Vallum - Die Nachtwache

  • Frostig wars... Während die Temperaturen am Tage wieder etwas wärmer wurden, legte sich die eisige Hand der Nacht noch immer klirrend kalt über das ungewöhnlich ruhig daliegende Germanien.
    Der Wachdienst war mehr zu einer obligatorischen Pflichtaufgabe geworden als zu einer wirklichen Notwendigkeit, denn der Rhenus, und Wälle aus Schnee und Eis, erledigten noch immer die Aufgaben die sonst dem Exercitus vorbehalten waren. Nur einige Fackeln, man möchte erhellten sagen kann es jedoch nicht, befanden sich auf den Gängen, während der Mond sein übriges Tat um den Schnee strahlen zu lassen. Niemand könnte sich hier wirklich anschleichen können, zumindest nicht wenn die Wachen die Augen offen halten konnten.


    Heutiger Wachdienst: Turma I


    Erste Schicht:
    Duplicarius Xenagoras


    Eques Rufus


    Eques Gunnar


    Eques Divico


    Eques Hanno


    Tiro Widukind


    Tiro Acco


    Tiro Hadamar


    Tiro Angus

  • Gähnend stand Widukind an einem Kohlebecken, verträumt sah er in die Flammen. Jetzt in der warmen Stube sitzen und eine Schüssel heiße, dampfende Suppe schlürfen. Nein, sie standen hier bei der scheiß Kälte und mussten Wache schieben. Gegen ein warmes Bier hätte er auch nichts einzuwenden. Nachher, nach ihrer Ablösung…da war er vielleicht viel zu müde. Rufus hatte sicher was…. Wieder öffnete sich Widukinds Mund, eine weiße Wolke stieg vor ihm auf. Das kam echt ganz von alleine. Gut, dass er die Hasta zum Anlehnen hatte. Das Parma stand auf dem Boden und lehnte an seiner Seite. Hätte er keinen römischen Helm auf, könnte man ihn bei der Dunkelheit glatt für einen Kelten halten. Das römische Zeugs, was er nicht brauchte, lag in seiner Truhe. Schuhe, Fellbeinwickel, Fellweste, karierte Hose, das half vor der Kälte. Er wäre ja dumm, würde er das nicht anziehen, was er an hatte als er her kam. Die Lorica war übel genug bei den Temperaturen. Vom Helm ganz zu schweigen. Die Hände wurden Klamm. Die Hasta in die Armbeuge gelehnt, hielt der die Hände in die Nähe des wärmenden Feuers.

  • "Oi, Widukind.", sagte Rufus leise, klopfte ihn auf den Rücken und lehnte sich an das Geländer, "Scheiß Wachdienst hä? Während der Praefectus jetzt in seinem warmen Bett liegt frieren wir uns hier draußen die Zehen an." fuhr er fort und blickte auf die recht helle Schneedecke vor ihm, "Ich freue mich auf den Frühling, dann ist endlich wieder was los. Also ich meine nicht mit denen da drüben." eine abfällige Handbewegung ging in Richtung anderes Rhenusufer, "Aber ich will endlich aus diesem Lager rauskommen."

  • Bub, da war das Herz in die Hose gerutscht. Nein, Widukind schrak aus seinem Halbschlaf hoch, als sein Freund bei ihm anklopfte. „ Hmmmm. Ein warmes Bett. Ne, ich hätt lieber was warmes im Bauch.“ murmelte Widukind. „ Für was ist zum Kuckuck frieren wir hier?“ Er begann auf der Stelle zu treten. „ Sei mal still.“ mahnte Widukind Rufus und horchte in die Nacht. „ Hast du gehört?“ Widukind lauschte wieder. „ Hör mal da.“ Widukind konnte das Lachen kaum zurück halten. „ Ne war doch nicht der Frühling.“ leise lachend sah er zu Rufus. In Erwartung eines Rüffels zog er den Kopf ein. " Ja, der Schnee könnte langsam tauen. Hät ich nichts dagegen." Wieder hielt er die Hände in die Nähe des Feuers. „ Raus hier und was dann?“ Widukind war in der Frage unbeleckt. „ Am besten in die Stadt oder? Da soll’s eine große Thermae mit warmen Fußböden geben.“ Für ein Landei wie Widukind war in der Stadt alles groß und gab es vieles zu entdecken. „ Die muss ich mir ansehen.“ Unvermittelt wechselte er das Thema. „ Kannst du Lesen und Schreiben?“ Ihm eröffnete sich nicht, was das Können für Vorteile brachte. Pferd versorgen, Patrouille reiten, Wachdienst schieben, Schnee räumen, Straßen bauen und in Stand halten, bei der Ernte helfen. Dafür brauchte man Verstand, Ausdauer, Kraft und Geschicklichkeit. Mit einer dieser Wachstafel kam man da nicht weit.

  • Ocellus stand auf den Wehrgang und starrte auf die Lichter Mogontiacums. Es war eine schwarze, Mondlose Nacht. Irgendwo dahinten in der Nähe des Castells der Secunda, dort hatten sie vor Ewigkeiten den Leichnam von Terentius Primus und Lucius verbrannt. Es war fast so als würde er die Hitze der Flammen auf seinem Gesicht spüren, doch es war keine Hitze, nach all der Zeit trauerte er immer noch um seine beiden Freunde. Er wischte sich die Tränen aus dem Gesicht und schniefte durch die Nase. Alles tat weh, sein verdammtes Kreutz, seine Seele,..alles...er machte sich wieder auf den Weg, kontrollierte die Wachen und ließ wieder den bärbeißigen Veteranen raushängen.

  • "Unsereins fühlt vei dem Verlust eines Freundes tiefer als sonst jemand. Andere wissen nicht was ein olcher Freund bedeutet hatte.Nicht war, Ocelkus? Scarpus war wach. Immer öfter kam es vor dass sein Schlaf frühzeitig endete und er dann rastlos umher tigerte.


    "Dem Terentier habe ich bis jetzt nicht wirklich verstanden. Kann es nicht nachvollziehen."


    Scarpus hatte sich fast lautlos auf den Wehrgang begeben um ein wenig über...ja was genau...nachzudenken. Das Ocella ebenfalls den Ort gewählt hatte um seinen Gedanken nachzuhängen war reiner Zufall.


    So standen die beiden Decurios nebeneinander. Die Tirones die tu Wache eingeteilt waren standen zackig an der Umwehrung, gingen aufmerksam ihre Runden und dachten sich wahrscheinlich ihren Teil über ausserplanmässige Anwesenheit der Offiziere.

  • Sim-Off:

    Sorry Scarpus,...hatte ich "übersehen"...


    Scarpus,...fast schon Inventar hier,...war Eques als sie mit Primus hierher kamen.
    Er sah den alten Kämpen an und entgegnete,
    Ja, so ist es alter Kamerad. Es ist so als würde ein Teil von dir Selbst sterben.
    Es war ja nicht nur Primus, es war auch Lucius, der damals mit ihm in den Tod ging.
    ...was hast du denn nicht verstanden Atius Scarpus?
    Wieder einmal fragte er sich warum er noch lebte und seine Freunde nicht,...warum er nicht mit ihnen gefallen war. Wie eine Antwort zog ein leiser Schmerz seinen Rücken hinauf.

  • Die erste Wache des Germanen seit seiner Ankunft hier bei der Reiterei. Kunolf war nicht nicht aufgeregt oder sauer drum. Im Gegenteil, er liebte die Nacht. Den klaren Blick zu den Sternen, die kühle.
    So stand er auf dem Wall und blickte in die Ferne. Seine Gedanken kreisten um den Brief den er von Iduna erhalten hatte. Ihr war es nicht besser ergangen als ihm. Genauer gesagt hatte sie es sogar noch schlechter erwischt. Er konnte seine Kindheit wenigstens in Freiheit genießen, sie war unfrei. Kunolf hingegen hatte die Möglichkeit, sofern er den Dienst überlebte das Bürgerrecht zu erlangen. Ein kleiner Trost.
    Sehnsucht machte sich breit, wie gern würde er mit Alswinn über die wiesen reiten, sich mit Gleichaltrigen messen. Und das traute heim genießen. Aber all das gab es nicht mehr. Sein Vater gab sein Leben um ihn und ein paar andere zu schützen. Er machte sich Vorwürfe, er hatte bleiben sollen und mit seinem Vater kämpfen sollen. Aber sein Vater hat ihm gesagt er solle fliehen, in einem Ton der keine widerrede zuließ.


    Der Tag würde kommen an dem die Mörder seines Vaters ihm über den Weg laufen würden. Und dieser Tag wurde schrecklich werden. Das hat sich der Junge germane geschworen, Ei Schwur den er zu erfüllen dachte.
    Gedankenverloren blickte er zu den Sternen hoch und sah eine Sternschnuppe, den Mond und all die anderen Sterne.....

  • "Du siehst aus als würdest du am liebsten vom Wall springen und in die Wälder verschwinen" Andriscus hatte sich nicht gerade leise genähert. So, da Kunolf nicht reagierte, nahm er an das der Germane geistig nicht hier war.


    "Schon imposant wenn man sich den Himmel betrachtet." Dabei blickte er zu den Sternen.

  • Kunolf hatte Andriscus nicht kommen hören. Erst als er neben ihm stand und zum Himmel blickte nahm er ihn war.
    Ja, sehr imposant. Imposanter als es je ein Mensch aus Fleisch und Blut sein kann. Oder ein Bauwerk
    Dann blickte er zum Waldrand und erspähte ein Reh mit jungen.
    Siehst du das Reh?

  • Reh? Andriscus blickte in die selbe Richtung wie Kunolf. Kurz musste er die Augen zusammenkneifen, die Fackel vorhin hat die Sehkraft im Dunkeln ziemlich eingeschränkt, als er es ebenfalls bemerkt. " Ja..jetzt seh ich es auch. Mit einem Rehkitz." " Wie aber kommst du nun auf das Reh?"

  • Die zwei können tun was sie wollen, gehen wohin siewollen. Wir sitzen hier und dienen Rom...
    Soviel hatten sie noch nicht gedeihnt, hatten aber noch ein paar Jahre vor sich.
    Hast du dir Gedanken gemacht was du machen willst wenn du dein Bürgerrecht hast?

  • Andriscus lachte kurz auf. " Bis ich dort bin um das Bürgerrechtler verliehen zu bekommen ist es noch lange hin. Zuerst müssen wir es erleben." Er blickte wieder zum Waldrand und bemerkte dass das Reh mit seinem Jungen verschwunden war. " Aber haben wir nicht auch die Entschuldigung gehabt? Nicht zur Ala sondern einfach wo anders hin? Vllt ist es Schicksal. Wobei ich nicht so recht daran glaube."

  • Er hatte recht. Niemand hatte sie dazu gezwungen, außer das Schicksal wenn man es so sah.
    Das Überleben wir schon, wir müssen nur aufeinander Acht geben! damit lag Kunolf gar nicht so falsch. Ebenfalls stiegen ihre Chancen wenn sie aufeinander acht gaben.

  • "Mhm. Das ist Voraussetzung. Oder? Du kennst die Art der Germanen, wie sie leben und kämpfen." verheißungsvoll sah Andriscus seinen Kameraden an.
    " Ich muss mich auf das Wissen und Können unserer Ausbilder verlassen. Wenn die nicht wissen wie wann wo sollte ich besser wieder gehen. Aber ich schätze beide als erfahrene Kommandanten ein. Und.... Ich kann mich ja auch auf dich verlassen." Er grinste.
    "Und falls alle Stricke reißen kann ich dann immer noch drüber nachdenken wenn ich tot bin."

  • Kunolf fing zu lachen an. Andriscus hatte eine spezielle Art von Humor die ihm gefiel.
    Zu den Kommandanten kann ich nichts sagen. Ich kenne sie kaum, weiß nicht über sie. Wie sind die den so?

  • " Ja ich kenn sie ja au h net besser als du. Mein Gefühl sagt es mir nur. Wirst schon sehen. Ich hab jedenfalls net vor mich ins Rampenlicht zu stellen. Bist ja gleich der Dumme dann und bist dann immer dran." der Italiker sich schüttelte den Kopf. " Lieber nicht"

  • Andriscus hatte recht. Sich in den Vordergrund zu drängen brachte meistens nichts. Ebenfalls wenn man sich seiner Sache nicht verdammt sicher war. Lieber etwas im Hintergrund halten und beobachten.
    Da gebe ich dir recht mein Freund. Hast du eine Frau, oder eine die es werden könnte?

  • Kurz war Andriscus verwirrt Der plötzliche Themenwechsel kam unerwartet... Natürlich wäre es dann nicht plötzlich...


    Ahh Nein. Also, nein. Hat sich bisher keine auf mich wirklich eingelassen. Natürlich kenne ich ein paar Mädchen. Schon allein auf unserem Hof sind ein paar. Aber irgendwie ist keine davon "richtig" "


    " Und wie schaut's bei dir aus? Ein Mädl dass in die engere Wahl kommt? Heiraten is sowieso die nächste zeit net.. "

  • Varro stapfte in seine Paenula gewickelt die Wehrgänge und Posten ab. Eine ruhige, klare Nacht mit einem stetig zunehmenden Mond. Vor seinem Gesicht entstand bereits die erste Atemwolke sobald er ausatmete. Heute war sein Geburtstag,...der 30. Geburtstag.
    Lächelnd erinnerte er sich an seinen 20. Geburtstag. Seine Schritte führten zum südöstlichen Turm. Die flackernden Turmfackeln spendeten Licht und Wärme, nahmen aber die Fähigkeit sich im Dunkeln zu orientieren. Ein kurzes Gespräch mit dem Wachhabenden und die Bestätigung, daß nichts aussergewöhnliches los war. Selbst das Schnaufen der Rindviehcher von den nahen Weiden war weg, seit die Bauern sie zu Dämmerung in die Ställe holten. Ein kurzes Wort des Abschieds und er machte sich weiter auf seiner Runde stetig in Gedanken um die Zukunft. Seine und die seiner Männer.
    Würde der Aufstand nach hier kommen? Würden die Stämme sich vereinen und Mogonatiacum angreifen? Er berührte seine Armilliae. Wegen Tapferkeit vor dem Feind.
    Tja, was wenn der Feind überhand nahm, was wenn man ihn gar nicht erkannte? Unter uns lebte und heimtückisch zuschlug? Er würde es so machen. Zuschlagen und in die Anonymität des öffentlichen Lebens zurückkehren. Die Patrouillen verscheuchten diese Typen in ihre dunklen Ecken, aber deren Gedankengut eben nicht. Immer wieder gab es Hinweise. Entpuppten sich jedoch als großes Nichts. Das war schlecht für die Moral und ließ die Hand auf der Spatha ruhen wenn jemand auf einen zukam.
    Draussen heulte irgendwo ein Hund oder ein Wolf...der Mond...

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