Nach einem kleinen Rundgang um das Areal herum schritt er nun zu einem der schwierigsten Teile des Bauvorhabens: Die Wasserrohre.
Wäre dies eine Stadt oder ein Dorf gewesen, so wäre es leicht das Wassersystem exakt zu kennzeichnen und zu bestimmen. Doch bei einem Kastell lagen die Wasserrohre unter der Erde, zum Schutze vor Zerstörung durch den Feind.
Das Rohrsystem konnte auch verzweigt sein, ein unter der Erde eingebautes Wasserschloss - ein sehr kleines - konnte das Wasser zum Kastell leiten. So war es auch schwierig den Gang der Rohre und ihre Breite durch das Auffinden der Quelle zu bestimmen. Es war eine Quellfassung, das hatte man ihm schon mitgeteilt, als er Suchtrupps hinfort schickte, daher konnten riesige Mengen angestaut werden, der Fluss war breit genug, fasste demensprechend viel.
Den Laufbrunnen hatte man schon vorher außer Kraft gesetzt, indem man die Leitungen einfach kappte und verschloss.
Man würde graben müssen und Furianus wusste auch schon wo, denn außer einem Laufbrunnen gab es anscheinend keine Wasserstellen - das wäre auch wunderlich, denn so viel Komfort mutete man einem Kastell auch nicht zu, Privatleitungen gab es hier sowieso nicht. Zum Glück war der Laufbrunnen schon abgetragen und das Rohr, welches doch etwa 10 Quinaria an Volumen besaß, freigelegt. Da hier einige Kilometer südwärts eine Thermenanlage für die Soldaten lag, wusste er auch schon, dass es Abzweigungen geben würde, wo sie sind müsste man sich "ergraben".
"Man soll das Rohr vorsichtig freilegen, nicht ganz, sondern nur die Oberfläche, damit man den Verlauf und die Quinaria-Breite erkennt. Die Rohre sind aus Kupfer, seid vorsichtig, sie sind hochwertig und sollten weiterhin genutzt werden."
Teilte er einem Agrimensor mit, der sich auch sogleich etwa 20 Sklaven schnappte und diese zum Graben aufwies.
Natürlich wäre es eine Frage von Tagen, wenn er einen der Ingenieure der Legio IX Hispana angeschrieben und eine Karte oder Plan bekommen hätte, doch wie allzu oft durch den Stolz und seine Schaffenskraft geblendet kam ihm dies nicht in den Sinn. Der Stolze würde fallen, das war eine Weißheit, doch er vernachlässigte sie allzu oft - vielleicht müsste er dafür bezahlen, aber nicht heute und alles andere war ihm egal.
Das Rohrsystem führte, seiner Schätzung nach, sowieso südöstlich entlang, denn die Thermen waren ein sicherer Grant dafür.
Das andere Problem war die Wasserabführung, das Kanalsystem. Es war hier nicht sonderlich groß ausgebaut und führte auch hundertprozentig zu den vorhandenen Latrinen und dann in irgend einen Fluss oder Bach außerhalb des Kastells - natürlich auch unter der Erde.
"Ahja, den Verlauf des Abwassersystems auch freigelegen, aber ganz und baut ihn ab, füllt es mit Erde auf, es wird nicht mehr benötigt. Ebnet die Fläche."
Merkte er noch an, bevor der Agrimensor sich allzu weit entfernte.
Furianus setzte seine kleine Inspektion fort und beobachtete die Arbeiten am ersten Stück der Wasserleitung akribisch genau - es durfte nichts kaputt gehen, Wasser war hier ein teures Gut.