Beiträge von Lucius Flavius Furianus

    Der Anblick des beleibten Crassus, welcher auf das anmutige und von Muskeln durchdringte Tier zusprintete, war doch sehr erheiternd. Wie ein Koloss stürmte Crassus die beiden Schwerter gekonnt von der einen zur anderen Seite schwingend, als wäre er des Wahnsinns, auf das Tier zu, welches noch immer in aggressiver Gebärde die Zähne zeigte und sich kleiner machte, um im geeigneten Augenblick zu springen. Doch etwas anderes geschah.
    Einige Meter vor dem Tier wurde das Geschrei des Crassus derlei laut, dass der Gepard sich scheinbar zu sehr ängstigte, denn die gestallt des aufrecht rennenden Crassus, der auf und ab hüpfende Bauch wie auch die langen Haare, schienen auszureichen, um das Tier ausweichen zu lassen. Der Gepard schoss nicht auf Crassus zu, sondern zur Seite den siegreichen Mann nicht aus den Augen lassend. Crassus hatte sich in seine Rolle dermaßen gesteigert, dass er kurzerhand die Richtung änderte und dem Geparden nachrannte. Dies jedoch wenige Meter, dann schleuderte er das in der linken Hand gehaltene Schwert nach dem Tier und verfehlte es natürlich. Der Gepard verlangsamte sein Tempo danach wieder, um nicht gegen die Mauer zu laufen und blickte aus der Entfernung zu dem Mann.
    Crassus hatte nun eine Hand frei und lief in gleichem Tempo, mit dem er zuvor noch auf das Tier zustürmte, zu der zerrissenen Gazelle. Er ergriff das Bein und zerrte die Beute des Geparden hinter sich her, schwenkte dabei noch verzweifelt mit dem Schwert in der Hoffnung durch dies Gebärden den Geparden auf Distanz halten zu können – er sollte sich täuschen.


    Das Tier bewegte sich angesichts des nun durch die Last der Gazelle erheblich langsameren Crassus auf seinen Angreifer zu und fauchte. Es gefiel ihm scheinbar nicht, dass sich Crassus der Beute bemannte, vielleicht verletzte es auch den Stolz des Tieres, man wusste es ja nicht. So verfiel das Tier von einem zögerlichen Schritt in leichtes Traben, um dann immer schneller zu werden und dabei nicht direkt auf den Feind zuzusteuern, sondern einen leichten Bogen zu machen. Crassus fiel dies natürlich auf, denn er hatte das Tier nicht aus den Augen gelassen, war jedoch sichtlich erschöpft, denn die Gazelle wog mehr als vermutet – der Gepard hatte nach seiner Meinung zu langsam und zu wenig gegessen. Das Schwert richtete Crassus jedoch noch immer auf die Raubkatze gerichtet, die ihn wohl angreifen würde.
    Er war nun schon drei Meter vor der Klappe entfernt, in die er die Gazelle hinein werfen würde und sich so der zusätzlichen Last entledigen konnte, doch er war nicht schnell genug, denn der Gepard kam auch schon von der Seite angeschossen und warf sich dem Mann, der im Bruchteil der Sekunde das Schwert nicht in die andere Hand nehmen und die Gazelle fallen lassen konnte, auf den Rücken.
    Gnadenlos bohrten sich die Krallen des Tieres in die Haut des Germanen, der sofort einen Schmerzensschrei los stieß. Auch als er mit dem Tier auf dem Rücken zu Boden fiel und sich angesichts des Todes mit all seiner Kraft herum reißen konnte, der Biss der Katze in den Nacken war schneller. Es schien, als hätte die Raubkatze nicht zum ersten Mal in ein menschliches Genick gebissen oder die Anatomie des Menschen ähnelte dem anderer Tiere. Vermutlich hatte der Gepard schon Affen zur Strecke bringen müssen und wandte die gleiche effektive Technik nun bei Crassus an. Zwar begrub der mächtige Körper des Crassus in seiner Bewegung den Geparden, doch das Tier konnte jedoch nach einigen Sekunden wieder entfliehen, schien an Crassus nun das Interesse verloren zu haben. Die Katze sprintete zum Glück der anderen Männer nicht auf einen von ihnen zu, nein, sie hatte nur das Bedürfnis ihre Gazelle wieder zu holen.


    Crassus lag blutend einige Schritte vor seinem Gewinn, der Falltür, und blutete aus. Sein Tod war, so schmerzvoll er für einige der wettenden Römer auch sein mochte, nicht sinnlos, denn nun wussten die zwei anderen Germanen welch ernst zu nehmenden Gegnern sie gegenüber standen. Dementsprechend langsam waren ihre Bewegungen.

    Salve, Helvetius Falco. Ich hätte sie gerne bezüglich ihres verstorbenen Vaters gesprochen. Wenn du dies einrichten könntest, wäre das Gericht und auch ich dir sehr dankbar."


    Dass Falco eine Aufsicht beordern würde, dies hielt Furianus für wahrscheinlich, würde jedoch diese Geste als Misstrauen auffassen müssen und hoffte, dass Falco wusste wie anständig der Praetor war, der hierher nicht als Privatmann stand, sondern als Magistrat im Sinne des Staates.


    Sim-Off:

    Sorry, habe es übersehen.

    "Gut, ich danke dir."


    Dann suchte er nach der anderen Tabula, die auch nach ein paar Minuten gefunden wurde. Er las sie sich noch einmal durch, um sich zu erinnern was bei dieser zu beanstanden war.


    "Ahja, bei dem Fall des Marcus Decimus Corbulo. Fehlt leider die Angabe, was nach Ablauf der Frist mit dem Vermögen geschieht."


    Er schob die Tabula zu Gracchus und wies mit dem Zeigefinger auf die entsprechende Stelle, an der die Angabe üblicherweise aufgeführt war.

    Die flavische Sänfte wurde, im Anhang die übliche Klientel von Bittstellern, die am Morgen nie in die Villa vorgelassen wurden, vor die Porta der Tiberier gebracht und ein Sklave rannte zur Tür, um den Besuch anzukündigen.

    Furianus, der neben dem Brautpaar stand, als dieses in gewisser Weise belustigende Unglückpassierte, wollte schon zu Hilfe eilen, hielt jedoch inne. Flavia Leontia, sie war ihm immer sehr sympathisch gewesen, schien gleich von zwei Herren ausreichend versorgt oder besser gesagt wohl bemuttert zu werden, da gab es nichts mehr zu helfen. Wobei er den dreien ein wenig nachblickte und sich insgeheim fragte, ob Flavius Aquilius gerissen genug sein würde um nach dem Erwachen der Verwandten das Weite zu suchen und statt dessen Durus als Helden in Erscheinung treten zu lassen. Schließlich suchte Durus, das hatte er selbst mehrmals erwähnt, eine Braut und Flavia Leontia war, soweit er sich erinnern konnte, verwitwet. Man hätte dies nun geschickt ausnutzen können, es lag in Aquilius´Macht.
    Doch dann drehte er sich mit einem leichten Lächeln zu dem Brautpaar und richtete mehr zu seinem Onkel, als dessen Zukünftige, das Wort.


    "Er ist noch ein Kind, ihm wird seine Schuld nicht in dem Maße bewusst sein, wie es sollte. Der Kleine ist sehr vital."


    Zum Einen tat ihm der kleine Serenus schon jetzt leid, zum anderen konnte er Aristides verstehen, wenn er seinem Sohn nun gerne die Wut demonstrieren wollte, die dessen kleiner Scherz erweckt hatte. Hoffentlich würde er sich beherrschen können und dem Kleinen nicht den Hals herum drehen.

    "Nun ja, ich war in der Legio, ich war in der Verwaltung, den Göttern habe ich jedoch noch nie gedient. Es wird an der Zeit, besonders, wenn ich an das Konsulat denke. Mit Frömmigkeit kann man sehr gut werben, Vater."


    Um nicht den Schein aufkommen zu lassen, dass Furianus etwa alt genug war um sich für das Konsulat zu bewerben, fügte er es noch schnell ein - sein Vater war nicht der Mann, der sein Alter verriet.


    "Aber das hat noch Zeit, ich sorge nur vor."


    Die positive Reaktion des Augustus genügte Furianus dann auch schon für ein Lächeln, schließlich konnte man ja mit anderweitigen Verpflichtungen rechnen, die der Augustus für ihn vorgesehen haben könnte. Zum Glücke war dem nicht so und Furianus frei.


    "Diese Reaktion ist natürlich erfreulich. Hat er noch etwas näheres dazu erwähnt, vielleicht latente Anspielungen in welchem Amte er mich gerne sehen würde?"


    Es gab derer viele, besonders die drei patrizischen Flamen waren durchaus interessant, wobei der Flamen Dialis mehr eine Bürde zu sein schien, als ein bezahltes Amt.

    Gelangweilt blickte auch Furianus zu einem Sklaven in der Hoffnung, dass dieser ihm mitteilte, dass der Beklagte sogleich erscheinen werde - dem war nicht so.
    So stützte er sein Kinn mit der rechten Hand und blieb nach rechts gelehnt sitzen und hoffte, dass der curulische Stuhl irgend wann einmal eine Lehne bekommen würde, damit man sich beim Warten auch gemütlich zurücklehnen konnte.

    Furianus war schon unüblich früh dem Bette entstiegen und gab sich schon seit geraumer Zeit ganz den Vorbereitungen für die Sponsalia hin. Er badete, ließ sich dabei ein wenig verwöhnen, um von den letzten Tagen ein wenig entspannter zu wirken, ließ sich frisieren und anschließend mit der Senatorentoga wie auch ein paar Goldringen schmücken.
    Ob sein Vater noch kommen würde war unbekannt, doch nicht ausgeschlossen. Wo sein Bruder stecken mochte war eine andere Frage, es interessierte Furianus auch recht wenig seit ihrer letzten Begegnung.
    Mit einem freundlichen Lächeln durchschritt er den Raum, schüttelte ein paar Hände, lächelte dem ein oder anderem Gast zu und ging zielstrebig auf das Paar zu. Da er seinen Onkel schon immer sympathisch fand, war er besonders froh diesem zum heutigen Tage gratulieren zu können.


    "Patruus Aristides, es freut mich Dich zu diesem Anlass zu beglückwünschen."


    Sein Blick fiel auf die wunderschöne Braut an der Seite seines Onkels, die er mit einem Lächeln und einem leichten Nicken begrüßte.


    "Und bei dem Anblick deiner Verlobten kann ich eine weitere Gratulation aussprechen. Mit ihrer bezaubernden Schönheit erblasst jede Helena und wenn Eris ihren goldenen Apfel noch einmal werfen würde, so hätte Aphrodite ihn kein zweites Mal bekommen.
    Ich beglückwünsche Euch zu diesem Tag, möge er der Anfang sein, die Hochzeit bald folgen."


    Ach wie drückte dieser Tag mit seiner Freude, dem Glück des Paares, auf sein Herz. Er erinnerte sich nun, dass ihm wohl ähnliche Worte zur Sponsalia gegeben wurden, doch leider nicht erfüllt werden konnten.
    Dennoch, das Leid und der Schmerz wollten an diesem Tag verdrengt werden und er musste wieder leben lernen.

    "Das ist schön zu hören, Vater."


    Entgegnete Furianus mit einem ehrlichen Lächeln, verzichtete jedoch auf eine Umarmung, schließlich war sein Vater nun öfters in Rom und nicht so lange abwesend.
    Natürlich wurde der Wunsch des Vaters befolgt und Furianus schenkte beiden Wein ein, trank selbst sogleich, bevor er antwortete.


    "Ja, es kam sehr unerwartet und die letzten Wochen haben mich sehr geprägt. Aber ich weiß, dass sie nun im Elysium wandelt und ich sie irgendwann sehen werde, auch wenn ich aus der Lethe trinke und sie nicht mehr erkenne, ich sehe sie wieder."


    Ein weiterer Schluck folgte, denn es war bitter so lange warten zu müssen - zumindest dachte er so.
    Dass sich sein Vater nach einer neuen Braut umhören würde, das nahm Furianus als gegeben an, daher sprach er dies auch nicht an, es wäre auch unangemessen so kurz nach dem Tode Claudias solche Erwägungen zu treffen.


    "Es interessiert mich ungemein, Vater, was der Augustus dir meine Zukunft betreffend geantwortet hat."

    Furianus stand auf und wies mit einem freundlichen Lächeln auf den Platz vor ihm.


    "Salve, Gracchus. Entschuldige, dass ich dich stören muss, aber ich müsste noch kurz Rücksprache mit dir halten. Bitte, setze dich doch"


    Dann nahm er die schon sorgfältig geordneten Tabulae und ging sie noch einmal durch, nahm sich eine heraus und zeigte sie Gracchus.


    "Und zwar der Fall der Sergia Seia. Ich vermute, dass der Name des zweiten Bruders nicht so ganz stimmt, denn Epulos scheint nicht so geläufig zu sein, ich denke mal, dass dem Scriba hier ein kleiner Fehler unterlaufen ist?"


    Schließlich konnte man sich nicht erlauben ein mit einem Fehler versehenes Dokument zu unterzeichnen und vor Gericht könnte man dies auch ganz anders auslegen, als es eigentlich gemeint oder verschuldet war.

    Zitat

    Original von Manius Flavius Gracchus
    ...


    Da Furianus zur Zeit von den Speisen nicht so recht abgelenkt werden konnte und unweigerlich den Blick durch die Runde schweifen ließ, blickte er ein wenig überrascht und zugleich verwundert zu Gracchus. Eine erneute Verbindung zur Claudia? Furianus hatte, obwohl er eigentlich über ein gut funktionierendes Informantennetz verfügte, davon noch nichts gehört.
    Deshalb lehnte er sich interessiert ein wenig nach vorne, nahm sich ein paar Trauben, die er auch sogleich verspeiste und beiläufig dem Gespräch zwischen Vesuvianus und Gracchus lauschte.

    Furianus ging die Berichte sorgfältig durch und musste bei dem ein oder anderem schmunzeln, wenn nicht gar ein wenig überlegen, bevor er sich eine kleine Notiz machte und weiter die Namen abging.
    Plötzlich fiel ihm der von Flavia Calpurnia auf. Er kannte sie, damals, hatte er selbst doch schon versucht sie von diesem Didius Crassus fern zu halten, hatte damals sogar Geld bieten wollen, damit der Didier verschwand. Diese Frau bereitete ihm so manch unruhige und schlaflose Nacht, doch sie gehörte zur Familie und ihr Tod ging ihm natürlich nahe.
    Seufzend fuhr er fort die Berichte durchzugehen und winkte anschließend den Sklaven herbei, der eine Tabula von ihm empfing und zu Gracchus bringen sollte, sofern dieser sich noch hier irgendwo in der Basilica befand.

    Marcus Flavius Aristides,
    Legio I Traiana,
    Mantua


    Salve, werter patruus.


    Im Senate ist mir die Nachricht des Einsatzes der Legio I Traiana nicht entgangen, wie auch, dass du, Onkel, mit dieser fern deiner Heimat unser Reich verteidigen wirst.
    Möge Mars dein Schwert führen, Aristides, so dass es die in das Unheil stürzt, die sich erdreisten Roms Machtstellung, unsere Götter und unsere Zukunft anzuzweifeln und gar zu schänden. Wen, wenn nicht dich, wird die Familie in ihre Gebete einschließen, auf wen, wenn nicht auf dich, werden wir stets mit Stolz verweisen können.
    Mag der Dienst als Centurio unter so manch einem Standesgenossen verpönt sein, so wird er über dich kein lästerliches Schmunzeln mehr wagen, so manch einer würde mit dir die Rolle tauschen wollen.


    Hiermit, Onkel, wünsche ich dir viel Erfolg und werde Mars um eine möglichst verlustreiche Niederlage der Parther bitten. Möge dein gladius sie richten und strafen, wie es vor vielen Jahren schon einmal römische gladii mit Erfolg zu tun pflegten. Wie unser Ahn, der göttliche Vespasian, ziehst du gen Osten und bekämpfst die gleichen Gesichter, kehre auch du, gleich Vespasian, unbeschadet als ruhmvoller Sieger zurück.
    Marschiere gen Osten, Onkel Aristides, und kehre so schnell wie nur möglich in die Arme der Familie, mit Ruhm bekränzt und gefeiert, zurück - dafür werden die Götter schon sorgen.


    Roma Victrix! Legio I Traiana Victrix!


    Dein Neffe,
    Lucius Flavius Furianus


    [Blockierte Grafik: http://img248.imageshack.us/img248/2671/furiaaaatransparentde0.png]

    Furianus betrat, erleichtert, dass Felix doch dort aufzufinden sein würde, das Officium seines Vaters und fand diesen doch etwas verschlafen vor. Natürlich waren die Augen leicht geöffnet und mussten sich an das helle Licht erstmal gewöhnen. Ein Lächeln über dieses kleine Geheimnisse des großen Senators huschte Furianus über den Mund.


    "Vater, ich freue mich dich wohl auf zu sehen."


    Schließlich war der Grund nach Sardinien zu ziehen wohl nicht nur der Abstand zu dem stressigen Rom, sondern vielleicht auch gesundheitliche Gründe, vielleicht hatte ihm sein medicus eine Kur bestehend aus leichter Landarbeit und Meeresluft angeordnet. Sein Väter hätte dies sowieso nie zu Wort kommen lassen, wie er ihn kannte.
    Dennoch, auch mit all der Wiedersehensfreude, wurde sein Gesichtsausdruck ernster.


    "Du hast sicherlich über Claudias Ableben gehört, Vater."

    "Den wünsche ich dir auch, Gracchus."


    Verabschiedete auch Furianus seinen Vetter, der eigentlich sein Onkel war und ließ den Gedanken, die er durch die gelgentlichen Antworten zu Gracchus immer wieder unterbrechen musste, freien Lauf. Hauptsächlich ging es dabei um den Tod, das Elysium und natürlich Claudia.


    Furianus musste den weiteren Folgerungen des Agrippa Jr. mit einem Nicken zustimmen und noch ein weiteres Mal, als es zur Verabschiedung kam.


    "Die Freude ist auch auf meiner Seite, Agrippa Minor. Ich wünsche dir viel Erfolg bei deinen nächsten Unternehmungen. Vale bene."


    Verabschiedete er den jungen Mann, der sicherlich noch einiges vor haben sollte.

    Zitat

    Original von Manius Flavius Gracchus
    Die Antwort seines Vetters verwunderte Gracchus ein wenig, waren doch genügend Erbberechtigte vorhanden, gleichsam wie auch erst die Frist gewahrt werden musste, doch schien Furianus ohnehin mit seinen Gedanken in weiter Ferne zu weilen, womöglich noch bei der Tiberia.
    "Nun gut, ich werde die Rediviva von ihrer Frist benachrichtigen, der Vollzug dieses Erbteiles wird somit nicht mehr in unsere Amtszeit fallen. Dennoch würde ich das übrige Testament, den dem Staate zufallenden Anteil includiert, gerne beizeiten vollstrecken, sofern nichts dagegen spricht. Desweiteren habe ich keine Anliegen mehr, die Berichte über die abgearbeiteten Fälle des letzten Monats werde ich dir in Kürze zukommen lassen."


    "Natürlich Gracchus, vollstrecke das Testament."


    Antwortete Furianus nebenbei und schien wieder ein wenig abzuschweifen, zumindest richtete sich sein Blick ins Leere und er schien nach einigen Sekuden wieder erwacht zu sein.


    "Gut, ich werde mir die Berichte dann auch ansehen."


    Und er wartete, ob sein Vetter, der eigentlich sein Onkel war, sich jetzt schon verabschiedete oder noch etwas zu besprechen hatte.

    Da die meisten der Zuschauer kleinere, einige sogar größere Wetten abschlossen, mussten die Investitionen benannt werden.
    Zuerst wollte man sich so recht nicht einigen, ob man die kleineren und dunkelhäutigen nicht nummerieren wollte oder ab man ihnen nicht gleich signifikante Namen gab. In der einen Tribüne hießen sie auch gleich Primus und Secundus, in der größeren aber gab man dem kleinen glatzköpfigen den Namen Calvitius, den anderen dunkelhäutigen nannte man schlicht Atratus. Bei den drei Nordmännern gestaltete sich die Sache etwas schwieriger. Sie waren sich einigermaßen ähnlich, zumindest was die Statur anbelangte, doch auch hierbei ließ die Natur und die Parzen kleine Hilfen zukommen. Einer der Germanen hatte nämlich eine lange Narbe auf der linken Brust, so dass man ihn schnell als Cicatricis titulierte. Die zwei übrigen Germanen wurden dann aber auch schnell benannt, denn der eine war blond, so dass er gleich den Namen Flavus bekam, der andere war leicht übergewichtig, so dass jener Crassus prompt hieß. Da diese Namen origineller waren und auch die meisten der Zuschauer sofort Gefallen an ihnen fanden, machten diese Namen die Runde, so dass schon nach kurzer Zeit jeder im theatrum flavium jedem Mann den Namen zuordnen konnte.
    Demnach stand es fest, der kleine dunkelhäutige Mann mit Glatze hieß Calvitius, sein Landsmann, mit kurzem Haar und ein wenig größer, Atratus, der Nordmann mit der Narbe Cicatricis, seine beiden Landsmänner, je nach Eigenschaft, der blonde Flavus und der etwas beleibte Crassus.


    Hätten es die Männer in der Arena, die sicherlich exotischere Namen hatten, jedoch nur Sklaven waren und daher auch gleich als Res bezeichnet werden konnten, gewusst, sie hätten über diese Problemchen der Römer nur müde lächeln können. angesichts der Situation hätten sie sowieso keine Zeit für ein Lächeln gehabt.
    Was ihnen Probleme bereitete waren nicht Namen, sondern die Raubkatzen, denen sie ihr geliebtes Futter entreißen mussten. Und das den Katzen, die schon seit Tagen kein Futter mehr bekamen und sicherlich nicht zusehen würden, wie man ihren Schmaus beendete.


    Die Männer näherten sich vorsichtig, dennoch ambitioniert schnellstmöglich zu gewinnen, den gold-schwarzen Raubkatzen, die sich trotz der nahenden Gefahr an dem Fleisch gütlich taten.
    Calvitius, mit einem kleinen Rundschild und gebogenem Schwert, gleich seinem dunkelhäutigen Nachbarn, bewaffnet, ging mit dem von sich nach vorne gerichteten Schwert langsam, etwas zögerlich, auf die ihm scheinbar zugewiesene Raubkatze zu. Einige kurz abschweifende Blicke versicherten ihm, dass er annähernd die größte der Katzen erwischt hatte, und das als kleinster der Gruppe. Dennoch, nicht einmal für einen Seufzer blieb Zeit, denn jede noch so kleine Ablenkung würde die Aufmerksamkeit der großen Katze auf ihn richten. Schweißperlen rannen ihm die Stirn herunter und er wusste nicht zu welchem Gott er in Gedanken beten sollte – sie schienen ihn alle schon längst verlassen zu haben.
    Sein dunkelhäutiger Nachbar, Atratus, schien entweder mutiger oder dümmer zu sein, denn er ging, ohne das Schwert oder den Schild auf die Katze zu richten, unbekümmert auf das schmausende Tier zu – vielleicht war er auch klüger und wollte nicht riskieren, dass das Schwert mit einem Prankenschlag des Tieres aus seiner Hand geschleudert wurde, sondern im rechten Moment auf dem Kopf der Katze aufschlug. Dennoch kreisten seine Gedanken um das Tier und dessen vermeidliche Reaktionen auf den Raub, er musste es töten, denn wenn er es nicht tat, so würde er mit der toten Gazelle im Schlepptau nicht mal drei Schritte weit kommen.
    Im Gegensatz zu den Nordmännern hatten diese beiden orientalischen Kämpfer einen Vorteil: Sie hatten schon vorher Geparde gesehen, die drei Großen Männer sahen diese Tiere zum ersten Mal in ihrem Leben, sie wussten nicht um die Kraft der Tiere, geschweige denn der Schnelligkeit.
    So taktierten die drei allesamt vorsichtig den Boden, näherten sich sehr zögerlich den Tieren und hielten das Schild eng an den Körper und schwenkten die Fangnetze, wobei sich Cicatricis in einem Bogen auf das Tier zu bewegte, in der Hoffnung es von hinten mit dem Fangnetz zu erwischen. Crassus schwenkte stattdessen seine beiden Schwerter hin und her – für ihn blieb sowieso nur ein Ausweg, er musste das Tier töten, verteidigen konnte er sich ja schlecht. Er war gewagter und sprintete sogleich auf das ihm zugewiesene Tier mit lautem Geschrei zu, um es entweder einzuschüchtern oder vor Schreck bewegungsunfähig zu machen. Leider hatten die drei Männer, wie bereits schon erwähnt, das Handicap zum ersten Mal auf solch ein Tier zu treffen, so dass der Gepard, auf den zugestürmt wurde, sofort von der Beute abließ und sich drohend aufrichtete.


    Viele Römer lachten ob dieser dummen oder gar verzweifelten Reaktion des beleibten Germanen. Die Wetten auf den beleibten Germanen standen folglich nicht gut.

    Einige Begriffe kamen Furianus vertraut vor, manche hatte er noch von seinem Paedagogus und dessen Stock sehr gut einverleibt bekommen, so dass sie ihm durchaus bekannt waren, die meisten jedoch, besonders die Namen, musste er sich notieren, um sie nicht zu vergessen. An manchen Tagen schien Furianus ein Sieb hinter der Stirn zu haben, als das Zentrum des Menschseins.