war sein Name.

  • Er seuzfte bei Nennung des Namens Flavia Messalina. Geminus zog eine Augenbraue hoch. Bei dieser aparten Dame war es wie mit Garum gewesen, es gab nur zwei Wege, man liebt es oder man verachtet es.


    "Messalina wandte sich gegen den Kaiser?"


    Der Senator zog die Stirn kraus.


    "Daran erinnere ich mich nicht mehr. Was ich allerdings noch weiß, ist, dass der Kaiser, trotz aller Querelen um ihre Person, sich eine grundsätzlich positive Meinung über sie bewahrt hat. Was ihn natürlich ... wie hätte es auch anders sein dürfen ..... nicht hinderte ihr manchen Traum zu verwehren. Es gab nicht sehr viele Menschen, die Julian wirklich persönlich treffen konnten, aber sie gehörte meiner Ansicht nach dazu, ja."


    ... einen Neffen ... Kandidierte zur Quaestur ... hörte nie wieder von ihm ... Geminus begann bereits darüber nachzudenken, als der folgende Satz seinen Gehörgang passierte. -Wie Augustus erging es wohl auch Iulian, Marcellus, Gaius, Lucius, Agrippa... das eigene Blut zerfloss. Doch war das nicht das schlechteste für Rom.- Wie sollte er denn das verstehen? Zunächst beherrschte er sich jedoch und fragte nach.


    "Das eigene Blut zerfloss? Und das war nicht das schlechteste für Rom? Wie genau meinst Du das?"


    Sim-Off:

    Sorry, ich kann Dir dazu auch nichts genaueres sagen.

  • Marcellus war ein pickeliger Jüngling und hätte nie ein IMPERIUM lenken können, die Enkel waren durchweg nicht mehr als Enkel, in keiner Weise zum Lenken des Staates befähigt. Erst Tiberius, von Augustus adoptierter Stiefsohn aus dem Schoße Livias war nach Intellekt und Erziehung zum Imperator bestimmt. All dies geschah letzendlich zum Wohle Roms. Trotz aller Gerüchte um einen.... ich rang nach Worten


    ...Aderlass. wieder blieb ich stehen


    Es würde sicherlich nie geklärt werden wie es zu dieser Serie von Todesfällen kam, doch war die Adoption des Tiberius der richtige Weg und der richtige Weg rechtfertigt vieles.

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