TITUS AURELIUS ROMANUS AUF DEM FORUM ROMANUM

  • TITUS AURELIUS ROMANUS AUF DEM FORUM ROMANUM

    Gerüchte aus Germania

    Das Forum Romanum war niemals wirklich still. Schon am Vormittag hallten Stimmen zwischen den Säulenhallen wider. Händler priesen Waren an, Schreiber eilten mit Wachstafeln unter dem Arm zwischen den Basiliken hindurch, Klienten warteten auf ihre Patrone, Anwälte diskutierten lautstark über Prozesse, und vor den öffentlichen Bekanntmachungen drängten sich Neugierige. Über allem lagen Marmor, Tempel und die sichtbare Macht Roms. Titus Aurelius Romanus blieb einen Augenblick stehen. Links und rechts von ihm gingen Selina und Massad. Nicht unmittelbar neben ihm. Massad hatte darauf bestanden.

    „Leibwächter, die aussehen wie Leibwächter, sind schlechte Leibwächter“, hatte er erklärt.

    Selina hatte darauf geantwortet:

    „Und Leibwächter, die aussehen wie du, sehen immer noch wie Leibwächter aus.“

    Massad hatte sie eine Weile angesehen.

    „War das eine Beleidigung?“

    „Eine Beobachtung.“

    Seitdem war das Thema nicht wieder aufgekommen.

    I. Das Herz Roms

    Titus ging langsam über das Forum. Vor ihnen erhob sich die Rostra, die große Rednertribüne. Weiter hinten lag die vergleichsweise schlichte Curia Iulia. Auf der anderen Seite zog sich die gewaltige Basilica Iulia entlang des Platzes. Zwischen ihren Säulen drängten sich Händler, Rechtsuchende, Schreiber und Menschen, die weniger wegen irgendwelcher Geschäfte gekommen waren als wegen der Nachrichten. Titus betrachtete die Menge.

    „Wenn man wissen will, was Rom weiß, muss man hierherkommen.“

    Massad schnaubte.

    „Wenn man wissen will, was Rom glaubt zu wissen.“

    Selina lächelte.

    „Das ist meistens interessanter.“

    Titus sah sie an.

    „Heute interessiert mich beides.“

    Massad zog seinen Mantel etwas enger.

    „Germania?“

    „Germania.“

    II. Die Acta Diurna

    Sie gingen zunächst in Richtung Saturntempel. Dort standen Männer vor den öffentlichen Nachrichten und Bekanntmachungen. Ein alter Bürger las laut vor.

    „...weitere Lieferungen aus Africa...“

    Jemand hinter ihm rief:

    „Lies etwas Interessantes!“

    „Dann lern selbst lesen!“

    Gelächter. Titus blieb am Rand der Gruppe stehen. Ein Mann neben ihm sagte:

    „Nichts aus Germania.“

    Ein anderer antwortete:

    „Das ist gut.“

    „Oder schlecht.“

    „Warum sollte keine Nachricht schlecht sein?“

    Der Mann senkte verschwörerisch die Stimme.

    „Weil die Verwaltung schlechte Nachrichten zurückhält.“

    Massad sah Titus an. Titus reagierte nicht. Der erste Mann schnaubte.

    „Unsinn.“

    „Unsinn? Mein Schwager kennt einen Mann, dessen Bruder bei einem Händler arbeitet, der Getreide an die Legionen liefert.“

    Selina flüsterte:

    „Jetzt wird es zuverlässig.“

    Titus musste ein Lächeln unterdrücken. Der Mann fuhr fort:

    „Und der sagt, dass am Rhein etwas nicht stimmt.“

    Titus wandte sich scheinbar beiläufig zu ihm.

    „Was soll nicht stimmen?“

    Der Fremde musterte ihn.

    „Die Germanen.“

    „Das überrascht mich jetzt.“

    Der Mann grinste.

    „Du machst Witze. Aber warte ab.“

    „Worauf?“

    „Bis wieder Legionen gebraucht werden.“

    Titus hob die Augenbrauen.

    „Wer sagt das?“

    Der Mann deutete auf seinen Begleiter.

    „Er.“

    Der Begleiter protestierte.

    „Ich habe überhaupt nichts gesagt!“

    III. Gerücht Nummer eins: Die Grenze

    Sie gingen weiter. Massad sagte leise:

    „Wertlos.“

    Titus schüttelte den Kopf.

    „Nicht völlig.“

    „Ein Mann kennt einen Mann, dessen Schwager einen Händler kennt.“

    „Die Information ist wertlos.“

    Titus blickte zurück.

    „Aber interessant ist, dass Germania überhaupt Gesprächsthema ist.“

    Selina nickte.

    „Also nicht fragen: Ist das Gerücht wahr?“

    „Sondern?“

    „Woher kommt es.“

    Massad lächelte.

    „Jetzt fängt er wieder an.“

    Titus sah ihn an.

    „Was?“

    „Neugierig zu werden.“

    Selina antwortete trocken:

    „Deshalb laufen wir hinter ihm her.“

    IV. In den Säulengängen der Basilica Aemilia

    In der Basilica Aemilia war die Stimmung anders. Hier wurde gehandelt. Geld wechselte den Besitzer. Verträge wurden geschlossen. Kaufleute diskutierten über Preise und Lieferungen. Und hier bekam Germania plötzlich einen wirtschaftlichen Wert. Titus blieb vor einer Taberna stehen, in der zwei Händler miteinander stritten.

    „Zwölf?“

    „Vierzehn.“

    „Letzten Monat waren es zehn.“

    „Letzten Monat musste die Ware nicht über halb Gallien transportiert werden.“

    „Vierzehn zahle ich nicht.“

    „Dann frieren deine Kunden eben.“

    Titus betrachtete einige Felle.

    „Aus Germania?“

    Der Händler sah ihn an.

    „Teilweise.“

    „Gute Ware?“

    „Wenn du kaufen willst.“

    „Vielleicht.“

    Der Händler nahm ein Fell.

    „Fühl.“

    Titus tat es.

    „Woher?“

    „Vom Rhein.“

    Massad stand einige Schritte entfernt und beobachtete die Umgebung. Selina betrachtete scheinbar Schmuck in einer benachbarten Taberna.

    Titus fragte:

    „Kommt derzeit weniger?“

    Der Händler wurde aufmerksamer.

    „Warum interessiert dich das?“

    Titus zuckte mit den Schultern.

    „Weil du vierzehn verlangst.“

    Das überzeugte ihn.

    „Die Transporte sind unregelmäßiger.“

    „Wegen der Germanen?“

    „Vielleicht.“

    „Vielleicht?“

    „Händler erzählen viel.“

    Titus lächelte.

    „Das habe ich heute bereits bemerkt.“

    V. Ein Mann vom Rhein

    Dann hörte Titus hinter sich eine Stimme.

    „Die Germanen sind nicht das Problem.“

    Titus drehte sich um. An einer Säule saß ein kräftiger Mann von vielleicht fünfzig Jahren. Eine alte Narbe verlief über seine Wange. Seine Haltung verriet ihn. Massad hatte es ebenfalls erkannt. Ehemaliger Soldat. Titus trat näher.

    „Was ist dann das Problem?“

    Der Mann nahm einen Schluck verdünnten Wein.

    „Römer, die glauben, sie verstünden Germanen.“

    Massad lächelte erstmals.

    „Das klingt nach Erfahrung.“

    Der Mann betrachtete ihn.

    „Legion?“

    Massad schüttelte den Kopf.

    „Nicht mehr wichtig.“

    „Dann bist du klüger geworden.“

    Titus setzte sich.

    „Du warst am Rhein?“

    „Lange genug.“

    „Mogontiacum?“

    Jetzt veränderte sich der Blick des Mannes. Nur ganz wenig. Aber Titus bemerkte es.

    „Auch.“

    „Welche Legion?“

    „Du stellst viele Fragen.“

    Titus lächelte.

    „Das sagt man mir nach.“

    VI. Was geschieht in Germania?

    Der Veteran trank.

    „In Rom glauben die Menschen, Germania sei ein einziger Wald voller Männer, die morgens aufstehen und überlegen, welchen Römer sie heute erschlagen.“

    Selina war inzwischen näher gekommen.

    „Ist es nicht so?“

    Der Veteran lachte.

    „Nein.“

    „Schade.“

    Er betrachtete sie.

    „Die meisten wollen ihr Vieh versorgen, ihre Felder bestellen, jagen, handeln und den Winter überleben.“

    Titus nickte.

    „Und trotzdem hört man Gerüchte.“

    „Gerüchte gibt es immer.“

    „Über Unruhe.“

    Der Mann wurde ernst.

    „Unruhe ist ein großes Wort.“

    „Was wäre ein besseres?“

    Der Veteran dachte nach.

    „Misstrauen.“

    Titus schwieg. Der Mann fuhr fort:

    „Die Germanen beobachten Rom.“

    Massad sagte:

    „Rom beobachtet die Germanen.“

    Der Veteran hob seinen Becher.

    „Dann haben beide Seiten etwas gemeinsam.“

    VII. Selina bemerkt etwas

    Als sie weitergingen, zog Selina Titus leicht am Arm.

    „Nicht umdrehen.“

    Natürlich wollte Titus sich sofort umdrehen.

    „Warum?“

    „Weil uns jemand beobachtet.“

    Massad sagte leise:

    „Seit wann?“

    „Seit dem Veteranen.“

    Titus sah geradeaus.

    „Wer?“

    „Grauer Mantel. Vielleicht vierzig. Hinter uns.“

    Massad fragte:

    „Sicher?“

    „Nein.“

    „Gut.“

    Titus runzelte die Stirn.

    „Warum gut?“

    Massad antwortete:

    „Menschen, die immer sicher sind, machen Fehler.“

    Selina lächelte.

    „Das war fast klug.“

    „Fast?“

    „Gewöhn dich nicht daran.“

    VIII. Gerücht Nummer zwei: Mehr Eisen

    Sie erreichten einen Bereich, in dem Händler aus den nördlichen Provinzen Geschäfte machten. Hier hörten sie ein zweites Gerücht. Zwei Männer stritten über Eisen.

    „Der Preis steigt.“

    „Überall steigt der Preis.“

    „Nicht so.“

    Titus blieb bei einem benachbarten Stand stehen.

    Der Händler sagte:

    „Am Rhein wird mehr Eisen gebraucht.“

    „Von den Legionen?“

    „Das weiß ich nicht.“

    „Wer dann?“

    „Germanen vielleicht.“

    Der zweite Mann lachte.

    „Germanen kaufen kein Eisen in solchen Mengen.“

    „Wer sagt, dass sie es kaufen?“

    Titus und Massad wechselten einen Blick. Als die Männer auseinandergingen, sagte Titus:

    „Das war interessanter.“

    Massad blieb skeptisch.

    „Vielleicht.“

    „Warum vielleicht?“

    „Weil ein steigender Eisenpreis tausend Gründe haben kann.“

    Selina nickte.

    „Aber jetzt haben wir zwei Dinge.“

    Titus zählte an den Fingern ab.

    „Unregelmäßigere Warenbewegungen vom Rhein.“

    „Und Gerüchte über Eisen.“

    Massad schüttelte den Kopf.

    „Nein.“

    Titus sah ihn an.

    „Nein?“

    „Wir haben zwei Behauptungen.“

    Er zeigte auf Titus.

    „Mach aus Gerüchten nicht schon Tatsachen.“

    Titus lächelte.

    „Deshalb brauche ich dich.“

    IX. Vor der Basilica Iulia

    Vor der Basilica Iulia war die Menge noch dichter. Ein öffentlicher Schreiber las Bekanntmachungen vor. Daneben standen mehrere Männer und diskutierten über die Grenze.

    „Die Legionen halten den Rhein.“

    „Natürlich halten sie ihn.“

    „Dann erklär mir, warum zusätzliche Lieferungen nach Norden gehen.“

    Titus wurde aufmerksam. Ein anderer Mann antwortete:

    „Weil dort zehntausende Soldaten essen müssen, du Idiot.“

    Gelächter.

    „Mehr als sonst!“

    „Wer sagt das?“

    „Ein Fuhrunternehmer.“

    „Welcher?“

    Stille. Massad flüsterte:

    „Und wieder stirbt ein Gerücht, sobald jemand nach einem Namen fragt.“

    Titus grinste.

    „Du entwickelst Freude daran.“

    „Sehr.“

    X. Titus beginnt zu ordnen

    Sie zogen sich schließlich in den Schatten eines Säulenganges zurück. Titus lehnte sich gegen eine Säule.

    „Also.“

    Massad stöhnte.

    „Jetzt kommt die Auswertung.“

    Selina verschränkte die Arme.

    „Lass ihn.“

    Titus begann:

    „Erstens: Es kursieren Gerüchte über Unruhe in Germania.“

    „Zu allgemein“, sagte Massad.

    „Einverstanden.“

    „Zweitens: Händler behaupten, Transporte seien unregelmäßiger.“

    Selina nickte.

    „Prüfbar.“

    „Drittens: Angeblich steigt der Bedarf an Eisen.“

    Massad hob einen Finger.

    „Oder der Preis.“

    „Richtig.“

    Titus korrigierte sich:

    „Wir wissen nicht, ob mehr Eisen nach Germania gelangt. Nur, dass darüber gesprochen wird.“

    „Besser.“

    „Viertens: Angeblich gehen mehr Versorgungsgüter nach Norden.“

    Selina fragte:

    „Quelle?“

    „Hörensagen.“

    „Also schwach.“

    „Sehr schwach.“

    Titus schwieg. Massad musterte ihn.

    „Du hast diesen Blick.“

    „Welchen Blick?“

    Selina antwortete für ihn.

    „Den Blick, bei dem unser Abend kompliziert wird.“

    XI. Ein Name fällt

    Da hörte Titus hinter sich zwei Männer sprechen.

    „...aus Mogontiacum.“

    Titus verstummte sofort. Die Männer gingen langsam vorbei.

    „Wann?“

    „Vor acht Tagen.“

    „Und?“

    „Er sagt, draußen sei alles ruhig.“

    Der andere lachte.

    „Dann ist doch alles gut.“

    „Genau das macht ihn nervös.“

    Titus drehte sich ein wenig.

    „Warum?“

    Die beiden Fremden sahen ihn überrascht an.

    „Verzeihung“, sagte Titus freundlich. „Ich habe Mogontiacum gehört.“

    Der ältere der beiden musterte ihn.

    „Kennst du es?“

    „Nein.“

    „Dann hast du nichts verpasst.“

    Sein Begleiter lachte. Titus fragte:

    „Warum macht Ruhe deinen Freund nervös?“

    „Nicht meinen Freund. Meinen Vetter.“

    „Und warum?“

    Der Mann zuckte mit den Schultern.

    „Er sagt, die Germanen auf der anderen Seite beobachten die Römer genauso aufmerksam wie die Römer sie.“

    Massad und Selina sagten nichts. Titus fragte:

    „Hat er Angriffe erwähnt?“

    „Nein.“

    „Versammlungen?“

    „Nein.“

    „Krieger?“

    „Nein.“

    „Was dann?“

    Der Mann sah Titus an.

    „Nichts.“

    „Nichts?“

    „Das ist ja das Merkwürdige.“

    XII. Ein gefährliches Wort

    Nachdem die beiden gegangen waren, sagte Titus:

    „Das passt.“

    Massad schüttelte sofort den Kopf.

    „Nein.“

    „Wieso?“

    „Weil du gerade anfängst, unabhängige Gerüchte miteinander zu verbinden.“

    Selina nickte.

    „Massad hat recht.“

    Titus sah sie überrascht an.

    „Das passiert auch manchmal“, sagte Massad.

    Selina ignorierte ihn.

    „Du suchst bereits nach einem Muster.“

    „Natürlich.“

    „Dann wirst du eines finden.“

    Titus schwieg. Das ärgerte ihn. Vor allem deshalb, weil sie recht hatte.

    „Also gut.“

    Er blickte über das Forum.

    „Keine Theorie.“

    Massad nickte zufrieden.

    „Noch nicht.“

    XIII. Der Mann im grauen Mantel

    Selina sah beiläufig zur Seite.

    „Er ist wieder da.“

    „Wer?“, fragte Titus.

    „Unser Freund.“

    Massad musste nicht fragen.

    „Grauer Mantel?“

    „Ja.“

    Titus wollte sich umdrehen. Massad packte ihn am Arm.

    „Nicht.“

    „Ich möchte ihn sehen.“

    „Dann gib ihm keinen Grund zu verschwinden.“

    Titus lächelte langsam.

    „Also beobachten wir den Mann, der uns beobachtet.“

    Selina seufzte.

    „Offenbar macht das inzwischen jeder.“

    Massad blickte über das Forum.

    „Vielleicht ist das eine neue römische Freizeitbeschäftigung.“

    XIV. Das Forum als Nachrichtenzentrale

    Titus betrachtete plötzlich den Platz mit anderen Augen. Vor ihm lag nicht nur das politische und wirtschaftliche Zentrum Roms. Es war ein riesiger Umschlagplatz für Informationen. Händler kamen aus den Provinzen.

    Veteranen erzählten Geschichten. Beamte gingen zu ihren Amtsstuben. Fuhrunternehmer kannten Warenströme. Kaufleute wussten, welche Preise stiegen. Schreiber hörten Gespräche. Sklaven trugen Nachrichten zwischen Häusern. Soldaten auf Urlaub erzählten vom Rhein. Und zwischen Wahrheit, Übertreibung, Angst, Geschäft und Prahlerei verbargen sich möglicherweise einzelne brauchbare Informationen.

    Titus sagte:

    „Wir haben bisher falsch gefragt.“

    Selina sah ihn an.

    „Wie sollten wir fragen?“

    „Nicht: Was geschieht in Germania?“

    Massad nickte langsam. Jetzt verstand er. Titus fuhr fort:

    „Sondern: Was verändert sich?“

    XV. Titus verteilt Aufgaben

    Titus wandte sich zuerst an Selina.

    „Du bleibst bei den Händlern.“

    „Wonach suche ich?“

    „Nach Veränderungen. Preise. Felle. Eisen. Salz. Getreide. Wagenverkehr.“

    „Ich soll Händlern zuhören?“

    „Du kannst hervorragend zuhören.“

    Massad murmelte:

    „Vor allem Gesprächen, die sie nichts angehen.“

    Selina sah ihn an.

    „Was hast du gesagt?“

    „Dass du hervorragend zuhören kannst.“

    Titus musste lachen. Dann wandte er sich an Massad.

    „Du suchst Veteranen.“

    „Warum ich?“

    Selina musterte ihn.

    „Weil du aussiehst wie einer.“

    „Ich nehme das als Kompliment.“

    Titus erklärte:

    „Keine Verhöre. Gespräche. Ich möchte wissen, ob Männer vom Rhein ähnliche Dinge erzählen.“

    Massad nickte.

    „Und du?“

    „Fuhrleute.“

    Selina runzelte die Stirn.

    „Fuhrleute?“

    „Wenn tatsächlich mehr Waren nach Norden gehen, muss irgendjemand sie transportieren.“

    Massad grinste.

    „Das war tatsächlich vernünftig.“

    „Danke.“

    „Gewöhn dich nicht daran.“

    XVI. Drei Wege

    Sie wollten sich zwei Stunden später wieder an der Basilica Aemilia treffen. Selina verschwand zwischen den Tabernae. Massad ging in Richtung einer Schenke, in der sich Veteranen und ehemalige Soldaten trafen.

    Titus blieb einen Moment allein stehen. Vor ihm ragten die Monumente Roms empor.Der Saturntempel. Die Curia.Die Basiliken. Die Rostra. Marmor, Macht und Geschichte. Doch Titus interessierte plötzlich etwas viel Unspektakuläreres:

    Wagen.

    Getreidesäcke.

    Eisen.

    Felle.

    Händler.

    Fuhrleute.

    Denn wenn sich jenseits des Rheins tatsächlich etwas veränderte, dann würde vielleicht nicht zuerst ein Senator davon erfahren. Vielleicht bemerkte es ein Händler. Ein Fuhrmann. Ein Veteran. Oder irgendein Mann, der sich darüber ärgerte, dass seine Ware plötzlich zwei Denare mehr kostete. Titus setzte sich in Bewegung. Er war kein Senator. Kein Offizier. Kein Beamter des Kaisers. Er besaß keinen Zugang zu geheimen Berichten und keine Befehlsgewalt über irgendeine römische Einheit. Er war lediglich Titus Aurelius Romanus. Ein Aurelier, der zu neugierig geworden war. Und genau deshalb begann er dort zu suchen, wo niemand Geheimnisse vermutete: mitten im Lärm des Forum Romanum.

    Hinter ihm löste sich der Mann im grauen Mantel von einer Säule. Und folgte ihm.


    Dies ist ein Teil der Geschichte um die Verschwörung die Faustus und Titus untersuchen

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