Atrium | Aemilia Faustina

  • Victor kam mit einer Rolle aus seinem Cubicullum zurück und die illustre Gesellschaft weilte immer noch im Atrium. Leicht genervt stieß er die Luft aus und stiefelte gerade zu auf seinen Groß-Onkel zu. Dieser wirkte zumindest auf Victor so als wär er momentan lieber woanders als hier.

    Stella war immer noch klamm, aber wohl im Begriff abzuziehen. Er wunderte sich warum sie in den nassen Klamotten noch hier stand und nicht schon längst...naja, egal.

    Onkel,...er trat auf das Grüppchen zu. Nickte den Frauen kurz einen Gruß zu und wandte sich wieder an Menecrates.

    Ich, ähem,...ich frage mich wann du etwas deiner kostbaren Zeit erübrigen kannst,...ich möchte dich über wichtige Sachstände in Kenntnis setzen.

    Schön vornehm und schön steif. Victor beherrschte die Klischees.

    Vielleicht bot sich für Menecrates nun auch die Gelegenheit sich aus dieser Melange zu lösen.

  • Sein Plan ging nicht auf, weil keiner seine Gedanken lesen konnte. Menecrates hasste es, sich anders verhalten zu müssen als er fühlte, und anderes zu sagen als er dachte. Aber noch viel mehr als das verabscheute er Frauengespräche. Kochen, Kindererziehung, Einkaufen, Wehwehchen behandeln, alles Dinge, die ihn - könnte er frei zu seinen Gefühlen stehen - laut schreiend davonlaufen ließen. Plötzlich fiel es ihm wie Schuppen von den Augen: Er verschrieb sein Leben nicht alleine deswegen dem Militär, um seine Familie abzusichern und zu Ansehen zu verhelfen. Er flüchtete auch vor dem Alltag mit seinen beiden Gattinnen und der Kinderschar. Kleine Kinder fand er besonders nervig. Je größer sie wurden, umso mehr konnte er mit ihnen anfangen. Er spielte nie mit ihnen, aber er tauschte Gedanken aus und hörte zu. Die erneute Erkenntnis, ein schlechter Vater gewesen zu sein, traf ihn dieses Mal besonders schwer. Er würde an seinen Enkeln und Schutzbefohlenen noch mehr gut machen müssen als bisher, um die Versäumnisse der Vergangenheit halbwegs auszugleichen. Seinen Kindern nützte diese Einsicht nichts mehr. Er seufzte hörbar, riss sich dann aber zusammen und nickte Stella zu. Sein Lächeln wirkte nicht nur ehrlich, es kam von Herzen. Hilfe gab er ungeachtet der Mühen und Kosten. Einzig die anstehende Unterhaltung zwischen Stella und Faustina grauste ihn.

    Doch dann - die Götter hatten ein Einsehen mit ihm - sah es danach aus, als wolle Faustina gehen. So sehr er sich erleichtert fühlte, trübte das schlechte Gewissen seine Stimmung. 'Dieser verdammte Balanceakt zwischen Pflicht und eigenem Bedürfnis!' Mit einem schlechten Gewissen konnte er kein bisschen besser umgehen. "Richte deinem Vater aus, ich komme in den nächsten Tagen. Ich werde außerdem Stella mitbringen." Er lächelte, denn der Plan gefiel ihm. Wenn Stella und Faustina Frauenthemen austauschten, konnte er in Ruhe mit Lepidus über die wichtigen Dinge dieser Welt diskutieren. Falls Ablenkung keine Lösung für den Freund darstellten, könnte Menecrates auch zuhören oder tröstende Worte finden. Bei Männern konnte er das, Männer tickten anders. Sie weinten selten, fielen nicht um den Hals. Menecrates, der sich stets schwer tat, private Konversationen zu führen, bevorzugte eindeutig Zweiergespräche mit Tiefgang. Seichter Konversation, Alltags- und Frauenthemen wich er, wo er konnte, aus. Es gelang nur wenigen, durch seine Abwehrmauer zu brechen.

    Faustinas letzten Satz überhörte er. Was hätte er auch darauf antworten können, ohne sich zu winden. Menecrates wollte unter keinen Umständen ein schlechter Onkel sein, aber vor allem wollte er nicht lügen.


    Im nächsten Moment tauchte Victor auf. Die Götter schickten ihm tatsächlich Victor zu Hilfe. Er schickte ein stille Stoßgebet nach oben und nahm sich vor, am nächsten Morgen etwas Besonderes zu opfern.

    "Ich hätte sofort Zeit", versicherte er freimütig. "Die Damen wollte beide gerade gehen. Faustina", er wandte sich an Aemilia, "das ist mein Großneffe Victor." Er sah zu Victor und wies auf seinen weibliche Gast."Faustina Aemilia, die Tochter meines Jugendfreundes", erklärte er lächelnd.

    Anschließend wartete er ab, ob die jungen Leute noch ein paar Worte wechseln würden, bevor er einem Sklaven anwies, Faustina zur Porta zu begleiten. Er hoffte, Iulia würde nicht mehr an den Wolf denken, den er ihr versprochen hatte zu zeigen.


    Als die Gäste und Stella das Atrium verlassen hatten, ließ sich Menecrates erschöpft in einen der Korbsessel fallen. "Ich brauche jetzt Wasser mit einem Schuss Wein."

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