• „Pi...Pin..., Licht? Ich meine Julius du hast Licht?.....Oh Vater du hier? Ich wollte gerade nachschauen ob hier alles in Ordnung ist.“ Caras Kopf, die ja Helena spielte, ging in leicht ruckartigen Bewegungen von einem zum anderen außer zu Marco, der Pinto Helenas Freund spielte. Wieso aber auch, hatte Julius doch Lampen angeschleppt? „Warum lässt du dich denn heute hier füttern Vater? Ich meine wieso schält und serviert dein Sklave dir hier Obst?“ Etwas vorwurfsvoll war jetzt doch Helenas Ton, immer noch einen Blick auf Pinto vermeidend.

  • Magrus bzw. Julius ging herum und stellte überall Lampen auf. Der Raum war schnell ausreichend beleuchtet und gab für jedermann zu erkennen, was hier passiert ist.


    „So, Dominus, die Lampen sind alle aufgestellt. Kann ich noch etwas für dich tun? Was hältst du davon, wenn ich noch einige Sklaven hole und wir die Unordnung beseitigen und den Raum ordentlich reinigen?“


    Magrus wartete, welche Befehle er als Julius erhielt.

  • Marco schickte ein Stoßgebet an die Götter und fühlte sich glücklich, nicht in Wirklichkeit in einer derart vertrackten Situation zu stecken. Trotzdem fühlte er sich unwohl, weil Maximus alias Plato derart überzeugend spielte. Fast hätte er wieder den Text vergessen, denn auch die Handlung zuvor, wo Maximus gegen Sofian trat, konnte kaum besser schauspielerisch umgesetzt werden. Der Mann verstand es, selbst in einem Schauspiel Glaubhaftigkeit zu erzeugen.


    "Ähm", druckste Marco nur zum Teil gespielt, weil er sich zunächst an den Text erinnern musste. "Ich habe sie zum Beispiel gefragt, welche unerfüllten Sehnsüchte sie in sich trägt." Das stimmte auch weitgehend, schließlich ging ihn das als Verlobten auch etwas an.

  • Cara überlegte fieberhaft wie sie in ihrer Rolle als Helena, nach dem Ausspruch deren
    Verlobten reagieren könnte.
    So ergab sich das Bild, Helena stand als leblose Statue da, was so ja auch normal ist, doch der Kopf dieser Statue drehte sich immer wieder im Wechsel zwischen Vater und Verlobten. War nun der Zeitpunkt wo sie etwas sagen musste oder doch lieber die Entwicklung der Dinge abwarten? Sie entschied sich dafür immer noch den Kopf zwischen den beiden pendeln zu lassen, jetzt aber bedeutend langsamer. Bei genauerem hinsehen erkannte man auch ihre große fragende Augen.

  • Die Antwort veranlasste Maximus dazu, seine Kinnlade herunterzuklappen. Er drohte mehrmals beidseitig mit den Armen, bevor er seine Faust auf den Tisch krachen ließ.


    "Es gibt nur zwei Wege aus diesem Desaster. Entweder ihr heiratet gleich morgen oder die Verlobung wird gelöst." Nun konnten die Zuschauer rätseln, für was sich die Verlobten entscheiden würden. Das Schauspiel bog in die Zielgerade ein.

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    MAGISTER NAVIS - HERIUS CLAUDIUS MENECTRATES

    VILICUS - HERIUS CLAUDIUS MENECTRATES

  • Es war als wenn Helena noch immer nicht realisiert hätte, dass inzwischen alles mit Lampen beleuchtet wäre. Wie eine Statue mit hin und her wendenden Kopf schaute sie noch immer zu ihrem Vater und Pinto. Was sich veränderte war ihre Armhaltung. Für die Zuschauer mochte es aussehen als wenn sie nicht wüsste wenn sie gleich Umarmen wolle, den Vater der sie zur schnellen Heirat zwingen wolle oder zu ihrem Verlobten aus Freude darüber. "Oh Vater, gleich Morgen!" Kam ein Jubelschrei und die Statue Helena geriet ins wanken und rannte zu Pinto, um ihm gleich um den Hals zu fallen.

  • Marco alias Pinto hingegen wollte einmal selbst kreativ sein und änderte das Stück in Eigenregie um. Er drehte sich zum Publikum, weil er annahm, die Zuschauer fänden es gut, mit einbezogen zu sein.


    "Was sollen wir machen?", rief er in die Zuschauerränge, weil er nicht daran zweifelte, dass sie ein frohes Ende des Stückes und eine baldige Heirat forderten. Allerdings flog ihm Helene bereits entgegen, was die angeblich freie Wahl der Zuschauer extremst eingrenzte. Er fing Helena auf, weil die eigene Schüchternheit und die freie Wahl der Zuschauer weniger wogen als eine vor den Kopf gestoßene Braut. Jetzt konnte Helena auch die Arme um seinen Hals legen, selbst wenn das bedeutete, dass er zu einem Stock erstarrte. Er schalt sich einen Feigling und Versager. Nicht einmal im Spiel konnte er locker sein. Das Stück bot die einmalige Chance, so zu sein, wie er es nie vermochte, und er hatte die Chance in den Sand gesetzt.


    Der Beifall und Jubel der Zuschauer drang wie durch einen Nebel zu ihm. Zuhause angekommen, würde er sich erst einmal in eine ruhige Ecke verkriechen.

  • Magrus hatte nun Zeit, sich alles vom Rand der Bühne anzusehen. Der von ihm gespielte Julius war in der Handlung nicht mehr von Nöten, sodass er das Schauspiel jetzt richtig genießen konnte. Obwohl die Beteiligten ja alle Laien waren, konnte man mit der Leistung absolut zufrieden sein. Umso mehr fiel Marco auf, der so gut wie jede Szene schmiss. Es war aber insofern egal, weil sich das Publikum ohnehin glänzend amüsierte und pausenlos lachte. Er fragte sich nur, was Cara an diesem Klotz fand. Aber naja, ihm konnte es egal sein.

  • Insgeheim war Sofian froh, dass das Theaterstück nun dem Ende zugegangen war. Er stand nunmehr am Rande des Geschehens und ließ seine Blicke in die Zuschauermenge schweifen, die offenbar durch das Spiel recht erheitert worden war. Nun sollten sie auch entscheiden, was zu tun war. Für ihn selbst stand der Plan schon fest. Er würde die Bühne verlassen und sie nicht mehr betreten. Innerlich seufzend trat er von einem Bein auf das andere und wartete ab.

  • --- Zuschauer ---



    Sisenna sprang auf und klatschtde in die Hände, obwohl der Zeitpunkt für Applaus noch nicht erreicht war.
    "Sie sollen heiraten, sie sollen heiraten!" Sie bemerkte nicht, wie andere Zuschauer das gleiche riefen. Die meisten warteten aber einfach stillschweigend ab, wie das Stück endete.

  • Cara lauschte auf die Zuschauerreaktion. Irrte sie sich oder hatte sie das Wort heiraten gehört? Helena im Theaterstück ergriff Pintos Hand und wollte ihn zu ihrem Vater ziehen. Etwas stimmte aber nicht, Cara die Helena spielte, hatte es schon einmal gespürt, als sie sich aus ihrem Versteck, neben der Kommode erhoben hatte, war ihr genau wie jetzt schwindelig geworden. Sie spürte wie ihr die Beine weg sackten, im letzten Augenblick konnte sie sich noch an Marco festhalten. Völlig verwirrt über diese Tatsache, so etwas war ihr schließlich noch nie passiert, flüsterte sie Marco zu, [SIZE=7]"du musst weiterspielen, mich zu Plato schaffen".[/SIZE] Was ist nur mit mir los? Jetzt wird mir entsetzlich heiß. Ich glaube ich bin krank, stellte sie verwundert fest.

  • --- Zuschauer ---


    Braut und Bräutigam mussten nach Alexandros' Meinung noch etwas an ihrer Kommunikation arbeiten. Während die Braut dem Manne bereits um den Hals fallen wollte, drehte der sich dem Publikum zu, was sehr verständlich Cara ins Straucheln brachte. Zumindest interpretierte Alexandros den sichtbaren Wackler der Sklavin so. Vermutlich gehörte dies aber zum Stück, das von Anfang bis jetzt aus einer Aneinanderkettung von Fehltritten bestand. Dem Publikum gefiel der leichte Stoff und die ebenfalls leicht nachzuempfindende Situation, gleich welche. Alexandros hatte sich bei dieser Abschlussvorstellung jedenfalls gut amüsiert, deswegen fiel er in den Applaus ein, der zwar aus seiner Sicht verfrüht einsetzte, aber gleichzeitig verdient war.

  • Zitat

    Original von Cara
    Sie spürte wie ihr die Beine weg sackten, im letzten Augenblick konnte sie sich noch an Marco festhalten. Völlig verwirrt über diese Tatsache, so etwas war ihr schließlich noch nie passiert, flüsterte sie Marco zu, [SIZE=7]"du musst weiterspielen, mich zu Plato schaffen".[/SIZE] Was ist nur mit mir los? Jetzt wird mir entsetzlich heiß. Ich glaube ich bin krank, stellte sie verwundert fest.


    Während das Publikum bereits applaudierte, obwohl Marcos Abschlusssatz noch fehlte, fing er Cara auf und schaute sie statt des Publikums an. Er verstand, was sie sagte, aber begriff es nicht. Obwohl er selbst einige Textpassagen vergessen hatte, war er sicher, dass dieses Verhalten und die Aussage nicht in der Spielanleitung standen. Er hielt Cara und stützte sie auf dem Weg zu seinem Theaterschwiegervater.


    "Wir haben gewählt und entschieden. Wir wollen morgen heiraten."


    Der Applaus verstärkte sich und Marco drehte sich mit Cara im Arm zum Publikum. Alle Schauspieler fassten sich an den Händen und verbeugten sich. Anschließend verließen sie die Bühne und die Zuschauerplätze leerten sich.


    - Ende -


    Marco spürte Caras Hitze. "Ich bring dich nach Hause, Du musst untersucht werden."



    edit: Link

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