Die falsche Seite des Himmels

  • Lange hatte sie gebraucht um sich zu erinnern wer sie war. Man hatte ihr gesagt sie sein eine einfache Sklavin. Niemand hatte ihr die Wahrheit gesagt. Nur die Träume, die sie nachts kaum schlafen ließen hatten versucht ihr zu sagen wer und was sie war. Immer wieder war sie schweißgebadet erwacht und konnte sich die Bilder nicht erklären. Blut, Tod, Kampf, Schreie von Sterbenden. Niemand hatte es ihr gesagt. Niemand hatte es ihr erklärt. Sie sahen weg und so konnte die Träume sie innerlich zerfressen. Ihr Träume passten so gar nicht in diese Welt hier. Ihre Hände zitterten wenn sie in der Früh erwachte. In der Nacht erlebte sie ihre Vergangenheit, von der sie nichts mehr gewusst hatte. Am Tag spielte sich jedoch ein heiles Leben vor ihren Augen ab. Sie konnte diese Welten nicht zusammenbringen und verzweifelte darüber.
    Und doch erinnerte sie sich nun wieder. Alles war wieder da. Ihre Schwester tödlich getroffen die in ihren Armen starb. Männer die durch ihre Hand starben. Blut, Tod... alles war wieder da.
    Auch wusste sie nun wieder warum sie hier war. Und doch hatte sie das Haus des Helvetiers verlassen. Er dem sie die Treue schwören musste war nun schon Jahre weg. Warum sollte sie ihm die Treue halten? Warum einer Familie treu sein, die sie belogen hatte. Warum einem Dominus treu sein, der sich einen Dreck um sie scherte? Nach Hause würde sie nicht gehen. Nein sie konnte nicht, nicht nachdem sie mit den Traditionen gebrochen hatte und sich nicht mehr an ihren Schwur gebunden fühlte.


    Ja hier in der Subura hatte sie eine Zuflucht gefunden. Etwas gefunden, dass ihr zeigte, dass sie am Leben war. Ja sie war keine Heldin, sie war nicht aus Stein. Ob richtig oder falsch. Sie konnte es nicht sagen.
    Was hatte sie getan und wer ist aus ihr geworden? Eine Kriegerin, eine Stolze Amazone, die hier nun in Rom in der Subura illegalen Kämpfe bestritt.
    Wer ihr in die Augen sah, der konnte erblicken, das sie den Tod schon mehrfach ins Auge geblickt hatte. Der konnte sehen, dass sie wusste wie es sich anfühlt zu töten. Der konnte sehen, dass sie innerlich starb.
    Ruhig waren ihre Hände nun sie beachtete sie lange, sah die Narben des Kampfes.
    Sie wickelte die Bandagen um ihre Hände langsam, bedächtig mit aller Ruhe. Ja sie wusste jeder Kampf konnte ihr letzter sein. Nein sie war keine Heldin, sie war nicht aus Stein.
    Ja sie sinkt in die Tiefe, fällt weiter und weiter. Entfernt sich jeden Tag ein Stück mehr von dieser Welt. Sie kommt jeden Tag näher zum Ende vom Ende.
    Langsam erhob sich die Amazon und kalte Augen fielen auf ihren Gegner. Ja sie hatte keine Angst vor dem Tod und dass machte sie gefährlich und unberechenbar.
    Den Kämpfern wurde je ein Schwert gereicht und der Kampf eröffnet. Metall traf auf Metall.
    Sie war schnell. Zu schnell für ihren Gegner. So hatte sie ihm nach kurzer Zeit schon eine tiefe schmerzhafte Fleischwunde am Oberschenkel verpasst.
    Nein hier gab es keine Gnade, kein Zurückziehen. Hier galt leben oder sterben. Man verließ die kleine Arena nur las Sieger oder tot.
    Ja der arme Sklave, der ihr heute gegenüberstand war jung, unerfahren und hoffnungslos überfordert. So dauerte der Kampf auch nicht lange.
    Ihr Schwert über seine Kehle, hauchte sie ihm einen Kuss auf die Stirn – inzwischen ihr Markenzeichen, ein letzter Kuss vor den Tod - dann stach sie gnadenlos ohne jegliche Reaktion zu zeigen zu.
    Er war nur ein weiterer Toter, der den Weg ihres Lebens pflasterte.
    Sie reichte dass Schwert zurück, ließ sich ihr Geld auszahlen und suchte sich eine Taverne um all das was ihre Seele belastete im Wein zu ertränken. So wie sie es inzwischen jeden Abend tat.
    Ja sie ist keine Heldin und auch nicht aus Stein....

  • Wie jeden Abend kam Varia weintrucken aus der Taverne und wollte gerade zu ihrer Unterkunft. Ja sie bewohnte ein kleines billiges Zimmer in der Subura, eben das was ihrer Preisklasse entsprach. Sie ging nun also mit leicht wankenden Schritt die Gassen entlang, als ein Schrei gefolgt von einer bettelnden Frauenstimmen an ihr Ohr drang. Erst wollte sie sich abwenden. Was ging sie es schon an. Schon lenkte sie ihre Schritte in die andere Richtung, bis sich leise fluchend stehen blieb kurz überlegte und dann in Richtung der Frau ging. Als sie um die ecke bog, sah sie eine Frau, die von drei Männern bedrängt wurde. Sie bettelte darum dass man sie in Ruhe lassen sollte. Doch die Männer dachten nicht daran im Gegenteil, sie verspotteten die Frau, dass sie doch froh sein sollte wenn richtige Römer sich für sie interessieren. Varia spuckte aus. Richtig Römer.
    „Lasst sie in Ruhe.“ Donnert also ihre Stimme durch die Gasse. „Oh guck mal da ist noch Eine. Die schnappen wir uns auch.“ Schon gingen zwei der drei Männer auf Varia zu. Sie sagte nichts, stand nur still und stumm da. Gerade als sie nach ihr greifen wollten kam Leben in die Amazone. Sie zückte ein Messer und schon sank der erste Römer lautlos mit aufgeschnittener Gurgel zu Boden. Der Zweite Mann war sichtlich überrascht. Eine Frau? Mit Messer? Noch ehe er auch nur eine Bewegung machen konnte war die Amazone schon bei ihm und rammte ihm das Messer tief in die Brust um es nur Augenblicke später herauszuziehen und auch diesen Mann hart auf den Boden prallen zu lassen. Nun waren es nur wenig Schritte bis zum dritten der Männer, der immer noch die Frau in seiner Gewalt hatte. Drei, Vier schnelle Schritte und sie war bei ihm. Ihr Messer drückte sie an seine Kehle. „Hast du mich nicht verstanden? Ich sagte lasst sie in Ruhe.“ Dieses mal war es der Römer der bettelte. „Tu mir nichts. Bitte.“ „Du erfährst die selbe Gnade, die du bereit warst dieser Frau zu geben.“ Sagte sie Kalt und es war nur eine kurze Bewegung und doch war das der Tod des Mannes. Tief dran das Messer in das Fleisch an seinem Hals ein und durchtrennte die Hauptschlagader. Er würde nur so Augenblicke haben, dann würde das Leben aus seinem Körper weichen.
    „Geh nach Hause und zieh zu, dass du Abends nicht mehr allein unterwegs bist.“ Sagte Varia zu der immer noch vor Angst zitternden Frau. „Danke.“ Stammelte diese. „Danke. Dich haben die Götter geschickt.“ Die Amazone lachte kalt auf. „Die Götter schicken eine Tochter des Mars welche Ironie. Nun geh schon.“ Die Frau nahm tatsächlich die Beine in die Hand. Varia selber überprüfte noch, ob die Männer tatsächlich tot waren, nahm ihnen ihre Geldbeutel ab. Dann zog sie ihnen die Siegelringe welche sie als römische Bürger kennzeichneten von den Finger und stopfte sie ihnen in die Münder. „Möget ihr an eure Rom ersticken.“ Sagte sie voller Hass und verschwand in der Nacht.
    Ja so würde man dann wohl am nächsten Morgen die Leichen drei römischer Bürger finden. Ermordet und die Siegelringe in den Rachen gestopft.

  • Das Blut rauschte noch in ihren Ohren, als sie sich in der Nacht auf das Lager bettete. War es ihr früher immer schwer gefallen zu töten. So empfand sie heute eine erstaunliche Erleichterung. Früher hatte sie dieses Töten immer als notwendig angesehen. Heute jedoch hatte sie das Gefühl, dass das Töten ihr Spaß machte. Hatte es sie früher der Geruch von Blut abgestoßen, so berauscht war sie heute von eben jenem Geruch. Varia lag auf ihrem Lager und starrte in die Dunkelheit hinein. Lange hatte sie sich verloren, von der Göttin verlassen gefühlt. Doch hier und heute hatte sich ihre Göttin offenbart und hatte ihr einen Weg gezeigt. Eine Weg gezeigt wie sie es Rom zeigen konnte. Das Lächeln welches Varias Mund umspielte war grausam, ihre Augen waren die eines wilden Tieres, dass berauscht vom Blut war.


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    Sicher hatte man die drei Leichen am nächsten Tag gefunden. Sicher hatte man nachgeforscht, doch wer sollte schon sagen können, wer diese Männer ermordet hatte.


    Schon in der Nacht nach den Morden konnte man eine dunkel Gestalt, die in ein kurzes dunkles Ledergewand gehüllt war durch die Gassen Roms schleichen sehen. Hier wankte eine Römer aus einer Taverne. Kurze Zeit später lag er wie die andere drei in der Nacht zuvor mit aufgeschnittener Kehle in einer kleine Gasse. Ohne Geld mit seinem Siegelring im Rachen. Ein paar Straßen weiter würde man noch einen Toten finden, der mit einem gezielten Stick in den Hals getötet worden war. Man konnte nicht erkennen wer sie getötet hatte, nur das es jemand war, der sein Handwerk eindeutig verstand. Niemand hatte einen Kampf oder Schreie gehört. Schnell und lautlos kam der Tod über diese Männer.
    In den Morgenstunden kurz bevor die Sonne über der Stadt aufging sackte wieder ein Mann zu Boden. Wieder die gleiche Weise.
    Die Männer hatten keine Verbindung zueinander. Die Einzige Gemeinsamkeit war, dass sie alle Römer waren und dass man ihnen ihren Siegelring in den Rachen gestopft hatte.

  • Die Nacht war gerade erst hereingebrochen, als im Schutze der Dunkelheit der Nacht lautlos eine Gestalt durch die engen schmutzigen Gassen der Subura schlich. Ja auf diese Straßen hier setzte die Oberschicht Roms keinen Fuß. Hier galt das römische Recht einen Dreck hier galt in den Stunden der Dunkelheit allein das Recht des Stärkeren.
    Das Wimmern einer Frau hallte durch die Gassen. Lautlose Schritte bewegte sich in diese Richtung und erblickten zwei Männer, die auf eine Hure die an eine Wand gekettet war einschlugen. Die schlimmsten Form den Körper einer Sklavin anzubieten. Hier auf dem Straßenstrich der Subura angekettet wehrlos.
    Man sah nur noch das kurze Aufblitzen von Metall und dann fielen die beiden Männer lautlos zu Boden.
    Die weinende Hure sah zu der Gestalt auf. „Was hast du getan?“ Fragte sie entsetzt. „Ich habe sie getötet. Sie haben es verdient.“ Kamen die Worte kalt über die Lippen der Amazone. „Aber warum?“ „Weil es das ich was ich kann und ich hasse alle Männer und besonders die Römer. Sie versklaven uns. Sie nehmen uns alles. Unsere Freiheit unsere Ehre. Was hast du getan, dass du hier angekettet bist und die Männer in diesem Verschlag dort bedienen musst?“ Varia deutete auf den Kleinen Raum, der hinter einem dreckigen Stück Tuch verborgen war. „Ich... ich war ungehorsam. Mein Dominus will mich Demut lehren....“ „So will er das?“ Ein verächtliches Lachen erklang. „Nein er will dich brechen. Er will deinen Geist und deine Seele töten.“ Die Frau begann erneut zu weinen. „Aber was soll ich machen. Es ist mein Schicksal.“ „Ist es das? Oder bestimmen wir unser Schicksal selbst?“ „Ich wünschte ich wäre so frei wie du und könnte es dir gleich tun.“ Flüsterte die Lupa. "Sei vorsichtig. Wünsche können in Erfüllung gehen.“ Die Lupa nickte. „Ja aber dann hätte ich Hoffnung.“
    Varia beseitige die Leichen. Sie wurden einige Gassen weiter entsorgt. Und wie immer nahm sie ihnen das Geld ab und stopfte ihnen ihre Siegelringe in den Rachen.
    Im Morgengrauen beobachtete sie einen schmieren Römer, der zu der Lupa ging. Er schon seinen dicken Bauch vor sich her und schrie die Frau an. Sie übergab ihm den Verdienst der Nacht und erntete dafür einen Ohrfeige. Es war dem Römer wohl zu wenig. Varia hielt sich zurück. Erst nachdem er die Frau von ihrer Kette befreit hatte schlug sie zu. Sie hielt dem Mann das Messer an die Kehle und raunte ihn ins Ohr. „Nun Römer, bist du bereit vor deinen Götter zu treten?“ Der Mann winselte und bettelte um seine Leben, ja er nässte sich gar ein vor Angst. Die Amazon lachte kalt. Und tat ihr Werk, wieder ein toter Römer mit Siegelring im Hals.Sie wand sich der Frau zu und reichte ihr die Hand. „Nun was ist willst du mit mir kommen? Aber bedenke, es könnte deinen Tod bedeuten.“ Die Frau nickte nur dankbar. „Noch mehr tot als ich jetzt schon bin kann ich nicht sein.“


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    In den folgenden Tagen brachte Varia der Frau bei, wie man leise und lautlos tötete. Sie besorgte ihr ebenso ein Zimmer in der Subura. Schon bald sprach es sich herum, dass immer mehr tote Römer in der Subura aufgefunden wurden. Das es nur Männer waren die mit gezielten Stichen ins Herz oder mit aufgeschnittener Kehle gefunden wurden.

  • Wieder legte sich die Abenddämmerung über die Stadt. Und man sah immer wenigen Menschen auf den Straßen, ein Geist – ein Gerücht ging um. Türen wurden verschlossen. Tavernen schlossen früher. Die Bewohner der Subura lebten in Angst. So viel Tote und keiner interessierte sich dafür.
    Die leisen Schritte führten heute raus aus der Subura in die besseren Teile der Stadt. Hier feierte das Volk. Hier war die Welt noch in Ordnung. Noch.
    Von einem Hausdach aus wurde eine kleine Gruppe beobachtet, zwei Männer und eine Frau - offensichtlich eine Sklavin. Die Männer hatten dem Wein sehr zugesprochen. Der eine packte die Frau an der Hüfte und zog sie unsanft an sich heran. „Sie tut alles was ich will.“ Dann stieß er sie von sich weg.„Weg knie dich hin. Serva!“ „Dominus nein bitte...“ Eine schallende Ohrfeige hallte durch die sonst menschenleere Gasse. „Hinknien habe ich gesagt.“ Die Frau ergab sich weinend und kniete sich hin. Sie bettelte ihren Dominus an. Doch der löste das Problem indem er ihr den Mund mit einem Knebel aus Fleisch verschloss. „Los bedien dich.“ Sagte er lachend zu seinem Kumpan. Dieser ließ sich nicht lange bitte und schob die Tunika der Sklavin hoch und bedient sich von hinten an ihr. Während sie nun also ihre niederen Gelüste an der Frau, die still litt, stillten unterhielten sie über Belanglosigkeiten des Tages. Varia hatte genug gesehen. Sie nickte ihrer Gefährtin kurz zu und lautlos glitten sie von dem Dach und jede der Frauen zückte ihr scharfes Messer. Zeitgleich wurden die Messer schnell und präzise an die Hälse der Männer geführt und ehe diese zu einer Reaktion fähig waren sanken sie mit leisen gurgelnden Lauten zu Boden.
    Varia schaute auf das arme geschändete Wesen, das weinend und voller Angst zu den Frauen aufblickte. Sie hielt ihr die Hand hin. „Komm mit uns.“ Die Frau zögerte. Sie blickte auf den toten Mann der ihr Herr gewesen war und dann wieder auf die Frau die ihr die Hand darreichte. Nur kurz überlegte, bevor sie vorsichtig die Hand der Frau ergriff. Die Männer wurden um ihr Geld erleichtert. Der Siegelring, welcher sie als Römer kennzeichnete wurde ihnen in den Rachen gestopft.
    Nun gab es also die ersten Toten außerhalb der Subura.

  • "Oh Subura, fast alles würd ich für den Befehl geben dich endlich nieder zu brennen."


    Missionen in diesen dreckigsten, verruchtesten und tödlichsten Teil der ewigen Stadt waren für die Urbaner aufreibende Routine. Die engen Gassen zwischen den hohen Hügeln lagen auch am helligsten Tag in dunklem Schatten und man merkte in jedem Moment, dass die Urbaner von den allermeisten nicht willkommen geheißen wurden. Es bräuchte ein oder zwei erfahrene Legionen um den Saustall einmal richtig aufzuräumen. Alle entlaufenen Sklaven einzusammmeln, alle Münzfälscher auszuräuchern und das ganze Mordgesindel zu entsorgen. Am besten am Kreuz, schön öffentlichkeitswirksam, überlegte Optio Maro während er sich mit Miles Scaeva an der hundertsten stinkenden Hure vorbeidrückte.


    Maro hatte für diesen Einsatz volle Rüstung befohlen - minus den Schild, das ihnen in den Gassen bloß hinderlich sein würde. Routine.


    Der Einsatz zu dem sie gerufen worden waren versprach allerdings etwas mehr, als nur Routine zu werden. Drei ermordete, ja hingerichtete römische Bürger auf einmal. Selbst in diesem Drecksloch kam das eher selten vor. Jedenfalls soweit Maro wusste. Die Wasser des Tibers waren still. Und voll mit Leichen.


    Ah ja, sie waren auf der richtigen Gasse an der Insula mit der angetrockneten Kotze an der Wand links, ja. Die zugehörige Taverne direkt daneben, logisch.


    "Also schön Scaeva, das hier ist eine hervorragende Gelegenheit für dich, deine Ausbildung zu verfeinern."


    Maro hatte den gerade frisch beförderten Miles in der Nähe des Haupttors der Principia herumlungern sehen und hatte spontan beschlossen diesem zu etwas Tagwerk zu verhelfen. Quinctilius Alba, mit dem Maro sonst Ermittlungsarbeiten nachging befand sich noch immer im Valetudinarium. Bei der letzten Mission hatten sich die Kneipenschläger als Veteranen der V. Makedonischen herausgestellt und die Dolchwunde im Gesicht von Alba heilte nur langsam. Diesmal also mit Scaeva.


    Sie kamen zu der Stelle wo der Mord sich ereignet hatte. So etwas sah man nun wirklich nicht alle Tage.
    "Also Scaeva. Was hältst du davon?"

  • In voller Montur war er dem Optio in die Subura gefolgt, welche sich letzten Endes als die Niederung sämtlichen menschlichen Lebens heraus stellte. Hier war Scaeva noch nie gewesen und auf eine morbide Weise war er zu tiefst beeindruckt von den Menschen, die sich hier aufhielten, arbeiteten und letzten Endes wohl auch lebten. Mit gerümpfter Nase war er durch die Gassen gestritten und er konnte den Wunsch des Optios diesen Ausbund an Gerüchen nieder zu brennen nur verstehen. Aber manche Wünsche würden eben niemals in Erfüllung gehen. Während er noch ging versuchte er die Huren zu ignorieren, was gar nicht so einfach war. In einer besonders engen Gasse presste sich eine nur sehr notdürftig Bekleidete an ihr heran, wollte ihn umarmen, nur um ihm dabei etwas sehr Anzügliches ins Ohr zu hauchen, weil er angeblich in seiner Rüstung so verführerisch aussah. Scaeva stieß die Frau einfach grob von sich und ging noch einen Schritt schneller. Hoffentlich hätten sie bald den Tatort erreicht. Um was genau es sich handelte wusste er nicht, nur dass es grob gesagt um einige Morde ging, welche sich hier an diesem Ort ereignet hatten. So meinte er zumindest.


    Immerhin hatte ihn der Optio am Hauttor aufgelesen, wo er wieder einmal auf der Suche nach einem Boten für seinen Brief gewesen war. Scaeva war diesem Zufall sehr dankbar und vielleicht war er ja auch während seiner Ausbildung irgendwie im positiven Sinne aufgefallen, sodass er nun auf seinen ersten echten Einsatz im Dienste der Urbaner schauen konnte. Schließlich erreichten sie die Stelle an der drei tote Leiber auf dem Pflaster lagen. Wie achtlos hingeworfen. Noch hatte er keinen wirklichen Blick auf sie geworfen und wieder musste er dem Optio zustimmen. Welch wunderbare Gelegenheit sein Wissen zum Wohle Roms zu erweitern. Schließlich blickte er doch auf die Leichen. Bisher hatte er außer seinem Vater am Tag von seinem Begräbnis noch keine Leiche gesehen. Keine, die so hingemeuchelt aussah wie diese drei. Im ersten Moment kam ihm die Frage in den Sinn, ob er sich wohl jemals daran gewöhnen würde. Scaeva presste die Lippen aufeinander und atmete einmal tief durch. Was er davon hielt?


    Trotz seines ersten Ressentiments nickte er. Es war eindeutig Mord, doch das brauchte er nicht zu sagen, das wusste der Optio auch selbst. Scaeva hockte sich neben einen der Toten und neigte den Kopf ein wenig zur Seite, während er den Leichnahm studierte. “Diesem hier hat man die Kehle aufgeschnitten,“ stellte er fest und dann schaute zu einem der anderen. “Der dort wurde durch einen Stich ins Herz getötet...“ Er zeigte auf den toten Mann, von dem er das behauptete. “Sieht auf jeden Fall sehr fachmännisch aus. Ich meine, dass der Mörder kein ungeschickter Mann sein konnte, denn immerhin waren es drei Gegner. Oder es waren mehrere Mörder...“ Es war einfach nur dahin gesagt. Im Grunde hatte er keine Ahnung, wie Schnitt- oder Stichwunden einzuschätzen waren. Nachdenklich blickte er noch einmal auf die Leiche zu seinen Füßen. Ihr Gesichtsausdruck wirkte noch immer erschrocken. Die Augen waren weit aufgerissen und auch ihr Mund stand weit offen, ungefähr wie bei einem Fisch, der an Land nach Atem schnappt. “Das ist seltsam,“ erklärte er dann und deutete genau auf diesen Umstand. “Als hätte er… etwas verschluckt.“ Nun schaute er dem Optio fragend entgegen. Vielleicht fand er das ja auch sonderbar.

  • Der Optio besah sich nun selbst die Leichen genauer. Ein Stich ins Herz, eine durchgeschnittene Kehle, eine durchtrennte Schlagader. "Ja, drei sauber zugefügte Wunden. Das sieht mir icht nach dem Werk eines Haufen Besoffenen nach einer Kneipenschlägerei aus. Mhm. Relativ kleine Klinge alle drei mal. Das war oder waren keine Amateure."


    Und Scaeva hatte Recht. Irgendwas steckte den Unglücklichen im Hals.


    "Dann wollen wir uns das doch einmal genauer ansehen." Immer ein Auge auf die Umstehenden haltend - man konnte nie wissen - beugte er sich zu den Leichen herunter und versuchte so dezent wie möglich an de Objekte, die Opfer verschluckt hatten, heranzukommen.
    "Vielleicht geben uns diese Dinge ja einen Hinweis. Das Gelump hat sich hier mancherorts ziemlich straff organisiert. Könnte gut sein, dass hier ein Grüppchen dem anderen in die Quere gekommen ist. Und die will jetzt ein Zeichen setzen. Aber das werden wir jetzt gleich rausfinden."


    Marou suchte sich den Mann mit dem zerstochenen Herzen aus. Der bedauernswerte hatte das wenigste Blut im Gesicht. Nach einiger widerwärtiger Friemelei förderte Maro einen Ring zu Tage.


    "Da schau mal einer an. Da hat denen doch glatt einer Ringe in den Hals gestopft. Wirklich originell. Aha. Ein Sigelring."


    Wofür das wohl ein Symbol sein mochte?


    "Die anderen haben auch keine Ringe mehr am Finger. Ich gehe schwer davon aus, dass wir die gleichfalls im dazugehörigen Hals steckend finden. Was meinst du, soll uns das sagen?"


    Um sie herum hatte sich zwar ein nervöser Cordon aus Schaulustigen gebildet, aber darüber hinaus schienen alle mit bemerkenswerter Gelassenheit ihrem Tagwerk nachzugehen. Hoffentlich tauchte noch jemand auf, der den Urbanern verraten konnte, wer die Opfer waren.

  • Natürlich hatte sich schon vor dem Eintreffen der Soldaten eine ansehnliche Menge Schaulustiger gebildet. Tote waren in der Subura normal, aber das hier ging über das Normale hinaus. Ein Murren geing durch die Menge, als sie von den Soldaten beiseite geschoben wurden.
    Jeder wollte einen Blick erhaschen und die wilden Spekulationen fingen natürlich auch schon an.
    „Bestimmt ein Auftragsmord.“
    „Jemand hat gesagt er hat gestern den Schrei einer Frau gehört.“
    „Siehst du hier irgendwo eine Frau?“
    „Nein ich sag ja nur was ich gehört habe.“
    „Stimmt das hat mir die Hure, die um die Ecke anschafft auch gesagt, erst der Schrei einer Frau und wenig später ist eine verschreckte Frau an ihr vorbeigelaufen. Soll wohl eine der Bedienung der Taverne dort vor gewesen sein.“
    „Nun Lupa? Seit wann sind die denn verlässlich Quellen?“
    „Ich sag nur was sie mir gesagt hat. Ob sie wirklich was gesehen hat oder sich nur wichtig machen will.. woher bei den Göttern soll ich das wissen.“
    „Sag mal ist das nicht der Besitzer von der Bäckerei? Wie heißt er doch gleich? Mamercus Tuscenius Tutor?“
    „Stimmt.... genau das ist er und der dort, dass ist doch sein Kumpan... der Fleischer Volusus Cincius Vespillo und der dort, ist das nicht Numerius Foslius Voranus?“
    „Genau, was hatten diese Geizknochen hier zu suchen? Wollten bestimmt wieder ein paar Sesterzen sparen und hier die Straßenlupas beglücken. Statt in ein anständiges Lupanar zu gehen.... tja hätte sie mal lieber ein paar Silberlinge mehr ausgegeben... wer ist schon so.. und geht in die Subura. Jeder weiß doch, dass hier die Gesetzte Roms gerade Abends nicht gelten. Jeder weiß, dass hier das recht des Stärkeren gilt. Wäre sie mal lieber in ihren besseren Stadtbezirken geblieben.“

  • Offenbar war der Optio auch über die offen stehenden Münder verwundert. Während der Octavier sich also nun die Leiche mit dem durchstochenen Herzen beschaute und in dessen Rachen schließlich nach einem Gegenstand durchsuchte, blickte Scaeva dezent zur Seite. Er war froh, dass er nicht selbst nachforschen musste. Stattdessen betrachtete er sich flüchtig die Umstehenden, welche sich nun unterhielten. Zunächst schnappte er nur einige Worte auf, doch dann hörte er genauer hin. Ein Auftragsmord wurde vermutet und angeblich wurde ein Schrei von einer Frau gehört. Es waren gewiss nur irgendwelche Gerüchte, die hier die Runde machten, doch man konnte ja nie wissen. Vielleicht fanden sich ja auch einige Zeugen unter den Anwesenden. Dann hörte er von einer Bedienung in einer Taverne. Dann fielen Namen.


    Scaeva merkte sich die Gesichter der Sprechenden und wendete sich nun wieder dem Optio zu, der einen Siegelring zutage gefördert hatte, was wirklich sonderbar war. Auf den ersten Blick sah es aus wie eine Racheaktion, doch er konnte sich auch irren. Derartiges hatte er noch nie gesehen. Tatsächlich hatten die anderen Leichen auch keinen Ring mehr am Finger und es war wirklich zu vermuten, dass diese ebenfalls ihren Weg in die Hälse der Toten gefunden hatten. “Vielleicht hat die Männer jemand gehasst oder hatte Streit mit ihren Familien.“ Warum sollte sonst jemand derartig mit einem Siegelring verfahren. Er konnte es sich nicht wirklich erklären. Andererseits war dies die Subura und es gehörte nicht viel dazu, hier ermordet zu werden.


    Dann nickte er im Kopf auf die Umstehenden. “Offenbar kennen sie die Namen der Toten. Vielleicht können sie uns auch noch mehr dazu sagen. Ob es Zeugen gab oder nicht. Bestimmt hat einer von ihnen auch irgendetwas gesehen.“ Bestimmt hatte der Optio auch gehört, was sie gesagt hatten. “Wir sollten sie verhören.“

  • Dem Optio war das Gequassel der Zivilisten im Hintergrund auch schon aufgefallen. Umso besser, dann mussten sie ncht schon ene aufwändige Suche starten, nur um die Opfer zu identifizieren.


    "Persönlicher Hass und Familienstreitereien stehen ganz oben auf der Liste. Müsste aber schon ein ziemlich derber Ehekrach gewesen sein, wenn dem drei Kerle zum Opfer gefallen sind. Bis wir mehr haben, ist alles offen.Abgesehen davon machen wir genau das was du gesagt und versuchen so gut die Bürger hier zu befragen. Hier."


    Er reichte dem Miles ein paar Wachstafeln und Griffel.


    "Falls du keine zur Hand haben solltest. Muss alles sauber festgehalten werden. Ich übernehm den Haufen hier links und du den Rest, bis wir zumindest ein grobes Bild haben, ja?"


    Damit drehte er sich auchschon zu der Menge um.
    "Na gut, Cives. Das hier ist Miles Helvetius Scaeva und ich bin Optio Octavius Maro. Cohortes Urbanae. Wir untersuchen das hier"
    Er deutete vage auf die Scenerie der Leichen
    "Und sehen zu, dass der der den Frieden des Kaisers in dieser Stadt derartig gestört hat, zur Rechenschaft gezogen wird. Um die Wiederherstellung der Ordnung zu erreichen, bedarf es der Kooperation aller Bürger hier. Das bedeutet: Keiner entfernt sich hier, bis wir euch das sagen. Also."


    Er deutete auf einen Mann, aus dessen Richtung er einen Namen vernommen zu haben glaubte.


    "Du. Wer von den Verblichenen ist Tuscenius Tutor?"

  • Der Soldat zeigte auf einen etwas dicklichen grimmig dreinschauenden Mann. Dieser wollte erst zurückweichen, aber he er hatte sich nichts vorzuwerfen so trat er nach vorn. Als aller erstes wollte er aber etwas klar stellen, nicht das die Soldaten noch auf komische Gedanken kamen. „Mein Name ist Lucius Dellius Falcula und ich bin ein Bürger Roms.“ So das war geklärt nun konnte er sich auch der Frage des Soldaten widmen. „Er zeigte auf den Mann mit der aufgeschnittenen Kehle. „Der dort, dass ist der Besitzer der Bäckerei Tuscenius Tutor. Die Bäckerei selbst liegt am Rande der Subura, der dort wohnt aber nicht hier, er lebt unweit der Castra Urbane im Stadtbezirk IX an der Via Flamina.“

  • Scaeva nahm Wachtafeln und Griffel in Empfang und atmete einmal tief durch. Natürlich hatte er den Befehl verstanden und antwortete mit einem deutlichen: “Jawohl, Optio!“ Dann wendete er sich an die Umstehenden, welche noch nicht von seinem Optio befragt wurden. Allerdings musste er noch einen Moment überlegen. Er hatte noch nie eine Befragung durchgeführt, schon gar nicht in einem Mordfall. Aber er würde einfach einmal anfangen und nicht noch länger zögern. Er wendete sich an einen der Männer, von dem er meinte, dass es jener war, der von einer Lupa gesprochen hatte, die ein Schrei vernommen haben sollte. So oder so ähnlich hatte er es zumindest verstanden. Also trat er auf einen der Männer zu, nahm den Griffel richtig in die Hand und begann: “Kannst du mir etwas über den Schrei erzählen, der angeblich gehört worden war? Und was weißt du sonst noch?“

  • Der angesprochenen Mann nickte eifrig und begann nach einem Blick auf seinen Nebenmann ofort zu erzählen. „Also die Hure Mona, die dort an der Ecke anschafft, die hat mir erzählt, das sie erst einen Schrei einer frau gehört hat. Nichts ungewöhnliches hier in der Gegend wenn du mich fragst. Aber ungewöhnlich war dann wohl, dass die Frau nur wenig später völlig aufgelöst an ihr vorbei lief und dabei gemurmelt haben soll, das eine Göttin sie beschützt hätte. Also ich glaube ja, das Mona zu tief in den Weinbecher geschaut hat oder die arme Frau vollkommen unter Schock gestanden hat. Nun ja Mona war auf jeden Fall neugierig und ging, als der letzte Kunde gegangen war nachsehen und fand die drei Männer hier. Das war ein Geschrei sag ich dir, die hat die halbe Nachbarschaft aus dem Bett geholt mit ihrer Brüllerei. Naja und nun seit ihr auch auch schon hier. Ach ja Mona hat noch erzählt das die Frau eine Bedienung aus der Taverne drei Straßen weiter sein soll. Mona kennt sie ja alle, die treibt sich ja überall rum, wo bei den Kerlen das Geld locker sitzt. Mona triffst du übrigens nachmittags hier an, oder in ihrem Zimmer, dort hinter 5 Querstraßen weiter, das ist so ein altes Haus was günstig Zimmer vermeitet. Um die Zeit schläft die Lupa meistens. Und nach dem Schock heute hat sie sich dort bestimmt verkrochen. Wer weiß ob die heute nochmal auf die Straße geht.“ Der Mann schaute den Soldaten erwartungsvoll an, ganz so als erwartet er nun ein Lob für seine Ausführungen.

  • Die Tür war einen winzigen Spalt geöffnet. Genau so viel, dass er das Gespräch belauschen konnte. Nichts wussten sie, Augenzeugen gab es keine. Bisher hatten sie keinen gefunden, das sollte weiter so bleiben. Leise schloss Dracon die Tür, ging nach hinten durch und verschwand ungesehen vom Ort des Geschehens. In der Nähe zu bleiben wäre leichtsinnig gewesen.
    Unterwegs ließ er einen Apfel mitgehen, biss beherzt rein. Alles hatte sich geändert, seit er Varia über den Weg gelaufen war. Genüsslich kaute er auf dem knackigen Apfelstück herum. Sie wusste was sie tat. Sie bestrafte die, die Schwache unterdrückten oder quälten. Dafür hatte Dracon ein offenes Ohr. Er selbst wartete auf die Gelegenheit die zu bestrafen, die ihm und einem seiner ehemaligen Mädchen übel mitgespielt hatten.

  • Scaeva nickte und notierte: Hure Mona, Frau lif aufgelösst an ihr vorbei, Götin hätte sie beschützt, fant die drei Mäner, Frau sei Bedinung in einer Tawerne drei Strasen weiter, trefe Mona nachmittags in irem Zimmer 5 Querstrasen von dem Funtort…..“ Der Soldat hatte gar nicht bemerkt, dass er beim Schreiben seine Zunge in einen Mundwinkel geschioben hatte. Dabei konnte er nur hoffen, dass er seine Schrift hinterher auch noch entziffern konnte. Von den Fehlern ganz zu schweigen. Noch nie war er der Held der Schrift gewesen. Dabei lag es gar nicht an mangelnder Intelligenz. Er konnte es nur einfach nicht. Zum Glück hatte er aber auch ein gutes Gedächtnis, welches ih wohl noch zu Gute kommen könnte. “Gut,“ sagte er dann. Er würde dem Optio mitteilen, dass sie diese ;Mona aufsuchen mussten, denn offenbar war sie soetwass wie eine Augenzeugin. Schließlich allerdings kratzte er sich mit dem Stylus hinter dem Ohr und schaute noch einmal zu den Leichen. Dann notierte er noch etwas: “Becker, Mamercus Tuscenius Tutor, der Fleischer Volusus Cincius Vespillo, Numerius Foslius Voranus.“ Das waren zumindest die Namen und Berufe, die er aufgeschnappt hatte. Sie würden deren Familien informieren müssen und nachfragen, ob diese drei Männer vielleicht nicht doch einige Feinde hatten. Obwohl solche in der Subura nicht unbedingt vonnöten waren, wenn man sich des Nachts herum trieb. Scaeva brauchte sich im Grunde nicht fragen, was Menschen zu später Stunde überhaupt hierher trieb. Es waren meistens Tavernen und Huren. Also wären sie bei deiser Mona gar nicht so falsch.
    “Optio, wir sollten die Hure Mona befragen,“ wendete er sich dann den Octavier und zu dem Befragten gewendet sagre er: “Gibt es noch irgendetwas, was du gesehen oder auch nur gehörst hast?“ Scaeva schaute auch auf die Kumpane. “Oder ihr vielleicht? Irgendetwas Auffälliges, irgendwelche Gerüchte?“ Innerlich seufzte er. Die Befragung sollte er dringend noch einmal üben, doch es war sein erster Fall und er wusste nicht recht, wie er es angehehen sollte. “Gibt es noch irgendjemanden, der sich hier gerne nachts herum treibt? Zu welchen Orten könnte man zu diesen Stunden gehen, wenn man etwas Abwechslung sucht?“

  • Der Mann schüttelte den Kopf. Mehr hatte er nun wirklich nicht zu berichten. „Nun in die Taverne oder ins Lupanar, wenn man Blut sehen will, dann gibt es noch die Kämpfe, die ab und an hier abgehalt....“ Mitten im Satz unterbrach der Mann. „.. dort da die Frau.“ Er zeigte auf eine zierliche Gestalt, die sich gerade auf de gegenüberliegenden Seite vorbei drücken wollte. „Das ist die Bedienung aus der Taverne von der Mona erzählt hat. Die müsste doch was gesehene haben.“
    Die Frau versuchte sich noch kleiner zu machen als sie ohnehin schon war. Und sie versuchte so schnell wie möglich an diesem Ort vorbeizukommen. Die Toten am Boden wurden von ihr mit keinem Blick gewürdigt.

  • Taverne oder Lupanar. Scaeva holte tief Luft und seufzte einmal geräuschlos. Dann schaute er zu Maro hinüber, der auch noch mit seiner Befragung beschäftigt war. Aber seine Aufmerksamkeit war schnell wieder bei dem Mann und seiner Kumpane. Man konnte sich hier also auch Kämpfe ansehen? Seine Augenbrauen hoben sich in Erstaunen. Das hatte er bisher noch nicht gewusst. Wahrscheinlich waren diese allesamt illegal und es wurde dabei gewettet. Aber das galt es später nachzuforschen. Deshalb notierte er sich auch diese Information und hob dann den Kopf, als der Mann mitten in seinen Ausführungen stoppte. Scaevas Blicke zuckten zu der nun erschienen Frau hinüber, auf welche sein Zeuge deutete. Die Bedienung aus der Taverne? Offenbar wollte sie nicht unbedingt gesehen werden, doch nun war es zu spät. “HEDA! DU!“, brüllte er drauf los und setzte sich zeitgleich in Bewegung, um den Frau den Weg zu versperren. “Bleib stehen! Ich habe einige Fragen an dich!“ Er zeigte auf die drei Toten. “Wie ist dein Name? In welcher Taverne arbeitest du? Wo wohnst du und was kannst du mir von der Nacht, in der die drei Männer starben erzählen? Hast du jemanden gesehen? Warum hast du geschrien?“ Seine Fragen prasselten geradezu auf die Frau ein und wieder blickte er flüchtig zu seinem Optio. Scaeva würde dringend lernen müssen, wie man bei Mordfällen richtig vor ging, doch bisher war ihm ja auch keiner untergekommen. Doch nun hoffte er, dass die Zeugin mit der Sprache heraus rückte. Zur Not würde er Optio Maro fragen, ob sie sie nicht einfach mitnehmen konnten.

  • Die junge Frau hatte wohl erfolglos versucht sich unsichtbar zu machen. Auch wenn sie auf das erste He du da nicht reagierte, so konnte den Soldaten, der ihr nun den Weg versperrte wohl kaum ignorieren. „Ich komme zu spät zur Arbeit.“ Sagte sie mit wenig Überzeugung in der Stimme. Und als ob das nicht genug wäre, mischte sich nun auch noch so ein Wichtigtuer ein. „Ja genau die, von der hat Mona gesprochen. Sie schaute den Soldaten ängstlich an, wusste sie doch, dass schon viele die man nur befragen wollte in den Kerkern verschwunden sind oder selbst wenn sie wiederkamen, hatten sie selten was gutes zu berichten... gerade Frauen erging es nicht gut. So begann sie nun also von der Nacht zu erzählen „Mein Name ist Helena. Ich wohne hier in der Subura.“ Den genauen Ort wollte sie nicht nennen. „Ja ich habe geschrien. Diese Kerle...“ Sie schaute mit einem Verachtenden Blick auf die Männer. „...diese Mistkerle dort haben mich überfallen....“ Sie brauchte wohl einem Mann kaum erzählen, was drei angetrunkene Männer nachts mit einer Frau vorhatten. „...eine Göttin hat mich gerettet und diese drei haben ihre gerechte Strafe bekommen. Eine Tochter des Mars.“

  • Offenbar hatte er die richtige Frau erwischt. Das bestätigte nicht nur einer der Anwesenden, sondern auch die Verzagheit der Dame, die sich nun als Helena vorstellte und die in der Subura wohnte. Scaeva hörte aufmerksam zu und machte sich weitere Notizen. Angeblich sei sie von diesen Männern angegriffen worden und sie wurde gerettet. “Tochter des Mars?“ Der Soldat schaute von seiner Wachstafel auf und zog eine Augenbraue empor. Also war es eine Frau gewesen, die dieses Blutbad angerichtet hatte. Aber noch war das nicht sicher. “Hat sie die Männer getötet?“, wollte er dann wissen. Wenn ja, dann müsste es ja eine arge Amazone gewesen sein, von der man in Märchenbüchern immer mal wieder las. “Wie sieht sie aus, wo kommt sie her? Wie heißt sie?“, frage Scaeva ungeduldig. Wahrscheinlich wäre es wirklich besser, Helena einfach mitzunehmen, immerhin war sie eine wichtige Zeugin. Er schaute zu seinem Optio hinüber, denn allein würde er das nicht entscheiden können.

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