Beiträge von Lucius Flavius Furianus

    Furianus hatte gerade selbst einen Bock dem Mars geopfert und für Roms Schutz gebetet.
    Natürlich zelebrierte er das Opfer nicht selbst, dafür standen die Priester bereit, die ihm dabei zur Hand gingen. Doch das Opfermesser musste er sowieso alleine führen, schließlich war er der Opferherr und dies seine Pflicht.


    Nach dem gegelückten Opfer hielt es ihn auch nicht mehr lange in diesen Gemäuern und so ging er durch die große cella dem Ausgang entgegen - seine Sklavenschar und Sänfte standen natürlich schon in Lauerstellung.

    Furianus hatte erstmal die offizielle Ernennung aus Rom abgewartet, doch nun war alles korrekt und er neuer Curator.
    Das officium entsprach seinen Wünschen, so musste er nichts verändern, umtauschen oder entsorgen.
    Nach einem kurzen Moment der Besinnung nahm er sich den Akten und Unterlagen an.

    Während die beiden Männer ihre Freundschaft lobten und sich in ihrem doch erfreulichen Gedankengut bestätigten, genehmigte sich Furianus während dessen eine zweite Dattel.


    "Ja, sobald die Wasserleitung vollendet ist, so werde ich dir Pläne zukommen lassen."


    Sagte er an Sevycius gewandt und kaute zu ende. Ein kurzes Nicken war dann wiederum Senator Agrippa gewidmet.


    "ja, ich weiß, Senator, dass du Mitglied unserer glorreichen Factio bist - es ehrt nicht nur die factio, sondern auch mich.
    Wenn ich wieder in Rom bin wird es wohl eine Zusammenkunft geben, in der man über die Nachfolge meiner Wenigkeit entscheiden wird, sofern man mich nicht haben möchte."


    Sagte er leicht lächelnd und griff nun nach den Trauben.
    Das, was ihm derzeit auf dem Herzen lag, das wollte er nun vin sich geben, denn in diesem Kreis war es gut aufgehoben. Möglichst unauffällig fragte er sogleich.


    "Wann wird eigentlich wieder um die Besetzung der Provinzkurie und deren Leitung beratschlagt?"

    Furianus zögerte nicht lange und griff nach den Datteln, welche er sich voller Erwarten auf den Holzteller legte.
    Zum Comes gewandt sprach er sogleich, nachdem die erste Dattel im Gaumen verschwand.


    "Das Projekt der Wasserleitung ist wirklich spannend. Die Wasserleitungen setzt hohe Anforderung und deckt auch alle Aspekte und Techniken ab, die die uns bekannte Hydrotechnik aufweist. Am Anfang steht das spannende Bauprojekt der Wasserfassung aus dem Fluss, danach geht es natürlich mit bodennah ausgelegten Kanälen weiter, bis man einen Tunnel anlegen muss. Danach folgt eine Druckrohrleitung und nach dieser ein Äquadukt bis zu einem großen Sammelbecken - ein spannendes Unterfangen."


    Danach wandte er sich an den Proconsul.


    "Die ganzen Bautätigkeiten, nun...
    Wie eben erwähnt befindet sich das Projekt Wasserleitung noch Status der Planung und Begehung, dem Vermessen und der Nivellierung.
    Die Bautätigkeiten an der Nekropole stehen vorerst auch still, da ich noch immer auf die kaiserliche Statue warte, die uns der Imperator hoffentlich in seiner Güte schenkt. Außerdem müssen die Parzellen noch vermessen werden.
    Das andere Projekt, das Factiogelände, es hat noch nicht angefangen, da die einzelnen factios es merkwürdigerweise nicht für nötig halten mir Antwort zu geben. Doch als neuer Princeps der Factio Purpurea beanspruche ich schonmal einen Teil für unsere Factio - es ist nur das Beste."


    Furianus bemerkte erst jetzt, dass Agrippa wahrscheinlich noch gar nichts von seiner neuen Position als Princeps Factionis wusste - doch spätestens jetzt sollte es offensichtlich sein.

    An der Anhöhe angekommen, wies Furianus einem der Sklaven na wieder einen Holzphal an diese Stelle zu stecken.


    "Das Niveau zwischen diesem Phal und dem Ersten sollte auf jeden Fall exakt ausgemessen werden. Nach den ersten Ausmessungen, laut den vorhandenen Aufzeichnungen, ist hier eine besonders kritische Stelle mit einem Höhenunterschied von 5 Zentimetern.
    Druckleitungen habe ich hier nicht vorgesehen, es ist zu niedrig und absurd."


    Wandte er sich an seine Begleiter und wartete die ersten Reaktionen ab, welche zu seiner Freude nur aus wohlwollenden und kurzen Nicken bestanden. So zogen sie dann weiter.


    Nach etwa 9 Kilometern, es war schon später Nachmittag und die Sonne schien unerbittlich auf die müden Häupter, gab Furianus den Befehl einen erneuten Phal zu plazieren.


    "Ein Niveauunterschied von einem Meter ist hier aufgezeichnet, das heißt wir haben viel Spielraum und werden in diesem Teilstück bodennah arbeiten. Die Erde muss also auf ihre Eignung hin überprüft werden."


    Er wandte sich an den Ingenieur.


    "Dieses Gebiet ist für sein großes felsvorkommen bekannt, also könnte man hier auf Hürden solch einer Art stoßen und man müsse entscheiden, ob man den Kanal trogartig ausbauen will oder doch die herkömmliche Schalungstechnik anwendet. Also hier den Untergrund bis auf eine Höhe von zwei Metern unter dem Boden überprüfen.
    Es geht weiter."


    Schon gab er seinem Ross die Sporen und trabte den Männern voraus, die sich noch einmal umschauten, um das Gebiet in Erinnerung zu haben, wenn sie das nächste Mal hierher hinausreiten würden, um die Arbeiten zu kontrollieren.
    Das nächste Geländestück war mit einem großen Niveauunterschied versehen, den auch Furianus auf seinen Plänen eingezeichnet hatte. Es waren über 70 Meter Höhenunterschied, für ein Äquadukt ungeeignet, man würde zwischendurch einen Druckturm bauen müssen, dies war allen klar. Furianus wies den Sklaven wieder an hier einen Holzphal zu stecken.


    "Hier fängt ein problematisches Stück an. Ein Höhenunterschied bis zu der anderen Seite von ungefähr 70 Metern. Die zu überbrückende Strecke beläuft sich selbst auf etwa 6 Kilometer.
    Also, es ist hier nur eindeutig, werden wir uns mit Druckrohrleitungen aushelfen müssen."


    Der Techniker und der Ingenieur horchten in diesem Moment auf, denn sie wussten, dass dies ihre Aufgabe sein würde.


    "Über den Durchmesser und die Anzahl der Rohre werden wir uns später noch unterhalten - dafür müsste ich sowieso mit den Stadträten sprechen und erfahren wie viel Wasser gebraucht wird. Wir reiten nun etwa 3 Kilometer vor, an die Stelle des Druckturms."


    und schon wieder war er es, der zuerst die Zügel bewegte und seinem Pferd die Sporen gab, um schneller ans Ziel zu kommen.
    Die Landschaft war, wie Furianus schon anfangs bemerkte, sehr kahl. Es war ein wenig sandig und auch große Wälder schienen hier nicht angesiedelt. Dies konnte insofern problemtaisch werden, dass hier vermutlich Wasserknappheit herrschte und die unwissenden Bauern auf die Idee kommen könnten die Druckrohrleitung anzuzapfen und so ein Dilemma anzurichten. Man müsste hier eine Station für die Läufer hisntellen, ansonsten wäre das Risiko zu groß.


    Nach einer halben Stunde erreichten sie die Stelle, eine kleine Anhöhe in diesem Kessel. Furianus selbst stieg nun vom Sattel, wies die anderen an es ihm gleich zu tun und befahl den Sklaven ein paar Phäle zu holen.


    Sogleich nahm er einen von jenen und steckte ihn in die Erde, nahm den zweiten, den dritten und einen vierten, mit denen er ein großes Viereck absteckte.


    "Hier wird der Druckturm stehen. Seine Mauern sollten eine normale Dichte haben, der Druck wird nicht allzu groß sein. Desweiteren will ich nicht, wie üblich, dass die Hälfte des Turmes für das Wasser ausgehölt wird, es soll nur ein drittel sein. So ist das Risiko, wie bei anderen Leitungen schon bekannt, nicht so groß, dass der Wasserdruck Schäden hinterlässt.
    Also, Caius, den Turm mit opus caementitium ausfüllen und nur ein drittel für das Wasserbecken zur Verfügung stellen, es mit wasserabweisendem Putz auskleiden.
    Gut, reiten wir weiter."


    Sie bestiegen wieder ihre Pferde und galoppierten nach vorne, um die Anhöhe zu nehmen, welche sich ihnen nach wiederum 3 Kilometern in den Weg stellte.
    Nachdem jene Anhöhe überwältigt worden war gab Furianus wieder die Weisung einen Holzphal zu platzieren.


    "Hier ist das Ende der Druckleitung.
    Wie üblich wird hier ein Wasserbecken zum Druckausgleich angebracht werden. Aber es soll nicht zu groß sein, ich will ein wenig Druck schon beibehalten, wir werden ihn erst vor den Stadttoren in einem Speicherbecken abbauen. Hier solle der Druck noch bestehen.
    Weiter, nach dem Absatzbecken, wird der Kanal hier wiederum unterirdisch geführt. Bis zu einem Fluss, der nach ein paar Kilometern kommen wird.
    Er ist unbrauchbar, da zu sehr verschmutzt."


    Fügte er noch schnell an und sie ritten weiter, um an die Stelle zu kommen, an der ein Äquadukt gebaut werden musste. Eine andere Methode der Überbrückung kannte man nicht.

    Furianus legte sich auf eine freie Kline und erlaubte sich die Dreistigkeit auf die Frage des Proconsuls hin zu antworten.


    "Es hat bereits begonnen, werter Proconsul. Darum bin ich hier, ich schaue mir den Verlauf vor Ort an und bin gestern erst damit fertig geworden."

    Furianus hielt sich vorerst zurück und wollte auch nicht dies mitleidige Spiel, nämlich den Princeps Curiae erst befragen zu müssen, ob Furianus sich beteiligen könne, vollziehen.


    Doch er wunderte sich, dass trotz der vielen Bauprojekten und Sanierungsvorschlägen von einem Stop der Zahlungen gesprochen wurde.

    Just in diesem Moment trat Furianus lächelnd ein.


    "Salvete, Herrschaften."


    Und blieb erst einmal stehen, um sich begrüßen zu lassen und einen Platz angeboten zu bekommen. Schließlich ziemte es sich ganz und gar nicht unaufgefordert am Mahl teilzunehmen.

    Ad
    Aelia Adria,
    Schola Atheniensis,
    Rom,
    Provincia Italia


    Salve Rector Scholae,


    ich schreibe dir, um dir mitzuteilen, dass ich das Amt und somit die Verantwortung über die Schola und Bibliotheca Tarracos zu übernehmen bereit bin.
    Meine Entscheidung beruht auf mein Versprechen gegenüber meinem Klient und ehemaligem Curator der Schola in Tarraco, Marcus Petronius Glabrio, die Schola anstatt seiner zu leiten.
    Der derzeitige Curator, Decimus Pompeius Strabo, kann sich aufgrund seiner Tätigkeit als Duumvir der Stadt Corduba nicht so oft um diese Einrichtung kümmern, da dies mit langfristigen Reisen zwischen Corduba und Tarraco verbunden ist, die Zeit es nicht erlaubt.
    Nach Absprache und Wohlwollen des Curators, werde ich dies ehrenvolle Amt gerne übernehmen und bitte dich meine Person in diesem Amte zu bestätigen, so dass es keine Missverständnisse gibt.


    Mit freundlichen Grüßen,
    gez.


    [Blockierte Grafik: http://img98.imageshack.us/img98/3769/kopievonkopievonsiegellappmacermi3.gif]

    Der ironische Ton kam wohl nicht so sehr hervor, was Furianus sehr bedauerte, doch Strabo verstand zum Glück die Anspielung auf das Gerde der Leute und dies war Grund genug.
    So umarmte auch er den Mann, welcher ihm schon seit Jahren bekannt war und verließ mit letzten Worten das Officium.


    "Danke, auch du sollst die kostbaren Stunden des Lebens genießen, mögen sie dich auch schützen."


    Und einen Augenblick später war er hinfort, um sich ein wenig umzuschauen.

    "Lasse dir ruhig so viel Zeit, wie du benötigsts, allenfalls sieht es dann doch nach einer Verdrängung aus und das wäre nicht in unser beider Sinne."


    Sagte er lächelnd und stand auf.


    "Ich lasse dich nun lieber alleine, ich lenke ja nur ab."

    Furianus nickte.


    "Das freut mich nicht mit Arbeiten gleich am Anfang überhäuft zu werden. Und als Nebenverdienst sehe ich das nicht an, ich fordere keine Bezahlung. Mir geht es lediglich darum der Schola eine Stütze zu sein und wissbegierige Römer zu unterstützen.
    Außerdem arbeite ich derzeit an einer Dissertation und das trifft sich gut mal Erfahrungen in der Schola zu sammeln, da ich vielleicht später als Magister lehren könnte, wenn es die Zeit erlaubt."

    Es war Furianus gleich von wem der Brief verfasst wurde, darum nickte er bedächtig.


    "Gut, dann nehme ich mich dieser Sache sogleich an.
    Gibt es Dinge, die ich wissen müsste?"


    Fragte er hinein, denn anfängliche Probleme waren nicht sehr erfreulich.

    Na da hatte seine Einschätzung wohl wieder einmal gestimmt und er lächelte zurück.


    "Auch ich bin froh, dass du mein Angebot annimmst.
    Nun sollte man wohl eine Mitteilung nach Rom entsenden, damit es nicht zu Unstimmigkeiten kommt. Wirst du dies noch übernehmen oder bist du in eiliger Durchreise, musst wieder zurück nach Corduba?"

    Furianus ließ sich, zwar überrascht ob solch einer Freude, bereitwillig umarmen und nahm Platz.
    Seine Vermutungen schienen doch repräsentativ gewesen und er nickte leicht.


    "Solch ein Verlust für Corduba wäre fatal. Und da du es ansprichst, ich bin deswegen hier."


    Furianus kam sich schon fast wie ein Erlöser vor, ein Held, doch das war er beileibe nicht.


    "Von meinem Klient, dem ehemaligen Curator dieser Schola, Petronius Glabrio, erfuhr ich von der problematischen Lage dieser Einrichtung. Und so, als Patron und hier arbeitender Römer, bot ich ihm meine Hilfe an diese Schola gerne anstatt seiner weiter zu führen.
    Er sagte mir, dass du dich bereits bereitwillig dieser Bürde angenommen hast und da festigte sich mein Entschluss, denn dein Platz ist in deiner Stadt und solch eine Verpflichtung, diese Reisen, kommen dir sicherlich nicht zu gute."


    Seine Reaktionen abwartend beobachtete Furianus Strabo ganz genau. Er konnte sich nicht vorstellen, dass diesem die Schola nach ein paar Tagen lieb und teuer geworden ist, nein, die Strapazen der Reisen führten sicherlich einen anderen Effekt herbei.

    Furianus durchschritt die Tür und begrüßte Strabo mit einem Lächeln.


    "Salve, Pompeius Strabo. Wie ich sehe weilst du heute glücklicherweise in Tarraco."


    Es musste eine lange und strapazenreiche Fahrt bis hierher gewesen sein, schließlich war Furianus schon in carthago Nova und die Reise dorthin war nicht gerade angenehm und entspannend gewesen.