Culina l Küchendienst

  • Je länger Linos erklärte umso größer wurde das Grinsen in Macros Gesicht. Er schob den Teller von sich fort und malte sich die verrücktesten Situationen aus, in die er seinen Kumpel ausborgen könnte. So jedenfalls verstand er das Angebot. Möglicherweise ging aber auch seine Fantasie mit ihm durch. Nachfragen konnte Klarheit bringen


    "Ähm, verstehe ich richtig? Für ein bisschen Carob, das ich für dich kaufen soll, gibst du mir die Gelegenheit, dich an jemand X-beliebigen auszuleihen? Ich mein, weißt du eigentlich, was du da für ein Risiko eingehst? Kann nicht sein, oder?"


    Macro musterte eindringlich seinen Freund als könne er dessen Gedanken lesen. Etwas Kleingeld besaß er immer. Zum Teil stammte es noch aus seinen Einnahmen im Circus, der Rest wurde immer wieder durch Gaben seines Herrn aufgefüllt. Macro gehört nicht zu den verschwenderischen Typen, er sparte oft und gern.

  • Ich merkte Macro an, dass er alles zuerst verarbeiten musste. Vielleicht hatte er auch schon eine Idee wie er mit mir Geld verdienen konnte. Nach seinem Grinsen zu urteilen bestimmt.
    Ich wusste auch, das dies Angebot leichtsinnig war. Bei jedem anderen aber nicht bei Macro, er würde dies doch nicht ausnutzen. Oder sollte ich mich so getäuscht haben.
    „ Sicher weiß ich das. Ich weiß aber auch wem ich das Angebot mache. So leichtfertig gehe ich auch nicht mit mir um.
    Für dich mag es eine Kleinigkeit sein, für mich, der ich seit dem ich gefangen wurde, keine persönliche Habe besitze, ist selbst Kleingeld etwas besonderes und ich hatte noch keins. Ein Schnorrer mag ich sein, aber meine Leidensgenossen nehme ich nicht aus. Da bezahle ich, wenn ich etwas kaufen möchte. Nur eben mit dem, was ich habe.
    Meine Frage mit meinem Angebot besteht. Was du daraus machst ist deine Sache“. Oh mein Gott bestimmt hatte ich schon wieder zu viel geredet.
    Leicht verlegen schnappte ich mir ein Olive und steckte sie mir in den Mund.

  • Nach den ausführlichen Erklärungen bestand kein Zweifel mehr: Linos wollte sich an jemand verborgen lassen, den Macro bestimmte. Macro schüttelte den Kopf über die Idee. Je länger er darüber nachdachte, fand er sieabsurd und letztlich auch erschreckend. Er erhob sich, um sichtlich zu protestieren.


    "Vergiss es. Ich werde dich nicht ausleihen." Fast ärgerlich klang die Ablehnung. "Ich bin Sklave und ich will auch Zeit meines Lebens Sklave bleiben, wenn die Alternative so aussieht, dass ich willkürlich über jemand anderen verfüge oder bestimme." Vielleicht kam der Ärger auf, weil er die Furcht verdrängen sollte, die ihn bei dem Gedanken überkam, einmal die Rolle eines Herrn einzunehmen. Oh ja, er fürchtete sich davor. Er spürte, wie viel Macht und damit auch Verantwortung derjenige besaß. Verantwortung konnte aber auch erdrücken, wenn man nicht gewohnt war, sie zu tragen. Ein guter Dominus wusste von seiner Verantwortung, ein skrupelloser könnte die Macht missbrauchen. Und Macro konnte schlicht damit nicht umgehen. Aber Linos verdiente nicht, für die eigene Unfähigkeit angemacht zu werden.


    "Entschuldige. Ich kaufe dir dein Carob und du machst mir einen leckeren Kuchen. Damit sind wir quitt."

  • Puh, ich hatte Macro wohl an einem empfindlichen Punkt getroffen. Der war jetzt richtig verärgert. Verstand er mich jetzt nicht?
    Selbst die Kleider die ich trug gehörten mir nicht, ich besaß doch nur mich. Das heißt wenn es nach den Römern ging, traf dies auch nicht zu. Gestand man denn einem Sklaven zu, für sich selber das Beste zu wollen? Eigentlich auch nicht, denn sie waren nach ihrer Lebensanschauung, nur ein Ding.
    Traurig schaute ich Macro an.
    „Macro bitte, lass mir doch dieses bisschen Stolz. Ich weiß, du gibst es mir gerne. Doch zur Zeit nehme und nehme ich nur. Ich kann nichts geben. Wo möglich bringe ich dich noch in Schwierigkeiten. Ich möchte nur meine Schuld begleichen, ehe ich nicht mehr drüber blicke.“
    Langsam ließ ich mich auf der Bank in der Küche nieder und starrte auf den Tisch. Für mich wurde, wie ich im Augenblick glaubte, die Lage immer aussichtloser.
    Abermals schaute Macro an, denn ihn wollte ich jetzt bestimmt nicht verletzen. „Ich danke dir Macro“.

  • Macro rieb sich das Kinn, weil ihn Linos' Reaktion verwirrte.


    "Für dich ist es kein fairer Handel, wenn ich dir das Carob kaufe und du mir dafür einen Kuchen schenkst?" Er blickte nachdenklich. "Du weißt, ich esse gerne und Kuchen ist hier nichts Alltägliches. Also ich würde mich freuen und gerecht empfinde ich den Handel auch. Aber wenn dir diese Gegenleistung nicht reicht, dann denke ich mir noch was anderes aus." Er legte den Zeigefinger an den Mund, stütze den Arm mit der anderen Hand am Ellenbogen ab und schritt in der Küche hin und her. Er hatte sich das bei seinem Herrn abgesehen und für diesen Fall übernommen. Es wirkte gekünsteklt und das sollte es auch. Er wollte mit Komik die Situation verbessern. Dann blieb er stehen und hob den Zeigefinger.


    "Ich hab's. Du bringst mir die wichtigsten Buchstaben bei, damit ich wenigstens einfache Briefe lesen und schreiben kann." Selten war sein Lächeln so groß gewesen, weil ihm diese Gegenleistung riesig nützen würde.

  • Damit hätte ich nun nicht nach dem Schauspiel was Macro vorher gegeben hatte gerechnet.
    Ich sprang auf und warf fest einen Krug und Becher um die auf dem Tisch standen. „Das möchtest du wirklich? Du meinst das ernst?“ Fast hätte ich Macro vor Freude umarmt. „Wenn du wüsstest. Es gibt kaum etwas, was ich lieber machen möchte.
    Abgemacht.!“ Zufrieden strahlte ich Macro an.

  • "Freu dich nicht zu früh", erwiderte Macro. "Vielleicht lerne ich langsamer als eine Schnecke." Er grinste und schwelgte bereits in der Vorfreude, demnächst Plakate, Briefe, Dokumente und Befehle lesen zu können - völlig gleich, ob sie ihn etwas angingen oder nicht.


    "Na los, dann zeig mir mal den Stand, wo es dieses Carob gibt. Wir treffen uns draußen, ich muss nur noch etwas Kleingeld holen." Ohne auf eine Antwort zu warten, drehte er sich auf dem Absatz um und eilte aus der Küche zu seinem Zimmer.

  • Taira folgte Morrigan zur Küche ... nein, zur culina! Sie wollte keines der Worte, die Morrigan ihr nannte, vergessen. Ihre neuen Sandalen waren ihr ungewohnt. Nach drei Monaten barfuß unterwegs, den ganzen Weg von Massalia bis Mogontiacum, lief es sich mit Schuhen an den Füßen als würde sie über Wolken gleiten.


    Die beiden betraten die Küche und Morrigan deutete auf die Bank am Küchentisch. "Heute bediene ich Dich noch. Morgen ist das vorbei!" warf sie Taira zu, während sie eine Pfanne auf das Feuer stellte und ein paar Tropfen Öl und einige Hände gequollenen Amaranthes hineingab. Während sie mit einem Spatel die Körner hin- und herrührte, fragte sie Taira: "Kannst Du kochen?" Taira schüttelte den Kopf. "Nicht wirklich gut glaube ich. Aber ich dachte immer, ihr Römer würdet sowieso alles in Garum oder Honig ertränken, so dass es gleich wäre, wie etwas schmeckt." Morrigan lachte auf. "Naja, zum einen hast Du natürlich sicher irgendwo recht. Wobei ganz so schlimm ist es auch nicht. Und Menecrates weiss schon zu genießen. Und zum anderen, wieso 'ihr Römer'? Ich bin Perserin. Und was wir zu Hause essen, würden die Römer nie hinunterbekommen. Milch zum Beispiel kennen die gar nicht. Egal. Du wirst Dich schnell in der Küche und in der Speisekammer, die heisst hier cella, zurechtfinden." Morrigan nahm zwei Eier, brach sie auf und fügte sie dem angebratenen Amarant zu. Noch eine Priese Salz darauf ... Morrigan nahm die Pfanne vom Feuer und schob deren Inhalt mit einem Holzklöffel auf einen Teller aus leuchtend oranger Keramik. Teller und Löffel stellte sie auf den Tisch vor Taira. Aus einem Krug füllte sie einen Becher posca ab und brachte ihn ebenfalls zu Taira. "Da, iss! Trink!" Morrigan setzte sich Taira gegenüber und sah zu, wie diese, sichtlich bemüht nicht als gierig zu erscheinen, das Essen ... nunja ... verschlang. Morrigan war es zufrieden. "Gleich wieder etwas für Dich zu lernen – das orangene Geschirr ist für uns. Das dunkelrote nur für Menecrates, seine Familie oder Gäste. Das wird viel, was da in dennächsten Tagen auf Dich zukommt. Ich zeige Dir nachher noch unser Zimmer, ein Bett ist Dir also schonmal sicher..." Kauend und mit einem Lächeln in den Augen nickte Taira, um Morrigan zu sagen, dass sie zuhörte. Ein Bett! Für sie? Himmel! "Dann muss ich Dir zeigen, wie man Menecrates anzieht. An seinen Soldatensachen habe ich mir am Anfang fast die Finger gebrochen. Aber inzwischen geht es. Er trägt auch nur dann Toga, wenn es unbedingt sein muss. Trotzdem muss immer eine vorgefaltet bereitliegen. Und die sind hier bestimmt anders als in ... Wo kommst Du eigentlich genau her?" Taira schluckte hinunter. "Aus Asia. Genauer aus Platáni. Das ist auf Kos. Und das ist eine Insel in der Nähe von Ephesos." Morrigan nickte. "Es gibt hier noch einen Griechen. Linos heisst er. Der ist aber gerade mit Marcus, auch einem Sklaven, in Rom." Morrigan verstummt kurz und hing ihren Gedanken nach, während Taira sich wieder dem Essen widmete. Dann sprach Morrigan weiter. "Ich weiß noch nicht genau, was Menecrates mit Dir vor hat. Das Du kein dahergelaufener Bauerntrampel bist war für ihn sicher überraschend. Das soll aber nichts heissen. Wenn Du ihm nachher beim Essen bedienen sollst, verlass Dich erstmal auf Dein Gefühl. Er wird Dir schon bedeuten, was er will. Und ich glaube ehrlichgesagt, dass Du besser Latein kannst als er Griechisch." Morrigan schmunzelte. "Aber besser Du lässt ihn das nicht merken. Sobald er von seinem Platz aufsteht, folge ihm zu seinem cubiculum. Das ist, wenn Du vom perystil aus ins atrium kommst, das letzte hinten rechts. Ob ich mit dabei sein soll, weiss ich noch nicht. Das müssen wir also abwarten." Die ganze Zeit hatte Taira – kauend – Morrigan angeschaut und hin und wieder zustimmend genickt um ihr zu zeigen, dass sie zuhörte und verstanden hätte. Jetzt legte sie den Löffel neben den leeren Teller. "Fertig?" Taira nickte. "Gut, das Geschirr kannst Du neben den Herd stellen, darum kümmern wir uns später. In Zukunft kannst Du wann immer Du Zeit dafür hast hierherkommen und Dir etwas zu Essen machen. Und zwar so viel, dass Du auch satt wirst, ja? Und was das Bad angeht, da gilt das selbe. Menecrates wird es zu schätzen wissen, wenn Du wenigstens einmal am Tag dorthin gehst. Er legt großen Wert darauf, dass wir gut aussehen und kein schlechtes Licht auf sein Haus werfen. Nimm Dir also Zeit für Dich und nutze, was er Dir bietet! Er wird es mögen, wenn Du auf Dich acht gibst und es wird kein Fehler sein. So, und jetzt auf! Ich zeige Dir das Haus und die Nebengebäude. Du solltest Dich hier schnell zurechtfinden. Und nochwas ... ich rede hier und rede und rede ... Solange Menecrates nicht dabei ist, darfst Du ruhig auch etwas sagen. Also frage! Erzähle! Und nochwas – ich freue mich, dass Du jetzt hier bist." Morrigan lächelte über das ganze Gesicht. "Chwschâmd - Herzlich willkommen!"


    Dann begann Morrigans Führung durch das Haus.

  • Taira betrat die Küche und warf die alten Kleider Victors und Agrippas in das Feuer. Beißender Rauch stieg auf, als sich die Flammen in den Stoff und das Leder fraßen. "Puh!" Taira wedelte mit der Hand vor der Nase herum, was aber auch keine Besserung brachte. Sie floh von dem Herd in die Mitte des Raumes zum Tisch. Dort stibitze sie einen Apfel, biss hinein und fragte Morrigan, die gerade aus der cella kam: "Kann ich Dir helfen?" Morrigan grinste. "Ja, indem Du mir nicht im Wege rumstehst!" "Bäh!" "Nee, setz' Dich einfach."


    Taira nahm am Tisch platz und biss erneut in den Apfel. Mit vollem Mund sagte sie: "Die Zwei hat es ganz schön erwischt, was? Deinen noch mehr als meinen. Wie heissen die beiden eigentlich?" "Menecrates Neffe heisst Lucius Claudius Victor. Der andere Manius Gallonius Agrippa." "Hmm. Der Apfel ist lecker!" Morrigan grinste erneut. "Nur der Apfel?" Tairas Mundwinkel verzogen sich ebenfalls in Richtung ihrer Ohren. "Wie ich schon sagte: BÄH! Ausserdem hättest Du mal seine Augen sehen sollen, als Du hereinkamst. Ist Agrippas Halswunde so übel wie sie aussieht?" "Er wird es überleben. Mal sehen wie sie heilt." "Wenn sie gut geblutet hat wird es wohl werden." "Sein Verband sah zumindest so aus. Ich habe Dich übrigens beobachtet. Du scheinst das auch schon ein paar mal gemacht zu haben, oder?" Taira zuckte mit den Achseln. "Hin und wieder. Wunden waren bei uns eher selten. Es gab genug mit 'richtigen' Krankheiten zu tun."


    Taira biss das letzte Stück des Apfels vom Stiel. "So, und jetzt sage schon, wie kann ich helfen?" Morrigan überlegte kurz. "Indem Du in unsere Kammer gehst und dort schaust, was da für Dich liegt. Und danach ... halt! ich sagte danach! ... kommst Du wieder her und hilfst Gemüse putzen." Taira nickte. "Was ist den da für mich?" "Schau selbst!"


    Als Taira zurück in die Küche kam, schlang sie ihre Arme um Morrigan und drückte ihr einen Kuss auf die Wange. Danach begann sie, das Gemüse zu putzen. Noch nie hatte sie es so freudig getan wie heute.

  • "Morrigan! Hilfe!", mit diesen Worten kam Taira in die Küche gelaufen. "Ich habe mal wieder nur die Hälfte verstanden. Sag' mir, was ich tun soll! Menecrates will einen besonders guten Schluck haben. Was meint er denn nur damit?"


    Morrigan lächelte. "Wein. Und zwar den Besten, den wir haben. Ungewürzt. Unverdünnt. In der Cella die zweite Amphore vor der Luke. Nimm eine Lampe mit, dort ist es dunkel. Ist er allein und will er, dass Du ihn bedienst?" "Davon hat er nichts gesagt. Und ich soll Victor zu ihm rufen." "Oha, dann liegt eine wichtige Besprechung an. Dann brauchst Du Dich auch nicht umzuziehen. Schade, was?" Morrigan schmunzelte. "Hole erst einmal den Wein!" Taira nahm sich ein Hakenmesser und eine Öllampe, die sie am Feuer des Herdes entzündete. Dann griff sie einen Krug und ging in den Lagerraum.


    Die zweite Amphore war schnell gefunden. Mit dem Messer trennte Taira das Wachs von der Öffnung der Amphore und schöpfte mit einer der Kellen des Lagers den Krug voll. Dann knetete sie das Wachs so lange bis es weich war, formte es zu einem Fladen und presste diesen wieder auf den Amphorenmund. Mit den Fingern fuhr sie den Aussenrand der Öffnung entlang, damit auch nicht der kleinste Lufthauch an den Wein gelangen und ihn in Essig verwandeln könnte.


    Nachdem Taira das Lager verlassen hatte, löschte sie die Lampe und ging zurück zur Küche. Sie stellte den Krug auf ein silbernes Tablett und einen zweiten, den sie mit Wasser füllte daneben. Messer und Öllämpchen kamen wieder auf ihren Platz am Herd. Dann noch zwei der dunkelroten Becher, immerhin war der Gast Victor. Kurz entschlossen griff sie noch ein Messer und schnitt zwei Äpfel auf, die in ein kleines Schälchen kamen. Dazu Trauben, Feigen ... Alles etwas nett drapiert und auf zu Menecrates!

  • Wie üblich völlig aufgelöst kam Taira in die Küche. "Morrigan, eine Katastrophe! Jetzt wollen die beiden Essen. Und es ist nichts vorbereitet! Was essen die denn sonst so? Was soll ich tun?"


    Morrigan stemmte die Arme in die Seiten, grinste Taira und sagte: "Zu allererst ruhig bleiben! Als zweites läufst Du und holst Dir etwas gescheites anzuziehen. Schau nicht so, ich bin ja auch nicht von vorgestern! Das Essen ist in einer viertel- oder halben Stunde fertig, und das das so lange dauern kann ist selbst Menecrates klar. Er will ja keine aufgewärmte Suppe von gestern! Und jetzt spute Dich! Bring einen Kamm und was Du so brauchst mit und komm wieder her, ich helfe Dir!"


    Taira lief los. Wenige Minuten später war sie mit ein paar Sachen und dem Kosmetikkoffer wieder in der Küche. Morrigan nickte und meinte: "Kein wirklich guter Platz für so etwas, aber wir werden das Beste daraus machen! Und jetzt raus aus dem Leinen und rein in die Seide!" Mitten im Betrieb der Küche streifte Taira also ihre Kleider ab und zog sich um. Sie hatte die Untertunika im hellsten Rot gewählt, dazu den Chiton im dunkelsten. Die Untertunika war länger als ihre leinene. Damit kam sich Taira deutlich "angezogener" und nicht so unschicklich vor. Ob Menecrates das auch so sah blieb abzuwarten. Morrigan half ihr, den Chiton auf den Schultern festzustecken. Das Kupfer der Fibeln glänzte im Schein des Herdfeuers wie lebendiges Gold. Fertig!


    "Morrigan, den hellen oder den dunklen Gürtel?" "Den hellen. Mit dem dunklen machen wir etwas besseres. Setz Dich!" Morrigan löste Tairas Haare, kämmte sie und begann, sie zu Strähnen für einen Zopf zu legen. Nach etwa zwei Flechtreihen nahm sie das Seidenband des dunklen Gürtels, halbierte es und legte es um zwei von Tairas Haarsträhnen. In den Rest des Zopfes flocht sie so das Band mit ein und band am Schluß den Zopf damit noch zusammen.


    Als Morrigan fertig war, warf Taira mit einer Drehung des Kopfes den Zopf nach vorn und schaute sich das Werk an. Voller Bewunderung sagte sie: "Danke! Das ... das hätte ich mir jetzt nie so einfallen lassen." Morrigan schmunzelte und stichelte:"Naja, aber für Victor ..." "Heh! Lass das!" Taira war ärgerlich. "Der bemerkt mich doch nichtmal. Aussdem gehöre ich Menecrates. Und das weiss sogar Victor. Was soll das also?"


    Morrigan schmunzelte immernoch. "Wie auch immer ... das Essen ist fertig. Nimm Du den Wein. Der Rest kommt nach!" Morrigan klatschte nach den Küchensklavinnen und wies sie an, Taira zu folgen und das Essen aufzutragen.

  • Taira öffnete die Küchentür um Agrippa eintreten zu lassen. Morrigan schien irgendwo unterwegs zu sein und der Raum lag verlassen.


    "Nimm Platz!" forderte sie Agrippa auf. "Möchtest Du etwas essen oder trinken?"


    Während sie noch auf eine Antwort wartete, füllte sie einen dreifüßigen Topf mit Wasser und stellte ihn in das Herdfeuer. Dann griff sie eines der an der Decke hängenden Stoffsäckchen, öffnete es und roch daran. Taira runzelte die Stirn und hängte das Säckchen, nachdem sie es verschlossen hatte, wieder an seinen Platz. Sie griff sich das Säckchen daneben und nach der gleichen Prozedur hellte sich ihr Gesicht auf. Sie griff hinein und warf eine kleine Hand voll Blätter daraus in den Topf.


    Nachdem auch dieses wieder dort hing, wo es hingehörte, ging sie hinüber zu Agrippa, setzte sich neben ihn und sagte: "So, und jetzt zeig' mal Deinen Hals!"

  • Agrippa setzte sich auf Taira´s Geheiß hin und sah sie einigermaßen verwirrt an. Vor noch nicht allzu langer Zeit war sie ohnmächtig,...und nun sprühte sie vor Aktionismus.
    Ähhh,...nein,...ich ähem, ich habe keinen Hunger und keinen Durst,...aber..?!
    Bevor er seine Frage stellen konnte hatte sie irgendetwas in Wasser geworfen, wahrscheinlich braute sie irgendeine Tinktur zur Linderung ihrer Schmerzen. Diese Überlegung führte jedoch ihre nächste Frage ad adsurdum.
    Mein Hals?...die Frage ist doch wohl eher wie es deinem Hals geht?
    Er fuhr sich wie beiläufig mit der flachen Hand über die Stelle die bei Taira wohl ein wenig ausser Facon geraten war.

  • "Meinem Hals? Wie soll es meinem Hals denn gehen?" Taira lachte. "Danke dass Du Dich um mich besorgst. Aber das ist wirklich nicht nötig. Es sollte eigentlich schon fast nichts mehr zu sehen sein, oder?"


    Um Agrippa zu beruhigen griff Taira an seiner Hand auf ihrem Nacken vorbei in ihre Haare und zog diese nach vorn über die Schulter. Dabei legte sie den Kopf zur Seite.


    "Und?" fragte sie. "Alles weg, oder?" Mit einer Drehung des Kopfes beförderte sie ihre Haare wieder nach hinten, lächelte Agrippa an und sagte: "Und jetzt bist Du dran!" Vorsichtig fuhr sie über die Naht, die den Stich in Agrippas Hals zusammenhielt. Agrippas Hand lag noch immer auf ihr. Das war zwar unerwartet schön, aber trotzdem fragte sie mit einem Bedauern, dass sie jedoch zu verstecken versuchte: "Darf ich aufstehen?"

  • Agrippa sah sich die Stelle an, welche natürlich immer noch in allen Farben blühte, entgegnete jedoch;
    Naja,...es sieht besser aus als vorhin,...ich ähem...
    Irritiert bemerkte er daß ihn die Sache mit den Haaren doch näher zu gehen schien als er glaubte, war dieses klapperdürre Mädchen so garnicht sein Typ und passte absolut nicht in sein Beuteschema. Trotzdem durchzuckte ihn ein leichter Schauer als sie an seiner Halsnaht entlangstrich.
    Ihre Frage nach dem Aufstehen nahm er nur halb zur Kenntnis, bemerkte jedoch seine Hand an ihr und zog sie, wie beiläufig zurück.
    Ja,...natürlich kannst du aufstehen,...
    Er war eindeutig zu lange mit Männern unterwegs gewesen. Er stotterte wie ein dummer Junge, was ihn inbrünstig störte.
    Doch anstatt etwas dagegen zu tun sah er nur zu wie Thaiis aufstand und lächelte sie völlig hirntot an.

  • "Danke!" Taira stand auf und ging zu einer Kiste an der Wand der Küche. Agrippa schien ihr verwirrt. Anders als sie ihn kennengelernt hatte. Ob die üblen Miasmen der Wunde schon bis in seinen Kopf vorgedrungen waren? Ein Grund mehr, etwas zu unternehmen.


    Taira öffnete den Deckel der Truhe und holte drei etwa handbreite Stoffstreifen heraus. Zwei davon faltete sie auf Handlänge, einen rollte sie auf.
    Dann ging Taira hinüber zum Herd und nahm den Topf vom Feuer. Sie legte die zwei gefalteten Stoffstreifen in eine Kelle und hielt sie in den Sud, wo sie sich vollsogen. Taira holte sie wieder heraus und liess sie abtropfen. Während allem was Taira tat, schaute sie hin und wieder hinüber zu Agrippa, um zu sehen, ob von ihm irgendeine Reaktion kam.
    Als das Meiste der Flüssigkeit und damit die größte Hitze des kochenden Sudes aus den Stoffen herausgeronnen war, nahm Taira die Stoffe in die Hand und wrang sie aus, bis sie nur noch leicht feucht waren. Der Duft des Oreganos, den sie angenommen hatten, zeigte Taira, dass alles zu ihrer Zufriedenheit verlaufen war.
    Jetzt nahm sie noch die Tuchrolle und ging hinüber zu Agrippa. Rittlings setzte sie sich vor ihm auf die Bank.
    "Entschuldige bitte, dass es nur Oregano ist, aber etwas Besseres konnte ich bisher hier im Hause nicht finden. Es wird helfen, die Miasmen aus Deiner Wunde zu vertreiben. Und es könnte jetzt etwas warm werden."
    Taira legte die beiden Stoffpäckchen übereinander in ihre Linke und drückte sie dann vorsichtig auf den Stich in Agrippas Hals. Dann hielt sie das Ende der Stoffrolle über den Päckchen fest und begann, die Rolle abwickelnd diese um Agrippas Hals herumzuführen. Das war nicht ganz einfach, dann zum einen sollte der Verband ja straff genug sein, die oreganogetränkten Päckchen festzuhalten, zum anderen sollte er ja locker genug sein, um Agrippa nicht am Atmen, Schlucken oder in seiner Bewegung zu hindern.
    "Ich weiss, es geht mich ja nichts an und ich habe auch kein Recht, so etwas zu sagen, aber ihr Römer seit schon seltsam. Kennt nichts als Essig, Essig und nochmals Essig. Sicher mag der gut sein, aber manchmal ist Essig zu nehmen wie eine Goldfiebel mit einem Hufschmiedehammer reparieren zu wollen." Taira erschrak ob ihres Mutes. Sie hatte doch schon genug Fettnäpfchen, in die sie getreten war. Sie schaute demütig zu Boden und sagte: "Bitte verzeih' meine unangemessenen Worte!"
    Der Verband war fast zu Ende. Sie flocht das letzte Stückchen in die schon liegenden Windungen und befestigte es so. Prüfend fuhr Taira noch einmal über den Verband an Agrippas Hals.
    "Du solltest den Verband und die Oreganokissen jeden Tag wechseln. Morgens anlegen, Abends abmachen, um es den Miasmen zu ermöglichen zu vergehen. Wenn Du es wünschst, werde ich jeden Morgen einen Topf mit Oreganosud bereitstehen haben und Dir beim Anlegen helfen. Soll ich zu Dir kommen oder wirst Du mir Bescheid geben, wenn es Dir recht ist?"
    Ernst und fragend schaute Taira Agrippa an.

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