Beiträge von Lucius Flavius Furianus

    "Gerecht?", kommentierte der Flavier ihren Einwand mit einem ungläubigen Lächeln. Es war ihm herzlich egal, ob dies nun gerecht oder ungerecht war. Er konnte es, das war die Hauptsache und Folgen hätte es auch nicht, schließlich konnte man nach römischen Recht sein Eigentum behandeln wie man nur wollte. Er wunderte sich jedoch über sie, eine Frau in ihrem Stand hätte so etwas sicherlich niemals von sich gegeben. Dies bewies ihm ein weiteres Mal, dass diese hübsche Frau vor ihm noch nicht infiltriert war von der römischen Gesellschaft Roms. Ihre Erziehung war, das würden einige Matronen sicherlich laut bejahen, noch nicht vollendet.
    Doch diese Gedanken sollten ihn nicht trüben, beschloss der Flavier und ließ es auf sich beruhen. Haare hin oder her, man würde sich allenfalls eine Lösung des Problems einfallen lassen, wenn es unumgänglich war.


    Auch wenn der Flavier das Tier mit voller Aufmerksamkeit zu liebkosen schien, so hatte er gewiss nicht nur Augen für das Tier. Die Schönheit hinter dem Zaun wurde von ihm ebenso in Augenschein genommen, wie das pechschwarze Fell des Hengstes, welchen er fast striegeln wollte. Eigentlich mochte er dies, doch dieser Augenblick war mehr als unpass dafür, so dass er sie herüber winkte.
    Viele Frauen schüchterten größere Tiere ein, doch zu seiner Überraschung ging Septima mit Anubis so um, als wäre es ihr eigener Schosshund. Ein mildes Lächeln umspielte die Züge des Flaviers, als er sah, dass ihr das Tier ebenso gefiel, wie sie ihm. Hätte sie einen Apfel dabei gehabt, so hätte ihr das Tier sicherlich auf Schritt und Tritt aufgelauert, das wusste er zu gut. Für Leckereien hatte das Pferd eine besondere Hingabe entwickelt.
    "Ja, es ist zwar kleiner, als die Pferde im Norden, doch alle Male schöner und schneller. Die Spanier sind robuster, doch dieser hier, so filigran gearbeitet er auch aussieht, war in seinen besten Tagen niemals zu schlagen. Er lief zwar nie im Circus, doch über die Weiden habe ich ihn fliegen gelassen und war mehr als nur erstaunt.", kommentierte er ihr Kompliment. Vielleicht fachsimpelte er ein wenig zu viel, so dass er sich in jenem Augenblick selbst schalt und besonnen lächelte. Die Frage nach dem Alter hatte er nun schon den ganzen Tag erwartet, doch er war nicht einer derer Männer, welche schnell aufgaben.
    "Wenn ich ehrlich bin, ist er schon zu alt, um länger geritten zu werden. Ich lasse ihn eigentlich nur grasen und hoffe, dass er seine letzten Jahre hier gut verlebt."
    Anders, als andere Gutsbesitzer, war der Flavier fest entschlossen das Tier bis zu seinem letzten Atemzug hier zu behalten und nicht zum Schlachter zu schicken. Das kam für ihn, weil die Bindung so stark war, auch niemals in den Sinn.
    Ehe das Tier, natürlich in keinerlei bösen Absichten, die Tiberia genau in die Arme des flavischen Erreters fallen ließ, ahnte der Senator bereits, dass das Tier nun, von Liebkosungen beschwingt, noch mehr einzufordern gedachte. In weiser Voraussicht konnte er noch beruhigende Zischlaute von sich geben, doch Anubis forderte seinen Tribut.
    Mit einem Lachen fing Furianus die fallende Geliebte.
    "Nicht so stürmisch, werte Septima.", hauchte er ihr entgegen und zwinkerte kurz, ehe er ihr half sich aufzurichten.
    "Nun gut, möchtest du dich Anubis noch weiter ohne Schutzvorrichtungen aussetzen, oder gehen wir weiter?"
    Nun war sein Repertoir eigentlich gänzlich erschöpft, denn mehr Sehenswertes konnte er ihr hier nicht bieten. Nicht einer solchen Dame. Unbedachte schweifte er kurz mit den Augen umher und vergewisserte sich, dass niemand sie beobachtete, ehe er ihr einen leichten Kuss auf den Mund gab.

    An einem Tag der Muse, welcher sowieso eine Beschäftigung außerhalb des Hauses unmöglicht machte angesichts der unheivoll schwebenden dunklen Wolken über Rom, war dem Senator heute an den Privatstudien mehr gelegen, denn nach politischer Arbeit. Ohnehin hatte er es zur Gewohnheit Eiliges nicht ernst zu nehmen, bis es wirklich drängte, denn erst dann erfuhr er jene Genialität, jene Schaffenskraft, welche von ihm Macht ergriff, wenn er unter massivem Druck stand.
    Römische Herren, besonders die Linie, derer er entstammte, pflegte seit Generationen einen gewissen Abstand zu allem Irdischen, wie auch zu sich selbst. Man sah sich in einem Akt größter Bewunderung geistesbehellt den Ahnen nacheifern, und in solch einer Stimmung war jener Spross der Linie heute anzutreffen. Geradezu leichten Schrittes und in eine simple Tunika, welche auf den zweiten Blick eine der edelsten ihrer Art war, begab sich Lucius Flavius Furianus auf den Weg zu den Privatarchiven seiner Familie.
    Dieser Lust wurde ein Ende gesetzt, als die Lichtgestalt römischer Politik, die von geistiger Fülle erhellte Omnipotenz mit etwas Irdischem zusammen stieß. Jenem Irdischen, welches in allen Situationen und in jeder Zeit jenem Wesen gefälligst den Weg zu räumen hatte - so, wie sich das seit Generationen verhielt.
    Auch er war ob des hoch beladenen Armes seines Kontrahenten nicht in der Lage jenes unheilvolle Gesicht zu erblicken, jenes, welches zweifelsohne Leid ertragen sollte. Und so passierte es, die Rollen flogen nur einen kurzen Augenblick vom Aufprall in Bewegung gesetzt gen Decke, ehe sie mit vielen dumpfen Schlägen auf dem weißen Marmor aufprallten. Auch wenn diese Pergamentrollen aus einfachem Papyrus zu sein schienen, waren sie doch auf eine massive Holzrolle gedreht, welche einen Schlag auf dem Marmor duchaus verursachen konnte. So geschah es und nur einen kurzen Moment der Ungläubigkeit in des Flaviers Antlitz dauerte es, ehe seine Wangen zu vibrieren begannen.
    "Du...", entgegnete er, obwohl sich der Kiefer nicht zu öffnen vermochte, zu stark war der Groll, welcher sich dort entlud und den Körper ein wenig erbeben ließ.
    Alles stieg in ihm hoch und die angestaute Wut, welche mitunter auf die Tatsache zurück zu führen war, dass er schon lange keine Gewalt verübt hatte, suchte sich nun ein Ventil. Und es hatte es gefunden.
    Ruckartig packte er die Frau, über die er durchaus wusste, dass sie nun nicht mehr diesem Haushalt angehörte, am Oberarm und rüttelte kurz.
    "Oh du dummes Ding, du weißt gar nicht was du gerade getan hast...", war recht leise, jedoch stark odiös die Worte seiner tiefsten Abneigung ausgespien worden. Sein Griff festigte sich und seine Atmung wurde tiefer, sowie auch seine Züge sich zu einem Werk voller Animosität gestalteten. Recht schnell war das Urteil gefallen, dass es ihm das größte Vergnügen sein würde sie zu bestrafen, und die Konsequenzen ihn in diesem Falle nicht tangierten.

    ...und Männer eher die tieferen.


    Lange hatte der Senator sich beraten lassen, verschiedene Meinungen und Besuche hinter sich gebracht, um schlussendlich einen Schritt in die Richtung zu machen, die ihn seinem Ziel würde näher bringen.
    Als Erste, das brachte der Anstand und die Konvention mit sich, musste er seine Frau darob in Kenntnis setzen. Eine Pflicht, die ihm fürwahr nicht gerade ein Lächeln abringen konnte, doch jene, die er auch nicht ungerne auf sich nahm. In letzter Zeit sahen sie sich sowieso recht selten und wenn er seinen ehelichen Pflichten nachging, so geschah dies auch im flakernden und unausfüllendem Kerzenlicht. Viele vermuteten schon, dass die Schönheit oder die Art der Gemahlin den Flavier nicht mehr zu reizen vermochte, doch niemand wusste, dass dieser sich, ganz Mann, nicht vielerlei Reizen aussetzen konnte und im Moment von den der Tiberia Septima ganz eingenommen ward.
    So schickte er einen Sklaven am Vortag mit einer Mitteilung zu seiner Gemahlin, so dass sie heute gemeinsam speisen sollten.
    Gespannt lag er also auf der Kline und verzehrte das obligatorische Vorgeplänkel aus Speisen wie Trauben, Datteln und anderen Früchten.


    Sim-Off:

    Reserviert

    ad Domum Consulae


    Roma
    Provincia Italia


    _________________________________________________


    L. Flavius Furianus s.p.d.



    Hiermit gebe ich kund, dass ich, Senator Lucius Flavius Furianus, Sohn des Senators Secundus Flavius, beabsichtige vor dem Römischen Senat um das Amt des Consul zu kandidieren.
    Darob schreibe ich Dir, um auf die Liste der diesjährigen Candidati gesetzt zu werden und vor dem Senate zu gegebener Zeit das Wort ergreiffen zu dürfen.





    Ein wenig betroffen stand der Senator mit seinem Becher in der Hand. Der Tod hatte schon einige seiner politischen Freunde dahin gerafft, viele gute Männer, insbesondere aus seiner Klasse, waren dem Schicksal ergeben gewesen und wurden mitgerissen in den Strudel der Annalen.
    "Scribonius Curio war auch mir ein guter Freund.", sagte er entrückt und starrte einige Augenblicke in den schon fast erschöpften Inhalt seines Bechers. Die anderen Männer, gewiss mit Meriten und Verdiensten geschmückt, kannte er persönlich nicht. So lauschte er den doch recht melancholisch anmutenden Worten des alten Censors und nickte.
    "Ja, die Kapriolen des Lebens streben für jeden Mann in unerreichte Höhen - und Tiefen.", sagte er zum Abschluss und wollte das Thema am liebsten umgehen. Es war ihm nicht wohl dabei an die womöglich düstere Zukunft zu denken. So ließ er sich ebenfalls puren Wein einschenken und nickte.
    "Ich hoffe auf einen nicht gerade ambitionierten Mitstreiter. Die Lust, das kann ich unumwunden zugeben, einen inneren politischen Kampf mit ihm zu führen, die habe ich gewiss nicht. Und um ehrlich zu sein, wünschte ich mir eine Amtszeit ohne große Umschwünge und Katastrophen, eine ruhige Periode. Natürlich würde ich mir die Bewältigung schwerer Zeiten ebenfalls zutrauen, doch eine ruhige Amtszeit ist wohl jedem Mann genehm."
    Außer dieser Mann strebte noch weitere Gefilde an, gar den Kaisertitel. Aber dazu fühlte sich der Flavier noch nie berufen.

    Der Flavier lächelte charmant auf die doch recht uncharmante Kommentierung des Purgitiers.
    In seinem Inneren brodelte es nur und er musste sich sehr beherrschen, um den verdienten Senator in seinem Sichtfeld nicht zu diffamieren oder anderweitig bloß zu stellen.


    Nun schritt man jedoch endlich zur Abstimmung und der Flavier war nun doch recht angespannt.

    Der Flavier konnte nicht umhin milde zu Lächeln.


    "Dann liegt in der Tat ein Missverständnis vor. Ein beidseitiges, fürchte ich.", kommentierte er die Veränderung in der Mimik.
    "In der Tat war mein Vorschlag eines Codex Commercialis einer organisatorischer Art. Mitnichten würde ich die Lex auseinander nehmen und in einem Codex zusammenfassen. Mit dem Codex wollte ich lediglich die schon vorhandenen oder noch zu verabschiedenden Gesetze unter einem Namen zusammenfassen. In ihren jeweiligen Ausprägungen bleiben sie selbstverständlich unberührt, sondern werden einfach nur einem Gebiete, nämlich in diesem Falle dem der Wirtschaft, also Commercialis, zusammen gefasst, um eine bessere Orientierung nicht nur für Advocates, sondern auch für den einfachen Bürger, zu erwirken.
    Als Beispiel fungiert der Codex Militaris, welcher aus drei Teilen besteht, dem Allgemeinen, dem der Vigiles und der Lex Academia Militaris. So würde ich ebenfalls jenes Gesetz, über welches wir gerade reden, sowie die Lex Mercatus, Lex Germanica Servitium und noch gegebenenfalls die Lex Flavia de frumentationibus unter dem Oberbegriff eines Codex Commercialis zusammenfassen.
    Nicht mehr und nicht weniger. Die Gesetze an sich bleiben in ihrer jetzigen Form, mit ihrem Namen, Paragraphen und allem, was sonst dazu gehört, bestehen. Lediglich eine Oberbezeichnung und ein allgemeiner Teil würde neu in Erscheinung treten, da die Gesetze, welche ich ebend aufgezählt, meiner Meinung nach nicht mehr in den Codex Universalis gehören, sondern einen eigenen Codex bilden sollen."


    Nun hoffte er, dass seine Absichten klar und deutlich hervor gebracht worden waren. Dass dies nun Macer egal war, war nunmehr dem Flavier egal - aber das wusste man ja nicht voneinander.

    Der Flavier winkte ab.
    "Ich habe noch viel zu tun heute. Einen angenehmen Tag. Valete.", schließlich würden seine Mitiudices ihn von den Ergebnissen ihrer Erkundung in Kenntnis setzen. Und ein so schöner Tag war nicht von den Göttern geboren, um ihn im carcer verstreichen zu lassen.
    Also entfernte sich der Flavier unter einem vorgetäuschten Aufwand und verließ das Gerichtsgebäude wenige Minuten später in Richtung Villa Flavia Felix.

    "Senator Macer, wenn ich dich richtig verstehe, befürwortest du eher die Sammlung verschiedener Sachverhalte in einer Lex anstatt die Legis, welche verschiedene Sachverhalte beschreiben in einem Codex?", fragte er noch einmal nach, da ihn diese Antwort doch erstaunte und er darob nicht sicher , ob dies die Intention des Senators auch wirklich war.
    "Ich wäre somit ein wenig verwundert, da eine sinnvolle Unterteilung der Sachverhalte dem Verständnis und der Logik dienlicher ist, als die Ansammlung in Einem."
    Das war zumindest der Leitgedanke der modernen Logik, welchen Aristoteles, seiner Meinung nach passiv, mit der Unterteilung der Gebiete erreichte. Schließlich gab es ja nun außer der Philosophie dank dieses Mannes die Unterteilung in Astronomie, Mathematik, Naturkunde und anderweitige Gebiete. Dass dieses dienliche Prinzip auch auf Gesetze an gewendet werden musste, schien dem Flavier da nur logisch - und bisher war das auch so.


    Nun lauschte auch er angespannt dem Consul, dessen Intention der Flavier abermals nicht einzuschätzen vermochte. Entweder war dieser vollumfänglich mit dem Vorschlag des Flaviers einverstanden und drängte zur Ratifizierung oder es war die Kehrseite und der Consul ersehnte eine Debatte, welche den Vorschlag des Flaviers zugrunde redete.
    Der junge Aurelier, welcher der Mann seiner neusten Aufmerksamkeit war, ergriff als erster das Wort. Flavius Furianus dachte einen Bruchteil einer Sekunde daran, dass jener womöglich ob des Umstandes zwischen ihm selbst und seiner Frau in Kenntnis gesetzt worden ist und nun politisch ersehnt den flavischen Senator zu vernichten. Doch allen Befürchtungen zum Trotz kam statt einer Schelte oder einer anderweitig negativen Behauptung ein recht kluger Einwand.
    Sofort nickte der Senator bedächtig, denn er hatte dies auch schon bei der Formulierung dieser Lex abgewogen.


    "Ja, wie auch Senator Aurelius, so halte ich diese Erwähnung für sinnvoll, da diese Kleinigkeit das wirtschaftliche Leben doch zum Erliegen bringen könnte, wenn Bürger einer pedantische Einhaltung der Gesetze den Vorzug geben.
    Die Formulierung der "Geschäfte des täglichen Lebens" würde ich daher mit einbringen. Ich denke, dass eine Aufzählung jedes Geschäftes nicht im Sinne unser aller sein kann und diese vage Formulierung den Iudices genügend Spielraum gibt, um bei Diskrepanzen zwischen den Parteien die Klage sofort abzuweisen oder die Verhandlung aufzunehmen. Außerdem wird die Auslegung dieser Formulierung schon durch einen Präzedenzfall für alle konform.
    Demnach sähe der Entwurf wie folgt aus."


    Der Senator las noch einmal vor, wobei er die Änderung besonders zu betonen pflegte:


    Lex Flavia de operositas


    1 § über die Gültigkeit (de bonitas)


    Mit sofortiger Wirkung vom XXX tritt dieses Gesetz in Kraft.


    2 § Bestimmung (definitio)


    1. Die Geschäftsfähigkeit ist die Fähigkeit Verträge, Geschäfte und Pflichten aufzunehmen.
    2. Frauen sind keine Träger von Pflichten.


    3 § über die Geschäftsunfähigkeit (de infantia)


    1. Geschäfte von Geschäftsunfähigen sind nichtig.


    Geschäftsunfähig ist,
    2. wer das siebente Lebensjahr nicht vollendet hat (infantes).
    3. wer sich in einem dauernden Zustand geistiger Störung befindet (furiosi).


    4 § über die beschränkte Geschäftsfähigkeit (de impuberes infantia maiores)


    1. Geschäfte von beschränkt Geschäftsfähigen sind schwebend unwirksam und bedürfen der Zustimmung des Vormundes. Dies gilt nicht für Geschäfte des täglichen Lebens oder für jene, durch welche der beschränkt Geschäftsfähige lediglich bereichert wird.
    2. Beschränkt Geschäftsfähige sind keine Träger von Pflichten.


    Beschränkt geschäftsfähig ist,
    3. wer Sklave ist
    4. wer ein Verschwender (prodigus) im Sinne des Zwölftafelgesetzes ist.
    5. wer das vierzehnte Lebensjahr nicht vollendet hat (pubertas).
    6. wer unter einer Patria Potestas steht.


    Abwartend ob weiterer Meldungen, blieb der Flavier stehen.

    Der Senator musste herzhaft auflachen, als die Tiberia das Problem ob ihrer Haare erwähnte. Daran hatte er wirklich nicht gedacht, er, der alle Eventualitäten mit Bedacht durchdachte. In dieser Hinsicht war sie ihm voraus und er nickte anerkennend, ehe er eine Antwort formulierte, die das Problem nicht gerade abschaffen konnte.
    "Da es hier keinen Fluss, bis auf den Tiber, in der Nähe gäbe, wird es schwierig. Denkst du dein Gemahl ist solch ein Kleingeist, dass er glauben könnte, dass es einige Meilen außerhalb Roms geregnet hat, während es in der Urbs Aeterna selbst trocken blieb?"
    Vielleicht war das ja anzunehmen. Ihren Gemahl, diesen jungen Aurelius, kannte er wahrhaftig nicht. Selbst den Reden, welche der Jungspund äußerst selten im Senat schwang, hörte der Flavier nie zu. Es war seine selektive Natur, welche den jungen Aurelius stets in die Schublade der Unbedeutung zwang und den Flavier nötigte seine Aufmerksamkeit wichtigeren Gedanken zuteil werden zu lassen - den eigenen.
    "Ich könnte einen Sklaven auspeitschen lassen, welcher aus Missgeschick, eine Karaffe Wasser über dich geschüttelt hatte.", und bei diesen Worten konnte er nicht mehr die Spur Ernsthaftigkeit halten, lachte abermals auf. Dennoch waren seine Worte ernster als ihre Übertragung. Selbstverständlich würde er jeden Sklaven ohne Grund auspeitschen lassen, auch wenn es der Vertuschung diente. Dabei warf er rein zufällig einen Blick auf Cassander, welcher sich schleunigst umdrehte, da er seinen Herrn nur zu gut kannte.


    Das nicht gerade begeistert wirkende Gesicht seiner Geliebten forderte nunmehr seine Aufmerksamkeit. Er hatte sich schon gedacht, dass ihr die Idee eines Stallbesuches nicht gerade zusagen sollte, doch dieser Ausdruck war mehr als eindeutig. In Ermangelung der Kunst im Schauspiel ihrer Mimik, war diese Frau für ihn wie ein offenes Buch. Ganz anders als seine Gemahlin, welche stets steif und unemotional zu wirken schien. Das wiederum machte sie umso abstoßender für ihn, je geschickter sie ihre Contenance zu wahren wusste.
    Er lächelte abermals gutmütig und ergriff sanft die Hand der Tiberia, um diese leicht zu küssen.
    "Keine Sorge, dieser Besuch wird nicht von Dauer sein.", beruhigte er sie. Vermutlich dachte sie, dass er dort einen gediegenen Rundgang zu machen pflegte. Dahingehend musste sie sich täuschen, denn dem Flavier lag nichts ferner, als sich mehr als nur nötig in den Ställen aufzuhalten. Die Pferde würden sowieso vorgeführt werden, beschloss er.
    "Anubis? Natürlich.", kommentierte er und wollte die Hand reichen, ehe er unwirsch von ihr ermahnt wurde die Toga zu richten. "Ich glaube kaum, dass der Senat in meinen Stallungen heute tagt.", bemerkte er daher lächelnd und kümmerte sich nicht darum. Vermutlich war es sowieso bequemer und dem Anlass entsprechender in eine Tunika zu steigen. Der Flavier war jedoch kein gewöhnlicher Mann, nicht einmal ein gewöhnlicher Senator, so dass er stets die Toga trug - außer in seinem Arbeitszimmer. Und in gewisser Hinsicht war dieser Besuch einer so reizenden und angesehenen Dame ein guter Anlass dies auch beizubehalten.


    Dann, als die Prozedur um ihre Frisur vollendet war - das erstaunte ihn vielmehr, als seine Toga im Stall, würde sie doch niemand außer ein paar Sklaven und ihm sehen - gingen beide ab.
    Der Senator führte sie abermals durch die Villa hin zum Haupteingang, welchen sie durchschritten und gen Osten schritten, zu den Stallungen hin. In weiser Voraussicht war Cassander selbstverständlich vorgeeilt und hatte Anubis, sowie andere ausgewählte Rösser, schon an den Zügeln.
    Sogleich, als die Bezäunung erreicht wurde, löste sich der Senator aus dem Griff der Tiberia und schritt unbedacht, mit einem gutmütigen Gesichtsausdruck, auf die Pferde zu. Zuerst erfuhr, wie immer, sein geliebter Anubis die Zärtlichkeit des hier recht rar anzutreffenden Besitzers. Furianus klopfte dem Pferd einige Male liebevoll an den Hals und strich diesen anschließend. Zärtliche Worte folgten, welche die Tiberia jedoch nicht verstehen konnte, da sie vom Senator vor der Bezäunung verlassen wurde. Nachdem er seine Pflicht vollbracht hatte, drehte er sich schließlich zu der Dame hin und winkte sie herbei.
    "Nun darfst du kommen. Anubis ist nämlich nicht jedem Fremden aufgeschlossen, musst du wissen. Man muss ihn zuvor etwas beruhigen.", schließlich war das Pferd auch nicht mehr jung.
    Mit gewissem Vergnügen erwartete der Flavier seine Geliebte. Er wusste nicht, inwieweit sie mit diesen Tieren vertraut war und an sich waren Frauen schreckhaftere Geschöpfe als Pferde - so dachte er. ;)

    "Zudem wäre es für die Debatte recht förderlich, wenn sich jemand zu meinem Vorschlag, den Codex Commercialis betreffend, äußern würde.", entgegnete der Flavier noch einigen Minuten.


    Irgendwie war der Senat, vielleicht mochte es an dem guten Wetter liegen, recht träge geworden.

    Obgleich der Flavier nicht erwartet hätte, dass er eine solche Wirkung auf die junge Tiberia hatte, nickte er lächelnd auf ihre Dankbarkeit. Vielleicht würde sie ihm recht gefügig sein, ein Spielzeug in seinen Händen, ob dies nun rein körperlicher oder auch politischer Natur sein konnte, beantwortete er bisweilen nicht. Er konnte es auch nicht, schließlich genoss er diesen Moment der vollkommenen Einsamkeit von Konventionen und der römischen Gesellschaft.
    Bevor ihn der Gedanke, dass er hier gegen Sitte und Brauch verstieß, ereilen konnte, nahm ihn ihr Kuss völlig in Anspruch, so dass sein Geist nicht willig war auch nur an irgend etwas zu denken. Ja, viele Männer waren den Genüssen von Speisen und Frauen seit Anbeginn der Zeit verfallen. Dass Furianus zu den letzteren gehörte, störte ihn nicht sonderlich. Kurz war es und so lösten sie sich.


    Ein wenig hatte er die Unbeholfenheit seines Gegenübers belächelt, ließ es jedoch nicht so aussehen, als würde er sie gar auslachen. Das wäre auch zu viel der Interpretation gewesen. Nein, es schmeichelte ihr vielmehr, waren dies doch die Zeichen der Jugend, der Unvollkommenheit, der nicht durch zahllose Matronen beeinflussten und gesteuerten, belehrten, Wesen, die es in Rom zuhauf gab. Diese Wesen waren kalt, bedacht auf ihre eigenen Ziele und niemals hätten sie sch solch ein Missgeschick so charmant anmerken lassen.
    Die Tiberia glich in seinen Augen einem ungeschliffenen Diamanten, der alle geschliffenen auch in seinem jetzigen Zustand überragte. Er wollte ihn auch nicht geschliffen wissen, sondern so, wie er war.
    Ihr Kuss unterbrach abermals den Strom seiner Gedanken und das wohlige Gefühl, welches er dabei empfand, verdrängte sowieso jeglichen Keim anderweitiger Ablenkung. Sie zu schmecken war seine größte Errungenschaft der letzten Monate - gut, viel hatte er nicht gemacht, doch seit seiner Krankheit empfand er das Leben als eine Bürde der Götter. Bis jetzt zumindest, denn nun wusste er, dass sie ihm nur hold sein konnten.
    Behutsam umrundete seine Hand ihr Becken und strich leicht an ihrer Seite entlang, ehe er sich von den heißen Küssen löste. Ein Lächeln folgte.
    "Von mir aus kannst du ruhig in Datteln baden.", und einen Moment später küsste er der Spur entlang, die sich hatte durch ihr Missgeschick mit der Dattel, welches ebenso gut eingespielt sein konnte, auf ihrer Brust gebildet hatte. Doch ehe sie annehmen konnte, er würde durch das süße Aroma nicht aufhören können, löste er sich bewusst von ihr, auch wenn er wusste, dass es gefiel. Zärtlich küsste er seine Geliebte.
    "Es wäre aber durchaus nicht schlecht nun ein Bad zu nehmen."
    Just eine Sekunde später wurde die entsprechende Order an Cassander geleitet, welcher sich bereit machte die hauseigenen Thermen vorzubereiten. Und da das Aufheizen des Wassers eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen würde, entschloss sich der Flavier seinem Gast doch ein wenig mehr zu zeigen als das, was sie bisher gesehen hatte.
    "Komm´ich zeige dir die Ställe.", sagte er, nachdem er zärtlich ihre Hand ergriff und zum Gehen sich anschickte.
    Natürlich konnten sie hier den ganzen Tag verbringen, doch dem Senator lag etwas daran, dass dieses Geheimnis zwischen ihnen auch gut geschützt sein würde. Etwaige Nachfragen ihres Gatten bezüglich den Ställen würden vielleicht kommen und da er nicht annahm, dass sie später dazu die Zeit finden würden - Furianus hatte noch einiges im Sinn - konnte das auch jetzt erledigt werden.

    "Senator Aelius, du kannst ebenfalls davon ausgehen, dass niemand im flavischen Hause dem Alcibiades gleicht.", versicherte der Flavier noch einmal, als der Aelier geendet hatte. Und das war schlichtweg erlogen, war doch das Ziel der Familie nicht der Zusammenschluss mit den Aeliern, sondern stabile Verhältnisse im Reiche - egal unter welcher Schirmherrschaft. Wenn dabei noch einige außerordentliche Verfügungen zum Gunsten der Familie aufgegeben wurden, dann umso besser.
    Hier jedoch waren vage Zusagen seitens der Aelier keineswegs der Unterstützung des gesamten Flavischen Geschlechtes gegenüber zu stellen. Zwar war die vage Formulierung seines Vetters, der eigentlich sein Onkel war, in dieser Situation ausgesprochen weise gewesen, doch auch bei aller Umsicht, ärgerte dies den Flavier. Vage Zusagen hatten schließlich die Angewohnheit im Zeitpunkt ihrer Erfüllung unterschiedlich stark von den jeweiligen Parteien bewertet zu werden.
    "Es wird wohl schon ein Gerücht, zwar latent und äußerst leise, jedoch mit einem Funken Wahrheit geben. Nämlich jenes, dass ich beabsichtige zum Consul zu kandidieren.", fing er an und nahm einen Schluck aus seinem Becher.
    "Es wäre mir daher ein persönliches Anliegen, wenn die aelische Familie und ihre Vertreter im Senat, sowie insbesondere eine Geste des Kaisers, meine Situation begünstigen könnten.", sprachs aus und fixierte Quarto mit einem festen Blick.
    Dies wäre ein erstes Zugeständnis, eine öffentliche Annäherung nicht nur Quartos, sondern umso mehr des Kaisers, wobei ihm just in diesem Moment noch etwas anderes auffiel.
    "Zudem wäre ich dir, Aelius, sehr verbunden, wenn du den Kaiser auf einen kürzlich von mir aufgelegten Epistel aufmerksam machst, in welchem ich ihn ob seiner Verpflichtung, den Arvales Fratres als Kaiser beizutreten, erinnerte."


    Zu der Heiratspolitik, welche zwangsweise, da hatte Quarto vollkommen recht, anstehen würde, wollte er sich zunächst nicht äußern. Vielmehr nahmen die Speisen für weitere Augenblicke seine Aufmerksamkeit in Beschlag und er blickte nur dann auf, als der Aelier geendet hatte.
    Wieder eine vage Formulierung, gab es doch augenscheinlich seitens der Aelier keine freie Partie. Zumindest wusste der flavische Senator von keiner.
    "Eine Eheverbindung wäre, da muss ich unserem Freund beipflichten, eine logische und unvermeidliche Konsequenz.", kommentierte er.
    Damit wurde Quarto, so hoffte der Flavier, versöhnlich gestimmt werden können, um ihre ersten Forderungen zu erfüllen. An eine Ehe dachte hier wohl kein Flavier, vielleicht der junge Piso, doch der flavische Senator war sich sicher, dass sein Vetter, welcher sein Onkel war, einer Verbindung mit einem plebejischen Geschlecht, so erhaben und nobel es sein mochte, auch nur mit schwerem Gram zustimmen würde - wenn überhaupt. Der Flavier wohl kaum, oder zumindest unter außerordentlich schwerer Lage.
    Natürlich waren Patrizier und Plebejer schon seit vielen Generationen vom Gesetze her gleich und Ehen zwischen diesen Klassen legitim, doch latente Barrieren gab es immer. Diese Barrieren mochten bei einigen Patriziern nicht so ausgeprägt sein, wie die sehr hohe Mauer der Überwindung bei Flavius Furianus.

    Ob des emotionalen Ausbruches des Urbaners war der Flavier ein wenig indigniert, erwartete er doch mehr Professionalität von den Beschützern Roms. Aber aufgrund der Tatsache, dass der Mann tagtäglich mit dem schmutzigen Abfall menschlicher Charaktere zu tun hatte und wohl froh war auch nur irgend einen davon später für lange Zeit im Carcer verwahrt zu wissen, konnte der Senator daher etwas Verständnis aufbringen.
    Dennoch räusperte auch er sich hörbar und ließ die flavische Augenbraue, was nun was als Brauch zu konstatieren galt, gen Himmel empor gleiten.


    Kurz darauf notierte er sich etwas und bedeutete Macer mit einem Kopfschütteln, dass er in dieser Sache keine Fragen mehr hatte.

    Neckisch zwinkerte er ihr zu, als sie verlauten ließ durchaus für mehrere Mahlzeiten willig zu sein. Dies kam ihm, sobald sich seine Lenden ausreichender Erholung zugetan hatten, sicherlich sehr entgegen.


    Die Frage nach den Sklaven versetzte ihn jedoch für einen Augenblick in kurze Verwirrung. Dass sie so reagierte, machte sie nicht unbedingt reizvoller, schließlich schwang damit eine gewisse Fürsorge für Sklaven mit. Dies konnte der Flavier noch nie aufbringen, geschweige denn für diese Art von Denkweise Sympathien gewinnen.
    "Ich wolte dich damit keineswegs kompromittieren, Liebste.", entgegenete er entschuldigend und wurde erst später dessen gewahr, was er gerade von sich hatte gegeben. Liebste, nannte er sie unterbewusst und dieses Wort hatte den Flavier sehr erstaunt, gehörte es zwar sehr wohl seinem Vokabular an, doch in Gegenwart einer Frau hatte er dies noch nie benutzt. Erschrocken ob der vielleicht zu großen Blüte der Zuneigung zu der Tiberia, war er für einen kurzen Augenblick recht abwesend und schaute in die Leere auf den reich gedeckten Tisch. Plötzlich jedoch riss er sich auf einmal aus seiner Apathie und blickte ihr in vollem Ernst in die Augen.
    "Ich bin nur sehr darauf bedacht, dass der Samen, welcher zwischen uns gesät, im Verborgenen keimt. Nicht aus Selbstsucht, meine Liebe, sondern vielmehr aus Rücksicht zu dir, ist es mir ein besonders großes Anliegen, dass dein Ruf, deine Ehre, unangetastet rein bleibt in dieser doch recht schmutzigen Gesellschaft.", und abschließend unterstrich eine leichte Streicheleinheit seiner rechten Hand auf ihrem Kinn die Bedeutung.
    Natürlich ging es ihm primär um sich selbst und der aus dieser Laisson entfachten Feuer auf Aurelischer Seite, doch das würde der Flavier niemals zugeben.
    Kurz darauf folgte ihr leiser, jedoch umso deutlicher Ausspruch, welcher ihn wieder leicht aus der Fassung brachte, da er annahm diese leisen Zweifel könnten erwachsen und seine neue Geliebte sich in Rage um Kopf und Kragen reden - zuerst natürlich ihr noch recht junges Verhältnis begraben. Was ihm nun mehr Sorgen bereitete, war zum Ersteuner seiner selbst, die Aussicht heute nicht noch einmal bei ihr zu liegen. Er war eben ein Mann und in seinen Gelüsten nur für einen Augenblick gebaut.
    So stellte sich der Senator unwissend, als habe er ihren leisen Zweifel überhört, lächelte freundlich und zog ihr Kinn zärtlich näher zu sich, um ihr einen flüchtigen, jedoch sinnlichen Kuss zu geben. In der Hoffnung damit die Zweifel im Keime erstickt zu haben, lächelte er sie an und verköstigte eine der saftigen Datteln, welche vor einigen Augenblicken gereicht wurden.
    "Ich denke, hier entwickelt sich etwas Wunderbares, meinst du nicht auch?", fragte er, nachdem er die Dattel erfoglreich zerkaut hatte, um ihren Gemütszustand ein wenig zu erforschen. Denn wenn sie sich nun binnen kurzer Zeit anders entschieden hatte, musste er es wissen, um ihre Leidenschaft so schnell wie möglich neu entfachen zu können, bevor sie ihm erkaltet durch die Hände glitt und dies noch irgendwo unbedacht ausrief - gar bei ihrem Gatten.

    Der Flavier quittierte ihre doch mehr als zweideutigen Kommentare mit einem gönnerhaften Lächeln. Leise und bedächtig stieg ihm in den Kopf, dass diese Frau womöglich mehr fordern konnte, als er bereit war zu geben.
    Eigentlich ein wohliger und schmeichelhafter Gedanke für einen Mann. Grundsätzlich, doch hatte der Flavier weder die physische Kraft eines juvenalen Liebhabers noch dessen Zeit. Schließlich war sein Bedürfnis gesättigt, zumindest für´s Erste und so setze er gleichsam andere Prioritäten, als am Anfang dieses Tages.
    "Wenn das die Vorspeise war, so freue ich mich umso mehr auf den Hauptgang, den Salat, die Nachspeise und die Speisen danach, für die ich jetzt keine Bezeichnung habe.", witzelte er ihr entgegen und war sich selbst nicht so ganz sicher, ob er den ganzen Tag nun essen wollen würde. Er würde es wohl auf den Moment und seinen Gemütszustand ankommen lassen.


    Die Speisen wurden aufgetischt und hungrig griff der Senator zu den ersten deftigen Speisen, welche an so einem sonnigen Tag unter freiem Himmel und nach solch einer glücklichen Liason geradezu fantastischer nicht schmecken konnten. Hühnerschenkel waren seine erste Beute.
    Septima strahlte, was ihm natürlich nicht verborgen blieb, und so nutzte er die Chance mit ihr ein wichtiges Gespräch zu erläutern.
    "Ich hoffe doch aurelische oder tiberische Sklaven sind verschwiegen.", setzte er an und blickte ihr mit einem leichten Lächeln in die Augen. Eigentlich war dies unpassend ob der Worte, welche gleich folgen würden: "Denn wenn nicht, sollten sie austauschbar sein, wenn du weißt, was ich meine."
    Und damit meinte der Senator nichts anderes als den Tod. Ein großes Opfer, zwei Sklaven zur Strecke bringen zu lassen und dafür zwei andere zu kaufen, waren Sklaven in letzter Zeit doch teurer geworden. Wenn sie dies öfters wiederholten, würde seine Privatkasse sehr darunter leiden, fiel ihm nun ein.

    Das ungemein animalische Spiel ihrer beiden Becken gefiel ihm außerordentlich. Zuerst war er ein wenig perplex ob ihrer forschen Art und Weise, dachte daran, dass sie sich einige Augenblicke zuvor noch geziemt hatte große Schritte in die Richtung der Vereinigung zu machen. Und nun war sie wie ausgewechselt, was der Flavier nicht unbedingt als schlecht auszulegen wusste.
    Auch er fing an bei der Erforschung seitens ihrer Hände zu beben. Dieses Spiel war für ihn wie ein Delirium, in welches er sich reinzusteigern liebte. Am liebsten wollte er dies ohnehin nicht zum Ende kommen lassen, sondern tat sein Möglichstes, um den Augenblick der Explosion seiner Lenden hinaus zu zögern.
    Stetig fordernd presste er sowohl seine Lippen auf die ihren wie auch seinen Körper. Der Rhytumus wurde jedoch mit der Zeit immer galoppierender und obwohl ihm die Liebkosung ihrer Brüste durch das störende Kleid verwehrt wurde, so hatte er damit umso mehr die Gelegenheit ihre Lippen wie auch ihren Hals entlang alle Stellen zu erforschen, welche sich ihm darboten.
    Das leise Hecheln nach Luft, das Klimpern ihrer Ohrringe und ein leichter Ausstoß aus seiner Kehle durchbrachen die Idylle der Umgebung.
    Mit einer von Schweiß benetzten Stirn erhob sich der Senator wenige Augenblicke später und genoss einen der wenigen Augenblicke, in welchem es ihm egal war wie seine Toga saß, wie gut frisiert und parfümiert er war. Es war einer solcher Augenblicke, in denen sich Flavius Furianus nicht für sich selbst interessierte, nicht nach sich selbst roch, sondern voller Zufriedenheit seine Gespielin anblickte, um einen kurzen Moment einen vollen Zug der frischen Luft zu nehmen und darauf ein Lächeln folgen zu lassen.
    Leicht umspielte er mit den Fingerspitzen das schöne Gesicht der sichtlich ermüdeten Septima und legte sich auf seine Kline zurück.
    "Und nun sollten wir essen.", hauchte er ihr dann entgegen.


    Damit die Sklaven dies auch hörten, klatschte er in die Hände. Nun hatte er wirklichen Hunger. ;)

    Als sich Senator Macer als erster Redner zu Wort meldete, hatte der Flavier auch keine unnötige Frage zu erwarten. Ob jedoch die ersten Sätze eines Komplimentes würdig waren oder doch überspitzte Kritik beinhalteten, dessen war er sich unsicher. Und so dachte er einige Augenblicke nach, um eine Antwort zurecht zu legen, bis sich jäh der Frevler zu Wort meldete.
    Abwartend bereitete er sich schon auf einen hämischen Wortschwall vor und wurde selbstverständlich nicht enttäuscht. Der Flavier beschloss die Antwort für beide zu formulieren, es war einfacher und logischer dies zu tun.


    "Ich würde gerne zuerst auf den Kommentar des Germanicus Avarus antworten, da dies auch eine Antwort auf die Frage Senators Macer beinhalten wird.", führte er zur Erklärung aus und räusperte sich, ehe er anfing.
    "Germanicus Avarus hat recht, bürokratischer Aufwand sollte vermieden werden. Jedoch ist dies Gesetz kein solcher Aufwand, wie mein Kollege nun zu bedenken gibt, sondern überdies vielmehr zur Vermeidung des bürokratischen Aufwandes gedacht. Und ja, dieser Gesetzesentwurf beinhaltet, wie es Germanicus Avarus mit der schönen Metapher des Beton umschreibt, hauptsächlich Sitten und Bräuche der römischen Lebensweise. Ich will dies auch gar nicht bestreiten.", der gute Beobachter erkannte vielleicht, dass der Flavier dem Germanicus die Titulatur des Senators verwehrte, aber das war nur ein latenter Punkt seiner AUsführung.
    "Dies möchte ich nun erläutern.
    Wie wir alle wissen ist dieses Reich innerhalb einiger weniger Generationen immens gewachsen. Die römische Lebensweise, unsere Sitten und Gebräuche, haben sich dadurch sowohl verbreitet wie auch vermischt mit anderen Kulturen und Lebensweisen.
    Diese römischen Lebensweisen, die sich, wie Germanicus Avarus ausgeführt hat, seit Jahrhunderten nicht verändert haben, in einem Gesetz zu verankern war mir daher ein großes Anliegen. Wir sollten schließlich bedenken, dass durch die Ausdehnung des Reiches dies römische Gesetz nicht nur von Römern ausgeführt wird, sondern ebenso von Fremden, von Perregrini, von Sklaven, Liberti, die ihre eigene Kultur auch nach einer womöglichen Freilassung nicht völlig abzulegen bereit sind oder schlichtweg für unnötig erachten.
    Dieser Gesetzesentwurf soll daher einer Verwässerung unserer Lebensweise verhindern, indem es diese zum Gesetz erklärt und auch darum vor Missbrauch oder falscher Auslegung schützt. Zudem schützt er eben diese Menschen mit anderweitigem kulturellen Ursprung, da sie römische Lebensweisen nicht erst durch Vermittlung, welche auch nicht immer ganz richtig ist, oder Probe erlernen müssen und so nicht nur zur Gefahr für Römer, sondern für sich selbst werden.
    Ich gebe hierfür ein Beispiel. Ein Händler als Aegyptus, welcher kein geborener Römer ist, mag annehmen, dass aufgrund der eigenen kulturellen Herkunft ein Mündiger das zehnte Lebensjahr erreichen muss. Nach römischer Sitte ist dies jedoch das vollendete vierzehnte Lebensjahr. Nun schließt er einen Kaufvertrag mit eben diesem Römer, welcher das geforderte Alter zur Mündigung nicht erreicht hat. Nach römischer Sitte ist dieses Geschäft demnach schwebend unwirksam, bis der Vormund des Römers die Einwilligung dazu erteilt. Das weiß der aus Aegyptus stammende nicht, denn in seinem eigenen kulturellen Kreis ist der Römer völlig mündig und geschäftsfähig. Der Vormund verwehrt dem Römer jedoch die Einwilligung und das Geschäft wird nichtig. Es kommt zum Konflikt beider Parteien. Auf was wird man sich nun berufen können? Auf welche Sitte? Kann sich der aus Aegyptus stammende auf die eigene Unkenntnis berufen? Nein, schließlich ist dies nur römische Sitte und kein für die Allgemeinheit einsichtiges und gleichsam wirkendes Gesetz."
    , eine kurze Pause, in welcher der Flavier einen gereichten Becher entgegen nahm, um seinen Mund zu befeuchten.
    "Dies erklärt auch die von Germanicus Avarus monierte Bürokratie. Was ist nun förderlicher? Ein Fall vor einem Gericht oder ein Gesetz, welches bloß eine Ratifizierung und eine Ablegung in den römischen Archiven bedarf? Senator Macer wird diese Frage sicherlich beantworten können, da er vor erst nicht allzu langer Zeit das Amt des Praetor Urbanus inne hatte.
    Ist es nicht so, dass dieses Gesetz in vielen Fällen eine Auseinandersetzung vor Gericht erspart? Und damit meine ich nicht nur dieses Beispiel, welches ich erbracht habe.
    Schließlich gibt es noch manigfache Anwednungen dieses wichtigen Gesetzestextes. Schließlich setzt es zudem fest, dass Frauen keine Pflichten auf sich nehmen dürfen, damit explizit die Rolle eines Vormundes nicht einnehmen dürfen. Damit schränkt man sie nicht nur vor öffentlichen Verpflichtungen aus, wie der Kandidatur für den Cursus Honorum, wie es in letzter Zeit Brauch wurde, sondern schützt sie ebenso vor Verpflichtungen, die ihre Möglichkeiten sowohl in finanzieller wie auch physischen Hinsicht überschreiten. Und man schützt nicht nur sie, sondern ebenso, wie abzulesen ist, Verschwender und Glücksspieler vor dem Verlust ihres über Generationen vererbten Eigentums.
    Dazu gab es doch kürzlich einen Fall, Senator Macer dürfte sich erinnern, bei dem ein Römer vor Gericht gezerrt wurde, weil man behauptete er habe einen Römer aus dem Ordo Senatorius ermordet. Dieser Mann verlor Hab und Gut seiner Ahnen aufgrund von Vernachlässigung und unsittlicher, gar ausschweifender Lebensweise. Er verkam also vom Opfer seiner selbst wie auch von Wucherern oder Banditen zum Täter, welcher vor einem Mord nicht zurückschreckte."

    Sim-Off:

    Ich habe versucht den Fall offen zu lassen, da die Verhandlung ja noch zu keinem Ergebnis geführt hat.


    "Solche Menschen sollten geschützt werden. Dies bedenkt dieses Gesetz ebenso wie den Schutz von Schutzbedürftigen vor Geldverleihern, welche sich an unerfahrenen römischen Jünglingen finanziell vergehen, um ihrerseits Kapital damit zu schlagen. Die gestärkten Rechte des Vormundes vereiteln dies ungemein effektiv.
    Und wir sollten bedenken, dass durch dieses Gesetz insbesondere Geschäftspartner sowohl auf der einen wie auch auf der anderen Seite durch eine fest verbindliche Regelung geschützt werden. Auch Peregrini werden somit vor Missbrauch geschützt, da zum ersten Mal für alle verbindliche Regelung aufgestellt werden, kulturelle Unterschiede auf die römischen Sitten und Gebräuche normiert werden."


    Nun wollte er seine doch so langen ausführungen prägnant zusammen fassen und wand sich an Avarus.
    "Daher glaube ich mitnichten, Germanicus, dass dieses Gesetz von der Tagesordnung gestrichen werden soll, denn es schützt dich, deine Kinder, Mündel wie auch dich als Eigentümer von Sklaven. Und nicht nur das, es schützt deine Frau, gleich jedem beliebigen Peregrinus auf dem Mercatus, es schützt Geschäftspartner, es schützt römische Sitten und Gebräuche, indem es diese zum Gesetz erhebt und daher für alle verbindlich festsetzt.
    Und insbesondere seit der Ausweitung unseres Reiches ist es umso wichtiger, dass unsere Sitten und Bräuche auch in den entlegensten Winkel unseres Reiches getragen werden. Dies, Germanicus, wird nur durch Gesetze geschehen, anstatt durch Mundpropaganda oder Erzählungen von Römern, welche sich wohl auch kaum auf jeden Marktplatz stellen werden, um dies einem Marktschreier gleich kund zu tun."


    Zudem glaubte er sowieso nicht, dass römische Lebensweisen in allen Teilen des Reiches ihre Anwendung fanden. Ein einheitliches, normiertes, Gesetz würde dem Abhilfe schaffen und die lokalen Gebräuche den der römischen Unterstellen.

    Die Liebkosungen ihrer Hände versetzten ihn in einen Zustand, welchen der Senator recht selten verspürte. Das gemeine Volk nannte es Gänsehaut. Leicht erschauderte er, nicht vor Unannehmlichkeiten, sondern vor Erregung, als sie mit ihren Händen über seinen Nacken strich. Da war er besonders empfindlich.
    Auch sie suchte seine körperliche Nähe und dem Flavier gefiel diese Reaktion, bedeutete sie doch, dass das unausweichliche Ziel ihrer beider Fantasien unaufhörlich aufeinander zuglitt. Einen kurzen Moment dachte er nach, ob er sie auf den Händen nicht auf eines der vielen Zimmer tragen sollte, doch er empfand dies als allzu anstrengend. Nicht, weil sie so schwer sein mochte, sondern, weil den Flavier bei physischen Betätigungen solcher Art seit seiner Krankheit die Kräfte allzu schnell verließen.
    Indess glitt seine Hand langsam ihre Taille herab und umfasste das wohlgeformte Gesäß, welches die großen Bildhauer Griechenlands nicht schöner hätten modellieren können.


    Nach dem kurzen Loslösen ihrer beider nach Sinnlichkeit lüsternen Lippen, schlich sich ein leichtes Lächeln auf seine Züge, als sie ihn mit Adonis gleichsetzte. Ein großes Kompliment für einen Mann, der auf sein Äußeres stets achtete, um nicht nur sich selbst, sondern auch den Frauen zu gefallen. Es war wie eine Bestätigung für seine Eitelkeit.
    "Was meinst du damit?", fragte er scheinheillig, ehe er lächelnd antwortete: "Ich esse doch bereits. Den süßen Nachtisch."
    Ein Grinsen schlich sich auf sein Gesicht und ihre weitere Liebkosung seines Nackens versetzte ihn abermals in das erregende Gefühl der Gänsehaut. Schnell ergriff er ihre Hand und es hätte den Anschein haben können, als gefiele es ihm nicht, doch statt dessen strich er sanft mit der seinigen ihren Handrücken entlang. Der Widerstand der Worte war kurz und in einem solchen Augenblick, in welchem es keiner Worte Bedarf gab, konnte er nicht länger ausharren und presste seine Lippen abermals an ihre.
    Eine solche Leidenschaft entwickelte er bei seiner Gemahlin kaum, denn der Reiz fehlte schon in der ersten Nacht. Alles war vorhersehbar und dies machte das Spiel der Reize zumindest für ihn zunichte.


    Nun stemmte er sich leicht ihr entgegen und sie musste unweigerlich nach hinten auf die Kline gleiten. Er selbst hatte fast den Fehler begangen sich über sie zu stürzen und womöglich sowohl sich wie auch sie die Kline über zu werfen. So setzte er sich neben sie, nachdem sie sich kurz vom Kusse getrennt hatten, und bagann auf´s Neue ihre Lippen mit vollem Genuss mit den seinigen zu umspielen.

    Ab und an war ein Murmeln, ein Seufzer oder Geräusche sondergleichen zu hören. Auf Wortmeldungen schien man jedoch bislang verzichten zu wollen und der Flavier fing an noch ein weiteres Mal seinen Gesetzesvorschlag durchzugehen. Vielleicht war ihm da ein Fehler unterlaufen und die Kollegen grübelten über den nun verkommenen logischen Aufbau...