Sofian

  • Pinas Aufmerksamkeit war zwischen Casca, ihrer Tante und der Versteigerung hin und her gehuscht. Sie hatte Casca wieder erkannt aber mehr auch nicht, um so verwunderter war sie jetzt. Ihr war nicht entgangen, das ihre Tante und er ein etwas vertrautes Verhältnis zueinander hatten. War da irgend etwas geschehen während sie und Sila in Mantua waren? Musste doch wohl sein, wieso auch sonst bot er ihr einen Sklaven zu ihrer Sicherheit an. Auf das Gespräch später, zu hause, war sie schon sehr gespannt.
    „Hach, so etwas dummes“, entfuhr Pina dann, nachdem sie sich der Versteigerung zugewandt hatte. „nun ist die Versteigerung vorbei, natürlich hat deine kleine Mitbieterin den Sklaven erhalten. Wer sind die eigentlich? Früher habe ich die nie in der Stadt gesehen.

  • Endlich kam die erlösende Antwort: Das Spiel hatte ein Ende und vor allem ein glückliches. Eine Last fiel von Sisenna ab, sie schien erschöpft. Mit nur einem Ohr hörte sie Sassias Frage, verinnerlichte sie und blickte ihre Nichte an. Etwas anderes, als Sofian mitzunehmen, wäre ihr nie in den Sinn gekommen. Sie überlegte, welche Möglichkeit es noch gab und welchen Vorteil sie haben könnte, fand aber keine.


    "Ja, das dachte ich schon. Er soll mit uns gehen." Sie nickte zur Bestätigung und damit es nun zügig voranging, kümmerte sie sich gleich selbst um die Umsetzung. Es konnte ihr gar nicht schnell genug gehen.


    Sie legte die Hände um den Mund und rief: "Sofian, du kannst jetzt mit uns kommen." Anschließend zupfte sie Marco an der Tunika. "Du hast hoffentlich noch meine Einnahmen vom heutigen Markttag. Bring das Geld für mich zu diesem Mann da." Sie zeigte mit dem Finger auf Tranquillus. "Aber zähl genau ab." Da war sie wieder, die kleine Geschäftsfrau in ihr.


    Sie wartete auf die Geldübergabe und dass Sofian neben sie trat.

  • In meinen Ohren schrillte noch das Kreischen des jungen Mädchen, welches auf mich geboten hatte. Doch wahrscheinlich war es zu spät und ich hatte bereits einen blauen Fleck davon getragen. Wenn nicht gar mehrere von den vergangenen Tagen. Meine Seite, die ich mir noch einen Moment lang hielt, schmerzte noch, doch ich ließ mir nichts weiter anmerken. Außer dass ich da stand und hoffte, dass es bald zu Ende war, tat ich gar nichts mehr. In meinen Gedanken stand noch immer der Wunsch herauszufinden, wo meine Familie war, damit ich sie schnellstmöglich wieder in die Arme schließen konnte. Am liebsten sofort.
    Die Aufpasser des Händlers zogen sich jedoch nicht zurück, doch unternahmen sie auch nichts mehr. Ich würde ihnen auch keinen Grund mehr dazu bieten. Dennoch linste ich vorsichtig zu dem Mädchen und ihrer weiblichen Begleitung. Dann blieb mein Blick auf dem Muskelprotz liegen, der hinter ihnen stand. Ich atmete tief durch und hoffe sehr, dass sich dieses Missverständnis klären würde, welches mich auf dieses Podest gebracht hatte. Schließlich war es der Händler, welcher nun ein wenig frustriert die gebotene Summe bestätigte und einforderte. Doch das alles rauschte an mir vorbei. Erst als die Stimme des Mädchens meinen Namen rief, schaute ich wieder auf und nickte dann. Noch einmal sah ich mich zu dem Händler und seinen Schergen um, dann nahm ich das kleine Treppchen, welches man an den Block gestellt hatte, um auf die Damen zu zu gehen. Irgendwelche Habseligkeiten, welche ich noch hätte mitnehmen können, besaß ich zu meinem Leidwesen nicht mehr. Nicht einmal mehr Mutters Truhe. Das letzte Erinnerungsstück an sie. Vor dem Mädchen und den Damen blieb ich nun stehen und schaute ihnen allen entgegen.

  • Nicht ohne einen gewissen Frust, blies Valentina eine Haarsträhne aus ihrem Gesicht, als das Ende der Versteigerung verkündet wurde. Sie hatte zu lange gezögert und nun verloren. Ein letzter Blick auf den Sklaven, dann wandte sie sich ab. "Das Mädchen selbst kenne ich nicht, aber die beiden erwachsenen Frauen habe ich in der Therme kennen gelernt. Sie sind Claudier, deswegen hätten wir ohnehin die Versteigerung nicht gewinnen können."
    Traurig aber wahr und als Valentina sich dessen bewusst wurde, war der Verlust über den Sklaven gar nicht mehr so schlimm. Sie würde eines Tages einen anderen finden.
    Statt dessen wandte sie sich Casca zu und errötete ein klein wenig. Der Cousin ihres ehemaligen Verlobten tat wirklich viel um ihr zu helfen und Valentina musste sich eingestehen, dass ihr das gut gefiel.
    "Neben der Sicherheit war auch ich an den Sprachen interessiert, die der Sklave angeblich sprechen konnte, dann hätte er meine beiden Nichten vielleicht etwas davon beibringen können. Es ist nicht falsch möglichst viel zu wissen."
    Sie sah verlegen von Casca zu Pina und wieder zurück. "Das Angebot mit dem Sklaven ist wirklich sehr freundlich von dir. Und da meine Nichte nun wieder bei mir wohnt wäre ich dir sehr dankbar dafür."

  • "Du musst nicht mehr traurig sein", empfing sie Sofian. "Ab jetzt wird alles besser." Sie lächelte, wenn auch etwas müde. Dieses Spiel mit Namen Versteigerung hatte sie doch mehr als gedacht mitgenommen. Sie wünschte, sie wäre mit Sänfte auf den Markt gegangen, aber da sie mehrere Kunden kennenlernen wollte, die sich für ihre Ponys interessierten, störte so ein unhandliches Gefährt.


    "Wir haben einen Fußmarsch vor uns und zwar bergauf." Sie stöhnte vernehmlich, dann setzte sie sich in Gang. "Merk dir den Weg gut, du wirst ihn ab jetzt finden müssen und manchmal auch alleine."


    Sie schaute zu Silana und Sassia. "Kann ich euch an die Hand nehmen?" Im Zweifel würde sie sich ziehen lassen. Oder sie zogen sich abwechselnd, was gerechter wäre.

  • Noch während wir redeten, neigte sich die Versteigerung von mir unbemerkt dem Ende entgegen. Eigentlich wurde ich dieses Umstandes erst gewahr, als Pina uns darauf hinwies. “Hm,“ stieß ich aus und zuckte dann mit den Schultern. Nun war es nicht mehr zu ändern und dieses kostbare Kleinod ging an das Mädchen, welches, wie Valentina gerade erklärte, zu den Claudiern gehörte. Ich horchte auf und schaute zu ihnen hinüber. War das nicht die junge Frau, die mit Flavius Scato verlobt war? Auf deren Feier hatte ich immerhin die Kaiserin getroffen, und so etwas vergaß man nicht so leicht. “Ja, das müssen wirklich die Clauider sein,“ sagte ich dann und wendete mich dann wieder den beiden Quinilierinnen zu. “Wirklich? Er kann mehrere Sprachen sprechen?“ Ich beäugte noch einmal den soeben verkauften Sklaven. “Wenn es so ist, dann ist es noch bedauerlicher. Aber ich könnte versuchen, jemanden aufzutreiben, der genauso viele Sprachen beherrscht und ihn dir dann mit Sidonius überstellen.“ Ich nickte zu meinen Worten und grinste unter dem nächsten Gedanken. “Du brauchst dich nicht zu bedanken. Das mache ich doch wirklich gern und für die Sicherheit von derartig bezaubernden Damen ist doch das Beste gerade gut genug!“ Gut, vielleicht hatte ich jetzt ein wenig dick aufgetragen und zu viel geschmeichelt, doch Valentina und ihre Nichte waren es wirklich wert. “Darf ich euch vielleicht noch in eine kleine Garküche einladen? Ein wenig essen hilft immer über den Frust hinweg und wer weiß, vielleicht haben sie ja auch einen guten Schluck Wein, um… naja… um uns zu erfreuen?“ Ich lächelte und machte eine einladende Handbewegung.

  • Ich brauchte also nicht mehr traurig sein? Ich ließ ein etwas träges Lächeln erstrahlen, während ich mich bemühte mir vorzustellen, dass wirklich alles besser werden würde. Meine Wünsche wollte ich an dieser Stelle allerdings nicht mehr aussprechen. Das Mädchen wirkte erschöpft und ich war es auch. Nein, ich würde alles auf später verschieben, auch wenn die Sorgen in mir noch immer brodelten. Ohne ein weiteres Wort zu sprechen folgte ich also den Damen und machte mich mit ihnen gemeinsam auf den Weg.

  • Natürlich nahmen die beiden Schwestern ihre kleine Tante an die Hand und damit schützend in ihre Mitte. Im Gehen nickte Sassia noch der Quintila zu. Sie hätte sich gern noch mit dieser unterhalten, aber Sisenna wirkte erschöpft und müde. So galt ihr natürlich Sassias Aufmerksamkeit.

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