Beiträge von Lucius Flavius Furianus

    Furianus nickte auf die Bemerkung von Commodus lächeld und nahm sich sogleich eine der dunkelblauen Trauben, die als Vorspeise aufgestellt worden waren.


    "Anfangs nimmt man diese Gerüchte zu ernst, dann ebt sich die Wut und der Zorn in Gleichgültigkeit. Doch eine kritische Betrachtung habe ich noch nicht ablegen können, denn dafür ist mir das Wohl der Familie zu wichtig.
    Sag, Commodus, wie geht es denn den restlichen Prudentiern? Ich kenne ja leider nur deinen Sohn und dich, was bei anderen Gentes vollkommen reichen würde, um sich auf alle Ewigkeit dieser Ehre zu rühmen."


    Unterschwellige Komplimente waren stets angebracht. Jedoch war er sich ebenfalls bewusst, dass zu viel Honig auch nicht schmeckte.

    Furianus wandte sich interessiert seinem Kollegen zu und wartete ab, bis dieser geendet hatte, um sich dann selbst dazu zu äußern.


    "Es war mir bisher vergönnt als Advocatus tätig zu werden, auch wenn ich mich dieser Aufgabe gewachsen sehen würde. Als Iudex konnte ich einer Verhandlung ebenfalls nicht beiwohnen, da dies nur Senatoren zusteht und ich vor kurzer Zeit noch kein Mitglied dieses Gremiums war.
    Dass ich nicht die Zeit hatte, um über solche Erfahrungen zu verfügen, ist meine einzige Entschuldigung, denn alles andere hätte ich wahrgenommen, wenn sich mir die Chance geboten hätte.


    Wie auch ihr, Senatoren, lese ich Werke großer Römer. Wie ihr alle, so habe ich auch de Bello Gallico von Caesar gelesen, die ergreifenden und hitzigen Phillipica des großen Cicero und einige seiner Plädoyers. Auch wenn ich, um nun bei einem der größten Anwälte zu verbleiben, bei den Plädoyers des Cicero nicht anwesend war, so ergreift mich, wie auch alle Leser dieser Meisterwerke römischer Rhetorik, die Atmosphäre, die laute, die klare und starke Stimme des Mannes, welcher als Advocatus seinen Klienten in Schutz nimmt, während ein Kollege den Angriff mit Worten leitet.
    Ich kann nicht aus Erfahrung sprechen und sagen dies hätte sich in heutiger Zeit geändert, denn ich wohnte nur einer Verhandlung bei, der nicht einmal der Angeklagte beiwohnen wollte. Ich weiß auch nicht, ob dies in der Zeit Ciceros gestattet wurde - was ich persönlich nicht befürworte.


    Es waren auch keine infamen Schauspiele, wie sie in Spielunken oder Theatern minderer Qualität, die ich damit ausdrücken wollte, sondern die Wortgefechte für Recht und Unrecht.
    Gerechtigkeit wird erkämpft, ob auf dem Schlachtfelde oder im Gerichtssaal. Verstehe mich nicht falsch, wenn ich dies nun so rabiat Vergleiche, denn ich stelle mir unter einer Wortschlacht kein Marktgeschrei vor, sondern eine Schlacht mit Besonnenheit und Ruhe, jedoch unter Worten, die ihren Zweck nicht verfehlen, jedoch nicht beleidigend angewendet werden.
    Denn anders, als in der Schlacht auf dem Felde, ist die Schlacht im Gerichtssaal eine moralische und wird nicht mit Schwert und Lanze, sondern mit Taktik, Logik und Beweisen gefochten. Während der Soldat mit seinem Schwert Gerechtigkeit erzielt, ist die Waffe des Advocatus die Rhetorik, was ich bereits erläuterte. Ich bemesse ihr auch keine minderwertige Position, sondern die größte."


    Dass Furianus unpopuläre Entscheidungen nicht scheute, das war vielen bekannt und doch würde er es auch hier gerne ausführen wollen, was er auch tat.


    "Ich glaube nicht, dass ich ein Mann der Passivität bin. Als Aedil habe ich, wie es meine neutrale Stellung als Magistrat verlangt hat, niemanden verschont oder bin vor Honorationen gewichen. Ich habe mich stets auf der Rostra zu Wort gemeldet und nie gescheut das kund zu tun woran ich glaube. Wenn dies nicht so wäre, so wüsstet ihr nicht wie ich jüngst die Kandidatur des Kollegen Avarus bewerte, wie ich seine damalige Rede bewertet habe, wie ich mich über die Lex Claudia und über die derzeitige Situation in Germania sowie auch hier in Rom geäußert habe."

    "Mein Vater weilt hier, zumindest länger, als die letzten Male, da blieb er nicht lange. Ich hoffe, dass er sich nicht zu sehr nach der Insel sehnt."


    Nun durfte Furianus nichts falsches sagen, was Balbus und seine Besuche betraf, winkte jedoch sogleich ab.


    "Du brauchst dich nicht zu entschuldigen. Dein Sohn führt Befehle aus und tut seine Pflicht. Er ist jedoch immer freundlich und zuvorkommend, wenn er hier ist. Zu entschuldigen brauchst du dich wirklich nicht.
    Es sind Gerüchte, nicht mehr. Vielleicht aus Neid, ich weiß es nicht."


    Neid war zwar noch immer die größte Anerkennung, doch zu viel vertrug man auch nicht.

    "Meinen Vater sehe ich auch zu selten."


    Lachte auch er und konnte gut nachvollziehen, warum Balbus so beschäftigt war. Als Princeps hatte man die Castra zu leiten und das in einer Vorbildfunktion.


    "Ja, wir kennen uns. Die Prätorianer sind hier nämlich schon beinahe regelmäßige Gäste, da man den Flaviern immer wieder etwas vorwerfen muss. Aber du kennst ja die Gerüchteküche Roms."


    Er lachte, auch wenn diese Tatsache der Familie nicht gerade zu einem höheren Ansehen oder Ehre gereichte und er sich maßlos ärgern müsste.

    "Ich glaube, Senator."


    Erwiderte Furianus ein wenig ruhiger.


    "Ich glaube an Rom und dass es nicht verstummt. Falls es dennoch so ist, so bin ich alleine, werde jedoch nicht minder laut und deutlich meine Meinung von mir geben, als stünden mir alle Römer zur Seite."

    Diese ominösen Worte aus des Praefectus Mund waren ihm nicht geheuer. Misstrauen schlich sich ein und er verharrte eine Zeit lang nachdenklich und in die Leere blickend. Waren seine Worte derlei anmaßend? Er war sich dessen wohl nicht bewusst gewesen, revidieren würde er sie jedoch auch nicht wollen. So lächelte er munter weiter.


    "Noch etwas sollte Erwähnung finden. Ich habe endlich wieder neue Getreidemarken prägen können und wir können schon fast von einem erfreulichen Ansturm von Bittstellern sprechen. Es waren nämlich einige Lücken offen, die durch den Tod einiger älterer Spendenbezieher verursacht worden waren nun doch schon bald gefüllt sein können."

    "Schade, dass seine Amtszeit bald vorüber ist, er hätte dir sicherlich viel mehr mitteilen können."


    War nicht Aelius Callidus ebenfalls dort am Kaiserhof? Er konnte sich vage daran erinnern mal mit jenem darüber gesprochen zu haben. Er musste Callidus irgendwann mal aufsuchen. :)


    "Deine Worte in der Götter Ohren. Ich hoffe, dass es keine Überraschung geben wird, denn das wäre fatal."


    Das Thema war, wie die Person, nicht sehr erheiternd und so beschloss Furianus umzuschwenken, da auch schon Speis und Trank serviert wurden.


    "Wie geht es deinem Sohn Balbus? Ich habe ihn schon lange nicht mehr gesehen."

    "Erfahren werden wir es wohl nie. Außer...hast du Klienten am Kaiserhof?"


    Klienten hatte er dort noch keine, auch wenn dies sehr nützlich für ihn sein würde. Er musste sich dem dringend annehmen.


    "Das könnte ein guter Grund für diese schreckliche Erlaubnis sein, denn der Kaiser hat ja keinen Einblick in die Kandidatenliste des Konsuls. Es gibt viele potenzielle Consuln, da wäre es wirklich naheligend."

    Nun kam der Senator sogleich auf das zu sprechen, weswegen Furianus wirklich hier persönlich erschienen war.


    "Mein Vater hat mich beim Kaiser für das Amt des Praetors vorgeschlagen und ich schätze mich glücklich, dass der Kaiser mir die Kandidatur gestattet.
    Was ich dir jedoch sagen kann ist, dass ich dies Amt bekleiden würde, wenn Rom und du mich brauchen, ansonsten lasse ich gerne einem Ritter den Vortritt. Nicht, weil mir die Arbeit als zu schwer erschien oder ich mich dem nicht gewachsen sehen, sondern, weil ich mir bewiesen habe, dass ich als Patrizier ein Amt, welches das Vertrauen des Kaisers und große Kompetenz voraussetzt, nicht schlechter und sogar besser als ein Ritter bekleiden kann. Ich habe Rom gedient und mein Bestes gegeben. Falls es mich braucht, so werde ich da sein, falls es auf mich verzichten kann, so wird es an guten Nachfolgern nicht mangeln.
    Die Cura Annona ist, bis auf die eine Lieferung abgesehen, stabil. Meine Rechnungen werden für potenzielle Nachfolger ersichtlich sein, ich habe sie so gut ich konnte verallgemeinert und veranschaulicht. Es dürfte keine Probleme geben."

    "Du glaubst er hat andere Sorgen? Das würde dann ja heißen, dass es ihm egal wäre, wer der nächste Konsul wird, hauptsache es gibt einen."


    Das war auch nicht verwunderlich, war der Konsul doch im Laufe des Prinzipats zu einer reinen Galionsfigur geworden und hatte nicht die Macht, die er in der Republik genoss. Da wäre ein Avarus wohl mit Steinen aus dem Senat gejagt worden, wenn so etwas publik geworden wäre.


    "Ich danke dir, Senator."


    Erwiderte Furianus lächelnd.


    "Leider nicht, wäre auch verwunderlich. Die Classis muss die Expedition noch vorbereiten, aber es wird wohl auch nicht mehr lange dauern, kamen die letzten Lieferungen doch, während ich in Misenum war, unbeschadet hier an.
    Was mich hierher führt hast du richtig erkannt, es ist die Arbeit.
    Ich habe dir einen ausführlichen Bericht mitgebracht, den mein Scriba deinen Angestellten wohl just übergibt.
    Ich habe meine Berechnungen nun vollendet und alle notwendigen Größen für dieses Jahr bestimmt, mit dem eingerechneten Verlust versteht sich. Die Werte wurden uach schon in Auftrag gegeben und meine Untergebenen haben noch keine Probleme gemeldet, denn auch die navicularii scheinen mit den neuen Verträgen einverstanden zu sein."


    Dass Furianus, er hoffte man entdeckte ihn nicht aufgrund der vielen und komplexen Formeln, zu den Pythagoreern gehörte, erwähnte er nicht. Schließlich sollten es nicht alle wissen.

    Gleich zwei Bewerber im Officium zu haben war schon merkwürdig. So betrachtete er die beiden Männer eingehend und nickte.


    "Falls ihr euch um die Getreidespenden bewerben wollt, so seid ihr hier richtig. Gehört ihr irgendwie zusammen, dass ihr sogleich als Doppelpack hierher kommt?"


    Irgendwo hatte er diese Männer schonmal gesehen, doch sein Gedächtnis schien mal wieder eine Informationen gefiltert und verworfen zu haben.


    Sim-Off:

    Ihr habt doch nicht eure fasces dabei? ;)

    "Und so ist es an uns, Callidus, diese Verantwortung zu tragen."


    Fügte Furianus an und fuhr sogleich fort.


    "Natürlich ist es nicht gerade motivierend mit so vielen Mitgliedern zu rechnen und dann doch einen Bruchteil dieser hier zu sehen.
    Dennoch, Sodales, sind wir der Factio verpflichtete und sollten uns nicht von den Punkten unserer Zusammenkunft ablenken lassen.


    Wie Callidus schon eben anmerkte, müssen wir präsenter sein, wir müssen mehr Siege einfahren. Zugleich müssen wir auch die jüngeren Fahrer fördern, damit diese die bestmögliche Ausbildung genießen können und kein großer Schaden entsteht, falls einer der Spitzenfahrer sich verletzt.


    Eine Leistungssteigerung durch Verbesserungen an den Wagen sollte ebenfalls behilflich sein. Sind euch neue Techniken bekannt, die diese Leistungssteigerung bewirken können?"

    Zitat

    Original von Manius Tiberius Durus
    "Ich werde dabei sein. Jeder aufrechte Römer wird dich unterstützen!"


    antwortete Durus und lehnte sich zurück.


    "Und ich hoffe, dass nicht alle aufrechten Römer schon auf dem Felde ihr Leben für unser Reich gaben. Ohne sie ist Rom verloren."


    Eine Zeit lang herrschte Stille, bis sich Furianus wieder zu Wort meldete.


    "Ich ringe derzeit mit mir, Durus. Denn falls dieser infame Fall eintreffen sollte, ein Consulat des Avarus, bin ich mir nicht sicher dem römischen Volk dienen zu können, falls es mich wählt.
    Eine Praetur unter einem Jahr, welches den Namen dieses Mannes trägt, scheint mir ehrloser, als alles andere. Ich weiß nicht, ob ich mein Amt antrete, doch zugleich fühle ich mich dem Volke gegenüber verpflichtet.
    Was denkst du, Durus?"