Beiträge von Lucius Flavius Furianus

    Furianus, der schon mit Gracchus´weiterem Weg im Cursus Honorum gerechnet hatte, blickte ein wenig erstaunt zu dem Vetter. Natürlich würde er sich weiterhin in der Politik betätigen, doch, dass er seine Pläne offen darlegen würde, das war nun nicht zu erwarten gewesen. Schließlich konnte sich Furianus sicher sein, dass der Rest der gens nicht viel davon wussten. Aber gut, er hörte es und nur das war wichtig - zumindest besser, als der Kurzentschluss, welchen der Vetter damals wählte ohne Furianus etwas mitzuteilen.


    Mit der Hand bediente er sich weiterhin und ließ es sich schmecken. Die Vorteile eines Zuhörers überwogen in jenem Moment, denn er konnte sich nun mehr den Speisen widmen, von denen kleine Portion zu sich genommen wurden.

    Diese schmerzende Kritik nahm er mit Fassung und nickte leicht.


    "Natürlich, Vater. Ein Zwist ist es nicht, eher eine...kleine Unstimmigkeit."


    versuchte er ihn zu beruhigen, obwohl er es besser wusste und sich noch an seine damalige Wut darüber erinnern konnte. Milo erging es nach der Zurechtweisung Furianus´wohl nicht anders. Und doch, Furianus würde darauf beharren nicht den ersten Schritt zu tun, denn er sah sich im Recht. In seinen Augen hatte sein eigener Bruder kein Vertrauen zu ihm und äußerte böse Unterstellungen. Aber Furianus war gar zu oft starrsinnig und steigerte sich in solche Dinge immer zu sehr rein.

    Furianus schien eine Weile zu überlegen, doch dann fing er an.


    "Es ist schon lange her. Ich hatte das Aedilat inne und du warst schon etwa ein paar Wochen auf dem Landgut in Sardinia.
    Milo arbeitete als Scriba meines damaligen Kollegen, Senator Purgitius Macer.
    Und im Zuge der aufgetragenen Aufgaben besuchte mich Milo, um nach den Erben der damaligen Betriebe der geachteten und verstorbenen Flavia Messalina zu fragen.
    Ich sagte, dass du dies seist, doch wahrscheinlich keinen der Betriebe annehmen würdest. Er wusste ja nicht um dein Verhältnis zu Flavia Messalina, wusste nicht, dass du es warst, der sie der Gens verwies und daher es nur eine Frage der Ehre wäre, wenn du diese Betriebe ablehnst. Außerdem wolltest du deine Ruhe auf Sardinia und ich selbst weiß, was für Anstrengungen und Kosten mit einem neuen Betrieb verbunden sind. Doch deswegen hast du dich in Sardinia niedergelassen, um dem zu entfliehen und ein wenig zu entspannen.
    Dies beachtend riet ich ihm dich deswegen nicht zu stören, die Gründe habe ich dir ja gerade aufgezählt. Die Entscheidung hätten wir treffen können, schließlich waren es zwei oder drei Betriebe, also nicht der Rede wert.
    Milo sah es anders und unterstellte mir eigene Pläne mit den neuen "Errungenschaften", die du womöglich durchkreuzen würdest. Obwohl ich solche Gedanken nie hegte, ich wollte keinen der Betriebe, Milo hätte sie gerne haben können.
    Natürlich war ich verärgert über solch Unterstellungen, schließlich kennt er mich nicht, kannte so vieles nicht - auch über dich."


    Er machte eine kleine Pause und blickte zu seinem Vater.


    "Ich bin nicht nachtragend und habe ihm dies schon verziehen. Doch seitdem haben wir keinerlei Kontakt und ich wollte dich fragen, ob er etwas dir gegenüber geäußert hat?
    Meine Ehre verbietet mir den ersten Schritt, denn ich war es, dem er solch grässlichen Gedanken unterstellte, ich bin der Leidtragende. Darum kann ich es nicht, auch wenn ich es wollte. Es liegt mir viel an ihm, schließlich ist er mein Bruder."


    Doch Furianus konnte nicht über seinen Schatten treten und den ersten Schritt machen. Was würde da Milo denken müssen? Nein, Furianus wollte keine Schwäche zeigen, denn als Beleidigter wurde man um Verzeihung gebeten, nicht andersrum.

    "Als Römer schätze ich deine Worte, Liebste, als Verlobter nicht."


    Sagte er lächelnd, denn er musste sich selbst gestehen ein wenig Neid gegenüber Rom zu verspüren, falls sich seine Verlobte zu bereitwillig zurückstellte, zu oft.


    "Schließlich tragen wir Roms Ideale und, was wohl entscheidender ist, Roms Zukunft in uns."


    Diese leichte Andeutung an den Nachwuchs entlockte ihm ein Grinsen, während er sich eine der Rollen nahm und das Siegel aufbrach, um darin zu lesen.
    So fuhren sie weiter gen Ostia.

    "Vermutlich hast du, wie so oft, Recht."


    Sagte er seufzend und lächelte ihr wieder unbeschwert entgegen. Ein Seitenblick zu den Schriftrollen, die neben ihm lagen, und er wandte sich wieder an sie.


    "Doch ich schaffe es wohl nicht sie ganz zu verbannen. Selbst in dieser Zweisamkeit bewacht mich die Arbeit streng."

    Furianus war wohl ein wenig zu streng, nachdem er in dieses unschuldig lächelnde Gesicht blickte und sich dann entschuldigend an sie wandte.


    "Entschuldige, ich hätte meine Worte mit mehr Bedacht wählen sollen."


    Auch er zwang sich ein kleines Lächeln ab.


    "Dein fehlendes Hinterfragen war auch nicht die Intention für meinen ... Ausbruch. Die Arbeit nagt an mir, man merkt es wohl schon. Vielleicht auch das Alter, wer weiß"


    Und wieder dieser Blick der Flucht durch das Fenster.

    Nun richtete er vollends seinen Blick auf sie.


    "Bald wirst du meine Frau sein, ein Teil von mir. Die Vorstellung eines Lebens voller Gleichgültigkeit und Desinteresse für die Schritte und Gedanken des Ehepartners empfinde ich als grässlich an. Als ein Teil von mir sollst du das Recht haben alles zu hinterfragen, so wie auch ich mir das Recht nehme selbiges bei dir zu tun.
    Auch wenn du nicht meiner Patria Potestas unterstehen wirst, sui iuris bleibst, wirst du dennoch ein Teil von mir sein, so wie ich ein Teil von dir. Eigenständige Personen werden wir zwar immer noch sein, doch als eine Einheit, eine Familia. Ich werde Verantwortung für dich tragen, meine Handlungen werden auch dich stets betreffen, mit dir in Verbindung gebracht. Selbiges gilt auch für dich und deine Taten.
    Deshalb sehe ich es als notwendig an, dass wir als Einheit leben und über alles informiert sind, auch über etwaige Gründe für solch gewichtige Schritte."


    Er bemühte sich das Wort " Ich" nicht allzu sehr hervortreten zu lassen, denn seine Worte waren durchaus fordernt gesprochen und er ergriff zum ersten Mal - ohne beschönigende Worte - sein Recht als Ehemann etwas eindringlicher zu mahnen.

    "Das freut mich, Vater."


    Gab er lächelnd zurück und wurde wieder schlagartig ernst.


    "Du weißt sicherlich um Milo Bescheid. Er ist hier in Rom und ich empfing ihn herzlich, breitete meine Arme aus. Doch irgendwie, so scheint es mir, hat er kein Vertrauen - es grenzt sogar schon an Beschuldigungen gegenüber meinem Handeln. Hast du mit ihm darüber gesprochen oder weißt du von nichts, Vater?"


    Sim-Off:

    Ja, stimmt, das muss ... verschoben werden. :D"

    Ihr Verständnis überraschte ihn, die Abneigung dem Meer gegenüber überraschte ebenfalls, doch nicht im positiven Sinne. Er mochte das Meer, es war so weit und klar, so mächtig und doch sanft.


    "Und wenn ich es möchte? Wenn ich dich darum bitten würde meine Schritte stets zu hinterfragen, würdest du es tun?"

    "Das Meer fasziniert mich."


    Erwiderte er und hätte sich am liebsten geschollten, denn er liebäugelte mit einer Privatyacht, was er jedoch verschwieg.


    "Wusstest du, dass zu den Zeiten des Achilles und des großen Troja das Mare Nostrum schlicht die "Große Grüne" hieß? Es ist faszinierend und mir stellte sich beim ersten Lesen auch die Frage warum man das Meer so nannte, ist es doch eher bläulich, als grün.
    Da gibt es verschiedene Theorien, wie die, dass das Mare Nostrum an einigen Stellen so tief ist, dass es anstatt blau grün schimmert. Eine andere Theorie ist, dass das Volk am Nil, die Ägypter, ihren lebensspendenden Fluss den Großen Grünen nannten. Und da der Nil einem Meer ähnelt und dann auch noch in das Mare Nostrum mündet, gab man dem ganzen Meer jenen Namen, den der Fluss stets trug."


    Erklärte er ihr, um so das Gespräch ein wenig aufrecht zu erhalten. In der Hoffnung sie nicht ermüdet zu haben, lächelte er kurz und schaute, nachdem der Vorhang leicht weggeschoben wurde, nach draußen.


    "Wir wissen so vieles nicht voneinander, doch es freut mich, dass diese Lücken sich langsam schließen. Zwar glaube ich daran, dass ich dich noch ein ganzes Menschenleben kennenlernen werde, doch ich bin dazu bereit und sehe dem lächelnd entgegen, freue mich darauf.
    Doch ich wundere mich, dass du mich nicht fragst warum ich nach dem Amt des Architectus Proovincialis nun ein weiteres, den Equestern vorbehaltenes, Amt eingenommen habe."

    Furianus folgte ihr, nachdem er einigen Sklaven noch Anweisungen bezüglich des Gepäcks gegeben hatte, in die Kutsche hinein.
    Auch er machte es sich ihr gegenüber bequem und zögerte nach einer Schriftrolle zu greifen. Schließlich hatte er noch viel Zeit einen Blick hinein zu werfen, doch seine Verlobte würde sich nur langweillen. So ergriff er das Wort erneut.


    "Bis Ostia werden wir sicherlich einen vollen Tag benötigen. Falls du etwas benötigen solltest, so zögere nicht danach zu fragen. Ostia werden wir spät abends erreichen und uns dann in der dortigen flavischen Casa ausruhen, um dann am nächsten Morgen per Schiff gen Misenum zu reisen."


    Erklärte er ihr, so dass sie Bescheid wusste und nicht dachte er würde sie sofort in Ostia das Schiff zumuten.

    "Das hast du vollkommen Recht."


    Pflichtete er ihr bei und führte sie an der Hand zu einer geschlossenen Kutsche, deren Tür bereits vorsorglich aufgemacht worden war und die Herrschaften nur eintreten mussten. Es war eine Kutsche der bequemeren Sorte, keine mit Holzbänken, sondern mit Polstern und reich verzierten Vorhängen, die eigentlich nur dem Schutze vor fremden Blicken dienten, denn Fenster hatte man bereits verbaut.

    Ein leichtes Lächeln umspielte seine Züge, denn damit hatte er auch gerechnet.


    "Dann, wenn ich alles ausgearbeitet habe, Volkstribun, werde ich es dem Senat präsentieren. Bis dahin dürfte ich dem Gremium angehören. Und wenn nicht, dann werde ich natürlich meinen Vater bitten diesen Vorschlag in die ehrwürdigen Hallen des Senates zu tragen."


    Was er allerdings nicht glaubte, schließlich war es nur eine frage der Zeit. Eigentlich hing es von Furianus ab, wann er denn dem Senat beitreten wollte, er musste nur heiraten. Doch Furianus überstürzte nichts und ließ sich Zeit für Vorbereitungen.

    Furianus hatte zwar gar keinen Grund dies zu erwähnen, doch um vielleicht einigen Bemerkungen zuvor zu kommen, ergriff er das Wort.


    "Da wir schon über das Wasser- und Abwasssersystem diskutierten, möchte ich nun als Praefectus auf die Cura Annona zu sprechen kommen.
    Ich bin zwar nicht lange im Amt, doch nach mehrmaligem Überschlagen der Rechnungen und den letzten Aufzeichnungen, bin ich zum Entschluss gekommen, dass die Lex Matinia Frumentaria einer dringenden Überarbeitungen bedarf. Um der Frage nach dem Warum entgegen zu kommen, möchte ich erwähnen, dass wir zu viele Bittsteller haben und die Punkte, ein Ritter oder Senator habe die Möglichkeit ebenfalls Rationen zu beziehen, einfach lächerlich sind. Wer den Census von 400.000 Sesterzen oder gar einer Million jährlich aufbringen kann, der sollte im Stande sein sich ernähren zu können.
    Entsprechende Änderungen werden von mir vorgenommen und, sobald ich dem höchsten aller Gremien angehöre, zur Diskussion gestellt."


    Weiteres wollte er zur Cura Annona nicht ausführen, da vieles keinen der Beteiligten etwas anging, nur mit größter Geheimhaltunspflicht betrachtet werden musste. Außerdem wollte er sich den scharfen Zungen auch nicht schutzlos ausliefern, wenn er ohne die nötigen Nachprüfungen und Schritte etwas in den Raum warf.

    Der kleine Zug, bestehend aus den zwei Sänften, vielen Gepäckträgern und einer kleinen Gefolgschaft an Sklaven, erreichte endlich die Tore Roms.
    Sogleich postierten sich einige Leibwächter um die Sänften, denn man war am vorzeitigen Ziel dieses Tages.
    Eine Kutsche und drei gespanne warteten schon seit dem Morgengrauen vor den Toren Roms auf die Herrschaften, die man nach Ostia bringen würde.


    Sogleich entstieg Furianus mit Schwung der Sänfte und blickte sich zufrieden um. Seine verlobte hatte er noch nicht persönlich begrüßen können und die Regenwolken waren glücklicherweise schon hinfort gezogen.
    So ging er zu Claudias Sänfte und spaltete die Vorhänge vorsichtig mit der Hand entzwei. Lächelnd streckte er ihr seine Hand zur Hilfe entgegen.


    "Salve, Claudia. Entschuldige, dass ich dich nicht schon vor der porta begrüßt habe, doch solch ein Wetter verstimmt mich recht schnell. Und einen verstimmten Lucius wollte ich dir nicht zumuten, Liebste."

    Ja, davon weiß ich auch, das bezeugen ja die vielen Unruhen unter den fünf Prokuratoren, unter Pontius Pilatus besonders. ;)


    Das Kaiserbildnis war lediglich ein Rückschluss von mir, da müsste man wiederum Beweise liefern.