Beiträge von Lucius Flavius Furianus

    Furianus überhörte den ersten Satz natürlich, denn Ironie war ihm vorbehalten, er selbst mochte es damit zu spielen, jedoch nicht Spielball zu sein.
    Daher schwamm er neben Modestus und fragte interessiert nach.


    "Ja, ein gutes Amt für eine Karriere in der Verwaltung. Was möchtest du denn erreichen, Modestus?"

    "Der Wunsch eines verdienten Mannes seinem Rom zu dienen, Durus."


    Entgegenete Furianus lächelnd und wies mit der flachen Hand auf Myrtilus.


    "Er steht neben mir."


    Zwar konnte Durus mit dieser Information wohl wenig anfangen, doch Furianus brauchte einen guten Auftritt, um seinen Freund von ihrer Sache zu überzeugen.


    "Wir haben über den Verlust des Kollegiums gehört und wie es das Schicksal so will, strebt Claudius Myrtilus die Ehren eines Augurn an. Er hat dem Reich schon als herausragender Kommandeur der Flotte gedient, nun will er Rom als Augur dienen.
    Die Götter haben einen Mann genommen, um einen neuen einzusetzen. Dies zu erreichen ist unser Wunsch, kannst du uns behilflich sein, werter Freund?"

    PANEM ET CIRCENSES


    Brot und Spiele gehörten seit Jahrhunderten zu der römischen Tradition und waren untrennbar. Diese beiden Werte standen für Sicherheit und Wohlstand, sie standen für Rom. Gab es kein Brot, wie auch Spiele, stand es schlecht um das Haupt der Welt, doch stets bewies man das Gegenteil.


    So waren auch am heutigen Tage die Pforten des größten Amphitheaters offen und Menschen aller Klassen strömten in den Ovalbau. Menschen, die nach der Arbeit aus dem Alltag entführt und unterhalten werden wollten, Menschen, die sich nach den Spielen mehr sehnten als nach dem Brot.


    Langsam füllte sich der Bauch des Gebäudes und schon nach einer Weile schien es keine freien Plätze mehr zu geben. Lautes Gemurmel war überall zu vernehmen, Menschen stritten um Plätze, begrüßten sich oder sahen nur gelangweilt ob der Warterei in die Tiefe. Ritter wie auch Senatoren saßen abgetrennt von der Masse auf den ihnen entsprechenden Logen, die des Kaisers überragte jedoch alle an Prunk und Nähe zum Schauspiel.


    Unter Trompetenklängen betraten zwei Männer, gefolgt von ihren Liktoren und tanzenden Akrobatinnen die Arena. Beide waren in weiße Togen gehüllt, die ein breiter Purpurstreifen zierte und ihren Stand wie auch ihren Namen preisgeben sollte. Es waren keine Geringeren als Gaius Prudentius Commodus und Lucius Flavius Furianus. Zwei Praetoren, die sich den Spielen annahmen.


    Die Menge jubelte, während die beiden Männer in der Arena der Menschenmasse mit einem Wink dort und dem anderen da, die Menge begrüßten. Diese Prozedur dauerte auch nicht lange und die Beiden entfernten sich, um sogleich in der Loge des Kaisers, als Träger der Spiele, Platz zu nehmen.


    Man wartete auf den Kaiser während der Jubel wieder verklang und einige Akrobatinnen noch munter zu den Klängen einiger Lautenspieler umherturnten.

    Vor dem Domus der Gens Helvetia hatte sich schon eine kleine Menschenansammlung gebildet und bald bildete sich auch schon der Korridor, durch den zuerst die Liktoren, dann Furianus, hindruch gingen und auf die porta zustrebten.


    Einer der Liktoren klopfte an der massiven Tür an.

    Furianus erhob sich und verbeugte sich leicht.


    "Ich danke meinem Kollegen, dass er mich dieser Aufgabe für geeignet erachtet, es wäre mir natürlich eine Ehre. Doch ich selbst denke, dass es für ein solch bedeutendes Monument sicherlich geeignetere Männer gibt, Männer, die ihr ganzes Leben als Architekten tätig waren und es noch heute sind.
    Mir war es bisher nicht vergönnt mehr als drei Bauten zu errichten, auch wenn darunter ein Aquädukt war, eine der schwierigsten Konstruktionen, kann ich mich an Erfahrung nicht mit den Architekten Roms messen.
    Ich würde mich jedoch bereit erklären, gleich Senator Avarus, die Arbeiten zu beaufsichtigen und mit meinem Rat und der Erfahrung aus Hispania, sofern erforderlich, zu dienen."


    Warum er dieses Angebot, einen sicheren Platz auf einer Marmorinschrift, ablehnte, dafür gab es viele Gründe. Furianus hatte nur eine Bilanz von drei Bauten, andere hätten sicherlich hunderte, zum Anderen sah er sich schon als Architectus neben den anderen Architekten, einfachen Römern oder gar Peregrini und Sklaven, stehen. Außerdem war seinerseits zu befürchten in seiner Aufgabe als Architectus unter dem "magister" zu stehen, der die Bauaufsicht zu führen wünschte. Solch eine Schmach würde er niemals freiwillig über sich ergehen lassen. Sollte Avarus ruhig die Bauaufsicht führen und koordinieren, auf der Inschrift würde er als Erbauer sowieso nicht stehen, das war eine kleine, dennoch wichtige Genugtuung.

    "In der nächsten Zusammenkunft der Auguren würde er dich dann sogleich vorschlagen können. Natürlich wäre ich bereit dich auch hierbei zu unterstützen, falls der Magister nach einer unbeteiligten Stimme fordert, die deine Eignung bestätigt. Als Magistrat wäre ich sicherlich äußerst glaub- und vertrauenswürdig."


    Lächelte Furianus und blinzelte kurz in die Richtung, in der Myrtilus seinen Freund vermutete.


    "Ja, das ist er tatsächlich."


    Furianus bedeutete Durus mit der in die Höhe gestreckten Hand, dass er warten möge. Kurze Zeit später waren sie bei dem Tiberier.


    "Salve, mein Freund. Darf ich dir Galeo Claudius Myrtilus vorstellen?"

    Furianus schwamm ruhig und versuchte mehr auf seine Atmung zu achten, als auf die Geschwindigkeit der Bewegungen seiner Arme und Beine.


    "Ich kann mir gut vorstellen..."
    Er pustete kräftig aus und machte einen langen Zug.
    "Ich kann mir gut vorstellen, dass große und reiche Städte wie Athen solch Probleme nicht besitzen. Bei Misenum kann ich mir solche Probleme auch nicht recht vorstellen, denn je reicher die Städte sind, desto höher sind die Löhne der Beamten.
    Natürlich ist der Reiz einer Tätigkeit in der Stadtverwaltung die Ruhe und ein sicheres Grundgehalt. Es spricht ja nicht alles dagegen."

    "Die Jugend ist feurig, sie will Abenteuer und Kampf, man hört die alten Mythen des Alexander, des Achilles und Herkules, dies wird man in einem Officium Mantuas nicht erleben können. Es sind zwar Fantasien und übertriebene Vorstellungen, doch nach der Verpflichtung können die jungen Männer ja schließlich schlecht wieder gehen.
    Die Städte können eigentlich nur auf Offiziere hoffen, die nach ihrer Dienstzeit ein gutes Amt in der Verwaltung anstreben. Das Problem dabei ist, von den vielen Rekruten schafft es nicht einmal ein Viertel zum Offizier."


    Furianus, nun doch überall nass, stieß sich vom Boden des Beckens ab und schwam los, Modestus würde ihm schon folgen.


    "Ja, es ist keine profane Angelegenheit, so dass man sich vor neuen Aufgaben stellen muss. Ich hoffe jedoch, dass das Programm den Bürgern gefallen wird und keine Zwischenfälle zu vermelden sein werden."

    "Zumindest kenne ich schon einen Architekten, der aus dem Bau die Spendenkosten locker einholen wird."


    Flüsterte Furianus seinem Nachbarn, mit einem schelmischen Grinsen versehen, zu und blickte gespannt auf Avarus, der sich wohl gleich zu Wort melden würde, um seine Bereitschaft anzukündigen.

    Furianus, am heutigen Morgen schlecht gelaunt und nicht vollends ausgeschlafen, saß mit ein wenig geröteten Augen zwischen den ehemaligen und derzeitigen Praetoren in vorderer Reihe, wurde jedoch der Anwesenheit des Meridius nicht gewahr. Eine Senatssitzung begann auch immer mit einer stattlichen Anzahl an Teilnehmern und die Reihen nach neuen oder fehlenden Gesichtern absuchen wollte Furianus schon gar nicht. Außerdem hatte er Meridius zwar ein Geschenk zur Hochzeit geschickt, ihn jedoch persönlich noch nie getroffen.
    So saß er vor sich hin und senkte leicht die Augen, um sie erschrocken wieder aufzureissen und leicht verwirrt zur Seite zu schauen.

    Zitat

    Original von Manius Flavius Gracchus
    Obgleich es Gracchus lieber gewesen wäre, Furianus hätte dies weder entdeckt, noch wäre er näher darauf eingegangen, so fühlte er sich dennoch verpflichtet, seinem Vetter, welcher eigentlich sein Neffe war, die näheren Umstände zu erläutern, obgleich er hoffte, jener würde nicht auf den marginalen Vermögenswert eingehen. Zuerst hatte er den gesamten Eintrag vernachlässigen wollen, doch er konnte sich nicht dazu durchringen, dem Praetor eine inkomplette Liste vorzulegen, weshalb er auf jene Diskretion hoffte, von welcher im Kreise der Familie auszugehen war.
    "Jene Claudier waren Antonias Brüder. Ich werde nach Beendigung meiner Amtszeit mit ihr nach Mantua reisen, um diese Angelegenheit vollends zu klären."


    "Drücke deiner Frau mein Mitleid aus, Gracchus. Ich kann nachvollziehen, wie sie sich fühlen mag."


    Ein leichtes Nicken folgte diesem Satz. Irgendwie schien es Furianus, als sei er in diesem Jahr Mittelpunkt der Todesfälle, zumindest häuften sich die Toten in seinem Umfeld stark, denn zuvor war er damit noch nie in Berührung gekommen. Eine neue Erfahrung, die ihn sicherlich prägen sollte.

    Zitat

    Original von Tiberius Caecilius Metellus
    "Jeder diene dem Imperium Romanum auf die ihm angemessen scheinende Weise; Was nutzt ein schwacher Kämpfer auf dem Schlachtfeld? Ich denke, dass auch mein Onkel das bisweilen so sieht, denn er legte mir glücklicherweise bisher nicht viele Steine in den Weg.


    Tja, momentan sammle ich, wie du siehst, Erfahrungen in juristischen und verwaltungstechnischen Angelegenheiten als Scriba des Praetor Peregrinus, und Erfahrungen vor Gericht zu sammeln wünsche ich natürlich ebenso. Eines meiner Ziele ist es tatsächlich, in absehbarer Zeit als Advocatus Imperialis zu agieren."


    "Eigenen Familienmitgliedern legte man ja auch für gewöhnlich keine Steine in den Weg, zumindest ist es noch nicht profan. Da Crassus wohl keine Aversionen dir gegenüber hat, wird das wohl auch nicht geschehen."


    Eigentlich war es nur selbstverständlich, dass Crassus den jungen Jurist fördern würde, wo er nur konnte. Schließlich waren die Caecilier, wie wohl alle Gentes, um ihren Tuf bemüht und ein erfolgreicher Jurist schmückte diesen ungemein.


    "Ein ehrenvolles Amt im Namen des römischen Volkes sprechen zu dürfen, diese Ehre steht nicht vielen zu. Ich wünsche dir jedoch, dass du einer der wenigen wirst, wie gesagt, du bist nun kein Unbekannter mehr, man wird auf dich aufmerksam."


    Ein ehrliches Lächeln unterstrich die gutmütige Aussage des Flaviers, denn er war nicht taub und hörte schon von einigen Mitarbeitern der Gerichte, dass der Caecilier gute Arbeit verrichtete.

    Zitat

    Original von Publius Matinius Agrippa Minor
    "Wie geht es nun weiter Praetor Urbanus?"


    Furianus schien einen Moment abwesend, wandte sich jedoch ein wenig erschrocken über diese Frage dem jungen Mann zu.


    "Nun, ich kann jetzt noch nichts sagen, ich muss noch einige Gespräche führen. Es gilt abzuwarten, ich werde dich über meine Entscheidung informieren."


    Nach einer kurzen Zeit des Stillschweigens, einer der peinlichen Momente in Gesprächen, fragte Furianus lächelnd.


    "Hast du noch weitere Anliegen, Agrippa Minor, vielleicht auch die deines Vaters?"

    "Salve, Claudius Myrtilus."


    Entgegenete Furianus, der am heutigen Tage besser aussah, als er sich die letzten Tage fühlte, mit einem leichten Lächeln.
    Auf den Vorschlag des Claudiers hin nickte er nur, fügte jedoch im Gehen noch einen kleinen Vorschlag an.


    "Tiberius Durus, du hast sicherlich von ihm gehört, ist seit Kurzem Mitglied dieses Kollegiums. Wir sind sehr gut befreundet, vielleicht sollten wir unsere Bitte eher an ihn richten, als an die Alteingesessenen, die ich persönlich noch nicht kenne und mit meinem Rang wohl auch nicht sonderlich begeistern kann."


    Schließlich waren die meisten älteren Auguren schon längst Konsulare, zumindest der Großteil des plebejischen Anteils.

    Zitat

    Original von Tiberius Caecilius Metellus


    "Oh, es ist Quintus Caecilius Aventurinus, du wirst ihn wahrscheinlich kennen.


    Der Vortrag vor dem Senat war tatsächlich etwas besonderes, und ich kann nicht sagen dass es mir missfallen wäre vor den Patres Conscripti zu sprechen.
    Und auch wenn die Caecilier ein Faible für das Militär hegen, so schlage ich dort doch eher aus der Linie. Wie du wohl sicherlich bereits vermutet hast, strebe ich eher nach einem politischem Weg denn einem kriegerischem."


    "Man könnte sich nun in dem Streit ergehen welcher Dienst denn besser sei, der an der Waffe oder am Griffel. Ich habe mich jedoch für letzteren entschieden und sehe dies natürlich nicht, wie wohl dein Onkel, mit Bedauern.
    Du wirst sicherlich deine Erfahrungen als Advokatus sammeln wollen, vielleicht gar als Advocatus Imperialis?"


    Er konnte sich dies sehr gut vorstellen, denn es gab in letzter Zeit nicht mehr so viele Aspiranten für dieses Amt, welches eindeutig noch gute Männer bräuchte.

    Zitat

    Original von Publius Matinius Agrippa Minor
    Er kramte einen Brief aus seiner Toga hervor.


    "Dabei handelt es sich um eine Abschrift, welche Tacitus vor seinem Tod meinem Vater zu kommen liess, ich vermute das Original wird sich im Besitz seiner Tochter befinden ..."


    Furianus las sich den Brief durch und legte seine Hand an die Schläfe, um sich abzustützen.


    "Das klärt die Sache natürlich. Ich danke dir und deinem Vater für diese Information."


    Ein bestätigendes Nicken folgte und er wartete, ob der Matinier noch Weiteres aufzutragen hatte.

    Zitat

    Original von Manius Flavius Gracchus


    "Dies wäre vorerst alles, wie bereits erwähnt, die Arbeit bietet wenig Abwechslung."
    Ein Wink folgte und die Sklaven luden ihre Tabulae auf dem Tisch des Praetor urbanus ab.


    Furianus überflog die lange Liste und ließ durch seine Mimik zu verstehen geben, dass er den ein oder anderen Namen kannte.
    Schließlich legte er sie beiseite.


    "Zwei Claudier verstorben, das ist natürlich zu bedauern. Ebenfalls der Tod meines Klienten Helvetius Caesoninus."


    Dies bedrückte ihn doch nun sehr. Caesoninus war einer der Menschen, die Furianus gern um sich hatte, ein kleiner Philosoph ohne Meister. Er war jung und nun hinfort, die Launen der Götter schienen unergründlich.


    "Ich habe daran nichts zu beanstanden."


    Sagte er anschließend.