Das Handzeichen des Praetors wurde von einem Herold gespannt erwartet, als dieses nun doch endlich gegeben wurde, gab er selbst eines.
Sofort fingen an die 20 Trompeter an in ihre Instrumente zu blaßen, vier Stöße, davon der zweite in die Länge gezogen, sorgten jedenfalls einigermaßen für Ruhe in der ausgelasteten Arena. Es herrschte zwar noch leichtes Geflüster, doch es war still genug.
Auf einem Podest in den Reihen über der Kaiserloge stehend rief der Herold mit kräftiger und klarer Stimme.
"Römer!
Zu lange habt ihr warten müssen, zu lange musstet ihr dieses Ereignis entbehren, doch heute soll dies ein Ende haben. Die Praetoren veranstalten Spiele Euch zu Ehren!
Es ist ein stetiges Geben und Nehmen! Ihr, o Römer, gebt Rom so viel, nun sollt ihr auch etwas bekommen!
Keine Kosten und kein Aufwand wurden gescheut, um Euch dies hier zu präsentieren!
Lehnt Euch zurück und genießt das Schauspiel, genießt das heutige Programm: Die Venationes!"
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Nach der Ansage beherrschte Spannung den Schauplatz unzähliger Tode. Gebannt starrte man zu den Falltüren, zu den vielen Gittern in der Arenenbegrenzung, aus denen jeden Augenblick eines der Ungeheuer der Natur an das Licht der Sonne treten konnte.
So dauerte es auch nicht lange, da wurden die Falltüren geöffnet und aus diesen sprangen fünf Leoparden hervor. Tiere, wie aus Gold und doch ausgestattet mit scharfen Krallen, einem starken Gebiss und der Passion alles lebendige zu verschlingen. Einige konnten gezähmt und als Haustiere gehalten werden, doch die meisten entstammten aus dem Schosse der Natur, voller Kraft und nicht unterdrücktem Mordinstinkt.
Diese anmutigen und schönen Tiere, verschreckt von den jubelnden Massen um und über ihnen, bewegten sich instinktiv zueinander, um eine Gruppe zu bilden, ein Bollwerk voller Kraft und scharfer Krallen.
Just in diesem Moment der Angst dieser Tiere, ihrem Drang sich zu gruppieren, wurde ein riesiges Gitter hochgehoben und an die 20 Gazellen sprinteten aus dem Dunkel in das grelle Licht der Arena. Selbst bis aufs äußerste verängstigt, sprangen sie in die scheinbare Freiheit, mit der sie das Licht ihrer Heimat seit je her asoziierten. An diesem Tag sollten sie sich täuschen.
Nach wenigen Sekunden bemerkten die ersten Gazellen, dass sie nicht in die Freiheit gedrängt wurden, sondern in den sicheren Tod. Ruckartig änderten die ersten Tiere ihre Richtung, nachdem die Gruppe Leoparden, die natürlichen Feinde der schnellen Lebewesen, ebenso schnell, erblickt wurden. Der Herdentrieb setzte auch hier an und die Gazellen, weniger ruhig als ihre Feinde, bildeten nun auch eine Gruppe. Die Nähe der Jäger jedoch ließ einige Mitglieder vor Verzweiflung oder Angst - wie kann man dies bei Tieren wissen - ausbrechen und nach einem Fluchtweg, auch in der Nähe der Fleischfresser, suchen.
Die Leoparden vergaßen ihre Angst schnell. Sie hatten seit Tagen kein Blut mehr gekostet, wie auch kein zartes Fleisch. Die ersten Tiere bewegten sich zähnefletschend auf die Gruppe Gazellen zu.