Durch die jüngsten Ereignisse aufgeschreckt, wurde Furianus bewusst, dass er schon vor seiner Praetur den Göttern, besonders den flavischen, nicht genug huldigte.
So begab er sich, im Schlepptau eine Kolonne aus Trägern, zum Tempel seiner Gens. Er wusste nicht, ob man ihn hier schon vergessen hatte, war er doch gealtert, die Priester ebenso. Heute jedoch sollte er selbst opfern, er war es den Göttern schuldig.
Furianus durchschritt die Cella und kam zu den Marmorbildnissen seiner Ahnen, die noch heute voller Glanz und Gloria schienen, so, als wäre die Zeit vor vierzig Jahren stehen geblieben, damals, als die Flavier über Rom herrschten.
Durch einen Wink von Furianus trat der erste Sklave vor und übergab dem Flavier einen Beutel. Dieser war gefüllt mit Goldmünzen, die Furianus vorsichtig in die eigens dafür vorgesehene Schale aus dem Beute rieseln ließ, ein paar Worte an die Götter richtete und mit einem weiteren Wink zu verstehen gab, dass es weitergehen konnte.
Zwei Sklaven mit großen Tonkrügen traten nun an ihn heran und übergaben diese nacheinander Furianus, der die rote Flüssigkeit, es war Wein, in eine ebenfalls dafür vorgesehene Schale goss. Ein paar Worte wurden danach ebenfalls an die Götter gerichtet.
Ein weiterer Wink, eine weitere Gabe, die Worte folgten sogleich. In dieser Manier wurden so Kekse, Kuchen und anderes Gebäck, Früchte und Obst, Parfüm und edle Hölzer verbrannt, bis man bei der letzten Gabe angelangt war, dem vielen Weihrauch.
Dieser wurde von Furianus, wie auch die vorigen Gaben, geopfert und wie zuvor stülpte er sich den Zipfel seiner Toga über das Haupt und begann, nachdem sich der wohlige Geruch ausbreitete, zu beten.
"Ahnen, die ihr über uns wacht,
Ahnen, die ihr uns flüstert so sacht,
Ahnen, aus dem irdischen Sein,
Ahnen, in des göttlichen Schein.
Ich rufe Euch an, um mir die Gunst zu erbitten, derer ich mir in den letzten Tagen nicht sicher sein konnte. Meine Verlobte nahmen die Götter von mir. Nach dem Lethe sehne ich mich, sind doch die nächsten Tage, Monate und Jahre, mein ganzes Leben, von diesem Ereignis geprägt. Führt sie an der Hand, zeigt ihr die Schönheit des Unsterblichen und dem Elysium.
Meine Gaben nehmt an, Ahnen, als Zeichen der Reue, als Zeichen der Schuld. Euer Gesicht war mir in den letzten Monaten nicht vor den Augen, mein sträfliches Fernbleiben dieser Räume unentschuldbar. Nehmt meine Opfer und tut euch gütlich daran, sie sollen euch erfreuen.
Ahnen, die ihr so gnädig zu mir wart, haltet weiterhin aufrecht meinen Weg, wacht über mich am Tage und in der Nacht.
Beschützt die Meinen und straft die Feinde."
Erleichtert, dass nichts passiert ist, nicht Schlimmes jedenfalls, zog er sich den Zipfel vom Kopf und stand auf. Nach einigen Minuten des Nachdenkens wandte er sich ab und ging aus dem Tempel in Erleichterung.