Ein Ausritt zu zweit

  • Maximian hingegen war von der Idee, die Valeria haben musste, sofort ziemlich begeistert. Er ließ sich von ihr den kurzen Weg zum Bett führen, versuchte dabei immer den Blickkontakt aufrecht zu erhalten und dann, als sie am Bett angelangt waren, zog er sie zu sich, legte seinen gesunden Arm um ihre Taille und sah sie mit nahezu entflammten Blick an.


    Sein Herz schlug kräftig und seine Lippen wollte sich wieder auf ihre legen, er wollte Valerias Körper spüren, sie entdecken. Kein Augenblick sollte mehr mit aufhaltenden Gedanken verschwendet werden, nichts sollte sie aufhalten können und dennoch war er nicht blind und erkannte Valerias Unsicherheit.


    Er sah sie weiterhin an, legte den Kopf leicht schräg, während seine Hand in ihrem Rücken Kreise malte. Es musste nicht heute sein, sagte er sich und lächelte leicht. Nein, für sie würde es kein Muss geben. Immerhin gab es in Tarraco auch ein paar schöne Plätze im Stroh... Solche, die keine Ohren hatte.
    Seine Hand wanderte ihren Rücken hinauf zu ihrem goldenen Haar, das er ihr aus dem Gesicht strich, während er mit glänzenden Augen flüsterte:


    "Heute ist schon so vieles passiert..."


    Seine Lippen streichten flüchtig über ihre und seine Hand wanderte ihren Hals hinunter, zur Schulter hin.

  • So standen sie nun voreinander, neben dem Bett, das so einladend aussah. Valeria senkte den Blick, glitt an Maximians Körper hinab, nur um wieder kehrt zu machen und zu seinem Gesicht zurück zu wandern. Liebevoll sah sie ihn an, ein sehr leichtes Lächeln umspielte ihre Mundwinkel. Ein kaum mehr auszuhaltendes Kribbeln hatte von ihr, ihrem Körper, Besitz ergriffen.
    Und Maximian hatte es ausgelöst.


    Fort gewischt waren die Gedanken an Julia, fort gewischt die an Mummias Worte. Was nun zählte, war, dass er und sie zusammen waren und sich liebten. Maximian stand so dich vor ihr... Sie konnte die wenige Luft zwischen ihren Lippen und den seinen vibrieren fühlen.
    Und dann brach er den Bann mit seinen Worten, seinen Lippen, wischte endgültige alle Gedanken fort, die sie noch zurückhielten.


    Valeria sah ihn verträumt an, hob die Hand und strich sacht über seine Wange.


    "Liebster...." flüsterte sie. Ihre Stimme zitterte...

  • Max folgte Valerias Blicken. Wie sie an ihm runter sah, wieder hoch und sich schließlich Bereitschaft in ihnen abzeichnete. Wie sie ihn nannte, war eine Streicheleinheit für seine Ohren und die Seele und ihre zitternde Stimme dabei ließ ihm einen wohligen Schauer den Rücken runterjagen.


    Er hauchte, bevor er seine Lippen wieder auf ihre legte, ein verlangendes "Valeria...", dann waren auch bei ihm alle Gedanken verwischt, sodass nur noch sie, die Frau, neben der er schon eine Nacht im gleichen Bett verbracht hatte, zählte: Valeria.


    Der Kuss, der das Feuer neu entfachte und es in Maximians Lenden kribbeln ließ, hielt an, während die beiden auf das auf sie wartende Bett sanken, wo Max schon bald bemerken musste, dass der in der Schlaufe hängende Arm ein großes Handycap war, zumal der auch noch wehtat, wenn er gedrückt oder angestoßen wurde.


    So zog es bis in die Schulter hinein, während Maximian seine Valeria küsste, sich von ihrem Mund trennte, um ihren Hals zu liebkosen, während der gesunde Arm ihn abstützte. Immer häufiger musste er deshalb seine Lippen ruhen lassen, weil der Schmerz irgendwann mehr als unangenehm war und selbst die Leidenschaft zunichte machte.


    Schließlich rollte er von Valeria herunter und legte sich neben ihr frustriert an die Decke blinzelnd auf den Rücken. So würde das nichts werden. Dann legte er seufzend den Kopf herum, sodass er Valeria ansehen konnte und griff schließlich nach ihrem Arm, um sie zu sich zu ziehen.


    Sein Blick ruhte auf ihrem Körper, der immer noch unter der Tunika versteckt war und nicht von seinen Küssen übersäht, dann wanderte er nach oben zu ihrem Gesicht und ihren wunderschönen Augen. Fast musste er über diese Situation jetzt schmunzeln, weshalb der frustrierte Gesichtsausdruck irgendwie noch frustrierter wirkte. Er hob seinen Kopf und drückte seiner Liebsten einen zärtlichen Kuss auf die Nasenspitze.


    "Der Rücken, jetzt der Arm... Es scheint fast so, als hätte jemand etwas gegen uns."

  • Sie ließ sich mit ihm auf das Bett sinken, genoss seine Küsse und Liebkosungen, die ihren Körper erzittern ließen und eine heiße Welle der unterschiedlichsten Empfindungen durch ihren Körper rollen. Er hauchte ihren Namen, verlangend, lustvoll. Valeria glaubte, vergehen zu müssen.


    Maximian hielt immer wieder inne in seinem Tun; und Valeria fragte sich, warum er es wohl tat. Dann, rollte er sich von ihr herunter und sah missmutig an die Decke. Es bedurfte nicht einmal seiner Hand, die sie zu ihm ziehen wollte, damit sie sich zu ihm legte. Das machte sie schon von selbst. Sie drehte sich herum legte ihren Kopf auf seine Brust, die sich rascher als zuvor hob und senkte. Valeria sah ihn an, sah, wie er sie mit Blicken entkleidete und ihren Körper überall berührte. Doch seine Hände lagen still. Nun sah er sie wieder an und nannte diesmal den Grund für sein Innehalten.


    Valeria lächelte leicht traurig, hob die Hand und strich ihm übers Haar.


    "Nein... Erhole dich nur. Ich werde auf die warten, Maximian. Immer."


    Die junge Decima seufzte. Es war schade, dass sie nicht jetzt miteinander schlafen konnten, aber andererseits war es womöglich besser so. Mummia und Aurelius waren direkt vor der Tür und außerdem...waren sie noch immer verwandt... Valeria seufzte leise, ließ ihren Kopf auf seiner Brust.


    "Du wirst der erste sein..." flüsterte sie ihm verliebt lächelnd zu.

  • Maximian sah Valeria fest in die Augen, sagte eine Weile lang nichts. Sein Herzschlag beruhigte sich während dieser schweigsamen Minuten, in denen Maximian sich in ihren Augen verlor und auch wenn er noch ein wenig mit sich selbst haderte, mit seinem spaßverderbenden Arm, wurde ihm nun gewiss, dass wirklich keine Eile bestand. Er schmunzelte und hob den gesunden, den guten Arm, um über ihr Haar zu streichen und einzelne Strähnen davon um die Finger zu wickeln.


    Er würde ihr erster sein. Und es würde besonders sein, das nahm Maximian sich vor. Nicht bei Mummia und Aurelius im Hause, nicht versteckt in einem Stall... Es sei denn, Valeria wollte es so. Aber wenn es dem jungen Mann nachginge, dann würde er ihr gerne die Sterne vom Himmel holen, während sie ihre Jungfräulichkeit an ihn verlor.


    War das, was sie sich gerade erschufen, etwas für die Ewigkeit? Würden sie es überstehen ihre Liebe in ihrem Hause zu verbergen, würde sie in Tarraco bleiben wollen oder könnten sie lange Jahre in Trennung vereinbaren, wenn er erst einmal seine Lehrjahre antreten musste? Würde die Liebe, die jetzt schon unbegreiflich groß schien, all das überwinden und sie gar auf Lebenszeit erfüllen?


    Maximian blinzelte verliebt und doch nachdenklich. Es war jetzt nicht Zeit, sich darüber, über eine weit entfernte Zukunft, Gedanken zu machen. Noch war alles zu frisch und zu jung - keiner konnte sagen, was daraus entstehen würde. Aber es fühlte sich nach etwas an, dass nicht so leicht zu erschüttern wäre.
    Er seufzte nun auf eine andere Weise zufriedengestellt und legte den Kopf schräg. Valeria sah ihn an, er sie.


    "Und du die einzige."


    Auch er lächelte sanft, während seine Hand immer noch in ihren Haaren herumspielte. Wie lange er sie wohl ansehen könnte ohne sie irgendwann langweilig zu finden? Sehr lange... Dann beugte er seinen Kopf vor und drückte ihr einen Kuss auf die Stirn.


    Aber während er sie so ansah, drängte sich andere Fragen in sein Bewusstsein. Fragen nach dem Morgen, nach ihrer Heimkehr... und dann sprach er aus, was sie beide wohl beschäftigte.


    "Es wird nicht einfach für uns werden. Du bist... nun, du bist und bleibst meine Cousine, egal wie sehr ich dich liebe. Sie werden es nicht dulden und uns bestrafen. Weder unsere Familie noch sonst jemand würde es zulassen."

  • Valeria stockte der Atem. 'Die Einzige' hatte er gesagt. Vergeblich suchte Valeria nach einem Zeichen in seinen Augen, das seine Worte Lügen strafte. Vorhin noch hatte er behauptet, die andere zu lieben...nicht nur sie. Und nun...
    Er machte sie damit glücklich. Sehr glücklich.


    "Gräme dich nicht, Liebster", hauchte Valeria ihm voller Liebe zu, denn sie verstand, was nun ihn ihm vorgehen mochte. Es wäre voller Leidenschaft und Liebe gewesen. Sie hätte ihm ihre Unschuld geschenkt, ihm, einem Mann aus ihrem Geschlecht. Dem Geschlecht der Decima. Und als hätte Maximian es erahnt, was in ihrem Kopf vorging, sprach er nun das Thema an.


    Sie kuschelte sich an ihn schmiegte sich so eng es ging an seinen Körper und antwortete ihm erst eine Zeit danach.


    "Ich weiß...und doch bin ich bereit, es zu verstecken. Wenn niemand von uns erfährt, so wird uns auch niemand bestrafen. Und...ich muss zurück nach Rom, zu meiner Mutter. Wenigstens eine Weile....und auch, wenn es mir nun sehr schwer fallen wird..."

  • Er seufzte noch einmal und ließ die Augenbrauen verrutschten, womit er aussah wie drei Tage Regenwetter. Wirklich erbärmlich hätte man denken können, wenn er nicht Stärke und auch Zufriedenheit in seinen Augen zum Ausdruck gebracht hätte. Und auch einen kleinen Schelm.
    Er brauchte sich wirklich nicht zu grähmen.


    Er genoss es, wie Valeria sich an ihn schmiegte und fragte sich, ob es das gewesen war, was ihn in der Nacht zuvor hatte wünschen lassen, dass sie sich zu ihm legte. War das sein Herz gewesen, das sie zusammenbringen wollte?
    Er bekam eine Decke zu greifen, zog die umständlich über sie beide und hielt sie dann fest.


    Dann sagte sie, sie würde wieder nach Rom gehen. Das hatte Maximian völlig vergessen gehabt. Valeria hatte eine sterbende Mutter, die ihren Beistand gebrauchen würde. Sein Herz schlug gleich einige Takte langsamer, denn das bedeutete Trennung... Mit leiser Stimme sprach er:


    "Ja, du musst gehen. Deine Mutter wird dich jetzt vermissen und sich wünschen, dass du bei ihr wärest. Und ich werde dich dann vermissen..."

  • Valeria seufzte leise und wohlig, als Maximian sie beide nun zudeckte und sie schließlich hielt und umarmte. Sie fühlte sich so geborgen in seinen Armen, so wohl und bestens aufgehoben.


    Und nun wandte sie den Kopf, sodass sie ihn ansehen und seine Reaktion erkennen konnte auf ihre nun folgenden Worte.
    "Komm mit mir...."


    Es musste schließlich nicht für lange sein. Aber ging er nicht mit, würden sie auf unbestimmte Zeit getrennt voneinander sein. Und das könnte möglicherweise eine Chance für die Fremde sein.... Valeria schob den Gedanken beiseite, er war dennoch einen Moment auf ihrem Antlitz zu erkennen.


    "Wie wollen wir es verheimlichen, wie können wir uns trotzdem sehen, Maximian?"

  • Maximian seufzte, schüttelte leicht den Kopf und verzog dann das Gesicht ein wenig. Er hatte mit seinem Vater zwar noch nie direkt über seine Zukunft gesprochen, dafür waren ihm aber über die Familienmitglieder kürzlich Informationen zugetragen worden, was Meridius für Maximian geplant haben könnte.


    "Ich bin mir nicht sicher, ob das möglich ist. Irgendwann wird mein Vater mich einspannen, damit ich etwas lerne... Und er hat mir aufgetragen, auf die Casa aufzupassen."


    Bei den letzten Worten musste Maximian leicht schmunzeln. Als wenn es da irgendetwas gäbe, vor dem die Casa zu schützen wäre. Zumindest fiel dem jungen Männlein namens Maximian auf die Schnelle keine Gefahr ein.
    Wie auch immer beschäftigte er sich nicht lange mit diesem Gedanken. Wie er sagte, war er sich nicht sicher, was die nahe Zukunft für ihn bedeuten würde.


    Kurzzeitig veränderte Valerias Gesichtsausdruck sich. Maximian versuchte diese Veränderung zu deuten, kam aber zu keinem Entschluss. Was sie nur schon wieder dachte?


    Seine Hand strich über ihren Oberarm, bis wohin er den Ärmel ihrer Tunika hatte hochschieben können. Manchmal umfasste seine Hand sanft ihren Arm, ruhte einen Moment und fing dann wieder an zu streichen.
    Bei ihrer Frage hielt er jedoch inne und legte den Kopf wieder gerade, um an die Decke zu sehen. Keine würde von ihrer Liebe zueinander erfahren dürfen. Wie traurig war allein diese Tatsache? Sie würden sich nur heimlich küssen dürfen, nie Hände haltend im Atrium stehen, wenn irgendjemand bei ihnen war... Maximians Herz fühlte sich beklemmt an, als würde ihm etwas schweres auf der Brust lasten.


    "Nun... manchmal werden wir allein in der Casa sein, von den Sklaven mal abgesehen. In den Nächten. Wir könnten ungestört in meinem Cubiculum sein... Ausreiten."


    Maximian fiel zwar etwas ein, dadurch aber wurde seine Laune nicht unbedingt besser. Denn an all den Möglichkeiten, die er aufzählte, waren gleichzeitig mehrere Haken. Und der größte war, dass sie nicht so ungestört sein würden, wie er es sich vorstellte. Es brauchte nur jemand etwas von ihm wollen, wenn Valeria bei ihm war, und alle würden davon wissen.


    "Und wenn es mir möglich ist, komme ich dich in Rom besuchen. So schnell es geht."

  • Valerias Gedanken gingen in die gleiche Richtung wie seine. Es hörte sich so einfach an. Doch es würde schwer werden. Eine unbedachte Geste, ein inniger Blick...und schon standen Maximian und sie in der Mitte der Aufmerksamkeit aller. Dann würde es nicht mehr lange dauern, bis ihre Liebe aufflog.


    Sie kuschelte sich eng an ihren Liebsten und seufzte tief. Das brennende Verlangen hatte wieder nachgelassen; und so genoss sie, es einfach nur hier bei ihrem Liebsten zu liegen und dem mittlerweile schwachen Trommeln des Regens zu lauschen.


    "Wäre ich doch keine Decima", murmelte Valeria in Gedanken. Alles wäre viel einfacher. Maximian konnte ihr den Hof machen und vielleicht würden sie heiraten, Kinder bekommen. Doch so...


    "Mein Herz wird schon jetzt schwer, wenn ich an Rom denke. Du bist dann so unendlich weit entfernt..."


    Valeria seufzte schwermütig und schien noch weiter in Maximian hineinkriechen zu wollen, der ihr sanft über den Arm strich.

  • "Dann wären wir uns aber nie begegnet.", dachte Maximian Valerias angefangenen Satz laut weiter. Er war froh, dass sie eine Decima war, denn sonst würde er jetzt nicht mit gebrochenem Arm und brennendem Rücken in einem Bett fernab Tarraco liegen. Und das mit einer wunderschönen Frau an der Seite, was die vielleicht negativ erscheinenden Aspekte mit Leichtigkeit im Nichts verschwinden ließ.


    Allerdings verdrängte Maximian da gerade die eigentlichen Probleme. Cousin und Cousine...


    Immer wieder drängte Valeria sich näher an seine Seite. Maximian schloss die Augen, während sie ihm erzählte, dass ihr Herz jetzt schon schwer war. Ja, auch sein Herz war schwer. Sie war so wunderbar warm und weich und mit ihr zu reden erfüllte ihn. Sie hatte ein so mitreißendes Lächeln, eine unglaublich wohlklingende Stimme und schenkte ihm ihr Vertrauen, ihre Liebe. Wie sehr sie ihm fehlen würde... Konnten da noch irgendwelche Worte Trost verschaffen?
    Er hob seinen Kopf an und suchte ihre Lippen, die er in einem zärtlichen Kuss mit seinen bedeckte.


    "Noch sind wir hier, Liebste. Noch sind wir beisammen und haben keinen Grund uns nacheinander zu sehnen...", flüsterte er, wissend, dass dem nicht ganz so war. Aber er wollte nicht, dass sie traurig war. Sie sollte lächeln, ihr Herz unbeschwert schlagen fühlen... später... Ja, später gäbe es noch genug Gelegenheit um sich zu vermissen.

  • Sie seufzte. So hatte sie das noch gar nicht gesehen. Aber hatten nicht die Götter das Schicksal eines jeden Einzelnen schon im Voraus festgelegt? War es nicht so, dass sie hier neben ihm lag, weil die Götter es so wollten?


    Und dann küsste er sie, drückte seine Lippen liebevoll auf die ihren. Valeria erwiderte seinen Kuss, lächelte ihn an, als sie wieder auseinander gingen. Sie sah in seine Augen, in das unendlich weite, tiefblaue Meer, das sie in sich bargen.


    "Es ist nicht rechtens und doch...kann ich mir nicht vorstellen, dass ein andere Mann die gleichen Gefühle in mir hervorrufen kann wie du..."


    Wieder küsste sie ihn sanft, wieder huschten ihre Hände über die stoppeligen Wangen Maximians, liebkosend, zärtlich und ihn auf eine besondere Weise wissen lassend, dass sie diese Worte durchaus ernst meinte. Liebste....ihr Herz frohlockte bei dem Wort, das nun zum ersten Mal bewusst über seine Lippen kam und ihr schmeichelte. Ihre Augen bekamen einen wunderbaren, strahlenden Glanz. Valeria schloss die Augen und bewegte den Kopf zu seinem hin, sodass ihre Nasen nebeneinander lagen. Sie atmete seinen Duft ein, wollte am liebsten ganz nah bei ihm sein, doch wusste sie, dass es nicht ging....noch nicht...


    "Und doch sehne ich mich nach dir..." flüsterte sie an seiner Wange vorbei direkt in sein Ohr. Eine plötzliche Gänsehaut überzog ihren Körper. Doch ihr war nicht kalt. Es war eine Gänsehaut, die sie noch niemals zuvor verspürt hatte. Maximian hatte sie ausgelöst, mit seiner puren Anwesenheit.

  • Wieder tat Maximians Herz einen Sprung. Wieder wünschte er sich, sein Arm würde nicht in einer Schlinge liegen und den Dienst unter Schmerzen verweigern. Er wollte Valeria Gutes tun: Ihre Haut liebkosen, sie streicheln und ihr so eine Gänsehaut und unglaubliche Gefühle bescheren, sie mit warmen Küssen bedecken und ihr das Gefühl geben, sie würde fliegen können.
    Wieder konnte er nicht so wie er wollte, als Valeria ihm ins Ohr flüsterte, dass sie sich nach ihm sehnte.


    Tapfer schluckte er das erneut aufkommende Verlangen nach Valeria herunter und sah ihr tief in die Augen. Seine Hand ruhte auf ihrem Arm, seine Wange an ihrer und reckte sich noch der zärtlichen Berührung entgegen, die sie ihm zuteil werden ließ und die er so erwidern konnte.



    "Ich bin bei dir...", flüsterte er heiser zurück und drehte seinen Oberkörper, sodass Valeria sachte von ihm herunterglitt und er sich auf die Seite legen konnte. Ihr Kopf ruhte auf seinem Arm, umflossen von ihrem Haar, das im dunklen Licht des Raumes wirkte, als wäre es der klare Nachthimmel, an dem die Sterne golden auf die Erde schienen. Sein kranker Arm wurde von der Hand gestützt, die er auf Valerias Bauch gelegt hatte, sodass es ihm keine Schmerzen beibrachte.


    Sein Kopf schwebte kurz über ihrem, seine Augen, wie durch ein Band mit ihren verbunden, huschten nur kurz ihre Nase herab zu ihren Lippen. Dann senkte er den Kopf herab, setzte kleine Küsschen auf ihre Wangen, ihre Augen, ihre Nase und das Kinn, bis seine Lippen zu ihren fanden, um mit ihnen zu verschmelzen, als würde nichts sie mehr trennen können... Nicht die Entfernung, nicht der Mensch, nicht einmal die Zeit.

  • "Ich weiß..." hauchte sie ihm entgegen. Dann senkte er seinen Kopf herab, bedeckte ihr Gesicht mit kleinen Küssen und fand schließlich ihre Lippen, die er zärtlich küsste und liebkoste. Valeria schlang derweil die Arme um seinen Hals, denn er blickte schließlich auf sie herunter. Und so konnte sie dies bewerkstelligen, ohne ihm damit weh zu tun.


    Es war ein inniger Kuss, der lange andauerte und beide glücklich machte. Sie gehörten zusammen. Zumindest Valeria wusste dies nun unumstößlich. Und doch waren da Zweifel. Was war mit der anderen? Was, wenn jemand es herausfand? Würde ihre Liebe bestehen? Doch mit jedem Kuss, jeder Berührung Maximians dachte sie weniger darüber nach und gab sich ihm ein Stückchen mehr hin. Valerias Körper war von einer feinen Gänsehaut überzogen. Nichts hätte sie sich in diesem Moment sehnlicher gewünscht, als Maximian so nahe zu sein wie noch keinem anderen Mann zuvor. Aber sie verstand, dass es ihn schmerzte.


    Valeria verflocht ihre Hand mit der seinen und sah ihm tief in die Augen. In ihnen standen ein Verlangen und eine Liebe, das ihren Gefühlen in nichts nachstand. Lange Zeit sah sie ihn einfach so an, leicht lächelnd und ihr Gesicht von blondem Haar wie flüssigem Gold umspielt. Dann schloss sie zufrieden die Augen.


    "Bleib immer bei mir..."

  • Ihre Finger legten sich zwischen seine, wie sie es vorhin schon ein paar Mal getan hatten. Sie spielten miteinander, strichen aneinander und verknoteten sich beinahe ineinander. Dann lösten sie sich, berührten sich nur wenig, um wieder zueinander zu finden und das Spiel von neuem zu beginnen.


    Was hätte er dafür gegeben, die Zeit anzuhalten und Valeria für immer so zu sehen, wie er sie jetzt sah? Sie sah glücklich aus, zufrieden und völlig entspannt. Ihre langen Wimpern lagen dicht aneinandergeschmiegt, ihre Nasenflügel hoben und senkten sich kaum merklich, während ihre Wangen und ihr Mund ganz still dalagen, als würden sie schlafen.


    Dann bewegten sie sich, baten ihn immer bei ihr zu bleibe. Er musste an die kommenden Wochen denken, antwortete erst einmal nichts, kam dann aber über das Greifbare an Gedanken hinaus. Er würde immer bei ihr sein, wenn sie es sich wünschte. Sie musste nur in ihr Herz hineinhören und sie würde ihn leise flüstern hören:


    "Spürst du es? Ich werde immer bei dir sein, Liebste. Heute Nacht und dann, wenn du in Rom weilst. Immer werde ich da sein."


    Noch eine Weile betrachtete er sie, dann legte er die Lippen an ihr Kinn, knabberte dort zärtlich, während seine Nasenspitze hin und wieder über ihre weichen Lippen strich.


    Julia schwebte ihm im Hinterkopf. Aber mit ihr war es anders gewesen, war es jetzt anders. Er hatte nicht gedacht, dass es noch stärkere Gefühle geben konnte, als er sie für die Germanin empfunden hatte. Doch nun hatte er gelernt, dass es noch intensiver ging. Dass es einen Menschen gab, der allein durch seine Anwesenheit die Sonne in sein Herz scheinen ließ, dessen Berührungen mehr waren als 10 Stunden tiefer Schlaf. Der einfach so sein Herz erobert hatte, ihm dafür seines gab.

  • Ein leises Kichern erfüllte den Raum, als Maximian an ihrem Kinn knabberte. Valeria grinste und tat so, als versuche sie ihn spielerisch wegzuschieben. Schmunzelnd sah sie zu ihm hinauf. Draufen war es nun wieder dunkel, so dunkel wie es gestern am Abend auch gewesen war, als sie Maximian hereinbrachten. Und auch, wenn Valeria es nicht wollte, so wurde sie langsam müde.


    Verhalten gähnte sie und sah Maximian dann an, als sei es ihr peinlich gewesen. So gern würde sie seine Haut an der ihren spüren, wenn sie nebeneinander einschlafen würden und er sich am Morgen danach auch an die vergangene Nacht würde erinnern können...
    Das brachte sie auf einen nicht so schönen Gedanken.


    "Max...was ist, wenn du dich morgen nicht an den heutigen Tag erinnern kannst?" fragte Valeria und sah ihn nun ernster an. Ihre Finger fuhren die Konturen seines Gesichts nach und malten zarte Kreise und Muster auf seine weiche Haut.

  • Er biss nochmal spielerisch, bevor sie ihn wegschieben und gähnen konnte. Er beobachtete sie, jede kleine Bewegung nahm er in sich auf, für das, was er in der letzten vergessen hatte. Und die Berührungen ihres Fingers, der sein Gesicht zu bemalen schien...


    Bei ihrer Frage musste er schmunzeln, schnaufte dabei leise durch die Nase. Ja, was wenn? Auch wenn er jetzt so tat, als würde er die Vorstellung allein ziemlich ulkig finden, war es dann bestimmt nicht so, wenn es tatsächlich wieder geschah. Aber wie sollte so vieles plötzlich wieder weg sein?
    Nein, seinem Kopf ging es inzwischen besser. Er hatte zwar Kopfschmerzen und dachte hin und wieder auch, dass die Welt sich zu drehen anfing (was er aber immer auf Valeria zurückführte, die ihm einfach den Verstand raubte), aber er bezweifelte stark, dass das Vergessen sich wiederholen würde.


    Er legte den Kopf leicht schräg und sah Valeria an, dass sie müde wurde. Ihre Augen waren klein geworden und blinzelten häufiger als sie es normalerweise taten.


    "Ich werde die ganze Nacht wach bleiben und dich ansehen, damit ich nicht vergesse, was für ein wunderschöner Tag das heute war..."


    Hätte er jetzt gerne eine Hand gehabt, um durch Valerias Haar zu streichen.

  • Valeria blinzelte und lächelte ihn müde an.


    "Gut", murmelte sie und schmunzelte leicht.
    "Dann werde ich mich jetzt ausziehen und einschlafen. Und Morgen früh erzähle ich dir dann, was für einen wunderschönen Traum ich von dir hatte..."


    Sie lächelte glücklich und zufrieden. Zum Ausziehen kam sie nicht mehr, denn ihre Hand sank langsam von seinem Gesicht zurück und ihre Atemzüge wurden nun recht schnell gleichmäßiger und ruhiger. Einmal noch hob sie die Lider und blickte ihn verträumt an.


    "Ach weißt du...wenn du morgen alles vergessen hast, so werde ich genauso handeln wie heute...es scheint richtig gewesen zu sein....ich fühle mich wie...ich weiß nicht....ich kann es nicht vergleichen....als ginge ich auf einer Wolke spazieren? .....ja, so muss es wohl sein...."


    Valerias Stimme wurde immer leiser. Schließlich verstummte sie gänzlich.
    Sie war eingeschlafen.

  • Maximian schmunzelte, während er mitbekam, wie seine Liebste in das Reich des Schlafes hinüberglitt. Wie ihre Lider schwer wurden, die Hand langsam von seinem Gesicht sank und sie schlaftrunken immer leiser redete, bis sie flüsternd nuschelnd endete. Ihre Hand rutschte hinunter auf ihre Brust, die Gesichtszüge waren gleichmäßig, aber das Schmunzeln hatte sie mit in den Schlaf genommen.


    Er sah ihr tatsächlich noch eine Weile dabei zu, wie sie in seinen Armen schlief. Viele Gedanken gingen ihm dabei durch den Kopf und doch konnte er keine genauen aufschnappen.


    Irgendwann beugte er sich zu ihr, küsste zärtlichst ihre Nasenspitze und flüsterte:


    "Ich liebe dich..." und mit leicht wehmütigem Gesichtsausdruck hinterher: "Cousine."


    Dann bettete er seinen Kopf auf seiner Schulter, sodass seine Lippen an ihrem Kopf liegen konnten. Gedankenverloren sah er noch einmal aus dem Fenster, vor dem es dunkel war und aufgehört hatte zu regnen.


    Und dann ging Maximian zu Valeria hinüber in die Welt der Schlafenden, während sein Körper nah an ihrem lag und er ihen Duft mit sich nahm, um die ganze Nacht davon zehren zu können.

  • Von seinen Worten bekam sie freilich nichts mehr mit, denn sie schlief schon tief und fest. Und überhauot, wenn Maximian auch in dieser Nacht erwachte, so wachte Valeria selbst diesmal nicht auf. Entweder, er war besonders behutsam, oder aber, er wachte schlicht nicht auf.


    Am Morgen wurde sie vom Gesang der Vögel und den ersten Sonnenstrahlen geweckt, die ihre Fühler nach dem Bett ausstreckten, in dem sie neben Maximian lag. Er schien noch zu schlafen, denn sein Brustkorb hob und senkte sich gleichmäßig und hin und wieder war ein kleiner Grunzer zu hören. Valeria lächelte amüsiert. Soso, Maximian begann also schon in seinen jungen Jahren mit dem Schnarchen. Da fiel ihr ein...sie wusste nicht einmal, wie alt er war. Sie würde ihn später danach fragen.


    Nun aber wollte sie ihn nicht wecken. Und so blieb sie selbst dort liegen, wo sie war, und sah ihn einfach nur an. Wie er dalag und atmete, wie hin und wieder ein Mundwinkel im Schlaf zuckte - und wie seine Nasenflügel erbebten, wenn er wieder einen seiner leisen Schnarcher zum Besten gab. Noch lag sein Gesicht im Schatten, doch schon bald würde die Sonne es in flüssiges Gold tauchen. Im Haus konnte sie Mummia leise über irgendetwas schimpfen hören, was draußen scheinbar nicht ganz in Ordnung war. Auch Aurelius' scharrende Antwort konnte sie vernehmen, aber nicht, um was es in dem Gespräch ging.

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