[Officium] Tribunus Angusticlavius Titus Tuccius Tychicus

  • Tribunus Angusticlavius

    Titus Tuccius Tychicus


    Eine Beschwerde an passender Stelle* hatte dazu geführt, dass der Tribun zähneknirschend davon absah, seinen Papierkrieg in den eigenen vier Wänden zu erledigen. Er war nun wie jeder andere Stabsoffizier zu den entsprechenden Zeiten in der Principia anzutreffen.


    An Prunk ließ sein Officium es nicht mangeln; das Mobiliar war neu und stilistisch dem hellenischen Kulturkreis zuzuordnen. Die Wandmalereien wurden regelmäßig erneuert, um einem Verblassen entgegenzuwirken. Sie erinnerten an das alte Seleukidenreich von Alexander dem Großen - nicht unbedingt politisch korrekt, doch da es längst untergegangen war, sagte auch niemand etwas dagegen. Wenn der Tribun irgendwann seinen Posten verließ, würde man sie genüsslich übermalen.


    Müßig zu erwähnen, dass auch die Schreibkraft den ästhetischen Ansprüchen des Tribuns gerecht werden musste und sich alle Mühe gab, nicht allzu deutlich sichtbar zu altern. Die im Entstehen begriffene Halbglatze machte dieses Unterfangen nicht leicht und führte zu bemerkenswerten Frisurkreationen des unglücklichen Mannes.


    Sim-Off:

    * ;)

  • Einer gebändigten Naturgewalt gleich, bewegte sich der Tiberius durch Korridore der Principia, nachdem er darüber informiert wurde, dass der neue Praefectus noch nicht eingetroffen war. Er war nicht zornig über den Umstand, sondern darüber, dass sich in dieser Legion Dinge sehr langsam entwickelten und ein Praefectus seinen Posten nicht dauerhaft bezog. Immerhin war der Praefectus nicht ein austauschbarer Mann, sondern ein wichtiger Anker der gesamten Befehlsinfrastruktur. Doch Coriolanus bemühte sich, diesen für ihn unhaltbaren Zustand auszuhalten und seine eigenen Angelegenheiten und Aufgaben in den Vordergrund zu rücken. Mit einer bemüht langsamen Bewegung, die seine Eile unterband, öffnete er die Tür zur Schreibstube des Tribun Tuccius. Auch hier meldete sich der Tiberius militärisch vorbildlich unter Nennung seines Ranges und Aufgabe an.

  • Der Benefiziarier mit der markanten Frisur erhob sich und grüßte ebenso korrekt zurück. Er verschwand kurz in der Tür hinter seinem Schreibtisch, die direkt ins Officium des Tribuns führte. Wenig später kam er wieder zum Vorschein und bat Coriolanus hinein. Hinter ihm schloss er leise wieder die Tür.


    Wenn Coriolanus eintrat, würde er nicht nur den Tribun an seinem Arbeitsplatz sehen, sondern auch dessen Sklaven Chwasak, der ihm anbot, ihm die Hände und das Gesicht mit einer Schale kaltem Wasser zu reinigen. Außerdem standen frisches Wasser und Posca bereit - und eine Karaffe guten Wein, um diesen mit Wasser verdünnt zu trinken, sollte dem Centurio danach sein. Tychicus wartete den Gruß ab. Er war ein kleiner älterer Herr, der sich sehr soldatisch bewegte, aber eine durchaus charmante Mimik besaß.


    "Salve, Centurio. Schön, dich wohlbehalten wieder in der Castra zu wissen. Dann lass mal hören, was du zu berichten hast. Die Erfrischungen sind für dich, bedien dich. Wenn du noch etwas brauchst, gib Chwasak Bescheid und er wird sich darum kümmern."


    Der Centurio sah mitgenommener aus, als zu erwarten gewesen wäre, was Tychicus durchaus nicht entging. Er fragte sich, was es wohl zu berichten gäbe, dass der zweifelsohne fähige Mann sich in diesem Zustand befand.

  • Es dauerte nicht lange. Zu seinem Glück, denn er hatte noch nichts getrunken, da er die Trinkflasche seinem Sklaven überlassen hatte. Coriolanus war nicht der Mann, der sich vordrängelte und anderen etwas Lebensnotwendiges streitig machte. Er wirkte zwar unnahbar, herrisch und in allem sogar abgebrüht aber er war kein echter Unmensch. Der Tiberius nickte dem Benefiziarier zu, wechselte noch ein kurzes Wort mit diesem, indem er über die furchtbaren Latrinen der Legion scherzte und trat dann ein. Der Soldat schloss die Tür hinter ihm. Coriolanus blickte sich aufmerksam um, wobei immer noch etwas sandiger Staub aus seinen Haaren fiel. Er hatte noch nicht die Gelegenheit, die Therme des Lagers aufzusuchen, da die Vorschriften zwar einen sauberen Soldaten erzwangen aber auch gleichzeitig eine sofortige Meldekette verlangten. Der Centurio konnte sich erst frei im Lager bewegen, nachdem er Meldung bei einem geeigneten Offizier gemacht hatte. Erst jetzt fiel ihm der Sklave auf, der ihm eine Schale mit Wasser anbot. Coriolanus griff selbstverständlich auf dieses Angebot zurück. Mit einer andächtigen Bewegung reinigte er erst seine Hände, indem er diese ins Wasser tauchte, ließ sich dann vom Sklaven ein Tuch geben, um dieses im Wasser anzufeuchten, um sich dann über das Gesicht zu waschen. Der Sklave musste wenig eingreifen, da es Coriolanus gewöhnt war, die meisten Arbeitsschritte selbst zu erledigen. Ein weiteres Tuch diente der Trocknung. Zum Abschluss reichte er beide benutzten Tücher an den Sklaven zurück. Mit einem stoischen Nicken bedankte sich Coriolanus. Nachdem er einigermaßen hergerichtet war, trat er einen Schritt vor und nahm Haltung an. "Tribun," grüßte er militärisch und reihte dann seine übliche Vorstellung an: "Centurio Tiberius Coriolanus, ad missio, centurio statorum, beneficarius, legio XV." Einen kurzen römischen Salut deutete er nur an, da dieser unter Offizieren nur die Form genügte. Glücklicherweise gab der Tribun die Getränke frei, so dass sich Coriolanus bald bedienen würde, nachdem er seinen kurzen Bericht abgegeben hatte. Er zog aus seiner Ledertasche jene beschriebene Tabula und legte sie auf den Arbeitstisch des Tribuns. "Der schriftliche Bericht," erklärte er und tippte zweimal mit dem Finger auf die verschlossene Wachstafel. "Ich bin ebenso froh wieder hier zu sein. Das praesidio war zwar eine spannende Aufgabe aber auch nicht minder fordernd. Kleinere Grenzkonflikte mit Nomaden und die üblichen Probleme die Tribute für Rom einzufordern," begann er mit dem mündlich vorgetragenen Bericht, dabei verließ er etwas die aufrechte und militärische Haltung, so dass er die Arme bequem hinter seinem Rücken verschränkte. "Es gab keine herausgehoben besonderen Vorfälle. Das praesidio wurde unter meiner Führung saniert und die Wallanlage erneuert. Bei den Arbeiten verletzte ich mich und dies verzögerte meinen Wechsel. Meine Ablösung Centurio Rufinus ist bereits eingetroffen und hat das Kommando ohne Probleme übernehmen können. Im carcer befinden sich derzeit wohl noch zwei Diebe und drei flüchtige Sklaven. Mannstärke ist weiterhin sieben Legionäre unter Soll. Die Rückreise wurde durch einen Sandsturm unterbrochen und ich verlor ein Maultier an die Wüste." Er schloss den knappen mündlichen Bericht ab und goss sich dann etwas Posca aus einer Karaffe in einen Tonbecher ein. Mit einer schnellen Bewegung riss er den Becher hoch und trank hektisch den Becher leer. Der Durst war immer noch nicht gestillt, so dass er sich abermals einen Becher füllte und auch diesen leerte.

  • Der Mann sollte sich ruhig bedienen. Die Getränke waren keine bloße Dekoration und wenn sie geleert waren, würde es weitere geben. Tychicus nahm den Bericht entgegen, brach das Siegel und überflog den Inhalt kurz. Dann legte er die Wachstafel beiseite. Er würde sie später noch einmal in Ruhe lesen und auswerten. Der erste Eindruck war zufriedenstellend.


    "Da du dich zurückmeldest, gehe ich davon aus, dass du wieder voll einsatzfähig bist." Er sah den Mann an, die Finger vor sich auf den Schreibtisch verschränkt. "Leider scheint es eine Diskrepanz in den Unterlagen zu geben. Von einem Befehl zu deiner Mission liegen mir nämlich keine Unterlagen vor. Jedenfalls wurde aus diesem Grund in deiner Centuria ein wenig umdisponiert."


    Er ließ eine Pause, seine Lippen kräuselten sich. Coriolanus war zweifelsohne ein brauchbarer Mann, doch Tychicus war auch nur ein Mensch. Ganz konnte er die Schadenfreude darüber nicht verbergen, dem noblen Patrizier nun eine saftige Breitseite servieren zu dürfen.


    "Deine Centuria wurde Cossutius Bellatus anvertraut. Aber du hast Glück. Sein Kamerad Flaminius Falco, der bis vor kurzem die zweite Centuria unter seinem Kommando hatte, plagt sich mit einer Knieverletzung, die wohl noch ihre Zeit brauchen wird. Insofern kommst du genau zum rechten Zeitpunkt."


    Er hatte schon gefürchtet, diesen Optio Seius Stilo zum Centurio befördern zu müssen, doch der war einfach noch nicht so weit. Er hatte seinen Posten als Optio erst vor kurzem angetreten und bedurfte noch engmaschiger Betreuung durch einen erfahreneren Mann. Ihn aus Personalmangel zu befördern, hätte einen sehr schlechten Beigeschmack gehabt und Tychicus wusste als erfahrener Soldat, dass man seinem Bauchgefühl in solchen Dingen trauen sollte.

  • Ein Bürokratieversagen. Nichts Ungewöhnliches und doch ärgerte es Coriolanus. Immerhin ging es hier um ihn und mit einem gewissen Stolz versehen, machte er Arbeiten ungerne ohne Auftrag und damit ohne Nachweis. Der junge Offizier fiel dem Tribun jedoch nicht ins Wort, denn auch Coriolanus war ein Verfechter der Hierachie und würde sich an die Sprachregelungen halten, die ein Chaos und eine sprachliche Verwirrung vermeiden sollten. Insofern weitete er nur seine Augen, nickte jeden zweiten Satz zum Verständnis ab und wartete auf seinen Moment. Was er hörte, missfiel ihm noch mehr aber eine Legion war eben auch keine Wunschveranstaltung und der Wunsch eines Einzelnen zählte wenig, so dass Coriolanus sich fügen musste. Er würde keinen Widerstand zeigen aber sein Ungemach auf dem Übungsfeld herauslassen, indem er noch mehr Runden drehte und trainierte. Wut war ein guter Antrieb, wenn man sie in eine Aktivität lenkte. Zumindest für ihn. "Ich übernehme also eine andere Centuria," fasste Coriolanus die Lage zusammen, wobei seine Stimme etwas kalt geriet und mit einem sachlichen Brummen endete. Den Bürokratiefehler kommentierte er garnicht erst. Daran war ohnehin nichts zu ändern. Was nicht in den Akten stand, existierte auch nicht und im Nachgang etwas eintragen zu lassen, machte mehr Mühe, als mit den deutlich einfacheren Konsequenzen zu leben. Auf dem Schlachtfeld konnte er siegen aber nicht gegen die Bürokratie einer lahmen Legion in der Ferne. "Ich werde Flaminius meine Gesundungswünsche überbringen und der Tradition folgen, um eine formale Übergabe zu erzielen. Du weißt, dass ich ungerne in das Handwerk anderer Offiziere eingreife," erklärte Coriolanus und war sich sicher, dass der Tribun verstand. Centurien waren geschlossene Gemeinschaften mit einem (über-)mächtigen Offizier an der Spitze, der sie formte und drillte. Dies folgte zwar einem gewissen Standard aber immer gab es leichte Abwandlungen, um die Disziplin und den Drill zu verbessern. Diesen Cossutius würde er auch noch aufsuchen müssen, um sich nach dem Zustand seiner alten Centuria zu erkundigen. Glücklicherweise hatte dieser ihn bereits eingeladen, um diesen unsäglichen Vorfall am Tor zu besprechen. Doch dies war nicht von Interesse für den Tribun. Coriolanus würde dies nicht weiter tragen, wenn es nicht notwendig war und ein gleichgestellter Centurio sich dieser Sache im Innenverhältnis annahm. Dies war eine Sache der Tradition innerhalb einer Legion.

  • Der Tribun verstand leider nicht, sei es der fortgeschrittenen Stunde seines Arbeitstages oder schierem Unwissen geschuldet - das würde die Antwort ihm zeigen.


    "So ist es, die zweite Centuria wird von deinen Fähigkeiten profitieren. Von welcher Tradition sprichst du?"

  • Ob jemand wirklich von Coriolanus profitierte, war eine andere Frage. Sicherlich machte er gute Soldaten aus seinen Untergebenen aber nahm ihnen auch etwas von ihrem alten Leben. Sie profitierten als Soldaten aber nicht als Menschen, denn die schwarz/weiße Weltsicht war nicht erstrebenswert für ein offenes Herz. Coriolanus' Weltsicht war bitter und einsam. Und somit gab er seinen Soldaten nichts als Disziplin und Kriegshandwerk aber keine echten Herzen. "Der Übergabe des Kommandos, indem wir unsere Vitis tauschen und vor den Göttern ehren," antwortete Coriolanus etwas perplex, denn für ihn war dies eine normale Handlung, die eine rituelle Übergabe darstellte und einen Kommandowechsel auch symbolisch untermauerte. Römische Lebenswelten waren oft rituellen oder ritualisierten Handlungen unterworfen, wie auch Gesten und Darstellungen. So kalt und mechanisch der römische Staat auch sein konnte, so war er auch stark geprägt durch Tradition und Rituale, die praktischen Dingen auch etwas Heiliges geben konnten.

  • Wer Tychicus kannte, wusste, dass er nicht zu denen gehörte, die eigenständiges Denken verdammten. Insofern stieß es bei ihm auf Wohlwollen, dass Coriolanus sich selbstständig um diese Dinge sorgte und sie nicht dem Zufall (oder den Unwägbarkeiten der zuständigen Officiums, wie Tychicus in einem Anflug von Ironie feststellte) zu überlassen gedachte.


    "Gut, so bitte ich dich darum, dich um die Übergabe zu kümmern. Wenn du keine Fragen mehr hast, darfst du dich zurückziehen und hast den Rest des Tages frei, um dich von der Reise zu erholen. Den morgigen Tag wirst du für die Organisation aufwenden, damit du übermorgen deinen regulären Dienst antreten kannst."


    Das hieß auch, dass der morgige Tag ruhig ablaufen würde für den Centurio und er ausreichend Zeit fand, sich zu erholen. Seine Ordonanz, oder wen auch immer er zu beauftragen gedachte, würde sich derweil um die mitgenommen aussehende Ausrüstung kümmern können. Neben der Reinigung, die heute noch erfolgen würde, war zu erwarten, dass nach der langen Zeit außerhalb der Castra hier und da Reparaturen oder Ersatz notwendig sein würden. All das brauchte seine Zeit.

  • "Das werde ich," versicherte der erfahrene Soldat Coriolanus. Ohnehin mochte er keine unnötigen Worte und hasste lange Gespräche, die sich im Kreis drehten. Anders als seine Schwester plapperte er nicht viel und gab gezielt Antworten. Beide Geschwister waren klug aber Coriolanus nutzte seine Klugheit gezielt, um unnötige Probleme zu vermeiden und suchte selten aktiv Kontakt zu Fremden und Außenstehenden, wenn es keinen tieferen Zweck hatte. Dies verbarg nicht, dass er sich insgeheim vor anderen fürchtete und starke Verlust- und Vertrauensängste besaß, die ihn seit dem dunklen Tag begleiteten. So warmherzig sein verborgenes Herz war, so kalt waren seine Worte und Gesprächsführung. Die Zeit hatte ihn seinem Vater ähnlich gemacht aber nicht gleich, denn Coriolanus kannte seine Grenzen und war nicht bereit, alles für eine Mission oder ideologische Sache zu opfern. Wenn es nach ihm ginge, würde er dauerhaft von seinem Posten abgelöst werden und seine Schwester aufsuchen. Er wusste, dass sie lebte aber aus Geheimhaltungsgründen konnte er sie nicht anschreiben, um sie nicht zu gefährden. Dies war jenes Versprechen, dass er den Anhängern seines Vaters gegeben hatte. Dieses Versteck war alles, was er derzeit hatte. "Ich habe verstanden. Danke," antwortete er militärisch knapp und gab damit zu verstehen, dass er nun abtreten würde. Noch einmal nahm er Haltung an. "Centurio Tiberius meldet sich ab! Vale!" Danach trat er tonlos mit festen Schritten aus dem Raum. Jetzt wollte er sich waschen, etwas Ordentliches essen und sich beim Sklaven erkundigen, ob dieser gut angekommen war. Danach würde er diesen anderen Centurio aufsuchen.

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