Beiträge von Lucius Flavius Furianus


    Dass der Mann nicht anklopfte, sondern sogleich nach dem Vorlassen hinein getreten war, hätte Furianus zu einer dies missbilligenden Aktion aufrufen sollen, doch derer war er müde.


    "Salve, Annaeus Galba."


    Dann wandte er sich von dem Mann ab und bedeutete seinem Scriba ihm ein Papyrus zu holen. Dieses vor sich liegend und die Tinte sorgfältig überprüfend, wandte er sich wieder an den Annaeus.


    "Ja, viele würden sich gerne eintragen lassen, doch ich bin es, der dies vornimmt. Wie du weisst wird nur eine gewisse Anzahl von Bürgern aufgenommen. Nun denn, schauen wir mal, ob du ein geeigneter Candidatus bist. Bist du ein frei geborener Mann?"

    Der Naturgabe konnte Furianus noch folgen, verstrickte sich jedoch nach der Andeutung mit dem Verein in Fragen. Bevor er jedoch hierauf eingehen konnte und den Mann so lange durchlöchern, bis ihm alles erklärt worden war, verabschiedete sich dieser auch schon.


    "Ja, vale Pompeius."


    Dies war immer so gewesen. Wenn sie etwas haben wollten, so mühten sie sich, die Zeit war irrelevant. Hatten sie es dann, mussten sie alle eillig weg und der Mann, dem noch zuvor die uneingeschränkte Aufmerksamkeit galt, der war nun keines Blickes mehr würdig. Man zog stets den Nutzen aus ihm und das behagte Furianus nicht. Langsam müsste er ein wenig offensiver werden.

    Das Lächeln steckte Furianus auch an.


    "Ich gratuliere dir, Pompeius. Bist du dem Schauspiel sehr zugeneigt? Man merkt dir eine gewisse Professionalität an".


    Vielleicht war dies in der heutigen Politik nötig? Furianus hoffte es nicht, denn er konnte sich nicht gut in einen anderen hineinversetzen, besonders nicht, wenn ihm das Thema am Herzen lag.

    "Ich verstehe."


    Dann schrieb er auch dies auf sein Papyrus und legte es danach beiseite.


    "Sobald du Senator oder Eques wirst, musst du die Annona Urbis davon sofort in Kenntnis setzen."


    Laut dem Gesetz konnten zwar Ritter und Senatoren Spenden entgegen nehmen, doch das war Furianus seit seinem ersten Arbeitstag ein Dorn im Auge, versuchte doch Kaiser Augustus durch den Verbot dieser Gruppen die Zahl der Empfangsberechtigten zu senken. Aber nein, man musste alles ändern - häufig zum Schlechten hin. Furianus Stimmung senkte sich nicht erheblich, konnte er dem Pompejus die Schuld an der Misäre nicht geben und konnte das auch nicht auf ihm entladen.
    So lächelte er freundlich.


    "Deine getreidemarke, tessera frumentaria, wirst du bald von mir erhalten. Ich werde sie dir in dein Domus bringen lassen. Ab dem Erhalt der Marke bist auch du für die Beziehung der an der Porticus Minucia angebotenen Brote zugelassen. 10 Stück pro Woche."

    Furianus begrüßte ihn noch recht freundlich, als er dann jedoch dies Theaterstück aufführte, ward es um die Freundlichkeit geschehen. Vage konnte er sich noch an einen Pompeius Trimalchio im Cursus Honorum erinnern und lächelte sogleich.


    "Ein recht eigenartiger Humor, Pompeius. Aber ein wahrlich gutes Schauspiel."


    Dann nahm er schonmal vorsorglich ein Papyrus heraus. Schließlich war es nicht von der Hand zu weisen, dass der Pompeius sich die öffentliche zur Schau Stellung seines Bürgerrechts wünschte. Vermutlich war dies ein Politikum und er würde für das Amt des Tribunus Plebis kandidieren wollen und so dem Volke nahe sein, einer von ihnen, damit man ihn wählt.


    "Nun denn. Ich nehme an, dass du frei geboren bist?"

    Der junge Mann schien engagiert und der Factio treu zu sein. Seine Anteilnahme bewies es auf jeden Fall.
    Bei seiner Bemerkung die Anzahl der Anwesenden betreffend, regte sich doch ein wenig Furcht in Furianus. Schließlich wollte er nicht der Kapitän eines untergehenden Schiffes sein, auch wenn sein nächster Gedankengang diese Vorstellung ad absurdum führte.
    Mit einer wegwischenden Handbewegung und einem Lächeln antwortete er.


    "Viele Mitglieder sind berfulich verhindert, Senator Matinius zum Beispiel, er wird wohl kaum aufgrund seines Amtes als Proconsul Hispanias eintreffen. Dass Prioritäten im Berufsleben gesetzt werden kann ich verstehen.
    Außerdem können wir ja noch ein wenig warten."

    Das hat gar nichts damit zu tun, es geht um das römische Bürgerrecht und mit den Privilegien. Wenn wir das einschränken, so dürften nur in Rom frei geborene, untadelige, Römer empfangsberechtigt sein. Aber wir spielen hier das Kaiserreich, nicht die Republik.


    Dass er einer Einheit angehört, ist kein Grund ihn gleich auszuschließen. Es geht um den Prestigegewinn, nicht nur um das Brot und das Bedürfnis danach.
    Es ist kein sozialer Abstieg, denn kaum jemand dürfte wissen, dass Sedulus als Germanicus eng mit dir verwandt ist und kaum jemand würde schlussfolgern, dass du ihn nicht ernähren kannst. Außer mir natürlich und wir betreiben ja keine persönliche Hetz-Politik im IR, was durchaus dem alten Rom entsprechen würde. Aber das ist eine andere Sache.

    Nach der Lex Matinia Frumentaria dürfen bei uns Ritter und Senatoren die Getreidespenden entgegen nehmen. ;)


    Irgendwie scheinst du es nicht verstanden zu haben. Man kriecht dort nicht hin, man geht auch trotz gut gefüllter Familienkasse dorthin, um einer der Priviligierten Empfangsberechtigten zu werden. Später, das muss erwähnt werden, fing man auch an die Getreiderechte zu verkaufen. Da kann dann Sedulus anfang des 3. Jhr. seine Getreidemarke verkaufen, wenn er will, der Staat schritt da nicht ein. ;)

    Historisch hatten sich diepraefecti frumenti dandi in Rom darum zu kümmern die Listen mit den Empfangsberechtigten zu führen. Einmal im Monat erhielt man dann an der Porticus Minucia (Eine Säulenhalle) die Rationen.


    Bei uns gehst du einfach in das Officium des Praefectus Annonae und ich stelle dir die Empfangsberechtigung aus. Dann bekommst du von mir das Brot. Alles kein Problem.

    Ich möchte die Brotverteilung in Rom hier ansprechen, da die Liste der Empfangsberechtigten leer ist. Außerdem will ich so die Bedeutung der Getreidespenden korriegieren und auch mal einige dazu animieren sich eintragen zu lassen. ;)


    Wie ich von vielen Spielern erfahren habe, so gilt ein Eintrag in die Frumentationsliste der Annona Urbis (Getreideversorgung Roms) als ein Armutszeugnis. Das bedeutet für viele einen Prestigeverlust, was auch bei dieser Interpretation auch eine logische Schlussfolgerung ist, jedoch ist diese Vorstellung falsch.


    Die Brotverteilung diente nicht nur dazu den Armen zu helfen, sondern die Bürger Roms zu unterstützen, ihre besondere Stellung in dem Reich zu verdeutlichen. Empfangsberechtigte waren also nicht arme Leute, sondern frei geborene Männer mit römischem Bürgerrecht. Diese gingen ihren Berufen nach, hatten genug Geld, um sich ihr eigenes Brot zu kaufen, waren also auf keinen Fall die ärmsten und bedürftigsten. Da es logischerweise mehr Empfangsberechtigte (also etwa 640.000 freie geborene Männer mit römischen Bürgerrecht) gab, als der Kaiser (ihm oblag die Verantwortung zur Versorgung, denn es war eine kaiserliche Einrichtung, nicht die des Staates) versorgen konnte, wurden priviligierte Schichten wie Ritter und Senatoren ausgeschlossen. Daher betrug die Zahl 320.000, die dann wiederum auf etwa 200.000 wirkliche Empfänger beschränkt wurde, denn es war auch für die Kaiser eine kostspielige Angelegnheit.


    Einer dieser 200.000 "Auserwählten" zu sein war also eine Ehre, eine Auszeichnung und wurde sogar auf Grabsteinen dieser Empfänger stolz angemerkt. Denn wie schon erwähnt, waren nicht alle Bewohner Roms ermächtigt sich einschreiben zu lassen, diese Auszeichnung zu erhalten. In diese Liste konnte nur jemand aufgenommen werden, wenn ein anderer ausschied. Die Empfangsberechtigten durften auch nicht durch kriminelle Aktivitäten auffallen und eine Verurteilung vor Gericht bedeutete ebenfalls eine Streichung aus der Liste.


    Entfernt euch also von dem Irrglauben, man müsse nur arm und bedürftig sein, um sich dort eintragen zu können, denn es war eine Ehre die Spenden des Kaisers empfangen zu dürfen, auf keinen Fall eine Schande, für die man belächelt wurde oder einen gesellschaftlichen Abstieg hinnahm.


    Also wer frei geborener Plebejer und zudem kein Ritter oder Senator ist, dürfte sich diese Auszeichnung nicht entgehen lassen. ;)

    Dass der Duumvir nur die zwei Kastelle und nicht die Wasserleitungen in seiner Verteidigung erwähnte, bezeugte den Wahrheitsgehalt seiner Aussage ganz gut.
    Furianus, sichtlich verärgert, nikcte leicht.


    "Nun, wenn das so ist, dann erwarte ich von 6 Villen informiert zu werden, die sich mit dem Domus Aurea des Nero messen könnten. Ich bin schon gespannt, Duumvir."


    Natürlich war allen Beteiligten klar, dass die Vielen an diesen Luxus nicht reichen konnten, doch er musste kontern und den Duumvir etwas voran treiben.
    Diese schläfrigen Stadtverwaltungen wurden schon immer belächelt und auch er durfte dies Vorurteil mit seinen Erfahrungen bestätigen. Ob das an der Stadt lag, dass dies hier so ausgeprägt war? Vielleicht an der Gesellschaft dieser, dem ganzen Luxus? Leider konnte er dies nicht erfahren, blieb ihm doch solch eine Erfahrung in der Stadtverwaltung verwehrt und seine Freunde konnten davon auch nicht berichten. Wie einst Cicero, würde man als Angehöriger der Aristokratie nur spekulieren können.

    War Commodus schon so alt? Furianus wusste es, bei all den guten Kontakten und vielen Sklaven nicht - eine Schande. Er musste sich dahingehend informieren lassen, unbedingt.
    Stumm nickte er Mhorbaine zu.


    "Ich verstehe."


    Sagte er nun etwas zu nachdenklich, blickte jedoch wieder auf und fixierte den jungen Metellus.


    "Es freut mich außerordentlich zu sehen, dass du es doch einrichten konntest an dem Conventus nicht zu fehlen, Caecilius Metellus."


    Waren sie wirklich so wenige? Entweder war es neurdings Mode zu spät zu kommen oder Furianus hatte da etwas falsch gemacht. Wobei er bei genauerer Betrachtung gar nichts falsch machen konnte, gab er doch seinen Sklaven die Anweisung alle einzuladen und es wäre letztendlich ihre Schuld, ihre Strafe.
    Eigentlich war Unpünktlichkeit nur Patriziern vorbehalten, die Zeiten waren allzu schnell im Wandel...