Runa hatte Curio begeistert zugestimmt, das sie es Alpina gleich sagen wollten. Und das er den nun fast schon offiziellen Weg wählte und sie in die Taberna gingen machte das ganze spannender. Runa hatte ihrem Mann zuvor zu verstehen gegeben, das es ihm gebührte Alpina in Kenntnis zu setzen. Ja sie wollte, dass Curio in den Genuss kam, diese frohe Botschaft zu verkünden. Mal sehen, ob Alpina auch so lange brauchen würde um zu verstehen. Curio selbst hatte bei der Verkündung der Neuigkeit ja schon etwas länger gebraucht. Runa kicherte allein bei dem Gedanken daran.
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[Taberna Medica Alpina]
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Überrascht sah Alpina von ihrer Arbeit auf als sie Geräuache vernahm. Es war nicht die Türglocke und die Besucher näherten sich nicht von außen, sondern kamen aus dem Haus. Einen Augenblick lang hoffte sie, dass es Corvinus sein könnte, den sie seit Tagen nicht gesehen hatte. Eine wichtige Aufgabe hielt ihn bei seiner Turma. Dann erkannte sie Curio und Runa, Schwager und Schwägerin, wenn beide Bezeichnungen ihr jedoch noch immer ungewohnt über die Lippen kamen.
"Salvete, ihr beiden!", begrüßte Alpina das Paar. "Braucht ihr mich? Oder wollt ihr mich nur besuchen?"
In ihren freundlichen Blick mischte sich ein wenig Sorge. -
Salve, Alpina.
grüßte Curio seine Schwägerin mit ernstem Gesichtsausdruck. Silvana hatte ihm zugesagt, dass er die Nachricht zu ihrer Schwangerschaft überbringen durfte und er wollte es- mit Blick auf die regelmäßigen Spitzen Alpinas gegen seine Ernsthaftigkeit spannend machen. Sehr spannend. Daher ließ er sich auch Zeit und spielte vorerst den besorgten Ehemann. Dafür griff er fast schon hilfesuchend nach dem Unterarm seiner Frau, von der er hoffte, dass sie nicht vor Aufregung platzen und ihm bei seinem kleinen Spaß einen Strich durch die Rechnung machen würde.
Wir kommen als Kunden... also... das heißt... wir brauchen deinen Rat... und deine Hilfe.
Ein demonstrativ besorgter Blick zu seiner Frau und ein kurzer Seufzer folgten. Er schaffte es sogar so zu schlucken, dass sein Adamsapfel sich vor und zurückbewegte, was er normalerweise nur tat, wenn er sich irgendwie unwohl fühlte.
Weißt du... wir...
setzte er an, brach aber ab. Nur nicht zu viel verraten. Wenn er sich vergaloppierte, oder es übertrieb, würde seine clevere Schwägerin nämlich sicher einen Verdacht schöpfen.
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Runa mühte sich ein ernstes Gesicht zu machen. Es gelang ihr zwar nur bedingt, aber verbunden mit den Andeutungen von Curio wirkte die Grimasse die sie zog wohl eher leidend, als das man denken könnte, dass sie sich gerade das Grinsen verkneifen musste. Sie nickte nur, als Curio meinte dass sie ihre Hilfe brauchten. Ja es war besser, wenn sie nichts sagte, denn dann hätte sie wohl wirklich alles verraten.
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Curio sah ernst drein, wie eigentlich immer - nichts Besonderes also. Aber als er dann anfing, dass sie ihre Hilfe bräuchten, sah Alpina von einem zum anderen. Wobei konnten beide ihre medizinische Hilfe brauchen? Hatte sich Curio bei seinem Ausflug ins Lupanar etwas eingefangen und das im stillen Kämmerlein an seine Angetraute weitergegeben?
Wie sollte Alpina ihre Vermutung an den Mann bringen ohne dass es zu peinlich wurde?
"Nun", sagte sie. "Es gibt nichts, worüber wir nicht reden könnten. Für die meisten Leiden, die beide Teile eines Paares betreffen können, gibt es Heilmittel...."
Sie konnte nicht ganz verhindern rot zu werden. Dann atmete sie tief durch und fuhr fort. "... ich müsste allerdings schon wissen, um welche Art von Leiden es sich handelt - also die Symptome erfahren...."Jetzt sah die Hebamme wieder beide an. Erst Runa, dann Curio. Sie war gespannt, was kommen würde.
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Curio hatte alle Mühe, ein Grinsen zu unterdrücken. Nicht nur, dass Alpina offensichtlich etwas ganz anderes erwartete, was sie erwartete gab ihm eine perfekte Möglichkeit, einzusteigen und sein Spiel weiterzuspielen.
Na ja... also... die Symptome sind noch nicht aufgetreten, aber... wir beide rechnen zuerst mit Übelkeit und später mit Schlaflosigkeit.
Bei Loki, war es schwierig, das durchzuhalten. Gradezu anstrengend. Allerdings wollte er das, was ihm grade in den Sinn kam, nicht für sich behalten.
Und unter uns gesagt... wir wollen eigentlich gar nicht, dass es weggeht.
Die Sehne des Skorpions war nun bis zum Maximum gestreckt und Curio hatte genug Anlauf geholt, um die Schlusspointe zu setzen. Vor allem war er gespannt, ob er sich tatsächlich setzen musste oder ob Alpina aufgrund der Hinweise selbst drauf kam. Derweil kniff er seiner Frau, die sich schon in eine unleserliche Grimmasse gerettet hatte, sanft in den Arm. Wahrscheinlich hatte sie mindestens ebensolche Mühe, sich nicht zu verraten, wie er grade.
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Zunächst hob Alpina die Augenbrauen als sie Curios seltsame Ausführungen vernahm.
"Übelkeit, später Schlaflosigkeit..." wiederholte sie und versuchte sich einen Reim darauf zu machen. Im Kopf ging sie alle ihr bekannten Geschlechtskrankheiten durch. Sie wollte nachhaken, weitere Symptome abfragen als der zweite Satz kam. Sie wollten nicht, dass es aufhörte? Ja, was bei allen Göttern war in die beiden gefahren? Neurolues? Zeigte der Aedituus bereits die Symptome einer fortgeschrittenen Veränderung des Geisteszustandes?Als sie dann aber erneut von Curio zu Runa hinübersah fiel ihr der zu einer Grimasse verzogene Gesichtsausdruck der Freundin auf. Aus Runas Augen sprach der Schalk! Wieder ging Alpinas Blick zurück zu Curio und auch dort zuckten die Mundwinkel verräterisch. Sie rekapitulierte das Gesagte. Übelkeit und später Schlaflosigkeit... dazu das nur mühsam zurückgehaltene Grinsen. Wie Kinder wirkten die beiden, die fast platzten, weil sie zu gerne die Neuigkeit loswerden wollten. Alpina zählte 1+1 zusammen. Runa war schwanger! Das musste es sein.
Nun war es an ihr, den Spaß fortzuführen.
Alpinas Stirn verzog sich zu einer strengen, senkrechten Falte. Mahnend hob sie den Zeigefinger.
"Ihr wisst hoffentlich, dass jedes Elternpaar die Kinder bekommt, die es verdient? Ernsthafte, folgsame Eltern bekommen brave Kinder und zu Scherzen aufgelegte, alberne Eltern bekommen freche Kinder!"Spätestens jetzt umspielte auch ihre Mundwinkel ein Schmunzeln. "Ich gratuliere! Euer Schauspiel als Liebespaar vor Zeugen scheint Iuno gefallen zu haben! Zu schade, dass ich es verpasste habe!"
Sie öffnete die Arme und wartete daruf, welcher von beiden sich zuerst von ihr herzen ließ.
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Runa... eindeutig Runa. Die ein lachen wirklich nur noch hatte unterdrücken können, weil Curio sie in den Arm gekniffen hatte. Aber nun platzte es aus ihr heraus und sie flog auf ihre Freundin zu. „Ja so wird es wohl sein, dass die Göttin uns gewogen ist.“ sagte Sie, als sie sich lachend von Alpina herzen ließ. Scherzend fügte sie noch hinzu. „Ich glaube nicht, dass du was verpasst hast, außer vielleicht den schiefen Gesang von deinem Liebsten.“ Runa musste kichern, als sie daran dachte, wie Curios Bruder mit einem mal aus voller Kehle gesungen hatte.
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Curio hatte gewusst, dass Alpina schneller richtig schlussfolgern konnte, als er es an besagtem Abend getan hatte als Silvana ihm die freudige Nachricht eröffnet hatte. Daher grinste er jetzt nur, auch wenn seine Pointe nicht hatte zünden können.
Dann kann ich für dich nur hoffen, dass Ursi nicht noch ihre freche Ader entdeckt.
erwiderte er ihre Mahnung mit einem breiten Grinsen, ließ dann aber erstmal seiner Frau den Vortritt, sich von Alpina herzen zu lassen. Geduldig wartete er, bis die beiden Frauen ihre Herzlichkeiten ausgetauscht hatten und umarmte dann Alpina nochmal fest. Es wurde immer mehr, was sie letztlich nur ihr zu verdanken hatten, das gemeinsame Kind machte das alles aber endgültig perfekt.
Als Alpina dann aber auf die Hochzeitsnacht zu sprechen kam und Silvana auch noch die Anekdote erzählte, wie Corvinus an ihrem Ehebett sein zotiges Lied gesungen hatte, errötete Curio leicht. Wäre dieses erste Mal mit Silvana nicht eine Offenbarung für ihn gewesen, er hätte alles nach ihrer Ankunft im Schlafzimmer gerne irgendwo weggeschlossen und nie, nie wieder hervorgeholt. Zudem hatte er sich vorgenommen für den unwahrscheinlichen Fall, dass er, würde ihr Kind irgendwann mal fragen würde, wie es entstanden war, nicht von der ersten, sondern von der zweiten, deutlich angenehmeren Nacht erzählen würde - auch wenn es vielleicht reizvoll war, zu behaupten, das Kind sei unter den Augen des Statthalters gezeugt worden.
Ja ja... wie auch immer...
wechselte er daher schnell das Thema.
Natürlich werden wir aber trotzdem deinen Rat und deine Hilfe benötigen, sowohl während der Schwangerschaft, als auch während und nach der Geburt. Ich würde meine Frau nämlich niemand anderem anvertrauen als dir.
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Runas Anspielung auf Corvinus schiefen Gesang während der Hochzeitsnacht unter Zeugen konnte Alpina natürlich nicht verstehen, denn ihr Lebensgefährte hatte sich über jenes Stelldichein unter den Augen von vier Zeugen nicht weiter ausgelassen sondern rücksichtsvoll geschwiegen. Doch Alpina kam nicht dazu Runa danach zu fragen und vermutlich hätte sie es wohl eher unter vier Augen gemacht.
Stattdessen umarmte sie nun auch ihren Schwager und drückte ihn fest an sich. Sie freute sich sehr, dass zumindest von ihm nun eine Last genommen war. Er hatte seine Zeugungsfähigkeit unter Beweis gestellt und den Ducciern bewiesen, dass er ein ganzer Kerl war und für Nachkommen sorgen konnte. Doch noch war nicht alles in trockenen Tüchern. Nicht selten verloren gerade so junge Frauen ihr erstes Kind vor der Zeit. Es war durchaus möglich, dass Runa das Kind nicht behalten würde.
Alpina wollte die beiden jedoch nicht unnötig beunruhigen und sich erst einmal mit ihnen freuen.Sie überhörte Curios Anspielung auf ihre Tochter Ursi und widmete sich gleich seiner nächsten Feststellung.
"Soweit käme es noch, dass ihr eine andere Hebamme mit der Geburt eures ersten Kindes betraut!" Empört stemmte sie die Hände in die Hüften. Dann wurde ihr Gesichtsausdruck wieder milde. Sie wandte sich an Runa.
"Wie lang ist die Blutung schon ausgeblieben, Runa? Können wir schon sicher sein, dass das Kind sich dauerhaft in deinem Uterus eingenistet hat? Du weißt, dass sehr junge Frauen häufiger eine Fehlgeburt erleiden als ältere, nicht wahr? Also sei bitte vorsichtig. Bitte reite nicht in den kommenden Wochen und vermeide allzu großen Druck im Bauch. Wollen wir hoffen, dass Iuno ihre schützende Hand über dich hält. Wenn die Blutung mehr als drei Monate ausgeblieben ist, könnt ihr allen von der Schwangerschaft erzählen. Dann hat Iuno dich wirklich gesegnet. Und natürlich werden wir bis dahin alles an Kräutern einsetzen, was dir und dem oder der Kleinen gut tut." -
„Ähm.. Also...“ Runa wurde tatsächlich etwas rot bei den Fragen. „Also das letzte mal hatte ich sie kurz vor der Hochzeit, seit dem nicht mehr.“ Dann nickte Runa. „Ja das weiß ich, deswegen sagte ich Curio auch, dass wir den anderen erst zur Wintersonnenwende Bescheid geben.“ Runa griff die Hand ihrer Freundin. „Ich bin froh, dass du an meiner Seite bist und Iuno werde ich opfern, damit sie ihre schützenden Hände über mich und mein Kind hält.“ Runa war bei diesen Worten sehr ernst. Immer noch spukten ihr die Bilder der toten Frau, deren Gesicht sie einfach nicht erkennen konnte, mit dem Neugeborenen im Kopf herum... und dann auch noch die schwere Geburt von Alpina... Mann konnte ihre Unsicherheit wohl auch in ihrer Stimme hören.
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Alpina nickte als Runa zurückrechnete wann sie das letzte Mal geblutet hatte. Seit der Hochzeit waren gut 6 Wochen vergangen also seit der Konzeption vermutlich etwas mehr als ein Monat. Dann sollte sie in jedem Fall noch bis zur Wintersonnenwende mit der frohen Botschaft warten.
"Das klingt realistisch, Runa. Zur Sonnenwende sollten wir uns sicher sein können. Ich werde dir jetzt einen Tee zusammenstellen, der dich die Schwangerschaft über begleiten kann. Vielleicht ändern wir einige Komponenten im Laufe der Zeit, aber im Prinzip kannst du ihn durchgehend trinken. Ist dir übel? Oder hast du sonst irgendwelche Beschwerden?"Noch gut erinnerte sich Alpina an ihre erste Schwangerschaft, das Kind von Marcellus, das sie schließlich abgetrieben hatte. Ihr war unglaublich übel gewesen. Ganz anders bei der zweiten Schwangerschaft. Es war nicht nur von Frau zu Frau verschieden sondern durchaus auch von Schwangerschaft zu Schwangerschaft. Als Runa ernst bekräftigte, dass sie Iuno opfern wollte, nahm Alpina ihre Hände.
"Es ist gut wenn du Iuno opferst, denn ihr allein obliegt die Entscheidung ob die Geburt glücklich endet. Wir haben es nicht in der Hand. Dennoch werde ich dir all meine Erfahrung und meine beiden helfenden Hände nur zu gern zur Verfügung stellen. Das wird schon! Mach dir nicht zu viele Sorgen. Du bist jung und kräftig und dazu mit einem starken Willen ausgestattet..."
Nun zwinkerte die Hebamme der Freundin zu. "Wir werden das Kind schon schaukeln! Aber es ist gut, dass wir noch ein wenig Zeit bis zu deiner Niederkunft haben, denn ich werde über die Saturnalien zu meiner Mutter und meiner Schwester nach Raetia reisen. Der Mann meiner Schwester schickt einen Reisewagen und eine Begleiteskorte, damit Alruna und mir nichts zustößt. Wir werden vermutlich in zwei Wochen abreisen, damit wir rechtzeitig zu den Saturnalien in Raetia sind. Vor den Parentalia werde ich in jedem Fall wieder hier sein. Versprochen!" -
Curio hörte mindestens ebenso gut zu, wie seine Frau, allerdings wurde ihm erst jetzt bewusst, warum Silvana Angst vor der Geburt hatte. Abgesehen von der Geburt selbst, die schon gefährlich war, kam nun auch offenbar noch dazu, dass sie noch jung war und daher die Gefahr einer Fehlgeburt - er zuckte innerlich zusammen, als plötzlich das Bild Alpinas nach ihrer selbstverursachten Fehlgeburt in seinen Verstand drängte - nochmal größer war. Nicht genug, dass dadurch ihr Kind gefährdet war, auch für Silvana ging damit eine nicht zu vernachlässigende Gefahr einher.
Nachdenklich blickte er daher auf seine Füße, während die beiden Frauen die wichtigsten Informationen austauschten. Letzte Blutung, Opfer an Iuno, Teemischung, als das zog an ihm vorbei, ohne dass er es wirklich aufnahm. Irgendwann jedoch griff er nach Silvanas Hand und blickte dann auf.
Kann ich auch irgendwas tun, um ihr zu helfen?
Er wusste dass er ihr nichts abnehmen konnte. Sie trüge das Kind mit sich herum, sie litte untre Übelkeit und den sonstigen Schwangerschaftsbeschwerden, die er bei Alpina mitbekommen hatte, und bei der Geburt selber schließlich wäre er - der Tradition gemäß - ja nicht mal mit im Zimmer. Dennoch suchte er für sich irgendeine Aufgabe, die sich nicht narin erschöpfte, seiner Frau einmal täglich über den Bauch zu streicheln und ihr Mut zuzusprechen.
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„Ja morgens habe ich mit Übelkeit zu kämpfen. Daran habe ich es ja gemerkt.“ Daran und an seltsamen Träumen, aber das wollte Runa jetzt und hier nicht erklären müssen, weshalb sie dies auch für sich behielt. „Sonst habe ich keine Beschwerden.“
Runa griff Curios Hand scheinbar wurde ihm erst jetzt bewusst, was eine Schwangerschaft bedeuten konnte. Gut Frauen wuchsen ja damit auf, Männern brachte man so etwas natürlich nicht bei... Warum sollte man auch. Runa ergriff seine Hand. „Es reicht schon wen du da bist und wohl ab und an meinen Launen erträgst. Zumindest habe ich gehört, dass einige Frauen in der Schwangerschaft zu Gefühlsschwankungen neigen.“ Runa zwinkerte Curio zu und versuchte ihn so aufzumuntern. Ja ihr war es genug zu wissen, dass er und Alpina da waren.... MOMENT hatte Alpina gerade gesagt sie wollte nach Raetia??? Runa sah ihre Freundin fast schon entsetzt an. Natürlich wollte sie auch ihrer Mutter die Enkelin vorstellen, aber konnte die nicht herkommen? Was sollte sie den bloß ohne ihre Freudin machen??? Runa schluckte schwer. „Wie lange wirst du weg sein?“ fragte sie unsicher nach. -
Zunächst wandte sich Alpina an Curio, dem offenbar erst jetzt bewusst wurde, dass eine Schwangerschaft nicht nur Grund zur Freude war. Typisch Männer! , dachte Alpina im Stillen. Am liebsten hätte sie ihn einmal an einer der Ausfallstraßen Mogontiacums spazieren geschickt. Dort konnte er die Grabmahle der Frauen sehen, die ihr Leben im Kindbett gelassen hatten. Es waren viele! Die Lebenserwartung einer Frau war nicht ohne Grund wesentlich geringer als die eines Mannes! Doch sie behielt diese Weisheiten für sich. Schließlich machte er sich offensichtlich schon jetzt große Sorgen um seine Frau.
Curio fragte ob er helfen könnte. Alpina überlegte ob sie ihm sagen sollte, dass die meisten Ärzte empfahlen der Frau während der Schwangerschaft nicht beizuwohnen.
"Ob du etwas für sie tun kannst?"
Sie wollte gerade antworten als Runas Einwurf kam, dass er schon viel Gutes tat, wenn er ihre Launen ertrug. Alpina musste grinsen. Ja, vermutlich würde Curio es nicht leicht mit ihr haben. Deshalb beschloss die Raeterin keine überkommenen hippokratischen Ratschläge zu erteilen.
"Nun, Runa sagt es selbst. Sei nachsichtig mit deiner Frau. Sie wird womöglich launisch sein, manchmal vielleicht auch sehr nah am Wasser gebaut haben und sentimental sein. Verurteile sie nicht dafür und behalte deine sonst so stoische Ruhe und Gelassenheit. Das wird euch beiden helfen."Zu Runa sagte sie: "Runa, du bist womöglich die größte Gefahr für dich selbst, denn du bist es nicht gewöhnt, sorgsam mit dir selbst umzugehen und neigst dazu dich zu übernehmen...", Alpina setzte eine strenge Miene auf. "...sowohl körperlich wie auch psychisch. Versuche dich zu mäßigen. Das ist Aufgabe genug, denke ich."
Nun lächelte sie. "Ich werde dem Tee etwas gegen die morgendliche Übelkeit beimischen. Dann wird es sicher bald besser."Nun kam Runas angstvolle Frage nach Alpinas Besuch in Raetia. "Ich werde in wenigen Wochen abreisen und über die Saturnalien und den gesamten Ianuarius fort sein. Natürlich werde ich dir schreiben und ich bitte auch dich, mich regelmäßig zu informieren, wie es dir geht. Ich bin jedoch in jedem Fall pünktlich für das letzte, anstrengede Drittel der Schwangerschaft wieder in Mogontiacum. Mach dir keine Sorgen!"
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Silvanas Hand haltend hörte er sich ihre und die Ratschläge Alpinas an. Letztlich lief es also tatsächlich lediglich darauf hinaus, dass er nachsichtig und für sie da sein sollte und mögliche Launen ertrug, die während der Schwangerschaft bei ihr zum Vorschein kamen. Nur hatte er keine Vorstellung davon, was auf ihn zukam. Alpina war sehr verträglich gewesen und so hatte er nur die gelegentlichen Heißhungerattacken und die Morgenübelkeit, von der Silvana bereits jetzt heimgesucht wurde, wahrgenommen. Wenn er aber nun tatsächlich nicht mehr machen konnte, war das nunmal so.
In Ordnung.
antwortete daher kurz und strich mit seinem Daumen über Silvanas Handrücken. Es würde keine leichte Zeit für sie beide werden aber er war optimistisch, dass sie sie gemeinsam überstehen konnten, ebenso wie sie bisher alles überstanden hatten.
Dann zögerte er. Irgendwas hatte er verpasst. Alpina ging weg? Wohin. Mit neuer Konzentration versuchte er dem Gespräch der beiden zu folgen. Sie würde also zu den Saturnalien abreisen und bis zum Februarius fernbleiben. Soweit hatte er schon mal folgen können. Aber wohin ging es jetzt eigentlich. Im Geist ging er das Gespräch zurück... doch kam stattdessen immer nur die Feststellung auf, dass er wohl doch besser zugehört hätte. Dann kam ihm aber etwas anderes in den Sinn: Acanthos hatte gesagt dass Alpina einen Brief aus Raetia erhalten hatte. Trotzdem hielt er sich im folgenden zurück, um seine Vermutung bestätigen zu können.
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Runa verzog ihr Gesicht, sie wollte schon protestieren, von wegen Gefahr für sich selbst. Aber irgendwie hatte Alpina ja recht, mitunter war Runa doch recht spontan (um es mal nett auszudrücken).
„Ich werde versuchen kürzer zu treten.“ sagte sie. Was das körperlich betraf konnte sie die einhalten, aber das psychische konnte sie nicht beeinflussen. Aber sie konnte es ja versuchen, auch wenn ihr die Kontrolle darüber fehlte. Mit einem Grinsen sagte sie dann zu Alpina sowie auch zu Curio. „Und ich werde versuchen nicht ganz so launenhaft zu sein.“ Ja das hoffte sie wirklich. Sie hatte ja schon so einiges von Frauen gehört, die während ihrer Schwangerschaft ihre ganze Sippe kirre gemacht hatte. Getobt aus unerfindlichen gründen – ohne Anlass in Tränen ausgebrochen und so weiter und so fort.
Runa reichte schon die Übelkeit am Morgen, von der Curio bisher nur wenig mitbekommen hatte, aber es war ein angenehmes Gefühl sich jeden Morgen gefühlt die Seele aus dem Leib zu ko....
„Ich werde dir natürlich regelmäßig berichten erstatten, du musst uns aber auch sagen, wie deine Mutter ihre Enkelin findet. Obwohl, eigentlich kann man die kleinen Bärin ja nur lieben.“ Witzelte Runa nun schon wieder. -
Alpina lächelte als sie Runas Beteuerungen hörte, nicht so launisch sein zu wollen und kürzer zu treten. So gerne sie es glauben wollte.... nun, niemand konnte aus seiner Haut.
"Leider trage ich ja auch dazu bei, dass du nicht wirklich Ruhe bekommst, denn ich hoffe natürlich, dass du ab und an in der Taberna Medica nach dem Rechten siehst und mich ein wenig vertrittst, so wie du es in den vergangenen 40 Tagen getan hast. Leider ist meine Mutter nicht mehr in der Lage, die weite und anstrengende Reise nach Mogontiacum anzutreten, weshalb ich zu ihr reisen muss. Aber ich verspreche dir, dass ich rechtzeitig wieder da sein werde."
Sie nahm die Freundin tröstend in den Arm. Dann mischte sie die Kräuter und überreichte Runa eine Dose mit den getrockneten Blättern und Blüten für die Zeit der Schwangerschaft.
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Runa saß gerade über einem Stapel Papiere, als sie einen Schmerz verspürte. Sie schloss die Augen und versuchte sich darüber hinwegzusetzen. Nach einer kurzen Weile ging es auch wieder so setzte sie sich also wieder und beugte sich über die Papiere.
Nach einer ganzen Weile rollte die nächste Schmerzwelle durch ihren Körper und plötzlich lief Flüssigkeit an ihren Beinen herab. „Verdammte Axt...“ fluchte sie leise vor sich hin. Bis ihr nach einer ganzen Weile plötzlich bewusst wurde, was das hieß. Sie ging – nein sie schleppte sich zur Taberna Medica in der Hoffnung Alpina dort vorzufinden. „Alpina...? Alpina... ARRRRRRRRRRRG!“ -
Runas Stimme und der Schmerzensschrei konnten nur eines bedeuten - die Wehen setzten ein. Wie oft schon hatte sie diesen gepressten Schmerzensschrei gehört und in der Regel konnte sie sehr professionell damit umgehen. In diesem Fall jedoch beschleunigte sich der Puls augenblicklich. Runa bekam ihr erstes Kind - Curios Sohn. Wenn etwas schief gehen würde, verlöre sie nicht nur das Vertrauen der besten Freundin, wenn nicht gar die Freundin selbst, sondern würde auch ihren Schwager ins Unglück stürzen. Es kam darauf an, dass sie alles richtig machte!
"Runa? Ich bin hier. Komm, setz dich erst mal." Alpina schob der Freundin einen Hocker hin. Dunkle Flecken auf der Tunika zeigten den Fruchtwasserverlust an. Die Hebamme nahm die Hand der Freundin, streichelte sie und sprach mit beruhigender Stimme.
"Es ist gut, wenn du schon Wehen hast. Nicht selten geht Fruchtwasser ab bevor die Wehen einsetzen. Also bist du schon auf dem besten Wege zu einer erfolgreichen Geburt."Sie wollte zuversichtlich klingen. Mit sachlicher Professionalität fragte sie die wichtigsten Fakten ab. "Wie fühlt sich der Schmerz an? Wo ist er zu spüren? Ist es die erste Wehe oder waren schon zuvor welche zu spüren? Hatte das Fruchtwasser eine besondere Farbe oder einen außergewöhnlichen Geruch?"
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