[Legiones exalpini] Zug des obergermanisches Heeres - Italia, endlich!

  • Nachdem Sextus sich in der zweiten Legion dann eingefunden hatte und auch seinen neuen Legaten von dessen Glück in Kenntnis gesetzt worden war, begann er, sich mit siener neuen Aufgabe vertraut zu machen. Er hatte keine Ahnung, was der claudische Tribun vor ihm gemacht hatte, sicher war nur: Er hatte es anders gemacht als Sextus. Grob gesagt fand Sextus keinerlei Anhaltspunkte über die Dinge, die ihn wirklich interessierten in dieser Legion. Nicht die geringsten. Wieviele Männer hatten sie in den Alpen verloren? Wieviele Männer hatten sie überhaupt? Wie war die Moral in der Truppe? Womit konnte er arbeiten? Der Tag versprach immer länger zu werden.


    Zunächst also hatte Sextus sich mit den ritterlichen Tribunen der Legio getroffen, um sich mit den Männern vertraut zu machen. Im Rang waren sie gleich, nur hatten die Ritter wesentlich mehr Expertise in Militärdingen. Ein guter Grund, sich mit den Männern gut zu stellen, man konnte nie wissen, wann man sie brauchen würde.
    Nachdem also das erledigt war, war Sextus aber immer noch nur rudimentär schlauer. Also folgte wohl etwas, das er als unausweichlich betrachtete: Das Gespräch mit den mittleren Rängen. Genaue Aufstellungen zu Zahlen und exaktere Einschätzungen würden wohl nur die Centuriones haben, die sich direkt mit einem Haufen der Männer zu beschäftigen hatten, während die Tribunen, ritterlich wie senatorisch, da doch eine erhabene Distanz pflegten. Ein Zustand, den Sextus auch sehr begrüßte, der aber in der momentanen Situation, in der er doch ein wenig auf sich gestellt war entgegen dem claudischen Lager, ein hinderlicher. So sehr Sextus die Vorstellung auch hasste, er brauchte die unteren Ränge im Moment, um ihm die Informationen zu geben, die er von den Anhängern des Claudiers nicht unbedingt erhalten würde. Die ihm Untergebenen hatten da weniger Wahl, ihn zu schneiden, und weit mehr zu befürchtende Nachteile. Wenn also der Händler nur faule Äpfel für einen hatte, dann ging man zum Bauern und holte sie sich direkt vom Baum.


    Also schickte Sextus eine der Wachen vor seinem mittlerweile umplatzierten Zelt los, er solle die Centurionen oder ihre Stellvertreter herschaffen. Für heute nur die der ersten beiden Cohorten. Mehr als zwanzig auf einen Schlag war dann doch zu viel. Selbst mit nur zwanzig Berichten würde Sextus am Ende des Tages der Schädel mehr als brummen.


    Sim-Off:

    Lucius Duccius Ferox und Lucius Helvetius Corvinus dann bitte einmal antreten

  • Der junge, wahrscheinlich jüngster Centurio der ganzen Armee und wahrscheinlich auch jünger als etliche Optio´s, Centurio Lucius Helvetius Corvinus betrat gemeinsam mit den anderen Centurios der II Cohorte das Zelt des neuen Tribun ihrer Legion.


    Die 6 Männer hatten vorher ein paar wenige Worte gewechselt und ihre Meinung über das plötzliche Verschwinden des anderen kund getan. Er war eigentlich zu kurz da gewesen um viel gutes oder schlechtes getan zu haben als das irgendwer noch in kurzer Zeit über den Claudier sprechen würde. Lediglich die "grandiose" Idee mit den Gemeinschaftsküchen hatte sich nicht durchgesetzt und es gab kaum jemanden der den Dingern eine Träne nachweinte.


    Beim eintreten konnte man deutlich die Hackordnung zwischen den Centurionen erkennen. Sie orientierte sich grob am Alter der Männer. Die beiden ältesten, Pilus Prior und Pilus Posterior, Männer die geschätzte Mitte 40 waren gaben deutlich den Ton an und gingen voran. Dann kamen Princeps Prior, Princeps Posterior und Hastatus Prior. Sie waren irgenwas zwischen 30 und 40 Jahre alt, so genau konnte man das natürlich nicht erkennen und zeigten das typische selbstbewußte Verhalten von direkten Truppenführern die schon einige Tribune kommen und gehen sehen hatten aber schlau genug waren den neuen nicht gleich zu zeigen was sie von Ihnen hielten.
    Der letzte, Hastatus Posterior, war dann Lucius Helvetius Corvinus, außerordentlich jung für einen Centurio, wahrscheinlich kein 25. Er hatte eine beeindruckende Statur und Größe war aber deutlich als rangniedrigster zu erkennen. So hielt er z.B. den anderen die Zeltplane beim eintreten zur Seite. Ihn als unterwürfig oder dergleichen zu bezeichnen wäre aber vollkommen falsch gewesen.


    Die 6 Männer gingen in Grundstellung und der Pilus Prior meldete anschließend mit tadellosem militärischem Gruß sich und seine 5 Kameraden wie befohlen angetreten.

  • „Hum?“
    „Der neue Tribun will die Centurionen der ersten beiden Cohorten sprechen. Der Pilus Primus ist aber schon in einer anderen Besprechung. Deswegen musst du da hin, Optio“, wiederholte der Soldat ungerührt. Hadamar unterdrückte den Impuls, das Gesicht zu verziehen. Er hatte sowieso schon genug zu tun, weil der Artorius so häufig unterwegs war, in Stabsbesprechungen eingebunden mit der Legionsspitze. Jetzt noch an einer Besprechung mit dem neuen Tribun teilnehmen... und dann auch noch als einziger Optio, denn er ging stark davon aus, dass es kein anderer Centurio wagen würde, den neuen Tribun zu versetzen. Hatte ja wohl auch keiner so eine gute Begründung dafür.
    Hadamar wedelte schließlich nur mit der Hand zum Zeichen, dass der Kerl verschwinden konnte, und prüfte dann den Sitz seiner Rüstung, während er darauf wartete, dass die anderen vier Centurionen auftauchten. Gemeinsam machten sie sich dann auf zum Zelt des Tribun, wo sie kurz nach den Centurionen der zweiten Cohorte eintrafen. Während Hadamar als letzter eintrat und sich entsprechend seines Rangs positionierte, war es der Centurio der zweiten Centurie, der sie als angetreten meldete.

  • Die ganzen Centuriones herzubestellen war eine ausgesprochen blöde Idee gewesen, wie Sextus feststellte. Selbst mit hochgeschlagener Zeltwand wie im Moment beschlich einen doch ein wenig ein Gefühl der Platzangst. Sextus hatte zwar nichts gegen Menschenmassen an sich – andernfalls wäre er im Senat sicher gänzlich falsch – aber diese Nähe zu den Männern angesichts der langen, staubigen und schweißtreibenden Reise war dann doch ein wenig zu viel für seinen Geschmack. Zum Glück war die Sommerhitze bereits vorüber, andernfalls wäre das hier doch etwas überstrapaziös gewesen.
    “Salvete die Herren“, grüßte Sextus etwas ziviler, als er es gerne tun würde, allerdings war für ein einfaches Grunzen, dass man die Anwesenheit der Centurionenhorde bemerkt hatte, die Geräuschkulisse doch etwas zu hoch, selbst wenn alle brav still standen.
    “Auf Befehl des Statthalters von Germanien bin ich neuer Tribun der Legio Secunda.“ Soviel zur freundlichen Vorstellung, jetzt zum zackigen Teil. Etwas, womit sich Sextus gleich wohler fühlte als mit dieser freundlichen Anbiederei an die unteren Ränge. “Und als solcher benötige ich zunächst einmal eine klare Aufstellung, wo wir stehen. In wenigen Tagen werden wir uns in Verona mit den Truppen der Legio Prima, der Vorzeigelegion des ganzen Imperiums, vereinigen, und ich bin definitiv nicht gewillt, ihnen in irgendeiner Weise nachzustehen, nur weil sie nicht erst über die Alpen klettern mussten.
    Daher benötige ich zunächst eine genaue Aufstellung der Mannstärken. Wieviele haben wir, wieviele haben wir in den Bergen verloren, wieviele sind desertiert, wieviele krank? Desweiteren möchte ich genauestens unterrichtet werden, wie es mit der Moral der Männer aussieht, vor allem nach der Geschichte mit der zerstörten Brücke und diesen Zetteln, und ob bereits geeignete Maßnahmen gegebenenfalls durchgeführt wurden.
    Hierzu gehört ebenfalls eine Information über unsere Vorratsbestände, ob die Männer ausreichend versorgt sind, und eine Auskunft über ihre generelle Kampfstärke momentan. Immerhin wurden Übungen für die Dauer des Marsches anzunehmenderweise zurückgeschraubt.“

    Sextus atmete einmal durch und sah die Männer vor sich an. Und wünschte sich instinktiv eine Therme, die aber wohl bis Roma warten musste. Sein Blick streifte ein bekanntes Gesicht. War das nicht der Duccier, der ihn wegen der Zettelgeschichte ausgehorcht hatte? War der nicht nur Optio? Das fing ja schonmal gut an.
    Er gab den Scriba hinter sich noch einen Wink, dass dieser die Zahlen mitschreiben sollte. So hatte Sextus beide Hände frei und konnte sich aufs zuhören konzentrieren.

  • Zitat

    Original von Titus Duccius Vala & Marcus Marius Madarus


    Für einen Moment war Hadamar irritiert. Nicht so sehr weil Sönke nicht nur unterwürfiger als er eintrat, sondern tatsächlich salutierte, sondern eher wegen der Reaktion Alriks. Als er ihn vor der Alpenüberquerung aufgesucht hatte, hatte er sich auch noch förmlicher gemeldet, und da war sein Vetter so völlig darüber hinweg gegangen, dass er gedacht hatte... naja... Familie halt, trotz Rangunterschied. Auch wenn es dieselbe Unterschiede freilich auch innerhalb der Familie gab, aber mit Witjon beispielsweise ging Hadmaar ja auch deutlich ungezwungener um als mit seinen Vorgesetzten beim Militär. Allerdings: das war nicht das erste Fettnäpfchen, in das er getreten war... und es würde auch lange nicht das letzte sein, das war ihm auch selbst klar. Trotzdem blieb er für einen Augenblick stehen und zögerte, unschlüssig, was er tun sollte – bis aus Alriks Verhalten schließlich klar wurde, dass er das auch nicht ernst nahm. „Schee wars, wann i so a Zeid hätt“, grinste er dann schief zurück und warf Sönke einen kurzen Blick zu. Irgendwie hielt er es durchaus für möglich, dass der sich trotz Alriks Aufforderung keinen Fingerbreit bewegen würde... also fackelte Hadamar nicht lange und wartete gar nicht erst ab, wie der Freund reagieren würde. Er legte ihm eine Hand auf die Schulter, schob ihn mit sich nach vorn, zu dem Tisch hin, an dem Alrik saß, und drückte ihn da auf einen der Hocker, bevor er sich mit dem Fuß einen weiteren heranzog und ebenfalls hinsetzte. Und wieder zu grinsen anfing, als er das Essen sah, das Alrik ihnen gerade so bereitwillig überließ. „Da hosd was guad... i ko an Fraß bold nimmer seng, den mia kriang.“ Er zog eine der Schalen zu sich heran und nahm sich ein Stück von dem Schweinefleisch – hielt dann aber doch inne, als Alrik weitersprach. „Ja...“, antwortete er langsam. „Hods Erga gem?“

  • Salvete? Hadamar konnte sich nicht erinnern, wann er je von einem Vorgesetzten so begrüßt worden war. Ein gebrülltes angetreten, ein freundlicheres steht bequem, Männer, oder auch einfach gar keine Begrüßung, sondern das direkte Übergehen zur Tagesordnung, nachdem jemand Meldung gemacht hatte, das waren so die Sachen, die er gewohnt war. Lief das anders, wenn die Centurionen mit den höheren Rängen zusammen waren?
    Was ihm allerdings gefiel, war die klare Ansage, die danach kam. Vor allem der Teil, wo der aurelische Tribun ausführte, dass er nicht hinter der Legio Prima zurückstehen wollte. Hadamar grinste flüchtig, und er hätte zustimmend gebrüllt, wenn das hier eine Ansprache vor der ganzen Legion gewesen wäre.


    Als der Tribun geendet hatte, herrschte zunächst allerdings einen Moment Schweigen – bevor Hadamar den Blick des Centurios der zweiten Centurie auffing, der ihm unmissverständlich zu verstehen gab, dass er gefälligst anfangen sollte. Ob er das jetzt tun sollte, weil einfach der richtigen Reihe nach die Berichte erstattet werden sollten... oder ob die anderen nicht erst mal an ihm sehen wollten, wie der Tribun so drauf war, wusste Hadamar nicht, aber er vermutete, dass Letzteres zumindest durchaus willkommen war. War doch immer schön, wenn man das schwächste Glied in der Kette vorschicken konnte, und das sogar noch, ohne dass es auffiel.
    Er trat also vor, stand stramm und begann: „Optio Lucius Duccius Ferox, in Vertretung für Pilus Primus Marcus Artorius Massa. Cohors I, Centurie I hat aktuell 155 Mann in Kampfstärke; 3 sind verletzt, 1 ist krank, 1 im Gebirge verunglückt, keiner desertiert. Die Stimmung steigt aktuell wieder, seit wir die Berge hinter uns gelassen haben. Die Zettel hatten wenig Wirkung – fürs Abliefern wurde gut gezahlt, so sind die schnell verschwunden, und für Tratsch waren die meisten in den Tagen danach abends zu müde. Und die zerstörte Brücke hat genauso wie das Auftauchen der Zettel eher für Ärger als für Demoralisierung gesorgt.“ Unter anderem deshalb, weil Hadamar und ein paar andere aktiv dafür gesorgt hatten, dass der Ärger angestachelt wurde. Ärger über die eigenen Kameraden, die gepennt hatten bei den Zetteln, Ärger über den Feind, und das Bedürfnis zu zeigen, dass sie sich von so was nicht fertig machen ließen. Das Bedürfnis, es dem Feind heimzuzahlen. „Um die Vorratsbestände hat sich dein Vorgänger gekümmert, Tribun... die Versorgung in den Bergen war aber ziemlich knapp bemessen. Das war eher ein Problem für die Moral als die Zettel oder die Brücke.“ Was hatte er noch gefragt? Ah ja. Kampfstärke. Gerade in der ersten Cohorte war das fehlende Training allerdings weniger ein Problem, weil hier die Soldaten zu großen Teilen aus gedienten Veteranen bestanden, die jahrelange Übung hatten. Im Gegensatz zu den jungen Soldaten kamen die nicht ganz so schnell raus, und bei den paar Trainingseinheiten – die nur leider aufgrund des Geländes eingeschränkt gewesen waren –, die sie zwischendurch einschieben konnten, hatte sich das auch immer wieder gezeigt. Hadamar hatte da zu seinem eigenen Leidwesen festgestellt, dass er selbst noch die größten Schwierigkeiten hatte, seinen Standard zu halten. „Was größere Manöver angeht, könnten die Männer Auffrischung vertragen. Davon abgesehen hat die Kampfstärke wenig gelitten. Ein paar intensive Trainingseinheiten mit ausreichend Platz, und die Männer sind auf Standard.“ Hadamar verstummte, blieb aber noch vorne stehen, immer noch stramm, den Blick stur geradeaus gerichtet – während er sich zugleich fragte, ob er dem Tribun erzählen sollte, dass er genau solche Sachen seit Beginn des Marsches jeden Tag für den Pilus Primus einsammelte und ihm berichtete. Der Tribun sollte im Stab diese Informationen dann ebenfalls bekommen... eigentlich. Oder gab es da doch mehr Ärger? Das Gespräch mit Alrik kam ihm wieder in den Sinn, aber Hadamar schob das für den Moment beiseite. Vielleicht nutzte der Tribun die Gelegenheit jetzt ja nur, um seine untergebenen Centurionen kennen zu lernen, was ganz sicher nicht das Schlechteste vor einem Krieg war.

  • Einiges, Legat. Wir wurden durch die Gewalten der Natur von der Hauptstreitmacht getrennt. Der Weg führte und über ein enges Tal und einen wirklich unangenehmen Pass. Dabei gingen 21 Männer und 30 Pferde verloren. Meine Erscheinung ist dadurch begründet dass mein Packpferd ebenfalls verunglückte und mit ihm die Ausrüstung. Diese war hinderlich bei Tätigkeiten die das Weiterkommen garantierten. brachte der Atier kurz angebunden den Bericht.
    Natürlich war es ohne Diskussion ein ungeheures Missgeschick die Ausrüstung zu verlieren doch gegen die Natur war eben kein Kraut gewachsen.


    Gesamtstärke der Einheit: 380 Mann, Verpflegung für eine weitere Woche vorhanden.

  • Der Pilus Prior der II Cohorte trat vor nachdem beginnend mit dem Optio des Primus Pilus die Centurios der I Cohorte ihre Berichte abgegeben haben. Er hatte sich noch kurz gefragt wie der Tribun es wohl aufnehmen würde das der Primus Pilus, ja alles andere als ein unwichtiger Mann, nur seinen Optio der dazu auch noch verdammt jung war, geschickt hatte.


    "Die II Cohorte ist mit 471 Legionären aus Mogontiacum abmarschiert. Auf dem bisherigen Marsch haben wir bisher 7 davon verloren. Davon ist einer an irgendeinem Fieber noch in Germania drauf gegangen. 2 haben sich in den Bergen irgendwelche Knochen gebrochen und wurden zurückgeschickt. 4 haben in den Bergen einen tieferen Fall ausprobiert und sind inzwischen alle ehrenhaft entlassen und haben den Bestattungsfonds ihrer jeweiligen Einheit belastet. Ich diene seit inzwischen 13 Jahren in der II Cohorte und in dieser Zeit gab es keinen einzigen Deserteur und solange ich atme wird es auch keinen geben.
    Bei der Ausrüstung gab es keine größeren Verluste und auch der Bestand an Calos und Mulis hat nicht gelitten. Die Ausrüstung ist in gutem Zustand und fast ausnahmslos als neuwertig anzusehen. Ältere Ausrüstungsgegenstände wurden in Masse vor dem Abmarsch und dank der langen Vorbereitungszeit ausgetauscht.
    Die Zettel sind vergessen und wurden von wenigen bis niemanden gelesen.
    Die Brücke hat der II Cohorte eher den Luxus einer mehrtägigen Marschpause gebracht und ist daher auch nicht negativ in Erinnerung geblieben.
    Die Moral ist gut. Das einzige Murren was bisher aufkam ist wegen dieser Gemeinschaftsküchen gewesen und das bisher noch kein Nagelgeld gezahlt wurde oder zumindestens zugesichert.
    Die Männer brennen darauf sich mit den Prätorianern oder noch besser den Urbanern zu messen und diese abzustechen. Sollten wir auf Flottensoldaten treffen dürfte es auch keine Probleme geben.
    Treffen wir auf andere Legionen...", er blickte kurz auf seinen Vitis und den der anderen anwesenden Centurios der IIten", kommt wahrscheinlich ein hartes Stück Arbeit auf uns zu. In einer lauen Nacht vor dem Abmarsch bin ich mal die Akten meiner Männer durchgegangen. Mindestens 200 meiner Legionäre haben Verwandte in anderen Legionen. In welcher genau kann ich natürlich nicht sagen aber der jeweilige Legionär wird es wissen. Einziger Vorteil an dieser Tatsache wird sein das es auf der anderen Seite genauso sein dürfte."


    Er machte eine kurze Pause und fuhr dann fort:
    "Meine I Centurie ist auf voller Sollstärke und ich habe keinen Mann der nicht mindestens 5 Jahre Dienst auf dem Buckel hat."


    Der Pilus Prior der II Cohorte fuhr fort und ging nach ähnlichem Bild die Stärken der anderen Centurien durch. Einzig die IV Centurie lies er aus. Diese hatte wohl an einem der ersten Marschtage einen Sonderauftrag erhalten und war erst heute Morgen in der Marschkolonne wieder bei der II Cohorte angekommen. Sämtliche Ausfälle bzw. vorherige Unterbestände an Legionären waren bei der II, III, V und VI Centurie.



    Lucius Helvetius Corvinus trat schließlich vor:
    "Meine Centurie ist auf voller Stärke was Legionäre, Calos und Mulis angeht. Ich habe grob 2 Contubernien Immunes bzw. länger gediente. Die restlichen 8 Contubernien haben jeweils einen oder zwei Männer die im Schnitt 5 Dienstjahre haben und der Rest hat irgendwas darunter bis hin zu Legionären bei denen der Marsch bis hierher der Abschluss ihrer Grundausbildung war."


    An dem Bericht über diese Centurie war auffällig das der Centurio selber wohl auch sehr wahrscheinlich noch keine 5 Dienstjahre hatte und sie dementsprechend als die mit Abstand unerfahrenste der IIten gezählt werden musste. Ebenso sie die einzige, neben der Iten, in dieser Cohorte war die auf voller Stärke war und geblieben ist.

  • Ein Marsch hatte stets seine Höhen und Tiefen. Es gab Zeiten, da musste jeder Legionär hell wach sein, um nicht den Tod zu finden, so wie in den engen Passagen der Alpen. Es gab Phasen, da bekam der ein oder andere Legionär eine extra Aufgabe und es gab Zeiten, da passiert leider rein gar nichts. Regulus hatte natürlich, wie so viele andere Legionäre nichts dagegen, dass mal etwas Ruhe einkehrte und der ein oder andere Legionäre auch Zeit für ein Nieckerchen oder ein Würfelspiel in den Lagern hatte, aber im großen und ganzen war es doch recht langweilig geworden. Manchmal wurde die eigene Einteilung für die Wache schon als Ausbruch aus dem Alltag gefeiert. Wirklich toll war es dann allerdings auch wieder nicht, gerade wo man doch diese furchtbare Geschichte mit den Zetteln hinter sich hatte und jeder deshalb besonders vorsichtig war, um nicht ganz so mies dazustehen, wie die Kameraden, die zu jenem Zeitpunkt eingeteilt und so fürchterlich versagt hatten.


    Es war wohl wie eh und je, die großen Führer der Legion beratschlagten und der einfache Soldat wartete auf Befehle. Das spannendste, was der Legionär Regulus in jenen Tagen noch erlebet, war die leichte Verletzung eines seiner Kameraden. Als sie abwärts marschierten tat er wohl irgendeinen falschen schritt - manchmal war das bergab ja recht leicht, wenn man doch die ganze Zeit leicht abstoppen musste - und knickte ein wenig mit seinem Sprunggelenk um. Er fing sich zum Glück noch und hatte wohl nichts wirklich ernsthaftes, laufen konnte er immerhin unter Schmerzen, aber trotzdem meldete er es natürlich und ließ seinen Fuß von Casparius begutachten. Die richtigen Medicii hatten zweifellos andere Leute zu behandeln, denen es schlechter ging, aber selbstverständlich befand sich auch das ganze medizinische Personal der Legion immer mit im Tross und wurde auch häufig in Anspruch genommen.


    Dies mochte den Marschalltag wohl etwas auflockern, war aber dann doch eher seltener der Fall. Nun gut, man wünschte ja auch keinem Legionär eine Verletzung wie in diesem Falle, nur damit mal etwas passiert, aber man konnte schon nicht leugnen, dass ein paar Ereignisse die alles ein wenig auflockerte und man manchmal sogar vergessen konnte, dass man sich im Krieg befand.

  • So nach und nach berichteten die einzelnen Centuriones über ihre Mannschaftsstärken. Sextus überschlug im Kopf die Zahlen. Die Verluste waren nicht nur gering, sondern geradezu lächerlich, bedachte man den Weg, den sie zurückgelegt hatten. Und keine Deserteure in den ersten beiden Cohorten, das war auch schon ein gutes Zeichen. In den weiteren Cohorten würde sich das vermutlich ändern, an so viel Glück glaubte Sextus dann nicht. Erfundene göttliche Zeichen und reißerische Ansprachen hin oder her, das hier waren einfache Männer, die manchmal sehr einfache Ängste hatten und dann auch ganz einfach davonliefen. Mit so etwas musste man rechnen, so etwas musste man bestrafen.
    Nur kurz zeigten sich kleine Falten auf seiner Stirn, als der Pilus Prior der zweiten Cohorte davon redete, die Urbaner und Prätorianer abzustechen. Vermutlich würde es darauf hinauslaufen, allerdings empfand Sextus sicher keine Freude dabei, die Männer zu töten, die sie bei einem Erfolg ihres Unternehmens zur Aufrechterhaltung der Ordnung brauchen würden. Abgesehen davon, dass Sextus den Mangel an Patriotismus, was das töten der eigenen Landsleute anging, bedenklich fand. Und ganz sicher war es auch nicht so einfach, sie zu bezwingen, wie es sich hier anhörte. Allerdings war es durchaus kontraindiziert, das hier anzubringen und den Centurio auf diese Weise vor seinen Untergebenen zurechtzuweisen aufgrund eines Mangels an Pietas. Nein, diesen Eindruck wollte Sextus nicht erwecken, als hätte er dahingehend Skrupel, was das töten von Gegnern anging. Er machte sich lediglich eine gedankliche Notiz über fehlenden Feingeist bei den einfachen Rängen.


    Die Versorgung stellte wohl ein Problem dar, was zu Unruhe führen könnte. “Was für Gemeinschaftsküchen?“ fragte er noch einmal nach, ohne sich an jemanden bestimmten mit dieser Frage zu wenden. Die Reaktion auf die Frage und die Person des Antwortenden würden Sextus weitere Möglichkeit bieten, Rückschlüsse über die interne Reihenfolge der hier versammelten Männer zu ziehen.
    “Über Geldmittel müssen sich die Soldaten keine Sorgen machen“, kommentierte Sextus noch knapp den Zustand des Nagelgeldes. Nach der Schlacht würde die Hälfte der Männer sich über fehlende Nägel vermutlich keine Gedanken mehr machen müssen, da jetzt schon etwas auszuzahlen war Verschwendung. Sextus hasste Verschwendung, er war für pragmatischere Lösungen. “Der Kaiser wird sich ganz sicher ebenso spendabel zeigen wie der Statthalter Annaeus nach Beendigung des Krieges.“ Was alles heißen konnte oder auch nichts.
    “Bis zu unserer Abreise erwarte ich das Ansetzen einiger Übungen zur Überprüfung der Kampfstärke. Vor allen Dingen die unerfahrenen Contubernien sollen hierbei von der Erfahrung ihrer älteren Mitlegionäre profitieren. Desweiteren erwarte ich vor unserer Ankunft in Verona einen Ausrüstungscheck. Wir werden nicht wie Bettler dort auflaufen. Über fehlende Ausrüstungen erwarte ich eine genaue Aufstellung, so dass diese schnellstmöglich ersetzt werden kann.“

  • Gewount heb ik mi niet dra..., zuckte Vala mit den Achseln und wischte sich den Mund mit dem Handrücken ab, um gleich darauf zum Dünnbier zu greifen. Er hätte nie gedacht, dass man bei einem simplen Vergärungsprozess wie dem mit Getreide soviel anders machen kann... aber das Zeug südlich der Alpen schmeckte markant anders als das nördlich des Gebirges. Zum Abgewöhnen.
    Opp de Berch watt de Fraas ook anners wern., entsann sich der Tribun, "Het no niet so klamm, datt sers de Legad het Puls fretten muttn, bat de Spieskard wes en heel Stuck schorter wern."
    Während er den beiden Soldaten die Gelegenheit gab sich an dem für sie sicherlich außerordentlichen Mahl zu laben, musterte er die beiden Soldaten ausgiebig. Einen abgekämpten Eindruck machten die noch nicht.. allerdings war frisch auch etwas anderes. Seine eigenen Leute, die Vala jeden Tag sah, machten kaum einen anderen Eindruck.. es wurde Zeit, dass sie endlich zu den obergermanischen Truppen und zur Legio Prima stießen.. sobald Rom einmal belagert war, konnten die Männer wechselweise ausspannen.


    "Jupp, het et.", kam Vala auf das letztendliche Thema zu sprechen, "Laat et mi sou erklorn, ju kricht e nieuwe Dribun. Het word as grün hinner die Lauscher as Morjengrass... bat ju kricht de Päns net fo nix.
    Valas Blick war alles andere als ausdruckslos... mit leicht verzogenen Lippen und erhöhter Augenbraue konnte er nicht deutlicher machen, was er von der ganzen Situation hielt.
    "De Legad het dacht, et kunnt niet schode, datt het Orelus unne Glaudius si jeinsitig oppe Fingers kieke..", fuhr er fort, um die Brisanz der Lage deutlich zu machen, "De olle Dribun is doot.. un de Legad druut de Glaudius niet wieter över de Weech as wi e ih schmiete kunn. Un mer hebe jeiwitt Twuivel, opp de Leid vonne Due sou ferlodig iss, kum het noudig wer fo a Kriech... aso kummt de Orelus. De Orelus is... eh...", suchte Vala nach dem richtigen Wort, schnippte ein paar Mal mit dem Finger bis es ihm einzufallen schien, ..e Frünn..
    Fiel der Groschen? Zu erkennen gaben die beiden es nicht... es fiel Vala zumindest nicht auf... besonders der Marius schien ihm noch zu sehr in der Ehrfurcht vor dem Posten gefangen, den Vala innehatte.
    "Niet e jute.. bat e Frünn..", wiederholte er sich noch einmal, um irgendwie klar zu stellen, dass der Aurelier sein Vertrauen genoss, "Un hou ik sacht heb, het is grün kum Klee.. watt mient, datte sei wou inne Laaje iss, ju oll inne Doot to schicken un to globen, datt et een heel jut Idee wesen wör... aber, un het is de heel streng Pint: ju Legad pakkt datt ook met Erföhrung. Un twee döösköppe sin' schlauä as wie een. Un' vo allm: de junge Dööskopp iss no am lerne, de olle niet. Watt for ju no heel hild iss, und no spitzt de Lauscher, Jongens... de Orelius unne Glaudius möjn sik eel niet luin. Un' ik gloob, watte Legad niet gloobt: das kunnt hehl watt een Stress gem. Aso, laat et mi so kürn: WENN et Stress jibt, doot ju joot daran, de Orelius too stösn. Het iss weeeeeet wenijer wollsachs ju ool to keeln. Un short sacht: de Glaudius het inne Luid net de besse Ston."

  • Nein, ein Lanistus war der Annaeer definitiv nicht. Vala musste sich arg zusammenreißen um die Enttäuschung über die schwammige Antwort zu verhehlen, andererseits: was hatte er erwartet? Dreitausendfünfhundert Aurei waren genug um ebensoviele Menschen ein halbes Jahr lang durchzubringen... eine gewaltige Summe für einen einzelnen Mann.. und Vala fragte sich, wie groß die Versuchung für den Sempronier gewesen war einfach mit der Beute und seinen Reitern durchzubrennen. Dass der Mann trotzdem hier stand rechnete Vala ihm hoch an.. und stellte sich gleich noch einmal diesselbe Frage: würde er hier stehen, so ehrenhaft und pflichtversessen wie der Sempronier? Vielleicht... Vala machte sich keine Illusionen darüber, dass eine seiner maßgeblichen Triebfedern die Mehrung des eigenen und vor allem familiären Besitzes war. Allerdings war eine weitere Triebfeder die Mehrung der eigenen und familiären Macht, und da war es inopportun mit der Kasse einer Legion stiften zu gehen, wenn man früher oder später doch wieder in die breite Öffentlichkeit treten wollte. Also musste Vala den Reichtum auf halbwegs legalem Wege anhäufen.. und die Macht auf eben diesem Wege ausbauen, auf welchem sie waren: die- und denjenigen aus den Weg schaffen, der ihm imselben stand. Und wenn er dabei zehntausend Mann hinter sich stehen hatte: umso besser.


    "Damit kämen wir wohl zum nächsten Thema..." , wechselte Vala schnell das Thema, um eine erneute Diskussion über Unwägbarkeiten und viele Vielleichts und Könntes zu vermeiden, die ihm schon auf den letzten Besprechungen den letzten Nerv geraubt hatten. Also blieb er beim ohne größere Probleme Vorhersehbarem: "Wir sind knapp drei Marschtage nördlich von Mediolanum.. in einem Tag dürften wir die Straße gen Osten nach Verona erreichen.. das kostet uns zwar den direkten Marsch auf Rom und die Möglichkeit Mediolanum zu etwas Unterstützung zu überreden... aber der taktische Vorteil eines vereinten Heeres von über zwanzigtausend Mann dürfte maßgeblich sein. Unsere Kundschafter berichten, dass sich die Truppe unter Laberius Maturus.. so heißt deren Feldherr übrigens... vor einigen Tagen Aquileia genähert hat. Wenn wir uns jetzt beeilen, dürften wir in fünf bis sechs Tagen in Verona sein... und der Gegner bestenfalls unbestimmt lange danach... voraussichtlich in etwa zeitgleich... im schlechtesten vor uns. Ich wollte Meldereiter aussenden, die den Flaminier bitten sich nicht auf einen Kampf einzulassen, solange wir nicht da sind... sondern sich in unsere Richtung zurück zu ziehen, so der Feind sich vor unserem Eintreffen nähert. Wahrscheinlich wird der Mann sich durch derart offensichtliches tierisch gegängelt fühlen... aber besser sowas einmal zu viel als einmal zu wenig erwähnt."


    Er blickte den Legat weiter fragend an, gewisse Dinge musste der einfach entscheiden. Vala verstand sich als Hirte seiner Legion... aber die Weide, auf welcher die Herde grasen sollte, musste der Grundbesitzer auswählen. Wie auch immer der Feldherr sich entschied... sie würden in nicht einmal einer Woche Feindkontakt haben.

  • Die Lust auf die Leckereien, die Alrik ihnen da einfach präsentierte, siegte dann doch über das Unwohlsein, das der Kommentar seines Vetters in Hadamar ausgelöst hatte, und er begann zu futtern. Allerdings konnte er das Essen trotzdem nicht so richtig genießen... wirklich reinhauen tat er von Anfang an nicht, je weiter Alrik kam mit seinen Ausführungen, desto langsamer wurde er noch, und schließlich ließ er ganz sinken, was er in den Händen hielt. Was Alrik ihnen da mit Worten auftischte, war genug, um jeden vom Hocker zu hauen... oder zumindest ihn. Er zog den Krug mit Bier heran und trank einen großen Schluck, und dann noch einen, weil das Zeug eh nicht so durchzog wie das von daheim. Am liebsten hätte er zu Sönke geschaut, und das mehr als nur einmal, aber er verkniff es sich jedes Mal. Sönke mochte um ein paar Monate der Ältere sein... aber nach allen anderen Maßstäben war nicht er es, der hier zu wissen hatte wie zu reagieren war. Hadamar war Mitglied der Familie, in deren Munt die von Sönke stand. Und Hadamar war der Optio von ihnen beiden. Wenn überhaupt war es Sönke, der zu ihm schauen und Hilfe erwarten konnte, oder zumindest dass er ihm sagte, was zu tun war... aber nicht umgekehrt. Ganz sicher nicht umgekehrt. Davon abgesehen wäre es ein Zeichen von Schwäche gewesen, wenn er ratsuchend zu Sönke gesehen hätte, und was er vor dem Freund zwar nicht gern zugegeben, aber noch in Ordnung gefunden hätte, wollte Hadamar definitiv nicht vor Alrik zeigen, gerade weil der sein Vetter war... und so viel höher stand als er.


    Und trotzdem änderte das alles nichts daran, dass Hadamar einfach nicht wusste, wie er jetzt reagieren sollte. Er begriff wohl, worauf Alrik hinaus wollte. Aber er wusste einfach nicht, ob er ihm das zusagen konnte. Sein Vetter verlangte da nichts weniger, als dass er im Zweifel nicht auf der Seite seines Legat stehen sollte, sondern auf der des Tribuns... auf der seiner Familie. Und das stürzte ihn in einen Gewissenskonflikt, von dem er keine Ahnung hatte, wie er ihn lösen sollte. Als Alrik vor der Alpenüberquerung hatte durchblicken lassen, dass er vom Legat der Secunda nicht allzu viel hielt, war Hadamar einfach ausgewichen, und es seitdem auch vorgezogen, sich darüber einfach keine Gedanken zu machen, aber hier, jetzt, konnte er das nicht mehr. Die Legion war sein Zuhause, er bereute keinen Moment, dass er sich damals verpflichtet hatte und nicht, wie seine Mutter gewollt hätte, in die Verwaltung gegangen war. Was auch immer er da gesucht hatte, die Legion hatte es ihm gegeben. Und sie war vor allem eines: Disziplin, Gehorsam und Hierarchie bis zum Abwinken, mit dem Legat unverrückbar an der Spitze, und in dieses System hatte Hadamar sich eingefunden im Lauf der Jahre. Aber seine Familie... war trotzdem immer noch seine Familie. Wenn alles den Bach runterging, war seine Familie das, was blieb.
    Er wollte diese Entscheidung einfach nicht treffen müssen. Er wollte nicht. Und das nicht, weil er sich nicht entscheiden konnte, das wusste er auch. Er hatte sich bei Elfledas Tod für seine Familie entschieden, und er würde es wieder tun, das hatte er damals schon gewusst, trotz der Strafe, die seinem Contubernium und ihm aufgebrummt worden war. Er hatte nur gelernt, dass er das nicht laut sagen durfte, und dass er weit vorsichtiger sein musste, um sich in einem solchen Fall nicht erwischen zu lassen. Nur ging es hier nicht darum, sich einfach nur gegen den Befehl des Vorgesetzten aus dem Lager zu schleichen. Es ging hier tatsächlich darum, wem seine Loyalität mehr galt... und er wollte sich nicht entscheiden müssen. Er wollte, dass die Ziele der Secunda und ihres Legaten mit denen seiner Familie übereinstimmten, er wollte, dass es keinen Zweifel für ihn gab und keinen Gewissenskonflikt, kurz: er wollte, dass es einfach war für ihn. Aber das war es wohl nicht.


    Als Alrik schließlich geendet hatte, verkniff Hadamar es sich also, zu Sönke zu sehen... schaute aber dafür in seinen Krug, als ob das Bier ihm eher einen Rat geben könnte – was im Hinblick darauf, dass er keine Schwäche vor seinem Vetter zeigen wollte, wohl kaum eine bessere Wahl war als zu seinem Freund zu gucken. Bevor sich das Schweigen allerdings zu lange dehnen konnte, sah er wieder auf zu seinem Vetter. „I hoff, da Aurelius mochd sei Sach wirkli bessa.“ Hadamar schnitt eine Grimasse, als er das sagte, und er betete zu den Göttern, dass sie ihn nicht auf die Probe stellten, dass sie ihn nicht tatsächlich in eine Situation kommen lassen würden, in der er nicht nur mit Worten, sondern mit Taten würde zeigen müssen, wo er stand. „Aba... warum is da Legat net ogseng? Un warum glabst dos da Aurelius bessa is?“

  • „Nun, Tribun...“, ergriff der Princeps der ersten Cohorte – und damit der ranghöchste der anwesenden Centurionen – wie selbstverständlich das Wort, als der Aurelius nach den Gemeinschaftsküchen fragte. „Dein Vorgänger hat aus den Reihen der Centurien vormalige Bäcker und Fleischer in einer Horrea für jede Cohorte zusammengestellt. Die waren verantwortlich für Transport und Lagerung der Verpflegung der ganzen Cohorte... die Männer selbst sollten immer eine Dreitagesration mit sich führen.“ Er verkniff sich einen Kommentar, was er von der ganzen Sache hielt. Obwohl alle Centurionen der ersten Cohorte zum erweiterten Stab gehörten, waren sie dann doch nicht genug eingebunden, als dass er hätte wissen können, wie gut oder schlecht diese Idee bei der Führung angekommen war... und obwohl er wie wohl die meisten erst mal aus Prinzip nicht viel von senatorischen Tribuni hielt, bis sie vielleicht das Gegenteil bewiesen, war er doch nicht so dumm es sich mit einem Neuen gleich zu verscherzen, indem er einen unbedachten Kommentar über eine Aktion des Vorgängers vom Stapel ließ.


    Derselbe Mann war es, der nach den weiteren Worten des Tribuns noch einmal das Wort ergriff. „Wie lange werden wir hier bleiben, Tribun?“

  • Im Gegensatz zu Hadamar hatte Sönke einen Bärenhunger, der sich auch nicht vom unheilvollen Schwadronieren des duccischen Tribuns stören ließ. Schweinefleisch! Wann hatte er überhaupt zuletzt Fleisch gehabt... außer gefangenen Nagetieren wie Ratten oder mageren Kaninchen? Na gut.. vor einer Woche hatte er einen Vogel gefangen, den er nicht kannte, aber so gut oder schlecht schmeckte wie jeder andere auch. Und sobald sie den See verließen und wieder an einem Fluss campierten würde er sich sofort einen Speer basteln um 'angeln' zu gehen. Aber das hier war SCHWEINEFLEISCH. Das war nicht nur eine Liga über dem normalen Speiseplan, den man selbst im Lager in Mogontiacum genoss. Und dazu richtige Oliven...
    Kurzum: Sönke langte kräftig zu, als Hadamar ihm die Arbeit abnahm und sich einfach hinsetzte. Er musste nicht einmal mehr höflich tun..
    Da drangen die Worte des Duccius, dessen Stellung deutlich durch das Essen sowohl gelitten als auch gewonnen hatte, nur bruchstückchenhaft zu ihm durch. Ahja, sie bekamen nen neuen Tribun.. einen grünen noch dazu, wobei Sönke sich zwischen zwei Bissen fragte wie der Mann zu der Farbe gekommen war und wie die Männer auf jemanden dieser Coleur reagieren würden. Und der neue Tribun war ein Freund des Duccius. Soweit, so gut... erst als zu ihm durchdrang, dass sowohl der Aurelius als auch der Claudius sie alle umbringen wollten, blieb Sönke ein Stück im Halse stecken... und es dauerte eine ganze Weile, bis er es unter heftigem Würgen und Keuchen zurück auf die Tischplatte befördert hatte: "ARGH... nu hat ma watt a... watt is nu? Wö wud us keele?"

  • Zitat

    So nach und nach berichteten die einzelnen Centuriones über ihre Mannschaftsstärken. Sextus überschlug im Kopf die Zahlen. Die Verluste waren nicht nur gering, sondern geradezu lächerlich, bedachte man den Weg, den sie zurückgelegt hatten. Und keine Deserteure in den ersten beiden Cohorten, das war auch schon ein gutes Zeichen. In den weiteren Cohorten würde sich das vermutlich ändern, an so viel Glück glaubte Sextus dann nicht. Erfundene göttliche Zeichen und reißerische Ansprachen hin oder her, das hier waren einfache Männer, die manchmal sehr einfache Ängste hatten und dann auch ganz einfach davonliefen. Mit so etwas musste man rechnen, so etwas musste man bestrafen.
    Nur kurz zeigten sich kleine Falten auf seiner Stirn, als der Pilus Prior der zweiten Cohorte davon redete, die Urbaner und Prätorianer abzustechen. Vermutlich würde es darauf hinauslaufen, allerdings empfand Sextus sicher keine Freude dabei, die Männer zu töten, die sie bei einem Erfolg ihres Unternehmens zur Aufrechterhaltung der Ordnung brauchen würden. Abgesehen davon, dass Sextus den Mangel an Patriotismus, was das töten der eigenen Landsleute anging, bedenklich fand. Und ganz sicher war es auch nicht so einfach, sie zu bezwingen, wie es sich hier anhörte. Allerdings war es durchaus kontraindiziert, das hier anzubringen und den Centurio auf diese Weise vor seinen Untergebenen zurechtzuweisen aufgrund eines Mangels an Pietas. Nein, diesen Eindruck wollte Sextus nicht erwecken, als hätte er dahingehend Skrupel, was das töten von Gegnern anging. Er machte sich lediglich eine gedankliche Notiz über fehlenden Feingeist bei den einfachen Rängen.


    Die Versorgung stellte wohl ein Problem dar, was zu Unruhe führen könnte. “Was für Gemeinschaftsküchen?“ fragte er noch einmal nach, ohne sich an jemanden bestimmten mit dieser Frage zu wenden. Die Reaktion auf die Frage und die Person des Antwortenden würden Sextus weitere Möglichkeit bieten, Rückschlüsse über die interne Reihenfolge der hier versammelten Männer zu ziehen.
    “Über Geldmittel müssen sich die Soldaten keine Sorgen machen“, kommentierte Sextus noch knapp den Zustand des Nagelgeldes. Nach der Schlacht würde die Hälfte der Männer sich über fehlende Nägel vermutlich keine Gedanken mehr machen müssen, da jetzt schon etwas auszuzahlen war Verschwendung. Sextus hasste Verschwendung, er war für pragmatischere Lösungen. “Der Kaiser wird sich ganz sicher ebenso spendabel zeigen wie der Statthalter Annaeus nach Beendigung des Krieges.“ Was alles heißen konnte oder auch nichts.
    “Bis zu unserer Abreise erwarte ich das Ansetzen einiger Übungen zur Überprüfung der Kampfstärke. Vor allen Dingen die unerfahrenen Contubernien sollen hierbei von der Erfahrung ihrer älteren Mitlegionäre profitieren. Desweiteren erwarte ich vor unserer Ankunft in Verona einen Ausrüstungscheck. Wir werden nicht wie Bettler dort auflaufen. Über fehlende Ausrüstungen erwarte ich eine genaue Aufstellung, so dass diese schnellstmöglich ersetzt werden kann.“


    Nachdem der Princeps der Iten Cohorte sich auf das Glatteis bewegt hatte, schließlich wussten sie noch nicht wie dieser Tribun zu solchen Ideen stand, ergriff der Pilus Prior der IIten wieder das Wort.


    "Ich werde an meine Leute weitergeben das sie sich keine Sorgen um ihr Nagelgeld machen brauchen. Nur als kleine Ergänzung es geht nicht um Donativii nach unserem Sieg. Ich bringe meinen Leuten bei das Fell erst zu verteilen wenn das Tier erlegt ist. Es geht rein, auch um die Moral nicht zu schwächen, um solche Kleinigkeiten wie das Clavarium!"


    Auf die Ansage bezüglich der Übungen und der Verfahrensweise das ältere Dienstgrade den jüngeren etwas beibringen sollen antwortete der Pilus Prior schon fast angefressen mit einem knappen:
    "Natürlich Tribun!"


    Der nächste Befehl machte das nicht besser und darauf antwortete der alte Kämpe mit
    "Verstanden Tribun. Ich kann schon mal sagen das die IIte Cohorte bisher keine größeren Verluste an Material hatte und das was verloren ging wurde bereits ersetzt."

  • Ruhig hörte sich Sextus die Meldungen der Centurionen an. Der der ersten Cohorte behandelte ihn wie ein rohes Ei, der der zweiten, als wäre er ein vollidiot. Das waren ja hervorragende Grundbedingungen, um mit diesen Männern zu Arbeiten.
    “Centurio“, fing Sextus an den der ersten Cohorte ruhig und mit festem Blick an. “Ich bevorzuge vollständige Meldungen. Ich entnehme euren Andeutungen, dass diese Entscheidung meines Vorgängers bei den Männern nicht gut ankam und es deshalb Unstimmigkeiten gibt. Ich habe nach Dingen gefragt, die Unstimmigkeiten auslösen. Wenn also mein Vorgänger Fehlentscheidungen getroffen hat, dann wünsche ich darüber in Kenntnis gesetzt zu werden. Auch maße ich mir nicht an, eure Erfahrung im Feld zu haben, also sollte eine meiner Entscheidungen vom militärischen Standpunkt aus bedenklich sein, wünsche ich sofort eure Bedenken diesbezüglich zu hören, so dass ich ein vollständiges Bild über die möglichen Risiken erhalte.“
    Auch wenn Sextus es hasste, fehlende Erfahrung eingestehen zu müssen, so war er nicht so dumm, darauf zu bauen, dass er es schon richtig machen würde. Wenn er etwas übersah, hatte das Folgen, und die waren zweifelsohne unangenehmer als eine Diskussion mit einigen Centurionen, die er jederzeit zu seinen Gunsten einfach entscheiden konnte. Oder mit den Tipps für den bösen Weltherrscher: Wenn ich schon Berater einstelle, werde ich gelegentlich auf ihren Rat hören.


    Dann wandte er sich an den Centurionen aus der zweiten Cohorte und bedachte ihn mit einem weit weniger amüsierten Gesichtsausdruck. Nur kurz fragte sich Sextus, wie der Mann mitten im Gebirge, Meilen von allem, was man als Schmiede bezeichnen konnte, an Ersatzausrüstung gekommen sein wollte. Und sicher hatte nicht nur ein Legionär auf dieser Wanderung Teile seiner Ausrüstung geopfert, um selbst das Gleichgewicht zu bewahren und auf dem Weg zu bleiben, während selbige in den tiefen Abgrund gesegelt war, und auch nicht nur ein Maultier war abgestürzt, so dass Zelte oder Mühlsteine mit ihm im Orcus verschwanden. “Was aber nicht heißt, dass ich Entscheidungen abtrete. Auch wenn alles vorhanden ist, wünsche ich dennoch eine Kontrolle darüber. Das erinnert die Männer auch wieder an ihre Pflichten und stärkt die Disziplin im Umgang mit der Ausrüstung.“
    Dann machte er sich etwas Platz, indem er sich herumdrehte und zwei Schritte lief. Die Luft im Zelt wurde nicht wirklich besser. Aber vielleicht hatte sie sich jetzt dennoch etwas geklärt.
    “Und ich wiederhole, die Entscheidung über Sold, die beim Legaten liegt, wird von ihm auch sicher im Sinne der Männer getroffen werden.“ Was sollte Sextus zu irgendwelchen Geldern sagen? Dass er sie selbst bezahlte? Lustige Idee, wo sein Vermögen doch zu großen Teilen sehr gebunden oder beschlagnahmt oder beides war. Nach dem Krieg konnte er großzügig sein. Sofern sie gewannen, andernfalls war er schlicht tot. Allerdings interessierte ihn in keinem der beiden Fälle, was dann die Soldaten der Legio II machten, er würde sich von all dem hier so weit als möglich entfernen und endlich wieder ein standesgemäßes Leben führen.
    “Was die Frage unseres Aufenthaltes betrifft: Wir warten augenblicklich auf die fehlenden Reiter der Ala Prima. Sobald diese mit uns aufgeschlossen haben“ oder klar sein würde, dass sie nicht mehr kamen “wird unser Lager hier abgebrochen werden und wir marschieren weiter nach Verona. Unser Aufenthalt hier wird keinesfalls länger als zwei Wochen andauern.“ Wenn sie länger warteten, gingen ihnen schlicht die Vorräte aus.
    “Was nun diese Küchen angeht, so sollen diese... Köche in ihre Einheiten zurückkehren und der militärische Standard wieder hergestellt werden. Tabula!“
    Sextus winkte dem Schreiberling hinter ihm, setzte mit groben strichen einen kurzen Befehl auf und drückte zur Unterzeichnung mit Effet seinen Siegelring in das Wachs. Der Abdruck des aurelischen Löwen genügte, für so etwas waren Siegelringe ja schließlich da.
    Da der Duccius der Rangniederste hier war, warf Sextus ungefragt ihm die Tafel zu, damit er den Befehl dort überbringen und durchsetzen würde. Oder an jemanden delegieren, der es tat.
    “Gibt es noch etwas, was ich wissen müsste?“

  • Dass wegen des neuen Systems der Gemeinschaftsküchen gemurrt worden war in der Legion, war schon gesagt worden... kein Grund das noch mal wiederzuholen. Aber der Princeps der ersten Cohorte schwieg, anstatt darauf hinzuweisen. Es lohnte nicht, sich mit einem Tribun wegen einer solchen Nichtigkeit in die Haare zu kriegen. Schon gar nicht mit einem senatorischen, die ohnehin jeweils nur kurz blieben... und in Zeiten wie diesen noch kürzer da waren als sowieso schon. Der letzte hatte es gerade mal ein paar Wochen geschafft, und der jetzige... wenn er den Krieg überlebte, bezweifelte der Centurio, dass er bei der Secunda bleiben würde. Er kannte den Namen von der Proskriptionsliste, er wusste, dass der Mann Patrizier war und als solcher gar kein Tribunat machen musste, und er wusste, dass er schon Senator war – nach Maßstäben der römischen Politik also sowieso schon über das Tribunat hinaus. Der Mann hatte keinen Grund, länger als unbedingt nötig bei der Secunda zu sein, sofern er nicht irgendwann als Legat zurückkehrte. Aber die senatorischen waren da ohnehin fast alle gleich, für viele war ihr Tribunat nicht mehr als das Sprungbrett, das sie für ihre Karriere brauchten... selbst wenn sie planten, diese später im Militär fortzusetzen. Grund genug, zurückhaltend zu sein, bei jedem neuen Tribunus laticlavius. Und was diesen hier konkret betraf... der Princeps der ersten Cohorte wusste auch, dass der Legat nicht allzu viel von ihm hielt, und auch nicht von dem Tribun der VIII. Noch mehr Grund, sich zurückzuhalten. „Zu Befehl, Tribun“, antwortete er also nur knapp, nickte aber zusätzlich einmal bekräftigend.


    Als der Aurelius Stellung nahm zu den Worten von seinem Kollegen der zweiten Cohorte, dachte sich der Mann auch nur seinen Teil, ähnlich wie wohl die anderen Centurionen auch, insbesondere was das Thema Geld anging. Der Tribun schien sich nicht ganz im Klaren darüber zu sein – oder es interessierte ihn nicht weiter, und beides war wenig verwunderlich für einen senatorischen Tribun –, dass das Nagelgeld kein Sold war, sondern die Soldaten es bekamen, um ihr Schuhwerk ordentlich in Schuss zu halten – den einzigen Zuschuss, den sie für ihre Ausrüstung bekamen, der Rest wurde ihnen vom Sold abgezogen, wenn etwas kaputt ging oder sie etwas verloren... wenn nicht gerade der Legat beschloss, aus seiner oder der Legionskasse den Milites ein Donativum in Form neuer Ausrüstungsgegenstände zukommen zu lassen. Was spätestens nach dem Krieg angebracht wäre, aber das Thema Sold schien für den Tribun ziemlich eindeutig abgehakt zu sein. Also hörte nur schweigend weiter zu und nickte dann erneut knapp, als er die Zeiteinschätzung hörte. Bis zu zwei Wochen – das war mehr als genug Zeit, um Übungen anzusetzen und den Drill wieder einzuschleifen. „Von meiner Seite aus wäre das alles, Tribun“, antwortete er abschließend, und die übrigen Centurionen der ersten Cohorte schüttelten ebenfalls den Kopf auf die Frage hin.

  • Was auch immer Vala von den beiden erwartete, hatte Vala im vorneherein auch nicht gewusst... nur wusste er jetzt, dass sie ihm nicht gerecht wurden. Hadamar's Zurückhaltung ließ Vala einen Moment nachdenklich zurück, und die Reaktion Sönkes entlockte ihm schließlich nicht mehr als einen Augenblick ungläubigen Dreinschauens.. wie bei Loki war er auf die Idee gekommen, so ein einfacher Hund wie Sönke könnte ihm in der Sache dienlich sein?
    Der Junge machte nicht im geringsten den Eindruck auch nur annähernd erfasst zu haben was Vala da gerade versucht hatte klarzustellen, und die obligatorische Frage folgte, ob er Sönke da überhaupt vertrauen konnte. Wenn er auch keine Zweifel an dessen Loyalität hatte, so musste er sich nun fragen ob der Kerl überhaupt geistig in der Lage war zu erfassen worum es ging.. und ob er nicht eher durch blankes Unverständnis viel mehr Schaden anrichten konnte.
    "Do wirsch di no süms keele, wä do net schlünigs die Looscher oppspärrs, Hartwigssönig." , entschloss Vala sich impromptu doch dagegen den Kerl einfach rauszuwerfen, weil das, was er bisher nicht verstanden hatte so verbreitet noch größeren Schaden anrichten konnte... und da vertraute Vala dem Trottel dann sicherlich nicht, auch entsprechend die Klappe halten zu können.
    Als er sich wieder Hadamar zuwandte mühte er sich etwas entspannter zu klingen, was ihm nicht ganz gelingen wollte... zu unentspannt war einfach die ganze Situation.
    "Schort sacht: ik ben frou, wenn de Orelius wees, wou er een Schword het anzopacke. Un' in weeke Richt he tet to holln hat. Ik gloob, watt de Administratio anjeit, drüvt he better klarkum.. kum ik sacht heb: he is gröön wie een Morjenwies. Aba he lernt.. un' dat is heel watt anners, watt een vunne Glodius saaje kunt."
    Ein Schluck Bier gab Hadamar die Gelegenheit über das gesagte nachzudenken... und Vala die Möglichkeit, Sönke noch einmal mit einem eindringlichen Blick aufzuspießen, nur um sicher zu gehen, dass der Kerl nicht noch einmal nur halb zuhörte.
    "Ik gloob niet, datt de Orelius better iss. Ik gloob, datt he de leeger Piene vunn twee üweln iss.. un' wenn ju twee Pötte met Brackwaater hess, dann suups ju ut de Pott witte ju fresch hult hess, un' net de olle Pott witte ju scho kenns. De Glodius het scho vo de Zoch schnaaftich klarmaakt, datte niet to druwwen iss. Un' dösse Eendrock het si net viu ännert... um jenau to sin: jarnet. De Orelius wid inset, dormit de Glodius niet op dummet Breegenkniepen kummt.. dine Legad wies, kum he kline Licher wie Sönge tüschen kunn.. aber Kriech.. ne. De Kerl iss een Huushund.. keen Jachttier."

  • Hadamars Gedanken schwirrten um das, was Alrik gesagt hatte und was er wollte und was das hieß für ihn... als Sönke neben ihm zu husten und würgen anfing, bis schließlich zuerst ein Stück Fleisch auf dem Tisch und ein paar Worte in der Luft landeten. Und JETZT sah Hadamar doch zu seinem Freund, mit einem ziemlich perplexen Gesichtsausdruck. War das alles, was er zu sagen hatte? Von all dem, was Alrik gerade vom Stapel gelassen hatte, war das das einzige, was... ja, was eigentlich? Das einzige was Sönke mitgekriegt hatte, oder das einzige was er kapiert hatte? Ersteres wäre schmeichelhafter für ihn... aber Hadamar war sich nicht so sicher, ob das zutraf. Und er fragte sich für einen Moment irritiert, warum ihm das früher all die Jahre nie aufgefallen war. Gut, er hatte nie so wirklich darüber nachgedacht, warum auch, und vielleicht war das ja schon der Grund dafür... sie waren halt Freunde gewesen. Miteinander aufgewachsen. Und solange sie auf dem Gut vor Mogontiacum gelebt hatten, war es nie ein Thema gewesen, wer was auf dem Kasten hatte, genau so wenig wie es ein Thema gewesen war, wer von ihnen für was bestimmt war, rein von ihren Familien her... zumindest für Hadamar war es das nicht gewesen. Er hatte da nie drüber nachgedacht, ihm war noch nicht mal aufgefallen, dass es Unterschiede gab, wenn es denn welche gegeben hatte. Aber irgendwann in den letzten Jahren hatte sich das geändert... und er fragte sich, ob er sich verändert hatte, oder Sönke, oder ob es einfach schon immer so gewesen war und er das nur nie gemerkt hatte.


    Reichlich perplex also starrte Hadamar seinen Freund an, dann fackelte er nicht lange und verpasste ihm mit der einen Hand einen Klaps auf den Hinterkopf, während er schon ansetzte etwas zu sagen – was er allerdings runter schluckte, weil genau in dem Moment Alrik etwas zu Sönke sagte. Bevor er sich wieder ihm zuwandte, weswegen Hadamar beschloss, Sönke vorerst einfach zu ignorieren. Er konzentrierte sich auf das, was Alrik weiter erzählte... und versuchte klar zu kommen. Dem Claudier war nicht zu trauen? Warum um alles in der Welt nicht? Was hatte Alrik erlebt oder erfahren, was ihn zu solchen Schlüssen brachte?
    Das Problem an der Sache war: Hadamar konnte das überhaupt nicht beurteilen. Als einfacher Soldat war er in keinerlei Besprechungen eingebunden, wo er sich selbst eine Meinung hätte bilden können. Er war zwar Optio inzwischen, aber er war im Grunde trotzdem nach wie vor nicht viel mehr als ein Befehlsempfänger, einer der mehr zu tun hatte, etwas mehr Verantwortung und ein bisschen selbst denken musste, aber eben trotzdem nicht wirklich mehr als das: ein Befehlsempfänger. Und im Moment kotzte ihn das gewaltig an. Er wollte mehr, mehr wissen, von dem ganzen Schmarrn hier, er wollte eingebunden sein, er wollte eben nicht einfach nur Befehle ausführen ohne zu wissen warumwiesoweshalb. Frustriert fuhr er sich mit beiden Händen durch die Haare und fluchte lautlos. Konnte das nicht einfach... einfach sein? Er wollte sich gar nicht vorstellen, was das für die Secunda hieß, wenn es so war wie Alrik sagte – der Legat einer, der von Kriegsführung wenig Ahnung hatte, der Tribun einer, der im Grunde noch weniger Ahnung hatte, und beide nicht gut aufeinander zu sprechen. Dazu kam, dass er sich ziemlich sicher war, dass der Legat den übrigen Stab auf seiner Seite hatte. Den Pilus Primus zumindest. Götter, das würde ganz und gar nicht einfach werden.
    Er legte die flachen Hände auf den Tisch und trommelte abwechselnd mit ihnen leicht auf der Platte herum. „Da Aurelius werds net oafach ham, ois Ofenga no vui weniga ois eh scho. Da Stab gheart zm greßten Teil am Legad, jednfois wos i woaß. Wann die sich net oanig san untranand un es Stress gebt... De Zwoa is Speafutta, wannsd Rechd hosd.“ Er hob den Krug an und trank einen großen Schluck. Und noch einen. Und dann noch einen, bevor er den Krug wieder absetzte. Götter, was hoffte er doch dass Alrik nicht Recht hatte. „Wos solln mia dean? I moan... au wanns kracha dead... vui meara ois vasuchn, de Leid auf oane Seitn zm Ziang werd kaum drin sei. Un i woaß net ob as so guad war, de Legio a no zm spoitn, wannd Spitzn si scho net oanig is.“

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!