Unweit der Stadt - auf der Suche nach Antworten

  • Eigentlich wollte sie schon längst bei der Casa sein, aber Runa war nach ihrem Dienst im Tempel lieber noch in den an die Stadt angrenzenden Wald gegangen. In der Natur konnte sie schon zu Hause immer am nachdenken können. Man konnte seine Gedanken frei entfalten und genau hier spürte sie den Gegenwart der Götter am meisten. Schon komisch obwohl sie jeden Tag im Tempel war, fand sie doch eher an den ruhigen Plätzen in der Natur Zugang zu ihnen. Sie lehnte also in Sichtweite der Stadt an einem Baum und blickten zu den Wipfeln der Bäume und zu dem Himmel, der hier und da durch das Blätterdach schimmerte.


    „Aus Freyas Hand empfängst du der Leidenschaft Kelch -berühren erst die Lippen den Kelchrand, so setzt dich ihr Feuer in Flammen.Süß rinnt der Tropfen die Kehle hinab - du bist ihr verfallen,Freyas Gunst reißt dich hinfort, wie der Fluss im Mund dich durchströmt.Höchste Höhen der Lust erklimmst du, und stürzt in das Tal der Trauer;hingib dich Freya mit Haut und Haaren, auch wenn der letzte Schluck bitter.“


    Leise war die Stimme und wurde vom Wind der mit den satten frühlingsgrünen Blätter an den Bäumen spielten fast gänzlich überdeckt.
    'Oh ja bitter ist er der letzte Schluck.' ging es durch Runas Gedanken.

  • Nachdem sie nun eine Weile so da gesessen hatte kramte sie ein Tüchlein hervor, breitete es vor sich im Schatten der Eiche auch. Auf dem grünen Tuch fanden ein paar Äpfel, etwas Gebäck und ein Leib Brot Platz. All dies wurde schön arrangiert bis Runa mit dem Anblick zufrieden war. Schlussendlich erhob sie sich, blickte gen Himmel und erhob ihre Arme und sprach andächtig ihr Gebet.


    "Freyja!Liebliche Göttin des Krieges,
    Kriegerische Göttin der Liebe;


    Vanadis! - Walküre und Dise,
    Tödliche Göttin des Lebens,
    Lebensspendende Göttin des Todes;


    Gullveig! - Gefion!
    Gierige Göttin des Gebens,
    Gebende Göttin der Empfängnis;


    Heil Dir, Freyja,
    Trauernde Göttin der Extase,
    Suchende Göttin - weise mir den Weg."

  • Wie lang sie nun schon hier saß und Löcher in die Luft starrte wusste sie nicht, doch die Sonne stand schon tief. Runa erhob sich und legte den Kranz aus Frühlingsblumen, den sie während der Zeit geflochten hatte, zu den restlichen Opfergaben und hoffte das sich die Göttin ihrer gnädig erwies oder Runa zumindest einen Weg aus der Miesere zeigte.
    Das Einzige was Runa hoffen ließ war das Curio wie sie empfand. Sie hatte also die kleinen Gesten, Blicke und Worte doch nicht so falsch gedeutet. Auch wenn Curio dies wohl eher unbewusst denn bewusst getan hatte, so hatte er doch Zeichen gesendet.
    Doch es war halt alles nicht so einfach. Am liebsten würde sie ja Amor seinen Pfeil dahin stecken wo keine Sonne hin scheint. Aber wer wusste schon was die Götter für einen Plan hatten.
    So hieß es also nun das Schicksal anzunehmen und erst mal diese Gespräch zu führen.
    Es würde wohl kein Treffen zweier Liebenden werden, es würde sich wohl eher um ein sachlich nüchterne Unterhaltung handeln. Doch insgeheim hoffte Runa, das Curio wenigstens ein bischen so war wie heute Nachmittag in der Kammer.
    So machte sie sich nun also auf dem Weg zum Haus von Alpina.

  • Ein Stück war es schon, bis sie an jene Platz ankamen. Runa schob noch einen herunterhängenden Ast beiseite und dann wurde der Blick frei auf diesen besonderen Ort.


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    Eine Lichtung mitten im Wald übersät mit weißen kleinen Blumen. Die Bäume waren wie ein Dach gebildet nur hier und da kam ein Sonnenstrahl durch die Blätter im zarten Frühlingsgrün hindurch. Dies Strahlen wurden vom Tau der sich auf den Blättern der Blüten und Gräser gesammelt hat aufgefangen und widerspiegelt. Es sah so aus als wäre die kleine Lichtung mit kleinen Perlen bedeckt.


    Runa lies die Magie dieses Ortes einen Moment auf sich wirken, atmete tief ein. So gab sie wohl auch Alpina die Zeit die Schönheit zu betrachten.


    „Komm.“ flüsterte Runa leise und führte ihre Freundin zu einem Stein, den man erst im letzten Moment als solchen erkannten, denn die Natur hatte ihn sorgsam mit Moos bedeckt. Nur nach oben war er glatt und lag hier wie ein Tisch, ein Altar.


    Hier angekommen drehte sich Runa einmal um die eigene Achse und genoss den Anblick.
    „Wunderbar. Kannst du sie auch spüren?“

  • Runa hatte nicht zuviel versprochen, der Platz war atemberaubend schön. Gebannt ließ Alpina die Magie des Ortes auf sich wirken. Ein Teppich aus Buschwindröschen überzog den krautig duftenden Boden. Das durch die frischen Frühlingsblätter zartgrün gefärbte Licht, das durch das Blätterdach auf den Waldboden fiel, brach sich in unzähligen Tautropfen und verzauberte die jungen Frauen.


    Runa forderte Alpina auf, mitzukommen. Der erste Schritt aus dem Wald auf die magische Lichtung, war wie ein Schritt in eine andere Welt. Ein Gefühl nahm von Alpina Besitz, wie sie es zuletzt am Teich der Holle gespürte hatte. Dieses Bewusstsein, Teil des göttlichen Geschehens zu sein... ein kleiner, unbedeutender Teil wohl, aber dennoch eins zu sein mit den numinösen Kräften des Kosmos.


    Den bemoosten Altarstein erkannte Alpina tatsächlich erst, als Runa sie darauf hinwies.
    Nun drehte sich Runa im Kreis, selbst tief in der Gewissheit, ein Teil dieses Mysteriums zu sein. Alpina breitete die Arme aus, schloss die Augen, sog die würzige Luft des Waldes ein und nahm mit allen Sinnen, die ihr zur Verfügung standen, Kontakt zu den Naturgeistern und Wesenheiten des Ortes auf. Auch wenn sie die germanischen Namen dieser Mächte nicht kannte, nahm sie doch die Kräfte der naturmagischen Wesen wahr.
    "Ja, ich kann sie spüren!", hauchte sie zurück.

  • Runa blieb stehen. Ihr Blick ging gen Himmel, die Arme folgten ihrem Blick, gar so wie Äste eines Baumes, die sich nach der Sonne streckten. Ihre Stimme war nicht lauft und doch in der Stille des Waldes deutlich zu vernehmen.


    "Um Donars Macht ich bitte,
    Donars Macht nach alter Sitte
    Weihe diesen Ort dem heil'gen Kult,
    Den Asen und Alben, die uns huld,
    den Wanen und weisen Zwergenin
    Alfheims Auen und Midgards Bergen,
    auch Ask und Emblas Söhnen,
    den Starken, und Töchtern,
    den Schönen.Möge
    Donars Schutz hier walten
    Bis das heil'ge Blot gehalten!"


    Nur das Rascheln der Blätter im Wind war noch zu hören, als Runa verstummte. Sie stand noch eine ganze Weile so da, erst als ein Windhauch ihre Wangen leicht streifte und ihre Haare leicht im Wind tanzten. Drehte sie sich zu Alpina und dem Opferplatz um.


    „Die Götter sind nun bei uns. Wollen wir anfangen?“

  • Alpina vernahm Runas Gebet. Es übte in seiner Fremdartigkeit eine unglaubliche Macht auf sie aus. Sie kannte nur wenige germanische Gottheiten, doch die magischen Orte von denen die Rede war, lösten eine besondere Ergriffenheit in ihr aus. Sie war schon mittendrin im Strudel des magischen Wirkens. Also nickte sie nur kurz, als Runa sie fragte, ob sie bereit sei zu beginnen.

  • Runa atmete noch mal tief durch. Schließlich wollte sie alles richtig machen, immerhin ging es hier um den Mann, den ihre Freundin im Herzen und sein Kind unter diesem trug. Also wollte sie das auf keinen Fall versauen.


    Sie nahm aus dem Korb den sie hergetragen hatte, eine weiße Tuch und breitete dieses auf dem Stein aus. Nun fand der Opferkuchen, ein paar Früchte, Weihrauch und auch die Haarnadel auf dem Tuch Platz. Runa drückte Alpina das Horn einer Kuh in die Hand. Man konnte jedoch deutlich erkennen, das dieses bearbeitet wurde. Innen so wie außen war es glatt geschliffen und von außen wurde es poliert, so dass die Maserung des Hornes zum Vorschein kam. Runa befüllte das Horn mit dem mitgebrachten Bier, dann fand es in einem extra für ein Horn gefertigtem Gestell seinen Platz auf dem Steinaltar.


    Währen der Zeit in der sie die Opfergaben darreichte sprach Runa und lud die Götter ein Platz zu nehmen an der für sie gedeckten Tafel.



    Heil den Asen! Heil den Vanen!
    Göttinnen und Götter unseres Landes und unserer Ahnen!
    Himmel und Erde habt ihr geordnet,
    Midgard erhoben und mit Heil erfüllt.
    Ihr gebt Leben und Liebe, Lust und Kraft,
    Willen, Weisheit und Wachstum der Welt.
    So wie die Ahnen Euch ehrten, laßt es auch uns tun!
    Für all eure Segnungen sagen wir Dank
    Und vergelten Gabe mit Gabe.
    Gewährt uns auch weiter, was wir erbitten,
    Und lohnt unsere Treue mit Treue.
    So war’s bei den Ahnen, so sei es bei uns.
    Heil unseren Göttern!


    Nun fand auch eine Schale aus Eisen auf dem Stein Platz, darin ein paar kleine in Öl getränkte Holzspäne. Mit geschickten Bewegungen gelang es Runa sehr schnell mit zwei Feuersteinen in der Schale eine Glut zu entfachen.


    Feuer, wenn du zum Himmel flammst,
    grüße die Sonne, der du entstammst!
    Künde, daß treu wir gehütet die Glut,
    heiliges Erbe, das in uns ruht!


    Schnell züngelten die Flammen durch das ölige Holz. Ein paar kleine Reisigzweigen hielten nun das Feuer am Leben.


    Nun konnte das eigentliche Opfer beginnen. Rund goss sich Wasser über die Hände und wusch sich diese gründlich.


    Donnergott, höre, was hier ich erbitte:
    Weihe mit Macht gemäß uralter Sitte
    Gaben, die gern wir den Ratern all geben.
    Heil soll hinfort unser Leben durchweben.
    Gabe um Gabe, so soll es geschehen,
    ehe die Götter und Menschen vergehen.


    Götter! Nehmt diese Gaben als unser Geschenk an!
    Wir geben von dem, das ihr uns gegeben habt.
    Gebo - Ansuz - Gebo - Mannaz - Gebo - Ansuz
    Den Göttern zu Ehren, den Menschen zum Gedeihen
    Mögen alle Wesen in allen Welten wissen,
    daß wir in Treue zu den Asen und Vanen stehen.
    Das heilige Band sei erneuert!


    Während Runa die Runen sprach, gabt sie die Opfergaben ins Feuer.


    Dann nahm sie mit dem Bier gefüllte Horn und hob es hoch.


    Heil den Asen und Vanen!
    Dieses Horn voll hellem Bier weihen wir eurer Ehre!
    Nehmt nun dieses Bier an als unser Zeichen von Freundschaft und Frieden.
    Heil sei euch und Ehre allezeit!


    Ein Schluck goss sie auf die Erde einen nahm sie selbst und einen gab sie Alpina.
    Dann hob sie das Horn erneut.


    Heil sei unseren Ahnen,
    den Müttern und Vätern,
    die vor uns auf Midgard lebten!
    Was wir geworden sind,
    was wir sind und sein werden,
    verdanken wir euch und eurem Erbe,
    das ihr uns hinterlassen habt!
    Heil den Ahnen unserer Sippen!


    Wieder ein Schluck für die Götter für sie und für Alpina.


    Das Horn wurde abgestellt und Runa beugte sie über den Korb mit dem Hasen. Sie packte ihn vorsichtig am Genick und strich im beruhigen über den Kopf. Das Tier wurde auf den Altar gesetzt. Sie strich mit dem Messer sanft über den Rücken des Tieres und dann war es nur ein kurz Stich in den Hals des Tieres und ohne auch nur einen Lauf von sich zu geben, starb das Tier ohne Qualen und fand seinen Platz auf dem ausgebreitet Tuch neben dem Feuer.


    „Ihr Asen und Vanen.
    Wir bitten euch nehmt dieses unser Opfer an.
    Beschütze den Vater des Kindes dieser Frau.
    Geleitet ihn sicher zu ihr zurück.
    Den Mann, den Vater, den Bruder, den Soldaten.
    Mit eure Kraft und eurem Segen
    soll er sicher heimkehren zu Frau und Kind.
    Dafür werden wir euch auch weiterhin Opfer darbringen, um euch zu danken und zu ehren.“


    Noch einmal wurde das Trinkritual wiederholt.


    Dann trat Runa ein Stück zurück und hob wieder ihre Arme.


    „Ich dank dir Donar für deinen Schutz.
    Treu will ich sein allen Asen und Vanen
    und allen Wesen der Erde in Würde begegnen.
    Ich vertrau auf mich selbst
    und der Vorfahren Weisung,
    und werd' huldigen Hohen zur heiligen Zeit.“


    Erschöpft sackte Runa auf ihre Knie und schloss die Augen um zu spüren der Götter Macht.

  • Beeindruckt und gebannt verfolgte Alpina das Ritual. Es hatte eine unglaubliche Kraft. Alpina assistierte Runa still und so zurückhaltend wie möglich.
    Runa begann mit der Anrufung und bald schon hatte Alpina alles um sich herum vergessen. Sie lauschte den fremden Götternamen, hörte die Schönheit der Worte und ließ den Trank der germanischen Götter die Kehle hinabrinnen.


    Als Runa den Hasen opferte war Alpina schon so tief in Trance, dass sie das blutige Ritual nicht mehr erschreckte. Nun beschwor Runa die Götter, Corvinus zu beschützen und zu ihr und dem Kind unter ihrem Herzen zurückzubringen. Ganz fest dachte sie an ihn, ließ sein Bild vor ihrem inneren Auge erscheinen Ja, tatsächlich, sie sah ihn. Hoch zu Ross in seiner Uniform an der Spitze seiner Turma. Kraftvoll, von beeindruckender Erscheinung, blutbesudelt, aber scheinbar unverletzt. Mit grimmiger Miene, wild entschlossen und zu allem bereit, gönnte er seinem Pferd keine Verschnaufpause.


    Genauso schnell wie sie gekommen war, verflüchtigte sich die Vision wieder. Alpina sank neben Runa nieder. Die Freundin hatte eine ungeahnte Kraft, wenn sie fähig war, solche Bilder in ihr zu erzeugen. Ehrfurchtsvoll und doch voll tief empfundener Dankbarkeit, legte Alpina ihre Hand auf Runas Arm. Lange Zeit sprachen sie nicht. Alpina war viel zu beeindruckt von den Geschehnissen. Sie konnte keine Worte finden.
    Erst als sich Runa erholt hatte, sprach Alpina ihren Dank aus.
    "Ich danke dir aus tiefstem Herzen, Runa. Du hast große Macht über die Götter! Es war unglaublich! Runa, du bist wahrhaft eine große Magierin, eine Tochter der Götter... danke für dieses Erlebnis."

  • Runa hatte wahrscheinlich eine ähnliche, wenn nicht gar die gleicher Version wie Alpina. Sie brauchte noch eine Weile bis sie ihre Stimme wiederfand.
    Sie schüttelte leicht mit einem Lächeln den Kopf.
    „Nein ich habe keine Macht über die Götter. Aber ich habe ihre Macht wohl in mir. Ich kann sie spüren. Die Götter bilden mit uns eine Gemeinschaft. Wir leben für sie und sie für uns.“ flüsterte sie leise, denn sie wollte die Magie diese Momentes nicht stören.
    Runa setzte sich auf den Waldboden. Mit ihren Armen umschlang sie ihre Knie. „Konntest du es auch sehen? Er ist unversehrt. Es geht ihm gut. Alpina ich glaube fest daran, dass die Götter dieses Bild geschickt haben um zu zeigen, dass er heil zu dir zurückkommt.“
    Runa lächelte ihre Freundin an und drückte ihre Hand, wusste sie doch, wie wichtig Alpina die sichere Heimkehr war.
    „Sagst du das bitte auch Curio? Damit er sich nicht mehr so viele Sorgen macht.“
    Ja auch Curio sollte wohl erfahren, dass es seinem Bruder gut geht, denn dann würde zumindest eine Last von ihm abfallen.

  • Auch Alpina senkte die Stimme, als sie Runa antwortete.
    "Ja, ich habe ihn auch gesehen. Er schien unverletzt Ich danke dir für die Gewissheit, Runa. Du weißt wie sehr ich ihn vermisse, nicht wahr? Ich wäre zwar manchmal froh, wenn es anders wäre, denn ich fürchte, dass es nicht auf Gegenseitigkeit beruht. Dennoch war es schön zu sehen, dass er lebt."


    Alpina drückte Runas Hand und versprach auch Curio von der Vision zu erzählen. Natürlich machte auch er sich Sorgen und vermisste Corvinus.


    Sie bleben noch einige Zeit an diesem wunderschönen Ort und genossen die Magie des Augenblicks, das Gefühl der Anwesenheit der Götter. Dann half Alpina Runa dabei, den Platz aufzuräumen und zu reinigen.

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