Exodus - Get behind me, Satan.

  • Nach einer kleinen aber feinen Prozession vom kaiserlichen Palast über das Forum Romanum und vorbei am Marsfeld die Via Flaminia hinauf. Als sie das Stadttor durchquerten blinzelte Vala, als es aus dem Schatten des Tores und der Stadtmauer zurück ins Licht ging. Der Gedanke ließ ihn schmunzeln.. aus Rom zurück ins Licht. Hatte was. Vor allem Wahrheit.
    In Sichtweite des augusteischen Mausoleums hielt die Prozession schließlich an als sie auf den wartenden Pulk der Entourage traf, die Vala mit in den Norden begleiten würde. Etwas überrascht war der neue Statthalter des Kaisers im Norden ja schon, als er die etwas mehr als hundert Köpfe sah. Natürlich hatte derjenige seiner Gehilfen, den er mit der Organisation der Reise betraut hatte, ihn vorgewarnt dass mit all den Klienten und Dienern und deren Familien sowie den anderen ranghohen Begleitern, deren Dienern und Klienten sowie deren Familien schon eine größere Gruppe an Leuten zusammenkam die gen Norden ziehen würde. Aber sie jetzt so vor sich zu sehen war schon etwas anderes. Das würde ohne Zweifel ein längerer Trek werden. Vor allem da dieser ja noch nicht einmal vollständig war.


    Bevor es nun aber losging hieß es noch, sich bei jenen Getreuen zu verabschieden die ihn bis an den Rand der Stadt begleitet hatten und sie nicht weiter gen Norden begleiten würden.


    Dazu gehörten unter anderem seine langjährigen Mentoren, der Grieche Linos, der mit seiner trockenen Art dafür gesorgt hatte, dass Valas Streben und Politik immer auf dem Boden der Tatsachen und der Realität und nicht in wolkenstrebenden Idealen verankert war. Dessen Interesse, das vor allem im Aufbau eines Staatsmanns bestanden hatten, spiegelte sich nun in voller Zufriedenheit erfüllt im Lächeln des alten Mannes wider.
    Der Ritter Accius Damio, der nach Valas Familie zweite große Financier dessen Karriere war (und sich nun endlich auf üppige Dividende freute), war in seinem Bestreben, Vala zu einem ordentlichen Römer klassischer Art zu machen, oft an eben jener Realität gescheitert. Nichtsdestotrotz spiegelte sich ein gewisser väterlicher Stolz wieder, Vala nunmehr vollendet (wenn auch nicht ohne Blessuren und Kratzer) in das große Ziel zu entlassen.


    Seinen erst vor kurzem ins öffentliche Leben zurückgekehrten ehemaligen Förderer und nunmehrigen Freund und Verbündeten, den Praetorius Kaeso Annaeus Modestus bedachte Vala mit einem zufriedenen Lächeln und einem Klopfen auf die Schultern: "Von nun an gehört Rom dir. Ich denke, man wird dir einiges einfacher machen als mir... nur um zu beweisen, dass letztlich doch ich und ich ganz alleine das Problem gewesen bin." , grinste Vala schief, "Vielleicht aber auch nicht, wenn sie sich zu langweilen beginnen weil sie niemanden mehr mit Dreck bewerfen können."


    Dessen Frau, seine Base, strich Vala sachte über die Wange und bedachte sie mit einem fast traurigen Lächeln: "Deit mi leed. Ik hett hofft, wi kumma fröer op düsse Idee. Nu mott ik di aleen latten in düsse Speeldeel. Schriev, wennu watt brooks, ett wöd ju erfullt."


    Schließlich war da noch der jüngste, Audaod, dem er ebenfalls männlich-aufmunternd auf die Schultern klopfte: "Nu isset an di, Rom to erovern. Bedank mi Wort: et tut keen Not, to don watt se wulln. Se finnen allemol watt di antogreefn, se finnen allemol watt um di klin to redn. Vergass det niet: do büst net klin, do best een Suon Wolfriks. Se ham mia as jenoch Grönd us to förchtn." , nickte Vala schließlich, und schob nach der etwas martialischen Kleinansprache nach: "Et dot lieges keen Not de sam Failer to maken as mi. Learn di süms, but maak mi net alls na. Maak us stols. Til ars ok frisar."


    Nachdem die letzten Worte gewechselt und die Entourage organisiert und in Ordnung gebracht worden war, ließ auch Vala sich wieder in seinem Sattel nieder, blickte seine Gefolgschaft lächelnd an und gab schließlich mit einem saloppen "Na dann... AUF GEHT'S." das Kommando zum Aufbruch gen Norden.


    Als der Trek sich einige Centuria die Straße hinab bewegt hatte, gönnte Vala sich doch noch einen Moment der Melancholie und wandte sich ein Stück abseits der Straße um, um einen Blick zurück auf die Stadt zu werfen, die das Zentrum der Welt darstellte... und für ihn doch nie etwas anderes gewesen war, als das Mittel zum Zweck. Folgerichtig waren daher die letzten Worte, die er mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen zu diesem mächtigen Moloch sprach: "Vale bene, Roma, lupa bonissima mea."


  • Esquilina


    Einige Tage später, einige Tagesreisen weiter im Norden.


    Brieflich hatte sich Licinus mit seinem neuen Befehlshaber (oder dessen Sekretär oder wer auch immer den Brief eigentlich geschrieben hatte). Auf den heutigen Tag als Treffpunkt und diesen Ort als Punkt der Zusammenkunft geeinigt. Folgerichtig war Licinus bereits zwei Tage vorher mit seinem eigenen Tross hier eingetroffen. Schließlich sollte niemand auf ihn und die Seinen warten müssen. Die seinen, das waren in diesem Fall sein Mündel Esquilina, sein cornicularius Lucius Cossinius Pabtus, auf dessen Dienste er auch in Germania nicht verzichten wollte, der tiro Caius Octavius Rufus, der als adiutor also als Mädchen für alles mitreiste. Dazu kamen noch die Mulis, eines für Esquilina zu reiten, 2 weitere fürs Gepäck. Und natürlich Licinus Pferd, das er nur benutzen würde, wenn er dazu gezwungen wurde.


    Seit einigen Stunden nun stand der kleien Trupp nun an der Wegkreuzung und wartete. Esquilina hatte zwischenzeitlich Blumen gepflückt und ihrem Muli einen Kranz über die Ohren gelegt. Der cornicularius reichte dem tiro gerade etwas Essen, als Licinus brummte:
    "Da, das sind sie!"
    Schon länger hatte er die Staubwolke ausgemacht, aber nun waren sie forderen leute klar erkennbar und es blieb kein Zweifel, dass das kein üblicher Handelszug war. "Also los, fertig machen."

  • Eldrid war nun doch ergriffen, denn nun waren nur noch sie und Audaod, es die hier in Rom bleiben würden. Und Alrik tat sein übriges, mit seiner wohl aufmunternd gemeinten Geste lösten sich nun doch die Tränen bei der sonst so taffen Germanin. Er nur ein Nicken, dann aber schluckte sie die Tränen tapfer runter und grinste schief. „Alrik, tu muss di net bang mocken. Tu hast mi een godden Kierl utkiekt. Ik werd det hi schoon mocken.“ sagte sie tapfer. „Un tu muß mi toseggen, dat tu di um mine Geswister brüden tust.“ Sie drückte Alrik nun doch noch mal ganz herzlich. „Di Götters moggen mit di sein.“
    Dann wand sie sich ihrem Bruder zu. Ja das wurde dann doch einen ganze Spur emotionaler. Eldrid war sichlich um Haltung bemüht, doch als sie ihrem Bruder um den hals fiel um ihm alles gute zu wünschen, versagte ihre Stimme und die tränen flossen in Strömen. Nur mit Mühe unter Schluchzen brachte sie ein paar Worte hervor. „Nimm de Brief für de Kleenen mit. Und pass good uff di Lüttens up. Sach den Lütten dat ich se lieb hob. Un dat ih bal kum um euch zu besochen.“ Zu viel mehr war sie gerade nicht in der Lage, nur noch ein letzer Wunsch. „De Götters mögen uff diner Seit sein.“

  • Nach Rom reisen, aus Rom abreisen.. Mantua, Germanien. Für Seneca, eigentlich aus Tarraco, machte es mittlerweile fast keinen Unterschied. Er hatte nie an Mantua gehangen, in Rom da war seine Familie, naja, oder der der es noch sein wollte. Sein Cousin war der einzige Wehmutsfaktor bei der Abreise ansonsten hatte er alles was er wollte bei sich. Seiana, Silana, und ein Kommando über eine komplette Einheit.
    Natürlich hatte er sich im Vorfeld versichert dass es seiner Familie bei der Reise an nichts mangeln würde und hatte einen komfortablen Reisewagen besorgt.
    Das wenige Hab und Gut seiner Seite war auch verstaut, dass etwas umfangreichere seiner Frau ebenso.
    Die germanischen Pferde welche sie vom Duccier geschenkt bekommen hatten freuten sich sicherlich auf die Heimat, und der Iunier freute sich auf eine neue Herausforderung bzw. zwei: Das Leben als Ehemann und das Leben als Praefectus Alae.


    Ein letzter Blick gen Rom, und er sagte niemals nie, vielleicht würden er eines Tages wieder hierher ziehen. Aber nun galt das Augenmerk dem Norden.
    Er hatte sich einige Berichte und Meldungen mitgeben lassen um bei seiner Ankunft ein ungefähres Bild der Lage zu haben. Und vielleicht wussten die mitreisenden Duccier ja auch das ein oder andere. Es galt schließlich auch schnell eine annehmbare Bleibe für seine Familie zu finden.

  • Inmitten der Staubwolke, Italia glänzte im Sommer mit an der Hand abzählbaren Regentagen, befand sich Vala, der aus reiner Langeweile mal hier mal dort ein Gespräch führte oder die Zeit mit Planungen seine Regentschaft im Norden betreffend totschlug. Jetzt, wo die Euphorie über den Titelgewinn langsam in stete Gewahrsamkeit dessen überging, wurde ihm auch klar, dass sein treues Eheweib nicht ganz so begeistert von dem Trip in den Norden war. Eine Tatsache, die Vala so abstrus vorkam (wie konnte man nur NICHT in den Norden wollen?), dass es ihm schier unmöglich erschien sich auf diese Gedankenwelt seiner Frau einzulassen. Dementsprechend mied er den Wagen, den die Statthaltersfrau ihr derzeitiges Domizil nannte, und kam nur vorbei wenn ihm nach Zeit mit seiner Tochter war. Das kleine Ding, annähernd ein Jahr alt, war recht wankelmütig in seiner Stimmung... manchmal jauchzte sie vor Freude, wenn es auf Vater's Pferd mitreiten durfte, mal reichte ein vorbeifliegender Spatz um sie in Tränen aufgehen zu lassen. Und es gab nichts, bei dem der ehemalige Konsul Roms und Statthalter des mächtigsten Mannes der Welt so sehr scheiterte wie beim Windelnwechseln (Oh nein, er ließ sich das nicht nehmen. Immerhin hatte er früher, zu einer längst vergangenen Zeit, immer wieder mal die Neugeborenen versorgen dürfen... wie so ziemlich alle in der Gemeinschaft. Offenbar waren diese Kenntnisse aber samt und sonders vergangen.)


    Die Reise an sich war müßig und vor allem lang... was vor allem an der Weigerung Valas lag, ein Schiff zu betreten. So zog sich der Trip nach Genua, wo man auf einen weiteren Teil der Entourage treffen würde, eben auch nicht fünf Tage hin, sondern fünfzehn. Natürlich machte Vala sehr öffentlich, dass gewisse organisatorische Zwecke Grund hierfür waren und man nicht alles auf ein Schiff laden konnte (was sehr wohl möglich war), aber letztlich wusste nach einer Weile wohl so gut wie jeder, dass der neue Statthalter Germanias einfach nur schrecklich seekrank wurde.


    Es ging also notorisch zu Fuß, im Wagen oder zu Pferd weiter. Nördlich von Genua wurde dem Statthalter gemeldet, dass die Mantuaner weiter nördlich an der Straße warteten. Dem Tempo des Treks geschuldet würden die sich aber noch weitere zwei Stunden gedulden müssen, bis der Duccius endlich per equus vor dem Iulius stand und diesen mit einem breiten Grinsen grüßte: "Iulius! Nichts hätte mich mehr überrascht, als dass ich vor dir hier eingetroffen wäre. Ich hoffe, der Abschied aus Mantua ist dir nicht allzu schwer gefallen?"

  • "Vergiss den Senat, du hast nun andere Dinge um die du dir Sorgen machen musst. Ich höre von meinen Klienten, dass sich wieder Unheil hinter dem Limes zusammenbraut. Die Chatten. Wie schon so oft. Also gib auf dich und Germania Superior acht. Schließlich will ich eine ordentliche Provinz vorfinden, wenn ich dich nach meinem Consulat ablöse." sagte Modestus und klopfte nun seinerseits dem Duccier herzhaft lachend auf den Rücken. "Noch ein kleines Präsent für dich." sagte Modestus abschließend und überreichte dem Duccier einen Schriftrollenbehälter mit der Kopie der offiziellen Ernennungsurkunde. Ihm war aufgefallen, dass Vala während der Zeremonie keine erhalten hatte. Deshalb hatte er auf die schnelle Apollodorus gebeten ihm eine für den Duccier zukommen zu lassen. "Ich war mir nicht sicher, ob du auch ein Exemplar bekommen hast und habe einen Klienten von mir in der Kanzlei gebeten eine Abschrift anzufertigen. Gehab dich wohl. Vale." verabschiedete sich Modestus dann letztlich und trat zur Seite, damit auch seine Frau noch einige Worte an ihren Verwandten richten konnte.

  • Hoch zu Pferd war auch Valens teil der Prozession nach Germania. Auch wenn er nicht offiziell dem Exercitus angehörte, hatte er sich dennoch militärisch gekleidet. Kurze Kavallerie-Hosen, Reiterstiefel, eine Tunika und eine Paenula. So wie es ihm sein Vater gezeigt hatte. Wie der alte Fabius Vibulanus zu seinen Zeiten bei der Ala gekleidet war. Auf den Cingulum Militare hatte er allerdings verzichtet. Er hatte sich stattdessen in Rom einen mit Bronze beschlagenen Gürtel ausgesucht. Waffen und Rüstung waren natürlich Gepäck verstaut. Eigentlich hatte er vorgenommen das Kettenhemd auf der Reise zu tragen, damit er sich schon einmal daran gewöhnte. Nachdem er aber nun nicht als Ritter sondern erst einmal als Gehilfe des Statthalters nach Germania ging, hatte er sich den Aufwand gespart. Vielleicht auch weil er zu Faul dafür war. Das Kettenhemd seines Vaters war aus groben, fast schwarzen Kettengeflecht. Schwer aber zuverlässig. Sein Vater hatte immer gesagt, dass man als Offizier auf Pomp verzichten sollte. Die mit der glänzenden Rüstung und dem Helmbusch wurden im Hinterhalt als erste vom Pferd geschossen. Ob da etwas dran war? Der Gedanke behagte ihm nicht wirklich. Aber so schlimm würde es in Germania bestimmt nicht werden. Hoffte er zumindest.


    Das Reiten ging ihm erstaunlich leicht von der Hand, auch die ersten Tage wieder eine Qual gewesen waren. Die straffe Ausbildung seines Vaters war doch zu etwas gut gewesen. Die Langeweile war eher ein Problem. Er hatte versucht das eine oder andere Gespräch anzufangen, aber im Grunde waren ihm die meisten Männer fremd. Ein Mann hatte allerdings seine Neugier erweckt. Aulus Iunius Seneca, der Kommandant der Ala II Numidia. Und so steuerte er sein Pferd bei einer günstigen Gelegenheit neben das des Iuniers. "Salve, Praefectus. Mein Name ist Gaius Fabius Valens. Ich gratuliere dir zu deinem Kommando. Mein Vater hat vor vielen Jahren bei deiner zukünftigen Einheit gedient."

  • Seneca trottete gerade mit seinem Pferd neben dem Reisewagen seiner Familie her. Er war noch nicht ganz warm geworden mit der Idee vom lupenreinen Infanteristen auf die Kavallerie, naja, umzusatteln, aber er nahm es als Herausforderung und außerdem war ein Befehl ein Befehl.
    Die bisherige Strecke kannte er ganz gut, sodass auch ihm durchaus langweilig war bis eine Stimme und eine dazugehörige Person plötzlich an seiner Seite erschien...
    "Fabius, hab Dank." entgegnete Seneca dem Mann und wusste nicht so recht ob sein Vater einst sein Bürgerrecht in der Ala erworben hatte oder einer dieser römischen Exoten war die bei den Reitern gedient hatten. Es war ihm auch irgendwie unangenehm danach zu fragen, "Ich werde versuchen der Einheit Ehre zu machen. Was führt dich nach Germanien?"

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    Knapp einen Monat nachdem sie Rom verlassen und zwei Wochen, nachdem sie die Mantuaner in Genua aufgelesen hatten, erreichte die Entourage Arelate. Bisher war die Reise, wenn auch langwierig, von wenig Komfortproblemen geplagt gewesen... Italia und Gallia Narbonensis waren derart dicht besiedelt, dass man sich in nahezu perfekten Tagesabständen von Ort zu Ort wandern konnte. Vor allem für die Damen brachte dies die gewissen Annehmlichkeiten mit sich, immerhin wurde man von ehrerbietenden Stadteliten immer in steinernen vier Wänden einquartiert. Natürlich brachten die nicht immer den stadtrömischen Komfort mit sich, allerdings war es noch meilenweit angenehmer als auf offenem Felde schlafen zu müssen. Orte wie Cosa, Pisae, eben Genua und andere schlugen sich förmlich darum den Statthalter des Kaisers und seine Entourage beherbergen zu dürfen.
    In Arelate selbst genoss man ebenso die Gastfreundschaft der Duumvirn und der wohlhabenderen Decuriones. Vala selbst fühlte sich bei der Größe seiner Reisegesellschaft an einen kleinen Feldzug erinnert... nur dieses mal in der anderen Richtung unterwegs. Dass die Reise keinen großen Organisationsbedarf seinerseits erforderte nahm ihm dann doch irgendwo jede nützliche Betätigung. Außer, dass er als Grund herhalten durfte dass sie überall einquartiert wurden wo sie es benötigten gab es für ihn nicht viel mehr zu tun als nette Worte mit den Stadtoberen zu wechseln und jeden Abend mit ihnen Abend zu essen.
    Jeden Morgen, kurz vor Sonnenaufgang, fand man sich wieder auf dem Forum und bis auf einen versoffenen Bediensteten, der die Nacht im sagenumwobenen Lupanar des Forum Iulii (später das französische Frejus) offenbar zu dolle gefeiert hatte, musste man auch niemanden suchen gehen. Waren halt doch fast alles Militärs die wussten wie man zielgerichtet und zeitoptimal vorankam.
    In Arelate, oder Arelas, legte man einen Stop von einem kompletten Tag ein. Bei der Reisedauert von mehreren Wochen eine verschmerzbare Verzögerung. Verdanken war das vor allem der Einladung des Duumvirs zu (im römischen Vergleich) lächerlich kleinen Gladiatorenspielen mit anschließendem Theaterstück in den Abend hinein. Da irgendein Idiot dem Ausrichter, einem Aspiranten des Ordo Decurionum, gesteckt hatte, dass Brocculus die Rübe ebenfalls mitreiste, blieb Vala nicht viel anderes übrig als den Eisenmann hier antreten zu lassen. Auch wenn er implizit sehr deutlich machte, dass er eine weitere Verzögerung der Reise durch Verletzung des Gladiators nicht dulden würde.
    Die Sorge war unbegründet, der auf Brocculus nicht eingestellte Murmillo hackte sehr inspirations- und vor allem ratlos auf der dicken Rüstung herum, bis er fahrlässig wurde und durch zwei zufällige Prankenhiebe des Brocculus in den Staub geschickt wurde. Die anderen zwei Kämpfe sorgten schon für mehr Spannung.
    Abends, als die Theatervorstellung kam, konnte Vala sich darüber freuen in der ersten Reihe zu sitzen und so nicht allzu viel teilnahmsvolle Mimik leisten zu müssen... de facto, wie immer, langweilte er sich zu Tode. Es ging um irgendwas von einem gewissen Pantomimus oder so... auf jeden Fall verrenkte sich oben ein Typ die ganze Zeit auf eine Art und Weise, die in Vala mehr Sorge denn Bewunderung auslöste. Ein Seitenblick auf seine Frau zeigte ihm dann sehr deutlich, wie er gerade zu reagieren hatte. Hilfreich, wenn auch nicht erlösend. Er sehnte schon fast das Ende des Abends herbei, damit man schlafen gehen könne um sich am nächsten Tage wieder zu erheben... weiter, weiter solle es gehen.
    Und die Reise würde noch lange genug dauern. Nicht einmal die Hälfte hatten sie in den vier Wochen geschafft.




    Bildquelle

  • Zitat

    Original von Aulus Iunius Seneca
    Seneca trottete gerade mit seinem Pferd neben dem Reisewagen seiner Familie her. Er war noch nicht ganz warm geworden mit der Idee vom lupenreinen Infanteristen auf die Kavallerie, naja, umzusatteln, aber er nahm es als Herausforderung und außerdem war ein Befehl ein Befehl.
    Die bisherige Strecke kannte er ganz gut, sodass auch ihm durchaus langweilig war bis eine Stimme und eine dazugehörige Person plötzlich an seiner Seite erschien...
    "Fabius, hab Dank." entgegnete Seneca dem Mann und wusste nicht so recht ob sein Vater einst sein Bürgerrecht in der Ala erworben hatte oder einer dieser römischen Exoten war die bei den Reitern gedient hatten. Es war ihm auch irgendwie unangenehm danach zu fragen, "Ich werde versuchen der Einheit Ehre zu machen. Was führt dich nach Germanien?"


    "Um ehrlich zu sein hoffe ich darauf, dein Stellvertreter zu werden. Ich will wie mein Vater und mein Bruder Ritter werden und eine entsprechende Laufbahn einschlagen. Mein Patron hat mich dafür auch schon der Kanzlei empfohlen, allerdings lässt sie sich mit der Entscheidung etwas länger Zeit. Bis es soweit ist, unterstütze ich den Legatus Augusti Duccius bei seiner Arbeit." entgegnete Valens erfreut über das Interesse des Iuniers und musterte ihn nebenbei. Dabei fiel ihm die eine oder andere Kleinigkeit auf, die eher von einem Infanteristen zeugten. Bei der Kavallerie band man seine Schuhe auf der anderen Seite, sonst konnte man am Sattel hängen bleiben, wenn man abstieg. Valens band seine Schuhe schon immer so, denn sein Vater hatte ihn im Stil der Kavallerie ausgebildet. Wenn du mal beim Exercitus Dienst, dann gefälligst als Offizier. Ich habe mich nicht hochgearbeitet, damit du einfacher Legionär wirst. Und Offiziere gehen nicht zu Fuß. Also halt die Klappe und rauf aufs Pferd. Und bleib diesmal gefälligst nicht am Sattel hängen! halten die Worte seines Vaters in seinem Kopf wieder. Dabei hatte er damals tödliche Angst vor den Tieren gehabt, nachdem eines ihn im Stall gebissen hatte. Zum Glück bekam er immer ein rotes Gesicht wenn er Angst hatte und sein Vater hatte das für männliche Entschlossenheit oder Zorn gehalten.

  • Sein Stellvertreter?
    Seneca beäugte den Mann ganz genau, immerhin hatte er den Schneid sich frühzeitig vorzustellen und ein wenig zu plaudern, aber letztendlich hatte nicht Seneca das Sagen, auch wenn er sicherlich nicht unzufrieden wäre darüber den Fabier in seiner Einheit zu wissen..
    "Nun, für dein Vorhaben wünsche ich dir alles Gute. Ich bin sicher du könntest mir eine große Hilfe sein." antwortete der Praefectus aufrichtig. Immerhin war immer der Mann der Favorit auf den Posten den man kannte, und nicht irgendwelche gesichtslosen. Außer der betreffende Mann stellte sich echt dämlich an, was hier ja nicht der Fall war..
    "Also, stammst du aus Germanien? Wenn ja, erzähl mir ein wenig." hakte der Iunier nach, schließlich lag seine Kenntnis bei plus minus null.

  • Als der Treck näher kam war Licinus durchaus mehr als überrascht, als mit diesem eine Abteilung der prätorianischen Garde marschierte. Selbige Verwunderung zeigte sich jedoch nur in einer gehobenen Augenbraue, als er ihrer Ansichtig wurde. "Was wollen die Skorpione denn hier?" murmelte er leise, so leise, dass keiner es hörte. Esquilina jedoch, das kleine Mädchen, hob den Kopf und sah Licinus an. Sie war ausgesprochen empfindlich, was Stimmungsschwankungen ihres Ziehvaters anging und hatte schon gespührt, dass sich die ungeduldige Erwartung der letzten Tage sich nicht in das gewandelt hatte, was sie erwartet hatte. "Also dann meine Herren, aufgesessen." Sein Gesicht verzog sich bitter.


    Licinus konzentrierte sich derweil auf den Mann hoch zu Roß, der den ganzen Treck anführte. Und ihn prompt launig wie man ihn kannte begrüßte:
    "Salve legatus! Nun, wir sind ohnehin lange genug unterwegs, nicht war? Nun, je weniger man auf mich warten muss, desto schneller sind wir in Mogontiacum. Und desto schneller komme ich von diesem Gaul wieder runter."


    Dann nickte er den beiden anderen Herren zu. Erst grüßte er den bekannten, dann stellte er sich dem unbekannten vor:


    "Iunius, ich nehme an, du hast die Ala wirklich bekommen? Glückwunsch! Salve auch dir, junger Mann. Iulius Licinus, praefectus castrorum, seit neuestem der zweiten legio."


    Dann wandte er sich wieder an den Chef. Eine spontane Idee war ihm gekommen. "Sag Duccius, ob es wohl möglich wäre, dass meine Tochter stückweise im Wagen mitfährt? Sie ist doch noch recht klein, um den ganzen Tag zu reiten."

  • Hadamar hätte es ja nie geglaubt – aber als er Rom endlich hinter sich lassen konnte, tat er das mit gemischten Gefühlen. Es gefiel ihm nicht, Eldrid hier zurück zu lassen. Gut, sie war nicht allein, Audaod war auch hier... aber der war noch grün hinter den Ohren, wahrscheinlich würde eher Eldrid auf ihn aufpassen als umgekehrt. Nein, so ganz gefiel ihm das nicht, auch wenn seine Schwester immerhin zufrieden schien mit dem Mann, den sie abgekriegt hatte. Und das ganz ohne dass Hadamar ihm hätte Prügel androhen müssen.


    Während Alrik sich zuerst Eldrid und ihrem Mann zuwandte, begann Hadamar bei Audaod, sich zu verabschieden. Er drückte ihn kurz an sich und klopfte ihm ein paar Mal ordentlich auf den Rücken. „Loss di net untakriang, hosd mi? Un pass af Eldrid af.“ Konnte nicht schaden, dem Jungen das trotzdem nahezulegen, auch wenn Hadamar ziemlich überzeugt war, dass es umgekehrt laufen würde.
    Dann kam die Reihe an ihn und Eldrid, und als erstes musste er sie halb auffangen, so heftig fiel sie ihm um den Hals. Er umarmte sie fest, und musste dabei blinzeln, weil auch seine Augen ein bisschen feucht wurden. „Freili. Mach da koan Kopf, i pass scho af“, wisperte er an ihrem Ohr. „Siag liaba zu doss es di net zalegt hia... und wannsd Hoamweh host“, bei diesen Worten löste Hadamar sich genug von Eldrid, um ein etwas abgewetztes Lederband mit Anhänger von seinem Hals ziehen zu können, „denksd oafach dro wia mia zwoa uns imma gfetzt ham.“ Er grinste schief, als er ihr den Anhänger reichte, ein hölzener Wolf, sichtlich selbst geschnitzt, und sichtlich mit mehr Enthusiasmus als Talent. „Den hob i gmocht, ois mia damois nach Italia san.“ Genauer gesagt hatte er an irgendeinem Abend in den Alpen damit angefangen, bei einer Nachtwache, als er selbst Heimweh gehabt hatte. Seitdem hatte er ihn immer dabei gehabt, während des Bürgerkriegs, in Rom, in Carthago, auf den Reisen und Einsätzen dazwischen, als Glücksbringer und Erinnerung an daheim. Schien irgendwie passend, für ihn jedenfalls, dass der Anhänger bei Eldrid in Rom blieb. Er umarmte sie noch mal. „Machs guat.“
    Auch von ihrem Mann verabschiedete Hadamar sich – sein ehemaliger Feldherr, wenn er genau darüber nachdachte, konnte er immer noch nicht so recht fassen, dass er mit dem jetzt verschwägert war. „Viel Erfolg bei deinen Plänen für die Zukunft.“ Hadamar warf einen flüchtigen Blick zu seiner Schwester. „Und alles Gute für eure Ehe. Behandel sie gut.“


    Und dann... ging es auch schon los. Hadamar schwang sich auf seinen Gaul und reihte sich irgendwo in die Kolonne ein, die sich auf den Weg Richtung Norden machte. Richtung Heimat. Endlich.

  • Zitat

    Original von Lucius Duccius Ferox
    Während Alrik sich zuerst Eldrid und ihrem Mann zuwandte, begann Hadamar bei Audaod, sich zu verabschieden. Er drückte ihn kurz an sich und klopfte ihm ein paar Mal ordentlich auf den Rücken. „Loss di net untakriang, hosd mi? Un pass af Eldrid af.“ Konnte nicht schaden, dem Jungen das trotzdem nahezulegen, auch wenn Hadamar ziemlich überzeugt war, dass es umgekehrt laufen würde.


    Caius verfolgte die Prozession und den Auszug aus Rom mit gemischten Gefühlen, wie so viele der Leute, die mit Vala zogen oder ohne ihn in Rom verblieben. Einerseits freute er sich für seinen Vetter, dass dieser endlich sein Ziel erreicht hatte. Statthalter von Germania Superior, das war doch wirklich irre! Andererseits wäre die Casa Accia Ducciaque nun ziemlich einsam. Accius Damio war nicht mehr so häufig zuhause wie einst und mit Vala zogen ja auch dessen Ehefrau und die gesamte Dienerschaft von dannen. So blieben noch er, Caius, beziehungsweise Audaod, und sein Freund Crassus, oder auch Radbod. Der Gedanke stimmte ihn irgendwie trübselig.
    Gut, dass Hadamar ihn aus seinen Gedanken riss, indem er sich von ihm verabschiedete. "Keene Sorje, Hadamar. Ik kum schon zorecht." Er schaute etwas verlegen drein. "Eldrid is bei mer in gouden Henn." Abschließend versuchte sich an einen Lächeln, das sich aber zu einer Grimasse verzerrte. Er hatte zwar nicht das Gefühl, dass Eldrid mit so einem einflussreichen Ehemann überhaupt Caius' Schutz bräuchte, aber er würde dennoch gelegentlich mal nach ihr sehen.


    Zitat

    Original von Titus Duccius Vala
    Schließlich war da noch der jüngste, Audaod, dem er ebenfalls männlich-aufmunternd auf die Schultern klopfte: "Nu isset an di, Rom to erovern. Bedank mi Wort: et tut keen Not, to don watt se wulln. Se finnen allemol watt di antogreefn, se finnen allemol watt um di klin to redn. Vergass det niet: do büst net klin, do best een Suon Wolfriks. Se ham mia as jenoch Grönd us to förchtn." , nickte Vala schließlich, und schob nach der etwas martialischen Kleinansprache nach: "Et dot lieges keen Not de sam Failer to maken as mi. Learn di süms, but maak mi net alls na. Maak us stols. Til ars ok frisar."


    Als Vala sich ihm schließlich zum Abschied zuwandte, musste Caius schwer schlucken. Er fürchtete sich plötzlich davor, ohne seinen Vetter den senatorischen Cursus Honorum anzutreten. Natürlich war da Kaeso Annaeus Modestus, aber den kannte er ja gar nicht richtig. Die Worte, die der duccische Consular für seinen jungen Vetter fand, würde Caius niemals vergessen. Er nickte und gab Alrik das Versprechen: "Alrik, ik will allet donn, wat in meen Meit sdet, um dea Sip Ear to maken." Caius wollte seine Familie stolz machen, das konnte man seinem nun entschlossenen Gesichtsausdruck entnehmen. "Til ars ok frisar!", erwiderte er Valas Abschiedsgruß und seine Entschlossenheit wurde gleich wieder von dem Gefühl überdeckt allein in Rom zurückgelassen zu werden.

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    Acht Tage nach ihrem Stop in Arelate erreichten die Nordwanderer die Hauptstadt der Provinz Gallia Lugdunensis, Lugdunum. Es war die nach Genua größte Stadt, die sie passierten und brachte dementsprechend einige Annehmlichkeiten für die Reisegesellschaft... wie zum Beispiel ausladende Thermen in denen sich die reisegemarterten Glieder erholen konnten. Allerdings beließ man es dabei, sich als IRGENDEINE Reisegruppe zu zeigen, immerhin waren gewisse Erfahrungen der Stadt mit Militärs aus Germania noch nicht soooo lange her, als dass sie gänzlich vergessen sein würden.
    Das tat dem keinen Abbruch, dass hier rein zufällig zwei Legaten aufeinandertrafen die einiges zu besprechen hatten. Immerhin hatte die Provinz nicht wenige Leuga gemeinsame Grenze mit dem künftigen Wirkungsbereich des Duccius. Der Statthalter der Provinz, Nero Mallius Rullus, war noch unter dem Cornelier berufen worden und war nicht allzu glücklich mit dessen Ableben, das erkannte Vala schon recht früh zu Beginn ihrer Gespräche. Zum neuen Princeps äußerte sich der Mann zurückhaltend, wenn ach angemessen höflich. Klar, ein Fan war er nicht (offensichtlich Parteigänger eines für ihn nicht allzu fern sitzenden Cornelius) aber ob fehlender Legionen auch nicht mächtig genug großartig Einfluss zu nehmen. Das einzige was er WIRKLICH in der Hand hatte war die Münze seiner Provinzhauptstadt, die aber beileibe nicht ausreichte um wirklich nennenswerte Politik damit zu machen. Das Gespräch ging mit Floskeln über gute zukünftige Zusammenarbeit aus, mehr war aber nicht klarzumachen.


    Einer der Gründe, weshalb die Entourage schon am nächsten Tag mit einem nachdenklichen Vala an der Spitze aufbrach, sich weiter gen Norden zu machen.


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  • "Iulius! Das ich mich einmal freuen würde dein knurriges Gesicht zu sehen." sagte er scherzhaft und grüßte seinen ehemaligen Kameraden und irgendwie auch schon Freund. Bevor er sich an den Fabier wandte, "Das ist Gaius Fabius Valens. Ein ambitionierter junger Mann. Du merkst dir besser seinen Namen." fuhr er fort und bemerkte das kleine Mädchen erst gar nicht. Erst als er mitbekam dass er Vala darauf ansprach schaltete er sich dezent ein..
    "Wahlweise könnte sie auch im Reisewagen meiner Frau unterkommen. Ich bin mir sicher dass es Seiana nichts ausmachen wird." versicherte er, ließ aber dem Duccier trotzdem die Ehre sie unterzubringen sofern er das wollte.

  • Zitat

    Original von Aulus Iunius Seneca
    Sein Stellvertreter?
    Seneca beäugte den Mann ganz genau, immerhin hatte er den Schneid sich frühzeitig vorzustellen und ein wenig zu plaudern, aber letztendlich hatte nicht Seneca das Sagen, auch wenn er sicherlich nicht unzufrieden wäre darüber den Fabier in seiner Einheit zu wissen..
    "Nun, für dein Vorhaben wünsche ich dir alles Gute. Ich bin sicher du könntest mir eine große Hilfe sein." antwortete der Praefectus aufrichtig. Immerhin war immer der Mann der Favorit auf den Posten den man kannte, und nicht irgendwelche gesichtslosen. Außer der betreffende Mann stellte sich echt dämlich an, was hier ja nicht der Fall war..
    "Also, stammst du aus Germanien? Wenn ja, erzähl mir ein wenig." hakte der Iunier nach, schließlich lag seine Kenntnis bei plus minus null.


    "Ich muss gestehen, dass ich wohl nicht sehr viel mehr über Germanien weiß als du. Ich bin Aegyptus aufgewachsen. Mein Vater war dort Prafectus Castrorum der Legio XXII." sagte Valens entschuldigend, als der Iunier ihn nach Germania fragte. Er kannte nur ein paar Brocken der Sprache und kaum etwas über das Leben der Germanen. Das erste was ihm einfiel, waren die Worte seines Patrons zu Germania. Ja, das war ein guter Anfang. Bestimmte wusste noch nicht jeder über die Sache mit den Chatten. Und da waren noch ein zwei Fakten aus den Briefen seines Vaters, an die er sich erinnerte. Aber seine Familie gehörte auch zu den romanisierten Germanen und nicht zu den wilden, Hosen tragenden Barbaren. "Zwei für Germania Superior relevante Stämme hinter dem Limes sind die Mattiaker und die Chatten. Erstere sind unsere Verbündeten, die letzteren wohl unsere Feinde. In den letzten Wochen sah es danach aus, dass die Chatten mit dem Säbel rasseln und womöglich die Mattiaker unterwerfen wollen. Wenn den Chatten das gelingt, dann siedelt ein feindlicher Stamm am Limes, was problematisch werden könnte. Die Germanen organisieren sich in Stämme die aus mehreren Sippen bestehen, welche wiederum aus mehreren Familien aufgebaut sind. Sie haben keine Städte und wohnen mit ihren Schweinen in einfachen Holzhütten. Also die wilden Germanen hinter der Grenze."

  • "Ersteres bezweifel ich, wir werden wirklich lange genug unterwegs sein, dass es auf einen Tag mehr oder weniger nicht ankommt. Zweiteres hingegen, gerade wegen ersterem, kann ich dir nicht lindern und dir auch keine Hoffnungen machen." , schmunzelte Vala ob der altbekannten Aversion seines Praefectus gegen Pferde und deren Bereitung, "Wenn du dir nicht zu fein dazu bist, kannst du dich auch einfach auf den Bock eines der Wagen setzen... weißt schon, mehr Holz als Pferderücken."


    Die Frage des Iulius hinsichtlich seiner Tochter schob Vala einen Moment auf, da er sich doch zuerst mit dem Mädchen bekannt machen wollte. Als der Iulius und er zusammen gedient hatten war die Dame zuerst nicht geboren und dann sicherlich nicht mit ins Feld genommen worden.
    "Salve, junge Dame, ich bin Titus Vala von den Ducciern..." , stellte sich der Statthalter des Kaisers einfach mal selbst vor, "..natürlich darfst du in den Wagen mitfahren, auch auf, nur nicht unter. Meine Frau beklagt sich sicherlich nicht über Gesellschaft... unsere Tochter ist leider noch so jung, dass Konversation mit ausgesprochen viel Fantasie und ausgesprochen wenig ernsthafte erfordert. Aber wie ich gerade von meinem Reiterkommandanten höre, hast du sogar die Auswahl... aber mit darfst du nur, wenn du mir deinen Namen verrätst."
    Irgendwie hörte er sich an wie seine Großmutter, die er nie kennengelernt hatte. Mit Kindern zu sprechen war auch immer eine große Herausforderung sich größtmöglichst lächerlich zu machen. Er hoffte nur, dass einem die Übung das irgendwann austrieb.

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    Die Reise nach Augusta Treverorum, die nach ihrer Abreise aus Lugdunum knapp drei Wochen in Anspruch nahm, war in etwa die Zeitspanne die sie länger brauchten da sie mit den Wagen und dem Gepäck die Alpen gemieden hatten. Diese Etappe war allerdings, aus Sicht eines Ethnologen, die interessantere, da sich von Lugdunum aus nordwärts die Effekte der Romanisierung langsam in den Hintergrund drängten und abseits der größeren Orte die ursprünglich keltische Prägung der Menschen in den Vordergrund drängte. Das zeigte sich vor allem am Anblick der Menschen, die zur Erntezeit auf den Feldern waren. Auch die Siedlungsdichte nahm mit jedem Tag zusehends ab.


    Gerade weil Vala sich entschieden hatte, den um zwei Tagesreisen längeren Anreiseweg um seine Provinz drumherum anzutreten, gelangten sie in Gegenden in denen Siedlungen eher spärlich verteilt waren und auch die Allgegenwärtig des Waldes im Norden spürbar wurde und in den Forst geschlagene Felder ein nicht mehr ganz so oft vorkommender Anblick wurden. Zwischen Cabillonum und Divodurum war die Siedlung so spärlich gesäht, dass die bei den am Weg liegenden Mansiones des Cursus Publicus ihre Zelte aufschlagen mussten... zum ersten Mal während ihrer Reise. Zwei Wochen lang hielt das Feldzugs-Feeling an, Tage an denen sie die Frauen, natürlich bewacht, in den Mansiones einquartierten während die Männer frisch fromm und fröhlich frei unter Leder in freier Natur campieren durften. Divodurum, in satte grüne Hügel gebettet, brachte dann die erhoffte Erlösung und die Thermen konnten sich über den Einfall einer kompletten Reisegesellschaft von mehr als hundert Personen freuen. Was diese, nach zwei Wochen im offenen Feld, auch wohl mehr als nötig hatten. Die Vorteile eines Statthalters brachten es mit sich, dass die Thermen ab der Norm für einige Stunden der weiblichen Kundschaft vorbehalten blieben obwohl deren Badetag eigentlich erst am folgenden stattfinden sollte.


    Die Duumvirn, über das Nahen des neuen nachbarschaftlichen Statthalters aufgeklärt, sorgten dann auch für eine zivilisiertere und vor allem regenfestere Unterbringung bevor es am nächsten Tag ohne Umschweife, denn das Ziel nahte, fort ging um noch am dritten Tage in die Colonia Augustra Treverorum ein, wo Vala zwar nicht wie erhofft auf den Kollegen aus Belgica traf, dafür allerdings auf den Praefectus der dort stationierten Reiterkohorte.
    Formal unterstand diese natürlich dem Legaten, de facto allerdings hatte die traditionelle Absprache zwischen der Cohors und den weiter östlichen stationierten Einheiten dazu geführt, dass das Wort des Legaten aus Germania auch nicht unerheblichen Einfluss hatte. Interessant wurde es nun vor allem für den mitgereisten Iunius, da er als Praefectus der nächstgelegenen Reiterala auch der unmittelbare Kontaktmann und nächsthöhere Offizier war... und die Cohors bereits lange Jahre in Germania Superior gedient hatte (und irgendwann auch wieder lange Jahre dort dienen würde). Erklärwürdig war vor allem die Frage, warum man sich für den langen Umweg um die Provinz entschieden hatte, der Praefectus hatte offensichtlich erst mittelfristig mit einem Befehl nach Mogontiacum gerechnet. Valas Erklärung, dass ihre Reise NOCH länger gedauert hätte, hätte er sich als neuer Legatus Augusti durch all seine Civitates quälen müssen, erschien dem Offizier und den Duumvirn mehr als schlüssig. Die abendlichen Gespräche waren entsprechend intensiv, da die mitreisenden Offiziere sich das eine oder andere über die Lage im Hinterland erzählen lassen durften, bevor es dann wieder zu Bett und früh am Morgen hinaus ging... durch ein Tor, das Pi mal Daumen siebzig Jahre später zu einem noch größeren ausgebaut werden würde, das auch mehr als tausend Jahre später noch das Wahrzeichen der Stadt sein würde.


    Zwei sehr viel länger als die übrigen wirkende Tage, zweieinhalb Monate nach ihrer Abreise aus Roma, erreichten sie auch endlich den Grenzstein der Provincia Germania Superior.


  • Esquilina


    "Nun, ich konnte mich seit deiner Hochzeit ja innerlich stählen, dich hier sehen zu müssen," konterte Licinus nicht minder launig. "Fabius Valens." grüßte er nochmals das jezt vorgestellte Gesicht. "Welche Funktion wirst du im hohen Norden einnehmen?" Licinus kannte gerne das gesamte Triumvirat aus Name, Gesicht und Funktion, um Leute besser einzuordnen und einzuschätzen.


    "Ich denke, eher werde ich einige Abschnitte laufen, wenn's dir Recht ist," entgegnete Licinus. "Glaube kaum, dass ich hier der langsamste bin." schließlich waren einige ihrer Begleiter, vor allem Sklaven und die prätorianische Eskorte, auch zu Fuß unterwegs. Das letzte Wort diesebzüglich hatte natürlich der Legatus, falls er auf allen Pomp bestand würde Licinus wohl reiten müssen. "Natürlich nicht direkt vor den Städten," stellte er klar. Aber apropos Eskorte: "Sind die Herren dort eigentlich extra zu unserem Schutz abgestellt, oder haben die was spezielles vor?" fragte er mit einem Rucken des Kopfes in Richtung der Gardisten.


    "Esquilina heiß ich, Herr," murmelte Esquilina schüchtern kichernd. Auf der einen Seite fand sie die Aussagen zu ihrer Reiseposition bezüglich des Wagens ganz lustig, auf der anderen Seite hatte sie schon verstanden, dass der Mann, der da mit ihr sprach (und das ganz nett) jemand ganz wichtiges war. Und das flößte ihr ziemlichen Respekt ein. Und was dieses komplizierte Wort heißen sollte, das die Tochter nicht konnte, wusste sie auch nicht. Was nun, wenn sie das auch nicht richtig konnte? Also zog sie sich instinktiv auf sicheren Grund zurück "Ich bin Iulius Licinus Mündel." Die Vorstellung, wie sie Battiacus Frau ihr beigebracht hatte. Was genau jetzt der Unterschied zwischen einem Mündel und einer Tochter war, das war auch sowas, was ihr nicht so ganz klar war. Aber Battiacus Frau hatte (gerade nach Battiacus Tod) großen Wert darauf gelegt. "Esfreutmichdichkennenzulernen," platzte der letzte Teil dessen raus, was sie gelernt hatte. Unsicher, ob sie das richtig gemacht hatte, blickte aus den Augenwinkeln zu ihrem Ziehvater, dann wieder auf den Duccius.


    "Danke. Mein Mündel," erklärte er auch den andren Männern. "Danke auch dir, Iunius. Ich denke," brummte Licinus nach der kurzen Vorstellungsrunde, "wir werden euer beider Angebot annehmen und Esquilina wird ein wenig abwechseln. Dann fällt sie keiner der Damen über Gebühr zur Last." Anschließend stellte er auch noch die anderen Männer vor:
    "Lucius Cossinius Pabtus, cornicularius praefecti, kennt vermutlich jedes Schriftstück in meinem Büro auswendig. Der Tiro Caius Octavius Rufus, vorläufig als mein Adiutor abgestellt."


    "Einreihen!", befahl er seinen Leuten. Dann wartete er auf den erneuten Abmarschbefehl, bevor er sich vom Rücken seines Pferdes an den legaten wandte. "Hast du noch Berichte oder sonstiges Material über die Lage da oben. Sowohl aktuell als auch generell. Ich hab zwar ein paar wilde Gerüchte behört, aber in Mantua ist nichts konkretes zu bekommen."



    Sim-Off:

    Tatsächlich war Esquilina während des Krieges schon geboren und nur auf Licinus Landgut versteckt. Sie altert deutlich langsamer als Licinus selbst

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