Der Anblick des beleibten Crassus, welcher auf das anmutige und von Muskeln durchdringte Tier zusprintete, war doch sehr erheiternd. Wie ein Koloss stürmte Crassus die beiden Schwerter gekonnt von der einen zur anderen Seite schwingend, als wäre er des Wahnsinns, auf das Tier zu, welches noch immer in aggressiver Gebärde die Zähne zeigte und sich kleiner machte, um im geeigneten Augenblick zu springen. Doch etwas anderes geschah.
Einige Meter vor dem Tier wurde das Geschrei des Crassus derlei laut, dass der Gepard sich scheinbar zu sehr ängstigte, denn die gestallt des aufrecht rennenden Crassus, der auf und ab hüpfende Bauch wie auch die langen Haare, schienen auszureichen, um das Tier ausweichen zu lassen. Der Gepard schoss nicht auf Crassus zu, sondern zur Seite den siegreichen Mann nicht aus den Augen lassend. Crassus hatte sich in seine Rolle dermaßen gesteigert, dass er kurzerhand die Richtung änderte und dem Geparden nachrannte. Dies jedoch wenige Meter, dann schleuderte er das in der linken Hand gehaltene Schwert nach dem Tier und verfehlte es natürlich. Der Gepard verlangsamte sein Tempo danach wieder, um nicht gegen die Mauer zu laufen und blickte aus der Entfernung zu dem Mann.
Crassus hatte nun eine Hand frei und lief in gleichem Tempo, mit dem er zuvor noch auf das Tier zustürmte, zu der zerrissenen Gazelle. Er ergriff das Bein und zerrte die Beute des Geparden hinter sich her, schwenkte dabei noch verzweifelt mit dem Schwert in der Hoffnung durch dies Gebärden den Geparden auf Distanz halten zu können – er sollte sich täuschen.
Das Tier bewegte sich angesichts des nun durch die Last der Gazelle erheblich langsameren Crassus auf seinen Angreifer zu und fauchte. Es gefiel ihm scheinbar nicht, dass sich Crassus der Beute bemannte, vielleicht verletzte es auch den Stolz des Tieres, man wusste es ja nicht. So verfiel das Tier von einem zögerlichen Schritt in leichtes Traben, um dann immer schneller zu werden und dabei nicht direkt auf den Feind zuzusteuern, sondern einen leichten Bogen zu machen. Crassus fiel dies natürlich auf, denn er hatte das Tier nicht aus den Augen gelassen, war jedoch sichtlich erschöpft, denn die Gazelle wog mehr als vermutet – der Gepard hatte nach seiner Meinung zu langsam und zu wenig gegessen. Das Schwert richtete Crassus jedoch noch immer auf die Raubkatze gerichtet, die ihn wohl angreifen würde.
Er war nun schon drei Meter vor der Klappe entfernt, in die er die Gazelle hinein werfen würde und sich so der zusätzlichen Last entledigen konnte, doch er war nicht schnell genug, denn der Gepard kam auch schon von der Seite angeschossen und warf sich dem Mann, der im Bruchteil der Sekunde das Schwert nicht in die andere Hand nehmen und die Gazelle fallen lassen konnte, auf den Rücken.
Gnadenlos bohrten sich die Krallen des Tieres in die Haut des Germanen, der sofort einen Schmerzensschrei los stieß. Auch als er mit dem Tier auf dem Rücken zu Boden fiel und sich angesichts des Todes mit all seiner Kraft herum reißen konnte, der Biss der Katze in den Nacken war schneller. Es schien, als hätte die Raubkatze nicht zum ersten Mal in ein menschliches Genick gebissen oder die Anatomie des Menschen ähnelte dem anderer Tiere. Vermutlich hatte der Gepard schon Affen zur Strecke bringen müssen und wandte die gleiche effektive Technik nun bei Crassus an. Zwar begrub der mächtige Körper des Crassus in seiner Bewegung den Geparden, doch das Tier konnte jedoch nach einigen Sekunden wieder entfliehen, schien an Crassus nun das Interesse verloren zu haben. Die Katze sprintete zum Glück der anderen Männer nicht auf einen von ihnen zu, nein, sie hatte nur das Bedürfnis ihre Gazelle wieder zu holen.
Crassus lag blutend einige Schritte vor seinem Gewinn, der Falltür, und blutete aus. Sein Tod war, so schmerzvoll er für einige der wettenden Römer auch sein mochte, nicht sinnlos, denn nun wussten die zwei anderen Germanen welch ernst zu nehmenden Gegnern sie gegenüber standen. Dementsprechend langsam waren ihre Bewegungen.