• Adalheidis und die beiden angestellten Mägde Tordis und Tusnelda waren ab da jeden Morgen morgens früh auf den Beinen, um alles zu richten, was es zu richten gab und das war viel.
    Das Schlachten war durch einen auswärtigen Schlachter geschehen, nachdem sich Germanicus Cerretanus nicht wirklich dafür begeistern ließ.
    Adalheidis selbst zerschnitt eines der Schweine und salzte mit leichter Hand die verschiedenen Stücke.
    Das Schwierigste daran war es, das Rippenstück herauszuschneiden, um Koteletts herzustellen, die genau die richtige Mischung aus Fett und Magerfleisch aufweisen sollten, und nach germanischer Meinung kam danach das Beste am ganzen Tier: Die Schweinsfüße, die würde Adalheidis aber nicht auf dem Fest kredenzen, sondern sie abends braten und dem jungen Römer vorsetzen, denn etwas Gutes sollte er schon zuvor haben.
    Und nun ging es ans Därmeputzen, was keine angenehme Arbeit war, aber das musste doch sein, wenn man Würste haben wollte: Blutwürste (dazu musste im Bottich das Blut gerührt werden, damit es nicht gerann, das machte Tordis mit ihren starken Armen), Fleischwürste der groben und der feinen Sorte und Mettwurst und kräutergewürzte Speckwurst.
    Doch nicht nur an das Fleisch, auch an die Backwaren musste beizeiten gedacht werden, ein großer Berg
    wurde in dolia, den großen Steingutbehältern bis zu dem großen Tag gelagert.


    Tordis walkte den Teig, Tusnelda formte die Backwaren, und Adalheidis, das Gesicht hochrot und ihre blonden Haare kräuselten sich in der Hitze, stand über den Herd gebeugt und buk.


    Und dann gab es noch die Süßigkeiten vorzubereiten....die gefüllten Datteln... das rhodomeli, Honigrosenwasser, für die holde Weiblichkeit....und...und...und

  • Garten


    Adalheidis griente ein wenig, als sie in die Küche kam und meinte: "Der römische Gast hielt mich wohl für eine Sklavin. Dabei hätte ihm schon das Muster meines Rockes verraten, dass ich eine freie Frau bin."
    "Als ob diese Römlinge jemals genau hingucken....", schnaubte Tordis verächtlich. Sie saß auf einem Hocker, vor ihr lagen in einer Reihe tote Wachteln zum Rupfen:
    "Sie kamen hierher, stahlen unser Land..."
    Adalheidis brachte sie mit einer Handbewegung zum Schweigen:
    "Aber die Sesterzen des Germanicus Cerretanus nimmst du!", schalt sie: "Ich schlage vor, du gehst gleich zu ihm und sagst ihm, wie du die Sache siehst."
    Erschrocken schüttelte Tordis den Kopf.
    "Was der Gast erzählt, will mir nicht gefallen.", sagte Adalheidis:
    "In alten Zeiten sind die jungen Männer im Sommer losgezogen, um andere Stämme zu bestehlen und sich im Winter mit ihrem Heldenmut zu brüsten. Es gab nur wenige Tote und Gefangene wurden für gewöhnlich ausgetauscht. Doch seit die Römer hier sind, ist es anders."
    "Sie versklaven alle und streuen Salz auf die Äcker.", behauptete Tordis.


    Adalheidis verzichtete darauf, ihr zu erzählen, dass sie selbst als junges Mädchen einem fremden germanischen Stamm in die Hände gefallen war. Die Römer waren nicht schlimmer.
    Der nächste Winter - hoffentlich kam er früh in diesem Jahr. Adalheidis wusste schon, warum sie das wünschte.

  • " Erzähl mir doch einfach mehr. Vllt kann ich helfen." begann der Germanicer während Adalheidis wieder herumfuhrwerkte und den Mulsum aufwärmte.

  • "Zu helfen gibt es da leider nicht viel.", antwortete Adalheidis und stellte zwei Becher Mulsum hin, bevor sie sich setzte:

    "Ich bin eine Liberta, das weißt du vielleicht schon. Ich habe die Tochter meines Patrons aufgezogen, weil sie mutterlos war und sonst nicht am Leben geblieben wäre. Da ich nie das Glück eigener Kinder hatte, ist sie also ein wenig auch meine Tochter. Im letzten Jahr haben wir sie zur Erziehung nach Roma geschickt, um aus ihr eine junge Dame zu machen und um sie zu vermählen. Ich bin ihre Mutter, also spüre ich, dass meine Tochter unglücklich ist."

    Sie lehnte sich zurück, denn nun würde sie etwas sagen, an was Römer vielleicht nicht so recht glaubten, obwohl auch sie die Götter befragten, den Vogelflug lasen und die Omina wichtig nahmen. Aber manchmal war das nur wie eine leere Hülle, und der alte Glaube wurde nur noch aufrecht erhalten, weil man sonst Unheil fürchtete.

    "Ich habe einen Gott vor mir gesehen, der sie für sich haben will.", sagte sie: " Vielmehr zwei Götter, und beide sind wie ein Licht oder ein Feuer. Ach, Germanicus Cerretanus, lach über die Hirngespinste einer alten Frau!"

  • Oh. Cerretanus war überrascht über diese Informationen. Damit hatte er nicht gerechnet obwohl er immer wieder überrascht wurde von Adalheidis.

    " Wie heisst dein ehemaliger Patron?" wollte der Germanicer nun wissen.

    Die Vision der Germanin beachtete Cerretanus noch nicht.

  • "Lucius Valerius Maximus", erwiderte Adalheidis: "Maximus ist sein Name, kein militärischer Titel. Mein Patron ist er immer noch, nur mein Dominus nicht mehr."

    Sie stand noch einmal auf und holte etwas Gebäck und stellte es dem Germanicer hin:
    "Ich muss abwarten, welche Nachrichten aus eurem Sommerland kommen.", sagte sie: "Wenn es nur nicht so weit weg wäre!"

  • " Gut. Also...du denkst das deine Ziehtochter Hilfe benötigt? Dann soll sie die auch bekommen. Du kannst dich gerne nach Rom begeben um nach dem rechten zu sehen."

    Cerretanus brummte kurz. " Dass sie nach Germanien kommst ist wohl ausgeschlossen. Dein Patron ist ihr Vater sagtest du? Und ich denke nicht dass er damit einverstanden wäre sie wieder zurück zu schicken. Oder? Aber.....wenn ich mich dafür einsetze denkst du dass es Früchte tragen würde?"

  • Adalheidis jedoch schüttelte den Kopf:

    "Das ist gut gemeint, Germanicus Cerretanus. Aber euer Sommerland betrete ich nicht.

    Ich hoffe sehr, dass auch so alles seinen Lauf nimmt.

    Es ist schwierig, die eigene Bestimmung zu finden, wenn man weder ganz das eine noch das andere ist.

    Doch es taugt zum Brückenbauen.

    So wie du es auch tust, Cerretanus.

    Wenn die Mägde Tordis und Tusnelda in ihr Zuhause zurückkehren, wird es einen Römer geben, von dem sie nur Gutes zu berichten haben. Auch wenn man jetzt noch nicht glauben kann, dass das wichtig ist; vielleicht wird genau das eines Tages wichtig sein. "

  • " Naja...wie heisst es so schön..eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Und ein "guter" Mensch ändert nichts an der Welt.

    Ausserdem...was heisst hier man ist weder das eine ganz noch das andere? Ich glaube, also das ist jetzt meine persönliche Ansicht, dass es völlig egal ist wohin man gehören könnte oder sollte. Viel wichtiger ist dass man weiß wer man ist. Und wenn du mir nun sagst du weißt es nicht dann...dann.....ach vergiss es." Cerretanus verzog kurz die Mundwinkel. " Du bist du und niemand anderer. Und ich kann nur sagen dass ich froh bin dass du du du bist." Jetzt grinste er ihr frech ins Gesicht.

    " Iss jetzt weiter bevor es völlig kalt ist."

    Selbst löffelte er zufrieden weiter.

  • Adalheidis hatte von ihrer Ziehtochter gesprochen, die so ein bißchen in zwei Welten aufgewachsen war und nicht von sich selbst, aber sie verbesserte Germanicus Cerretanus nicht. Sie dachte nur bei sich, dass er sich irrte: Auch EIN guter Mensch machte zuweilen den Unterschied. Doch der Germanicus war noch jung; er würde seine eigenen Erfahrungen machen.


    "Ich bin auch froh, dass Du du bist.", sagte sie. Sie hatte den Römer herzlich gerne. Nun brachte sie das Thema auf die Mägde :

    " Tordis und Thusnelda haben treu gedient. Noch ist das Wetter gut genug, so dass sie zurück in ihr Dorf wandern können. Sie haben betagte Eltern, sagte Tordis. Wie scheint es Dir, wenn wir morgen die Mädchen auszahlen? Bestimmt wollen sie noch einiges einkaufen auf dem Markt.

    All das wird für ihre Familie eine große Freude sein."

  • " Da spricht nichts dagegen." " Sie haben ordentlich gearbeitet. Und da sie ja Freie sind können sie gehen wann sie möchten."

    Der Grund warum sie nach Hause wollten war für ihn sowieso keine Diskussion oder langes Überlegen wert.

    " Vist du so nett und gib ihnen etwas mehr als vereinbart. Und richte ihnen aus dass ich geren wieder ihre Dienste in Anspruch nehmen werde falls es möglich ist."

  • "Die Mädchen werden sich freuen.", sagte Adalheidis und dachte an die rebellische Tordis. Es war vielleicht nicht schlecht, wenn sie selbst Germanicus Cerretanus fragen würde, ob sie wiederkommen durften. Sie grinste etwas. Ja, Tordis sollte ruhig fragen.


    Denn am nächsten Tag schon wollten die Mägde aufbrechen, außer ihren verdienten Sesterzen würden sie wohl auch noch soviel an Essen mitnehmen, wie sie tragen konnten.


    Nun näherte sich Tordis Germanicus Cerretanus und druckste herum. Sie hatte ja in der Küche gerne große Reden über die bösen Römer und ihre Unterdrückung geführt.

    "Vielen Dank, Germanicus Cerretanus, für alles.", sagte sie: " Wenn meine Schwester und ich im nächsten Frühling wieder in der Casa Germanica arbeiten dürfen, würden wir uns sehr freuen."

    "Sie waren sehr fleißig und lernen schnell.", bestätigte Adalheidis und wartete auf die Entscheidung des Hausherren.

  • Der nächste Morgen war da und alles verlief wieder in ruhigen Bahnen. Keine Hetzerei, keine Menschen die herumwuselten und die Stille die in den vergangenen Tagen durch das Handwerken der Mägde und den anderen Bediensteten immer wieder unterbrochen wurde.

    Aber Cerretanus wollte und konnte sich nicht beschweren.

    Eine der Mägde, Cerretanus fiel auch sofort deren Name ein, kam an ihn heran. Dem Gesichtsausdruck nach hatte sie etwas vorzutragen, traute sich jedoch nicht was ihn amüsiert.


    " Wie kann ich helfen, Tordies. Heraus mit der Sprache" forderte er sie auf und wartete. Es dauerte dann noch einige Atemzüge bis Tordies ihm nun das sagte was sie beschäftigte.


    " Ach. Nichts zu danken. Ich muss mich bei euch bedanken denn ihr habt hart gearbeitet. Und gut gearbeitet." Dabei blickte er zu der älteren Germanin, die gleich nach der Frage Tordies ein Lob aussprach dass Cerretanus nicken bestätigte.


    " Ich weiß zwar nicht was nächstes Frühjahr sein wird. Oder wo ich sein werde aber wenn die Umstände es zu lassen dann seid ihr willkommen." Er lächelte der Germanin zu.

  • "Na dann nicht Lebewohl sondern bis zum Frühjahr, ihr habt den Hausherren gehört.", sprach Adalheidis.


    Sie schaute den beiden Mägden nach, die, die Kapuzen über die flachsblonden Locken gezogen, etwas gebeugt davon stapften: Sie hatten schwer zu tragen, aber sie halfen sich gegenseitig. Hoffentlich würden sie auf Reisende treffen, die ein wenig auf sie achtgeben würden. Es gab natürlich Wegelagerer und Diebe, doch die meisten Menschen, die man beim Wandern traf, waren auch nicht schlechter als man selbst.

    Bis zum nächsten Frühjahr also ....

    Adalheidis lächelte Germanicus Cerretanus an. Plötzlich merkte sie, dass sie den Römer regelrecht lieb gewonnen hatte, wie einen Sohn. Vielleicht bedeutete dies, dass sie ihn bald verlassen musste.

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