Officium der Verwaltung

  • Die beiden Eques hatten hatten das Castellum durchquert und hielten nun vor der Principia.


    Während die Pferde vor dem Stabsgebaudw angebunden warteten betraten die Beiden das, aus Stein, erbaute Gebäude und Andriscus steuerte mit weitausholenden Schritten jenes Büro an in dem sich Decurio Falvius Iustus Dienst tat.


    Dieser war quasi das Gegenstück des Praefectus Castrorum in der Legion.


    Kurz klopfte der Italiker und öffnete danach die Türe zum Officium.


    " Salve, Decurio" gleichzeitig salutierte er und verharrte in dieser Haltung bis der Decurio ebenfalls salutierte oder zumindest ein Zeichen gab.


    " Melde dass Eques Einar Virilis von der Grenzversetzung zurück ist. Eine Zuweisung einer Turma ist nun anstehend."


    Andriscus hatte nun seinen Teil getan. Den Rest hatten nun Virillis und Flavius Iustus zu erledigen.


    Kurz deutete er Virillis dass dieser eintreten sollte und verließ gleichzeitig den Raum, schloss die Türe und machte sich auf rechtzeitig zu der Besprechung vor Ort zu sein

  • Iustus sah von seinem Dokument auf und nickte Andriscus zu. Danke Duplicarius,...Dieser Andriscus,...Iustus freute sich immer ihn zu sehen. Ein tüchtiger Kerl. Es müsste mehr von ihm geben. Allerdings sollte er aufhören in einem Officium den gesamten Gruß auszubringen. Er hatte ihm schon hundertmal gesagt, ein knapper Gruß mit Anrede reicht, immerhin war er kein Niemand hier im Castellum. Nachdem der fremde Eques eingetreten war erhob er sich und trat an den Tresen der den kleinen Vorraum vom Officium trennte.
    Vor ihm lag die Einteilung der Turmae...mal sehen wo man ihn sinnvoll einsetzen konnte.
    Er wartete zunächst einmal ab ob der Neue ebenso mustergültig grüßte wie Andriscus.

  • Fango wusste nicht, ob er hier richtig war, aber notfalls würde man ihn schon weiterleiten. So zückte er seine zierliche Faust (die etwas ramponiert aussah, da sie kein hartes Training gewohnt gewesen war vor der Ala) und klopfte guter Dinge an die Tür.

  • Iustus sah von seiner Rolle auf, sah den Jungspund und erinnerte sich, Tiro Iunianus,...was gibt es? Iustus erinnerte sich an jeden Namen.

  • "Salve", grüßte Fango nach dem Eintreten und rollte sogleich den Brief aus, den er erhalten hatte, um ihn dem Mann richtig herum hinüberzuschieben. "Das Untere ist wichtig." Er tippte auf den entsprechenden Absatz.


    Roma, ANTE DIEM XII KAL DEC DCCCLXX A.U.C.


    (20.11.2020/117 n.Chr.)


    Ad

    Iullus Iunianus Fango

    Ausbildungsturma

    Castra Alae II Numidiae

    Mogontiacum



    Betreff: Familienbande



    Mein lieber Neffe,


    ich weile momentan in Roma bei deinem Bruder in der Casa Leonis. Ja, du hast richtig gelesen: Ein Atriumhaus bewohnt Scato nun mit einem Kameraden namens Purgitius Lurco und drei Sklaven. Einer ist euer alter Lehrer Terpander, der andere dein entlaufener Cassivellaunus, dem ich persönlich die Hammelbeine langgezogen hätte, doch sie haben ihm stattdessen ein Ohr abgeschnitten. Scato und Lurco bewohnen dieses riesige Anwesen für sich allein, betreiben eine Taberna und vermieten einige der Räume. Man kann sich hier wohlfühlen und für die noch fehlenden Tauben habe ich gesorgt.


    Doch all das ist nicht der Grund, warum ich dir schreibe.


    Ihr seid nun Waisen und in eurer Gens praktisch allein. Meiner Ansicht nach seid ihr dafür zu jung und ein wenig mehr Familie hat noch niemandem geschadet. Ich möchte euch darum anbieten, der Vater zu sein, den ihr nicht mehr habt. Ich möchte euch adoptieren.


    Wenn du dies möchtest, komme bitte nach Roma, so lange ich hier noch weile, damit wir dies in die Wege leiten können.


    Virtute et fidelitate.


    Dein Onkel

    SISENNA SEIUS STILO


    "Mein Onkel will meinen Bruder und mich adoptieren", fasste er den Inhalt zusammen. "Dann wäre ich das Iunianus im Namen los."


    Wenngleich er seine Mutter sehr geliebt hatte, war ihm die Abstammung von einer ehemaligen Sklavin unangenehm. Eine Aufwertung des Namens konnte auch seiner Karriere nur förderlich sein. So weit die offiziellen Gründe. Dass Fango den Onkel Stilo mit den Muckis mochte und eines Tages viel lieber zu ihm und dem Anwesen nach Kappadokien heimkehren würde als zum verwaisten Haus in Mantua, war dabei für einen geselligen Menschen wie Fango noch wichtiger, aber wohl weniger dazu geeignet, als Grund vorgeführt zu werden.


    "Ich müsste für die Adoption allerdings nach Roma reisen ..."

  • Iustus las sich den Schrieb durch in seiner unendlich langsamen, pedantisch anmutenden Weise. In Wirklichkeit hatte er einfach nur Probleme die kleinen Buchstaben zu erkennen, seine Augen wurden zunehmend schlechter.

    Nun,...brummte er nach einer Weile. Du weißt schon, daß es den Tirones während der Grundausbildung nicht gestattet ist das Castellum zu verlassen?! Fast schon ein wenig mitleidig sah er den kleinen Mann an.

    Ausserdem ist ein Ausgehverbot für das gesamte Castellum wegen der allgemeinen Alarmgebung geplant. Du weißt schon daß wir mit Germanenangriffen rechnen?

    Iustus wußte, daß der Praefectus diesen Terminus mit den Stabsoffizieren erörtert hatte. Der kleine Iunianus brauchte schon einen mächtigen Fürsprecher wenn er tatsächlich hier heraus und nach Roma wollte.

  • All das hatte Fango schon gehört ... aber er war sich nicht im Klaren gewesen, wie Ernst es damit war und dass selbst die Tirones offenbar einen wichtigen Beitrag zu den bevorstehenden Germanenangriffen beisteuern sollten. Er schaute auf das Papyrus unter den Händen des Soldaten. Dann nickte er.


    "Ja, davon habe ich gehört. Du weißt nicht zufällig, ob man die Adoption einfach per Brief machen kann? Oder wenn ich einen Vertreter von mir schicke mit einer Vollmacht? Sonst wird die Adoption eben warten müssen, bis Onkel Stilo irgendwann mal wieder lang genug Urlaub bekommt, um nach Roma reisen zu können und ich zeitgleich auch. Davon geht schließlich das Imperium nicht unter."


    Wenn alle Verteidiger wegen jeder Lappalie Urlaub nehmen wollten, hingegen vielleicht schon. Fango hatte nicht vor, noch mehr Extrawürste herauszuschinden. Es war ärgerlich genug, dass er wegen seiner Winzigkeit so viele nötig hatte, da musste er nicht auch noch welche wegen seiner Familienangelegenheiten obendrauf packen.

  • Iustus war erfreut das zu hören. Der Junge hatte die richtige Einstellung. Er rieb sich das Kinn und meinte, Wir schicken in den nächsten Tagen eine Formation unter Decurio Paullus Equitius Calenus

    nach Roma um den neuen Subpraefectus abzuholen. Mal sehen was man da machen kann. Iustus musterte den Kleinen. Bis dahin solltest du sattelfest sein, sonst ist´s Essig mit der Missio!

  • Die Aussicht auf zusätzliche Übungseinheiten schreckte ihn nicht im Mindesten. Er würde sich etwas einfallen lassen, um Tisander und Alwin dafür zu entlohnen, dass sie mit ihm trainierten, dann würde das schon werden.


    "Das ist total nett, vielen Dank", sprach er erquickt. "Ich werde reiten üben, bis mir der Arsch glüht! Tissi kann reiten und Alwin ebenfalls, sie werden es mir beibringen jeden Tag nach der Ausbildung, bis ich es kann."


    Fango machte sich nichts aus den üblichen Freizeitvergnügungen, denen viele der Kameraden nachgingen. Weder zog es ihn nach Mogontiacum zum wilden Nachtleben, noch hieß er es gut, wenn jemand Alkohol in die Castra schmuggelte und sich alle kollektiv betranken, nur um am nächsten Tag verkatert zu sein. Wenn andere ihrer Freizeit frönten, lag Fango mit seinen Papyri und Schreibzeug bei Lampenlicht (er besaß eine Hängelampe) in seinem Bett. Das lag vielleicht auch daran, dass er keine Freunde hatte, wobei die Kausalität auch umgekehrt sein könnte.

  • Iustus sah ihn konsterniert an...Nett? Er war sicher umgänglich, aber nett? Na schön,...du bekommst dann einen Marschbefehl. Ich empfehle dir deinen Hintern nicht zum Glühen zu bringst...der Weg nach Roma ist lang, auch ohne glühenden Hintern. Er ließ ein ernstes Nicken folgen und schloß. Abite Tiro.

  • Den erschütterten Blick des Soldaten brachte Fango nicht in Verbindung mit seiner Äußerung, sondern meinte, dass dieser besorgt sei, so dass er ihn gleich noch ein Stückchen netter fand. Er rollte den Brief wieder zusammen, während er gedanklich schon die Zeiteinheiten der künftigen Tage hin und her schubste, um die Lücken möglichst effizient zu nutzen. Vielleicht sollte er auch Geschenke für die Sippschaft mitbringen ... irgendwas Germanisches.


    "Jawohl", sprach er und salutierte, ehe er abtrat, um auf direktem Wege Tisander aufzusuchen.


    RE: Ausbildungsturma Ala II Numidia >>

  • Tisander stürmte regelrecht in das Büro, vergaß aber in seiner Eile nicht seinen zackigen Gruß. „Salve. Der Kleine kann nicht ohne mich nach Rom reisen.“, legte er gleich los. "Zu zweit sind wir wirklich stark und gut.“ Ohne Überheblichkeit und überzeugend kamen seine Worte von ihm. Ihm ging es nicht um Rom sondern um den Iunier. Er spürte es genau sie wuchsen zusammen. So etwas war ihm noch nie passiert. Zu Hause war immer von Brüdern, Vettern und Freunden umgeben gewesen, doch in Rom hatte er sich meist einsam und alleine gefühlt. Jetzt wollte er einfach das diese Freundschaft weiter wuchs.

  • Iustus sah von seiner Arbeit auf. Er war äußerlich ruhig und gefasst wie man es in seinem Alter nur sein konnte.

    Salve Tiro,...Tisander...sein Gesichts- und Namensgedächtnis funktionierte nach wie vor.

    Mein Dienstgrad lautet Decurio, mein Name Cantilius Festus.

    Langsam erhob er sich,...soviel Zeit muss sein! Sein Gesichts verlor die gutväterliche Prägung.

    Also Tiro! Nuntio!

  • Mist, ich habe es doch gewusst, fluchte Tisander innerlich. Trotz allem verwunderte es ihn, dass der Decurio sich noch an ihn erinnerte.

    Sofort nahm er Haltung an und begann: „Salve Decurio Cantilius Festus, Tiro Tisander erbittet die Erlaubnis den Tiro Iullus Iunianus Fango nach Rom begleiten zu dürfen“.

    Vor Aufregung kaute er an seiner Unterlippe herum. Verärgert stellte er fest, so etwas habe ich noch nie gemacht.

  • Festus fragte sich ob er hier in irgendeinem Strassentheater stand oder in seinem Officium. Er räusperte sich kurz und sammelte sich auf diese Weise ein wenig. Tiro Tisander,...ich weiß nicht ob du dir im Klaren darüber bist, daß du sehr,...seeehr weit unten in der Befehlskette stehst. Seine rechte Augenbraue wanderte nach oben als er fortfuhr. Du kannst dir daher sicher sein, daß es Offiziere gibt, die sich mit der Zusammenstellung von Truppenbewegungen, Reisen oder Missionen befassen. Er rang die Versuchung nieder den zweifellos nicht grundlos hergekommenen Tiro achtkantig rauszuwerfen.

    Stattdessen wandte er sich ab und griff zielsicher eine Rolle aus einem Regal. Rollte sie auseinander, las kurz und rollte sie wieder zusammen. Ruhig wandte er sich um, sah den jungen Tiro an und meinte,

    Decurio Germanicus hat die Reisegesellschaft bereits zusammengestellt. ..seltsamerweise hat er auch dich eingeteilt,...wohl damit der gute Iunius ein bekanntes Gesicht dabei hat...es wird jedoch noch offiziell bekannt gegeben wer nominiert wird...und nun wegtreten Tiro.

  • <<< RE: Ausbildungsturma Ala II Numidia


    Vor der Tür wartete Fango und lauschte, so weit man die Worte verstehen konnte, ohne das Ohr an die Tür zu pressen. Tisander machte alles falsch, aber er konnte ja schlecht reingehen, ihn zur Seite schieben und dessen Meldung übernehmen! Trotzdem schien das Vorhaben von Erfolg gekrönt zu sein. Tisander würde ihn nach Roma begleiten! Vor lauter Vorfreude biss sich Fango auf den Zeigefinger und wartete, bis sein Freund wieder aus dem Officium kommen würde.

  • Tisander meinte zu spüren, wie er bei den Worten des Decurio, kleiner und kleiner wurde. Sich auf noch schlimmeres wappnend hörte er mit Verblüffung, 'seltsamerweise hat er auch dich eingeteilt'. Der Verblüffung in seinen Gesichtszügen folgte ein Erstaunen, Erleichterung und schließlich ein unterdrücktes triumphierendes Lächeln.

    Schnell um sich nichts zu verderben presste er ein. „Danke Decurio Cantilius Festus“, heraus, salutierte zum Abschied und eilte nach draußen.
    Kaum draußen, entglitt ihm wie nach einem gewonnen Wagenrennen ein lautes: „JA“, mit emporgewobener Faust. Erst dann erblickte er Fango, hielt inne, grinste wie ein Honigkuchenpferd und meinte: „Du wirst mich einfach nicht los.“

  • Als ob Fango das wollte. Die beiden grinsten um die Wette. "Ich sag ja, voll nett der Decurio. Schlag ein!"


    Er hob die Hand, damit Tisander reinklatschen konnte. Für heute hatten sie genug geübt, bald war Schlafenszeit und baden und essen wollten sie vorher auch noch. So wurde es Zeit, die heutige Reitübung zu beendenden, sodass sie den anstrengenden, aber erfolgreichen Tag in Ruhe ausklingen lassen konnten, ehe sie sich in ihren Betten einkuschelten.

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