Beiträge von Lucius Flavius Furianus

    Irgendwie schienen die Männer zu schlummern oder die Sitzungen waren immer von dem Chrakter des Müsigganges geprägt. Er hoffte es jedenfalls nicht und räusperte sich, so dass es einige hören konnten.


    Sim-Off:

    Ich weiß nicht, ob die Fratres Arvales von einigen hier nur als Pflicht angesehen werden, aber es scheint wirklich so. Es sollte doch irgendwie anregend sein ein Bestandteil der 12 angesehensten Patrizier Roms sein zu dürfen oder nicht?! -.^

    Noch eine Frage:
    Der senatorische Tribun, wird dieser das Amt für die drei Monate der CH-Periode inne haben oder entscheidet er nach Belieben, ob er nach diesen drei Monaten aussteigt oder weiterhin das Amt ausfüllt?


    Ein Statement zu dem Altern.
    Damals, es war vermutlich während meiner Quaestur, habe ich aufgrund der historischen Altersgrenze mein Alter hochsetzen wollen, wurde aber von einem Supermod darauf hingewiesen, dass wir das im IR nicht so eng sehen.
    Daher wäre ein Konsul, der jünger als 40 ist, möglich. Oder auch ein Senator mit 19.
    Wenn man hier jedoch schon gleich schreibt, dass Hungi und Lucianus älter als 40 sein müssen, dann sollten die Altersgrenzen auch in den Spielregeln stehen, da ihr das ja schon förmlich voraussetzt, dass eben jene Spieler automatisch altern.
    Es gibt ja vielleicht Spieler, die von den Altersgrenzen im CH noch gar nichts gehört haben und auch daher fröhlich und nichtsahnend einen Konsul mit 23 spielen. ;)
    Und wenn ich nun irgendwann mal Konsul werden sollte, mein Alter also auf über 40 angehoben wird, werde ich sicherlich von Felix erschlagen. ;)

    Furianus empfing den Comes und Factiogenossen freundlich und bot ihm sogleich einen Platz an. Sogleich eilten Sklaven in die Kücher und Keller, um Speis und Trank herbei zu schaffen.


    "Lang ist es her, Aelius, als wir uns gegenüberstanden."


    Sagte er lächelnd und nahm den Becher entgegen, der ihm mit verdünntem Wein gereicht wurde. Callidus erhielt ebenso einen.


    "Ja, die Factio..."


    Merkte er kurz an und ertappte sich dabei schon fast vergessen zu haben, dass er dieser als Princeps vorstand.


    "Natürlich, reden wir über die Factio."


    Gespannt wartete er auf das erste Gesprächsthema, da er selbst keinen günstigen Einstieg finden konnte, besonders nicht in dem Zusammenhang.

    Furianus nahm die Argumente des Vetters mit einem Nicken zur Kenntnis und erwiderte sogleich eine Hand auf der Wange ruhend.


    "Ich glaube nicht, dass einem Sklaven diese Macht viel nützt, wenn er zur gleichen Zeit damit rechnen kann ausgepeitscht oder durch die Laune des Herren all seiner Macht beraubt zu werden. Was für eine Macht ist das? Ein Vilicus, der aufgrund seines Talentes Sklaven zu führen und genügsam zu machen, eben in jene Position aufgestiegen ist, ist klug genug zu bemerken, dass diese Macht wertloser nicht sein kann. Durch einen einzigen Fehler kann ihm diese Macht genommen werden und er weiß, dass er stets der Hand des Herrn ausgesetzt ist, solange er zu dessen Besitz zählt. Würde ein Sklave wahrlich nach der Gunst des Herren lechzen, denn nach der Freiheit?
    Betrachte ein Tier in Gefangenschaft. Erfreut es seinen Herren, um in dessen Gunst zu stehen oder versucht es mit aller Gewalt Freiheit zu erlangen, die fütternde Hand beisst, die das Tier gut nähern könnte, wenn dieses sich nur ein wenig zuvorkommend zeigt?
    Das höchste Bestrebnis eines Sklaven wird die Freiheit sein, nicht die wertlose Macht unter der Laune eines Herrschers. Wenn er die Freiheit erstmal erlangt hat, wird dieser sich wahre Macht zu eigen machen können, nicht die Scheinvorstellung.
    Vorausgesetzt natürlich, dass so ein Sklave auch wahrlich die Gabe besitzt so zu denken - Dummer gibt es an der Zahl sehr viele, wie man an unseren Haushalten sehen kann."


    Dann gab er sich selber ein wenig Bedenkzeit und genoss eine kleine Olive, bevor er weitersprach.


    "Dass du von Erpressung solcher Sklaven sprichst ist nicht zu verleugnen, doch das auch nur, wenn der Herr dies zulässt. Es gibt schlechte Herren, die sich nachsagen lassen jeden Sklaven, der untauglich für jedwede Arbeit oder von großem Nutzen ist, früher oder später freizulassen. In solch einer Situation wird ein Sklave von solchem Schlag schon wissen, dass er sich untauglich anstellen muss, denn dies ist leicher als von großem Nutzen zu sein und garantiert logischerweise die schnellere Freilassung aufgrund der Kosten für des Sklaven Unterhalt. Ein Herr, von dem solch Gerüchte nicht kursieren, wird niemals hintergangen oder erpresst, weiß der Sklave ja nicht was ihm bei Untauglichkeit widerfährt - ob er bei den Tieren im Circus endet oder doch die Freiheit erlangt. Solch ein Herr kann sich der Wahrheit seines Sklaven versichert wissen.


    Aber davon abgesehen, was ich zum Ausdruck bringen wollte sind nicht die Talente, um die der Sklave weiß und jene durch Willkür verschweigt, es sind die, die erst gefördert werden müssen. Talente, die besondere Erfahrung oder einfach nur das Schicksal erfordern, um sich bermerkbar zu machen - Talente, derer sich der Sklave selbst nicht bewusst ist. Soll ich sie verkommen lassen, indem ich ihn den Löwen zum Frass vorwerfe?
    Welch eine Verschwendung!
    Die Freiheit, das höchste zu erstrebende Gut eines Sklaven, wird diesen beflügeln, wie es bei uns die Liebe zum Vaterland ist. Wir besitzen sie schon, wir streben nach anderen Dingen - der Sklave strebt nach uns. Frei will er sein, vermögend und selbst Besitzer von Sklaven. Darf man das Schicksal im Keime ersticken, nur weil man davon überzeugt ist er wird die Freiheit nicht zu schätzen wissen und kümmerlich verenden?
    Soll er doch verenden, wenn er der Freiheit nicht würdig ist. Ich schmücke mich nicht mit Sklaven solcher Natur.
    Er soll mein Klient sein, wenn er sich ihr als würdig erweist und mir keine Schande bereitet. Tut er es doch, so erlaube ich es mir ihm jede Unterstützung zu entsagen und aus meiner Klientel auszuschließen. Wir haben beileibe nicht das Klientel, wie es unsere Ahnen hatten, wir haben mehr Freiheiten für unsere Launen und Entscheidungen.
    Mit Vorsicht ausgedrückt, ist es schon in einem gewissen Grad mit der Sklaverei zu vergleichen - es ist Mode."


    Furianus musste unweigerlich lächeln.


    "Sklaverei ist in Mode - o tempores."

    Furianus hörte sich Gracchus´Argumente an und stellte fest, dass er dem Vetter ein gewaltiges Stück an Weitsicht fehlte. Mit einem Nicken kommentierte er den letzten Satz des Verwandten und nahm einen Schluck, nach jenem er nun erwiderte.


    "Ich stimme dir bis zu dem Punkt vor der Vermachung an den Aedil völlig zu, Vetter. Doch ich blicke ein wenig weiter.
    Was ist, wenn dieser Sklave andere Talente hat, die ich nur durch Zufall entdecken könnte oder wahrscheinlich gar nicht. Damit meine ich Talente, die ein Sklave niemals benötigen würde.
    Nehmen wir nunmal an, dass ein Sklave, der für mich keinerlei Nutzen hat, sich mit dem Handel versteht. Würde er sein Talent unter mir offenbaren? Nein. Dieses Talent nützt der Freiheit, nicht der Sklaverei.
    Durch meine Güte als Herr schenke ich einem Menschen das Leben und bewahre ihn vor dem Tod."


    Furianus wollte nicht sagen, dass er in jenem Moment einem Gott gleichen würde, der einem Wesen das Leben schenkt, so, wie es den Römern geschenkt wird.


    "Bedenke, dass Güte und Barmherzigkeit die Tugenden der Könige sind, Schrecken und Tod verbreitet das Tier."


    Eine kurze Pause musste er einlegen, denn scheinbar war sein Becher leer, als er zu einem weiteren Schluck ansetzen wollte. Doch dies ließ er sich nicht anmerken und tat als würde er trinken. Danach richtete er wieder das Wort an Gracchus.


    "Und nun zurück zu unserem Sklaven. Dieser, mit dem Talent des Handelns ausgestattet, macht sein Glück und wird ein zweiter Narcissus, welcher ,nebenbei gesagt, der reichste Mann unserer Geschichte war und ebenfalls ein Freigelassener. Nun ist dieser Mann, reich wie er ist, dein Klient und verdankt dir sein Leben, verdankt dir alles.
    Und nun wähle, Vetter, wärst du der König mit einem treuen Klienten beschenkt oder das Tier dieses Glückes beraubt?"


    Sein Rhetoriklehrer hatte damals viel Zeit damit verbracht ihm solch einen Abschluss beizubringen. Und Furianus hätte ihn nun gerne anstatt des Vetters vor sich gehabt, der alte Pallokos wäre hin und weg.

    Furianus, der von dem kleinen Mann am anderen Ende der Klinengruppe abgelenkt wurde, drehte sich kurz zu ihm und lächelte.


    "Erklimme deine Stufen nicht zu hastig, kleiner Mann."


    Der kleine Cousin hatte große Ziele. Es war irgendwie herzerwärmend, diese unschuldigen Träume, auch wenn sie wahrscheinlich zerstört werden würden, daher beließ er es bei dieser einen Bemerkung. Furianus war es egal welcher Flavier was wollte, es zählte nur Macht. Und diese würde er niemals in die Hände dieses kleinen Jungen legen können, solange seine Söhne nicht da waren, wo sie sein sollten.

    Furianus konnte ein Lächeln nicht unterdrücken. Seinen Vetter so aus der Fassung zu erleben war ein zu seltenes Schauspiel. Und auch wenn er die letzten Worte als Beleidigung auffassen konnte, wandte er sich freundlich an den Verwandten.


    "Und wenn die Kosten den Nutzen in den Schatten stellen? Wäre es da nicht vernünftig einige Sklaven aus den Diensten zu entlassen?"


    Auch wenn Strabo kein Freigelassener war, so war das Gesprächsthema durchaus interessant.

    Nun hatte Furianus einige Tage nachgedacht und war zum Entschluss gekommen, das noch etwas in seinen Berechnungen fehlte.
    Einige Formeln musste er sowieso noch mal präzisieren und allgemein ersichtlich gestalten, denn einige waren noch sehr verwoben.
    Doch ein anderes Problem beschäftigte ihn noch sehr, die Losgröße.
    Die optimale Bestellmenge konnte nun ermittelt werden, doch wie oft man bestellen musste, das war unklar. Natürlich könnte man ein einziges Mal im Jahr bestellen, da wären die Lieferkosten wohl niedriger und Rabatte könnten veranschlagt werden. Doch aufgrund des zu großen Aufwandes und des nicht in solchem Maße vorrätigen Getreides war diese Möglichkeit utopisch. Wenn man zu viele Male bestellen würde, so hätte dies Auswirkungen auch die Frachtkosten, die zu hoch wären, sowie auch der Stückpreis ansteigen müsste. Rabatte könnte man da sowieso nicht veranschlagen.
    Also musste man die optimale Losgröße ermitteln und Furianus durchdachte sich dies und schrieb es auf.


    Beschaffungs- und Lagerbereich
    Horrea/Lager
    Höchstbestand: XXX
    Mindestbestand (eiserner Bestand): XXX
    Meldebestand*: XXX
    durchschnittlicher Lagerbestand*²: XXX


    Formeln:
    * (Lieferzeit X Tagesverbrauch) + eiserner Bestand = Meldebestand
    *² (Jahresanfangsbestand + Jahresendbestand) : 2 = durchschnittl. Lagerbestand


    Beschaffung
    optimale Bestellmenge: XXX


    Formeln:
    Lagerkosten + Bestellkosten = Gesamtkosten (die Variante mit den niedrigsten Gesamtkosten ist die optimale Bestellmenge)


    oder


    Wurzel aus [(2 x Bestellfixe Kosten x Jahresbedarf) : (Einstandspreis x Lagerkostensatz in Prozent)]


    Losgröße
    optimale Losgröße = XXX


    Formeln:
    Rüstkosten + Lagerkosten auflagenproportional = Gesamtkosten (die Variante mit den niedrigsten Gesamtkosten ist die optimale Losgröße)


    oder


    Wurzel aus [(2 x Jahresbedarf x Rüstkosten) : (Lagerzinssatz in Prozent x Herstellkosten)]



    An einem anderen Tag musste er die Formeln noch verfeinern.

    Auf Durus´Frage wollte er nur ungern antworten, doch er musste.


    "Ja, ich kenne ihn und es ist mir bis heute ein Rätsel wie er so handeln konnte. Er erschien mir stets als aufgeweckter Mann, der seiner Familie Ehre bereiten wollte. Dass er so gegen den Kaiser handelt ist höchst erschreckend. Zwar kenne ich seine Beweggründe nicht, doch sie müssen gravierend sein - ich würde sie gerne in Erfahrung bringen."


    Furianus war nie wortkarg gewesen, doch in der Gesellschaft der Familie stellte sich bei ihm in gewisser Weise Angst ein, denn nach dem erheiternden Auftritt des Jungen mit dem Hund musste er feststellen, dass dieser nicht zum Haushalt gehörte, sondern der Sohn des Aristides war. Seinen Nomenclator brauchte eine in der Öffentlichkeit stehende Person immer, doch jenen auch in der Familie anwenden zu müssen war höchst eigenartig. Und eben dies wünschte er sich jetzt, denn der Abend würde, da war er sich doch recht sicher, noch mehr Familienmitglieder hervorbringen und ihn irgendwann in Verlegenheit stürzen.
    Als Leontia Milo erwähnte, durchfuhr ihn wiederum eine leichte Angst. Nicht, weil er den Bruder nicht kannte, sondern durch die Kälte, die nach seiner Aufforderung herrschte. Milos Vorwürfe waren verletzend doch die Distanz währte zu lange und Misstrauen schlich sich langsam ein. Wie er seinen Bruder begrüßen würde, das wusste er auch nicht. Wahrscheinlich würde er einen zornigen Blick aufsetzen müssen, um dem Bruder zu verdeutlichen, dass die Beleidigung tief saß. Die brüderliche Freundschaft erstickte schon nach einer Woche im Keim - kein gutes Zeichen.
    Auf die Frage Leontias nickte er lächelnd.


    "Durchaus, ich entdecke zur Zeit die Große Grüne, oder das Mare Nostrum, wie wir es nennen. Denn vor zwei Jahren wurde ich nach Hispania gesandt und kaufte mir sogleich ein Schiff. Seit der Reise bin ich sehr an der Schiffahrt interessiert, die Freiheit auf diese Weise zu spüren ist wundervoll."


    Aufmerksam, gar zu Neugierig, beobachtete er, wie sie das Geschenk hervorholte. Einen Augenblick wusste er nicht, was das für ein Gerät war, vermutete ein Schmuckstück, doch nach der Aufklärung wurde es ihm klar und er lächelte erfreut. Furianus besaß ein Schiff, steuerte es mal selbst für ein paar Minuten, doch von der Schiffahrt verstand er nicht vie - er war der Genießer, liebte das Schaukeln und überließ allles andere den Matrosen. Dennoch war er glücklich über das passend ausgesuchte Geschenk und nahm es strahlend an sich.


    "Welch Freude du mir machst, Leontia! Wunderbar, ich bin ganz sprachlos. Ich werde es stets bei meinen Reisen mit mir führen, es soll mir die Richtung weisen und mich wohl behütet wieder nach Rom führen. Ich danke dir."


    Die nächste Handlung war obligatorisch - nun war er an der Reihe. Doch was schenkte man einer Frau, die man zuvor noch niemals gesehen hatte? Doch die frage erübrigte sich, nachdem ihm wieder klar wurde, dass sich Frauen mit Schmuck am besten beschenken ließen. Und zwar jede Frau. Etwas anderes wäre auch höchst eigenartig gewesen.


    "Nun erlaube mir dir etwas zu schenken."


    Und er holte eine feine Perlenkette hervor.


    "Ich habe sie in Hispania erworben."


    Die Kette war nicht lang und konnte daher nur von Frauen getragen werden, die auch das Maß dafür hatten - korpulenten Frauen wäre sie sicherlich wie ein Strick vorgekommen. Die Perlen waren nicht allzu groß und differenzierten in ihrer Größe kein Stück. Zwischen ihnen waren kleine Goldkugeln, die mit rubinroten Steinen verziert waren, angebracht.

    Mit einem Lächeln auf dem Gesicht ließ er sich küssen und verabschiedete seine Verlobte. Die Zeit, die sie ihm liße, musste gut genutzt werden, so dass er sofort anordnete das Lamm auf das Deck zu schaffen.
    Dieses wurde schon an Land durch Beimischung von Farbmittel blau gefärbt, so dass es den Ansprüchen Neptuns genügen musste. Einen Priester brauchte man für gewöhnlich nicht, da er keine Wahl hatte, er musste in See stechen. Mercurius hatte ja sowieso bei einem Opfer für ihn nichts dagegen gehabt, nun musste Neptuns das Lamm nur nehmen.
    Als Eigentümer des Schiffes und leidenschaftlicher Kapitän musste Furianus den Part des Opferherren übernehmen. Dies Ritual sollte auch die leichtgläubigen Matrosen von einer glücklichen Überfahrt überzeugen, so dass er jeden antreten ließ.
    Mit dem Opfermesser in der Hand sprach er sogleich laut und feierlich.


    "Großer Neptun, Vater der Seefahrt, Herrscher über die Große Grüne, über das Mare Nostrum.
    Ich bitte dich um Gnade und Wohlwollen, Herrscher des Wassers. Geleite mein Schiff sicher bis nach Misenum, schütze es vor den schrecklichen Winden der See und kreuze nicht unseren Weg, erwähle einen anderen."


    Dass Neptun unter Schiffen vorbeischwomm und diese immer von den riesigen Wellen verschlungen wurden war allen Beteiligten bekannt. Wenn Neptuns den Weg kreuzte, so wurde der Himmel schwarz und das Wasser wuchs zu verschlingenden Bergen - kein Schiff konnte dem standhalten.
    So unterbrach Furianus und sprach noch im Flüsterton für sich, damit dies nicht die Matrosen zu hören bekamen.


    "Und ich bitte dich meine Verlobte nicht zu erwählen. Sie ist die Frau meiner Erben, sie soll bei mir leben. Das Meer ist ihr verhasst, großer Neptun, dein Reich würde ihr niemals gefallen. Erwähle eine andere, lass mir meine."


    Neptun war ein Gott und doch nur ein Mann. Frauen waren auf Schiffen daher nicht gerne gesehen, denn Neptun, wie jeder Mann, erwählte sich ab und zu neue Frauen, die er in sein Reich unter dem Meer nahm.
    Danach sprach er wieder laut und feierlich.


    "Um meine Bitte zu bekräftigen und dir Tribut dafür zu zahlen, großer Neptun, nimm dieses Lamm an dich. Es soll dich nähren, dir schmecken. Ich gebe, damit du gibst, Gott der Meere."


    Danach strich er dem Tier mit dem Messer leicht über den Rücken und versetzte dem Lamm danach den tödlichen Schnitt am Hals. Das Blut wurde sofort aufgefangen und die Innereien nach dem Ausbluten begutachtet. Da keine Anomalien festgestellt werden konnten, übergab man alles dem blauen Element. Auch wenn etwas festgestellt worden wäre, Furianus würde sowieso den Befehl zum Ablegen geben - die Zeit drängte auch ohne das Wohwollen der Götter.


    Danach ging er unter Deck, um sich die von Blut durchtränkte Tunika zu wechseln.

    "Natürlich, ich möchte nicht, dass du aus Zwang auf Deck stehst."


    Sie teilte seine Leidenschaft für das Weite und Unbekannte nicht und er hatte dies zu akzeptieren. So lächelte er leicht und blickte kurz in Richtung einer kleinen Treppe, die nach unten führte.


    "Unter Deck ist ein Zimmer für dich vorbereitet worden, ich hoffe es gefällt dir und bietet dir den nötigen Komfort für diese Reise."

    Fast hätte ihn etwas geritten Durus zu korrigieren und ihm zu sagen, dass es zwei Jahre waren, doch das würde nicht zu seinem Vorteil gereichen, schließlich konnte man ihm noch etwwas unterstellen. Skeptisch schüttelte er leicht den Kopf.


    "Ich weiß es nicht."


    Sagte er kurz und blickte dann in die Runde.


    "Ich habe nur kaisertreue Menschen getroffen. Die Provinz ist ruhig, friedlich, wie die Menschen dort. Es sind einfache Landbesitzer, Veteranen und die übliche Anzahl Peregrini - wie in den übrigen Provinzen, nichts besonderes.
    Ich habe sogar auf eigene Kosten eine Statue des Kaisers auf einer großen Straßenkreuzung errichten lassen, die Menschen waren höchst erfreut und auch die Honoratoren Hispanias begrüßten dies sehr.
    Es ist mir ein Rätsel, denn während meines Aufenthaltes konnte ich keinen Funken Unmut entdecken, keine kaiserfreindlichen Äußerungen oder eine ähnliche Einstellung. Sogar den Menschen hätte ich es niemals zugetraut, denn sie sind ruhig und besonnen - es sind keine Rebellen."

    Zitat

    Original von Flavia Leontia
    Wohlwollend nahm Leontia die, in ihren Augen, schüchterne Zurückhaltung des Sklaven zu Kenntnis, und dachte zugleich indigniert an ihre Salambo, die sich heute, auch für Saturnalien-Verhältnisse, ein bisschen zu viel herausgenommen hatte. Nur daß Sciurus nicht gleich auspackte, fand sie etwas schade. Dann trat Furianus heran und grüßte, sie wandte sich ihm sogleich zu, und der Sklave war vergessen.


    Ein höfliches Lächeln auf den Lippen hörte sie mit leicht geneigtem Kopf seine Vorstellung, sogleich wurde das Lächeln wärmer, und ihre nachtblauen Augen strahlten in ehrlicher Freude. „Bona Saturnalia! Es freut mich, daß wir uns auch einmal kennenlernen! Ich bin Flavia Leontia, die jüngste Tochter von Gnaeus Flavius Aetius. Erst vor kurzem traf ich aus Ravenna ein.“ Aber was Gracchus wohl mit „unbotmäßigen Ämtern“ gemeint hatte? Auf den ersten Blick jedenfalls war an Furianus nichts Unbotmäßiges zu entdecken, im Gegenteil.


    Ein kleines schalkhaftes Funkeln trat in ihre Augen, als sie weitersprach. „Ich bin also deine Tante. Nun ja, genaugenommen deine Tante zweiten Grades.“ Sie schmunzelte, da er sicherlich viel älter als sie war. Schon mit Milo hatte sie sich immer darüber amüsiert - vor dem Zerwürfnis. Unwillkürlich schweifte ihr Blick kurz zum Eingang, und erleichtert stellte sie fest, daß kein Milo in Sicht war, dafür aber ihre Cousine, der sie ein herzliches Lächeln zuwarf.


    Furianus nickte ruhig.


    "Bona Saturnalia, Flavia Leontia. Es freut mich, dass die Villa nicht nur uns Männer beherbergt, sondern auch weibliche Flavia. Besonders solch reizende und von Venus geküsste Frauen."


    Komplimente verschenkte Furianus gar zu selten, so dass er sich im gleichen Moment fragte ob es angebracht war. Doch es war es, sicherlich, denn Frauen liebten für gewöhnlich Komplimente - auch wenn die flavischen Frauen sie ständig hörten.


    "Doch ich denke nicht, dass ich dich Tante nennen sollte. Falls du es mir erlaubst, so werde ich dich einfach mit Leontia ansprechen."


    Ein leichtes Lächeln umspielte seine Züge, denn er wusste, dass sie es nicht begrüßen würde von ihm Tante genannt zu werden. Die verwandschaftlichen Beziehungen waren meist sowieso konfuser Natur und bei so großen Familien kam es häufig zu solch verwunderlichen Verwandschaftsgraden.
    Als das wilde Trio hereinstürmte konnte Furianus gerade noch dem Hund ausweichen und der Junge streifte ihn auch leicht. Entgegen seiner sonst so üblichen Reaktion lachte er herzhaft über diesen Anfang der Saturnalien. Sie würden wohl doch nicht der trockenen Natur der vorherigen Jahre folgen. Sogleich reichte er ihr seine mit der handfläche nach oben geöffnete Hand, um sie zu einem Platz zu geleiten.


    "Ich schlage vor, dass wir uns setzen. Denn wenn so etwas nochmal passiert, fürchte ich um deine Sicherheit."

    Diesen Verallgemeinerungen konnte er sich zwar nicht anschließen, doch dagegenhalten wollte er nicht allzu sehr. Schließlich würde man bald in See stechen und er wollte die Reise nicht mit einer heftigen Diskussion beginnen.


    "Dies mag schon sein, Liebste. Gedenkst du hier auf Deck zu bleiben oder werde ich dich hier oben die ganze Reise über nicht zu sehen bekommen?"


    Ein mildes Lächeln umspielte seine Mundwinkel.

    Vergnügt schaute er sie weiterhin an.


    "Das Meer ist sanft, die Strasse uneben - vorausgesetzt es gibt überhaupt eine."


    Erwiderte er, denn er wusste, dass sie beide auf ihrer Meinung beharren würden, so gut kannte er sie mittlerweile doch schon.


    "Dein Argument ist Rom und die allgemein bekannten Vorurteile. Die Meinung Roms wird von Männern gebildet, die ihre eigene vertreten. Ich stelle meine Meinung vor die Roms, denn wer anders, als ein Mann Roms, führt Rom zu Glanz und Ehre? Dieser Mann sollte nicht Rom folgen, denn Rom folgt immer - Rom ist das Volk und das Volk braucht einen starken Mann.
    Daher halte ich auch, entgegen den üblichen Vorstellungen und Sitten, an meiner Meinung fest und schätze die Seefahrt und das Meer.
    Doch wenn man recht darüber nachdenkt, so brachte uns dieses Vorurteil den Sieg über das stolze Karthago - welch folgenschwerer Fehler anzunehmen Römer seien unbeholfen auf dem Wasser."

    Furianus lächelte und stützte sich mit den Händen an der Reling während er in die Ferne sah.


    "Materielle Schätze vielleicht, doch es gibt weitaus wertvollere, die man nicht nach Rom bringen könnte."


    Dann wandte er sich wieder seiner Verlobten zu.


    "Aber ich sehe schon, dass du meine Begeisterung für diese schwimmenden Transportmittel nicht teilst, auch wenn ich es mir wünschen würde."


    Also musste er im Greisenalter alleine die Meere besegeln. Ein Tod auf dem Schiff war für ihn nicht minder tragischer, als einer im warmen Bette auf Misenum.