Senatskommission zur vorgeschlagenen Erbschaftssteuer

  • Die Gedanken des Senators waren für mich nicht komplett nachvollziehbar. Jede Provinz hatte Steuerregister und Steuereintreiber. Die römischen Bürger waren überall im Imperium mit Steuern belegt. Weshalb es da schwierig sein sollte diese Listen zu nutzen, war mir ein Rätsel.


    Senator, in jeder Provinz werden Steuerlisten geführt und die Steuereintreiber bringen jedes Jahr riesige Summen an Steuern aus den Provinzen nach Rom. Diese Listen können doch problemlos genutzt werden? Weshalb sollten römische Bürger in den Provinzen von der Erbschaftssteuer ausgenommen werden, wenn sie doch alle bereits in den Steuerlisten erfasst sind?

  • Menecrates hob nach dem Einwurf des Senators Annaeus erstaunt die Brauen und blinzelte zweimal, bevor er sich über die Stirn strich. Die Kommission tagte schon seit Stunden und sein Kopf schmerzte. Die Konzentration schien insgesamt nachzulassen, daher atmete er einmal durch und fragte in die Runde: "Wollen wir eine Pause einlegen? Ein bisschen Bewegung, etwas frische Luft, ich schätze, die kann jeder von uns gebrauchen."

    Sein Vorschlag wurde mehrheitlich angenommen, wobei keiner der Männer die Curia Iulia verließ, zumal es noch stärker regnete als zu Beginn der Beratungen. Auf dem Weg zur Frischluft kam Menecrates bei Senator Annaeus vorbei. "Ich antworte nach der Pause, dein Einwurf wird nicht übergangen." Anschließend setzte er den Weg fort, inhalierte mehrere Male die vom Regen gesäuberte Frischluft und fühlte sich sogleich besser. Er nutzte die Möglichkeit der Bewegung, um über den Sauerstoff hinaus die Gedanken auf Trapp zu bringen. Auf diese Weise legte er eine für Senatssitzungen beachtliche Strecke zurück, bevor er sich an seinen Platz begab und die Stimme erhob.


    "Meine Herren, wollen wir wieder?" Er wartete, bis alle Platz genommen hatten, dann fuhr er fort. "Patres, Senator Annaeus, zurück zum Thema. Eine Lösung für die Besteuerung von Erbschaften römischer Bürger hatten wir bereits gefunden. Zu klären gab es nur noch die Erfassung von nicht-römischen Bewohnern des Reiches, um in einem zweiten Schritt, die wirklich armen unter ihnen von den wohlhabenderen trennen zu können. Mir liegt daran, die Armen zu befreien und die Wohlhabenden zur Steuer zu bitten. Aus diesem Grund habe ich in einem ersten Schritt die Kopfsteuer, Tributum capitis, vorgeschlagen, in deren Listen in der Hauptsache die nicht-römischen Bewohner geführt werden, aber eben nicht NUR. In den Provinzen - abgesehen von einzelnen Städten wie zum Beispiel Alexandria - müssen auch römische Bürger diese Steuer entrichten, was wiederum eine Filterung notwendig macht. Das ist alles insgesamt arbeitsintensiv."

    Wenn die Steuererhebung tendenziell viel Verwaltungsaufwand erforderte, blieb das Ergebnis gering. Obwohl selbst noch nicht positioniert, zählte Menecrates die aus seiner Sicht möglichen Alternativlösungen auf.


    "Ich fürchte, wir kommen an Pauschalierungen nicht vorbei.

    1. Wir können ausschließlich Bürger besteuern und alle anderen Einwohner von der Steuer befreien. Das hat den Vorteil einer einfachen Erfassung und den Nachteil, dass peregrine und libertine Wohlhabende sich ins Fäustchen lachen.

    2. Wir können anhand der Listen "Tributum capitis" nicht-römische Bewohner zumindest in der Provinz Italia und einzelnen Städten wie Alexendria erfassen und besteuern. Die Erfassung wäre nicht allzu kompliziert, aber es würde dann sowohl die Armen als auch die Reichen dieser Bevölkerungsgruppe treffen - wenn wir keinen Filter finden - wobei sich die im restlichen Imperium Ansässigen ebenfalls ins Fäustchen lachen, oder aufatmen - je nachdem.

    3. Wir besteuern alle außerhalb Italia lebende Einwohner, also Einheimische und Römer, und überlassen es den römischen Bürgern nachzuweisen, dass sie von der Steuer befreit sind, weil sie weder den Ordines Decurionum oder Equester noch Senatorius angehören und auch keine Mitglieder des Exercitus Romanus sind. Der Nachteil wäre auch hier, dass die armen nicht-römischen Einwohner zur Steuer herangezogen werden, was ich nicht möchte." Menecrates hob ratlos die Arme.


    "Wie wäre es, wenn wir im Fall von peregrinen und libertinen Erbberechtigten eine Grenze zwischen steuerfreiem und steuerpflichtigem Erbe ziehen. Als Beispiel: Grundstücke müssen versteuert werden und Bargeld ab einer Höhe von eintaussend Sesterzen.

    Oder sieht jemand weitere Möglichkeiten der Trennung von Arm und Reich?"

  • Ich sah nach der Bewegungspause auch wieder etwas klarer und war Senator Menecrates dankbar, dass er meine Bemerkungen noch einmal aufnahm. Scheinbar hatte ich ihn zuvor falsch verstanden, was bei der Länge der Sitzung durchaus möglich war.


    Das Problem waren also die Nichtrömer. In meinen Augen gab es da bloss die Möglichkeit über die Höhe der Erbschaften zu entscheiden ob jemand auf Grund der Erbschaft nun reich genug für eine Steuer wurde, oder eben nicht.


    Die Festlegung einer Mindestgrenze für die Besteuerung von Erbschaften erscheint mir sinnvoll. So wird ausgeschlossen, dass jemand der arm ist und auch mit der Erbschaft arm bleiben wird, Steuern bezahlen muss. Grundstücke, Immobilien und Sklaven sollten auf jeden Fall besteuert werden, da sie einen erheblichen Reichtum darstellen. Wo wir jedoch genau die Grenze des Reichtums bei Bargeld ziehen wollen, darüber können wir gerne diskutieren. Das Jahresgehalt eines Legionärs beträgt seit Augustus 225 Sesterzen.* Die Summe von 1000 Sesterzen wäre damit bereit 4 Jahresgehälter wert. Dies ist in meinen Augen eine beträchtliche Menge Geld und stellt sicher, dass niemand armes die Steuer bezahlen muss.


    Vielleicht könnten wir diese Grenzen für alle Einwohner des Imperiums gleich ziehen, damit sich nicht die eine oder andere Bevölkerungsgruppe übers Ohr gehauen fühlt?


    Sim-Off:

    *ungesicherte Online-Quelle, da ich gerade in Isolation bin und nicht absichern kann.


  • Menecrates beglückwünschte sich im Nachhinein für die eingerichtete Pause, denn anschließend ging es zügig und ergebnisorientiert weiter. Sein Vorschlag, bei Bargeld eine Grenze zu ziehen, traf auf offene Ohren, aber ob sich gleich der allererste Betrag als Marke für die Steuerfreiheit eignete, musste sich noch erweisen. Menecrates wollte sich rückversichern.

    "Senator Annaeus, ist deine Aussage so zu verstehen, dass eintausend Sesterzen eine Grenze wäre, die deine Zustimmung findet? Oder wolltest du zum Ausdruck bringen, dass damit in jedem Fall Arme steuerbefreit sind, aber eintausend Sesterzen eventuell ein zu hoch angesetzter Betrag wäre?

    Gibt es andere Vorschläge, eine Grenze für Steuerfreiheit bei Bargeld betreffend?"


    Er ließ den Nachsatz des Senators auf sich wirken und wiegte den Kopf nach Abschluss der Überlegungen. "Bei den Bürgern besteuern wir ja nur die gut Situierten, also die Angehörigen der Ordines Decurionum, Equester und Senatorius, Soldaten, Vestalinnen. Ein Soldat hat ein gesichertes Einkommen, aber Reichtümer häuft er sicherlich nicht an. Hm." Er überlegte weiter, dann entschied er: "In Ordnung, der Vorschlag, für alle eine einheitliche Grenze zu ziehen, trifft meine Zustimmung."

  • Der Vorteil, wenn wir für alle Einwohner denselben Weg einschlagen liegt auf der Hand.

    Erstens besteuern wir wesentlich mehr Bürger, denn auch die normalen Plebejer, ohne jeglichen Ordo können dann unter die Steuer fallen, wenn sie über das nötige Vermögen verfügen.

    Zweitens sind die Regeln überall gleich, was zu weniger Unverständnis oder Unwissen führt und dies führt dann drittens zu weniger Aufwand respektive weniger potentiellen Problemen beim Eintreiben der Steuern.


    Ich danke daher für die Bereitschaft, diesen Vorschlag aufzunehmen und umzusetzen.


    Meine Worte galten weniger dem Diskussionsführer, Senator Menecrates, der ja bereits seine Zustimmung signalisiert hatte, als den anderen Anwesenden, welche vielleicht den Sinn meines Vorschlages noch nicht gesehen hatten.

    In der Tat war es in meinen Augen eine nicht unbeträchtliche Menge Menschen, welche keinem Ordo angehörten und durch Erbschaften dennoch in grossem Masse profitierten und ziemlich reich waren. Auch diese sollten künftig die Steuer bezahlen sollen, damit die gewünschten Mehreinnahmen auch wirklich entstanden.


    In der Tat finde ich persönlich die Grenze von 1000 Sesterzen für Erbschaften von Bargeld gut, aber ich bin offen für andere Vorschläge, da die Summe schon relativ hoch ist. Es wäre in meinen Augen jedoch eine gute Grenze, weil sie garantiert, dass niemand auf Grund der neuen Steuer in die Armut getrieben wird. Wer 1000 Sesterzen erbt, der kann davon problemlos einen Teil abgeben, selbst wenn es das einzige Geld ist, das er besitzt. Dies können wir Volkstribune auch gegenüber dem Volk argumentieren und vertreten.

  • Was eine Pause so alles bewirkte: Menecrates hatte den glorreichen Einfall, eine Besteuerungsgrenze bei Bargeld einzurichten und Senator Annaeus bezog zusätzlich zu den peregrinen und libertinen Erbberechtigten die Bürger mit ein. Es schien, als sei die Mehrheit der Kommissionsteilnehmer von der einfachen Lösung nicht nur verblüfft, sondern äußerst angetan.

    Menecrates blickte in überwiegend zufriedene Gesichter und erkannte vereinzelt ein Nicken, daher fasste er die Gelegenheit beim Schopf und startete sogleich eine Abstimmung.

    "Meine Herren, lasst uns herausfinden, in welchem Maße das Einrichten einer Besteuerungsgrenze für ALLE Bewohner des Reiches auf Zustimmung stößt. Das bedeutet, dass die Steuer dort greift, wo Geld ist und nicht dort, wo der Stand dies vorschreibt."

    Er selbst hob die Hand. :dafuer:


    "In einem zweiten Schritt sollten wir ein Meinungsbild einholen, wer welche Grenze für die Steuerfreiheit vorschlägt." Da Menecrates aus gehobenen Verhältnissen stammte und mit größeren Summen wie selbstverständlich hantierte, stellten 1.000 Sesterzen für ihn keinen sonderlich hoher Betrag dar. Er selbst hatte diese Grenze genannt, also warf er ein:

    "Ich plädiere für eintausend Sesterzen."

    1.000 Sz.

  • Die Kommission beschloss - zwar nicht einstimmig, aber deutlich mehrheitlich - diesen letzten strittigen Punkt, sodass Menecrates aufatmete.

    "Ich fasse für das Protokoll noch einmal zusammen. Die Kommission schlägt zur Erhöhung der Staatseinnahmen folgende Sachverhalte für die Besteuerung vor:

    Pars Prima - Sachverhalte

    1. geerbtes Barvermögen

    2. geerbte Betriebe

    3. geerbte Grundstücke

    4. geerbtes bewegliches Eigentum wie Möbel, Sklaven, sonstige Waren.

    Die Steuern zahlt der Erbberechtigte.


    5. verkaufte Sklaven - die Steuer zahl der Händler bzw. Verkäufer

    6. Freilassung von Sklaven - die Steuer zahlt der Freilasser

    7. Verkäufe von Grundstücken - die Steuer zahlt der Verkäufer.


    Pars Secunda - Steuersatz

    Der Steuersatz soll in allen Fällen 5% betragen.


    Pars Tertia - Steuerpflichtige

    Es werden alle Bewohner des Reiches zur Steuerentrichtung herangezogen.


    Pars Quarta - Steuerbefreiung

    Von der Steuer befreit ist geerbtes Barvermögen bis 1.000 Sesterzen."


    Spontan fiel Menecrates nichts ein, was er unerwähnt gelassen hatte, aber er saß nicht allein in der Kommission, also rückversicherte er sich bei den restlichen Teilnehmern. "Meine Herren Senatoren, werte Gäste, gibt es etwas anzufügen, etwas zu korrigieren, zu bedenken? Falls nicht, könnten die Herren der Finanzverwaltung meinetwegen eine Abschrift des Entwurfes gleich mitnehmen und dem Kaiser vorlegen. Oder?" Er sah sich bei den Anwesenden um, ob es diesbezüglich andere Vorstellungen gab.

  • Ich blickte mich ebenfalls um. In meiner Meinung war alles korrekt erfasst und die ärmeren Teile der Bevölkerung waren von den Steuern befreit. Mehr war kaum zu erreichen und ich glaubte fest, dass damit auch der Kaiser zufrieden sein müsste.

  • Wäre Menecrates nach der langen Sitzung nicht so erschöpft gewesen, hätte er sicherlich über die sich orientierenden Blicke annähernd aller Kommissionsmitglieder schmunzeln können. So aber galt sein Interesse einzig dem greifbar nahen Abschluss der Beratungen.

    "Sehr gut!" Er trat an den Schriftführer heran, wechselte einige Worte und kehrte zu den versammelten Männern zurück, während von seiner zuletzt vorgetragenen Auflistung eine Abschrift erstellt wurde.

    "Dann bedanke ich mich bei allen für die rege Mitarbeit, sowie die konstruktiven Vorschläge und wünsche einen angenehmen Resttag. Mögen heute keine größeren Herausforderungen mehr auf uns warten. Morgen ist auch noch ein Tag."

    Wenig später überreichte der Schriftführer die Abschrift mit den Ergebnissen der Kommission, bevor sich die Versammlung auflöste.

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