[Subura] Casa des Nero Helvetius Archias

  • Es war wieder Geschäftstag im Haus der Krähe. Das bedeutete, dass wichtige strategische Besprechungen mit Ferox anstanden und alle Hauptmänner seiner Organisation der Reihe nach zu einer persönlichen Unterredung bei ihm auftauchten, um zu berichten was es neues aus ihrem Bezirk gab.
    Davon abgesehen gab es auch unregelmäßige Besprechungen, oder Berichte von und mit besonderen Vertrauenspersonen von ihm, die außerhalb der üblichen Ränge der einzelnen Räuberbanden standen, wie die Bluthunde Bursa und Nasica, Archias' Leibwächter, oder sein Leib-, Haus- und Hofsklavenhändler Faustus Laberius Atimetus und natürlich nicht zu vergessen die Prostituierte Velia. Auch sie stand heute auf Archias' Audienzliste und darauf war er schon ganz besonders gespannt, wo er ja heute zu hören bekommen würde, was sie von diesen beiden Urbaner erfahren hatte, die er zu ihr ins Magnum Momentum gelotst hatte mit ein wenig Preisnachlass.
    Da die meisten Hauptmänner sowieso nur das übliche berichteten, arbeitete Archias ihre Liste heute besonders zügig ab, damit er bald möglichst Velia unter die Augen bekam. Er versprach sich zwar nichts weltbewegendes davon, wo es sich ja bloß um zwei Tirones gehandelt hatte, doch war es bestimmt alle Mal spannender, als sich den x-ten Bericht darüber anzuhören, dass alles eigentlich wie immer in diesem, oder jenem Bezirk seines Reviers lief.


    Endlich kam die Reihe an der Lupa und so begrüßte sie Archias mit einem Kopfnicken (was bei ihm beinahe schon einer euphorischen Begrüßung gleichkam). "Velia, meine bittersüße Atropa belladonna, setze dich doch. Also, was hast du mir zu berichten?"

  • Velia war eine sehr enge Vertraute der Krähe, der sie vieles zu verdanken hatte. Entsprechend loyal war die Lupa ihr gegenüber, denn jemand der einem einst das Leben gerettet hatte verriet man nicht. Außer Helvetius Archias gab es sonst nicht viele Menschen auf der Welt, die einen Zugang zum kalten, toten Herz der Velia gefunden hatten, am ehesten vielleicht noch ein Freund von ihr namens Kyriakos, auch wenn er anfangs nur ein gesichtsloser Kunde unter vielen gewesen war. Die weiteren ein oder zwei Figuren in dieser Beziehung waren wohl nicht weiter der Rede wert, die die am meisten für sie auf irgendeine Art und Weise zählten waren Kyriakos und Helvetius Archias.
    Schon den ganzen Tag hatte sie an den starken Mann aus dem Ganymed gedacht, am besten sie würde später dann einmal bei ihm vorbeisehen, doch zuvor musste sie bei Corvus Bericht erstatten.


    Im Korridor vor der verschlossenen Tür zum Officium stand Velia vor einem der beiden menschlichen Bluthunde, die immerzu ihren Herrn beschützten und wartete darauf, dass sie zu Archias vorgelassen wurde. Gelangweilt blies Velia die Luft aus ihren Backen und spielte mit einer Locke ihres feuerroten Haares. Ihr war langweilig und sie hatte nichts zu tun, weshalb ihre Gedanken die Zeit dazu fanden sich einmal wieder mit sich selbst zu beschäftigen, etwas was sie normalerweise vermied zu tun. Denn genau wie sie erwartet hatte spürte sie gleich wieder diese große unangenehme Leere in sich. Eine verrußte Abgestumpftheit gegenüber jeder Art von Freude, oder Vertrauen und an Liebe dachte sie gar nicht erst. Liebe war eine ihr fremde Emotion derer sie sich nicht fähig wähnte. Ihr Herz war zu kalt, um Feuer zu fangen.
    Na toll und schon hatte sie wieder diese verdammte Melancholie unter Kontrolle, die sich immer regte, wenn sie sich einen etwas genaueren Blick in ihr Seelenleben gestattete. Von sich selbst genervt blies sie die Luft scharf durch die Nase aus.


    Da endlich öffnete sich die Tür, was bedeutete, dass der gerade anwesend gewesene Hauptmann mittlerweile durch den Zweitausgang Archias' Büro verlassen hatte und sie selbst an der Reihe war. Mit ihren stechend grünen Augen blickte sie zur Tür und konnte schon wieder lächeln angesichts des bevorstehenden Treffens mit der Krähe. Es war, als wenn eine geistige Schranke in ihr heruntergefallen wäre. Klappe zu, Affe tot und schon spürte sie nichts mehr von ihrer inneren Leere, wo sie jetzt wieder ein Ziel hatte auf das sie sich konzentrieren konnte, wenn es auch bloß so etwas banales wie ein Gespräch war. Sie betrat das Büro und dort war auch schon der alte Mann mit dem grauen Haar, der sie bei seinem Anblick auf ihrer Zunge herumkauen ließ. Sie war fasziniert von diesem Mann und das auf verschiedenen Ebenen. Teils speiste sich diese Faszination von ihrer Sicht auf ihn wie auf einen Vater, oder einem Mentor, dann jedoch wiederum auch aus der Attraktivität eines potenten, älteren Mannes heraus mit jener maskulinen Austrahlung, wie sie kein Jüngling je zustande bringen mochte und auch sonst kein junger Erwachsener. Beides zusammen, Vaterfigur und die Attraktivität als Mann, ergab eine ziehmlich ungesunde Mischung an Gefühlen, doch Velia war das egal. Archias war wohl der einzige Mensch auf dem Planeten vor dem sie sogar so etwas wie eine devote Haltung zeigte.
    So biss sie sich auf die Lippen beim Gang zum Stuhl vor Archias' Schreibtisch und setzte sich, wie ihr geheißen. "Salve, Corvus, ich habe in der Tat ein wenig etwas zu berichten."
    Doch anstatt gleich weiterzusprechen wie von ihr verlangt, schloss sie den Mund wieder und hielt Archias mit ihrem Blick fixiert. Nach einigen Momenten des Schweigens begann sie die Krähe leicht anzugrinsen, wenn auch diese Gefühlsäußerung nicht ihre Augen erreichte.

  • Archias wartete einige Momente, doch es kam nichts weiter von ihr.
    Anscheinend versuchte sie mit ihm wieder eines ihrer Spielchen zu spielen, also versuchte er es erneut, denn gegenüber Velia war er nachsichtiger als anderen, warum genau konnte er auch nicht sagen, geschweige dem, dass es ihm wirklich bewusst war.


    "Möchtest du mich nicht auch in deine Erkenntnisse einweihen? Berichte mir was sich im Magnum Momentum zugetragen hat." War es vielleicht nur eine taktische Finte von ihr, um die Spannung zu erhöhen? Oder wollte sie ihn einfach bloß etwas zappeln lassen, bevor sie mit einem Standartbericht herausrückte? Archias ließ ihr den kleinen Spaß, immerhin war ja auch er kein Unmensch und noch war ja auch die Grenze noch nicht erreicht, wo es begann lästig zu werden und an Respektlosigkeit gegenüber dem Boss zu grenzen.

  • Velia hatte ihren Moment ganz für sich alleine gehabt wo sie an jene Ereignisse zurückdachte über die sie jetzt erzählen sollte, doch nun befand sie es für genug.
    So begann sie brav zu berichten: "Ich habe die von dir geschickten Gäste nicht gleich erkannt, da sie ihre Namen gleich Staatsgeheimnissen gehütet hatten, doch es waren Manius Purgitius Lurco und Sisenna Iunius Scato. Dieser Dritte von der Liste, dieser Tiberios, ist nicht erschienen. Iunius Scato war anfangs sehr nervös, ja fast schon panisch und hatte fast kein Geld bei sich, außerdem war er noch Jungfrau. Purgitius Lurco trat selbstsicher auf und ist homosexuell. Er verlangte gleich sofort nach einem Mann. Iunius Scato hatte sich außerhalb seiner Komfortzone fast wie ein ängstliches Kleinkind verhalten, es war erbärmlich. Außerdem hatte er sich in den Alkohol geflüchtet und sich fast besinnungslos betrunken. Vielleicht hat er allgemein eine Vorliebe für Alkohol. Er schien überhaupt der Schwächere der beiden zu sein. Nachdem Purgitius Lurco wieder von seinem Mann zurückkam unterhielten wir uns noch ein wenig über ihr Leben in der Castra, da Iunius Scato komplett besoffen auf den Polstern lag und dann gingen sie auch schon wieder."


    Dass sie anschließend Iunius Scato entjungfert und fast bis zum Höhepunkt geritten hatte unterschlug Velia bei ihrem Bericht, da es nicht weiter relevant war, weder für sie, noch für die Krähe.

  • Na also, kam Velia ja doch noch zu ihrem Report. Archias erfuhr einige interessante Dinge über die beiden Tirones die vor kurzem sein Lokal besucht hatten. Was konnte so ein Lupanarbesuch nicht alles über das Wesen eines Menschen offenbaren! Man betrat es und legte sämtliche öffentliche und zivilisierte Schichten ab, um das Tier in sich zur Befriedigung seiner Gelüste zu verhelfen. Dabei konnten auch Sachen zu Tage treten, die man vor anderen Menschen normalerweise verborgen hielt. Ängste, Vorlieben, oder andere tiefer sitzende Charackterzüge. Natürlich hatte Archias bei seiner Arbeit als Wirt schon mit vielen Urbanern gesprochen und einiges über den einen oder anderen Soldaten und seine Lebensumstände erfahren, doch das vertrauliche Gespräch mit seinem Stammwirt war doch nicht ganz mit der Intimität einer Lupa zu vergleichen mit der man die Wonnen der körperlichen Lust teilte. Da konnte man noch eine Ecke tiefer in das Wesen eines Menschen vordringen und Dinge über ihn entdecken, die man womöglich eines Tages gegen ihn einsetzen könnte.
    So hatte heute Archias also neue tiefschürfende Seiten von den beiden Tirones erfahren dürfen, vielleicht sollte er die beiden schärfer im Auge behalten, womöglich ergab sich daraus irgendwann ein weiterer Vorteil für ihn? Purgitius Lurco mochte also Männer, während Iunius Scato dem Bericht der Lupa nach außerhalb seiner Komfortzone schnell zusammenbrach und sein Heil im Alkohol suchte, gewiss waren das für die Krähe nutzbare Eigenschaften, sollte es eines Tages nötig oder nützlich werden.


    Was die Characktere der beiden zu ihr geschickten Männer betraf, so hatte Velia ganze Arbeit geleistet, Archias war zufrieden mit ihr. Mal sehen, ob sie auch sonstige relevante Informationen für sie hatte.
    "Du erwähntest ein Gespräch mit dem anderen kurz vor Schluss, irgendetwas nützliches noch daraus? Erzähl es mir."

  • Da die Krähe ihren Bericht nicht weiter kommentierte nahm Velia an, dass er so in Ordnung war. Als Archias dann auch noch näheres über das Gespräch mit Purgitius Lurco hören wollte berichtete sie:
    "Nicht wirklich, vor allem hörte der Kerl am liebsten sich selbst beim reden zu. Geschwätziger sind wohl nur die Waschweiber vom Tiber. Er erzählte viel heißen Wind. Sonst sagte er nur aus, dass er und Iunius Scato eine Taberna nur für Männer aufmachen wollen ohne Zutritt für Frauen.
    Dann wieder nur viel unnötiges Geschwätz bis er am Ende einen gewissen Maro als ihren Ausbilder bei den Cohortes erwähnt hat. Anscheinend ein guter Trainer von der direkten und ehrlichen Sorte.
    "


    Das war es schon? Ein wenig war Velia selbst davon überrascht, denn in ihrer Vorstellung hatte sie gedacht, dass ihr Bericht an die Krähe viel länger ausfallen würde. Anscheinend war das wirklich nur Täuschung gewesen, verursacht durch den Wasserfall an nichts sagenden Worten des Purgitiers. Eigentlich fand sie wäre er der geborene Politiker. Konnte eine ganze Stunde ununterbrochen reden ohne eigentlich wirklich etwas gesagt zu haben. Na zum Glück würde sie die beiden trüben Tassen nicht so schnell wieder zu Gesicht bekommen, wo sie ja in einem Preissegment arbeitete, das ein wenig über deren Einkommen lag.

  • Nicht gerade viele weitere Neuigkeiten, doch Archias war trotzdem zufrieden mit Velia. Bei zwei Tirones konnte man auch nicht recht viel mehr erwarten. Solche Jungspunde hatten selten bis nie interessante oder nützliche Informationen im ewigen Kampf gegen die Obrigkeit und ihrer Wachkörper, dafür hatte er sehr tiefe Einblicke in die Köpfe der beiden tun können. "Du hast deine Sache gut gemacht, Velia, und dafür sollst du eine Belohnung erhalten, auch in Anerkennung deiner anderen bisherigen Dienste. Sag mir was du dir wünscht und wenn ich dem zustimme erfülle ich es dir."


    Heute war Archias großzügig gestimmt und er fand, dass es an der Zeit war diesem Impuls nach langer Zeit einmal wieder nachzugeben. Außerdem würde es ihm nur zum Vorteil gereichen, wenn er Velia noch enger an sich band, nicht dass das wirklich nötig gewesen wäre, doch mit seinen Freunden hielt es Archias wie mit seinen Feinden; möglichst nah um einen selbst lassen, um ja immer den Überblick bewahren zu können.

  • Das Lob der Krähe brachte Velia tatsächlich zum strahlen und zwar zu einem ehrlichen, was bei ihr nicht oft der Fall war. Doch es kam sogar besser noch, sie hatte einen Wunsch frei! Beide Dinge zusammen versüßten ihr diesen Tag so richtig, ein wunderbares Gefühl!


    Sie brauchte nicht lange zu überlegen und so sprach sie ihren Wunsch aus: "Mein eigenes kleines Reich, mein Herr, gib mir mein eigenes Lupanar über das ich verfügen kann! Ich bin es leid im Magnum Momentum zu arbeiten und den Anordnungen dieser notgeilen Geschäftsleitung zu folgen, ich möchte unabhängig sein in meinem Beruf und selbst bestimmen was wie zu geschehen hat." Bei dem Gedanken auf die Aussicht eines eigenen kleinen Bordells bekam Velia glänzende Augen. Schon seit längerem krachte es regelmäßig zwischen ihr und der Geschäftsleitung des Nobellupanars und je eher sie dort weg konnte desto besser.

  • Ein eigenes Lupanar sollte es also sein, das war ein ziehmlich ambitionierter Wunsch, aber für Archias nicht weiter der Rede wert. Natürlich begann er sofort darüber nachzudenken, ob es einen Vorteil für ihn bringen würde ein eigenes Lupanar zu betreiben, ob es ihm etwas in der Weise nützen könnte, was er sonst nicht hätte nur durch Lupa-Agentinnen in anderen Bordells der Stadt. Geld natürlich, aber sonst?


    Naja, bestimmt würde ihm schon noch etwas einfallen dafür und so sprach er: "Du sollst dein Lupanar bekommen, ich stimme zu. Sieh es als meinen Gunstbeweis an dich an. Hast du schon irgendwelche näheren Vorstellungen? Natürlich werden wir auch über die Lupas reden müssen die ich dort einstellen werde für dich." Vielleicht auch noch Hinterzimmer zur Abwicklung dunkler Geschäfte als eine Art "Außenbasis"? Gar keine schlechte Idee eigentlich, wo das bei Kunden, Komplizen und evt. auch der Obrigkeit dann den Fokus eher auf das Lupanar anstatt auf die Krähe selbst richten würde. Lupanare und ihre Besitzer waren oft die Brutstätten für kriminelle Machenschaften, weshalb man dies eigentlich wunderbar zu einer weiteren Tarnung und als Ablenkung aufbauen könnte, wenn er so darüber nachdachte. Wenn man bei bestimmten Vergehen dann gegen das Lupanar und nicht gegen seine Organisation ermittelte, wenn geheim blieb, dass ihm das Bordell in Wahrheit gehörte. Ein trefflicher Plan, wie gut, dass er heute einmal wieder großzügig sein hatte wollen! Hoffentlich musste er nicht eines Tages Velia opfern, sollte es tatsächlich einen Zwischenfall geben.

  • Im ersten Moment freute sich Velia riesig. Sie würde endlich selbstständig werden! Ihr eigenes Bordell! "Vielen Dank, o Corvus!" Doch diese Freude erhielt gleich wieder einen kleinen Dämpfer und ein wenig fragend blickte sie Archias in die Augen "Wie ist das gemeint "für mich einstellen"? Darf ich etwa nicht selbst darüber bestimmen? Ich hatte mein eigenes Lupanar gewünscht, doch das hört sich gerade so an, als ob ich wieder nur die zweite Geige spielen würde in dem Schuppen. Ist das so?" Velia scheute nicht davor zurück ihre Gedanken und Ansichten gleich direkt und unzensiert vor der Krähe zu äußern, denn das mit der so verstandenen Bevormundung würde ihr eher weniger gefallen. Im Grunde hätte sich ihr Wunsch ja dann nicht wirklich erfüllt und sie könnte genauso gut im Magnum Momentum bleiben, wenn dem wirklich so war.


    Gleichzeitig begannen aber trotzdem schon in ihr erste Ideen hochzusteigen was sie wie gerne der Räume wegen hätte, oder welche Art von Mädchen einmal dort arbeiten sollten. Und wie wollte sie es eigentlich nennen? Davon träumen konnte man ja, solange auch die letzte Seifenblase an Hoffnung noch nicht zerplatzt war.

  • Angesichts von Velias geäußerten Bedenken musste Archias jetzt tatsächlich etwas lächeln. Es amüsierte und erfreute ihn in Velia wenigstens eine Person rund um sich zu haben von der er wusste, dass sie ihm stets die Meinung sagen würde, egal zu welcher Angelegenheit und ohne Ehrfurcht vor ihm als "großem Boss". Andererseits war das natürlich auch ein Grund solche Leute mit einem eigenen Kopf scharf im Auge zu behalten, denn es konnte nur allzu schnell passieren, dass sie Pläne gegen einen selbst entwickelten. Velia zeigte bislang keinerlei Anzeichen für ein mögliches Komplott gegen ihn, doch die Frau war gerissen und eine glückliche Velia war ihm zweifellos lieber, als eine zürnende.


    Dieses Mal jedoch hatte sie ihn nur leicht falsch verstanden und so bemühte sich Archias um Aufklärung:
    "Natürlich darfst du darüber bestimmen, immerhin bist du ja die Chefin dieses Bordells. Jedoch der Besitzer werde ich sein. Das heißt...",
    Archias schlug jetzt einen wesentlich geschäftsmäßigeren Ton an, als er weitersprach,
    "...dass 40% aller Einnahmen direkt an mich gehen. Außerdem stelle ich das Grundstück und die Erstbesetzung deiner Mädchen. Du darfst Wünsche zur Lage und der ersten Generation Lupas machen, wird jedoch beides von mir als Besitzer gestellt.
    Alles weitere liegt bei dir als Chefin, oder wenn dir der Terminus lieber ist, bei dir als Geschäftsleitung. Du darfst frei über Art, Gestaltung und Benennung des Bordells verfügen und auch das weitere Personal nach deinen Vorstellungen gestalten, diese jedoch natürlich dann aus deiner Tasche. Doch bestimmt wird das Lupanar auch mit 60% immer noch genug abwerfen, um alle offenen Rechnungen und Gehälter bezahlen zu können und Gewinn einzufahren. Weiters erwarte ich, dass du auch weiterhin als meine Agentin tätig bleibst. Vielleicht weiten wir das auch auf deine anderen Mädchen aus, das wird sich noch zeigen. Irgendwelche Fragen?
    "

  • Angesichts der soeben erfahrenen Fakten musste Velia erst noch darüber nachdenken, ob sie sich über so ein Geschenk freuen sollte. Die Abgaben an die Krähe in Höhe von 40% waren ziehmlich saftig, weit mehr als jeder erpresste Laden in der Gegend normalerweise zu zahlen hatte, aber andererseits erklärte sich das wohl daraus, dass Helvetius Archias diesen hohen Betrag als Besitzer als seinen Gewinnanteil einforderte und nicht als Schutzgeld. Doch abgesehen von diesem finanziellen Aspekt schien es so, als könnte Velia in allen anderen Bereichen selbst bestimmen und auch frei über die verbleibenden 60% aller Einnahmen verfügen, um daraus Gehälter, Gebühren und ihr eigenes Einkommen zu bestreiten. Vermutlich ließ es sich in dieser Konstellation ganz gut leben, aber besser, wenn man sich über die eine oder andere offene Frage ein wenig mehr Klarheit holte.


    "In Ordnung, machen wir es so für den Anfang, wobei ich da noch ein oder zwei offene Fragen habe. Warum stellst du die ersten Lupas? Und kann ich die auch wie jede andere Angestellte auch jederzeit feuern, oder umbesetzen, wenn es mir passt? Und auch wenn ich die Geschäftsleitung sein werde, was soll ich sagen wer der Besitzer des Unternehmens, oder des Grundstücks ist? Nero Helvetius Archias, der fröhliche Wirt aus dem Blinden Esel?"
    Das schienen ihr im Moment die drängendsten Fragen zu sein. Diese Agentinnensache hatte sie schon erwartet und darüber dachte sie nicht weiter nach. Falls auch die anderen Lupas mit ins Boot geholt werden sollten beim Aushorchen der Gäste, so rechnete sie, dass das ähnlich wie bei Archias' Kinderspionen laufen würde. Die Lupas berichteten ihr das Gehörte (falls nützliches darunter war) und sie würde es dann an die Krähe weitertragen, um die Geheimhaltung zu wahren. Velia vermutete, dass die Mädchen gar nicht erst wissen sollten, dass sie für die Krähe arbeiteten, je diskreter desto besser.

  • Velia wie sie leibte und lebte. Jedes ihrer Worte hörte sich fast schon wie eine Herausforderung an, aber Archias kannte sie und ließ es daher unkommentiert geschehen.
    Babilus hätte mit ihm vermutlich nicht so umspringen dürfen, doch der war ja auch natürlich nur ein kleiner Räuberhauptmann, während er Velia fast auf Augenhöhe mit sich sah, genauso wie Ferox und Atimetus. Da verhandelte man eher, bzw. sprach auf einer anderen Ebene miteinander.


    "Nenne es meinetwegen eine Bedingung, aber ich will es so. Du kannst sie ansonsten natürlich wie normale Angestellte behandeln, denn das sind sie im Grunde ja auch. Was den Besitzer angeht, so lasse das meine Sorge sein. Du wirst schon noch rechtzeitig darüber informiert und keine Angst; egal wie ich diese Frage löse, das operative Geschäft wirst du leiten und es wird dir nach Aufnahme der Geschäftstätigkeit auch niemand mehr hineinreden, nur um das noch einmal klar zu stellen. Zahle pünktlich an jeden Kalenden meine 40% aus dem letzten Monat an mich aus und es wird so sein, als würdest du ganz alleine im Lupanar schalten und walten. Nun gut, das wäre dann alles, du darfst dich zurückziehen", und mit einem Kopfnicken war Velia entlassen.


    Mehr war für ihn nicht mehr zu bereden. Er hatte seinen Bericht von den beiden Besuchern aus dem Magnum Momentum erhalten und bezüglich von Velias neuem Lupanar war vorerst auch alles gesagt für ihn. Die junge Dame sollte sich einmal darüber nähere Gedanken machen und zu rechter Zeit würden dann auch schon die restlichen offenen Fragen geklärt werden.

  • Velia sah zwar immer noch nicht so recht einen Sinn darin, wieso Archias unbedingt die ersten Mädchen stellen wollte, anstatt ihr die Personalauswahl gleich gänzlich von Anfang an zu überlassen, aber nun gut. Dann war es eben so.


    Damit waren sie wohl für den Moment fertig, denn die Krähe löste ihre Audienz auf. So neigte sie nochmal kurz den Kopf und zog sich dann zurück.
    Am besten sie lief gleich los zu Kyriakos, um ihm von dieser Entwicklung zu erzählen.

  • Velia stürmte vom Ganymed aus die Gassen der Subura entlang mit einem stetig wachsenden Gefühl von Ärger und Wut. Wie kam die Krähe dazu Kyriakos' Haus abzufackeln! Alles was recht war, doch das ging ihr ganz eindeutig gegen den Strich, vor allem, wenn das hieß, dass sie jetzt die Truppe durchfüttern sollte als ihre "Freundin", so nicht!


    Beim Haus der Krähe angekommen, marschierte sie bei den als Bettler verkleideten Wachen am Tor einfach vorbei, sie kannten sie immerhin und so hatte sie freien Zugang zum Haus. Dann hinein und die Treppe hoch in den ersten Stock. Dort dann nach rechts in den Korridor zu Archias' Büro und wenn.. ahja, da stand ja schon einer der beiden Bluthunde davor Wache, der Hausherr war also anwesend. Velia ging auf den Mann zu und sprach ihn an: "Ich muss mit Helvetius Archias sprechen! Jetzt!"

  • [Blockierte Grafik: https://www.byzantinisches-reich.eu/bilder/avatare/neuundsortiert/stand3/got242.png| Bursa


    Bursa hatte heute Wachdienst für seinen Herrn und stand mit verschränkten Armen vor der Tür zum Officium. Wie ein flammender Wirbelwind kam Velia die Hure durch den Korridor auf ihn zugebraust, irgendetwas musste sie ja ziehmlich aufregen.
    Doch sie kannte die Spielregeln und wusste was sich gehörte, denn sie blieb brav vor Bursa stehen und verlangte Einlass. Der Bluthund nickte ihr zu und klopfte dann an die Tür hinter ihm.
    Von ihnen erklang ein dumpfes "Herein!" Bursa öffnete die Tür einen Spalt breit und steckte den Kopf hinein. "Velia ist hier und wünscht dich zu sprechen, sofort."


    Archias staunte nicht schlecht. Soweit er wusste hatte er sie heute nicht zu sich rufen lassen. Jetzt gerade war Babilus bei ihm wegen eines Berichts und so hatte er eigentlich gar keine Zeit gerade für sie.
    Doch wenn eine eilige Zusammenkunft so sehr erwünscht war, musste es wohl etwas wichtiges sein, also warum dann nicht. Babilus konnte bestimmt warten mit dem Rest seines Reports. Archias nickte. "Sie soll reinkommen." Für die Gnade sie unangekündigt zu empfangen würde Velia dafür stehen bleiben müssen, denn den Stuhl vor seinem Schreibtisch hatte immer noch der Räuberhauptmann in Beschlag. Er hoffte für sie, dass es etwas wichtiges war, wenn es z.B. bloß um die neue Inneneinrichtung ihres gestern gewährten eigenen Lupanars gehen würde, wäre Archias ziehmlich ungehalten.
    Auch Babilus drehte sich mit interessierten Blicken nach der Prostituierten um, er hatte Velia immer gern im Auge.

  • Helvetius Archias‘ „Ungehaltenheit“ war noch gar nichts im Vergleich zu Velias glühendem Groll, als sie mit der Ausstrahlung einer kampfeslüsternen Harpyie das Zimmer betrat und sich neben Babilus vor dem Schreibtisch ihres Chefs aufbaute. „Salve ich habe mit dir zu sprechen, Helvetius Archias! Was fällt dir ein das Lupanar Ganymed niederbrennen zu lassen! Kyriakos hatte dir doch nichts getan!


    Mit auf der Tischplatte aufgestützten Händen erwartete sie die Antwort des Verbrecherbosses. Es war nicht direkt Zorn über die geschehene Tat, der sie so rasend machte, sondern viel mehr großer Ärger. Das und die Tatsache, dass sie auch in diese Geschichte mithineingezogen worden war durch ihr unüberlegtes Erscheinen beim Ganymed letzten Abend. Wie konnte ihr das Archias nur antun, diese miese verlogene Kakerlake!*


    Sim-Off:

    Naa hat jemand diesen letzten Fluch schon einmal aus einem bestimmten berühmten Fantasyfilm gehört? :D

  • | Räuberhauptmann Babilus


    Innerlich (so richtig wirklich würde er sich das natürlich niemals trauen) pfiff Räuberhauptmann Babilus, als diese Furie von einer Prostituierten ins Zimmer hereingewirbelt kam und den Chef aller Chefs anfuhr, als wäre dieser nicht mehr als ein ungezogener Straßenbengel. Ein kurzer Blick zwischen Velia und der Krähe hin und her, dann antwortete er: "Also falls ich da kurz einhaken dürfte. Ich und meine Männer haben erst neulich ein Lupanar namens Ganymed abgefackelt. Wollten einfach nicht zahlen, deshalb hab ich sie nochmal mit ein paar Männern besucht. Das übliche eben, Firmenpolitik und so weiter..." Anscheinend hatte Velia ihr jüngstes Opfer auch so gekannt, wenn Babilus es sich recht überlegte, so war es nicht weiter verwunderlich, dass eine Prostituierte und ein Lupanarbesitzer…


    "Babilus, bitte verlasse den Raum." befahl Archias auf einmal. Er blickte ganz ruhig zu Velia empor. Als Babilus nicht gleich reagierte wiederholte er seine Aufforderung. "Ich sagte geh hinaus. Sofort." Jetzt beeilte er sich dem Wunsch seines Herren nachzukommen, denn er ahnte, dass die Hure wohl jetzt Ärger bekommen würde. Er ging hinaus und schloss hinter sich die Tür. Archias wartete noch einen Moment, ehe er aufsprang und Velia anbrüllte: "Wie kannst du es wagen mich vor einem Untergebenen so bloß zu stellen! Tu das nie wieder, oder du wirst dir wünschen bereits als Kind gestorben zu sein!" Archias Gesicht hatte sich zu einer hässlichen Fratze verzerrt.

  • Irgendwo am Rande registrierte Velia, dass sie vermutlich einen winzigen Schritt (oder einen großen?) zu weit gegangen war, doch im Moment war es ihr egal. Sie befand sich bereits auf gefährlichem Terrain und wenn sie jetzt zauderte, oder Schwäche zeigte, wäre das ihr Verderben. Jetzt galt es mutig den eingeschlagenen Pfad weiter zu beschreiten, komme was wolle und die entsprechenden Konsequenzen zu tragen.


    Sie senkte leicht den Kopf als eine Andeutung einer unterwürfigen Geste, doch ihr Blick blieb hart und unentwegt auf Archias geheftet. "Das war nicht meine Absicht, es geht mir nur um das Schicksal meines.. Freundes." Kurz zuckte sie mit einem Mundwinkel. Es war höchst komisch und ungewohnt von ihr jemanden als "Freund" zu bezeichnen. "Kyriakos ist ein guter Mann der nichts mit der Obrigkeit zu tun hat und ein einfaches Leben in der Subura gefristet hat und jetzt hat er nichts mehr, da deine Männer ihm alles genommen haben! Das hat er nicht verdient!" Velia hoffte ja so sehr, dass sie mit ihrem Einsatz für den Lupanarbesitzer nicht gerade ihr eigenes Leben riskierte. Warum tat sie das alles hier gerade überhaupt?

  • Einerseits war es löblich, dass sich Velia so sehr für ihre Freunde und Verbündeten einsetzte, andererseits war Archias immer noch wütend auf sie, da sie es gewagt hatte seine Würde vor niederem Pack wie Babilus so sehr zu untergraben. Wäre jemand anderes als Velia vor ihm gestanden, derjenige wäre bereits tot.


    Nachdem Velia ihr Anliegen vorgetragen hatte, hob Archias verächtlich den Kopf. "Was kümmert mich ein mickriger Lupanarbesitzer? Es gibt derer dutzende in der Subura, was macht diesen also so besonders, dass du dich dazu bemüßigt fühlst meine Aufmerksamkeit ausgerechnet auf den zu lenken? Du hast Babilus zuvor gehört. Er hatte sich geweigert das Schutzgeld zu bezahlen, das meine Männer von ihm gefordert hatten und jetzt hat er dafür seine Quittung erhalten. Was also belästigst du mich also weiter mit diesem Fall?"

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!