Furianus wandte sich interessiert seinem Kollegen zu und wartete ab, bis dieser geendet hatte, um sich dann selbst dazu zu äußern.
"Es war mir bisher vergönnt als Advocatus tätig zu werden, auch wenn ich mich dieser Aufgabe gewachsen sehen würde. Als Iudex konnte ich einer Verhandlung ebenfalls nicht beiwohnen, da dies nur Senatoren zusteht und ich vor kurzer Zeit noch kein Mitglied dieses Gremiums war.
Dass ich nicht die Zeit hatte, um über solche Erfahrungen zu verfügen, ist meine einzige Entschuldigung, denn alles andere hätte ich wahrgenommen, wenn sich mir die Chance geboten hätte.
Wie auch ihr, Senatoren, lese ich Werke großer Römer. Wie ihr alle, so habe ich auch de Bello Gallico von Caesar gelesen, die ergreifenden und hitzigen Phillipica des großen Cicero und einige seiner Plädoyers. Auch wenn ich, um nun bei einem der größten Anwälte zu verbleiben, bei den Plädoyers des Cicero nicht anwesend war, so ergreift mich, wie auch alle Leser dieser Meisterwerke römischer Rhetorik, die Atmosphäre, die laute, die klare und starke Stimme des Mannes, welcher als Advocatus seinen Klienten in Schutz nimmt, während ein Kollege den Angriff mit Worten leitet.
Ich kann nicht aus Erfahrung sprechen und sagen dies hätte sich in heutiger Zeit geändert, denn ich wohnte nur einer Verhandlung bei, der nicht einmal der Angeklagte beiwohnen wollte. Ich weiß auch nicht, ob dies in der Zeit Ciceros gestattet wurde - was ich persönlich nicht befürworte.
Es waren auch keine infamen Schauspiele, wie sie in Spielunken oder Theatern minderer Qualität, die ich damit ausdrücken wollte, sondern die Wortgefechte für Recht und Unrecht.
Gerechtigkeit wird erkämpft, ob auf dem Schlachtfelde oder im Gerichtssaal. Verstehe mich nicht falsch, wenn ich dies nun so rabiat Vergleiche, denn ich stelle mir unter einer Wortschlacht kein Marktgeschrei vor, sondern eine Schlacht mit Besonnenheit und Ruhe, jedoch unter Worten, die ihren Zweck nicht verfehlen, jedoch nicht beleidigend angewendet werden.
Denn anders, als in der Schlacht auf dem Felde, ist die Schlacht im Gerichtssaal eine moralische und wird nicht mit Schwert und Lanze, sondern mit Taktik, Logik und Beweisen gefochten. Während der Soldat mit seinem Schwert Gerechtigkeit erzielt, ist die Waffe des Advocatus die Rhetorik, was ich bereits erläuterte. Ich bemesse ihr auch keine minderwertige Position, sondern die größte."
Dass Furianus unpopuläre Entscheidungen nicht scheute, das war vielen bekannt und doch würde er es auch hier gerne ausführen wollen, was er auch tat.
"Ich glaube nicht, dass ich ein Mann der Passivität bin. Als Aedil habe ich, wie es meine neutrale Stellung als Magistrat verlangt hat, niemanden verschont oder bin vor Honorationen gewichen. Ich habe mich stets auf der Rostra zu Wort gemeldet und nie gescheut das kund zu tun woran ich glaube. Wenn dies nicht so wäre, so wüsstet ihr nicht wie ich jüngst die Kandidatur des Kollegen Avarus bewerte, wie ich seine damalige Rede bewertet habe, wie ich mich über die Lex Claudia und über die derzeitige Situation in Germania sowie auch hier in Rom geäußert habe."