[Hortus] Faustus im Garten

  • Hortus


    Faustus schritt gelangweilt durch den Hortus. Immerhin beobachtete er mit viel Desinteresse die Blütenpracht, die in einem riesigen Blütenwerk erkennbar war. Der Garten schien typischerweise so aufgebaut worden zu sein, dass neben Blumen vorrangig Kräuter und Gemüse in einer Vielzahl zur häuslichen Nutzung eingebracht worden waren. Faustus germanisches Blut erkannte die Nutzen von Nahrungsmitteln in jeglicher Form als Basis jeder Hausgemeinschaft an. Doch der Rest der Blütenpracht schien ihm gänzliche Verschwendung zu sein. Doch seine Verwandten, die den Hortus bepflanzt hatten, mussten sich dabei irgendwelche Gedanken gemacht haben. Naja wie auch immer Faustus Schritt weiter aus und erfreute sich an der Ruhe und Stille im Garten. Als Krieger war ihm der Gebrauch von Luxus und Annehmlichkeit immer ein Graus gewesen. Gerade weil er in seiner Kindheit große Entbehrungen erleiden musste ohne eine Vaterfigur war er schneller erwachsen geworden als ihm lieb war. Zu seinem iunischen Vater hatte er immer unbekannterweise einen großen Groll gehegt der nie nachgelassen hatte. Ihm schrieb er auch das schreckliche Ende seiner Mutter zu, deren Tod sich tief in ihn hineingefressen hatte. Und nun war er doch in das Domus der Gens gekommen, trotz seiner inneren Vorbehalte.

  • Als Faustus so vor sich hin schlenderte bemerkte er ein Gefühl von Unausgeglichenheit und Frust. Es waren spannende Zeiten gewesen als er als Spion in Germania Magna unterwegs gewesen war, doch jetzt hier in der Stadt wurde ihm schnell langweilig. Auch frustrierte ihn, dass sein sehnlichster Wunsch der Ala beizutreten irgendwie nicht in Schwung kam. Mittlerweile kannte er fast jeden der Soldaten und Offiziere und ging im Castra ein und aus. Er hatte zu allen ein gutes freundschaftliches Verhältnis aufgebaut und fühlte sich unter den Männern wohl und zu Hause. Aber es ging einfach nicht voran, er konnte vorsprechen so sehr er auch mochte, aber irgendwie hatten alle keine Zeit. Als Kämpfer war er sicherlich den meisten der Soldaten ebenbürtig vielleicht sogar überlegen. Aber es ging einfach nicht weiter. "Verdammt nochmal was ich ich denn noch unternehmen um an genommen zu werden. Ich habe immer schon von den Legionen und dem Dienst bei ihnen geträumt.- Oh ihr Götter könnt ihr mir denn nicht helfen." Er trat ungeduldig gegen ein am Boden liegenden Stein und verspürte sogleich den brennenden Schmerz. "Du Depp du blöder, jetzt bist du auch noch gegen einen Stein getreten und das mit voller Absicht. Blöder geht es dann doch wirklich nicht."

  • Faustus fühlte sich unausgeglichen und spürte eine regelrechte Wut in sich aufsteigen. So konnte sein Leben nicht weiter dahinplätschern, ihm war unendlich langweilig. Er wollte unbedingt wieder etwas machen, am Besten irgendwas mit Waffen darin kannte er sich aus und war glücklich. So strich seine Hand unbewusst an seine Seite und zog sein germanisches Schwert. Fauchend zischte es aus der Scheide und Stand senkrecht im Sonnenlicht. Die Sonnenstrahlen umschmeichelten die Waffe und ließ sie hell erstrahlen. Auf einmal wirbelte Faustus herum und zog mit dem Schwert einen Halbkreis auf einen imaginären Gegner zu. Es folgten eine Reihe von ineinandergreifenden Stich- und Hiebfolgen. Von mal zu mal wurden seine Schläge härter und schwerer und das Schwert fauchte und pfiff in der Luft von Angriffsposition zu Angriffsposition. Immer weiter folgte er dem Gartenweg um permanent einen unsichtbaren Gegner nachhaltig zu bekämpfen. Als über eine Stunde vergangen war triefte der Iunier vor Schweiß und gab seinem Schwert den Weg in die Scheide frei. Nun fühlte Faustus sich zufrieden und ausgepowert. Ein bisschen Bewegung machte den Kopf frei.

  • Amytis erschien mit Sporus vom Eingang her, den Mantel fest um die Schultern gezogen. Der Stein vor dem Tor hatte ihre Glieder steif gemacht, und ein paar Schritte in der geschützten Stille des Hauses schienen ihr erträglicher als das Warten im Wind.

    Dann blieb sie stehen.

    Im Garten stand ein Mann, der gerade sein Schwert in die Scheide gleiten ließ. Der Stahl hatte noch im Licht aufgeleuchtet, bevor er verschwand. Schweiß glänzte auf seiner Stirn, der Atem ging ihm schwer. Amytis spürte, wie sich ihre Haltung unwillkürlich straffte. Nicht wirklich Angst, aber eine gewisse Vorsicht eher

    Sie warf Sporus einen kurzen Blick zu.

    „Verzeiht die Störung“, sagte sie ruhig. „Wir warten auf Aulus Iunius Tacitus. Er hat uns als Gäste vorausgeschickt.“

    Ihr Blick glitt nur einen Herzschlag lang über das Schwert an seiner Seite, dann wieder auf sein Gesicht. Ein Krieger in einem Garten voller Kräuter und Blüten.

    „Mein Name ist Amytis. Und das ist Sporus.“ Vielleicht kannte man sich ja.

  • Sporus verbeugte sich leicht vor dem Fremden, ohne aber ein Wort zu sagen. Er erkannte den Garten wieder, und sah förmlich Scato vor sich, wie er einst die Blumen liebevoll pflegte.

    Und an die Gespräche zwischen Scato und Terpander, die oft hier stattfanden. Auch an die Diskussion, als Terpander, Scato damit konfrontierte, dass er Sporus mit nach Rom begleiten wolle. Eine Entscheidung, die Terpander letztendlich das Leben gekostet hat.

  • Faustus betrachtete die beiden Eindringlinge die ihn in seinem Zorn unterbrochen hatten. Doch allmählich verrauchte seine Wut und er konnte so langsam wieder klar denken. Nun betrachtete er die beiden etwas genauer und stellte fest, dass sie vielleicht Sklaven waren. Doch erstaunlicherweise schienen sie sich im Domus frei bewegen zu dürfen. Doch wer war er schon um hier über andere zu urteilen, schließlich hatte er in der Vergangenheit auch die dunkle Armutsseite kennenlernen dürfen. Mit seiner Mutter hatte er am Existenzminimum leben müssen, sonst hätte sich diese nicht an jeden Freier verkaufen müssen. Insofern hatte Faustus keinen so großen Standesdünkel gegenüber in der Gesellschaft tiefer stehenden Menschen. Denn wer er ehrlich war, gab es unter ihnen eine Menge von tollen und befähigten Leuten.

    "Mein Name lautet Faustus Iunius Rupa und ich warte auf Aulus Iunius Tacitus meinen Verwandten." Faustus Schwert baumelte an seiner Seite und so nahm er es ab um es leger in seiner Hand zu halten. Nun er war ein Krieger und warum sollten sie nicht sehen, dass er durchaus in der Lage war Situationen für sich zu entscheiden. Aber bei den beiden hatte er ein gutes Gefühl, denn sie zeigten sich neutral bis aufgeschlossen und er sprach gerne mit Menschen die sich offen zeigten.

  • Sporus zeigte zu Amytis. "Das ist Amytis, eine ehemalige Sklavin, und ich bin Sporus, ein Sklave", sagte Sporus, und verbeugte sich noch einmal vor Rupa. "Auch wir warten auf Tacitus.", fügte er noch hinzu.

  • Faustus sah sich jetzt die beiden genauer an. Ah ganz interessant eine ehemalige Sklavin und ein noch aktiver Sklave. Und beide schien ungehindert Einlass in den Domus zu bekommen. Also entweder hatten sie den Janiator bestochen oder aber sie waren schon öfters hier und kannten sich aus. Anderseits was für Vorlieben seine iunischen Verwandten pflegten und hegten unterlag nicht seinen Wertvorstellungen. Es war doch schließlich komplett egal was jemand war, wichtig war letztendlich Frieden, Glück und etwas Liebe. Mehr brauchte es doch wirklich nicht. Insofern wollte er die beiden vernünftig behandeln.

    "Nun es freut mich doch in diesem etwas zu ruhigen Domus doch noch atmende Menschen anzutreffen. Wart ihr schon einmal hier? Im übrigen wie gefällt euch der Hortus?" Faustus dachte sich der Hortus müsste für ihn mit Heilkräutern und Nahrungsmitteln angebaut werden. Da kam also wieder sein germanisches Erbe durch.

  • "Ich war schon mal hier. Scato hatte meine Narben versorgt, die mir durch meinen damaligen Herrn bei der Entmannung zugefügt wurden. Und ich habe Terpander kennengelernt...Ich glaube, ich liebe ihn immernoch", sagte Sporus leise."Sie waren sehr gut zu mir, Herr. Und ja der Garten. Er ist immer noch sehr schön. Ich sah oft Scato hier , wie er die Pflanzen pflegte", fügte Sporus noch hinzu.

  • Aha daher also kannten sie sich aus was ja auch verständlich war. "So ist das also." Faustus starrte diesen Sporus an, armer Kerl du musstest ganz schön gruslige Dinge über dich ergehen lassen. In unserer römischen Gesellschaft ging man mit den unteren Klassen nicht gerade zimperlich um. Und was war das eben was dieser Sporus vor sich hingeflüstert hatte? Er liebte einen Terpander??? Was war das für einer, Faustus konnte nichts damit anfangen. So fragte er hart: "Und wer oder was ist dieser Terpander?"

  • Als ich den Garten betrat, sah ich zuerst Amytis und dann Terpander. Ich hörte die letzten Gesprächsfetzen und eine mir unbekannte Stimme. Noch bevor Sporus antworten konnte, sprach ich, während ich gemessenen Schrittes auf die Gruppe zuging. Meine Seidenkleidung ließ mich sicher auch an diesem Ort wie einen Fremdkörper erscheinen, doch interessierte mich das nicht. Der Mann, der mit Sporus im Gespräch war, sah auch nicht aus, als würde er in ein römisches Gutshaus gehören. Dafür würde er unter Germanen sicher nicht auffallen. "Terpander war der Maiordomus dieses Hauses. Der Lieblingssklave von Iunius Scato. Ein Mensch, der besser war, als er manchen erschien. Doch nun ist er für uns eine Erinnerung. Und, so will ich meinen, für Sporus ein Ahnengeist, auch wenn beide nicht verwandt waren. Doch einer sollte ihm opfern, damit er nicht rastlos wird. Und dafür ist Sporus am besten geeignet." Meine Worte sprach ich ruhig, aber mit der nötigen Lautstärke, um verstanden zu werden.


    Ich betrachtete den Mann etwas genauer. Er war muskulös, größer als ich - was auf der Welt gar nicht so häufig vorkam - und wirkte wie ein Krieger. "Mein Name ist übrigens Aulus Iunius Tacitus, aber momentan höre ich eher auf den Namen Yúnzǐ. Und mit wem habe ich die Ehre zu sprechen?" Ein ganz leichtes, höfliches Lächeln lag auf meinem Gesicht. Aber ich ließ den Mann nicht einen Moment aus den Augen.

  • Faustus blickte erstaunt auf als die angenehme Stimme eines durchaus interessanten Mannes auf sich wirken ließ. Aha ein Iunier also, sowas wie Verwandter. Nicht shlecht dachte sich Faustus in diesem stinklangweiligen Domus, zu mindestens für ihn. Er wollte so schnell es ging wieder zurück in die Castra, dort wartete nämlich eine Menge Arbeit auf ihn. Doch für seinen Verwandten wollte er sich doch etwas Zeit gönnen, denn heutzutage traf man ja leider nicht mehr so oft auf Iunier. "Meine lautet Faustus Iunius Rupa und ich denke wir beide sind irgendwie über vier Ecken miteinander verwandt." Auf jeden Fall hatte sein Verwandter ein sehr angenehmes Wesen und war auch in keinster Weise nervig. Irgendwie mochte Faustus den Mann.

  • Ich verneigte mich leicht. Für einen Römer war das ungewöhnlich, aber mir war dieses serische Verhalten einfach so sehr in Fleisch und Blut übergegangen, dass ich es gar nicht mehr bemerkte. "Freut mich, dich kennenzulernen, Iunius Rupa... hmm... Rupa..." Nachdenklich rieb ich mir mit der rechten Hand über den Bart an meinem Kinn. Aber mir fehlten noch Informationen, denn ich konnte ihn noch verwandtschaftlich nicht einordnen. "Sohn des?"

  • "Mein Vater war Lucius Iunius Corona" Wie sehr er Faustus diesen sogenannten Vater hasste. Doch das konnte er seinem Verwandten mit dem komischen Benehmen nicht sagen. Faustus war grundsätzlich immer misstrauisch, das gebot ihm sein Posten als Biarchus der Exploratio Imperii. "Kommst du öfters hierher um dich des herrlichen Gartens zu erfreuen." Noch wegen herrlichen Garten - das Gestrüpp hätte er Faustus schon längst herausgerissen und durch Feldfrüchte ersetzt.

  • "Lucius Iunius Corona." Ich schloss die Augen, um mir unseren Stammbaum zu visualisieren. Es dauerte einen Moment, bevor ich alles vor meinem geistigen Auge hatte. Während ich die Augen wieder öffnete, schüttelte ich leicht den Kopf. "Das sind mehr als vier Ecken."


    Ich blickte mich im Garten um. "Da ich jetzt nach langer Reise erstmalig wieder hier bin, muss ich sagen, nein, ich bin nicht öfter hier. Aber ich werde wohl häufiger im Hortus sein und versuchen, ihn in Scatos Sinn zu pflegen." Ich und Gartenarbeit! Aber einer musste es machen. Vielleicht würde ich ein paar serische Elemente einfließen lassen. "Und wie sieht es bei dir aus? Bist du oft hier? Wohnst du in der Domus?"

  • Pah, viel Vergnügen mit dem Gestrüpp von Garten dachte sich Faustus und musste innerlich schmunzeln. Aber naja warum auch nicht jeder hatte so seine Spinnereien für die er sich einsetzte. "Da hast du wohl recht, wir sind eher über die besagten vier Ecken miteinander verwandt. Doch finde ich das nicht so schlecht, denn so viele Iunier trifft man heutzutage auch wieder nicht. Die Gens hatte schon bessere Zeiten erlebt." Als der Iunier nach seinem Aufenthaltsort bzw. Wohnort fragte musste Faustus erst einmal überlegen, er konnte ihm schlecht sagen, dass er Dienst in einer Geheimeinheit der Legion tat. "Nun leider werde ich nur ab und an im Domus vorbeisehen können, da ich bei der Legio XXII Primigenia als Biarchus dienstlich gebunden bin. Insofern kann ich wie du sicherlich verstehen wirst nicht immer über meine Zeit frei verfügen." Ob dieser Aulus ihm das abnahm war wieder etwas anderes, vor allem da Faustus in Zivil durch die Gegend wanderte. Das war seitens der Exploratio Imperii teilweise gewollt, aufgrund ihrer geheimen Tätigkeiten. Doch wer sich halbwegs mit dem Militär auskannte, der wusste das Soldaten gerade in Germanien dazu angehalten waren sich in der Öffentlichkeit nur mit Uniform zu zeigen. Wie auch immer, man würde sehen wie der Verwandte reagierte.

  • "Nichts währt für immer, auch keine Gens," sprach ich lapidar, um dann mit kaum merkbarer Emotion zu ergänzen "aber noch gibt es uns und wir sollten versuchen, das auch so beizubehalten."


    Als er davon sprach, bei der Legion zu sein, fiel mir auf, dass er kein cingulum militare trug. Entweder log er mich an, oder es gab etwas, das sich mir noch nicht erschloss. Allerdings schien er mir zu klug zu sein, um mich anzulügen. Immerhin könnte ich recht schnell herausfinden, ob er bei der Primigenia war. Ob mein einstiger Schüler der Rechtswissenschaften Aemilius Secundus wohl noch dort war? "Verstehe," sagte ich in neutralem Tonfall. Würde er mir etwas mitteilen wollen, dann würde er das machen. Also ließ ich ihm sein Geheimnis, zumal Amytis und Sporus ja auch noch anwesend waren. "Bīng zhě, guǐ dào yě," zitierte ich den großen Strategen Sūnzǐ. Nach einer kurzen Pause erklärte ich es. "Es bedeutet 'Krieg ist der Weg der Täuschung'. Ich hoffe, dir damit einen hilfreichen Tipp zu geben, wenn du ihn nicht bereits kanntest. Und vielleicht noch einen weiteren Tipp, der zwar einfach ist, aber oft an den Menschen scheitert: Shì yǐ mì chéng, yǔ yǐ xiè bài. Wird das Geheimnis vollendet, hört der Regen auf. Das bedeutet, dass Pläne gelingen, wenn sie geheim gehalten werden, und scheitern, wenn es nicht gelingt, sie geheim zu halten. Du wirst das sicher gebrauchen können, wenn man dir verantwortungsvolle Posten gibt." Vielleicht verstand er, vielleicht auch nicht.

  • Oha mein Verwandter hatte durchaus verstanden, dass ich ein Geheimnis hütete. Allein seine Anmerkungen bewiesen das er denken konnte und dies tat er auch. Er gefiel mir sehr gut, da er mit offenem Wesen durch Leben zu gehen schien und viele Dinge vermutlich besser einschätzen konnte als die normal Sterblichen. Und ja er hatte mit en beiden rezitierten Sprüchen durchaus ins Schwarze getroffen. Ja wer im Geheimen agieren musste, der musste alles Geheimhalten. Davon hatte Faustus schon eine ganze Menge feststellen und lernen können. Mein Verwandter war sehr gebildet und verstand die Welt. "Ich danke dir für deine zutreffenden Worte, denn sie spiegeln vieles wieder das mich betrifft." "Ich gebe dir recht hinsichtlich unserer Gens, dass wir dementsprechend hegen und pflegen, denn es wir sicherlich auch wieder bessre Zeiten für sie kommen. Ich bin dir sehr zu Dank verpflichtet und bin wirklich froh dich hier getroffen zu haben." Faustus war wirklich froh so einen gebildeten und feinfühligen Menschen getroffen zu haben.

  • Ich verneigte mich leicht. "Wenn ich dir etwas Nützliches mitgeben konnte, bin ich zufrieden. Vielleicht finde ich die Zeit, dir Sūnzǐ Bīngfǎ zu übersetzen. Oder wenigsten in Teilen zu übersetzen. Der Titel bedeutet 'Sūnzǐ über die Kriegskunst'. Das Buch hält ein paar Weisheiten bereit, aber nicht alle sind so leicht zu verstehen. Leider habe ich das Buch nur in serischer Sprache dabei. Wenn du Zeit erübrigen kannst, bist du gerne eingeladen und wir können ein wenig diskutieren." Ich deutete auf sein Schwert. "Du kannst damit umgehen, nehme ich an?"

  • Faustus betrachtete seinen Verwandten mit einem amüsierten Lächeln. Dieser Aulus Iunius Tacitus wurde ihm mit jeder Minute sympathischer. Ein Mann, der nicht nur über bemerkenswerte Kenntnisse verfügte, sondern offensichtlich auch wusste, wann es angebracht war, Fragen lieber nicht zu stellen. Sein Blick wanderte zu seinem Schwert.

    „Nun, mein lieber Aulus, ich würde behaupten, dass ich damit einigermaßen umgehen kann. Zumindest haben sich meine bisherigen Gegner noch nicht über meine mangelnden Fähigkeiten beschwert.“

    Faustus lachte herzlich, wurde dann allerdings wieder ernst.

    „Aber deine Einladung nehme ich ausgesprochen gerne an. Ein Werk über die Kriegskunst aus einem derart fernen Land? Das klingt außerordentlich interessant. Insbesondere deine Ausführungen über die Täuschung haben mich neugierig gemacht. Ich vermute, dass dein Sūnzǐ und ich uns hinsichtlich einiger militärischer Grundsätze durchaus einig wären.“

    Er verschränkte nachdenklich die Arme hinter seinem Rücken.

    „Weißt du, Aulus, ein Schwert ist eine ausgezeichnete Waffe. Allerdings nützt dir die beste Klinge herzlich wenig, wenn dein Gegner bereits weiß, wann, wo und mit wie vielen Männern du ihn angreifen wirst. Ich persönlich ziehe es vor, meinen Gegner zu kennen, bevor dieser überhaupt bemerkt, dass ich mich für ihn interessiere.“

    Faustus hielt einen Augenblick inne. Beinahe hätte er zu viel gesagt.

    „Was natürlich eine rein theoretische Betrachtung ist“, ergänzte er mit einem verschmitzten Grinsen.

    Sein Blick fiel auf den Garten.

    „Und was unsere Gens betrifft, so sollten wir tatsächlich dafür sorgen, dass sie wieder bessere Zeiten erlebt. Vielleicht beginnen wir damit, dass sich ihre Angehörigen häufiger miteinander unterhalten, anstatt sich ausschließlich um ihre eigenen Angelegenheiten zu kümmern.“

    Er wandte sich wieder seinem Verwandten zu.

    „Doch zurück zu deinem Schwert und deiner Kriegskunst. Ich hätte durchaus Freude daran, mich gelegentlich mit dir auf dem Übungsplatz zu messen. Allerdings unter einer Bedingung: Anschließend erklärst du mir, was dein fernöstlicher Stratege darüber geschrieben hat, einen Gegner zu besiegen, ohne überhaupt gegen ihn kämpfen zu müssen.“

    Faustus lächelte.

    „Denn das, mein lieber Aulus, wäre eine Kunst, deren Beherrschung mir gelegentlich eine ganze Menge Arbeit ersparen könnte.“

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