Cubiculum Hospitale


  • Dies war eines der zweckmäßig eingerichteten Gästezimmer der Casa Valeria. Darin standen ein Bett, dessen Gestell wie üblich so hoch war, dass man mit Hilfe eines Schemels hineinklettern musste, eine Truhe für Habseligkeiten, zwei noch zusammengeklappte Klappstühle und ein runder Tisch. Das Fenster ging auf den Hortus hinaus und bot Aussicht ins Grüne.
    Etwas bequemer und wohnlicher wurde das Cubiculum durch eine Anzahl bunter Kissen, deren Bezüge und die Bettüberdecke Maximilla nach einem komplizierten germanischen Muster an ihrem Webstuhl selbst gewebt hatte.
    Eine Waschschüssel und ein Krug Wasser sowie Handtücher und ein Stapel Gästetunikas rundeten die Einrichtung ab.

  • Stella war ihrer neuen Freundin, zumindest war dies inzwischen anzunehmen, mit ihren Blicken gefolgt. Dabei gab sie Valeria vorsichtige Antworten, um nicht zu viele Geheimnisse zu offenbaren, die mitunter bedrohlich oder zerstörerisch waren. "Ich bin eine Römerin oder auch nicht ganz...," stellte sie fest aber antwortete dann doch ehrlicher, als eigentlich gewollt. "Zumindest eine Römerin, die noch an ein Rom glaubt und nicht so eine Römerin, die keine Ehre besitzt und sich mit diesem neuen Rom anfreunden kann, welches Eigennutz und Selbstgerechtigkeit über den Wert von Gerechtigkeit und Tugend stellt." Stella überlegte, dass sie Valeria vielleicht erklären sollte, warum sie einen germanischen Dialekt sprach. Und warum sie eigentlich auch eine Germanin (Marserin) war. Doch war die Furcht so groß, dass Valeria es nicht verstehen würde und gleichzeitig war die Angst da, dass all das, was ihr Vater mühsam für sie hinterlassen hatte, verschwinden konnte. Ihr Name war mitunter das einzig wahre Vermächtnis ihres Vaters und dieser Name war in Gefahr. "Es ist eine lange Geschichte, warum ich eine andere Sprache spreche. Es ist aber keine Geschichte, die ich sofort erzählen möchte," meinte sie und deutete dann zum Raben. "Du kannst ihn gerne rauslassen." Sie machte eine Handgeste und lächelte dabei. Fast schon wirkte es so, als ob sie einen Zauber mit ihrer Hand wirkte, um den Sklaven auf ihre Schulter zu locken. "Können wir noch kurz warten?" Stella wollte noch nicht sofort aufbrechen aber ihre neue Freundin wollte scheinbar direkt aufbrechen, um Stella ihre Übernachtungsmöglichkeit zu zeigen. Die Tiberia nickte langsam, blickte noch einmal zum Raben und stand dann auf. "Einverstanden," antwortete Stella, bevor sie zwei mal blinzelte. "Ich folge dir." Als die beiden Frauen das cubiculum der Valeria hinter sich gelassen hatten, wagte es Stella, sich ein wenig umzublicken und bewunderte das Haus ein wenig. Sie hatte lange kein echtes Haus mehr gesehen, sondern kannte nur heruntergekommene insulae und villae rusticae.


    Sim-Off:

    Ich nehme jetzt einfach mal an, dass beide jetzt im Gästezimmer sind. Wenn nein, einfach anschreiben. ^^


    Als beide das Gästezimmer erreichten, strahlte Stella, da sie in einem echten und aufgebauten Bett einen unbeschreiblichen Luxus sah. "Ein echtes Bett!" Stella machte einen kleinen Luftsprung hinein und wandte sich dann an Valeria. "Danke, danke!" Stella lächelte, wie eine aufgehende Sonne.

  • Valeria Maximilla presste eine Hand auf den Mund: "Entschuldige, das war mein Fehler.", sagte sie: "Man fragt Gäste niemals am ersten Abend aus." Sie öffnete die Tür des Vogelkäfigs.

    Graius kam heraus, flatterte eine Runde und ließ sich dann auf Tiberia Stellas Schulter nieder. Mit schief gelegtem Kopf beäugte er sie.

    "Oh, das macht er sonst nur bei mir!", rief die Valeria erstaunt aus und dann: "Du erinnerst mich an jemanden, Stella, weißt du das. Du siehst ganz anders aus, aber du hast etwas an dir wie - Adalheidis, meine germanische Ziehmutter. Sie stand manchmal nur so da, und Graius saß auf ihrer Schulter, und sie tat überhaupt nichts, aber ich hatte den Eindruck, die ganze Welt drehe sich um sie und mit einer Handbewegung könnte sie allem Einhalt gebieten...jetzt rede ich wieder verqueres Zeug...."

    Sie hielt inne und erneut die Hand vor den Mund. Das tat sie oft, als könne sie unbedachte Worte zurückholen. Dann zeigte sie ihrer neuen Freundin das Gästecubiculum.

    Die Freude der Tiberia über das zwar bequeme, aber schlichte Zimmer rührte sie.

    Und so sprach sie die Worte, die man schon von altersher gesprochen hatte, als man sich nicht sicher sein konnte, ob der Gast nicht doch die Gottheit wäre, und ihn daher mit göttlichen Ehren empfing:

    "Mein Haus ist dein Haus, Tiberia Stella. Du bist willkommen. Bleib solange du möchtest."

  • Warum war es für Stella manchmal so, dass sich Geister durch den Raum bewegten und sie stets einluden? Geister der Vergangenheit, die stets ihre Gesichter nicht zeigen konnten aber so deutlich für Stella anwesend waren, dass es sie fröstelte. Der Rabe flog tatsächlich auf ihre Schulter und verweilte dort. Die Tiberia schmunzelte und fuhr vorsichtig mit ihrer Hand hoch, um das Gefieder des Rabens sehr sanft und vorsichtig zu streicheln. "Die Welt dreht sich um jeden und gleichzeitig um niemanden, Valeria." Nun traute sich Stella, den Raben direkt anzublicken und empfand seine Erscheinung als angenehm und ebenso die Tatsache, dass dieses Haustier auf ihrer Schulter platz genommen hatte. Seine Krallen gruben sich nicht einmal tief in ihrer Schulter. Der Vogel war sehr vorsichtig und das verwunderte Stella positiv. "Du redest kein verqueres Zeug. Du sagst, was du fühlst und denkst. Das ist etwas Gutes," meinte die junge Frau und lächelte nun erneut zu Valeria, bevor sie sich - mit dem Raben auf der Schulter - aufgemacht hatten. Im Gästezimmer, durch den Luftsprung von Stella, flog der Rabe davon und setzte sich auf das Bett, wo er Stella und Maximilla frech anblickte. "Ich kann mich nicht genug bedanken, Valeria. Wenn du jemals etwas von mir brauchst, sprich' mich einfach an," sagte die Tiberia und verstand diese Aussage als ernstes Versprechen. "Du bist so gut zu mir. Ich kann dir nur eine gute Freundin sein, Valeria," erklärte Stella mit einem Nicken und legte dann ihre Hand auf das Handgelenk von Valeria. "Ich verspreche es," sprach die Tiberia und nickte abermals, bevor sie die Hand vom Handgelenk zurück zog und sich neben den Raben auf das Bett setzte, um den Vogel erneut zu streicheln. Inzwischen hatte sie jede Scheu vor diesem eigentlichen wilden Tier verloren. Irgendetwas sagte ihr, dass dieser Rabe ein Freund war.

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!