• Unerwartet und für Galeos Geschmack viel zu früh, legte der Besucher eine Sprechpause ein. Dass es generell um seine Anfrage für ein Trainingsrennen ging, lag für ihn auf der Hand, aber warum machte es der Mann so spannend. Galeo schob seinen Kopf ein Stückchen vor und fixierte den Mann. Die Ungewissheit und Neugierde entfachten ein Kribbeln in seinem Brustkorb. Da er aber keinerlei hypnotische Fähigkeiten besaß, musste er wohl oder übel nachfragen.


    "Jaaaa?" Er vollführte eine Handbewegung durch die Luft. "Wie lautet die Auskunft?" Mittlerweile lagen Zusage und Absage in ihrer Wahrscheinlichkeit gleich auf.

  • "Die Russata freut sich über die Einladung und ist gerne bereit, ein gemeinsames Trainingsrennen durchzuführen", gab der Mann breitwillig zur Auskunft, nachdem er aus der Antwort geschlossen hatte, dass sein Gegenüber tatsächlich im Bilde war, worum es ging. "Habt ihr schon einen Termin und einen Ort vorgesehen?", erkundigte er sich dann, denn diese Information sollte er wieder mit zurückbringen, wenn sie vorlag.

  • Galeo konnte gerade noch verhindern, erleichtert aufzuatmen. Ein freudiges Lächeln ließ er allerdings geschehen.
    "Das freut mich sehr." Dann wurde er geschäftig. "Ich schlage vor, wir nutzen wieder das Gelände bzw. die Bahn, die bereits in der Vergangenheit häufig benutzt wurde. Damit hat zwar die Russata den Heimvorteil, weil sie dort oft trainiert, aber für uns ist das kein Problem.
    Als Zeitpunkt wäre uns das kommende Wochenende Recht. Sofern ich nichts Gegenteiliges höre, gehe ich einfach davon aus, dass diese Vorschläge umsetzbar sind. Richte meine besten Grüße aus."

  • "Verstanden", kommentierte der Mann, denn mehr konnte er natürlich erst einmal nicht entscheiden. "Wir melden uns, wenn es Probleme gibt. Deine Grüße werde ich ausrichten. Vale." Damit war für ihn alles erledigt unds er wandte sich zum Gehen.

  • Tiberius wurde von dem Schrank an der Tür in das absolut beeindruckende Atrium der claudischen Villa.


    Wenn er mal so eine Anlage haben wollte, würde er sich entweder ein neues Haus kaufen müssen, oder die Casa Valeria signifikant erweitern und umbauen. Das war ihm schon bei den Aureliern aufgefallen. Er fragte sich, ob die großen Familien ihre Sitze bereits so ausladend angelegt hatten, oder ob sie mit der Zeit einfach gewachsen waren.


    Und was war es, dass diese Bauten so beeindruckend machte? War es einfach die schiere Größe der Räume? Oder viellecht die Zierden an der Wand? Gar der Fußboden?


    Und so schlenderte er mal hier mal dort hin, betrachtete sich die Stilelemente, die die Claudier verwendet hatten und wartete auf den Praefectus.

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  • Als eine der obersten Prinzipien für die Sklavenschaft im claudischen Haushalt galt das Merken der Namen von Gästen. Für Menecrates' Leibwächter galt das im Besonderen, da dieser nicht nur den Türdienst versah, sondern den Senator seit Jahren oder gar Jahrzehnten zu allen möglichen Gesellschaften, politischen Auftritten oder auf Dienstgängen begleitete. Demzufolge wusste Menecrates, wer ihn zu sprechen wünschte. Das allerdings besagte noch nicht, ob er den Mann auch kannte. Ein schlechtes Namensgedächtnis besaß der Claudier nicht, aber haperte es.


    Als er ins Atrium trat, erblickte er Valerius nicht sofort. Der betrachtete gerade die Wandgestaltung, was Menecrates ein Schmunzeln abgewann.
    "Wir schätzen Motive aus der Tier- und Pflanzenwelt. Menschen sieht man in Rom mehr als genug." Er trat näher.
    "Salve. Mir wurde gesagt, du möchtest mich sprechen, Valerius Flaccus."

  • Fast hätte sich Tiberius erschreckt, als der Praefectus ihn ansprach. Er hatte ihn zuerst nicht kommen gehört.


    "Die Muster sind exquisit, Praefectus. Sehr originell. Ich finde sie verleihen dem Raum in dieser hektischen Stadt etwas beruhigendes."


    Aber er war natürlich nicht gekommen, um über die Wanddekoration zu sprechen.


    "Bitte verzeih, dass ich dich in deinen Mußestunden behellige. Aber mein Anliegen hat nicht direkt mit deinem Amt zu tun und ich fand es unzweckmäßig, dich dort aufzusuchen, wo du dich um wichtige Probleme der Stadt zu kümmern hast. Trotzdem hat meine Frage einen Bezug zu deinem Amt.


    Es geht also um folgendes, Praefectus. Ich bin von Beruf zwar Anwalt, glaube aber, dass es denjenigen die das Recht praktizieren auch zukommt, das Recht zu kommentieren, so das Recht auf gelehrte Weise voran zu bringen und ihr Wissen zu teilen.


    Zu diesem Zwecke habe ich gerade einen Kommentar zu einem Gesetz fertig gestellt. Die Lex Flavia de Frumentationibus. Wie dir sicher klar ist, spielt auch der Praefectus Urbi darin eine nicht unerhebliche Rolle. Potentiell wenigstens. Nun hätte ich mich auf der Theorie ausruhen können. Allerdings glaube ich, dass eine Schrift ohne Praxisbezug nicht viel wert ist. Da ich selbst keine Erfahrung in diesen Ämtern habe, suche ich nun also die Magistrate auf und frage sie, wie sie ihre Aufgabe in diesem Bereich sehen. Nur so kann man den Lesern, die Problematik ernsthaft näher bringen.


    Wenn es dir also nicht ungelegen ist, würde ich gern mit dir darüber reden. Deine Rolle als Praefectus im Gefüge der Stadt."


    Sicher kein alltägliches Anliegen. Aber vielleicht war der Claudier auch ganz froh, nicht nur mit dem Üblichen, was die Bittsteller sonst so vortrugen konfrotiert zu sein.

  • Menecrates teilte die Ansicht, dass die Motive etwas Beruhigendes ausstrahlten. Er nickte kaum merklich und ein kleines Lächeln erschien auf seinem Gesicht. Die echte Natur bot mehr Entspannung und zuweilen saß der Claudier auch im Garten, aber wenn er sich schon in Räumlichkeiten aufhalten musste, dann gern in der bevorzugten Ausstattung.


    Die folgende Einleitung des Anliegens weckte Menecrates' Interesse, denn er konnte sich zunächst nicht ausmalen, worum es seinem Gast ging. Er wies mit der Hand Richtung Peristyl, weil er das Gespräch lieber in der Bewegung als im Sitzen führen wollte. Anschließend hörte er aufmerksam zu.
    Die Lex Flavia de Frumentationibus beschäftigte ihn erst vor kurzem, als er den Praefectus Annonae geladen hatte. Er wusste somit genau, was im Einzelnen im Gesetz stand und wo er selbst mit ins Spiel kam. Er musste ein wenig schmunzeln, weil die gestellte Frage mehr als kurz zu beantworten war.


    "Nun ja, meine Aufgabe in diesem Bereich ist durch das Gesetz klar umrissen: Ist das Amt des Preafectus Annonae vakant, obliegt mir die Verantwortung und da ich ein persönliches Interesse daran habe, dass es zu keinen Versorgungsengpässen kommt, ist Nachlässigkeit keine Option. Ich gehe davon aus, dass du das wusstest." Worauf Valerius hinaus wollte und ob er überhaupt auf etwas hinaus wollte, wusste Menecrates nicht. Er sah den jungen Mann fragend an.

  • Dankbar nahm Tiberius im Peristyl Platz.


    "Nun, es ist beruhigend, dass du, gemessen daran, dass es sich bei der Getreideverteilung um eine der wichtigsten Funktionen in der Stadt handelt, Nachlässigkeit unbedingt vermeiden willst."


    Doch dem Valerier war nicht entgangen, dass der Praefectus ihn fragend musterte. Der Daimon lag hier wie eigentlich immer im Detail. Der Praefectus hatte ihm gerade einfach gesagt, was da in dem Gesetz stand. Bei solchen Gesetzen war es allerdings immer so, dass da mehr stand, als eigentlich da stand. Und es war an Tiberius dieses Gesetz hinter dem Gesetz heraus zu finden.


    "Es ist natürlich so, dass du scheinbar einfach als Vertreter des Annonae vorgesehen bist. Ist das nicht seltsam? Lass mich ein bisschen konkreter werden. Du ist der Praefectus Urbi. Dir unterstellt sind die wesentlichen Elemente der zivilen Exekutivgewalt der Stadt. Vor allem durch die städtischen Cohorten. Du bist der Arm der den Willen des großmütigen Augustus in der Stadt ausführt. Dir unterliegt letztlich im Wesentlichen die Exekution der Strafgerichtsbarkeit. Wäre es also nicht praktischer und effizienter, dass du als Praefectus Urbi die Kontrolle über die Cura Annonae und ihre Möglichkeiten der Verteilung und Sanktion haben solltest?


    Die Getreideverteilung ist eine nicht ungefährliche Angelegenheit und darüber hinaus trotz aller Vorsichtsmaßnahmen ständig in der Gefahr des Missbrauchs, der Manipulation und des Diebstahls. Eigentlich verfügen lediglich du mit den Stadtkohorten und die prätorianische Garde ,die den Augustus zu bewachen hat, über den nötigen Muskel um Probleme vor alllem größere Probleme dieser Art zu beseitigen.


    Und sicher würde man sich in Zeiten des Notstandes, von denen wir ja den Göttern sei Dank schon länger verschont geblieben sind, zuerst an dich wenden, um Ruhe und Ordnung in der Stadt sicher zu stellen. Der Praefectus Annonae wäre doch im Endeffekt, käme es hart auf hart, nur ein Anhängsel, der tut, was du oder der weise Augustus ihm sagt, oder nicht?


    Vielleicht kannst du mir die Ratio dahinter verdeutlichen, damit ich sie den Lesern meines Kommentares weitergeben kann."


    Nun war Tiberius wirklich gespannt auf die Antwort. Sie würde ihm viel über den Claudier und sein Verständnis von der Macht verraten.


    Sim-Off:

    Es geht mir vor allem darum, das Zusammenspiel der verschiedenen Exekutivorgane, die nebeneinander in der Stadt herumwursteln, ein bisschen zu beleuchten. :D

  • Ein kleines Ächzen entfuhr ihm, als er sich niederließ.
    Die Regel besagte, dass die Verantwortung eines vakanten Amtes dem Übergeordneten zufiel, daher fand Menecrates den Gesetzestext nicht seltsam. Er warte ab, worauf Valerius hinauswollte. Als der endete, gönnte er sich einen Augenblick des Nachdenkens.


    "Nun, Gesetzestexte werden zuweilen verschieden verstanden oder bewusst verschieden ausgelegt. Ich sehe mich keinesfalls als Vertreter des Praefectus Annonae, sondern trage dauerhaft die übergeordnete Verantwortung für den Bereich der Cura Annona. Arbeitet der dort eingesetzte Beamte fehlerhaft, fällt das auf mich zurück. Herauswinden kann ich mich nicht - ganz gleich, ob das Amt besetzt ist oder nicht. Es ist meine Pflicht, die Arbeit dieses und auch jedes anderen Beamten zu kontrollieren. Gleichzeitig ist es ratsam und auch nicht anders umsetzbar, Verantwortung zu übertragen. Zum Beispiel nehme nicht ich persönlich die Verteilung des Getreides vor und ebenso wenig die Sanktionen."


    Zum Thema Missbrauch führte er erst kürzlich ein Gespräch mit Gabinius Auruncus.
    "Ich muss mich in Bezug auf Verteilungsprobleme, Missbrauch, Überfälle stets auf dem Laufenden halten und führe Gespräche mit den eingesetzten Beamten. Gleichzeitig ist der Praefectus Annona mir gegenüber meldepflichtig. Gut möglich, dass ein anderer Praefectus Urbi das Gesetz anders versteht als ich. Das ist jedenfalls meine Auffassung."


    Menecrates beleuchtete die Angelegenheit nicht aus der Perspektive der Macht, sondern der der geschulterten Verantwortung.

  • Der Valerier hatte den Einwand, dass der Claudier als Praefectus Urbi bei einer Vakanz die Befugnisse seines "Untergebenen" übernahm schon erwartet.

    "Danke, dass du mir die Verhältnisse so präzise dargestellt hast. Der Praefectus Annonae, als dein - zusammengefasstt- meldepflichtiger Untergebener. Ja. Allerdings habe ich auch schon andere Meinungen gehört, die die Cura Annonae als von der Schirmbefugnis - so nenne ich das mal - des Praefectus Urbi losgelöst sehen. Sie führen dafür an, dass sich die Befugnis, die auf dem Praefectus Annonae zukommt, einst vom göttlichen Augustus selbst übernommen wurde und dem Praefectus Annonae sodann von diesem selbst übertragen wurde, so wie die Ernennung immer noch beim Princeps liegt, und behaupten, den Praefectores Annonae stehe daher eigentlich eine Rechtsmacht sui generis zu.*Aber dein Ansatz ist sicher die heute durch die Lex zementierte Ansicht."


    Der Claudier sprach viel von Verantwortung, die auf ihn letztlich zurückfalle. Tiberius dachte einen Moment nach und beschloss die Sachlichkeit, ja Bescheidenheit des Claudiers nocheinmal auf die Probe zu stellen.


    "In der Tat trägst du also mit der Aufsicht über all die Beamten eine große Verantwortungslast. Meinst du daher nicht, man sollte dem weisen Augustus raten, die Verwaltung, nun, etwas weiter delegieren? Die Verwaltung hat einige alte republikanische Befugnisse in sich aufgenommen, die vorher etwas anders gelagert waren. Vielleicht wäre es besser, diese der älteren Tradition gemäß auf mehrere Personen aufzuteilen? "


    Er hatte so eine Ahnung, dass vor allem die Aedilen über die starke Stellung des Praefectus Urbi verstimmt sein mochten. Auch der Praetor Urbanus mochte über den starken Praefectus Urbi besorgt sein.


    Sim-Off:

    *Auf die Idee könnte man z.b. außerdem kommen, weil die Getreideversorgung nicht im Aufgabenbereich des Praefectus Urbi wie er in Dig. 1.12.1 beschrieben ist, auftaucht. Im Gegensatz zu den Fleischmärkten z.b.

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  • Menecrates nahm den formulierten Dank mit einem Nicken entgegen. Die Schilderung, dass andere Personen die Sachlage anders bewerteten, überraschte ihn nicht. Mit fast allen Dingen im Leben verhielt es sich so: verschiedene Personen, abweichende Meinungen und Ansichten. Er nahm die Erwähnung dessen kommentarlos hin, zumal er eben selbst auf Diskrepanzen hingewiesen hatte. Wenn er den Besucher richtig verstanden hatte, ging es ihm auch nur um Menecrates' Haltung und nicht die Bewertung anderer Meinungen.


    Die anschließende Fragestellung überraschte den Claudier. Er hielt kurz die Luft an und versuchte die Intension dahinter zu ergründen. Instinktiv glich er mögliche Hintergedanken ab, die seinen Besucher antreiben konnten. Dabei gelang es ihm nicht, der Fragestellung etwas Wohlwollendes oder Aufrichtiges, Besorgtes oder glaubwürdig Rechtschaffenes zuzuordnen.
    Da er nicht wusste, was der Besucher im Schilde führte, er aber gleichzeitig nichts Positives erkennen konnte, beschloss er, das Gespräch zu beenden. Er erhob sich, um diese Absicht zu verdeutlichen. Eine Antwort wollte er allerdings noch geben, wenn auch sicherlich nicht die erhoffte.
    "Was glaubst du, welche Kompetenz ein Preafectus Urbi ausstrahlt, wenn er andeuten oder sich gar einverstanden erklären würde, seine Pflichten auf die Schultern mehrerer Personen zu verteilten? Für wie gewachsen gegenüber seinen Verpflichtungen würdest du diesen Mann halten?"


    Sein Blick ruhte einen Atemzug auf Valerius' Antlitz, ohne die Hintergründe erkennen zu können, dann fügte er an. "Eine Antwort erwarte ich nicht. Danke für deinen Besuch, Valerius Flaccus. Vale!" Er klang nicht unfreundlich, aber bestimmt.

  • Tiberius hatte verstanden. Er erhob sich mit dem Praefectus Urbi. Es war das Privileg des Hausherrn und des verdienten Staatsmannes, die Diskussion an dieser Stelle so abrupt zu beenden. Daher respektierte er es auch, dass der Praefectus das letzte Wort in der Sache vor der Verabschiedung hatte und sagte vorm Hinausgehen also lediglich mit neutraler Anwaltsmiene:


    "Nun denn. Danke für deine Zeit, Praefectus. Du hast mir durchaus weitergeholfen. Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg bei deiner verantwortungsvollen Aufgabe. Vale."


    Ohne Eile verließ Tiberius die Villa und trat auf die Straße. Er fand es interessant, dass der Praefectus Tiberius' Frage tatsächlich als eine Art Angriff gewertet hatte. Die Frage war eher als abstrakte Diskussionsfrage danach, ob das Amt des Praefectus Urbi vielleicht zu "vollgeladen" war, formuliert gewesen, auch wenn ihm klar gewesen war, sogar ein bisschen provoziert hatte, dass er damit eine emotionalere Reaktion bekommen würde. Und die war ja dann auch erfolgt. Der Praefectus war nicht erfreut gewesen.

  • Nachdem Caesoninus also vom Ianitor ins Innere der Villa Claudia eingeladen worden war, begab er sich sogleich über die Türschwelle ins Atrium, um auf das Erscheinen des Hausherrn Herius Menecrates zu warten.
    Dabei staunte er nicht schlecht über das prachtvolle Interieur des herrschaftlichen Anwesens. Alles war nur von edelster Machart, ganz so wie sich das für eine der wohlhabendsten Patrizierfamilien Roms nun einmal geziemte. Er war noch nie zuvor im Hause des Claudiers gewesen, bisher hatte er mit Menecrates immer nur entweder brieflich, oder persönlich am Gelände der Factio Praesina Kontakt gehabt. Umso beeindruckter war er jetzt von dem, was er hier sah. Dagegen war die Domus Iulia ja fast schon zum schämen ärmlich, obwohl auch sie für senatorische Verhältnisse eigentlich sehr stattlich eingerichtet war. Aber es mochte gewiss einen guten Grund geben, eshalb die Claudier bei ihrem Heim von einer Villa und nicht einem Domus sprachen, wie er jetzt feststellte.
    So trat er also näher, um die Freskenmalereien zu bewundern, während er auf seinen Gesprächspartner wartete.
    In seinem Schatten stand ein iulischer Sklave hinter ihm ebenfalls im Raum, der eine Amphore im Arm hielt.

  • Als Menecrates über die Schwelle trat, entdeckte er Caesoninus bei der Betrachtung der Fresken. "Ziemlich viel Schnickschnack, aber die Meister können was. Das muss man ihnen lassen." Es klang nicht nur allgemein lobend, sondern wertschätzend. Menecrates liebte Details, wenn auch in einem überschaubaren Rahmen. Eine Überflutung suchte er indess stets zu vermeiden.
    Er trat näher und setzte ein Lächeln auf. Es erschien ganz von selbst.
    "Salve Caesoninus. Was führt dich zu mir?" Erst nachdem er das Anliegen abschätzen konnte, würde er zu einem Imbiss, einem Gartenspaziergang oder einer Sitzbank laden.

  • Als jemand ihn ansprach, wandte er den Kopf. Erfreut registrierte er Senator Claudius Menecrates' Antlitz. "Salve Consular, es ist mir eine Ehre und Dank, dass du mich empfängst!" war Caesoninus auch gleich bemüßigt, seine Gefühle ob der claudischen Erscheinung kund zu tun.


    "Ich bin heute hier, um mit dir ein wenig über die anstehende Wahl zu sprechen. Außerdem habe ich eine kleine Aufmerksamkeit für dich, die ich dir gerne in diesem Zuge überreichen möchte. Lass es mich genauer erklären..."


    Und gemeinsam schlenderten beide in Richtung Garten, während Caesoninus unablässig über seine Kandidatur sprach.


    Sim-Off:

    In Abstimmung mit Menecrates wird dieses Gespräch in den Garten verlegt und von uns nicht weiter ausgespielt.

  • Stella verweilte einen Moment, da sich Claudius scheinbar noch nicht eingefunden hatte. Dies förderte nur ihre Nervosität. Sie war nicht besonders aufgehübscht, trug keine extrem besondere Kleidung und war auch ansonsten eher bodenständig gekleidet, da sie dieses Treffen möglichst vor Außenstehenden geheim halten wollte. Das Bündnis der Häuser Tiberia und Claudia sollte zwar erneut bestärkt werden aber nicht in aller Öffentlichkeit. Stella würde etwas tun, was von einer verwaisten und unverheirateten Frau erwartet wurde, die noch jung und heiratsfähig war. Sie musste sich einen tutor suchen und diese benennen, da sie zwar frei aber auch unverheiratet war. Zwar konnte sie weitreichende Rechtsgeschäfte tätigen aber eben nicht alle. Insbesondere die Veränderung ihres Besitzes in Form von Grundstücken brauchte einen rechtlichen Begleiter in Form eines tutor und viel wichtiger, Stella aus einem patrizischen Haus war besonders zur Ehe verpflichtet, wie eigentlich jede römische Frau und noch immer hatte sie keinen geeigneten Ehemann in Aussicht, so dass auch die Aufgabe eine Partie auszumaschen, in die Aufgaben eines tutor fiel. Stella musste verheiratet werden, damit das Haus Tiberia nicht ausstarb und sie nicht geächtet wurde. Als letzte Frau eines Hauses lastete dieser Fluch besonders auf ihr. Natürlich gefiel Stella dies nicht, da auch sie selbst an eine Beziehung aus Liebe glaubte aber ihre Geburt unter dem Namen Tiberius brachte besondere Pflichten und Aufgaben mit sich. Sie konnte es sich nicht leisten, aus Liebe zu heiraten. Auch wenn sie dies gewollt hätte. Vielleicht hatte sie Glück und der tutor, sofern dies Claudius wurde, würde einen guten Mann auswählen, den sie lieben lernen konnte. Doch genau diese Pflicht, einen tutor zu wählen, sorgte gerade für etwas Unbehagen in der sonst so mutigen Frau. Rom hatte ihr deutlich gemacht, dass ihr bisheriger Lebensstil nicht mehr funktionierte und sie ohne diesen Schritt nicht weiter nach ihrem Vater suchen konnte.

  • Als Menecrates ins Atrium trat, erblickte er eine Frau, die er weder kannte noch auf den ersten Blick dazu einlud, sie kennenlernen zu wollen. Allein die Auskunft, es würde sich um die Tochter seines Klienten Tiberius Verus handeln, mit dem ihm weit mehr als ein Patronat verband, hielt seine Neugier aufrecht. Eine höfliche Begrüßung verdiente sie allemal, obwohl ihm Zweifel bei der Betrachtung ihrer Aufmachung überkamen.

    Er verlangsamte das Tempo und verhielt den Schritt, als er zwei Armlängen entfernt vor ihr stand. Ihre Fingerspitzen hätten sich berühren können. Nah genug, um sich unterhalten zu können. Weit genug, um etwaig Unliebsamem ausweichen zu können.


    "Tiberia Stella?" Seine Stimme klang nicht nur fragend, sondern auch gedämpft. Unsicherheit und Zweifel schwangen mit. Wieder glitt sein Blick über die Kleidung, zu den Füßen und über die Hände zur Frisur zurück. "Was führt dich hierher und wie kann ich sicher sein, dass du diejenige bist, die du vorgibst zu sein?" Er kannte Stella nicht. Bislang wusste er noch nicht einmal, dass Verus Kinder besaß. Flüchtig fragte er sich, ob die Wissenslücke einer aufkommenden Vergesslichkeit zuzuschreiben sei, schob diese Erklärung aber fort. Vielleicht hatte Verus seine Tochter geheim gehalten. Wundern würde das Menecrates nicht, denn man konnte viel über den Tiberier sagen, aber gewiss nicht, dass er durchschaubar wäre.

    Es hing viel von der Antwort der jungen Frau ab. Menecrates würde erst danach entscheiden, ob sie das Gespräch stehend fortsetzten, ob sie es überhaupt fortsetzten, oder Platz nahmen. Er wünschte, letzteres würde sich anbieten, denn vielleicht wusste die junge Frau, wo sich ihr Vater derzeit aufhielt. Der Claudier vermisste ihn.

  • Wieder diese Melodie in der Ferne, eine Musik seltsam anziehend und doch fremd, fast entrissen und nicht greifbar. Etwas rief die junge Stella zu sich, wollte sie befreien von dieser Welt, während ihre Gefühle von ihr trieben. Hatten die Götter sie vergessen und verlassen? Die junge Frau stand einfach dort, wie eine Statue aus Fleisch und Knochen. Zerrüttete Träume und zerbrochene Hoffnungen wollte sie in einem Stoßgebet verdammen, um sich frei zu machen und doch gelang es ihr nicht. Es gelang ihr so vieles nicht mehr, was ihr einst gelungen war. Dieses Rom war ihr so fremd und etwas in dieser unhörbaren aber fühlbaren Melodie in der Ferne zog sie fort von hier. So sehr sie eine Römerin sein wollte, so wenig konnte sie es sein. Nicht nach alldem, was sie gesehen und erlebt hatte. Der grausame Kaiser, der sie verhöhnt hatte, und ihr einen kalten Beamten gesandt hatte, die frostige Einsamkeit in dem dunklen Keller des Pluto, jener Gruft unter den Trümmern des Stammhauses, und all jene Verluste, die sie durchlebt, angefangen bei ihrer Mutter, ihrem Vater und ihrem Bruder. Doch noch immer war sie hier, fast von göttlicher Strahlkraft im Leben gehalten: Pluto hatte sein Spiel noch nicht beendet. Sie gehörte nach dem Opfer und jenem Ritus ganz Pluto und sie würde jenem Fluch folgen, bis alles Unrecht an ihrer Familie gesühnt war. Fast meinte sie Pluto in der Melodie zu vernehmen, während die Farben vor ihren Augen wechselten und sich in einem Gleichklang von einem Weißton wiederfanden. Ein Flüstern durchbrach ihre Kreise, entriss sie der Melodie. Sie vermochte es nicht zu trennen, von der Realität und jener albtraumhaften Ferne, in der Pluto zu lauern schien, in seinem dunklen Gewand. Dort stand er, hinter dem Mann, der gerade eintrat. Pluto in seiner schwarzen Robe, die schwarze Kapuze dicht über sein Haupt gelegt, so dass kein Gesicht zu erkennen war. Der ewige Herrscher des Todes war hier und er war immer dort, wo Stella war. Mochte es Einbildung oder Wahnsinn sein, so gab es ihr eine Gewissheit, dass Pluto sie bisher noch nicht geholt hatte; nicht, wie jeden anderen.


    Der Mann, bei dem es sich wohl um Claudius Menecrates handeln musste, stand dort vor ihr. Kurz kniff sie ihre Augen zusammen, während das Flüstern verstarb und die Wirklichkeit wieder an fester Form gewann. Wollte sie sich ein Lächeln leisten? Etwas an menschlichem Ausdruck? Stella wollte lächeln, diesen Mann umarmen, der sie empfangen hatte und sie für einen Moment aus dem Dunkel der Abwandlungen der Zeiten um ihren Namen riss. Es war ein trauriger Schlummer, der sich ihres Glücks bemächtigt hatte und so konnte sie nicht lächeln, keine echte Regung zeigen, außer ihres wachen und klugen Blickes. "Ja, das ist mein Name," sprach Stella mit fast gebrochener Stimme, da es ihr schwer fiel, jetzt mit klarer Stimme zu sprechen. Ihre Augen wurden glasig, während ihr Verstand sich in diesem Augenblick verkrallte. Sie bemerkte seine Unsicherheit und seinen Zweifel, die in seiner Stimme mitschwangen. Zu gut verstand sie es. Auf diesen Moment hatte sie sich vorbereitet. Aus einer unscheinbaren Ledertasche zog sie einen Brief, den sie Claudius vorsichtig anbot.


    Ad Tiberia Stella


    Liebstes Kind, mein Licht,


    Stella, wenn du diese Zeilen liest, bin ich vermutlich tot. Nur noch ein leises Flüstern im Wind. Es tut mir leid, dass dich diese Botschaft so erreichen muss. Mein treuer Lucius wird dir diesen Brief und weitere Briefe gebracht haben. Sie sind durchnummeriert und zu gegebener Zeit wirst du weitere Briefe öffnen. Die Briefe enthalten Instruktionen, die dir helfen sollen, mit dem Opfer, welches ich beging, zu leben und dich darauf vorzubereiten, dein Leben weiter zu bestreiten. Dein Bruder erhält ebenso entsprechende Briefe mit für ihn bestimmten Instruktionen. Jeder Brief wird dir den Abschied erleichtern, auch wenn ich weiß, dass es schwer für dich sein wird. Ich liebe euch. Du bist tapfer und wirst ins Leben finden. Du bist doch die Tochter deiner Mutter. Die Sterne werden nur für dich erstrahlen und wenn du in den Himmel blicken wirst, werde ich einer dieser Sterne sein, der über dich wacht. Ich habe dich stets vermisst und selbst im Tode vermisse ich euch alle. Doch meine Zeit ist knapp, die Gefahren zu groß, so dass ich noch nicht alles sagen, was ich dir gerne sagen möchte, liebste Stella. Ich bin dir als Vater ein Leben schuldig.


    Ich möchte dich darüber in Kenntnis setzen, dass ich Vorkehrungen und Vorbereitungen für mein mögliches Ableben getroffen habe. Dir wird es an Nichts mangeln, wenn du exakt die Instruktionen befolgst. Höre mir gut zu, Stella. Ich war ein treuer Diener des Imperator Caesar Augustus und habe manche Tat in seinem Namen begangen. Seine Befehle führten mich in manche Hölle. Ich habe es nie genossen, nie geliebt, denn meine Liebe galt allein meiner Familie. Doch Treue und Ehre banden mich.


    Diese Treue gegenüber dem Imperator Caesar Augustus, die durch heiligen Eid besiegelt ist, verbindet mich auch nach dem Tode mit dem Imperator. Er gab mir einst ein Versprechen, dass er im Falle meines Ablebens für eine angemessene und würdige Bestattung sorgen würde. Darüber hinaus schließt die Tradition eine Versorgung meiner Angehörigen mit ein. Römische Sitte wird auch ihn binden, dich anzuhören und dir zu helfen.


    Er kann diese Bitte nicht ablehnen, da er so jedem Getreuen, die durch heiligen Eid an ihn gebunden sind, mittelbar vom Eid lösen würde. Unser Imperator Caesar Augustus ist ein gerechter Mann. Habe keine Angst vor ihm. Er wird dich mögen, wie viele dich mögen. Du bist klug, schön und tapfer. Alles Eigenschaften, die auch er in dir sehen wird. In aller Verbundenheit wird er sich um dich kümmern und sein Versprechen einhalten. Ansonsten mögen ihn die Götter strafen und jeder grausame Fluch des Pluto ihn treffen. Suche ihn in Rom auf dem Palatin auf. Sei aber vorsichtig, denn Rom ist voller Schlangen.


    Du hast ein Leben verdient.


    In Liebe,


    dein Vater


    Au. Tiberius Verus


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    Sie senkte ihr Haupt, atmete ebenso vorsichtig weiter, und sprach dann: "Mein Vater ist mit aller Wahrscheinlichkeit tot. Mein Bruder ist es wahrscheinlich ebenso. Du bist doch ein Freund meines Vaters?" Dann entnahm sie der Tasche einen einfachen aber gut gefertigten Siegelring, der einstmal wohl einem Soldaten des Hauses gehort haben musste. Blut klebte im Siegelstein und auch das Material war zerkratzt. Das Gold hatte gelitten aber funkelte noch immer strahlend gegen die eigenen Schäden an. "Dies ist der Ring meines Vaters," sagte sie andächtig und ihre Hand zitterte, als sie den Ring auf der Handfläche präsentierte. "Ich brauche deine Hilfe. Der Augustus hat mich mittelbar abgewiesen. Ich wollte meine Familie mit der zeremoniellen Bestattung meines Vaters ehren. Der Augustus schickte nur einen Beamten und dieser wies mich scharf in die Schranken. Darüber hinaus wollte ich das Erbe meines Hauses einfordern aber diese Bitte scheint mir verwehrt, da ein Großteil verschwunden ist. Ich halte mich mühsam über Wasser und ..." Sie wollte weiter sprechen aber die Tränen, echt und voller Strahlkraft, fielen aus ihren Augen, da sie es nicht aussprechen konnte. "... ich bin allein in dieser bösen Stadt, die mir alles genommen hat." Alle Pläne waren dahin. Sie konnte weder klar fordern, noch erbitten. Auch konnte sie nicht jene Schmach erklären, die sie beim Kaiser erlebt hatte. Ihr Vater hatte sich im Augustus getäuscht. Da war sie sich sicher. Der entsandte Beamte hatte ihre Position noch einmal klar gestellt: Eine Bestattung, ja aber nur im kleinen Rahmen und keine weiteren Forderungen. Sie solle ihren Platz kennen und nicht mehr über diese Angelegenheit sprechen. Es interessierte Rom einfach nicht, was geschehen war. Stella war sich in dieser Sache sicher, da es sich aus ihrem Blickfeld so darstellte.

  • Stellas Blick irritierte ihn, weil er ihn nicht deuten konnte. Etwas Hilfloses und gleichzeitig Selbstzerstörerisches meinte er zu erkennen, weswegen er den eigenen Blick kaum losreißen konnte - nicht einmal, als er den gereichten Brief entgegennahm. Die Situation nahm ihn gefangen und der Raum um ihn verlor an Bedeutung. Beinahe hätte er dessen Existenz geleugnet. Er fühlte den Brief zwischen den Fingern und sah die junge Frau vor sich. Für weitere Wahrnehmungen reichte seine Aufmerksamkeit nicht aus. Alleine das Auftreten seines Gastes überzeugte ihn davon, dass sie Verus' Tochter sein musste. Ihre Ausstrahlung ließ ihn jedoch nichts Gutes in dem gereichten Schreiben erwarten. Er schluckte, bevor er sich auf den Brief konzentrierte.


    Bereits der erste Satz traf ihn, seine Hand begann zu zittern. Gab es Restzweifel über Stellas Identität, mit dem Brief waren sie beseitigt. Menecrates erkannte in nahezu jeder Formulierung den einstigen Trecenarius wieder. Kein anderer teilte sich derart mit. Es gab im Imperium keinen zweiten Verus und imitiert werden konnte er ebenfalls nicht. Der Claudier atmete hörbar aus. Die Situation belastete ihn. Wenn er es nicht vorher schon gewusst hätte, jetzt wäre es klargeworden: Aus dem einst verachteten, fast verhassten Gardeoffizier war zwischenzeitlich ein Verbündeter und letztendlich ein Freund geworden, für den der alte Claudier väterliche Gefühle hegte. Einzig die Tatsache, dass derjenige, der schrieb, nicht gleichzeitig tot sein konnte, hielt eine Hoffnung aufrecht, an die er sich klammerte.


    Er senkte den Brief und suchte wieder Blickkontakt. Die Anspannung hinderte ihn, auf ihre Frage zu antworten. Natürlich sah er sich als Freund ihres Vaters, aber nicht einmal nicken konnte er. Er fror zur Spätsommerzeit im eigenen Haus. Sein Blick fiel auf den Ring. Er brauchte ihn nicht, um sicher zu sein.

    Als Stella von einer Bestattung sprach, hielt ihn nur die Höflichkeit davon ab, ihr nicht ins Wort zu fallen. Was sie äußerte, holte ihn aus der Starre.


    "Ich gehe mit dir zum Kaiser, aber erst dann, wenn wir Beweise für seinen Tod gefunden haben. Bis dahin lebt er, hörst du!" Seine Stimme klang beschwörend. Gleichzeitig äußerte er die Instruktion mit Nachdruck. "Ich möchte nichts Anderes hören!" Er überlegte, wie er Stella einen Funken an Überzeugung vermitteln konnte, denn Hoffnung allein reichte oftmals nicht, um verbliebene Kräfte zu bündeln.

    In seiner typisch ungelenken Art, fiel ihm nichts Besseres ein: "Er schreibt, er hat für seinen Tod Vorkehrungen getroffen und dir wird es an nichts mangeln. Er kann gar nicht verstorben sein!" Menecrates wies auf die Aufmachung seines Gastes und dachte nicht darüber nach, dass er Stella damit womöglich beschämte. "Und wenn ich jetzt für dich sorge, kann das niemand als Auswirkung seiner Vorkehrungen betrachten." Er vergewisserte sich, dass sie seiner seltsamen Logik folgen konnte, war sich aber nicht sicher.


    "Baden, einkleiden, essen", entschied er, und meinte damit nicht sich, sondern Stella. "In dieser Reihenfolge gehen wir vor. Beim Essen erzählst du mir mehr. Ich muss wissen, wo ich mit der Suche anfangen kann." Mit dem eigenen Vorgehen zufrieden, atmete er einmal durch. Er war kein Narr, er wusste, dass Stella mehr als schöne Kleider, einen gefüllten Magen und ein sicheres Heim brauchte.

    Er wiegte den Kopf, bevor er anfügte: "Wenn du mit einem alten Mann als Gastgeber zufrieden sein willst, der es nie recht verstand, seine Kinder zu trösten, der oft nicht weiß, wie er den Stock aus dem Rücken zieht, und manchmal sogar aus gefühlvollen Situationen flüchtet", er blickte fragend, "dann heiße ich dich herzlich Willkommen!" Seine Augen strahlten für den Moment Wärme aus, weil das Angebot von Herzen kam.

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