Beiträge von Lucius Flavius Furianus

    Furianus hatte sichtliche Unruhe mit seiner Aktion in den Senat gebracht, das sah er selbst deutlich, doch eine Investition musste für ihn rentabel sein. Natürlich sollte sein Name auf der Schrifttafel am Ulpianum stehen, denn für Zwecke, die sich nicht lohnen, gab man keine Sesterze ab. Das war nun der Fall, keiner der Namen würde irgendwo stehen und die Sesterzen wären dahin. Verärgert blieb er sitzen und wartete, wann Senator Avarus ihnen seine Rechenkünste zur Verfügung stellen würde, um die Summe durch die Zahl der Anwesenden zu teilen.
    Wäre er heute doch fern geblieben, er hätte Geld gespart.

    "Wurden die Götter befragt?"


    Fragte Furianus erneut, da der Senator seine Frage geschickt zu umgehen versuchte.


    Die Erwähnung, man wolle lieber zusammen zahlen, war gerade der Punkt, an dem Furianus lächeln musste.


    "Nun gut, mein Angebot bleibt bestehen, sollte es sich um eine erneute Verzögerung aufgrund der Eintreibung handeln."


    Solche Aktion behinderten das Vorhaben, wie schon zuvor und Furianus konnte dies nur mit einem Achselzucken kommentieren.

    Furianus erhob sich.


    "Wurden die Götter zu dem neuen Bauplatz befragt, Senator Aelius?"


    Eine Spendeninitiative unter dem Namen jenes Senators, den Namen des Avarus musste sein Vater aus der Zukunft ersehen haben, war für Furianus untragbar. Zum Einen vertraute er die Finanzierung des Projektes diesem Mann nicht, zum anderen konnte er nicht glauben, dass man für 20.000 Sesterze eine Spendeninitiative einrichten musste - schließlich handelte es sich um ein Monument für den Kaiser und für die Tugendhaftigkeit einiger Römer vergangener Zeiten.


    "Ich spende 20.000 Sesterze für den Bau des Ulpianums, die Kostenfrage wäre demnach geklärt."


    Abwartend blickte er Senator Quarto an, was ihm jener wohl würde antworten.

    Furianus, gerade auf dem besten Wege das kühle Nass an seinen Füßen zu spüren, blickte überrascht zur Seite und maß den Mann ein paar Sekunden.
    Er kannte ihn wohl und so mutmaßte Furianus, ob es sich um einen Senator handeln könnte, entschied danach jedoch, dass ihm das Gesicht bekannt vorkommen musste. Ein Patrizier konnte es auch nicht sein, da dies wohl nicht einer der sehr raren Momente sein konnte, in denen sich ein Patrizier in die öffentlichen Thermen verirrt. Ein Klient wohl auch nicht, denn dieser hätte ihn anders gegrüßt. So entschied Furianus, da er aufgrund keinerlei Anzeichen, der Mann war ja nackt, kein zutreffendes Urteil fällen konnte, dass es sich bei dem Mann etwas zwischen einem sehr armen Bauern aus dem Umland Roms oder sehr reichen Ritters handeln konnte.


    "Salve. Ich würde dich gerne anders grüßen, doch ich kenne deinen Namen nicht."


    Er lächelte leicht entschuldigend, da dies nicht gerade gute Voraussetzungen waren, falls es eine berühmte Persönlichkeit war und Furianus das Gesicht gänzlich unbekannt.

    Nun hatte man dies also auch zum Ende gebracht und Furianus wirkte erleichtert, dass diese kleine Besprechung reibungsloser ablief, als so manche andere. Doch Commodus war ihm schon immer ein angenehmer Gesprächspartner gewesen.


    "Dann hätten wir soweit alles."


    Bestätigte Furianus sich selbst noch einmal und blickte Commodus an.

    Was man sich vornimmt, das erledigt man am besten schnell, um es nicht zu vergessen. Und Furianus vergaß Einiges.
    So begab er sich mitsamt einiger Sklaven zu dem Tempel der Minerva, in welchem Claudia früher wohl ständig ein- und ausging, nachdem er die rituelle Waschung vorgenommen hatte.
    Noch immer bedrückt von der Last die Göttin gnädig stimmen zu müssen, für Claudia zu beten und Opfer darzubringen, als der, der ihr am nächsten stand, war er durch die cella gegangen und bedeckte sein Haupt mit dem Zipfel seiner Toga, als er vor der großen Minervastatue stand.
    Durch eine entsprechende Geste begangen die tibecanes ihr Pflicht zu vollziehen und den Opferherrn vor allen Störungen zu schützen, die eigens für die Opferung abgestellten ministri positionierten sich hinter dem Senator.


    Furianus, nun von keinerlei Geräuschen in seiner Konzentration gestört, hob die Hände mit nach oben gerichteten Handflächen in die Höhe und sprach deutlich und hörbar.


    "Minerva, große Göttin der Weisheit, Göttin Roms, die, der mein Ahne, ein Kaiser ohne Name, stets zu huldigen wusste.
    Heute stehe ich vor dir, um von dir den Schutz meiner Verlobten zu erbitten. Sie ging aus dieser Welt, um dir zu dienen, große Göttin. Empfange sie in deiner herrlichen Güte und Weisheit sicher und sichere ihr den Platz zu, den sie als edle Frau Roms, meine Verlobte und deine treue Dienerin verdient.
    Hier stehe ich, um dir diese kleine Bitte anzutragen. Von Einseitigkeit soll mein Besuch jedoch nicht gekennzeichnet sein. Nimm meine Geschenke, Göttin, als Dank für deine Mühen um mich, um meine Verlobte. Es sind erlesene Gaben, du verdienst keine Minderwertigkeiten, große Göttin.
    Habe Dank und erfreue dich an meinen Geschenken."


    Er ließ die Hände langsam sinken und die ministri traten nacheinander an Furianus, um diesen die Körbe und andere Gefäße zu überreichen, damit dieser sie auf dem foculus darbringen konnte.
    Mit Sorgfalt und Demut vor der Göttin brachte Furianus die einzelnen Geschenke dar, darunter war Wein aus den Feldern Achaias, Obst und Früchte aus seinen Latifundien im Norden Italiens, Dünkelkekse, verschiedene Gewürze aus dem Orient und natürlich feinster Weihrauch importiert aus Aegyptus. Dieser wurde verbrannt, die restlichen Speisen fielen Minerva und damit dem Tempel zu. Drei Goldmünzen mit dem Abbild der Göttin, nach denen Furianus eine Zeit lang fahnden ließ, vollendeten die Opferdarbietung.
    Nun war es also verbracht, dennoch verweilte Furianus in Gedanken an jenem Ort, der so viele Erinnerungen entfachte. Erinnerungen, die nicht seine waren, doch Claudias, die hier deutlich anwesend schien, an der Seite der Göttin.
    Der Alltag rief und so wandte sich Furianus ab und verließ die Männer im Schlepptau den Tempel.

    Sim-Off:

    Ich hoffe, ich darf. ;)


    Furianus, nicht durch Volksnähe bewogen, war an jenem Tag ebenfalls in den großen Thermen, auch wenn er als Patrizier seine eigenen, durchaus kleineren, in Anspruch nehmen konnte.
    Man hatte durch solche Aktion meistens bestimmte Dinge im Kopf. Entweder eben Volksnähe zeigen, besonders vor Wahlen war dies sehr wirksam oder in solch einer Art Buße tun und hoffen, dass das Volk dies positiv aufnahm.
    Furianus wollte keinen dieser Zwecke erwirken, sondern einfach nur unter vielen Menschen sein, sich mit seinen Klienten zeigen, belanglos plaudern und die Atmosphäre genießen.
    Erholt war er sowieso nie.


    "Wie geht es deinem Sohn, Volianus, hat er sich nun endlich der Juristerei zugewandt, wie du dir stets gewünscht?"


    Fragte er einen seiner zahlreichen Begleiter, als sie von einem Raum in den anderen gingen und ein wenig plauderten.


    "Ja, Patron, ich muss den Göttern dafür danken. Ich befürchtete schon, dass er Philosoph werden würde, bei Juppiter, ich hätte so etwas nicht verkraftet. Er soll ja schließlich etwas werden und keiner brotlosen Kunst anhängen."


    Furianus musste daraufhin lächeln, war doch die Auffassung sehr amüsant.


    "Ich muss deiner Ansicht den guten alten Krates entgegen werfen. Jener hatte nämlich verordnet, dass seine Ersparnis seinen Kindern ausgezahlt werden sollten, falls diese Nichtsnutze, darunter meinte er wohl auch Advocati, werden würden. Ein Freund fragte den alten Philosophen, was mit dem Geld geschehen sollte, falls seine Kinder selbst dem Vater im Philosophieren nachfolgen. Krates antwortete, dass man in diesem Falle sein Geld an die Bevölkerung verteilen sollte, denn Philosophen seien bedürfnislos.
    Du siehst, Advocatus sein ist nicht alles."


    Sein Begleiter lächelte nur und bemerkte, dass sie schon angelangt waren. Sofort wurden die Handtücher von den Hüften genommen und man stieg in das Wasser, um den Körper zu formen.

    Auf den Dank erwiderte er ein leichtes Nicken. Was sonst. Er hatte weder die Lust, noch die Kraft das, was er erleiden musste, einfach zu überspielen.
    Dennoch oblag ihm die Verantwortung sein Gesicht und das seiner Gens zu wahren.


    "Ich muss meinen Vater entschuldigen, Durus, er konnte es leider nicht einrichten zu kommen. Er entsendet jedoch mit mir seine besten und herzlichsten Glückwünsche zu deiner Aufnahme in den Senat."


    Das war Durus gegenüber angemessen, wie Furianus im Nachhinein befand, auch wenn er selbst nicht wusste wo sein Vater sich derzeit aufhielt, noch ob er kommen würde.
    In Beschlag wollte er Durus nicht nehmen und trank einen Schluck des verdünnten Weines.

    Furianus konnte da nur schätzen, auch wenn dies noch gar nichts über die wirkliche Dauer hätte sagen können.


    "Im besten Falle werden mich alle Informationen vor der Legislaturperiode erreichen und ich meine Entscheidung dahingehend fällen. Ansonsten muss dies wohl, zumindest für dich, aufgeschoben werden. Ich hingegen werde mich hoffentlich weiterhin dem Falle annehmen können, auch nicht als Praetor, wenigstens als Gutachter."


    Er hoffte, dass dies nicht mit den Plänen Gracchus kollidierte, was er dann einige Augenblicke später revidieren musste, da es Gracchus gleich sein konnte. Wenn Furianus die Auswertung rechtzeitig schaffte, so würde sein Vetter, der sein Onkel war, das Erbe ausstellen, wenn nicht, so wäre es die Aufgabe des nächsten Decemvirs an dessen Stelle.

    "Nun, ich würde vorschlagen, dass wir mit den Tierhetzen beginnen, wie es Brauch ist, das Theaterstück, nun, das würde ich dir anvertrauen, du wählst sicherlich ein geeignetes aus, Commodus."


    Antwortete Furianus mit einem leichten Lächeln und ging Rom in Gedanken durch, welches der Theater vor allem zur Verfügung stehen sollte, welche Größe angemessen war und solcherlei Gedanken.
    Schließlich kam er zu einem guten Entschluss.


    "Das Theater des Marcellus scheint mir geeignet zu sein, vor allem kann ich mich nicht entsinnen, dass dort zu dieser Zeit besondere Sepektakel angesetzt sind."

    Furianus konnte sich vage erinnern, dass das Projekt an dem Vogelflug scheiterte. Ob ein erneuter Rat der Götter eingeholt wurde, war ihm nicht bekannt und er wollte die Frage stellen, natürlich nach der Antwort des angesprochenen Senators, der ja ein Konsular war und Furianus als Praetor nicht das Recht vor ihm zu sprechen.

    "Gut, das ist verständlich."


    Nickte Furianus ab und lächelte nun ein wenig.


    "Also obliegen dir die Gladiatorenspiele und ein Theaterstück, mir die Tierhetzen und die kurzen Komödien in den Pausen der Theateraufführung.
    Wenn es geht, baue etwa zehn Pausen ein, in denen dann diese kleinen Stücke aufgeführt werden können, wenn es mehr sind, sage mir aber bitte Bescheid."

    "Die Ludi Floralia wären zu kurzfristig, fürchte ich. Lass uns doch lieber den ANTE DIEM IV NON MAI DCCCLVII A.U.C. (4.5.2007/104 n.Chr.) festlegen. Ahja, sollen die Theateraufführungen parallel zu den Circusspielen aufgeführt werden oder abwechselnd?"

    Furianus, in den ersten Reihen sitzend, hatte die vielen Sophisten noch aus seinem Unterricht im Kopfe gehabt und erinnerte sich der Worte seines Paedagogus.
    Ab und an, als berühmte Sophisten wie Cicero oder sein Erzrivale Hortensius genannt wurden, nickte leicht als Bestätigung, mehr für ihn, als für Callidus. Eine Angewohntheit.
    Natürlich keimte die Frage in ihm auf, ob das nun die Einführung war und man sogleich eine Rede analysieren würde, vielleicht eine Schmährede Ciceros oder seine orationes philippicae. Er hoffte nicht, denn das fand er schon als Jüngling mühsam, hoffte, dass es in diesem Tempe und mit gleichem Inhalt weiterging.

    "Ich bin mir sicher, dass geeignete Kandidaten, wie jedes Jahr, gewählt werden, keine Sorge, Senator."


    Furianus hätte am liebsten seine Entrüstung über diese leichte Anspielung an den Tag gebracht. Zu gerne hätte er Avarus angegriffen, der wohl nach seiner Blammage ein zweites Mal zur Schändung bereit schien.


    Die Kriegserklärung Roms an den Feind, der berühmte Wurf des Speers in das Feindesgebiet, würde Furianus gespannt abwarten und diesem Spektakel natürlich beiwohnen. Der Termin stand noch nicht.

    Zitat

    Original von Manius Tiberius Durus
    Natürlich entdeckte der Hausherr auch Furianus, seinen alten Freund und Kampfgefährten auf den Rostra-Brettern, die die Welt bedeuteten. Außerdem waren sie vor kurzem ja noch zusammen an Claudias Sarg gestanden...


    "Salve, Furianus! Wie geht es Dir?"


    "So gut, wie es einem Mann, der seine Verlobte betrauert, nur ergehen kann."


    Antwortete Furianus, nachdem er von Durus mehr oder weniger überrascht worden war, dachte er doch, dass jener noch eine Weile mit der Entgegennahme der Glückwünsche beschäftigt sein wird.


    "Ich gratuliere dir, mein Freund. Nun hat der Senat eine gute und durch edle Ansichten vertretene Stimme mehr."

    Furianus hatte sich nach Beendigung der starken Rede des Augustus wie wohl meist alle Anwesenden erhoben und geklatscht, wie auch ein "Roma victrix!" von sich gegeben.
    Nun wieder sitzend, fiel ihm irgendwie nicht mehr viel dazu ein. Der Kaiser musste selbst an diesem Feldzug teilnehmen, das war klar, waren doch Freunde Roms, unter Roms Schutz gestellte Amici, angegriffen worden. Da musste er Präsenz zeigen. Die Legio Prima, das war auch klar. Wenn der Kaiser ausrückte, so musste seine Legio natürlich mitgenommen werden. Kurz dachte er an seinen Onkel Aristides und nahm sich vor für seine Sicherheit in nächster Zeit zu opfern.
    Da jedoch keiner der Anwesenden irgend etwas dazu sagen wollte, machte Furianus den Anfang.


    "Eine richtige Entscheidung, der Speer muss geworfen, der Krieg erklärt werden. Ein Angriff auf Roms Freunde ist ein Angriff auf Rom."