• Hier endete sie also, seine schier unendliche Reise. Varro nickte den Wachen am Tor zu und ritt unter deren ungläubigen Blicken in das Castellum. Innen allenthalben geschäftiges Treiben, der ein oder andere erstaunte Blick.

  • Paullus Equitius Calenus war einer der jüngeren Decuriones, welcher noch keine eigene Turma unter seinem Kommando hatte. Seine Aufgaben fanden sich in der Logistik des Castellums. Er war derjenige der alles besorgen konnte und auch derjenige der alles wußte.
    Trotz seines Status war er heißblütig und glaubte an eine glorreiche, kriegerische Laufbahn.
    Unaufgefordert versorgte er Varro mit Informationen und tat ihm so manchen Gefallen.Als jüngster Sohn eines reichen Kaufmanns in Ostia hatte er wenig Aussicht auf ein größeres Erbe aber immer genug Bargeld bei sich um sich mit den besseren Ausrüstungsgegenständen zu versorgen. Auch jetzt wirkte er eher wie ein Tribun als ein Decurio.


    Er klopfte an Varros Türe und trat nach der Aufforderung ein.
    Salve, salve salve, mein brutaler Freund! Was macht Ostia?
    Sein umwerfender Charme und seine spöttische Art alles ins Lächerliche zu ziehen polarisierten zuweilen.

  • Varro, gerade wieder frisch eingekleidet mußte über das Auftreten seines Offizierskameraden schmunzeln. Er mochte ihn trotz seiner großkotzigen Art, denn er hatte ihn noch nie enttäuscht und war ein loyaler Kamerad.
    Er wies auf seinen Schreibtisch und meinte lakonisch;
    Ein paar Briefe deiner Familie,...es geht allen soweit gut.
    Seine Missio brachte ihn zur Einschiffung nach Ostia und auf dem Rückweg hielt er bei Calenus´Eltern an um Grüße und ein paar Briefe abzuliefern. Das machte eine Übernachtung nebst reichhaltigem Essen unumgänglich.
    Es zählte zweifellos zu den angenehmeren Erinnerungen seiner Missio.
    Er sah zu wie Calenus die Briefe und das reichlich gefüllte Ledersäckchen vor sich auf dem Schreibtisch drapierte und ihn freundlich ansah.
    Varro sah ihn kurz irritiert an,...hatte er sich die Augenbrauen zupfen lassen?
    Er schüttelte leicht den Kopf und meinte,
    Ich möchte ein kleines Fest geben, du weißt schon, gelungene Missio, ich bin jetzt 30 Jahre alt,...die Prima, ein paar Decuriones,...der übliche Kreis. Ein, zwei Spanferkel, Brot, Met, Vinum,...aber nicht den Essig den es sonst gibt,...es darf schon etwas besser sein. Er nickte und schloß,
    Und Süßkram...du weißt manche der Männer sind verrückt danach.

  • Calenus nickte verstehend und machte sich innerlich Notizen. Summa summarum 50 Personen, ich würde mal sagen das bekomme ich hin,...wo willst du feiern?
    Vor seinem geistigen Auge sah er schon die Örtlichkeit, wegen des Feuers für die Spanferkel mitten auf dem Campus, damit nachher nicht noch das Castellum in Brand geriet. Er dachte an ein, zwei Mann für die Grillarbeit und zwei drei Mann für die Bedienung.
    Da Varro nicht schnell genug antworten konnte bescherte er ihm einfach seine Planungen.

  • Die Vorschläge entsprachen seinen Vorstellungen. Wie er seine Kameraden kannte würde ohnehin mehr getrunken als gegessen, da würde auch noch genug für den einen oder anderen ungeladenen Gast sein.
    Nickend entgegnete er,
    Ich vertraue dir da völlig, Calenus,...aber was noch viel wichtiger ist,...was ist hier los? Weder Praefectus noch Subpraefectus sind vor Ort,...?
    Was nicht unerheblich war, denn wer hatte jetzt die Befehlsgewalt? Gab es Befehle für die Dauer der Abwesenheit?

  • Calenus, überquellend vor Mitteilungsbedürfnis holte zunächst einmal tief Luft und verschaffte Varro ein Bild der Lage, welches bei der Mannschaftsstärke begann über die Einsatzstärke bis hin zu den neuesten Latrinengerüchten. Und die beiden Hochgeborenen Herren weilen zur Zeit nicht im Castellum, weil sie beim LAPP irgendwelche Besprechungen mit anschließendem Stelldichein oder was weiß ich denn haben. Schien jedenfalls nichts außergewöhnliches zu sein. Also werden sie bald wieder hier auftauchen und Varro konnte in Ruhe seinen Bericht schreiben.
    Calenus rieb sich mit dem Zeigefinger die Schläfe und schloß;
    Noch was,...es gab ein gemeinsames Manöver mit Teilen der Legio II. Dabei haben sie wohl einige höchst zwielichtige Gestalten aufgegriffen und zur Vernehmung hierher gebracht. Ein Laticlavius der II. führt hier das Verhör...

  • Varro hatte inzwischen vor seinem Schreibtisch Platz genommen und lauschte dem Wortschwall dem er einiges entnehmen konnte. So stand es um die Kampfstärke der Numidia nicht eben besonders gut. Ein Umstand der Aushebungen erforderlich machen würde, denn Freiwillige gab es kaum noch. Aber das würde er noch mit dem Praefctus besprechen wenn er wieder im Castellum war.
    Das Verhör im Castellum machte ihn stutzig.
    Ein Laticlavus der Leg. II macht bei einer Auxilliareinheit ein Verhör? Sind die Carcer der Leg. II überfüllt? Außerdem hat der Laticlavus hier keinerlei Kommandogewalt und führt Verhöre? Weiß der Praefectus davon?
    Demnächst kommen noch Flussratten mit ihren Naurachus und übernehmen den Laden.
    Eine steile Falte trat Varro zwischen den Augenbrauen. Ein Zeichen des Unmutes.
    Er hatte ohnehin ein Problem mit diesen senatorischen Praktikanten im Militardienst. Seiner Meinung nach war dieser Teil der Ochsentour eine höchst umstrittene Sache. Man kann von Oben herab nicht lernen. Das kann man nur von der Pike an.Kopfschüttelnd fragte er.7
    Wer begleitet as Verhör? Cyrax?Was ja nicht das Schlechteste war. Cyrax war ein guter Mann.

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