Der Marktplatz von Mantua

  • Es war nicht leicht festzustellen, ob der Mann wirklich die Wahrheit sprach. Doch Ursus hatte ein gutes Gefühl bei ihm. Die Erklärungen klangen schlüssig, wobei die Geschichte mit den Bestrafungen ein wenig undurchsichtig blieb. Anscheinend war ihm das ein unangenehmes Thema, irgendwo verständlich. "Gut, dann wollen wir mal hören, was der Händler für Dich haben will."


    Er wartete noch einen Moment, bis die Frau mit dem Sklavenhändlicher zuende verhandelt hatte. Sie kaufte tatsächlich und das konnte Ursus' Verhandlungsbasis mächtig verbessern. Wie schon vorher tat er so, als wollte er eigentlich eine Köchin kaufen. Er feilschte mit dem Händler, wies auf die schlechte Ausbildung hin und befand den Preis dann als immer noch zu hoch. "Na, schön, keine Köchin von Dir. Was ist mit dem da? Ich brauche wen zum Holzhacken. Warum ist er so verschandelt? Ist er aufsässig?"


    "Aber nein, Herr! Er ist ein hervorragender Arbeiter, gehorsam und stark. Hin und wieder guckt er so stolz, dann braucht er wieder ne Tracht. Aber er tut alles, was ihm befohlen wird! Du wirst zufrieden sein." Und wieder begann das Feilschen.


    Ursus hätte fast gelacht, denn für das, was der Sklave konnte, war es ein Spottpreis. Trotzdem handelte er den Preis noch ordentlich herunter, bevor er einschlug. Geld wechselte den Besitzer. Und Papiere ebenfalls. Dann winkte Ursus dem Sklaven. "Komm, Cimon", sagte er schlicht und ging voran, um erst einmal etwas Abstand zu dem Sklavenhändler zu schaffen.


    "Mein Name ist Titus Aurelius Ursus und ich bin zur Zeit als Tribunus Laticlavius hier in Mantua bei der Legio I. In wenigen Monaten aber schon werde ich nach Rom zu meiner Familie zurückkehren. Dort führen wir einen großen Haushalt, Du wirst sicher schnell Anschluß finden. Wir haben sogar schon einen Nubier, Leone heißt er." An einem Stand kaufte Ursus Kleidung für seine Neuerwerbung. So konnte er nicht herumlaufen als Angehöriger eines patrizischen Haushaltes.


    "So, auf dem Weg zur Castra würde ich gerne noch etwas mehr über Deine Lebensgeschichte hören. Erzähl es von Anfang an." Es war sowohl Neugierde als auch die Notwendigkeit, seinen Sklaven kennenzulernen und einschätzen zu können.

  • Der Herr wollte schauen was der Händler verlangte? Cimon strahlte nun etwas deutlicher und wartete geduldig auf die ANtword. Von außen war ihm nicht anzusehen wie gerne er aufgesprungen wäre.
    Seine Augen suchten nach dem was geschah, ohne dabei jemanden direkt anzuschauen.
    Sie Handelten, aber offensichtlich um eine Frau. Der Nubier war verwirrt und glaubte sich bereits verloren...doch dann wies der mann auf ihn und es sah dabei so nebensächlich aus, dass mann denken konnte, er hätte kein wirkliches Interesse. Cimon musste eingestehen das dieser Römer wirklich erstaunliches leistete. Wie er den Händler in seinem Sinne lenkte... Cimon hoffte mehr denn je nun gekauft zu werden.
    Innerlich schwor er absoluten Gehorsam, sollten die Götter ihn erhören...


    'Komm Cimon'... das war sein Signal. Sofort kam Bewegung in seinen Körper und er folgte seinem neuen Herren mit aufflammender Freude. Dabei blieb sein Blick noch immer gesenkt. Gespannt hörte er den Worten seines Herren zu und blieb doch erstmal still, denn es klang nicht so als würde sein Herr bis auf ein Nicken viel von ihm verlangen.
    Titus Aurelius Ursus ... Patrizier. Was für ein Glück er doch hatte. Und dann noch einen Mann der normal mit ihm redete. So normal man mit Sklaven eben sprach. Noch einen Nubier? Seine Augenbrauen bewegten sich, doch er sagte nicht das es nur die Farbe seiner Haut war, die ihn mit diesem Sklaven verband...das und der Stand.
    Allerdings nahm er wie selbstverständlich die Kleidung, denn die konnte der Herr unmöglich selber tragen. Das sah er als seine Aufgabe. Und wie froh er war es zu halten. Allein die Tatsache das er bald etwas besseres tragen würde ließ Cimon leicht lächeln.


    Dann folgte etwas mit dem er nicht gerechnet hatte. Er sollte von Anfang an erzählen? Doch was interessierte und was war Beiwerk? Was sollte er nur sagen? Von Anfang an...nun gut. Er brauchte einen Moment um sich die Worte zurecht zu legen.


    "Mein bescheidenes Leben, Herr? Ich bin Sohn einer...Sklavin, einer Lupa. Als Junge wurde ich verkauft, da mein Verhalten nicht gefiel, Herr. Nach kurzer Zeit kam ich zu einem griechischen Weinhändler namens Atonis von Theben. Er bestand auf gute Aussprache und eine Ausbildung in den gängigen Sprachen, Herr. Nach kurzer Zeit zahlte er einen Unterricht bei einem Gladiator für mich, kurz darauf auch bei einem Veteran, der als Centurio die Legion verlassen hat, Herr.
    Atonis lehrte mich das meiste was ich heute weiß, Herr. Aber er starb vor einem Jahr und seine Erben sahen keinen Wert in mir. So kam ich zu diesem Händler, Herr."


    Cimon wollte noch so vieles sagen. Doch sicher interessierte seine Meinung über seine ersten Herren oder diesem Händler nicht. Er wollte nicht dafür sorgen sofort nach dem Kauf unangenehm aufzufallen. Das geschah oftmals noch früh genug. Doch bei Titus Aurelius Ursus hatte er ein gutes Gefühl. Voller Respekt vor diesem Mann schaute er ihn kurz an, ohne ihm wirklich in die Augen zu schauen. Dann senkte er wieder seinen Kopf und wusste dass es besser werden konnte. Nicht wie mit Atonis, doch wesentlich besser als bei allen anderen. Und dann noch eine solche Familie. Die Götter waren ihm gnädig und er würde sein Versprechen niemals vergessen.

  • Der Sklave gehorchte. Und sein Blick war die ganze Zeit gesenkt, wie es sich für einen Sklaven geziemte. Er schien tatsächlich gut erzogen zu sein. Trotzdem nahm sich Ursus vor, zumindest erst einmal vorsichtig mit ihm zu sein. "Bei einem Gladiator und bei einem Centurio hast Du zu kämpfen gelernt? Das klingt vielversprechend. Denn in Rom dürfen keine Waffen getragen werden. Es kommt also auf den waffenlosen Kampf an. Du bist schon eine Weile aus dem Training, ja? Mal sehen, vielleicht kann ich Dir hier einen brauchbaren Trainingspartner besorgen, um Deine Fähigkeiten aufzufrischen. Wie sieht es mit Reiten aus? Kannst Du das auch? Und Pferde versorgen? Ein Weinhändler? Dann verstehst Du auch etwas von Wein? Wo hat dieser Atonis gelebt? In welcher Stadt?" Rom war riesig, es würde eine Weile dauern, bis Cimon sich auskennen würde.


    "Hier in Mantua habe ich nur einen kleinen Haushalt, es wird also reichlich zu tun geben für Dich. Aber wie schon erwähnt, ist das nur noch für kurze Zeit. Warst Du schon einmal in einem Lager? Oder hat der Centurio Dir etwas über den Aufbau eines Lagers erklärt?" Da jedes auf gleiche Weise errichtet wurde, fand man sich in jedem zurecht, wenn man erst einmal eines kannte. "Du sprichst mich mit Dominus oder Dominus Ursus an. In Rom steht mein Onkel Marcus Aurelius Corvinus dem Haushalt vor, deshalb ist die Unterscheidung wichtig. Du gehörst aber mir, deshalb steht für Dich mein Wort über seinem."

  • Und wieder musste Cimon sich einiges merken doch er sprach es in sich hinein und verinnerlichte seine Antwort, wie Atonis es ihm gelehrt hatte. Ja, sein Herr würde jetzt stolz auf ihn sein.


    "Übung wäre von Vorteil, Herr. Ich kann so gut reiten wie man es von einem Sklaven erwarten kann, Herr. Doch bei weitem nicht so gut wie ich es sollte, verzeih Herr. Aber ich kann mich gut um Pferde kümmern und Atonis ist nie ein Pferd gestorben, Herr.
    Ich verstehe nur ein wenig von Wein, eben was ich bei meinem Herren lernen konnte. Atonis kam aus Theben. Er hat mir viel erzählt, Herr. Doch wir waren nie dort. Er war ein reisender Händler und besaß eine Villa Rustica in Hispania."


    Bei allem was Cimon sagte wirkte seine Stimme zwar fest, zeigte aber durch gewisse aussprache den Respekt vor dem Herren. Ein kleiner Haushalt, der viel zu tun gab? Cimon würde sich überraschen lassen müssen. Denn nachfragen sah er als Fehler an. Noch musste er vorsichtig sein, er konnte noch nicht einschätzen wie sein Herr reagieren würde und wo genau die Grenzen lagen. Doch ausprobieren wollte er es auch nicht wirklich.
    Lager? Cimon dachte nach und erinnerte sich an die harte ausbildung die ihm jetzt noch schmerzte wenn er darüber nachdachte.


    "Nein, Herr. Ich war noch nie in einem Lager. Aber der Centurio hat oft darüber geredet um mir zu zeigen was ich alles n icht konnte und weshalb ich ein Sklave und er ein Legionär war."


    Zu spät merkte er was er gesagt hatte und setzte eilig ein 'Herr' nach. Cimon redete zu viel, dann passierte soetwas zwangsläufig. Er musste rasch weiter reden...warum fragte sein Herr auch so viel?
    Als es um die Familie des Herren ging machte sich kurz Furcht in ihm breit, denn er wusste nicht wie der Vorstand des Hauses mit ihm umgehen würde. Doch er würde sich immer an sein Versprechen an die Götter erinnern und schlussendlich war wichtig was sein Herr von ihm dachte.


    "Wie du es wünschst, Dominus Ursus."


    Bei diesen Worten nickte er untertähnig und wusste nicht so recht wie er in Zukunft die Worte richtig gebrauchen sollte. Aber wenn etwas sicher war, dann das ein Herr es einem im Zweifel schon beibringen würde. Besser aber er bemühte sich es am Anfang schon richtig zu machen. Eben so wie Atonis es ihm beigebracht hatte.

  • Sie näherten sich langsam der Castra, die von hier durchaus einen imposanten Eindruck machte. "Nun, dann werde ich Dir einen Trainer besorgen. Und Du kannst Dich um Arbo kümmern, das ist mein Pferd. Es gibt noch ein paar Sklaven in meinem Haushalt, aber nicht viele. Im Lager darfst Du Dich frei bewegen, Cimon. Aber verlassen darfst Du es nur, wenn ich Dir den Auftrag dazu gebe. Die anderen Stabsoffiziere haben ebenfalls Sklaven, mit denen darfst Du Dich ruhig anfreunden. Du wirst Dich schnell im Lager auskennen, es ist logisch und systematisch aufgebaut. Wenn Du Fragen hast, dann immer heraus damit."


    Über die Anrede mußte Ursus nun doch schmunzeln. "Wie gesagt, der Zusatz meines Namens ist eigentlich nur in Rom nötig, wenn andere Aurelier dabei sind. Sonst fühlen sich alle zugleich angesprochen." Eigentlich eine komische Vorstellung, wenn denn alle mal zuhause anwesend waren.


    "Ich erwarte von Dir vor allen Dingen Gehorsam, Cimon. Sei immer höflich und halte Deine Augen und Ohren offen. Für mich, versteht sich. Fällt Dir irgendetwas ungewöhnliches auf, dann sagst Du es mir. Außerdem erwarte ich von Dir, daß Du Dir Gesichter und die dazugehörigen Namen merkst. Meinst Du, daß Du das hinbekommst?" Sie näherten sich dem Tor, wo Ursus sie beide dann anmelden mußte.

  • Als sie näher kamen waren seine Augen wie gebannt auf die Castra gerichtet. Leise versuchte er seinen Atem zu regulieren und wusste erst nichts zu sagen. Dann hörte er die Stimme seines Herren und vermutete erneut das es keinerlei Antwort bedarf. So nickte er untertänig, bis Titus Aurelius Ursus mit seinen Worten am Ende schien. Gut, er sollte sich um das Pferd, Arbo kümmern. Dann das Verhalten im oder aus dem Lager heraus und er sollte sich mit den anderen Sklaven anfreunden... So verstand Cimon zumindest die Wortwahl des Herren, auch wenn er nicht glaubte diesen Befehl gut ausführen zu können, so würde er doch sein Bestes geben. Wenn er Fragen hatte sollte er diese Stellen? Es schien offen zu bleiben welche Bestrafung für das Unwissen erteilt wurde, so wollte er zunächst versuchen es ohne zu schaffen. Schließlich blieb ihm dann nur der Blick nach unten und ein...


    "Ja, Herr."


    Um die Worte zu bestätigen und zu zeigen das er sie verstanden hatte. Was dann folgte ließ ihn leicht erröten, was durch seine Hautfarbe nicht wirklich zu erkennen war. Denn offensichtlich hatte er sich sehr dumm angestellt...


    "Vergib mir, Dominus. Ich werde darauf achten dich richtig anzusprechen, Herr."


    Was dann folgte gab ihm fast einen Stich ins Herz. Gehorsam? Zeigte er eben diesen nicht gut genug, dass sein Herr es erwähnen musste? Cimon hatte sich und seinen Göttern etwas versprochen...doch das würde er seinem Herren nicht sagen können. Sicher würde dieser nur lachen, oder schlagen oder es interessierte ihn einfach nicht...besser er nickte nur und wartete ab, was noch kommen mochte. Langsam gewöhnte er sich an die Art seines Herren zu sprechen und dabei so vieles auszusagen und zu fragen.


    "Ja, Herr. Alles was du ansprichst, Dominus ist mir zu eigen."


    Damit beantwortete er alle Fragen doch er merkte bei sich das er so nicht wiedergegeben hatte, was sein Herr von ihm verlangte. Aber würde dies notwendig sein? Es war nicht viel was Aurelius Ursus gesagt hatte...Gehorsam, Höflichkeit, Augen und Ohren offen...und natürlich das Merken von Namen sowie Gesichtern. Und natürlich würde er alles sagen was ihm auffallen würde.


    Da sie dem Tor immer näher kamen, würde eh nicht genügend Zeit bleiben um es so genau zu beantworten. Cimon blieb hinter seinem Herren, denn hier lauerte keine offensichtliche Gefahr und er hatte auch noch nicht den Befehl bekommen...obwohl..er war der Sklave des Aurelius Ursus und hatte damit ab den ersten Moment immer auch die Aufgabe dessen Leben mit dem seinem zu schützen. Und zumindest momentan würde es ihm nicht schwer fallen dies für seinen Herren zu tun. Denn selten redete jemand in solch gutem Ton mit ihm und schlug nicht alle Regeln in seinen Körper ein. Nicht einmal Atonis war so.
    Der Körper war grade und der Schritt fest doch sein Blick war gesenkt, als sie zum Tor gingen, die Augen gingen rasch und stechend umher um doch unauffällig nach Gefahren ausschau zu halten.

  • Der Streitwagen mit dem Keraunos die Reise begonnen hatte lag ihm gut in der Hand und vor allem das linke Leitpferd Vindex, ein afrikanischer Rappe machte ihm eine helle Freude so dass er das Tempo auch in der Stadt kaum reduzierte. Um ehrlich zu sein sogar gar nicht, was gewissen Leuten die auf dem Markt Angst um Ihre Hühner hatten gar nicht gefiel und die, da Keraunos in voller Fahrt auch schonmal einen Stand touchierte, besser ihre Hühner, Frauen und Kinder aus der Fahrtrichtung schafften.


    Besonders die Kurve um den Brunnen hatte es ihm angetan und er sah seine Träume, in denen es sich um die Spina des Circus Maximus handelte, langsam aber sicher wahr werden als er den Brunnen ohne zu bremsen umfahr, dabei fast das Gleichgewicht verlor und Vindex auch noch die Peitsche hören lies.


    Sim-Off:

    reserviert. Unbeteiligte Zuschauer dürfen aber gerne zuschauen, riskieren aber Verletzungen

  • Ursus hatte seine Leibwache auf größeren Abstand befohlen. Denn er wollte in Ruhe nach einer netten Kleinigkeit für seine Frau gucken. Nur gaben die Stände leider nicht halb soviel her, wie er es von Rom gewöhnt war. Ob er ihr einfach etwas süßes Honiggebäck und in Honig eingelegtes Obst mitbringen sollte? Oder doch einen hübschen Stoff oder ein kleines Schmuckstück? Gerade trat er an den nächsten Stand und entdeckte hübsche Holzkästchen, die mit Einlegearbeiten aus Perlmutt verziert waren. Sie waren gut gearbeitet und besaßen sogar kleine, wenn auch nur sehr einfache Schlösser.


    Plötzlich ertönte Geschrei. Gerumpel, Pferdegetrappel, Geschimpfe - und das alles kam rasend schnell näher. Ein Stand wurde beschädigt, das schattenspendende Dach fiel in sich zusammen, Waren wurden zu Boden gestoßen. Ein Pferdegespann raste über den Platz, nahm die Kurve um den Brunnen beängstigend - und durchaus gekonnt - eng, raste schließlich auf Ursus zu. Der stellte sich mit ausgebreitete Armen hin, um dem Fahrer zu signalisieren, daß er stoppen sollte. Aber er machte sich bereit, zur Seite zu springen, sollte der Bursche die Pferde nicht rechtzeitig zum Stehen bringen können.

  • Sie langten auf dem Markt an.Er zählte zu Beginn ihres Rundgangs auf, was er als unbedingt für nötig erachtete. „ Wir brauchen festes Leinen für eine Matratze. Die Füllung aus Heu, trockenem Heu, 2 Decken, 2 Öllampen, Öl, ein Messer, eine Axt. Fällt dir noch was ein?“ Es wollte etwas heißen, dass er Brot und Käse vergessen hatte. Der Hausstand war dazu nicht seine Sache, sah man von den wenigen Möbelstücken ab, die noch da waren und einer dringenden Reparatur bedurften. Viele Stände gab es nicht, Aretas nahm es mit einem Lächeln zur Kenntnis. Das verkürzte für ihn die, sonst stundenlange, Suche nach diesem und jenem. Chio konnte ihn nicht von einem zum anderen Stand hetzen. Scheinbar doch, es war fast die hora sexta erreicht, er nahm es gar nicht richtig wahr, war immer noch mit den Gedanken bei der Legion.

  • Der Markt... auch, wenn er nicht groß war, hier fielen sie wenigstens nicht auf. Jeder hatte das gleiche Ziel, Einkäufe tätigen. Ein kleines Paradies für Chio. Besser wäre es allerdings, wenn sie mehr Geld hätten oder Aretas wenigstens Arbeit. Während sie schon davon träumte, sich schöne Stoffe zu kaufen, zählte Aretas auf, was unbedingt nötig war. So richtig hörte sie nicht zu. "Ich wüßte noch so einiges, aber dafür fehlt uns noch das Geld." Aretas kaufte ein, was er für nötig hielt, Chio half ihm beim tragen. Sie hatten alles, wollten schon wieder gehen, da erinnerte sie ihr Magen mit lautstarkem Grummeln an etwas sehr wichtiges. "Warte, wir brauchen noch etwas zu essen. Und Wein?" Sie dachte an die dreckigen Räume, wo sollten sie da essen? "Hast du in dem Haus irgendwo einen Besen gesehen? "

  • Sauber machen, wie konnte ihm das entfallen. „ Einen Besen, nein. Im Garten stand ein Rechen und eine Hacke.“ Mit dem Essen hatte sie richtig ins Schwarze getroffen. „ Wein, wir brauchen 2 Becher, eine Schüssel, einen Teller einen kleinen Topf. Löffel habe ich.“ Er grinste. Auf ihrem Weg nach Mantua hatte er welche geschnitzt. „ Brot, Käse, eingelegtes Gemüse.“ Mehr Sesterzen waren nicht drin. Er hatte 100 Sesterzen die mussten eingeteilt werden. Das Holz für die Casa, Schindeln, Putz, es wurde knapp. Eine Arbeit musste her... oder die Legion. Ein gewagter Gedanke, als entlaufener Sklave. Entdeckung egal wo, bedeutete letzendlich für ihn den Tod. Also konnte man daran einen Gedanken verlieren. Hier in Mantua kannte ihn niemand.In Rom ...die konnte er an einer Hand abzählen. Wider seinen gemachten Erfahrungen, dachte er erneut darüber nach.

  • Ohje, das wurde ja immer mehr. Wenigstens die Löffel mussten sie nicht kaufen. Aber das war längst nicht alles, nur das Allernötigste. Chio versuchte zwar, überall den günstigsten Preis rauszuschlagen, aber das änderte nichts an der Tatsache, dass sein Geld immer weniger wurde. Wie sollten sie nur die nächsten Tage, Wochen über die Runden kommen, wenn er keine Arbeit fand? Das war wieder einer der Momente, in denen sie sich fragte, wie sie ihr Leben in Wohlstand aufgeben konnte für das hier. Aber für ein Zurück war es nun zu spät. "Was ist, wenn du keine Arbeit findest? Wovon sollen wir dann leben?" Besen und Wein überließ sie Aretas, die restlichen Nahrungsmittel nahm sie noch mit. Vollbepackt ging es zurück in ihr neues Zuhause.

  • Er war so mit sich und dem Tragen beschäftigt. Jetzt auch noch der Besen und zwei Krüge Wein. Schnaufend nahm er alles dazu. Mehr ging wirklich nicht. Wie ? Wenn er keine Arbeit fand? Der Mann bei der Baustelle hatte gesagt… “ Ähm, wenn ich keine Arbeit finde. Davon bin ich nicht ausgegangen. Naja, eine Möglichkeit gäbe es dann noch. Lass uns zur Casa gehen. Wir unterhalten uns heute Abend beim Essen darüber.” Schon schwirrten ihm wieder die abenteuerlichsten Gedanken durch den Kopf.

  • Irgendwie musste sie sich ablenken. Heute war der Tag, an dem Aretas zur Legion ging. Sie sah sich um, wünschte sich, er würde zurückkommen. Konzentrier dich.. Gemüse, Obst ... Wieder ein Blick durch die Straßen, während sie zum Markt ging. Honig, sie brauchte Honig für Aretas. Oder auch nicht. Egal, sie wußte ja nicht, wann er wiederkommen würde, und dann hätte sie welchen. Und einen Becher. Einer war ihr heute morgen aus der Hand gefallen, als es an der Tür klopfte. Wobei, hämmern mußte man das eher nennen als klopfen. Der Schreck war ihr in die Glieder gefahren. Aretas war schließlich auf dem Weg zur Legion. Wenn man ihn nun erkannte? Oder er seine Geschichte nicht glaubwürdig rüberbrachte. Zum Glück war es dann doch nur der Nachbarsjunge.


    Der Markt war erreicht, die ersten Einkäufe schnell erledigt. An einem Stand mit Schmuck blieb sie stehen. Richtigen Schmuck hatte sie noch nie besessen. Nicht solchen, der so wundervoll in der Sonne glänzte, mit Steinen, die glitzernd bunte Lichter auf die Planen der Stände warfen. Da war so einiges, das ihr gefallen würde. Vielleicht, wenn tatsächlich alles gutging, konnten sie sich eines Tages auch so etwas leisten. Noch reichte ihr Geld gerade für das Nötigste.


    Chio ging weiter. Stoffe, Gewürze... darauf musste sie verzichten. Ein Becher, der günstigste wanderte in ihren Korb. Wieder kam sie an den Stand mit dem Schmuck. Sehnsüchtig lag ihr Blick auf einigen Stücken. Dabei trug sie das kostbarste Schmuckstück schon an ihrem Handgelenk.

  • Er war im Rahmen der Marktkontrolle unterwegs und begab sich Stück für Stück von einem Stand zum Anderen um diese entweder stichprobenartig oder intensiver zu kontrollieren, manchmal aber auch nur um kurz mit dem Händler zu plaudern, nach der Familie zu fragen oder allgemein auch ein paar Neuigkeiten zu hören. Auch am Schmuckstand blieb er stehen und nickte dem alten Mercurius zu. "Na? Wie läuft das Geschäft?" fragte er den Mann und dieser wackelte bedächtig mit der Hand, was bei ihm alles heißen konnte. Von sauschlecht bis akzeptabel, denn über den Status hinaus gab es nichts bei dem Haudegen. Aber er hatte sich wohl schon sein nächstes "Opfer auserkoren, welches sich an seinen Stand gewagt hatte. Nun werte Dame, meinte er freundlich und mit der rauen Stimme des Alters. Eine solche Schönheit wie Du sollte diese mit etwas Auserlesenem noch mehr zur Geltung bringen. Wie wäre es hier mit dieser exquisiten Kette? Betrachte nur diesen herrlichen Anhänger und die leichten Glieder. Der Anhänger ist aus einem seltenen Stein aus dem Norden, er nennt sich Bernstein. Edel, herrlich anzusehen in seinen Strukturen und keiner gleicht dem Anderen. Sieh, hier ist sogar ein Einschluss drin, meinte er und zeigte der jungen Frau das Schmuckstück, das garantiert ein Vermögen kostete und wo Marcus bezweifelte, das sie sich dies würde leisten können.

  • Chio wurde verlegen, als der Händler sie ansprach. Nicht, weil er ihre Schönheit lobte, sondern eher, weil ihr das Geld fehlte und sie sich eigentlich unauffällig wieder davonmachen wollte. Die Kette war wirklich hübsch und der Stein leuchtete schon für sich. Vorsichtig nahm Chio ihn in die Hand, um ihn genauer zu betrachten. Tatsächlich, in dem Stein war etwas eingeschlossen. "Was ist das? Ein Tier?" Sie drehte den Stein leicht in den Fingern. Tatsächlich, sie konnte die Beine erkennen. Faszinierend. Für einen Moment vergaß sie sogar, dass sie die Kette gar nicht kaufen konnte. "Wie ist das möglich? Wie kommt ein Tier in den Stein?" Chio hatte keine Ahnung davon, wie solche Steine entstanden, also ging sie davon aus, dass es hinterher dort hineingelangen musste. Ungläubig drehte sie den Anhänger hin und her, suchte nach einem Loch oder was auch immer. Bevor der Händler allerdings ärgerlich wurde, sollte sie ihm vielleicht die Frage stellen, die er hören wollte. "Was soll die Kette denn kosten?"

  • Ah, ja, meinte der Mann kurz überrumpelt ob der Frage, wie das Tier da rein kam, nahm aber dankbar die zweite Frage auf. Weil Du es bist und Deine Schönheit mir den Tag versüßt, 550 Sesterzen.


    Marcus hielt es an der Zeit sich einzumischen und sprach freundlich. "Das meiste Bernstein, das man hier in dieser Region Italias findet kommt von den Elektriden, den Bernsteininseln am Mare Balticum, weit im Norden Germanien. Vieles kommt auch von noch weiter östlicher. Legenden besagen, dass die Götter die Tiere in die Steine gesetzt haben, um sie noch erhabener, schöner und beeindruckender zu machen. Die Griechen kennen sie schon seit Jahrhunderten und Du solltest Dich auf den Handel nicht einlassen." Letzteres sprach er ernst und widmete seinen strengen Blick kurz auf den Alten. "Er hat zwar mit seiner Preisvorstellung durchaus dahingehend recht, dass dieser Stein sehr wertvoll ist, in Rom und eigentlich überall ist Bernstein ein Objekt des Luxus, doch für diesen Preis ist der Anhänger eindeutig zu klein. Mehr als 350 Sesterzen, bei guter Miene zum bösen Spiel und wegen dem Tier vielleicht 380 ist er nicht wert." Der Händler sah kurz böse drein, weil der Magistrat ihm das Geschäft zu vermiesen schien, tat dann aber wie die Unschuld auf den Lande. Aber Magistrat, bedenke doch: die Größe, der Transport und sicherlich nicht zu vergessen die Einmaligkeit durch dieses Tier!

  • 550 Sesterzen?? Chio stockte der Atem. Dass die Kette teuer sein würde, damit hatte sie gerechnet, aber sooo teuer... Den Mann neben sich nahm sie erst bewußt wahr, als dieser sie ansprach. Chio musterte ihn neugierig. Man hätte fast denken können, er wäre der Händler, so gut wußte er über diese Steine bescheid. Die Götter also.. Das würde auch den Preis erklären. Aber selbst 380 konnte sie nicht zahlen. 50 Sesterzen, ihr ganzer Besitz, und damit musste sie die nächste Zeit auskommen. Ormuzd allein wußte, wielange. Oder vielleicht die Götter der Römer. Davon mussten die Männer aber nichts wissen. Chio tat weiter interessiert. "Die Kette ist wirklich sehr schön, aber 550 sind in der Tat zuviel." Ein wenig enttäuscht gab sie sie dem Händler zurück. Für sie das Zeichen, nicht zu kaufen, für ihr Gegenüber vielleicht eine Herausforderung. Chio wandt sich dem Magistraten zu. "Vielen Dank für die Erklärung, und die Warnung." Mit einem Schmunzeln warf sie einen kurzen Seitenblick auf den Händler. "Möglicherweise hätte er mich mit seinen Schmeichelein tatsächlich überzeugt." Da die beiden Männer sie nicht kannten, war es eine wundervolle Erfahrung, so zu tun, als würde sie sich diesen Schmuck leisten können. Zu gerne hätte sie gewußt, woher der Mann das Wissen über die Steine hatte, wollte aber nicht zu neugierig erscheinen. "Es wundert mich nicht, dass der Stein so wertvoll ist, er sieht aus wie flüssiges Gold."

  • Der Händler verfluchte in Gedanken den Artoria, wusste aber nur zu gut, dass dieser recht hatte. Eigentlich wollte er die Frau dennoch vom Vorteil eines Kaufs überzeugen und war sogar bereit mit dem Preis runter zu gehen, doch sie zeigte ihm die kalte Schulter und wandte sich dem Magistraten zu. Zähneknirschend zog der alte Mann leicht die Nase hoch und legte die Kette wieder an ihren Platz. Das hätte ein so schönes Geschäft werden können. Andererseits, er musterte die Schönheit, die er leicht verschwommen sah, denn immerhin war sein Augenlicht wie er nicht mehr das Jüngste, vielleicht konnte sie sich sowas gar nicht leisten? Nun ja, der nächste Kunde vielleicht.


    Celer nickte freundlich und schmunzelte zugleich. "Er ist ein alter Haudegen," meinte er und zwinkerte dem Alten zu, der ihn aber nur kurz böse ansah. "Und jetzt ist er böse auf mich," lachte er leise. "Aber er wird es überstehen und beim nächsten Mal doch wieder versuchen mir etwas anzudrehen oder weniger für die Konsession zu zahlen." Er sprach freundlich und man merkte, dass er den Händler ein wenig aufzog. Seit er Magistrat war, kannten sich die Beiden recht gut und es war eine Art Freundschaft entstanden, die jedoch stets mit einer Prise Streit gewürzt war. "Bernstein ist äusserst begehrt in einigen Gebieten und besonders jenes vom Mare Balticum aber auch von den anderen nördlichen Gestaden. Allerdings muss man dazu auch sagen, dass es auch sizilianischen gibt. Den nennt man auch Simetit. Wahrscheinlich wirst Du diesen günstiger bekommen, doch es scheint, als würde man diese Einschlüsse nur in den nördlichen Landen finden."

  • Simetit .. Chio versuchte, sich das alles zu merken. "Wo lernt man soviel über diese Steine?" Nun hatte sie ganz in Gedanken, doch ihre Frage gestellt. "Verzeihung, ich wollte nicht zu neugierig sein." Chio lächelte verlegen. Sicher hatte er irgendwann einmal mit dem Händler darüber gesprochen, die beiden schienen sich zu kennen. "Diese Einschlüsse sind wirklich interessant. So etwas habe ich bisher noch nicht gesehen." Mit einem Schmunzeln bemerkte sie verschwörerisch in Richtung des Alten. "Ich glaube, nun haben wir ihn beide verärgert." Ein Händler, der nicht handeln durfte... Handeln war nicht nur Mittel zum Zweck, das war Leidenschaft. Chio wußte das, und hätte sie tatsächlich vorgehabt, die Kette zu kaufen, er wäre sicher auf seine Kosten gekommen. Um sich allerdings mehr als das zum Leben Nötige leisten zu können, musste sie mehr Geld verdienen, mußte sie überhaupt Geld verdienen. Da fiel ihr Aretas Vorschlag ein, zu backen und das zu verkaufen. Ob sie dieses Vorhaben oder ein anderes in die Tat umsetzen wollte, wußte sie noch nicht. Was hatte der Magistrat eben gemeint? Konzession? Da ihr Gegenüber anscheinend der richtige Ansprechpartner war, konnte sie zumindest fragen. "Ich bin noch nicht lange in der Stadt, vielleicht kannst du mir helfen. Ich überlege, ein Geschäft zu eröffnen, an wen müsste ich mich damit wenden?"

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