• Kurz nach dem Befehl des Praefecten, strömten die Cohortes Urbanae aus ihren Baracken.


    Einige zurrten noch an ihren Rüstungen, da das ein oder andere noch nicht perfekt saß.


    Kaum war der Letzte auf dem Exerzierplatz angekommen, hallten die nächsten Befehle über den Platz.


    VENITE !


    ACIEM DIRIGITE !


    STATE !


    OCULOS DIRECTE !


    Alle standen da, in Formation. Die Augen geradeaus.


    Classicus nahm Haltung an und meldete in Richtung des Praefecten.


    Praefect,


    die Cohortes Urbanae vollständig angetreten.


    Dann wartete Classicus in salutierender Haltung.

  • Potitus stand auf dem Tribunal vor der Castra Praetoria. Vor ihm marschierten die Soldaten auf, säuberlich getrennt nach Praetorianern und Cohortes Urbanae. In vielen Gesichtern glaubte der Vescularier Unsicherheit, Angst oder Verwirrung zu sehen. Das Gerücht hatte sich bereits verbreitet! Obwohl er sicherlich als einer der ersten erfahren hatte, dass Valerianus das Zeitliche gesegnet hatte (und Maioranus ebenfalls), war die Neuigkeit wohl irgendwie nach draußen gelangt! Aber gleich würden sie sowieso davon erfahren: "Soldaten!


    Etwas furchtbares ist geschehen! Unser geliebter Imperator Caesar Augustus ist gestern verstorben!"
    Trotz der militärischen Ordnung begann nun ein Gemurmel in den Reihen der Milites. Hier und da versuchten die Centuriones, für Ruhe zu sorgen, doch Salinator erhob erst nach einiger Zeit den Arm.
    "Jetzt sind wir gefragt! Der Kaiser hat mir seine Stadt anvertraut und jetzt ist die Stunde der Wahrheit! Das Volk wird verängstigt sein! Banditen und Gauner werden glauben, dass jetzt alles außer Kontrolle ist! Dass sie wehrlose Bürger überfallen, in Häuser einbrechen und öffentlichen Besitz verwüsten können! Wir müssen die Ordnung aufrecht erhalten! Deshalb verhänge ich den Notstand über die ganze Stadt! Die Leute sollen zu Hause bleiben! Wer sich auf der Straße herumtreibt, der gefährdet nur den Frieden! Deshalb werdet ihr sofort aufbrechen und durch die ganze Stadt patrouillieren, um Aufrührer festzunehmen! In dieser schweren Zeit dürfen wir nicht nachlässig sein, sondern müssen entschlossen handeln!


    Aber es gibt noch etwas, das viel schlimmer wiegt: Valerianus ist nicht einfach so gestorben! Ihr alle wisst, dass Valerianus sehr krank war und dass er deshalb mich als seinen Stellvertreter hierher gestellt hat! Aber er starb nicht an seiner Krankheit! Nein! Feige Mörder haben ihn vergiftet! Den Mann, auf den ihr euren Eid geleistet habt! Den Mann, der nicht nur das übliche für die Res Publica gegeben hat, sondern auch seine Gesundheit, der sich völlig aufgerieben hat! Es ist unsere heilige Pflicht, seinen Tod zu rächen, wie Valerianus auch den Tod jedes römischen Soldaten blutig gerächt hat! Deshalb müssen wir die Schuldigen finden! Und wir alle wissen, wer die Feinde unseres geliebten Kaisers waren: Faule Patrizier und Senatoren, die von ihrem Erbe und ihren Privilegien leben, während unsereins hart arbeitet und Unmengen an Steuern bezahlt!


    Diese Männer sind die gefährlichsten für Roms Frieden, denn durch den Mord an Valerianus haben sie die ganze Stadt ins Chaos gestürzt! Sie wollen nun eine Tyrannis aufbauen! Das muss verhindert werden! Deshalb werden wir alle Verdächtigen festnehmen! Widerstand ist sofort zu brechen!


    Ich erwarte von euch, dass jeder Mann seine Pflicht tut! Für Rom! Für Valerianus!"
    Nun stand Schweiß auf der Stirn des Praefectus. Er hatte sich in Rage geredet, aber seine Emotionen schienen ihre Wirkung zu entfalten: Ein zustimmendes Kriegsgeschrei, das sicherlich auch außerhalb der Castra gehört werden würde!

  • Die Männer der Garde hatten sich wie befohlen auf dem Exerzierplatz eingefunden und hörten der Rede des Praefectus Urbi zu. Dass der Kaiser gestorben war hatte sich herumgesprochen, nicht aber dass er vergiftet wurde, die Prätorianer waren schockiert, schließlich war es ihre Aufgabe, nein ihre Bestimmung den Kaiser zu beschützen und nun hatten sie offensichtlich versagt. Zu den enttäuschten und traurigen Gesichtern mischte sich aber schnell die Wut und die Rachegelüste, und außerdem war es ja auch ihre Pflicht die Schuldigen zu finden, weswegen die Rede des Präfekten sie genau trafen, und hochpeitschte...


    Ein lauter Kampfschrei ging durch die Reihen, und die Prätorianer waren gespannt wer denn so auf ihrer Liste landen würde, und auch Seneca war gespannt wo er denn zuschlagen würde..

  • Während der Ansprache des Praefecten war es sehr still geworden, nachdem dieser vom Tod des Augustus verkündet hatte.


    Nach dem emotionalen Ende der Rede kam auch in Reihen der Cohortes zustimmendes Gejubel auf, welches sprichwörtlich in Kriegsgeschrei ausartete.

  • "Für Rom! Für Valerianus!" Das war ein Ruf, in den Valerian mit ruhigem Gewissen mit einstimmen konnte. Und tat es auch! Er war ja nicht verrückt, sich jetzt irgendwie auffällig zu verhalten, auch wenn er das Gefühl hatte, der Boden würde ihm unter den Füßen mit einem Ruck weggezogen. Valerianus war tot! Vergiftet! Welcher Irre hatte das getan? Warum den Kaiser, der es eh nicht mehr lange gemacht hätte? Warum nicht den Dicken da oben, der die Menschen gängelte? Bei dem wäre es doch auch viel leichter gewesen!


    Valerian dachte unwillkürlich an seine Frau, an seinen Sohn. Wenn er sie doch nur aus der Stadt bringen könnte! Hier brach jetzt mit Sicherheit die Hölle los. Wie immer, wenn die Machtverhältnisse nicht eindeutig geklärt waren.


    Der Kaiser war tot. Sein Sohn war sein Nachfolger. Ein Kind, völlig machtlos im Grunde. Valerian wußte ja noch nicht, daß auch der Sohn des Kaisers dem Anschlag zum Opfer gefallen war. Der Centurio blickte zu den Praetorianern herüber. Für sie war die Nachricht noch schockierender, immerhin war es ihre Aufgabe gewesen, den Kaiser zu schützen. Würden sie so einfach akzeptieren, daß Salinator das Heft in die Hand nahm? Hoffentlich nicht! Denn daß der Vescularier genau das jetzt versuchen würde, damit rechnete Valerian ganz fest.

  • Nur wenige Meter abseits des Tribunal wartete ich an der Spitze einer Traube von verschiedenen Bürokraten, das ich wohl der einzige unter ihnen war der je gedient hatte war einfach zu erkennen ... die meisten von ihnen schienen sich nichts sehnlicher zu wünschen als von hier zu verschwinden, um der Gefahr auszuweichen. Ich hingegen hatte Mühe meine Freude über das Ableben des Kaisers zu verbergen, der nichtsnutzige Krüppel hatte das Imperium lange genug gedrosselt, Zeit das sich etwas veränderte. Das der Sohn dabei auch ums Leben gekommen war stellte allerdings eine unerfreuliche Nebensache dar, nun musste Salinator wahrscheinlich selbst den Thron besteigen statt ihn weiterhin aus dem Schatten zu kontrollieren ... wobei es auch bisher kaum jemanden gegeben hatte, der tatsächlich geglaubt hatte das alle Befehle Salinators ihren Ursprung bei Valerianus hatten.
    Doch wenn mein Patron eine Stufe nach oben kletterte lies das auch wieder mehr Raum und Posten für seine Klientenschaft, allen voran natürlich ICH!


    Während die anderen hinter mir ängstlich darüber tuschelten was nun kommen mochte und wer wann mit welchen Aufgaben wohin geschickt werden würde, beobachtete ich die Menge der Soldaten ... das war nun ihre Stunde, wer jetzt die meisten Soldaten und strategischen Orte hielt, ging mit den besten Voraussetzungen an den Verhandlungstisch und ich war mir sicher das Salinator und seine Klienten die größte Grupierung stellen würden ...

  • Potitus grinste, nachdem er sich nach einigem Abwarten abgewandt hatte. Sein Plan war aufgegangen! Nun blieb es zu hoffen, dass Cyprianus seine Arbeit machte!


    Als er das Tribunal verließ, standen bereits ein paar Bürokraten bereit. Wahrscheinlich brauchten auch sie neue Befehle! Deshalb wandte sich Salinator an Imperiosus, der seinen Willen bisher immer ganz gut interpretiert und umgesetzt hatte. "Die Kanzlei läuft bis auf weiteres weiter wie bisher. Zumindest das Kleinzeugs. Gewichtigere Entscheidungen schieben wir vorerst auf bis...wir einen neuen Kaiser haben." Der Frage, wer dies wie wurde, würde der Vescularier sich gleich im Anschluss widmen! "Vielleicht gibt's in nächster Zeit auch ein paar personelle Umstellungen..." fügte er dann an und zwinkerte dem Pompeier zu. Das würde ihn hoffentlich motivieren, seine Arbeit gut zu machen!

  • Die Traube von Bürokraten folgte Salinator wie eine Schar Entlein ihrer Mutter ... eine Schar hässlicher Entlein und Ich ...


    "Ich werde persöhnlich dafür Sorge tragen Praefectus das alles seinen gewohnten Gang geht!"


    Und nachdem mir nun auch noch personelle Umstrukturierung in Aussicht gestellt wurde fügte ich noch hinzu ...


    "Die Kanzlei wird einen Wechsel in die "richtige" Richtung gern beschleunigen, Praefectus!"

  • Potitus grinste. "Wunderbar! Dann ran an die Arbeit!" Damit verabschiedete er sich und ging in sein Officium, um die nächsten Schritte zu planen und die Festnahmen der Verdächtigen zu erwarten.

  • Auch ich hatte ein breites Grinsen aufgesetzt doch statt den Palast anzusteuern machte ich mich gemächlich auf den Heimweg, zu dieser Jahreszeit war Rom wiedereinmal besonders schön ...


    Nachdem Salinator und ich nun weg waren versprengten sich die übrigen Bürokraten so schnell wie Kakerlaken wenn man einen Tonkrug anhob der sie zuvor verdeckt hatte ...

  • Nachdem die "wichtigen" Persönlichkeiten den Platz verlassen hatten, trat eine Einheit nach der anderen geordnet ab. Valerian wartete eher ungeduldig darauf, daß seine Centuria endlich dran war, erteilte dann die nötigen Befehle und führte seine Männer zurück zu den Unterkünften. Für sie alle begann jetzt eine besonders schwere Zeit. Denn jetzt würde Römer gegen Römer stehen und jeder einzelne mußte sich fragen, wo er eigentlich stand.

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