Beiträge von Lucius Flavius Furianus

    Furianus begann zu lachen, als sich der Tiberier zu der Nekropole äußerte und nickte ihm sogleich zu, nahm danach einen Schluck vom Wein.
    Der Tiberier kannte sich wohl sehr gut in der Welt der Gespanne aus. Furinaus wollte bescheiden sein, doch der Mann schien diesbezüglich bewandert und so blieb ihm dies nicht verborgen.


    "Nun, hassen ist nicht das passende Wort. Ich hege Aversionen gegen diesen Mann, der sich zu unser aller Schande noch Senator nennen darf. Es ist Senator Germanicus Avarus, jener, der von unserem Imperator Caesar Augustus persönlich mit der Nota Censoria belegt worden ist, jener Mann, welcher unsere Vorfahren öffentlich auf der Rostra beleidigte und dadurch einen Aufruhr begründete, der dann vor dem Palast des Kaisers den Kopf des Avarus forderte. Ein höchst erniedrigendes Spektakel für jeden Römer - ich war damals dabei und einer der ersten, der den Senator tadelte. Dieser wich bis heute nicht von diesen schandhaften Worten ab. Solch ein Mann ist für mich der Senatorenwürde in keinster weise würdig. Und da er unsere Ahnen beleidigte, speziell die patrizischen, klagte ich ihn an. Doch leider verloren meine Mitkläger, Tiberius Durus, der Advocatus Imperialis und ich diesen Kampf."


    Es war schon damals erniedrigend gewesen, da die Senatorin Tiberia Livia, selbst eine Patrizierin, diese Verhandlung führte und es doch zu dieser Schande kam, dass jener frevelhafte Mann ohne Schuld entkommen war. Eines der Rätsel, welche er bis heute nicht verstand - besser gesagt nicht verstehen konnte.

    "Es soll eine art Nekropole werden, die der Stadt Tarraco noch zusätzlich durch den Verkauf der Grundstücke Geld einbringen soll. In Rom baut man entlang der Via Appia, hier wird man die begehrtesten Grundstücke an der Straßenkreuzung erstehen können. Man will ja nicht vergessen werden und je mehr Menschen an deinem Grabmonument vorbeigehen, desto länger bleibst du in Erinnerung. In Rom sind die Preise jedoch etwas höher angesiedelt.
    Ja, die IX Legio."


    Ein Bissen in das herzhaft schmeckende Fleisch unterbrach seinen Redeschwall. Natürlich durfte ein Schluck des Weines auch nicht fehlen, für den er sich auch ausgiebig Zeit nahm.
    Doch bei dem Wort Veneta musste er unweigerlich lächeln. Zwar gehörten dieser Factio große Politiker an, aber schon die Tatsache, dass Senator Germanicus Avarus, der patrizierfeindlich gesinnt, mit der Nota Censoria belegt und von Furianus angeklagt worden war, ebenfalls Mitglied dieser Factio war schreckte ihn schon ab. Mit solchen Männern würde er nichts teilen wollen, nur Rom als Wohnort.


    "Eine große Factio. Große Personen gehören ihr an, aber auch einige, die mir persönlich verhasst sind. Sie haben gute Fahrer, doch ich gehöre da lieber der Purpurea an, wir haben ebenso erfolgreiche Gespanne und dürfen uns großen Mitgliedern rühmen. Der Proconsul dieser wunderschönen Provinz gehört uns ebenso an, wie auch der Senator Prudentius Commodus, der mir das Amt des Princeps übertrug."

    "Die Sklaven werden selbstverständlich angemessen bestraft werden."


    Sagte Furianus noch immer mit dem Zornesblick auf einem von ihnen haftend.
    Danach wandte er sich wieder dem Tiberier zu und schwenkte den Wein ein wenig im Becher.


    "Die ehemaligen Kastelle werden eine andere Verwendung finden. Bei dem Areal der Legion ist schon fast alles fertig, ich erwarte nur noch Antwort vom Kaiser, um die Arbeiten wieder aufnehmen zu können. Das andere Kastell wird gerade umgebaut, da ich in meiner Funktion als Princeps Factionis der Factio Purpurea dies Areal als Factiogelände nutzen möchte. Abgesehen davon habe ich noch eine Wasserleitung nach Carthago Nova zu errichten, die Bauarbeiten schreiten zügig voran."


    Dann hatte er genug von dem Spiel mit dem Wein und trank den Becher aus, ließ ihn sich jedoch sogleich nachfüllen.


    "Bist du denn Mitglied einer Factio?"


    Er selbst konnte sich nie für diese Rennen begeistern, aber der gesellschaftliche Aspekt solch eines Schauspiels musste ausgeschöpft, genutzt werden. Schließlich begeisterte man nicht nur das niedere Volk mit diesen Rennen, sondern auch hohe Persönlichkeiten von Rang und Namen. Wobei er als Princeps einer Factio sicherlich noch potenzielle Wählerstimmen in Betracht zog, denn schon die Kaiser wussten wie man den Pöbel für sich begeistern konnte, besonders die großen flavischen Kaiser.

    Bauabschnitt II.
    Zur gleichen Zeit, 6 Kilometer weiter, fing man auch an den Anhöhen die Arbeiten an. Auch hier unterteilte man den Abschnitt in einzelne Baugruppen, um ein schnelleres Vorankommen zu gewährleisten. Die erste Gruppe befand sich am Fuße der Anhöhe, durch die ein Tunnel verlaufen musste, die andere Gruppe war auf der anderen Seite positioniert, so dass man den Tunnel von beiden Seiten vorantreiben konnte. Zwar wäre es möglich gewesen durch einen vertikal verlaufenen Schacht nach unten ein Vorankommen zu beiden Seiten im Inneren des Tunnels herzurichten, doch man entschied sich aufgrund der kleinen Tunnelstrecke und den technischen Aufwendungen für solch einen Schacht gegen diese Möglichkeit.
    So fing man auch mit Spitzhaken, Schaufeln und menschlichen Arbeitsgeräten, die man schlicht Sklaven nannte, an den Tunnel an der eingezeichneten Stelle voranzutreiben - dies auf beiden Seiten. Mit Balken würde man es abzustützen wissen, so dass man die Kanäle gießen konnte. Diese hatten die bequemen Maße des Durchmessers von 2,5 und der Höhe von 2 Metern.
    Nach der Anhöhe waren wiederum einige anderen Baugruppen damit beschäftigt den unterirdischen Kanal mit einer Länge von 10 Kilometern in Bodennähe weiter zu führen, so wie die Arbeiter im ersten Bauabschnitt es taten.


    Weitere vier Baugruppen widmeten sich der Druckstrecke, welche ein Tal mit einer Höhendifferenz von etwa 70 Metern überbrücken musste. Nach Berechnungen würden es fünf 40er Druckröhren an der Zahl sein, mit dem obligatorischen Unterbau aus Bögen.
    Dafür huben nun die Baugruppen die Gruben aus und gossen das Fundament für den großen Druckturm, welcher in der Mitte stand und eine Höhe von etwa 60 Metern hatte, um einen stetigen Wasserfluss zu garantieren - in Fachkreisen galt dieses Gebilde als Syphon und war doch relativ rar in der Hydrotechnik.
    Die Untersätze für die Rohre musste man jedoch auch errichten und so gruben sie weitere Baugruben an den doch steilen Hängen aus, um sie dann mit dem Fundament aus opus caementitium zu befüllen und eine Rampe errichten zu können, auf der dann die Rohre angelegt werden würden.

    Furianus verstand, dass man lieber nicht weiter darauf eingehen sollte, er nicht das Recht hatte. Es stimmte den Mann wohl mehr oder minder übel.
    Doch als er sich verschluckte bangte Furianus um die Gesundheit des Mannes.


    "Ist dir nicht wohl, Tiberius, soll ich nach einem Medicus schicken lassen?"


    Sogleich warf er einem der Sklaven einen gereizten Blick zu, damit dieser sogleich wusste, was ihn nach dem Essen erwarten würde. Die Kammer, ein Stück Brot pro Woche und Peitschenschläge wussten einen Sklaven zu formen.

    Furianus brauchte nach dieser Frage erst einmal Bedenkzeit und so kam ihm das gerade aufgetischte Essen nur zu recht.
    Die Teller wurden beiseite geschafft und sogleich die Hauptspeise serviert. Ein Kalb wurde heute eigens für dieses mahl geschlachtet und so verwunderte auch die große Schüssel mit dem vielen Fleisch nicht. Dazu gab es geräucherten Fisch, Garum und noch weitere Gewürze.


    "Nun, ich zähle die Tage nicht, ich bin nur erfreut solch eine Frau getroffen zu haben und schwelge im Glück sie bald Mein nennen zu dürfen. Aber es ist wahrlich schon zu lange her, dass wir uns verlobten und eine Heirat schon gar überfällig. Doch du siehst ja, ich bin hier und sie in Rom, derzeit wäre es unpässlich konkrete Vorbereitungen zu treffen."


    Nach einer kurzen Pause und einem Schluck des süßlichen Getränks, nahm er sich ein Stück Kalbsfleisch.


    "Und du, Tiberius, stehst du in einer festen Verbindung?"

    "Nein, diesen Weg zu beschreiten habe ich beschlossen, doch dies auch mit dem Wohlwollen meines Vaters."


    Zumindest hatte sein Vater keine Gründe gegen diesen Weg geäußert und ihn auch, als jener noch in Rom lebte, unterstützt. Es war auch sehr abwegig, würde ein Senator seinem Sohn verbieten den ehrenvollen Weg der Ahnen, den Cursus Honorum zu beschreiten.


    Sein Blick verweilte für kurze Zeit an einem der Sklaven, der sogleich verstand was der Dominus wollte. Nach dezenten Zeichen zu den anderen Sklaven begaben sie sich alle hinaus, in die culina.
    Furianus ergriff lächelnd einen Apfel und strich mit dem Daumen über dessen glatte Oberfläche.


    "Sie ist meine Verlobte, Tiberius. Wenn ich wieder in Rom bin werden wir wohl heiraten."

    "Danke, Tiberius, ich hoffe auch, dass mir diese Ehre zuteil wird."


    Sagte er, als er gerade nach einer Dattel griff.
    Was hatte er nicht alles getan, um in diesen Ordo aufgenommen zu werden. Am Anfang, da bot er dem Imperator die Stirn und war wohl etwas zu stürmisch, als jener seine Entscheidung nicht revidieren wollte. Nun nahm er diesen Auftrag an und versuchte das beste daraus zu machen, war Architectus und Curator der Schola, Beisitzer der Curia und würde wohl noch ein Aquädukt erbauen können. Alles Streben nur auf ein Ziel hinaus, den Ordo Senatorius.


    "Mein Vater?"


    Sagte er, nachdem er sich aus seinen Gedanken reissen konnte.


    "Senator Secundus Flavius Felix. Ehemaliger Legatus Augusti pro Praetore in Italia."


    Die Worte waren voller Stolz von ihm gegeben worden, denn der Vater war stets ein Vorbild, das höchste Ziel für Furianus war es sowieso dem Vater in Ruhm und Ehre zu erreichen.
    Eine weitere Dattel wanderte in den Mund und er nickte dem Tiberier zu, jedoch ohne den letzten Satz zu kommentieren, da jener vielleicht an sein hohes Alter erinnert werden konnte, wenn Furianus nach Picentia fragen würde.


    "Mich würde es ungemein interessieren inwieweit du mit Tiberia Claudia verwandt bist, Tiberius Gracchus."


    Es gab noch so viele Dinge bezüglich seiner Verlobten zu wissen.

    Furianus war doch überrascht, dass sich der Tiberier ebenfalls nicht gerade patrizischen Ämtern hingab, doch in der heutigen Zeit musste man eben wie jeder Beliebige von ganz unten anfangen, um sich realistische Chancen zurechnen zu können. Eine Karriere im Militär als sofort eingesetzter Tribun konnte man vergessen, wie auch eine Mitgliedschaft in irgend einem Collegium des Cultus Deorum.


    "Die Wasserversorgung ist ein recht interessantes Schaffensgebiet. Ich versuche mich derzeit an einer Dissertation über jenes Thema und leite die Bauarbeiten an einer Wasserleitung nach Carthago Nova."


    Er bedeutete einem Sklaven sogleich einen der guten Weine einzuschenken, denn die Süße der Früchte sollte ja nicht für den rest des Abends im Gaumen haften bleiben. Während der Sklave einschenkte hatte Furianus Zeit die doch komplizierte Frage seines Gegenüber zu beantworten.


    "Nun, anstatt einer Amtszeit pausiere ich schon die zweite. Ich hoffe demnach alle Projekte bis zur nächsten Wahl vollenden zu können, sowie auch von unserem ehrenwerten Imperator caesar Augustus zum Senator ernannt zu werden, um so für das Amt des Praetors kandidieren zu dürfen. Ich pausiere schon länger als eigentlich geplant und wollte mich stets der Politik widmen."


    Und nach einem Schluck des guten Falerners beantwortete er die andere Frage sogleich.


    "Ja, ich habe in der Legio Prima Traiana Pia Fidelis gedient. Und du, Tiberius?"


    Furianus, sowie auch sein Vater, waren schon immer der Ansicht gewesen, dass das Militär einen Mann fürs Leben prägte und diese Erfahrung niemals außer Acht gelassen werden durfte. Die Legion bereitete einen Jüngling auf die Schlachten außerhalb des Feldes ebenso vor, wie auf den Ernstfall eines Krieges.

    Nun war es soweit, alles abgesprochen und die Bauabschnitte eingeteilt. Es waren drei an der Zahl, die dann jeweils unterteilt wurden, da man Wasserleitungen üblicherweise in Abschnitten baute und sie anschließend zusammentrafen. So wurde es auch hier gehandhabt, um ein schnelleres Voranschreiten der Bautätigkeiten zu erwirken.


    Bauabschnitt I.
    Der erste Abschnitt beinhaltete den Bau einer Flusswasserfassung und die anschließende Führung durch bodennah unterirdisch angelegte Kanäle von einer Breite von 1,5 und der Höhe von 1,2 Metern. Die Maße waren natürlich mit Bedacht gewählt, denn Reperaturtätigkeiten waren in ferner Zukunft abzusehen und eine Erleichterung jener auch angebracht - schließlich war die Instandsetzung ein Kostenfaktor nicht minderem Ausmaßes.


    Zuerst wurden die Flanken des großen Flusses durch opus caementitium mit einem Kalkgemisch und Puzzolanen wasserdicht errichtet. Diese würden dann später den Wasserspiegel an jener Stelle noch zusätzlich anheben und das Ausbreiten zu den Seiten verhindern.
    Anschließend wurde, wie üblich, ein Kanal am Ende einer Flankenmauer durchgestoßen und ragte somit in den später gefluteten Bereich ein.
    Nun würde man, wie bei dem Bauverfahren für Molen von Hafenanlagen, eine Sperre mitten in den Fluss errichten und das Wasser so aufstauen, so dass sich der Kanal mit Wasser füllt und jenes ableitet. Doch dies vermiedt man bewusst, da das Wasser sonst ohne eine Weiterführung abgeleitet werden und einfach in die Erde abfließen würde.
    Daher baute man auch sogleich den Kanal, welcher die Mauer durchdrang weiter, indem man erstmal eine Baugrube, größeren Ausmaßes als der spätere Kanal darin, aushub. Diese baugrube sollte sich bis zum nächsten großen Bauabschnitt hinziehen, so dass jene dann daran anschließen konnten. Doch auch die bauarbeiten an dieser Grube wurden in drei Abschnitte geteilt, die in beide Richtungen geführt wurden, um so einen schnelleren Bauerfolg zu erzielen. Diese Strecke war etwa 6 Kilometer lang und das Ausheben daher erst nach etwa zwei Wochen vollendet.

    Furianus war selbst noch jung und doch hatte er, anders als einige Politiker seines Alters, einen plausbilen grund für seinen frühen Weg in die Politik - sein Vater war Senator und er hatte diesem in die Politik zu folgen, Verpflichtungen waren sein Antrieb.


    "Das mag stimmen, da vermutlich die nötige Erfahrung im Bezug auf das Leben und dessen überraschende Wege fehlt. Doch ich bin sicher, dass das Stürmische und Lebhafte, die Eigenschaften der Jugend, der Politik durchaus zum Wohle gereichen. Aber dies wiederum in maßvollem Rahmen."


    Sogleich nahm er sich zwei Datteln und begutachtete diese kurz, bevor er sich diese Köstlichkeiten munden ließ und anschließend wieder zu Gracchus blickte.


    "Ich nehme an, dass du dich in Hispania nicht der Untätigkeit widmen willst, wenn du der Politik nicht gänzlich abgewandt bist?"


    Heutzutage reichte ja nicht der Name und Stand, um sich erfolgreich auf dem politischen Parkett behaupten zu können, man verlangte einiges mehr.

    Die Arbeiten am ehemaligen Areal, welches die Obhut der versetzten Ala war, mussten schon jetzt begonnen werden - einen zweiten Interessenten gab es nicht und so würed man nur eine Seite bearbeiten.


    Furianus hatte schon einen Plan der Ausrichtung dieser Gebäude erstellt und auch wenn es nur ein Vorschlag war, so musste trotzdem ein Bauelement festgelegt sein. Die Trennmauer.
    Diese Trennmauer musste schon jetzt angefangen werden, denn man würde später ohnehin keine Zeit haben, wenn die Käufer ihre eigenen Planungen offenbaren würden. Außerdem benötigte man für den Bau dieser Trennmauer deutlich weniger Sklaven, da man nur entlang der Mauer abreissen musste und nicht das ganze Kastell fein säuberlich auseinandernehmen. Natürlich war dies auch in Furianus´Sinne, denn die Mehrheit der Sklaven wurde ohnehin in Carthago nova beim Bau der Wasserleitung gebraucht.
    Man musste Prioritäten setzen und auch wenn dies ein kaiserlicher Auftrag war, konnte er das Projekt in Carthago Nova nicht ruhen lassen, da es sowieso keinen zweiten Käufer gab und die angebotene Leistung in Form von Sklaven nicht gebraucht wurde.

    Gracchus konterte gut, so dass Furianus dies nur mit einem Lächeln kommentieren konnte, jedoch durchaus eine Antwort gab.


    "Die Weisung des Kaisers, Tiberius, wie so viele Männer führten sie mich hierher."


    Nun kamen endlich die ersten Sklaven mit Schüsseln voller Trauben, Datteln, Äpfeln, Obst und in Honig Eingelegtem. Nicht zaghaft, wie er es immer pflegte, griff Furianus sogleich nach den Trauben und verspeiste eine sogleich voller Vorfreude auf diesen erfrischenden Geschmack.
    Dem zweiten Satz des Gracchus konnte er nur beipflichten und nickte sogleich die Trauben kauend.


    "Da hast du durchaus Recht, Hispanias Reize überwiegen eindeutig. Aber aus dem Hang zum Schönen lässt sich auch eine direkte Abkehr von der Politik erschließen, der deine Verwandten durchaus in großem Maße nachzugehen pflegen."


    Furianus fiel sogleich auf, dass er nicht wusste in welchen verwandschaftlichen Verhältnissen er zu den ihm bekannten Vertretern dieser Gens stand. Gar zu seiner Verlobten, auf die er wohl später noch eingehen würde.

    Furianus gab den Musikanten sogleich einen Wink mit der Hand, so dass jene sofort aufhörten zu spielen.
    Lächelnd nickte er dem Eintretenden zu.


    "Salve, Tiberius Gracchus. Bitte, nimm Platz, die Vorspeisen werden sogleich gereicht."


    Diese Andeutung verstanden die sämtlichen Sklaven, die in dem Speisezimmer standen, sofort und eilten in die culina.
    Währenddessen gab Furianus den Musikanten wieder ein Zeichen, so dass jene anfingen zu spielen.
    Er selbst wandte sich an den Gast.


    "Das Gewicht der Gens Tiberia scheint sich nunmehr auf Rom verlagert zu haben, daher war ich am gestrigen Tage überrascht ein Mitglieder jener Gens zu erblicken. Sage mir, Tiberius Gracchus, was führt dich nach Hispania, fernab den übrigen Verwandten?"

    Der Ianitor war über den Besuch zeitig informiert worden, auch über das Aussehen und die Merkmale des Gastes. Eines davon war bei jener gut betuchten Schicht üblich und doch recht selten anzutreffen - der korpulente Bau des männlichen Vertreters dieser Klasse.


    Sofort ging die Tür auf und ein Sklave großen Wuchses öffnete mit einer leichten Verbeugung die Tür.


    "Salve, der Herr. Mein Herr wartet im Triclinium, man möge mir bitte folgen."


    Und so schritt der Sklave voran ins prunkvolle Triclinium jener Villa.

    Die Sklaven liefen sorgenvoll umher und richteten alles her, was nur herzurichten war. Die Klinen wurden mit feinen Bürsten bearbeitet, der kleine Tisch in der Mitte vorsorglich auf Hochglanz gebracht und die Vasen gegen neuere und wertvollere eingetauscht.
    Duftende Öllampen sorgten für ein angenehmes Ambiente für das kommende Mahl, welches den Status besonders hervorheben sollte.


    Furianus legte sich selbst, als alles fertig hergerichtet worden war, auf eine der Klinen und gönnte sich, um die Wartezeit nicht gänzlich verfluchen zu müssen, eine kleine Darbietung der Musikanten.

    Der Sklave nickte leicht und eilte sofort zur Sänfte seines Dominus, um ihm die Zusage mitzuteilen.
    Nachdem dies vollbracht war hörte man nur ein harrsches Wort und die Sänfte des Furianus setzte sich langsam in Bewegung.

    Der Sklave des Furianus nahm dies zur Kenntnis und lief zur Sänfte seines Dominus, um jenem dies zu berichten. Dieser hatte sogleich eine weitere Botschaft für den Sklaven, der dann wiederum zur Sänfte des Tiberiers eilte.


    "Mein Dominus sagt, dass er ein weiteres Mitglied der ehrenwerten Tiberier gerne kennenlernen auf ein Mahl in seine Villa einladen würde. Dies Mahl soll in einer Stunde stattfinden. Akzeptiert der ehrenwerte Marcus Tiberius Gracchus diese Einladung?"


    Sagte er wiederum zum Sklaven des Tiberiers und wartete geduldig ab.

    Nach ein paar Kilometern auf dem harten Pferderücken waren sie nun an dem Fluss, den es zu überbrücken galt.
    Es war der letzte Abschnitt des Projekts und doch der wohl anspruchsvollste.
    Wieder einmal gab Furianus den Sklaven an die Pflöcke einzustechen und die Stellen somit zu markieren.
    Er selbst drehte sich mit seinem Pferd um die Eigene Achse in die Richtung, von der sie gekommen waren und wies mit der Hand dahin.


    "Dort oben wird der erste Abschnitt des Aquädukts gebaut, natürlich wird da die Baugrube besonders tief sein Müssen, denn es ist ein Geländeeinschnitt und man muss ihn so gut wie möglich stabilisieren. Das heißt besonders hier einen rutschfesten Hintergrund aus opus caementitium errichten. Wie üblich werden die Stützpfeiler aus opus caementitium errichtet und außen mit Ziegelnüberblendet.
    Inmitten des Flusses muss natürlich auch eine feste Grundfläche garantiert werden, dazu wenden wir das Verfahren an, wie es beim Molenbau benutzt wird. Wir arbeiten uns von einer Seite vor und verkleiden die Stützfläche mit einer Schale aus Holzbrettern. In dieser Schale wird dann opus caementitium mit hydraulischem Kalk gegossen, dieser kann auch unter Wasser erhärten."


    Er wies auf einige Stellen im Wasser.


    "Hier, hier und dort. Wir müssen jedoch beachten, dass nach dem Gießen der Stützfläche die Schalung abgebaut werden muss, damit sich der Fluss aufgrund der Sperre nicht in die Seiten ausbreitet und so das Baufortschreiten behindert. Also immer ein Teilstück fertigen und es vor dem Bau des Nächsten abbauen, wir wollen nicht, dass der Fluss hier das ganze Tal überschwemmt.
    Die anderen Bauschritten sind euch ja bekannt, die Höhe des Aquädukts beträgt 25 Meter."


    Nachfragen gab es keine, nachdem Furianus den Männern in die Gesichter blickte und dann milde lächelte.


    "Gut, dann lasst uns weiterreiten."


    Und schon wieder setzte man sich in Bewegung und überquerte den Fluss an einer relativ seichten Stelle. Zwar kam man nicht trockenen Fußes auf der anderen Seite an, aber das war wohl jedem der Beteiligten klar und die Temperatur ließ auch ein gezwungenes Bad zu - es war heiß.
    Die restliche Strecke ritten sie entlang des später verlegten und bodennahen Kanals. Der Abend war verwunderlich leise angebrochen und Furianus hoffte noch vor völligen Sonnenuntergang in Carthago Nova anzukommen, denn der Schutz der Mauern war ihm lieber als das kalte und unsichere Zelt.
    An einer ebenen Fläche, kurz vor den Mauern der Stadt, hielt die Kolonne abermals.


    "Hier entsteht ein Wasserspeicher mit Filtern und Absetzbecken, aber dazu werde ich euch morgen die nötigen Informationen aushändigen, nun sollten wir erst einmal das wohlige Bett dem Pferderücken vorziehen. Beeilen wir uns also."


    Mit einer Handbewegung nach vorne, als Zeichen für das nötig schnelle Vorankommen, setzte sich der Zug in Bewegung, so dass man mit zügigem Tempo und müden Knochen die Stadttore erreichte.
    Die Begehung der Strecke war ab diesem Moment vorbei.

    Gerade wollte Furianus in seine Sänfte steigen, als ihm auffiel, dass hinter dieser noch eine Stand.
    Sänften gehörten zwar zum üblichen Bild einer prunkvollen Stadt wie Tarraco, doch das Wappen an jener erregte seine Aufmerksamkeit.
    Sofort winkte er einen Sklaven herbei und flüsterte ihm etwas ins Ohr, Furianus selbst bestieg die Sänfte und wartete darin.


    Der Sklave eilte sogleich zur Sänfte des korpulenten Mannes und fragte nach.


    "Mein Dominus, Lucius Flavius Furianus, hat soeben das Wappen an dieser Sänfte gesehen und würde gerne den Namen des Besitzers erfahren."